Höhle unter den Jarðböðin bleibt weiter gesperrt

mývatn cave iceland

Einer Entscheidung der Umweltbehörde zufolge bleibt die bei Bauarbeiten entdeckte Höhle unter dem Thermalbad Jarðböðin in Nordisland für weitere sechs Monate gesperrt. Die Sperrung aus Naturschutzgründen gilt bis zum 19. Oktober 2024. Auf der Webseite der Behörde heisst es, man benötige mehr Zeit, um eine dauerhafte Lösung für den Schutz der Höhle zu finden.

Der Minister für Umwelt, Energie und Klimafragen hat die Entscheidung der Umweltbehörde bestätigt. Während der Sperrung wird die Behörde Anstrengungen unternehmen, die Höhle unter Naturschutz zu stellen und den Schutz der seltenen Ablagerungen sicherzustellen.

Einzigartige geologische Formation
Die in der Höhle entdeckten Ablagerungen gelten als in Island einzigartig. Bei der chemischen Analyse hatte sich herausgestellt, dass es sich dabei um Kalziumkarbonat (CaCO3) handelt, welches in Lavahöhlen auf der ganzen Welt ausgesprochen selten vorkommt. In dieser nordisländischen Höhle sind die Kalziumgebilde zudem durch Erdwärme entstanden. Normalerweise bilden sich vergleichbare Ablagerungen eher durch tropfendes Grundwasser.
Die korallenartigen Ablagerungen befinden sich überall in der Höhle, vor allem am Boden und an den Wänden. Entstanden ist die Lavahöhle ist vor 8000 Jahren. Bei ihrer zufälligen Entdeckung im letzten Jahr war sie zum ersten Mal geöffnet und aus ihrer Isolation geweckt worden.

Lesen Sie mehr über die Höhle unter dem Thermalbad.

Hoher Schutzstatus
Die ständige Erdwärme in der Höhle schafft ein heissfeuchtes Klima, welches die Entstehung der Ablagerungen begünstigt. Damit handelt es sich bei dieser geologischen Formation wegen seiner Seltenheit und Sonderstellung um ein Phänomen mit sehr hohem Schutzstatus. Mit der Schließung will man sicherstellen, dass die geologischen Formationen in der Höhle nicht irreversibel zerstört werden. Im letzten Jahr hatten Geologen erklärt, dass schon die Atemluft von Besuchern das Höhlenklima ändere und damit die Ablagerungen verändere.

Während der Dauer der Sperrung kann die Umweltbehörde Zutrittsgenehmigungen zu Forschungszwecken erteilen, jeglicher anderer Verkehr ist allerdings verboten.

 

Kläranlage in Selfoss ab 2026 in Betrieb

Selfoss - Suðurland - Ölfusá

Die südisländische Stadt Selfoss plant, eine Kläranlage zu bauen, berichtet Vísir. Bislang wird das Abwasser der 11.656 Einwohner ungereinigt und ungeklärt in den Fluss Ölfusá eingeleitet, zusätzlich zu den Abwässern des Schlachthauses, wenn dort zwischen September und November Schlachtsaison ist.

Vísir schreibt, dass die Zustände in der Gemeinde Árborg in den letzten Jahren nicht gerade vorbildlich gewesen seien, zumal das Abwasser ohne jede Klärung in den Fluss geleitet worden sei. Auch wenn die Ölfusá zu den wasserreichsten Flüssen Islands gehört, so sind nicht nur Einwohnerzahl, sondern auch Siedlungsbereiche und Wohnviertel in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch nun soll sich alles zum Besseren wenden.

Ausschreibung: niemand wollte bauen
Sveinn Ægir Birgisson, der Vorsitzende des Árborger Versorgungsausschusses, kündigte an, man sei dabei, eine neue Kläranlage zu bauen. Die Ausschreibung dazu sei bereits im Jahr 2020 veröffentlicht worden, doch habe man kein Angebot erhalten. Derweil habe man schon mal mit den Erdarbeiten begonnen. Jetzt sei die Errichtung des Fundaments ausgeschrieben, gleichzeitig sei man dabei, eine Anlage auszuwählen, die das gesamte Klärwasser reinigt. Die Kläranlage soll im Jahr 2026 in Betrieb genommen werden.
„Wir beginnen mit einer Klärstufe eins, und werden die ein Jahr beibehalten, um zu sehen, was wir als nächstes in der Anlage benötigen, um das Abwasser von Selfoss zu reinigen, und dann werden wir bis zur dritten Klärstufe gehen.“ erklärt Sveinn. „Das ist natürlich das grösste Umweltprojekt, das die Gemeinde in den letzten Jahren angegangen ist. Das wird sicher 600.00 bis 800.000 ISK kosten, die mechanische Klärphase, die wir derzeit planen,“ sagt Sveinn.

