Massenkündigung in der Notaufnahme der Uniklink

landspítali hospital

Vierzehn Krankenschwestern der Notaufnahme haben vorgestern ihren letzten Dienst an der Unversitätsklinik Landspítali absolviert, berichtet RÚV. Ihr Weggang sei „ein Grund zur Sorge“, gab Klinikleiter Runólfur Pálsson an. Er sei jedoch zuversichtlich, dass es Licht am Horizont gebe.

Im Gespräch mit RÚV erklärte Soffía Steingrímsdóttir, eine der Krankenschwestern, die seit acht Jahren in der Klinik beschäftigt gewesen war, warum sie und 13 weitere Kollegen entschieden häten, ihren Job an den Nagel zu hängen:
„Das war ja schon lange absehbar. Wir haben seit Jahren versucht, Aufmerksamkeit für die stressigen Arbeitsbedingungen zu bekommen, und für die bedrohte Sicherheit unserer Patienten. Vor allen Dingen in den vergangenen zwei Jahren, als die Bedingungen inakzeptabel waren.“
Soffía zufolge sind die 14 Krankenschwestern nicht leicht zu ersetzen, denn Erfahrung und Kompetenz kann man nur über die Jahre erwerben. Im kommenden Monat stehen weitere Kündigungen an.

Teufelskreis durchbrechen
Runólfer Pálsson sagte RÚV gegenüber, die Klinikverwaltung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um den Trend abzuwenden. „Die Arbeitsbedingungen sind extrem schwierig. Es gibt viel Stress, was die Leute aufgeben lässt, was zu Personalmangel führt, was die Bedingungen dann weiter erschwert. Das ist ein Teufelskreis, den wir zu durchbrechen versuchen.“

Er hoffe auf Unterbringungsmöglichkeiten für Patienten, die ihre Klinikbehandlung abgeschlossen haben, aber wegen einer Behinderung noch nicht entlassen werden können. Das würde die Belastung mindern. Man warte auf Kranken- und Rehabilitationszimmer, die für den September auf dem Programm stehen und hege grosse Erwartungen für diese neuen Zimmer, weil sie die Last der Notaufnahme minderten.

Soffía sagt, die Krankenschwestern seien traurig und enttäuscht, dass auf die Kündigungen nicht mit Massnahmen reagiert worden sei. „Ich hoffe doch sehr, dass ich nicht meine letzte Schicht in der Notaufnahme gearbeitet habe, dass ich zurückkehren werde, wenn es akzeptable Arbeitsbedingungen gibt.“

 

COVID-19: Krisenstand an der Uniklinik, 200 Pfleger in Quarantäne

From the night shift at the COVID-19 ward.

Sieben Patienten der Herzchirurgie am Universitätskrankenhaus Landspítali sind gestern positiv auf COVID-19 getestet worden. Das bestätigte Pressesprecher Andri Ólafsson mbl.is gegenüber. Auch Pflegepersonal ist betroffen.
Einer Pressemeldung der Klinik zufolge wurde die Station noch gestern Abend geschlossen, damit Infektionswege rückverfolgt werden können.

Heute hat die Uniklinik wieder den Krisenstand ausgerufen, nachdem mehr als 100 Mitarbeiter COVID-bedingt in Isolierung sitzen und eine ähnlich grosse Gruppe in Quarantäne. Auch die Notaufnahme ist von Ausfällen betroffen, sowie das geriatrische Haus Landakot. In einigen Fällen mussten Krankenschwestern aus der Quarantäne in den Dienst gerufen werden.
Viele Stationen müssen sich inzwischen um COVID-Infizierte kümmern, und so mancher kann nicht entlassen werden, obwohl seine Behandlung abgeschlossen war.

Um die Lage an der Klinik zu entschärfen, haben die Gesundheitszentren gemeinsam mit der Krankenversicherung beschlossen, etwa 30 transportfähige Patienten aus der Uniklinik in die Gesundheitszentren draussen auf dem Land zu verlegen. Dabei soll jeder Patient dorthin verlegt werden, wo ihm am besten geholfen werden kann.

