Geldstrafe: MAST verhängt 2650 Euro für langen Todeskampf eines Finnwals

Im September letzten Jahres vergingen 29 Minuten zwischen dem ersten und dem zweiten Harpunengeschoss aus der Kanone der Hvalur 8-Walfänger auf den ersten erbeuteten Finnwal der Saison. Das bedeutet, dass dieser Wal mehr als 30 Minuten brauchte, um zu sterben. Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat dem Walfangunternehmen Hvalur hf. heute eine Geldstrafe von 400.000 ISK (2,650 EUR) wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes auferlegt, berichtet Heimildin. “Der Walfangverordnung zufolge muss ein Zweitschuss unverzüglich erfolgen, wenn das Tier nicht nach dem ersten Schuss verendet.”

Neue Lizenz über 10 Jahre beantragt
“Wir haben auf dem Video gesehen, dass 29 Minuten vergehen zwischen dem ersten Schuss auf das Tier, bis zum Abfeuern des zweiten Schusses. Das ist diese Verzögerung des Zweitschusses, die wir als sehr schwerwiegend betrachten,” hatte MAST-Direktorin Hrönn Ólina Jörundsdóttir im September in einem Gespräch mit Heimildin angegeben. MAST stoppte die Waljagd des Schiffes Hvalur 8 am 14. September. Als Grund wurde dieser Verstoss gegen das Tierschutzgesetz während der Jagd auf Finnwale angegeben.

Hvalur hf. hatte Ende Januar einen Brief an das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft geschickt, in dem um Erneuerung der Fanglizenz für Finnwale ersucht wurde. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Kristján Loftsson, sah es als “richtig und normal” an, dass die neue Lizenz auf fünf Jahre ausgestellt werde und sich automatisch zum Jahresende erneuere, “oder aber dass die Lizenz für mindestens 10 Jahre” ausgestellt werde. Damit sei eine “normale Vorhersehbarkeit” im Betrieb von Hvalur gewährleistet.

Weitere Strafen wegen Tierwohlvergehen
Hvalur war nicht das einzige Unternehmen, das heute zur Kasse gebeten wurde. „Ein Schlachthof in Südwestisland erhielt eine Strafe über 160.000 ISK (1070 EUR) dafür dass ein Schwein mit gebrochenem Bein ein ganzes Wochenende in der Halle liegen gelassen wurde, bevor es geschlachtet wurde.” Das Schwein hatte sich das Bein während des Transportes gebrochen und hätte daher sofort nach der Ankunft geschlachtet werden müssen.
Ein anderer Schlachthof im Südland muss 145.000 ISK (970 EUR) zahlen, weil es ein Schwein aus Versehen vor der Schlachtung nicht betäubt hatte und bei lebendigem Leibe hat ausbluten lassen.
Im Sommer 2023 waren auf drei Höfen im Westen des Landes Rinder für insgesamt acht Wochen im Stall gehalten worden, obwohl das Tierschutzgesetz Weidegang vorsieht. Die Höfe müssen zwischen 350.000 und 540.000 ISK (2340-3610 EUR)  Strafe zahlen. Die Höhe der Summe bemisst sich unter anderem an der Zahl der eingesperrten Rinder.

 

Walfangschiffe vor Anker in Reykjavík, oder nicht?

Die Walfangschiffe Hvalur 8 und Hvalur 9 ankern immer noch am Kai im Reykjavíker Hafenabschnitt Ægisgarður, obwohl die Stadt sich kürzlich dafür ausgesprochen hatte, dass eine andere Anlegestelle für die Boote gefunden werde muss, berichtet Vísir. Man stehe mit dem Walfangunternehmen im Gespräch, liess Hafenmeister Gunnar Tryggvasson wissen. Er könne allerdings nicht bestätigen, dass die Boote aus dem alten Hafen entfernt würden. “Zumindest ein Zeitrahmen ist nicht beschlossen worden” sagt er.

Ankervertrag sollte gekündigt werden
Am 13. Mai hatte das linksgrüne Stadtratsmitglied Líf Magneudóttir vorgeschlagen, dass die Hafenverwaltung ihren Vertrag mit dem Walfangunternehmen Hvalur hf. über den Ankerplatz entweder kündige oder einen neuen Platz für die Schiffe finde, denn der alte Hafen sei ein Zentrum für Tourismus und Walbeobachtung. Ein ganz ähnlich lautender Vorschlag der Fraktionen aus Sozialdemokraten, Fortschrittspartei, Piraten und Reformpartei war schliesslich vom Stadtrat angenommen worden.