Kaum gelöste Abwasserproblematik
Die Abwasserreinigung in Island ist vor allem angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums, des Tourismus und der zunehmenden Industrieansiedlung ein bislang unzureichend bewältigtes Problem.
Dem Gesetz nach sind die Kommunen für Bau und Betrieb der Kläranlagen verantwortlich. Als aufsichtsführende und beratende Behörde zeichnet das Umweltamt verantwortlich. Die zweistufige Klärung von Abwässern ist ebenfalls im Gesetz vorgeschrieben.
Im Zwischenbericht zur Abwasserlage 2022 wird von einer Einwohnerzahl von rund 350.000 Menschen ausgegangen. Nicht enthalten sind die 1,7 Millionen Touristen des Jahres 2022 mit ihren rund neun Millionen Übernachtungen in Hotels und Gästehäusern.

Grosse Städte ohne Kläranlage
Dem Zwischenbericht zufolge sind 83% aller Einwohner einer Kläreinrichtung mit Grobreinigung angeschlossen, 14% der Einwohner sind keiner Kläranlage angeschlossen. Eine einstufige Abwasserreinigung gibt es für einen Prozent der Einwohner, zwei Prozent sind einer zweistufigen Abwasserreinigung angeschlossen.
Vollkommen ungeklärt läuft das Abwasser in den Orten Stykkishólmur, Ólafsvík, Ísafjörður, Hvammstangi, Sauðárkrókur, Húsavík, Þórshöfn, Neskaupstaðir, Höfn í Hornafjörður, Þorlákshöfn, Selfoss, Grindavík, Sandgerði und Garður ins Meer. Manche lebensmittelherstellende Betriebe grobreinigen ihre Abwässer ab Werk.
Eine nicht ausreichende Stufe zwei der Abwasserreinigung gibt es in Egilsstaðir, Hveragerði und Hvolsvöllur.
Der Grossraum Reykjavík verfügt über eine Grobreinigungsstufe vor der Einleitung ins Meer.

Klärschlamm ohne Daten
Zum Klärschlamm fehlen dem Zwischenbericht zufolge Daten über Aufkommen und Behandlung des Klärschlamms. In den meisten Fällen wird der Klärschlamm entweder im Meer entsorgt oder mit Wasser verdünnt. Die einzigen vorhandenen Zahlen stammen aus drei Gemeinden, in denen die Klärschlammmenge von 171 Tonnen im Jahr 2018 auf 373 Tonnen im Jahr 2022 angestiegen war. Der Klärschlamm wurde auf Deponien entsorgt.
Im Wasserplan 2022-2027 ist Abwasser als Hauptbelastungsfaktor für das Wasser in Island definiert.

 

Windstille sorgt für Luftverschmutzung durch Feuerwerk

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Hauptstadt Reykjavík ist bekannt für sein ausgiebiges Silvesterfeuerwerk, und auch wenn die Tierschutzverbände landesweit zu mehr Rücksicht aufrufen, lassen sich viele Menschen die alljährliche Knallerei nicht nehmen. Allerdings hat die Sache einen Haken: bei Windstille, Trockenheit und Kälte sammeln sich die Schadstoffe über der Stadt an und haben in vergangenen Jahren zu teilweise katastrophal schlechter Luftqualität am Neujahrstag geführt. So möglicherweise auch in diesem Jahr, denn für den Silvesterabend darf mit schönstem Winterwetter gerechnet werden.

Empfindliche Personen sollten drinnen bleiben
In den vergangenen Jahren sind jedes Jahr um die 600 Tonnen Feuerwerkskörper importiert worden. Diese Berge an Raketen hinterlassen auch riesige Schadstoffmengen. Þorsteinn Jóhannsson, ein Experte für Luftqualität bei der isländischen Umweltbehörde, empfiehlt, vor allem kleine Kinder im Haus zu lassen, wenn die Luftverschmutzung am schlimmsten ist, und alle Fenster geschlossen zu halten.
„Vor allem um Mitternacht kann es zu einer erheblichen Freisetzung von Feinstaub und Ruß kommen, und es ist tatsächlich das Wetter, das bestimmt, ob sich diese Feinstäube anzusammeln können oder nicht.“

Feinstaub bei unter 2 m/s
Eine Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde (ca 7,5 km/h) stelle eine Art Schallmauer dar, alles was darunter liege, sorge dafür, dass sich die Schadstoffe sehr schnell ansammeln. Momentan liege die Prognose bei drei bis vier m/s, was ausreiche um den Feinstaub zu verteilen.
Zusätzlich zum Silvesterfeuerwerk finden ausserdem an 12 Stellen der Hauptstadt Neujahrsfeuer statt, die man um Mitternacht besuchen kann.

Bäume statt Böller
In Island werden Feuerwerkskörper nur von Sportvereinen, zum grössten Teil aber von den Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg kurz vor Silvester verkauft. Sie alle finanzieren ihren Betrieb weitgehend über diesen Verkauf. Für das Abschiessen der Feuerwerkskörper gibt es strenge Regeln und zeitliche Einschränlungen.
Seit einigen Jahren steht das Silvesterfeuerwerk allerdings auch auf der Insel in der Kritik, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch weil die Luftverschmutzung um Silvester herum wettebedingt oft massiv zunimmt. Landsbjörg bietet im Rahmen der Aktion „skjótum rótum“ (Wurzeln schiessen) an, statt Raketen symbolisch einen Baum zu kaufen, der später in einer speziellen Gemarkung nahe der Stadt Þorlákshöfn gepflanzt wird.

