Tierschutz: Tauziehen um vernachlässigte Lämmer im Borgarfjörður

Die Auseinandersetzung zwischen Tierschützern und einem der Vernachlässigung beschuldigten Schafzüchter im Borgarfjörður ist gestern in einem Eklat geendet. Die Tierschützer hatten Heu über den Zaun geworfen, daraufhin hatte der Schafzüchter den Tierschützern erst den Weg versperrt und sie dann massiv bedroht.  Die herbeigerufene Polizei wies die Tierschützer an, das Heu von der Weide zu beseitigen, da es sich um Privatland handle. Die möglicherweise schlechte Haltung der Tiere spiele dabei keine Rolle.

DÍS wirft MAST Untätigkeit vor
Die Haltungsbedingungen auf dem Hof Höfði im Borgarfjörður beschäftigen inzwischen Tierschützer im ganzen Land. Der isländische Tierschutzbund (DÍS) hatte vor einigen Tagen der zuständigen Veterinäraufsichtsbehörde MAST schriftlich vorgeworfen, das Wohlergehen dieser Tiere nicht zu gewährleisten. Verbandsvorsitzende Linda Karen Gunnarsdóttir war mit einer Journalistin von Vísir vor den Zäunen der Schafweide zusammengetroffen und hatte auf abgemagerte, ungeschorene Auen, verhungernde und verendete Junglämmer und einen Schafskadaver hingewiesen. Keins der Lämmer trage eine vorgeschriebene Ohrmarke, viele seien krank oder mangelernährt.
In seinem Schreiben erklärte der Verband, die schlechten Haltungsbedingungen seien seit Jahrzehnten bekannt und ein offenes Geheimnis. Die Behörde komme ihrer gesetzlichen Aufgabe, das Wohlergehen der Tiere zu sichern, nicht nach. Daher habe der Verband eine Beschwerde an den parlamentarischen Ombudsmann geschickt.
Hier lesen Sie mehr über den Fall.

MAST: Abhilfe wurde geschaffen
MAST antwortete auf das Schreiben, die Behörde habe sich in den vergangenen Monaten in die Tierhaltung des Hofes eingemischt. Ein Inspektor sei dort gewesen und habe allerlei Zustände moniert. Manches sei entsprechend geändert worden. Für die Umsetzung der Forderungen habe es eine Frist gegeben, sowie die Androhung von Zwangsmassnahmen, wenn die Umsetzung nicht „akzeptabel“ war. In der Erklärung von MAST heisst es: „Die Hofbetreiber wurden aufgefordert, sich Hilfe für den Betrieb zu beschaffen, insbesondere während der Lammzeit, was auch durchgeführt wurde, indem die Ablammung überwacht, Lämmer markiert und Medikamente verabreicht wurden. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die Schafe innerhalb der Zäunung bleiben, bis die Lämmer gross genug sind. Es wurde sichergestellt, dass den Tieren jederzeit ausreichend sauberes Wasser und Futter zur Verfügung steht.“ Die Behörde bearbeite den Fall und verfolge die Entwicklungen. MAST-Direktorin Hrönn Ólína Jörundsdóttir verwahrte sich gegen Vorwürfe, die Behörde komme ihren Verpflichtungen nicht nach.

Ministerin will Tierschutzgesetz überprüfen
Immerhin haben es die Lämmer aus dem Borgarfjörður bis ins Parlament geschafft: am vergangenen Mittwoch sprach die Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, bei einer parlamentarischen Fragestunde die Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, auf den Fall an und erkundigte sich, was das Ministerium zu unternehmen gedenke.
In einer Tonaufnahme des Parlamentes bezeichnet Bjarkey die Lage als unerträglich. Sie habe gleich bei Amtsantritt eine Arbeitsgruppe einberufen, um das inzwischen 10 Jahre alte Tierschutzgesetz zu prüfen und Lücken im Tierschutz zu finden. Dort bearbeite man zudem Hinweise, die zu dem Fall aus der Öffentlichkeit eingegangen seien. Bjarkey erwähnte auch den Bericht des Rechnungshofes zur mangelhaften Tierschutzkontrolle der Behörde MAST.