Gestern gab es in Island 893 neue Fälle, davon 57 an der Landesgrenze. Die Infektionsquote pro 100.000 Einwohner der vergangenen 14 Tage liegt bei 1359 und ist niemals zuvor höher gewesen. In Isolierung befinden sich derzeit 4995 Personen, 7060 sind in Quarantäne. Stationär behandelt werden 21 Personen, vier liegen auf der Intensivstation, drei davon werden beatmet.

 

COVID-19: Appell an Bevölkerung, sich zurückzuhalten, Uniklinik überfüllt

Die Universitätsklinik in Reykjavík befindet sich seit gestern aufgrund der hohen COVID-Infektionszahlen im Krisenzustand. Unter anderem müssen Operationen verschoben werden, und es gilt ein Besuchsverbot.
Vorgestern waren 167 Personen positiv auf das Virus getestet worden, gestern immer noch 96, die aktuelle Welle gilt als die schwerste seit Beginn der Pandemie. Stationär werden derzeit 17 Patienten wegen COVID-19 behandelt, zwei Patienten liegen am Beatmungsgerät, einer an der Herzlungenmaschine. Die pulmologische Abteilung steht bereit, COVID-Patienten aufzunehmen, wenn die Infektionsstation belegt ist. Etwa 30 Infizierte werden telefonisch betreut, aus dieser Gruppe werden weitere Einlieferungen erwartet.
Auch Pflegepersonal ist betroffen, 16 befinden sich in Isolierung und über 100 Mitarbeiter der Klinik in Quarantäne, berichtet mbl.is.

Die Klinikleitung rechnet Vísir zufolge damit, dass pro Tag drei Patienten mit einer COVID-19 Infektion eingeliefert werden und befürchtet, dem Ansturm nicht gewachsen zu sein. Die Leiterin des Seuchenrates bat die Bevölkerung, äusserste Vorsicht walten zu lassen.

“Weil sehr viele Fälle pro Tag diagnostiziert wurden und dies auch in den vergangen Tagen, und es keinen besonderen Grund gibt anzunehmen, dass sich das in den kommenden Tagen bessert, kennen wir die Zahlen und Grössenordnungen und wissen, dass wir mit drei stationären Aufnahmen pro Tagen rechnen können. Wir versuchen, das Ganze im Fluss zu halten und jeweils genauso viele Patienten zu entlassen,” erklärt Hildur Helgadóttir vom Seuchenrat der Uniklinik.

Ihrer Ansicht nach hätte man gestern zu strikteren Massnahmen greifen müssen, und mit der Umsetzung derselben auch nicht bis zum kommenden Mittwoch warten dürfen.
“Die Klinik ist sehr voll, die Notaufnahme ist voll und es gibt keine freien Betten.” Das Krankenhaus sei der Lage kaum gewachsen, und es gebe wenig Hoffnung darau,f dass sich das ändere.

Hildur befürchtet dass es in Island zu Situationen kommen könnte, die man kaum laut auszusprechen wage, und die in anderen Ländern bereits vorgekommen seien: dass an COVID-19 Erkrankte nicht stationär aufgenommen werden können und in Warteräumen, in ihrem Auto oder zuhause sitzen, ohne dass sich jemand kümmern könne.

Sie wünscht sich zur Bewältigung der Lage ein aktives Engagement der Bevölkerung. “Es gibt soviel, was die Leute tun können, damit es dazu gar nicht erst kommt. Damit meine ich nicht unser Credo zu persönlichen Hygienemassnahmen und aufpassen und Menschenmengen meiden, sondern auch wo immer es möglich ist, den Druck aus der Gesellschaft zu nehmen. Man kann die Party kleiner gestalten, man kann die Fahrten zur Notaufnahme wegen Gewaltverbrechen, Sauferei, Freizeitunfällen, Autounfällen und alles was so passiert, wenn die Gemeinschaft volle Kraft voraus fährt, verringern. Wenn wir in irgendeiner Form einen gemeinschaftlichen Konsens finden könnten, uns ein wenig zurückzuhalten und diese ganze Spannung zu verringern, und einfach nur ein bisschen mehr zuhause sind, dann wissen wir doch ganz genau, dass das eine ganz grosse Rolle spielt.” sagte Hildur Helgadóttir.