Am 26. Mai war die Angelegenheit der Hafenverwaltung vorgelegt worden, die ankündigte, mit dem Schiffseigner sprechen zu müssen. Passieren wird möglicherweise aber erst etwas, wenn der Bürgermeister aus den Sommerferien zurück sei, gab die Reformparteiabgeordnete und Hafenvorstand Þórdís Lóa Þórhallsdóttir Vísir gegenüber an. Die neuste Entwicklung in Sachen Walfang – eine durch Ministerin Svandís Svavarsdóttir verfügte zeitlich befristete Aussetzung der kommerziellen Jagd auf Wale – sei beim Stadtrat nicht zur Sprache gekommen. Auch über die Frage, ob die Schiffe im Reykjavíker Hafen ankern dürfen oder nicht, sei nichts entschieden worden.

Walfang in Reykjavík nicht willkommen
Líf Magneudóttir hatte schriftlich niederlegen lassen, dass die Walfangschiffe in dem touristisch wichtigen Hafenabschnitt Platz wegnähmen. Eigentlich gebe es für diese Schiffe keinen Platz in Reykjavík, und am besten wäre es, wenn sie zurück zu ihrem Eigentümer in den Hvalfjörður gingen. Die Jagd auf Wale sei ein unmenschlicher Anachronismus, der mit allen Mitteln verboten gehöre.
Ein Abgeordneter der Sozialdemokraten verlangte, dass die Stadt auf die Kontrollstudie der Veterinäraufsichtsbehörde MAST reagiere, bei der herausgekommen war, dass die Waljagd nicht mit den Zielen des Tierschutzgesetzes zu vereinbaren ist. Es hätte sich gehört, den Vertrag zwischen dem Hafen und dem Walfangunternehmen aufzukündigen, damit wäre ein deutliches Zeichen gesetzt, dass der kommerzielle Walfang innerhalb der Stadtgrenzen nicht willkommen sei.

Walfangverbot könnte verlängert werden
Indes könnte das zeitlich befristete Walfangverbot verlängert werden, berichtet mbl.is. Eine Arbeitsgruppe der Ministerin prüft derzeit die Vereinbarkeit des Walfangs mit dem Tierschutz und geltenden Walfanggesetzen.
Am 20. Juni hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir angekündigt, dass die unmittelbar bevorstehende Walfangsaison bis zum 31. August ausgesetzt werde. Diese Entscheidung hatte sie auf der Grundlage eines Expertenberichtes getroffen, wonach der Walfang nicht mit dem Gesetz zum Tierwohl in Einklang zu bringen ist. Eine von Svandís eingesetzte Arbeitsgrupe prüft derzeit, ob Wale auf tierfreundliche Art getötet werden können. Die zeitlich befristete Aussetzung der Jagd könnte nach Angaben des Ministeriums verlängert werden, falls die Gruppe entscheidet, dass die derzeit praktizierten Methoden der Waljagd und Tötung nicht mit den geltenden Tierschutzgesetzen in Einklang zu bringen sind.
Für eine Entscheidung bleibt nicht viel Zeit, bis zum 23. August muss ein Ergebnis abgeliefert werden, damit eine entsprechende Gesetzgebung vor dem 1. September auf den Weg gebracht werden kann.

Fachrat für Tierwohl sieht im Walfang Gesetzesverstoss

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Der Fachrat zum Tierwohl ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Jagdmethoden, mit denen Grosswale erlegt werden, nicht mit dem Gesetz 55/2013 zum Tierwohl in Einklang stehen. Es sei nicht möglich, die Voraussetzungen zu erfüllen, die notwendig sind, um das Tierwohl beim Töten sicherzustellen, berichtet Vísir. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte den Fachrat für Tierwohl am 22. Mai um eine Bewertung der Waljagd gebeten.  Der Fachrat gründet seine Ergebnisse auf dem Inspektionsbericht von MAST zum Tierwohl bei der Waljagd im Sommer 2022, sowie auf Gesprächen mit Fachleuten.