Auf erneute Nachfrage von Inga, was denn nun im Fall der Schafe konkret unternommen werde, versprach die Ministerin eine zügige Stärkung der Verwaltung, damit bereits vorhandene behördliche Massnahmen besser greifen als bisher. Sie wolle hier nicht, so Bjarkey, die Verantwortung auf die Allgemeinheit übertragen, aber wenn man an so einem Fall vorbeikomme, sei ein jeder verpflichtet, Tieren oder Menschen zu helfen.

Minischlachthof im Ostland will Region bedienen und Tierwohl fördern

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Der ehemalige Schlachthofdirektor von Vopnafjörður will sich durch die Schliessung der Anlage nicht geschlagen geben, viel mehr will er nun eine Lizenz beantragen und ab dem Herbst sein eigenes Schlachtunternehmen mit Fleischverarbeitung betreiben, berichtet Bændablaðið.
Mit der Schliessung des Schlachthofes Vopnafjörður steht den Landwirten in der gesamten Osthälfte des Landes kein Schlachthof mehr zur Verfügung. Schafe und Grossvieh müssen hunderte von Kilometern bis nach Húsavík oder Selfoss gefahren werden.

Lizenz für regionalen Markt
Skúli Þórðarson, ein Schafzüchter auf Refstaðir in Vopnafjörður, hat seit 1989 die Geschicke der Schlachtkooperative im Ort geleitet. Nach Schliessung der Anlage, die wegen roter Zahlen nicht mehr rentabel war, hegt er nun Zukunftspläne.
„Ich mach jetzt erst mal weiter auf meinem Hof mit 400 Schafen und einigen Pferden,“ sagt Skúli. „Ich möchte aber nebenher auch noch etwas anderes machen. Ich will eine Lizenz für einen kleinen Schlachthof mit Fleischverarbeitung beantragen. Wenn ich die Lizenz bekomme, dann will ich im Herbst 500 bis 600 Schafe aus dem Vopnafjörður schlachten, und das ist dann erst mal vor allem für den regionalen Markt gedacht.“  Erst danach könne man den Verkauf ausdehnen, und in den kommenden Jahren mehr Tiere schlachten. „Ich dachte, dass ich den alten Kuhstall umbauen könnte, der seit fünf Jahren nicht mehr benutzt wird, und habe schon mal angefangen, ihn zu entkernen und einen Schlachtungsraum dort einzurichten.“

Transportwege schlecht fürs Tierwohl
Der Schlachthof in Höfn im Hornafjörður war im Sommer 2019 geschlossen worden, nachdem der Fleischkonzern Norðlenska alle Pachtverträge mit der Schlachtgesellschaft Búi in Höfn gekündigt hatte, die rund 70% der Anteile am Schlachthof hielt. Als Grund wurde angegeben, dass die Preise in Höfn rund 50% höher lagen als im Schlachthof der Norðlenska in Húsavík.
An einen neuen Schlachthof in Höfn glaubt der ehemalige Búi-Vorsitzende jedoch nicht, immerhin ist das gesamte Inventar verkauft und das Gebäude anderweitig in Nutzung. Búi war 2021 aufgelöst worden.

„Meine Ansicht nach ist die Schliessung des Schlachthofes in Höfn sehr schlecht gewesen,“ sagt Eiríkur Egilsson von Seljavellir, „vor allem im Hinblick auf die langen Transportwege und auf das Tierwohl. Persönlich finde ich es nicht zuträglich, dass es bei den Schlachtbetrieben noch mehr Verdichtung gibt, und halte es für richtig, dass die derzeitigen Schlachtbetriebe ums Geschäft mit den Bauern konkurrieren.“

Zwei Frauen planen Minischlachthaus
Aber im Hornafjörður gibt es durchaus Überlegungen, ein kleines Schlachthaus zu eröffnen, auch wenn die Rahmenbedingungen alles andere als rosig sind. Die beiden Landwirtinnen Lovísa R. Bjarnadóttur und Anna Sigurbjörg Sævarsdóttir erklären, die Schlachtvereinigung Austur-Skaftafellssýslu sei ja erst entstanden, nachdem der Betrieb in Höfn geschlossen worden war.