 

Personalmangel an der Uniklinik bringt Patienten in Gefahr

emergency department hospital

Die Klinikleitung des Universitätskrankenhauses in Reykjavík arbeitet daran, den Mangel an Ärzten und Krankenschwestern in der Notfallambulanz zu beseitigen, berichtet RÚV. Etwa 500 Schichten in diesem Sommer müssen mit Unterbesetzung rechnen, vier Mediziner haben in diesem Jahr bereits gekündigt.

Obwohl das Personal den Notstand bereits seit Jahren beklagt, sagt der Leiter der Notärztevereinigung, Bergur Stefánsson, seien die Personalprobleme so gravierend wie nie zuvor.
Bergur sagt, das isländische Gesundheitsamt habe seit 2018 fünf Berichte und Vermerke an das Gesundheitsministerium übersendet, in denen es um die personelle Notlage der Abteilung gehe. Trotz dieser schriftlichen Kommunikation, so sagt er, habe sich die Lage definitiv nicht gebessert. Das Personalproblem bei den Ärzten sei so gravierend wie nie zuvor. Wenn sich die Bedingungen in der Abteilung nicht besserten, könne man die Sicherheit der Patienten nicht mehr gewährleisten. “Damit gefährden wir sie.”

Im Jahr 2019 hatte eine Teilprüfung des Gesundheitsamtes befunden, dass weder Unterbringung noch Arbeitsbedingungen für das Personal die gültigen Bestimmungen erfüllten, und dass die Abteilung die Rechte des Patienten auf Versorgung nicht erfüllen könne.
“Nun ist das Problem derart angewachsen, dass wir diese Bedingungen nicht weiter zulassen können,” stand in dem Prüfbericht zu lesen. “Es kann den Boden für unerwartete Vorfälle bereiten, und das Risiko für weitere Ausfälle beim Personal.”

Vertreter der Uniklinik hatten zuvor angegeben, sie arbeiteten auf Hochtouren an einer Lösung des zu erwarteten Personalmangels im Sommer. In dem Prüfbericht von 2019 hatte es gehiessen, dass man für eine durchgreifende Lösung der Probleme in der Abteilung eine breitere Unterstützung der Behörden benötige.
Bergur sagt, die Notärzte hätten ein Treffen mit der Gesundheitsministerin und dem Parlamentarischen Wohlfahrtsausschuss verlangt, seien aber nicht vorgelassen worden. “Wir müssen etwas unternehmen, wir brauchen echte Verbesserungen.”

COVID-19: Fallzahlen sinken, Todesfälle steigen

Iceland National Hospital COVID-19

Island ist eines der wenigen Länder in Europa, wo die Fallzahlen für die COVID-19 Erkrankung nicht weiter steigen. Im Inland sind die positiv getesteten Fälle in den vergangenen Tagen gesunken.
Bei der heutigen Pressekonferenz sagte Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason, er erwarte dass die Präventionsmassnahmen zum 18. November gelockert werden könnten, auch wenn die Lockerungen nur graduell ausfallen würden, um die Wahrscheinlichkeit weiterer Infektionsausbrüche gering zu halten. Während die Inlandsinfektionszahlen sinken, bleibt die Belastung der Kliniken weiter hoch.

Weiterhin hohe Belastung der Kliniken
Seit Anfang Novemver hatte Island zwischen 10 und 30 neue Fälle pro Tag gemeldet, bedeutend weniger als noch im Oktober, als die Zahlen bei 40 bis 90 Fällen pro Tag lagen. Als Reaktion auf diese hohe Ansteckungzahl hatten die Behörden mit einer Verschärfung der Seuchenpräventionsmassnahmen reagiert, darunter die Reduzierung der erlaubten Personenzahl an einem Ort auf 10, die vorübergehende Schliessung bestimmter Geschäfte, sowie Serviceeinrichtungen, Schwimmbäder und Bars, und die Einführung der Maskenpflicht vor allem in Geschäften.

