Grímsvötn: Gletscherlauf und mögliche Eruption

Vatnajökull

Aus den Grímsvötn im Gletschermassiv Vatnajökull hat ein Gletscherlauf begonnen, berichtet mbl.is. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs im Anschluss des Gletscherlaufs. Wenn die Druckveränderung, die durch den Gletscherlauf im Vulkan entsteht, eine Eruption verursacht, dann ist das in den kommenden Stunden oder Tagen am wahrscheinlichsten, sagt der Geochemiker Benedikt Gunnar Ófeigsson, der beim isländischen Wetterdienst als Fachleiter die Messungen überwacht.

Wachsende Unruhe unter dem Gletscher
Kurz vor sieben Uhr heute morgen war ein Erdbeben der Stärke 4,3 an den Grímsvötn aufgezeichnet worden. Das war das stärkste Beben, seit dort seismische Aktivität erfasst wird. In den letzten Tagen hatte es schon wachsende Gletscherlaufunruhe im Berg Grímsfjall gegeben und im Fluss Gígjukvísl war der Wasserpegel angestiegen.
„Da kann ein Ausbruch folgen,“ sagte Benedikt Gunnar. Sicher sei schon jetzt, dass die Druckveränderung etwas losgetreten habe, nachdem der Gletscherlauf begonnen hatte. Und dann kam das Erdbeben von heute morgen. „Das war klar, dass das den Vulkan etwas erschüttert hat. Jetzt ist die Frage, ob das reicht, um eine Eruption auszulösen.“

Zuletzt waren die Grímsvötn im Jahr 2011 ausgebrochen, bei dem Vulkanausbruch hatten sich die Seen so gut wie geleert. Benedikt erklärt, bei den Grímsvötn spiele der Wasserpegel eine entscheidende Rolle für die Druckveränderung, nicht die Wassermenge. Für den Vulkan stelle das Ende des Gletscherlaufs mit seiner Druckveränderung die meiste Belastung dar, genau dann bestehe die Gefahr eines Ausbruchs, und zwar kurz nach dem Gletscherlauf – wenn überhaupt.

Könnte Flugverkehr stören
Die Behörden hatten heute morgen die Ungewissheitsstufe für den Vulkan ausgegeben, für den Flugverkehr gilt der gelbe Code.
Der Geochemiker Magnús Tumi Guðmundsson hatte erklärt, wenn die Grímsvötn ausbrechen, werde es sich um eine eine explosive Eruption handeln, die Störungen für den Flugverkehr mit sich bringe.
Touristen in der Region sollten äusserste Vorsicht walten lassen.

Erneut seismische Unruhe auf der Halbinsel Reykjanes

Keilir

Auf der Halbinsel Reykjanes gibt es seit gestern Mittag wieder eine erhebliche Erdbebenaktivität. Das heftigste Erdbeben wurde mit einer Stärke von 3,9 nördlich von Grindavík aufgezeichnet, weitere Beben der Stärke zwei und drei folgten. Letzte Nacht gegen 23 Uhr bebte die Erde auch im Vulkan Bárðarbunga, dort wurden 4,9 aufgezeichnet.

Einar Hjörleifsson, der diensthabende Spezialist für Naturkatastrophen in der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst, sagte RÚV heute morgen, die seismische Aktivität auf der Halbinsel habe sich nach Mitternacht verstärkt. Er sehe keine Anzeichen für vulkanische Unruhe, allerdings überwache man die Lage engmaschig.

In einem Interview mit Vísir im September hatte Benedikt Gunnar Ófeigsson von der Erdbebenabteilung erklärt, dass sich auf der Halbinsel das Land erneut hebe und dass man in den kommenden Monaten mit einem weiteren Vulkanausbruch dort rechnen müsse. Dabei sei dies das erste Mal, dass sich die Landhebung so früh nach dem Ende des letzten Ausbruchs zeige. Der Vulkanausbruch am Litli Hrútur hatte am 10. Juli begonnen und nur einen Monat angedauert. Wissenschaftler sind sich einig, dass auf der Halbinsel eine neue vulkanische Ära eingesetzt hat und dass die Region in naher Zukunt mit häufigen Ausbrüchen rechnen kann.
Auch in der Bárðarbunga hat es gestern gebebt, in dem aktiven Stratovulkan unter dem Eis des Vatnajökull wurde in der letzten Nacht ein Beben der Stärke 4,9 aufgezeichnet. Beben in dieser Stärke seien für die Region nicht ungewöhnlich. Eine Stunde später bebte es erneut mit einer Stärke von 2,2.