„Das ist eine Gruppe von Leuten mit gemeinsamer Vision, die ein kleines Dienstleistungsschlachthaus aufbauen will,“ erklären die beiden. „Wir möchten den Bauern bessere Leistungen anbieten, indem wir die Schlachtsaison verlängern, damit man öfter frisches Fleisch anbieten kann. Man würde nur wenig auf einmal schlachten, um den Stress zu mindern und die Einrichtung würde dann auch besser für die Tiere werden. Ein Direktverkauf für die Bewohner der Region wäre eine Möglichkeit, sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen. Wir würden Wert darauf legen, Rinder, Ziegen, Schweine, Schafe und Pferde zu schlachten.“
Aus dem Schlachthof in Höfn hatten sie Einrichtung und Gerätschaften erstanden, dann beantragten sie bei der Gemeinde ein Grundstück für die Errichtung eines neuen Schlachthauses. Das habe sehr lange gedauert, aber am Ende sei es durchgegangen.

Kein Geld für Tierwohl
Das einzige was fehlt, ist Geld. Denn obwohl der Weg der beiden Landwirtinnen – Nähe, Handwerk, Tierwohl – eine Art Innovation darstelle, so sei das Ergebnis – Fleisch – ein bereits bekanntes, daher gab es von Innovationsfonds keine Gelder. Auch eine Kooperation mit dem Handwerksschlachthaus Seglbúðir führte zu nichts, nachdem das Haus schliessen musste, weil die Gebühren für die Fleischbeschau massiv erhöht worden waren.
„Jetzt sieht es so aus dass es von Höfn aus 400 Kilometer oder mehr bis zum nächsten Schlachthof sind, nachdem Vopnafjörður geschlossen hat: Húsavík oder Selfoss. Das waren nicht zuletzt diese langen Strecken für die Tiere, die dazu führten, dass die Idee Fahrt aufnahm. Der Aufbau eines Schlachthauses in Höfn sitzt aber nun in der Warteschleife, weil es schwer ist, an Geld zu kommen und Kredite teuer sind. Die Gebührenerhöhung durch das Landwirtschaftsministerium für kleine Schlachthöfe betrifft uns direkt und kommt erschwerend hinzu, sodass sich unser Businessplan im letzten Jahr komplett geändert hat.“ sagen Lovísa und Anna.

Wegbereiter für Monopol
Das in der vergangenen Woche vom Parlament verabschiedete überarbeitete Gesetz zu landwirtschaftlichen Produkten dürfte Initiativen wie diese noch weiter ausbremsen. Das mit 26 gegen 19 Stimmen verabschiedete Gesetz wird von Kritikern als Wegbereiter für ein Monopol im landwirtschaftlichen Sektor angesehen, an dessen Ende eine einzige Fleischfabrik für die gesamte Insel und steigende Preise für den Verbraucher stehen könnte. Es erlaubt den grossen Fleischkonzernen Wettbewerbsabsprachen, die zuvor ungesetzlich waren. Die Wettbewerbsbehörde hatte sich mehrfach gegen die Novelle ausgesprochen, war aber nicht gehört worden.
Gleichzeitig sind die grossen Konzerne aber auch die grössten Importeure für ausländische Lebensmittel und Fleischerzeugnisse und damit die grössten Konkurrenten der Landwirte.

Geldstrafe: MAST verhängt 2650 Euro für langen Todeskampf eines Finnwals

Im September letzten Jahres vergingen 29 Minuten zwischen dem ersten und dem zweiten Harpunengeschoss aus der Kanone der Hvalur 8-Walfänger auf den ersten erbeuteten Finnwal der Saison. Das bedeutet, dass dieser Wal mehr als 30 Minuten brauchte, um zu sterben. Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat dem Walfangunternehmen Hvalur hf. heute eine Geldstrafe von 400.000 ISK (2,650 EUR) wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes auferlegt, berichtet Heimildin. “Der Walfangverordnung zufolge muss ein Zweitschuss unverzüglich erfolgen, wenn das Tier nicht nach dem ersten Schuss verendet.”