Landmannalaugar: Gemeinde beschliesst Grossparkplatz

landmannalaugur iceland

Der Gemeinderat von Rangárþing ytra in Südisland hat seine Zustimmung für den Bau eines vergrösserten Parkplatzes in Landmannalaugar gegeben, berichtet RÚV. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der isländischen Premierministerin, die den Vorsitz im Ausschuss für Staatsland hat. Bisher liegt eines solche Zustimmung nicht vor.
Wenn das Bauvorhaben umgesetzt wird, dann entsteht am Námukvísl ein 5000 Quadratmeter grosser Parkplatz. Im Sommer war der infrastrukturelle Ausbau von Landmannalaugar ein heisses Medienthema gewesen, weil der Verkehr in das Naturparadies stetig wächst.

Naturzerstörung für einen Parkplatz
Der Ausbau des Parkplatzes wäre ein erster Schritt des geplanten Ausbaus. Allerdings würden die Bauarbeiten ein gehöriges Mass an Naturzerstörung mit sich bringen, unter anderem weil ein Schutzdeich aus Geröll aufgeschüttet werden müsste.
Mit dem neuen Parkplatz könnten dann aber auch grosse Reisebusse die unter Naturschutz stehende Thermaloase mitten im Hochland anfahren. Pro Jahr reisen mehr als 130.000 Touristen nach Landmannalaugar, das sind täglich 2000 bis 3000 Personen in Bussen oder Mietwagen.

Die Umweltbehörde hatte gegen die geplanten Parkplatzpläne nichts einzuwenden gehabt, aber das isländische Planungsbüro wollte eine Umfrage bei Touristen und innerhalb der Tourismusbranche zum Thema touristischer Ausbau durchführen, bevor die Bagger anrücken.
Der Gemeindrat hingegen sagt, dass dies nicht für die Erweiterung des Parkplatzes gelte, der ja nur der erste Schritt von umfassenderen Plänen für das Gelände sei. Daher ist eine solche Umfrage unter Besuchern nicht durchgeführt worden.

Umweltschutzbehörde legt Beschwerde ein
Die Umweltschutzorganisation Náttúrugrið hat gegen die Bauvorhaben beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Beschwerde eingelegt. Náttúrugrið-Vorsitzender Snæbjörn Guðmundsson sagt, dass die Bauvorhaben schockierend grob gegen das unter Naturschutz stehende Gebiet durchgezogen werden, und dabei weder dem Planungsgesetz noch dem Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung von Plänen und Projekten entsprächen.

 

Anzeige wegen Kayak-Trip ins Naturschutzgebiet Surtsey

Der Mann, der mit seinem Kayak auf die Insel Surtsey gerudert und ein Video auf der Plattform Tiktok veröffentlicht hatte, ist von der isländischen Umweltbehörde bei der Polizei angezeigt worden. Das hat Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir RÚV gegenüber bestätigt. Die Angelegenheit sei bei der Polizei auf den Westmännerinseln in Bearbeitung.
Der Einheimische aus Heimaey hatte behauptet, er sei mit seinem Kayak in Seenot geraten und habe sich auf die Insel retten können, wo ihn sein Vater abholte.

Die Insel Surtsey ist seit ihrer vulkanischen Entstehung vor 60 Jahren streng geschützt. Sie darf nur mit schriftlicher Erlaubnis der Umweltbehörde betreten werden. Diese Erlaubnis wird in der Regel auch nur Wissenschaftlern erteilt, und in wenigen Ausnahmen Kameraleuten für die Produktion von wissenschaftlichem Filmmaterial. In diesem Sommer durften auch Journalisten von Iceland Review mit auf die Insel reisen, und aus Anlass des Inselgeburtstages hat RÚV eine Dokumentation gedreht.
„Normalerweise sind Leute in Naturschutzgebieten willkommen, aber das da wird eher ungewöhnlich streng gehandhabt.“ erklärt Sigrún. „Gleich zu Beginn des Naturschutzes von Surtsey, als der Vulkan dort in 1963 ausbrach, ist das so entschieden worden, dass man überwacht, wie Leben die Insel ohne menschliche Störung erobert.“