Fehler bei der Jagd nicht umstandsbedingt
In der Bewertung heisst es unter anderem, nach Einschätzung des Fachrates habe es in der Jagdsaison im Sommer 2022 in Island viele Fehler gegeben. Weder aus dem Bericht von MAST noch in den dazugehörigen Daten sei es für den Rat ersichtlich gewesen, dass die Fehler bei der beobachteten Jagd umständebedingt passiert seien.
„Den vorliegenden Daten nach zu urteilen, sowie Ergebnissen aus den Gesprächen mit Fachleuten ist der Rat der Ansicht, dass es bei der Jagd auf Grosswale nicht möglich ist, die Voraussetzungen zu erfüllen, die notwendig sind, um das Tierwohl beim Töten der Tiere sicherzustellen. Der Fachrat kommt zu dem Ergebnis dass die Tötungsart, die bei der Jagd auf Grosswale zur Anwendung kommt, nicht mit dem Gesetz 55/2013 zum Tierwohl in Einklang zu bringen ist,“ heisst es in der Bewertung.
Selbst wenn der Harpunenschuss die gewünschte Körperregion des Wales treffe, würden die Überwachungsvideos und andere Daten doch darauf hinweisen, dass es nicht möglich sei, damit eine rasche Bewusstlosigkeit oder den sofortigen Tod des Tieres herbeizuführen.

Blindschuss kann Muttertier oder tragende Kuh treffen
Es sei nicht ersichtlich, dass äussere Umstände wie Wetterlage, Wellenhöhe oder der Harpunenschütze eine letztendliche Auswirkung auf die Effektivtät dieser Jagdmethode hätten, und auch da habe es für das Nachladen der Harpune mindestens zehn Minuten und bis zu 22 Minuten zwischen den Schüssen gedauert.
Der Fachrat ist sich einig darüber, dass viele der bedingungslosen Voraussetzungen, die für die Jagd auf wilde Säugetiere erfüllt werden müssen, bei der Jagd auf Grosswale nicht erfüllt werden können.

Unter anderem sei es ja nicht möglich, vom Schiff aus das Geschlecht eines gestellten Wales zu ermitteln – ob man also im Begriff ist, einen Bullen, eine tragende Walkuh oder ein säugendes Muttertier zu erlegen. Die Überlebenschancen mutterloser Walkälber seien verschwindend gering. Die Jagd sei auch nicht möglich, ohne die Wale vorher verfolgt zu haben, was Stress und Angst auslöse, und eine Tötung sei nicht auf schnelle und schmerzlose Art möglich.

Experte: Keine Waffe kann einem Wal schnellen Tod bringen
Der Fachrat prüfte auch die Antwort des Walfangunternehmens auf den Überwachungsbericht von MAST. Hvalur kündigte unter anderem die Einführung neuer Jagdmethoden an. Der Fachrat beurteilte die Vorschläge des Unternehmens als unrealistisch. Die Verwendung von Strom bei der Tötung etwa sei kein Weg, dem Tier einen sicheren und schnellen Tod zu bringen.
Der Fachrat zitiert den Biologen Egil Ole Øen, der in einem Text für das Journal Ethnological Studies1 schrieb: “Eine empfindliche und lebenswichtige Region zu treffen ist wichtig für einen schnellen Tod. Keine Waffe, nicht einmal explosive Granaten, sind so wirksam, dass ein Wal sofort verendet, oder schnell verendet, ganz gleich, wo das Projektil den Körper trifft und wo die Explosion ausgelöst wird.“
Informationen unter anderem aus Norwegen, die besagen, dass ein Todeskampf, wie er bei der Jagd 2022 protokolliert worden war, nicht zwingend passieren müsse, beziehen sich nicht auf Grosswale sondern auf Zwergwale, die um ein Vielfaches kleiner sind als die von Hvalur hf. gejagten Finnwale. Ein Zwergwal bringt bis zu sieben Tonnen auf die Waage, ein Finnwal bis zu 70 Tonnen.
In Anbetracht der Grösse der Beute und der Umstände auf hoher See – der Wal befindet sich unter der Wasserfläche, das Schiff tanze auf der Wasseroberfläche, je nach Wetter mehr oder weniger – sei es kaum absehbar, dass die Jagd auf grosse Meeressäuger mit mehr Tierwohl durchzuführen sei.

Bauernverband: Resourcen für Lebensmittelproduktion schützen
Der Bewertung ist ein Beitrag des isländischen Bauernverbandes beigefügt, der zustimmt, dass die derzeitig angewandten Walfangmethoden nicht mit den Tierschutzgesetz vereinbar seien. Der Verband bezieht jedoch keine Stellung zum Walfang als solches, vielmehr hält er es für wichtig, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen für die Lebensmittelproduktion zu schützen.
Der Vertreter des Bauernverbandes stellte in Frage, ob der Geltungsbereich des Tierschutzgesetzes eigentlich auch für Wale gedacht war, da für den Walfang ja besondere Gesetze gälten.