Neue Lizenz über 10 Jahre beantragt
“Wir haben auf dem Video gesehen, dass 29 Minuten vergehen zwischen dem ersten Schuss auf das Tier, bis zum Abfeuern des zweiten Schusses. Das ist diese Verzögerung des Zweitschusses, die wir als sehr schwerwiegend betrachten,” hatte MAST-Direktorin Hrönn Ólina Jörundsdóttir im September in einem Gespräch mit Heimildin angegeben. MAST stoppte die Waljagd des Schiffes Hvalur 8 am 14. September. Als Grund wurde dieser Verstoss gegen das Tierschutzgesetz während der Jagd auf Finnwale angegeben.

Hvalur hf. hatte Ende Januar einen Brief an das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft geschickt, in dem um Erneuerung der Fanglizenz für Finnwale ersucht wurde. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Kristján Loftsson, sah es als “richtig und normal” an, dass die neue Lizenz auf fünf Jahre ausgestellt werde und sich automatisch zum Jahresende erneuere, “oder aber dass die Lizenz für mindestens 10 Jahre” ausgestellt werde. Damit sei eine “normale Vorhersehbarkeit” im Betrieb von Hvalur gewährleistet.

Weitere Strafen wegen Tierwohlvergehen
Hvalur war nicht das einzige Unternehmen, das heute zur Kasse gebeten wurde. „Ein Schlachthof in Südwestisland erhielt eine Strafe über 160.000 ISK (1070 EUR) dafür dass ein Schwein mit gebrochenem Bein ein ganzes Wochenende in der Halle liegen gelassen wurde, bevor es geschlachtet wurde.” Das Schwein hatte sich das Bein während des Transportes gebrochen und hätte daher sofort nach der Ankunft geschlachtet werden müssen.
Ein anderer Schlachthof im Südland muss 145.000 ISK (970 EUR) zahlen, weil es ein Schwein aus Versehen vor der Schlachtung nicht betäubt hatte und bei lebendigem Leibe hat ausbluten lassen.
Im Sommer 2023 waren auf drei Höfen im Westen des Landes Rinder für insgesamt acht Wochen im Stall gehalten worden, obwohl das Tierschutzgesetz Weidegang vorsieht. Die Höfe müssen zwischen 350.000 und 540.000 ISK (2340-3610 EUR)  Strafe zahlen. Die Höhe der Summe bemisst sich unter anderem an der Zahl der eingesperrten Rinder.

 

Walfang: Ministerin wird des Gesetzbruchs beschuldigt, Rücktrittsforderungen

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Der Ombudsmann im isländischen Parlament hat in seinem heute erschienenen Gutachten mangelnde Verhältnismässigkeit und das Fehlen einer klaren gesetzlichen Grundlage kritisiert, als die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft im Juni letzten Jahres den Beginn der Walfangsaison aussetzte, berichtet Heimildin. Ministerin Svandís Svavarsdóttir kommentierte, sie nehme die Ergebnisse sehr ernst und wolle sich für eine Änderung des Walfanggesetzes einsetzen. An Rücktritt denke sie aber nicht.

Walfang am Vorabend der Saison ausgesetzt
Im vergangenen Jahr hatte Svandís am 30. Juni, einen Tag vor Auslaufen der Fangflotte, die Lizenz des einzigen kommerziellen Walfängers bis Ende August auf Eis gelegt, weil nach Ansicht des Fachrates für Tierwohl die praktizierten Fangmethoden nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz vereinbar seien. Der Fachrat stützte seine Ansicht auf Videodokumentationen der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) aus der Fangsaison 2022, in denen stundenlange Todeskämpfe von angeschossenen Walen zu sehen waren.
Am 1. September war dann eine neue Walfangverordnung mit verschärften Bestimmungen in Kraft getreten, und Hvalur hf. hatte noch zwei Wochen unter Behördenaufsicht lang Wale töten können. Hvalur hf. hatte sich nach Ende der Saison mit einer Beschwerde an den Ombudsmann gewendet, der prüfen sollte, ob die Ministerin hier das Gesetz gebeugt habe.