Die bei einem Unterseeausbruch entstandene Insel war gleich im Jahr 1965 unter strengen Schutz gestellt worden und befindet sich seit dem 8. Juli 2008 auf der UNESCO Welterbeliste. Jedes Jahr fahren Geologen und Biologen nach Surtsey, um nachzuvollziehen, wie Leben in vulkanischer Asche entsteht, wie Vögel sich niederlassen, wie Pflanzen aus Vogelkot wachsen und Wurzeln fassen. Es gibt eine Hütte für die Wissenschaftler, aber weder Trinkwasser auf der Insel, noch sanitäre Anlagen, entsprechende Bedürfnissse müssen am Strand verrichtet werden.
In seinem Video brüstet sich der Ruderer Ágúst Hall damit, der „Erste auf der Welt zu sein, der mit einem Kayak nach Surtsey rudert“. Musikalisch unterlegt wird das Video vom Song „I wanna be adored.“

Kreuzfahrtschiffe sorgen für Luftverschmutzung in Akureyri

cruiseship, skemmtiferðaskip

Gestern war dicker blauer Qualm aus dem holländischen Kreuzfahrtschiff Zuiderdam aufgestiegen, das in Akureyri vor Anker lag. Der Qualm hatte sich über die Stadt gelegt und war in den Eyjafjörður hineingewabert, stundenlang. Fragen nach Ursache des Qualms blieben ebenfalls stundenlang unbeantwortet, berichtet RÚV.
Am Abend endlich ging die Antwort eines Pressesprechers der Reederei ein, wonach der Qualm harmloser Wasserdampf sei, von dem ein wenig mehr als sonst ausgestossen worden sei, weil es im Heizsystem des Schiffes einen Schaden gegeben habe. Heute Morgen informierte Akureyris Bürgermeisterin Ásthildur Sturludóttir, die Reederei habe sich für den Vorfall entschuldigt.

Abgasdusche möglicherweise defekt
Der Experte für Luftverschmutzung beim Umweltamt, Þorsteinn Jóhannsson, sagte, er glaube keinesfalls, dass da nur Wasserdampf aufgestiegen sei, selbst wenn dieser den grösseren Anteil an dem Qualm gehabt habe. Da seien auch noch andere Schadstoffe im Spiel gewesen.
“Das sind natürlich sehr grosse Dieselmaschinen, die da viele Megawatt Strom produzieren, und das bringt die üblichen Schadstoffe, die aus grossen Dieselmaschinen in diesen Schiffe entstehen.” Die Zuiderdam habe höchstwahrscheinlich einen sogenannten scrubber genutzt, um ihren Diesel zu reinigen.
“Das funktioniert wie eine Dusche. Da wird das Abgas durch eine Wasserdusche gepumpt, und dieses Wasser wäscht einen Teil der Verschmutzungspartikel heraus.” Diese Ausrüstung werde vor allem dazu genutzt, Schwefel auszuwaschen, und ein wenig reduziere sie auch die anderen Schadstoffe.

“Aber da gibt es niemals keine Verschmutzung, solche Schiffe bringen immer Verschmutzung, selbst wenn ihr Reinigungssystem läuft.” Der Qualm sei daher Wasserdampf mit Schadstoffen gewesen. “Wie etwa Russ und NO2. Manchmal auch unverbrannte Kraftstoffanteile, die im Rauch mitschweben, wenn die Maschine nicht richtig austariert ist.”

Für regelmässige Kontrollen fehlt Geld
Die Umweltbehörde kontrolliert Schiffe und das an Bord befindliche Reinigungssystem, sowie die Ölverbrennung. Allerdings verfügt die Behörde nur über beschränkte finanzielle Mittel und zuwenig Personal, um diese Kontrollgänge regelmässig durchzuführen. Viel mehr als Stichproben seien da nicht drin, so Þorsteinn. Die Zuiderdam hingegen soll unter die Lupe genommen werden. Das Kreuzfahrtschiff befindet sich zur Zeit in Ísafjörður und fährt dann weiter nach Reykjavík, wo Mitarbeiter der Umweltbehörde an Bord gehen werden, um herauszufinden, was da los ist.
In Akureyri hatten sich zahlreiche Bürger bei RÚV gemeldet und über den Qualm vom Kai geklagt. Þorsteinn sagt, grosse Kreuzfahrtschiffe brächten immer erhebliche Luftverschmutzung mit. “Und die ist oft ein grösseres Problem in solchen engen und tiefen Fjorden, vor allem bei gutem Wetter. Mehr Kreuzfahrtschiffe bedeuten dann mehr Luftverschmutzung.”

Messstation misst keine Schiffe
In Akureyri befindet sich die einzige Messtation für Luftqualität am Kulturzentrum Hof in der Strandagata. Dieser Standort sei vor vielen Jahren im Hinblick auf den Strassenverkehr gewählt worden, so Þorsteinn, für den Schiffeverkehr nutze er herzlich wenig.
“Die Messstation ist so positioniert, dass die Verschmutzung vom Hafen, wo die Kreuzfahrtschiffe liegen, nicht unbedingt bis zur Messstation kommt. Der Wind weht entweder in den Fjord hinein oder hinaus, es bräuchte aber Ostwind, damit die Verschmutzung an die Messstation heranlangt. Was wir in Akureyri sehr selten haben.” Man könne durchaus mehrere Messstationen aufstellen, aber bislang sei da nichts entschieden.