Trotz der sinkenden Infektionszahlen ist die Belastung durch stationäre Patienten für die Uniklinik in Reykjavík und das Krankenhaus in Akureyri weiterhin hoch. Mit Stand heute befinden sich 75 Patienten in stationärer COVID-19 Behandlung, drei Personen liegen auf der Intensivstation. Diese dritte Welle der Pandemie hat bislang 13 Todesopfer gefordert, bei der ersten Welle im Frühjahr waren 10 Menschen an COVID-19 gestorben. Bei der Pressekonferenz drückten die Mitglieder des Krisenstabs ihre Hoffnung aus, dass die Belastung für die Kliniken bald zurückgehe und man den Bereitschaftsgrad der Häuser von Krisenstand in Gefahrenstand zurücksetzen könne.

Es hat den Anschein, dass der Clusterausbruch im Pflegeheim Landakot nun unter Kontrolle ist. Auch dort stellt die Personalverfügbarkeit das grösste Problem dar, denn zur Zeit befinden sich 52 Mitarbeiter des Heimes in Isolation und 93 in Quarantäne, wobei aus der letztgenannten Gruppe einige in den kommenden Tagen wieder zum Dienst erscheinen werden.
Die Uniklinik wartet nun auf die Ergebnisse eines Reports zu dem Clusterausbruch am Heim Landakot und hofft, aus den Erkenntnissen lernen zu können. Klinikchef Páll Matthíasson sagte, man habe bereits betriebliche Änderungen durchgesetzt, um das Risiko weiterer Virusausbrüche gering zu halten.

Nerze werden erst mal nur getestet
Auch das in Nerzen mutierte Sars-CoV-2 Virus, welches nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO in Dänemark auf Menschen übergesprungen war, ist Gegenstand der Fragestunde gewesen. In Folge der Virusmutation sind in Dänemark alle Nerze getötet worden. Þórólfur gab an, die isländischen Behörden warteten immer noch auf weitere Informationen von den dänischen Behörden, doch erst mal werde es keine zusätzlichen Reisebeschränkungen für Reisende aus Dänemark geben.
Die Nerze in Islands viel kleinerer Pelzindustrie werden auf das neuartige Coronavirus getestet, weitere Massnahmen soll es vorerst nicht geben.
Der Geschäftsführer von deCODE, Kári Stafánsson hatte gesagt, er halte es für unwahrscheinlich, dass die Virusmutation, die vom Nerz auf den Menschen übergegangen war, Menschen reinfizieren könne, die Antikörper auf das SARS-CoV-2 Virus entwickelt hätten.

COVID-19: Neue Regeln, Versammlungsverbot ab 10 Personen

Minister of Health Svandís Svavarsdóttir

Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir hat die Vorschläge von Chefepidemiologen Þórólfur Guðnason zu strengeren Seuchenschutzmassnahmen angenommen und auf der Pressekonferenz der Regierung heute Mittag verkündet. Die Massnahmen treten schon ab heute um Mitternacht in Kraft.
Grösste Veränderung wird die Reduzierung von 20 auf 10 erlaubte Personen an einem Ort sein. Alle offiziellen sportlichen Aktivitäten und Vorstellungen/Aufführungen müssen unterbleiben.
Die Einschränkungen bleiben bis einschliesslich 17. November gültig, können aber währenddessen, wie auch bisher, falls notwendig, angepasst werden.
Die aktuelle Infektionsstatistik findet man auf covid.is.