Für Mittwoch ist der Beginn der diesjährigen Jagdsaison vorgesehen. Nach Bekanntwerden der Bewertung hat die Antiwalfang-Organisation Hvalavinir für heute um 17 Uhr zu einem stillen Protest an der Anlegestelle der Walfängerschiffe aufgerufen.

MAST: Waljagd entspricht nicht den Zielen des Tierschutzgesetzes

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat die Daten aus der Jagdkontrolle während der Walfangsaison 2022 zusammengetragen. Die per Quote geregelte Jagd auf Finnwale war im Juni letzten Jahres wieder aufgenommen worden, dabei waren 148 Wale getötet worden.  MAST sieht besonderen Anlass dafür, sämtliche Daten noch einmal im Detail zu prüfen und dann zu beurteilen ob die Jagd auf Grosswale die Ziele des Tierschutzgesetzes erfüllen kann.

Die erlegten Wale waren alle durch einen aufsichtführenden Veterinär von MAST bei der Anlandung beschaut worden. Ausserdem hatte ein Mitarbeiter der Fischereibehörde die Jagd auf 58 Wale von Bord aus für MAST mitverfolgt. Dabei stellte sich heraus, dass von 148 erlegten Walen 36 Tiere (24%) öfter als einmal beschossen wurden. Von diesen 36 Tieren wurden fünf Wale dreimal beschossen und vier Wale viermal beschossen. Ein Wal mit einer Harpune im Rücken hatte fünf Stunden lang verfolgt werden müssen, aber ohne Erfolg.

Die Kontrolle an Bord während der Jagd auf 58 Wale ergab folgende Ergebnisse:
– 35 Wale (59%) verendeten sofort, nach Definition der internationalen Walfangkommission (IWC) für wann ein Wal als erlegt und tot gilt.
– Als wahrscheinlich gilt, dass fünf krampfende Wale das Bewusstsein sofort oder sehr schnell verloren, damit ist davon auszugehen dass 67% der Wale sofort verendeten oder ihr Bewusstsein schnell oder sofort verloren.
– 14 Wale wurden öfter als einmal beschossen.
– Zwei Wale mussten viermal beschossen werden, und bei dem einen Wal dauerte die Tötung eine Stunde, beim anderen Wal zwei Stunden.
– Die durchschnittliche Dauer zwischen Schuss und Verenden dauerte bei allen Walen, die nicht sofort verendeten, etwa 11,5 Minuten.

MAST ist der Ansicht, dass im Hinblick auf die Hauptziele des Tierschutzgesetzes bei einem grossen Teil der während der Jagd erlegten Grosswale in Island die Tötung zu lange gedauert hat. Die Behörde ist jedoch auch der Auffassung, dass bei der Jagd angesichts der Bedingungen, unter denen diese Jagden durchgeführt werden, die besten bekannten Methoden angewendet wurden. Daher seien die Bestimmungen des Jagdtierschutzgesetzes nicht verletzt worden.

Als nächstes soll nun der Fachrat für Tierschutz die vorliegenden Daten zur Prüfung erhalten und beurteilen, ob die Jagd auf Grosswale überhaupt die Ziele des Tierschutzgesetzes erfüllen kann. Sollte dies der Fall sein, muss die isländische Regierung eine Verordnung über die Durchführung der Waljagd, sowie Mindestanforderugen für eine solche Jagd erlassen.

Die Veterinäraufsichtsbehörde sieht die Notwendigkeit für eine Aufsicht während der kommenden Jagdsaison. Dabei ist zu erwähnen, dass gemäss gültiger Jagdlizenz und Tierschutzgesetz die Verantwortung für eine vertretbare Tötung des Tieres stets bei der ausführenden Partei liegt.
Weitere Informationen erteilt die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Hrönn Ólína Jörundsdóttir.

Naturschutzverbände hatten verlangt dass dem Walfangunternehmen Hvalur hf. die Jagdlizenz für die kommende Saison entzogen wird, berichtet Vísir. Unter anderem hatten sie kritisiert, wie lange es gedauert habe, die obengenannten Daten zu veröffentlichen, weil Hvalur-Chef Kristján Loftsson mehrfach und erfolgreich Einwände geäussert habe.
Die Studie selbst ist auf der Webseite von MAST nicht zu finden.