Schweröl-Verbot gilt nur im ECA-Gebiet
Vor drei Jahren war die Bestimmung zur Verwendung von Schweröl an den Küsten Islands geändert worden. Seitdem ist es verboten, das umweltschädliche Schweröl in isländischen Hohheitsgewässern zu verbrennen. Zuvor durften die Schiffe diesen Kraftstoff nutzen, bis sie am Kai anlegten.
Jetzt dürfen sie innerhalb der 12-Meilenzone kein Schweröl mehr benutzen, ausser im Schiff sind entsprechende Vorkehrungen im Reinigungssystem vorhanden. Der Schwefelausstoss muss vergleichbar sein wie wenn der Schwefelgehalt im Öl weniger als 0,1 Prozent betragen würde. In allen sogenannten ECA-Gebieten gelten die gleichen Bestimmungen und Grenzwerte. Da Island formal kein ECA-Gebiet sei, könne es sein, dass so mancher Kapitän sich nicht klar mache, die diese Regel trotzdem hier gilt. Es sei möglicherweise notwendig, die Schiffe besser zu instruieren, meint Þorsteinn.
Im Jahr 2019 war die Anfrage einer Sozialdemokratin an den damaligen Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson, wie die Regierung mit der Umweltverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe umgehen wolle, unbeantwortet geblieben.

Am heutigen Abend waberte wieder dicker blauer Qualm über Akureyri, diesmal aus den Schornsteinen der Norwegian Prima.

 

Walfang: Umweltministerium lässt Hvalur hf. abblitzen

Das Umweltministerium will den Antrag des Walfangunternehmens Hvalur hf. auf eine Befreiung von der Betriebserlaubnis abweisen. Das Unternehmen hatte um diese Befreiung ersucht, weil nicht sicher ist, ob die Jagdsaison zur üblichen Zeit beginnen kann. In diesem Jahr könnte es später losgehen.
Die Betriebserlaubnis bezieht sich auf den Zerteilbetrieb an Land und wird von den Gesundheitsbehörden in Westislands ausgegeben. Sie war am 1. Mai ausgelaufen. Die beantragte Verlängerung ist immer noch beim Gesundheitsausschuss in Arbeit.

Nicht nur die dokumentarischen Videos, die von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST im letzten Jahr aufgenommen worden waren und in denen der lange und qualvolle Todeskamf der Wale zu sehen ist, haben für öffentliche Empörung gesorgt, auch der Betrieb an Land hat Kritik hervorgerufen, unter anderem vom Naturschutzbund Island, der auf 14 Seiten die Gesundheitskontrollbehörde aufordert, die Betriebserlaubnis zurückzuziehen und von Hvalur hf. zu verlangen,  die von Inspektoren monierten Missstände auszubessern. Zahlreiche Einwände waren bei der Behörde eingegangen, und es könnte einige Zeit dauern, die alle zu bearbeiten. Daher steht noch nicht fest, wann Hvalur in See stechen kann.

Lizenzerteilung vor der Saison eher unwahrscheinlich
Die Jagd auf Wale beginnt üblicherweise Mitte Juni, und um einen termingerechten Beginn sicherzustellen, hatte Hvalur beim Umweltministerium um eine Befreiung von der Lizenz ersucht.
In der Entscheidung des Ministeriums heisst es, man weise dieses Ansuchen zurück, auf Grundlage dessen, dass die Gesundheitsbehörde Westisland die Lizenzangelegenheit derzeit bearbeite. Im Übrigen mische die Regierung sich nicht ein, wenn andere Institutionen mit einer Angelegenheit bereits betraut sind.
Hvalur hf hat zwei Wochen für einen Einwand Zeit, oder kann den Antrag beim Gesundheitsamt zurückziehen.

Umweltbehörde sieht keinen Bedarf für Befreiung
In der Entscheidung des Umweltministeriums heisst es weiter, nach Information des Gesundheitsamtes Westisland sei es unwahrscheinlich dass die Lizenz noch vor der Jagdsaison erteilt wird, weil der Naturschutzbund Islands nämlich auf eine Herausgabe von Daten pocht.
Das Ministerium wandte sich in der Sache auch an die Umweltbehörde, von der war jedoch zu hören, dass man keinen hinreichend klaren Bedarf sehe, eine Befreiung von der Betriebslizenz zu gewähren. Die Behörde hielt es für wünschenswert, dass die Erteilung einer neuen Lizenz der üblichen und rechtmässigen Vorgehenweise folgt. Ausserdem soll der Ausgabevorschlag für eine neue Lizenz so bekanntgegeben werden, dass die Öffentlichkeit die Möglichkeit hat, Einwände abzugeben.