 

Zwei Wanderer im Schneesturm vom Vatnajökull geholt

Vatnajökull rescue mission March 2022

Gestern Abend sind Suchtrupps der freiwilligen Rettungsorganisation Landsbjörg auf den Gletscher Vatnajökull ausgerückt, von wo aus zwei Bergwanderer ein Notsignal gesendet hatten. Die beiden wurden nach 22 Uhr gefunden, etwa vier Stunden nach Absetzen des Notrufs, und per Hubschrauber nach Reykjavík ins Krankenhaus geflogen. Beide waren nach einem Sturz ins Wasser durchnässt und unterkühlt, aber nicht verletzt.
Die beiden konnten gefunden werden, weil sie ihre Reiseroute bei safetravel.is registriert hatten. Sie hatten sich in den Schnee eingegraben, um sich vor dem Schneesturm zu schützen, der während der Suche nach ihnen über den Gletscher ging.

 

Rettungskräfte holen Bergwanderer aus Schneesturm vom Gletscher

Rettungskräfte aus mehreren Vereinigungen waren heute bei Schneesturm auf dem Vatnajökull Gletschermassiv unterwegs, um zwei Touristen zu suchen, die gestern Abend einen Notruf abgesetzt hatten. Anhand der bei safetravel gespeicherten Reisedaten wussten die Einsatzkräfte in etwa, in welcher Region die beiden sich aufhielten und dass es sich um erfahrene Bergwanderer handelte. Insgesamt 50 freiwillige Retter hatten sich mit schweren Fahrzeugen auf die Reise ins Eis gemacht. Nach Angaben der Einsatzleitung herrschten dort Schneesturm und Sicht unter drei Metern, oft nur bis zur Motorhaube.

Das erste Team war schon in der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr aus dem Ostland aufgebrochen, kurz darauf machte sich ein Kettenfahrzeug aus der Hauptstadt sowie Teams aus Selfoss und Höfn auf den Weg zu Breiðarmerkurjökull. Motorschlitten hatten wieder umkehren müssen, weil die Bedingungen zu riskant waren, den Schnee meisterten nur die schwersten Gebirgsfahrzeuge.

Die Bergwanderer hatten Schutz in einem Notunterstand gesucht, weil es nicht möglich war, ein Zelt aufzubauen. Die beiden tschechischen Touristen seien in winterlichen Bedingungen erfahren, einer habe Island auch schon zweimal durchquert, einen Gletscher hätten sie nach Angaben von Einsatzleiter Friðdrik Jónas Friðriksson jedoch noch nicht überquert. Der Notruf sei gestern spätabends eingegangen, heute morgen habe man über die Notrufausrüstung Kontakt zu den beiden aufbauen können. Sie hätten das schlechte Wetter beschrieben und dass sie beide kalt und nass seien und in dem Unterstand warteten.

Sie hatten vom Breiðamerkurjökull aus auf den Esjujökull gewollt, von da aus zu den Kverkfjöll, zurück zu den Grímsfjöll und dann zum Öræfajökull, dort wollte sie absteigen. Weit kamen sie jedoch nicht, denn zwischen Esjufjöll und Grímsfjall, in grosser Höhe, gerieten sie in den Schneesturm und in Not.
Gegen 15 Uhr erreichte das Kettenfahrzeug der Reykjavíker Einsatztruppe die beiden Wanderer und konnte sie vom Gletscher holen.
Für das Gebiet galt die gelbe Warnstufe, es herrschten Windgeschwindigkeiten von 20 bis 25 m/s, dazu Schneefall und schlechte Sicht.