Kritische Lage in der Uniklinik
Þórólfur hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er aller Voraussicht nach die Massnahmen noch weiter verschärfen werde, weil die Lage in der Universitätsklinik bedingt durch eine Clusterinfektion im eigenen Haus so kritisch sei. In seinem Memo heisst es, dass die Zahl der Infektionen innerhalb der Gesellschaft immer noch hoch seien, obwohl die Massnahmen am 20. Oktober verschäft worden seien. Daher gibt es eine Risiko von Gruppeninfektionen, welche eine noch grössere Belastung für das Gesundheitssystem darstellen.
Die Universitätsklinik befindet sich belastungsbedingt seit vergangenem Wochenende im Krisenzustand, hunderte von nicht unbedingt notwendigen Eingriffen hatten abgesagt werden müssen. Die fünf Quarantänestationen sind voll ausgelastet, die Zahl der stationären COVID-Patienten höher als im Frühjahr, und Ärzte bestätigten, dass die Patienten diesmal kränker seien als während der erste Welle im Frühjahr.

Restriktionen sind notwendiger Schritt
Die Gesundheitsministerin äusserte Verständnis dafür, dass die Restriktionen eine Belastung für die Gesellschaft darstellten, doch seien sie unglücklicherweise der notwendige Schritt, um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen. Die Regeln seien einfach, auch wenn sie schwierig seien. “Je besser wir sie befolgen, desto kürzer müssen wir mit ihnen leben.”
Die nachfolgenden neuen Regeln gelten für das gesamte Land.

– Maximal 10 Personen sind an einem Ort erlaubt.
– Für Beerdigungen sind 30 Personen erlaubt, beim nachfolgenden Empfang jedoch nur 10 Personen.
– In Supermärkten und Apotheken sind 50 Personen erlaubt.
– Die 10 Personenregel gilt nicht für Regierung, Parlament und Gerichte.
– Wenn in einem Haushalt mehr als 10 Personen leben, gilt die Regel nicht daheim.
– Sportaktivitäten sind drinnen wie draussen nicht gestattet. Fitnesscenter werden geschlossen. Individuelle Ertüchtigung ist erlaubt.
– Kunst- und Theatervorstellungen sind nicht gestattet.
– Schwimmbäder müssen schliessen.
– Bars und Clubs müssen schliessen.
– Restaurants mit Schanklizenz dürfen bis 21 Uhr geöffnet haben.
– Überall dort, wo die Zweimeterregel nicht eingehalten werden kann, muss ein Mundschutz getragen werden.
– Für Kinder, die nach dem Jahr 2015 geboren sind, gelten Zweimeterregel, Versammlungsverbot und Mundschutzpflicht nicht. Zuvor hatte die Grenze bei 2005 als Geburtsjahr gelegen.

update:
– in den grössten Supermärkten gilt die Höchstgrenze von 100 Personen.
– in allen Geschäften gilt Maskenpflicht für alle, auch für Kinder ab 5 Jahren.
– Friseursalons, Beautysalons und Massageeinrichtungen werden geschlossen.
– Fahrstunden, Flugstunden und jeglicher Unterricht, wo die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann, finden nicht statt.

Ausnahmen
– Die Ministerin kann Ausnahmegenehmigungen für sozial wichtige Infrastrukturen gewähren, die nicht unterbrochen werden können. Das gilt für das Gesundheitssystem und für den Sozialdienst.
– Die Ministerin kann Ausnahmegenehmigungen für das Verbot von Sportveranstaltungen aussprechen, wie etwa internationale Turniere.
Neue Regeln für den Schulbetrieb sollen in der kommenden Woche verkündet werden.

 

Weniger Neuinfektionen, aber schwerer erkrankte Patienten

landspitali national university hospital iceland

Gestern sind in Island 20 neue COVID-19 Fälle gefunden worden. Fünf der getesteten Personen hatten sich in Quarantäne befunden. In stationärer Behandlung befinden sich derzeit vier Personen, eine fünfte liegt nach Angaben der Universitätsklinik auf der Intenisvstation am Beatmungsgerät.