Rätselhaftes Vogelsterben im Westen Islands

In den vergangenen Tagen sind an den Stränden Westislands hunderte von toten Papageitauchern und anderen Seevögeln angespült worden. Woran die Vögel verendet sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Der Leiter des südisländischen Naturkundeinstituts meint, für Futtermangel oder Vogelgrippe spreche nicht viel, es müsse einen anderen Grund geben. Er schlägt ein Verkaufsverbot für Papageitaucher vor, um den Bestand zu schützen. Der Vogel sei lebendig wertvoller als tot, berichtet mbl.is.

An den Stränden Löngufjara und im Borgarfjörður wurden die toten Vögel zu hunderten, wenn nicht sogar tausenden angespült. Die Gebiete sind nicht gerade bekannt für diese Vögel, die bevorzugt in Felsen und Klippen brüten. Der Vogelexperte Jóhann Óli Hilmarsson hatte schon in der letzten Woche gemahnt, das Vogelsterben sehr ernst zu nehmen. Von der Umweltbehörde war allerdings zu hören, dass man derzeit keine Notfallmassnahmen in Betracht ziehe. Man müsse erst mal mit den Kollegen sprechen, nach dem Wochenende, und schauen, ob es sich um die Vogelgrippe handle. “Wenn es das nicht ist, und es gibt keine direkten Hinweise darauf, dann liegen da sicher natürliche Ursachen vor, die das Naturkundeinstitut dann untersucht”, hatte Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir angegeben.

Vogelsterben zur schlechtesten Zeit
Erp­ur Snær Han­sen, der Leiter des Naturbüros Südislands, sagt, die toten Vögel seien überall zu finden, wenn auch bislang hauptsächlich in der Bucht Faxaflói. Es handle sich um erwachsene Vögel, was er eher ungewöhnlich findet. Inwieweit das Vogelsterben Auswirkungen auf den Gesamtbestand habe, hänge davon ab, wieviele Vögel verendeten und wie verbreitet das Phänomen sei. Er hoffe, dass es sich um ein lokales Ereignis handle. “Das trifft für den Papageitaucher zur schlechtesten Zeit ein, weil es ihm schon seit Jahrzehnten nicht gut gegangen ist,” erklärt der Biologe. Auch Alkvögel und eine grosse Zahl an Dreizehenmöwen sind tot aufgefunden worden. Die kürzlich in Seltjarnarnes gefundenen toten Möwen waren nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Ein anderer Erreger könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, so Erpur.

Futtermangel durch Wellengang?
“Es gibt auch eine andere Ursache, die nicht unwahrscheinlicher ist, und das ist der Futtermangel. Die Dreizehenmöwe ist nämlich an die Wasseroberfläche gebunden, während der Papageitaucher natürlich taucht und zwar tief, der ist bis auf etwa 20 Meter Tiefe zu finden. Aber bei einem Wellengang, wie dort vorhergesagt war, mit acht und neun Meter hohen Wellen, da kann der Sandaal sich eingraben und tiefer schwimmen, die Vögel erreichen ihn da nicht mehr. Das ist das, was dieses Vogelsterben auslöst, auf englisch heisst das “wreck”. Das haben wir in den Jahren 1990, 91, 92 und 93 im Norden erlebt, tausende von Alkvögeln, die tot an den Strand gespült wurden. Das ist so ein Ereignis, wenn es schweres Unwetter gibt und die tagelang kein Futter finden,” erklärt Erpur. Der Papageitaucher verbrenne viel Energie in kurzer Zeit, sodass er ohne Futter innerhalb weniger Tage verhungere.
Nicht ins Bild passe allerdings, dass der Sturm gar nicht so lange gedauert habe. Und draussen auf dem Atlantik, wo die Vögel die meiste Zeit des Jahres erbringen, herrsche oft schlechtes Wetter, die Vögel seien daher so einiges gewöhnt. Er fühle sich an die Zeit erinnert als Basstölpel im letzten Jahr an merkwürdigen Orten auftauchten, und dann erkrankten.
Dennoch halte er einen Hungertod für wahrscheinlicher als eine Infektionskrankheit, auch wenn das eine seltsame Zeit für Hunger sei, immerhin sei der Tisch für Seevögel im Faxaflói reich gedeckt. Man könne jetzt nur auf Ergebnisse aus den Proben warten.

Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig
Erpur wundert sich allerdings über die Apathie der Behörden und deren Unlust, an die Strände zu gehen, Proben zu nehmen und herauszufinden, was da im Gange ist. Man rette damit natürlich keinen Vogel, aber es werfe doch Fragen auf, vor allem wenn es sich um möglicherweise infizierte Kadaver handle, und man vielleicht die Bevölkerung warnen müsste.
Er selber befürworte ein Verkaufsverbot für Papageitaucher, um den schrumpfenden Bestand zu schützen. Vielleicht gerade noch denen die Jagd erlauben, die das Recht als Landbesitzer dazu hätten.
“Eine geschäftsmässige Jagd hat bei sowas nichts mehr verloren. Das ist immer noch der grösste Bestand von allen Vogelarten, und er hält es aus, dass man an ihm nagt, obwohl auch das nicht nachhaltig ist. Aber geschäftsmässig jagen, um das Fleisch an Restaurants und food-malls zu verkaufen, das ist ethisch einfach nicht in Ordnung. Die Leute müssen ihre Haltung mal ein bisschen aktualisieren, wie wir mit der Natur umgehen, das ist ja nicht so als ob wir davon leben. Wir leben eigentlich viel eher davon durch den Tourismus, und der Vogel ist lebendig viel mehr wert als tot,” sagt Erpur.