Gesetzliche Grundlage nicht hinreichend klar
Der Ombudsmann hielt in seinem heute veröffentlichten Schreiben fest, dass die per Erlass verfügte Aussetzung des Walfangs einer hinreichend klaren Gesetzesgrundlage entbehre, und dass der Erlass nicht den Anforderungen der Verhältnismäßigkeit entsprochen habe. Für das Ministerium gab der Ombudsmann allerdings keine konkreten Empfehlungen für Verbesserungen, ausser der, seine Anmerkungen für die Zukunft im Auge zu behalten.

Der Ombudsmann pflichtet dem Ministerium insofern bei, als dass Erwägungen zum Tierwohl durchaus berücksichtigt werden können, wenn Vorschriften auf der Grundlage des Walfanggesetzes festgelegt werden. Er weist jedoch darauf hin, dass bei der Ratifizierung der Walfanggesetze im Jahr 1949 vor allem Schutz und Erhalt des Walbestandes, also die wirtschaftliche Nutzung der Meeressäuger, im Vordergrund gestanden hätten. Trotz eines verstärkten Fokus auf Tierschutz, u.a. bei der Internationalen Walfangkommission, ist das Gesetz von 1949 jedoch nicht geändert worden, Tierwohl wird dort mit keinem Wort erwähnt. Das Ministerium befasst sich nun mit einer Überprüfung des Walfanggesetzes, heisst es auf der Webseite der Regierung.

Ministerin will nicht zurücktreten
In einem Interview am Abend sagte Svandís, nach dem Gutachten des Fachrats im Juni habe es für sie als Minister, der Verantwortung für das Tierwohl trägt, keine andere Wahl gegeben, als die Fangsaison auszusetzen und zu prüfen, ob die Jagdmethoden verbessert werden können.  Sie nehme die Angelegenheit sehr ernst, verweist aber darauf, dass der Ombudsmann in seinem Schreiben zwar das Fehlen einer klaren gesetzlichen Grundlage bemängele, nicht aber dass er sie des Gesetzbruches bezichtige. Heimildin gegenüber gab sie an: „Ich finde, die Hinweise des Ombudsmannes unterstreichen nur, dass das kein modernes Gesetz ist, aus dem Jahr 1949. Das muss man modernisieren, und es muss gesellschaftlich und unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls angegangen werden.“
An Rücktritt denkt die Ministerin nicht.

Parteiübergreifende Rücktrittsforderungen
Ein Rücktritt wird allerdings inzwischen parteiübergreifend gefordert. Nicht nur die dem Walfang nahestehende Unabhängigkeitspartei, auch die Volkspartei forderte den Rücktritt der Ministerin, und mancher begründet seinen Wunsch mit dem Hinweis auf den ehemaligen Finanzminister Bjarni Benediktsson, der aufgrund persönlicher Verstrickungen in den Verkauf der Íslandsbanki im Herbst zurückgetreten war.

Auch die Piratenpartei verlangt, dass Svandís von ihrem Posten weicht, und das obwohl die Piraten eines mit der Ministerin gemeinsam haben, so der Abgeordnete Gísli Rafn Ólafsson, der auch einen Sitz im parlamentarischen Wirtschaftsausschuss hält: den Walfang in Island ein für alle Mal abzuschaffen. Die Piraten haben dem Parlament dazu im Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt, der inzwischen von gut 3500 Personen und Parteien kommentiert worden ist, in der Geschichte des Beratungsportals samráðsgátt ein Rekord. Die meisten Einsendungen kamen aus dem Ausland und unterstützen den Entwurf.  Gísli Rafn kritisiert die Entscheidung vom Juni in letzter Minute als schlechte Verwaltungsarbeit, stattdessen hätte die Ministerin schon viel früher Position beziehen müssen.

Uraltes Walfanggesetz ändern
Harsche Kritik kommt auch von den Sozialdemokraten.
Man sei nicht für den Walfang bei der Sozialdemokratischen Allianz, so der Abgeordnete Jóhann Páll Jóhannsson, aber man lebe in einem Rechtsstaat, wo es wichtig sei, Macht korrekt einzusetzen, die Spielregeln zu beachten und in Bezug auf die Beschäftigung im Lande Verhältnismäßigkeit walten zu lassen. Wenn das Walfanggesetz uralt sei, dann liege es im Verantwortungsbereich der Ministerin, sich für Änderungen am Gesetz einzusetzen, und nicht Gesetze zu brechen.