Neusten Zahlen zufolge befinden sich zur Zeit 455 Personen in Isolation, in Quarantäne sitzen nun 1895 Personen, nachdem gestern noch einmal 115 Personen hinzukamen. In diagnostischer Quarantäne befinden sich 1614 Personen. Innerhalb der letzten elf Tage ist das neuartige Coronavirus bei etwa 400 Personen in Island festgestellt worden. Die Reproduktionsrate liegt zur Zeit bei 118,1 für das Inland, und bei 6,3 bei Fällen an der Grenze.

COVID-Ambulanz verzeichnet Zuwachs
Auch die Zahl der Personen, die medizinische Hilfe in der COVID-Ambulanz der Uniklinik gesucht haben, ist in den vergangenen zwei Tagen stark angestiegen. Nach Angaben von Már Kristjánsson, dem Chefarzt der Infektionsabteilung, seien mehr Patienten in der Kategorie ‘gelb’ vorstellig geworden. Die COVID-Ambulanz verwendet eine Farbtabelle, um Patienten nach Schweregrad einordnen zu können. Grün bedeutet wenig bis keine Symptome, unter gelb fallen Patienten mit erheblichen Symptomen, die besonders überwacht werden müssen, und Patienten in der Kategorie rot sind Fälle für eine stationäre Aufnahme.

Man habe damit gerechnet, so Már, dass die Gruppe der schwerer Erkranken anwachsen würde. “Das sind nun mehr in der Gruppe, die überwacht werden, und mehr in der Kategorie gelb als bisher. Das belastet uns sehr.” Es sei nun nicht so, dass das Krankenhaus damit nicht fertig werde. “Aber das kommt zu den hausinternen Infektion hinzu, mit denen wir gerade kämpfen.”
Etwa 35 Mitarbeiter des Krankenhauses befinden sich derzeit in Isolierung, 200 sitzen in Quarantäne. Zwei weitere gesamte Abteilungen sollen zum Test geschickt werden, weil sie einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren.

Már sagt, die Klinik sei mit Medikamenten gut bestückt und habe eine Anwendungsroutine entwickelt. “Wenn die Leute eingewiesen werden, dann weil sie schwerer an COVID-19 erkrankt sind, oder weil sie krank sind und zusätzlich diese Infektion haben.”
Beim isländischen Krisenstab wird zur Zeit über strengere Massnahmen nachgedacht, doch Már glaubt nicht, dass dies notwenig ist, weil die Spitze dieser Welle vor etwa einer Woche gewesen sei. Das Krankenhaus hingegen habe noch etwas länger damit zu tun.

Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason rechnet damit, dass in den kommenden Tagen mehr Patienten stationär aufgenommen werden müssen. Schon im Frühjahr habe man gesehen, dass schwerwiegende Symptome und schwere Krankheitsverläufe oft erst ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung eintreten. Er glaubt, dass die vergleichsweise niedrige Fallzahl von gestern keinen Trend anzeigt, sondern als Tagesschwankung einzuordnen ist.

Island könnte Zahl der Einreisenden bald begrenzen

COVID-19 test

Die isländische Regierung sucht nach Wegen, um die Zahl der Einreisenden zu begrenzen. In den vergangenen Tagen hatte die Zahl der an den Grenzen ankommenden Passagiere die Kapazitäten für den COVID-Test schwer belastet. Die Virologische Abteilung der Uniklinik hat Geräte bestellt, mit denen mehr Proben untersucht werden können als bisher, doch wird mit der Ausrüstung nicht vor Oktober gerechnet.
Bei der heutigen COVID-Pressekonferenz sagte Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason, die Anzahl der aus dem Ausland anreisenden Personen sei ein “besonderer Anlass zur Sorge”, da ihre Zahl die Testkapazität der vergangenen Tage schwer belastet habe. Zur Zeit können etwa 2000 Tests pro Tag ausgewertet werden.
Seit dem 15. Juni hatte Island die meisten Passagiere bei der Einreise getestet, mit Ausnahme Einreisender aus sechs sogenannten “sicheren Ländern”, sowie Personen, die sich freiwillig in eine 14-tägige Quarantäne begaben. Þórólfur erwähnte, dass es möglicherweise notwendig werde, Deutschland und Dänemark von dieser Liste zu streichen. Damit würde sich allerdings die Zahl der zu testenden Personen noch weiter erhöhen.