Vor der Jahrtausendwende hatte es in Island noch um die acht Millionen Papageitaucherpaare gegeben, jetzt werde ihre Zahl auf drei Millionen geschätzt. Es sei auch nicht so, dass es um den Bestand besser bestellt sei, jenachdem ob in einem Gebiet gejagt werde oder nicht. Die Jagdzahlen würden den natürlichen Todeszahlen zugerechnet, die bei derzeit sieben Prozent lägen.
“Wir haben 70% des Bestandes verloren, oder wahrscheinlich sogar mehr,” sagt Erpur. “Das ist gruselig, und nicht etwa so als ob es bei denen nicht ohnehin genug Probleme gebe.”

 

Sand-LKW vom Mýrdalssandur belasten Ringstrasse wie eine Million PKW pro Tag

Ein vollbeladener LKW nutzt eine Asphaltstrasse genauso ab wie 10.000 PKW. Bei 164 Fahrten pro Tag entspräche die Strassenabnutzung der von einer Million PKW pro Tag – sollten die Pläne der deutschen STEAG Power Minerals, Vulkansand per LKW vom Mýrdalssandur nach Þorlákshöfn zu transportieren, in die Tat umgesetzt werden.
Um diese enorme Zusatzbelastung des ohnehin schwachen Straßennetzes, das auf Steuerzahlerkosten erheblich gestärkt werden müsste, geht es unter anderem im Gutachten der Strassenverwaltung zur Umweltverträglichkeitsstudie über den geplanten Sandabbau im Mýrdalssandur. Der Vulkansand soll nach Europa exportiert werden, wo er in der Zementherstellung beigemischt wird, berichtet Kjarninn.

Umgehungsstrassen für vier Ortschaften
Die Umweltbehörde hatte in ihrem Gutachten errechnet, dass ein sechsachsiger LKW (Zugmaschine mit Anhänger) die Strasse soviel abnutzt wie 20 bis 30.000 PKW, bei 164 Fahrten sind das sogar bis zu drei Millionen PKW, pro Tag, und das ganze Jahr über.  Die Hälfte der Fahrten findet als Leerfahrt statt, alle sieben Minuten ein LKW quer durch Südisland, durch vier Ortschaften hindurch und an beliebten touristischen Highlights vorbei.
Ein derartiger Anstieg des Schwerlastverkehrs hätte gesellschaftliche Auswirkungen, darunter Umweltverschmutzung, Lärmbelästigung, aber auch Auswirkungen auf Tourismus, Verkehrssicherheit und auf die Strassenabnutzung, heisst es im Gutachten der Strassenverwaltung. Der Schwerlastverkehr mache zur Zeit um die 10 Prozent des Gesamtverkehrs im Lande aus, mit dem Sandtransport der Deutschen könnte er auf bis zu 20 Prozent ansteigen.

Langfristig sei es unbefriedigend, wenn ein solcher Schwerlastverkehr durch die Ortschaften Vík, Hvolsvöllur, Hella und Selfoss führe. Die Umweltbehörde weist darauf hin, dass es sich immerhin um ein Transportvorhaben für die nächsten 100 Jahre handle.
In den Plänen des Grossvorhabens wird davon ausgegangen, dass die Ringstrasse die Ortschaften Vík und Selfoss umgeht. Die Strassenverwaltung weist darauf hin, dass eine Umgehung von Hvolsvóllur zwar geplant sei, es sich aber schwieriger gestalte, die anderen Ortschaften mit Umgehungsstrassen zu versorgen. Auch sei die Ringstrasse östlich des Markarfljóts mit sechs bis sieben Metern weitaus schmaler als in den Bestimmungen zum Bau neuer Strassen.

LKW-Verkehr gefährdet Sicherheit
Der Strassenabschnitt hinter Vík liegt auf 119 Metern Höhe, dort gibt es enge Kurven, eine 12 prozentige Steigung, und im Winter viel Schnee und Eis – eine Strasse, auf der sich schon viele schwere Unfälle ereignet haben.
Ein massiver Anstieg des Schwerlastverkehrs, wie die deutsche STEAG Power Minerals ihn für den Sandexport anstrebt, hat Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit der gesamten Region. Die Strassenverwaltung errechnet in ihrem Gutachten, dass sich die Zahl der Unfälle um bis zu neun pro Jahr erhöht, mit allen gesellschaftlichen Folgekosten, die so ein Unfall nach sich zieht.