Zum ersten Mal wird Tierschutz erwähnt
Katrín Oddsdóttir, die Juristin des isländischen Naturschutzbundes, gab Vísir gegenüber zu bedenken, ein Gutes habe das Schreiben des Ombudsmannes, denn er sage eigentlich, dass Svandís recht daran getan habe, bei ihrer Entscheidung den Tierschutz zu berücksichtigen. „Das ist die Verbindung, auf die wir alle sehr gewartet haben, dass sie von einer unabhängigen Partei bestätigt wird.“ In der Regel, so Katrín, gehe es bei solchen Gesetzen nur um die Rechte der Jäger. Sie findet Svandís Entscheidung richtig, die Umsetzung derselben sei jedoch mangelhaft gewesen.

Behörden dokumentierten Tierschutzverletzungen
In Island hatte zuletzt nur noch ein Unternehmen eine Lizenz für den kommerziellen Walfang gehalten. Das Unternehmen Hvalur hf. setzt für seine Jagd zwei Schiffe ein und beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an Bord und in der Zerteilstation im Hvalfjörður. Die Fangquote für Finnwale liegt bei 150 Tieren und kann von Saison zu Saison verlagert werden.
Vor zwei Jahren hatte die Meeresschutzorganisation Hard to Port erstmals Fotos von der Schlachtung veröffentlicht, in der Folge gab es Hinweise auf Verletzungen des Tierschutzes bei der Jagd, worauf das Ministerium die Behörden anwies, alle Jagden filmisch zu dokumentieren. Dabei stellte sich heraus, dass zahlreiche Wale nicht etwa beim ersten Schuss verendeten, sondern teilweise stundenlang mit dem Tode rangen.
Am 31.12.2023 war die Fanglizenz von Hvalur hf. ausgelaufen, eine neue Lizenz muss beim Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft beantragt werden. Im Winter 2022 hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir in einer Kolumne des Morgunblaðið den Walfang als nicht mehr zeitgemäss bezeichnet.

 

Drei Wale mit nicht detonierter Sprengladung dokumentiert

Am 4. Juli diesen Jahres lief das Walfangschiff Hvalur 9 in den Hafen der Zerteilstation im Hvalfjörður ein, mit zwei erlegten Finnwalen, die man längs des Schiffs vertäut hatte. Die Wale waren am Vortag erlegt worden, wo sie getötet wurden, ist jedoch nicht bekannt, denn das Walfangunternehmen Hvalur hf. kommt in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung: die Walfangschiffe fahren unter dem Radar, ihr Aufenthaltsort auf hoher See ist nicht einsehbar.
Als das eine tote Tier an Land gezogen wird, um mit Messern, Sägen und schwerem Gerät zerteilt zu werden, gelingt Tierschützern hinter dem Zaun des Betriebs ein folgenschwerer Schnappschnuss: in dem Wal steckt nämlich eine nicht-detonierte Harpune, berichtet Kjarninn.

Tierwohl beim Walfang immer fraglicher
Die Frage nach dem Tierwohl beim Walfang – wie lange ein Wal leiden muss bis er durch die Detonation des Sprengstoffs in seinem Leib den Verletzungen erliegt – steht damit wieder im Vordergrund der umstrittenen Unternehmung. Die Harpune samt Sprengsatz war schnell entfernt und der Sprengsatz entschärft. Der Vorgang wurde jedoch von der Walschutzorganisation Hard to Port auf Bild gebannt.
Die Leitende Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte Kjarninn gegenüber, die Angelegenheit sei so verlaufen wie Hard to Port sie beschreibe. “Den Informationen des Amtstierarztes vor Ort zufolge, der sich jeden einzelnen Wal anschaut, der an Land gezogen wird, hat dieser Schuss bei der Jagd auf diesen Wal nicht getroffen,” sagt Sigurborg. “Die Sprengladung traf auf Knochen, auf den Schädel, wie man auf dem Foto sieht, und deswegen explodierte sie nicht. Die Sprengladung muss in weiches Gewebe treffen, damit sie detoniert.”
Hard to Port hatte die Fotos an Kjarninn geschickt, das Magazin hatte sie an die Veterinäraufsichtsbehörde und das Amt für Fischerei mit einer Bitte um Kommentierung weitergeleitet. Beiden Behörden obliegt die Kontrolle beim Fang.
Der Wal war durch den misslungenen Schuss nur verletzt worden. Sigurborg sagt, die Zeit des Todeskampfes habe sich um die Zeit verlängert, die es dauere, eine weitere Harpune mit Sprengsatz abzufeuern. Das kann bis zu acht Minuten dauern. Es gibt keine Informationen darüber, wie lange dieser betreffende Wal um sein Leben hat kämpfen müssen.