Geringe Testkapazität akzeptieren
Die Uniklinik in Reykjavík ist zur Zeit das einzige Labor, welches die COVID-19 Proben analysieren kann. Das Genforschungsinstitut deCODE hat zwar eine entsprechende Laborkapazität, beteiligt sich aber nicht am Grenztestungsprogramm, sondern testet innerhalb der Bevölkerung. Das virologische Labor der Uniklinik hat seit dem Frühjahr seine Ausstattung erneuert und die Testungsmethode geändert, um die Kapazität auf 2000 Proben erhöhen zu können. Ausserdem waren weitere Geräte bestellt worden, welches die Kapazität verdreifachen würde. Doch ist die internationale Nachfrage nach solchen Geräten sehr hoch, und Island kann mit einer Lieferung nicht vor Oktober rechnen.
Bis dahin, so Þórólfur, sei die Testkapazität begrenzt und “damit müssen wir eben leben.”

Noch keine strengeren Massnahmen
Am 31. Juli hatten die isländischen Behörden die Zahl der Personen, die sich an einem Ort aufhalten dürfen, von 500 auf 100 verringert, ausserdem war die Zwei-Meter-Abstandsregel wieder eingeführt worden, nachdem zwei Clusterinfektionen aufgetreten waren. Der rasche Anstieg der aktiven Infektionen verleitete zu Spekulationen, dass Island von einer “zweiten Welle” der COVID-Pandemie heimgesucht werde, nachdem es die erste Welle im Frühjahr erfolgreich bewältigt hatte. Es sei zu früh zu sagen, ob die Infektionswelle weiterrolle, sagte Þórólfur, doch sehe er noch keine Notwendigkeit, die Zügel noch weiter anzuziehen.

Die meisten Infektionen bei der Jugend
Gesundheitsamtsleiterin Alma Möller sagte, die Zivilschuzbehörden suchten derzeit nach Möglichkeiten, vor allem junge Menschen zu erreichen, um ihnen die Wichtigkeit der Seuchenschutzmassnahmen noch besser klarzumachen. Zur Zeit erlebt in Island die Gruppe der 18 bis 29-Jährigen die meisten Infektionen. Alma forderte die Öffentlichkeit auf, diese Altersgruppe auf das social distancing und persönliche Hygiene besonders anzusprechen, um die Ausbreitung des SARS-CoV-2 Virus zu bremsen.

 

Krankenschwestern: Schichtzulage fällt mitten in der COVID-Krise weg

Emergency room

Eine Einsparmassnahme des Universitätskrankenhauses aus dem vergangenen Jahr ist gestern in Kraft getreten und hat dafür gesorgt, dass vielen Krankenschwestern die Schichtzulage gestrichen wurde und sie mehrere tausend Kronen weniger Gehalt als sonst auf ihrem Lohnzettel vorfanden, berichtet RÚV.
Der Zeitpunkt der Massnahme wurde von Finanzminister Bjarni Benediktsson als “unglücklich” bezeichnet.

“Wie kann man die Gehälter dieser Gruppe mitten in der COVID-Pandemie beschneiden? Wie kann man morgens auf wachen und in den Spiegel schauen, wenn man für diese Entscheidung verantwortlich ist?” fragte der Oberarzt der Notaufnahme, Jón Magnús Kristjánsson.

Die Uniklinik hatte im letzten Herbst beschlossen, den Krankenschwestern keine Schichtzulage mehr zu zahlen, diese Kürzungsmassnahme sollte dann drei bzw. sechs Monate später in Kraft treten, jenach Länge der Dienstzugehörigkeit. Das bedeutet, dass einige der ältesten und erfahrensten Pflegekräfte des Hauses in diesem Monat bis zu 40.000 Kronen weniger Gehalt bekommen.
Islands Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne gültigen Tarifvertrag, und die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten sich festgefahren. Aktuell sind keine neuen Verhandlungen anberaumt.
Die Gehaltskürzungen und ihr Zeitpunkt treffen zwar eher zufällig aufeinander, mehren aber nur die öffentliche Unterstützung für die Position der Krankenschwestern.