Massive Abnutzung, Instandhaltung auf Staatskosten
Nicht zuletzt nutzt der Schwerlastverkehr die Strassen weitaus schneller ab, damit müssten Instandhaltung und Strassenneubau mehr vorangetrieben werden als der jetztige Verkehrswegeplan es vorsieht. Instandhaltungen könnten zudem weitaus teuerer werden, weil der Schwerlastverkehr möglicherweise breitere Strassen und eine andere Asphaltierung notwendig macht.
Bislang reiche es aus, den Strassenbelag alle sechs bis sieben Jahre zu erneuern, solange der LKW-Anteil unter 10 Prozent des Gesamtverkehrsvolumens bleibe. Mit dem Anstieg auf bis zu 20 Prozent müsse die Asphaltschicht öfter erneut werden. Die Strassenverwaltung weist darauf hin, dass eine solche Fahrbahnerneuerung jedesmal gesondert bezuschusst wird.
Eine Verbreiterung des Strassenabschnittes auf neun Meter bringe Kosten von 80 bis 200 Millionen Kronen pro Kilometer mit sich. Die Gesamtkosten könnten sich auf bis zu sieben Mrd. Kronen belaufen, Wartungskosten nicht eingerechnet, die der Staat zu übernehmen habe. Zur Zeit sind das 1-1,5 Mio. Kronen pro Kilometer und Jahr. Die Mehrbelastung durch den Schwerlastverkehr der deutschen STEAG könnte sich auf bis zu 3,5 Mio Kronen pro Kilometer und Jahr belaufen.

“Um einen zufriedenstellenden Zustand des Straßennetzes zu gewährleisten, müssten die im Verkehrswegeplan vorgeschlagenen Bauprojekte beschleunigt, ein größerer Teil der Ringstrasse neugebaut und die Mittel für die Instandhaltung erhöht werden.“ heisst es in dem Gutachten.
Die Straßenverwaltung kommt zu dem Schluss, dass die Auswirkungen des Projekts auf den Verkehr erheblich negativ ausfallen, und nicht nur ein bisschen negativ, wie der Bauträger in seinem Gutachten behauptet.

 

Blutstuten: Umweltbehörde genehmigt Verarbeitung von 600 Tonnen Blut

Die isländische Umweltbehörde hat am 13. Januar dem Pharmaunternehmen Ísteka ehf. die Genehmigung erteilt, pro Jahr 20 Kilogramm medizinischen Rohstoff aus insgesamt 600 Tonnen Blut von tragenden Stuten zu produzieren. Bei der Produktion handelt es sich um vorbereitende Prozesse am Rohstoff, Weiterverarbeitung und Isolierung des Endstoffes.  Weiter heisst es in der Betriebserlaubnis, sollte der Betrieb in andere Hände übergehen, kann beantragt werden, dass die Betriebsgenehmigung auf den neuen Besitzer überschrieben wird. Erteilt wird die Genehmigung auf der Grundlage isländischen Rechts und der EU-Richtlinie 1069/2009 zu tierischen Nebenprodukten.

Umweltbehörde ist nicht für Tierschutz zuständig
Auf der Webseite der Umweltbehörde sind alle 237 eingesandten Einwände gegen eine solche Genehmigung veröffentlicht. Die Behörde weist darauf hin, dass die Genehmigung auf Grundlage der Gesetze zu Hygieneregeln und Vermeidung von Umweltbelastungen erteilt wurde, weil es sich um die Herstellung von Medikamenten handle. Die Einwände hingegen thematisierten vor allem die Blutgewinnung aus tragenden Stuten.

Nach Angaben der Behörde betrifft die erteilte Genehmigung eine Medikamentenherstellung an einem bestimmten Arbeitsumfeld des Betreibers und enthält Auflagen zur Schadstoffbegrenzung und Überwachung. Sie umfasst nicht die Gewinnung und Bevorratung des Blutes, aus dem produziert wird. Der Veterinäraufsichtsbehörde MAST obliegt diese Kontrolle im Rahmen des Tierschutzgesetzes.
Die Genehmigung ist bis zum Jahr 2038 gültig. Gegen sie kann innerhalb eines Monats beim Schlichtungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Einspruch eingelegt werden.

Bislang hatte das Unternehmen Ísteka ehf. 170 Tonnen Blut verarbeitet, welches aus 5400 tragenden und laktierenden Stuten gewonnen wurde. Jeder Stute werden im Sommer zwei Monate lang wöchentlich fünf Liter Blut entnommen, aus dem Blut extrahiert Ísteka das für die Schweine- und Ruminantenzucht wichtige Hormon PMSG. Für eine Produktion von 600 Tonnen Blut wären 20.000 Stuten nötig, die dann 20.000 säugende Fohlen bei Fuss hätten. Der Gesamtpferdebestand in Island wird aktuell auf ca. 70.000 Pferde geschätzt.
Zur Zeit liegt dem isländischen Parlament ein Gesetzantrag vor, mit dem die Blutstutenwirtschaft verboten werden soll, nachdem Ende letzten Jahres tierschutzrelevante Vorgänge bekannt geworden waren.
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