Todeskampf dauert bis zu 15 Minuten
Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, die zunächst nicht veröffentlicht worden war, kann der Todeskampf eines Wals bis zu 15 Minuten andauern. Kjarninn schreibt, das sei etwa die Zeit, die ein Fahrzeug in erlaubtem Tempo von Litla Kaffistofa nach Hveragerði benötigt. Der Studie zufolge starben 42 Wale (84 Prozent) gleich nach dem Schuss. Acht starben nicht sofort und mussten erneut geschossen werden. Der längste bei der Studie beobachtete Todeskampf hatte 15 Minuten gedauert.
Die Waljäger hatten alle vor Beginn der Saison einen Kurs zum Töten von Walen besuchen müssen. Dort war ihnen empfohlen worden, auf den Leib des Tieres zu zielen, wo sich alle lebenswichtigen Organe befinden. Bei der Studie von 2014/15 waren die acht Wale an anderen Körperstellen getroffen worden und hatten erneut beschossen werden müssen.
Aktuell gültigen Bestimmungen zufolge muss der Wal mit einer Sprengladung namens Hvalgranat99 erlegt werden und das in kürzest möglicher Zeit. Im Tierschutzgesetz ist Artikel 27 speziell der Jagd gewidmet, wonach durch Jäger erlegte Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Verboten ist es, den Tieren zusätzliche Schmerzen durch Verstümmelungen zuzufügen.

Am gestrigen 17. Juli konnte die Walschutzorganisation Hard to Port erneut fotografisch nachweisen, dass ein erlegter Wal zweimal geschossen wurde. Das an Land gezogene Tier wies einen Durchschuss unterhalb der Flosse auf, die Sprengladung hatte den Wal offensichtlich nur in die Speckschicht getroffen und war kurz darauf wieder aus dem Körper ausgetreten, ohne zu detonieren.
Für die diesjährige Jagdsaison sind damit innerhalb von drei Wochen drei Wale dokumentiert, die zur Tötung zweifach geschossen werden mussten.

Tierschutzbeauftragter an Bord muss filmen
Im Januar hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, in einem Artikel im Morgeunblaðið geschrieben, unverändert spreche nur wenig dafür, die Waljagd nach dem Jahr 2024 noch zu erlauben. Bis dahin müsse ein wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden, um die Lizenz zu erneuern. Anfang Juni hatte sie die Bestimmungen dahingehend geändert, dass an Bord der Walfänger demnächst ein aus der Mannschaft aufgestellter Tierschutzbeauftragter die Jagd und das Töten der Wale filmisch dokumentieren muss, diese Videos sollen dann an die Veterinäraufsichtsbehörde gehen. Ab der kommenden Saison hat sich auch ein Amtstierarzt an Bord zu befinden.

Sævar Guðmundsson, Abteilungsleiter der Küsteninspektion beim Amt für Fischerei, sagte Kjarninn gegenüber, der Walschütze müsse einen Kursus mit den genannten Waffen absolvieren, um die Wale sachgerecht töten zu dürfen. Die Vorgänge vom 4. Juli kommentierte er dahingehend, dass seine Behörde sämtliche Meldungen überprüfe und bei Verstössen den Kapitän und die Reederei befrage. Solche Verstösse seien jedoch gegenüber der Fischereibehörde nicht meldepflichtig. Die Aufsicht in Bezug auf das Tierwohl führe die Veterinäraufsichtsbehörde.