Krisenstab rät ab von Osterurlaub auf dem Lande

Director of the Department of Civil Protection and Emergency Management, Víðir Reynisson

Der Leiter des isländischen Zivilschutzes, Víðir Reynisson und der Leiter der Uniklinik Páll Matthíasson haben von jeglichen Inlandsreisen an Ostern abgeraten, berichtet RÚV. Je mehr Reisende sich auf den Strassen befänden, desto höher sei das Unfallrisiko, welches wiederum den Stress im ohnehin schon schwer gebeutelten Gesundheitssystem noch erhöhe.
Auf der täglichen Pressekonferenz forderte Víðir die Bürger gestern auf, an Ostern einfach zuhause zu bleiben und nicht etwa ins Sommerhaus aufs Land zu fahren. Das Osterwochenende ist in Island ein beliebtes Reisewochenende.

Aus seinem eigenen Umfeld nannte Víðir seine Schneemobilfreunde, die sich darauf verständigt hätten, an Ostern daheim zu bleiben und ihre Gefährte stattdessen auf Hochglanz zu polieren.
“Wir werden nicht zögern, Massnahmen zu ergreifen,”kündigte Víðir an und eröffnete der Presse, dass die Behörden sogar ein Verbot für Sommerhausfahrten erwägten. Ähnliche Aktionen gäbe es bei den nordischen Nachbarn.

Kein Grund zur Entspannung

Auch wenn die neusten Zahlen zur COVID-19 Epidemie optimistisch stimmen, sieht Víðir keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Die Erfolge der letzten Tage seien das Ergebnis strikter Massnahmen. Er verglich die Epidemie mit einem Langzeitrennen, welches erst zur Hälfte vorüber sei. “Die kommenden Tage werden unser kollektives Durchhaltevermögens auf die Probe stellen.”
Uniklinikleiter Páll Matthíasson betonte wie wichtig es sei, das Krankenhaus von allen schweren Unfällen freizuhalten, da der Betrieb ohnehin schon unter einem gewaltigen Druck stehe. Alle verfügbare Energie sei auf die Epidemie gerichtet.

Auf die Pläne vieler Isländer, den Osterurlaub in ihrem Sommerhäusern zu verbringen, hatte Páll nur eine Antwort: “Das ist eine schlechte Idee. Tut das nicht.”

Medizinische Infrastruktur reicht nicht für Sommerhäusler

Aus mehreren Gründen wird von den Sommerhaustrips kategorisch abgeraten: wenn sich Personen in hoher Zahl in einzelnen Regionen auf dem Land ansammeln, etwa in den grossen Sommerhausgebieten, wo hunderte solcher Häuser und Hütten zu finden sind, schafft dies deutlichen Druck für die sensible medizinische Infrastruktur der jeweiligen Region, die ja nur auf die Bewohner mit erstem Wohnsitz ausgelegt ist. Überdies besteht immer die Gefahr von Leichtsinn in einer neuen Umgebung. Inzwischen hätten die Leute gut gelernt, den Händedruck und Umarmungen zu vermeiden und die Zweitmeterregel einzuhalten, doch würden solche neuen Verhaltensmuster im Sommerhaus auch schnell wieder vergessen.

Víðir kündigte an, die Behörden würden nicht zögern, Massnahmen zu ergreifen. Das neuartige Coronavirus habe eine Inkubationszeit von 7 bis 14 Tagen. Wenn Massnahmen nötig seien, dann würde dies sehr wahrscheinlich in den kommenden Tagen geschehen.
“Wir sind sehr besorgt, wir sind noch lange nicht über den Berg.”