Drei Wale mit nicht detonierter Sprengladung dokumentiert

Am 4. Juli diesen Jahres lief das Walfangschiff Hvalur 9 in den Hafen der Zerteilstation im Hvalfjörður ein, mit zwei erlegten Finnwalen, die man längs des Schiffs vertäut hatte. Die Wale waren am Vortag erlegt worden, wo sie getötet wurden, ist jedoch nicht bekannt, denn das Walfangunternehmen Hvalur hf. kommt in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung: die Walfangschiffe fahren unter dem Radar, ihr Aufenthaltsort auf hoher See ist nicht einsehbar.
Als das eine tote Tier an Land gezogen wird, um mit Messern, Sägen und schwerem Gerät zerteilt zu werden, gelingt Tierschützern hinter dem Zaun des Betriebs ein folgenschwerer Schnappschnuss: in dem Wal steckt nämlich eine nicht-detonierte Harpune, berichtet Kjarninn.

Tierwohl beim Walfang immer fraglicher
Die Frage nach dem Tierwohl beim Walfang – wie lange ein Wal leiden muss bis er durch die Detonation des Sprengstoffs in seinem Leib den Verletzungen erliegt – steht damit wieder im Vordergrund der umstrittenen Unternehmung. Die Harpune samt Sprengsatz war schnell entfernt und der Sprengsatz entschärft. Der Vorgang wurde jedoch von der Walschutzorganisation Hard to Port auf Bild gebannt.
Die Leitende Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte Kjarninn gegenüber, die Angelegenheit sei so verlaufen wie Hard to Port sie beschreibe. “Den Informationen des Amtstierarztes vor Ort zufolge, der sich jeden einzelnen Wal anschaut, der an Land gezogen wird, hat dieser Schuss bei der Jagd auf diesen Wal nicht getroffen,” sagt Sigurborg. “Die Sprengladung traf auf Knochen, auf den Schädel, wie man auf dem Foto sieht, und deswegen explodierte sie nicht. Die Sprengladung muss in weiches Gewebe treffen, damit sie detoniert.”
Hard to Port hatte die Fotos an Kjarninn geschickt, das Magazin hatte sie an die Veterinäraufsichtsbehörde und das Amt für Fischerei mit einer Bitte um Kommentierung weitergeleitet. Beiden Behörden obliegt die Kontrolle beim Fang.
Der Wal war durch den misslungenen Schuss nur verletzt worden. Sigurborg sagt, die Zeit des Todeskampfes habe sich um die Zeit verlängert, die es dauere, eine weitere Harpune mit Sprengsatz abzufeuern. Das kann bis zu acht Minuten dauern. Es gibt keine Informationen darüber, wie lange dieser betreffende Wal um sein Leben hat kämpfen müssen.

Todeskampf dauert bis zu 15 Minuten
Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, die zunächst nicht veröffentlicht worden war, kann der Todeskampf eines Wals bis zu 15 Minuten andauern. Kjarninn schreibt, das sei etwa die Zeit, die ein Fahrzeug in erlaubtem Tempo von Litla Kaffistofa nach Hveragerði benötigt. Der Studie zufolge starben 42 Wale (84 Prozent) gleich nach dem Schuss. Acht starben nicht sofort und mussten erneut geschossen werden. Der längste bei der Studie beobachtete Todeskampf hatte 15 Minuten gedauert.
Die Waljäger hatten alle vor Beginn der Saison einen Kurs zum Töten von Walen besuchen müssen. Dort war ihnen empfohlen worden, auf den Leib des Tieres zu zielen, wo sich alle lebenswichtigen Organe befinden. Bei der Studie von 2014/15 waren die acht Wale an anderen Körperstellen getroffen worden und hatten erneut beschossen werden müssen.
Aktuell gültigen Bestimmungen zufolge muss der Wal mit einer Sprengladung namens Hvalgranat99 erlegt werden und das in kürzest möglicher Zeit. Im Tierschutzgesetz ist Artikel 27 speziell der Jagd gewidmet, wonach durch Jäger erlegte Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Verboten ist es, den Tieren zusätzliche Schmerzen durch Verstümmelungen zuzufügen.

Am gestrigen 17. Juli konnte die Walschutzorganisation Hard to Port erneut fotografisch nachweisen, dass ein erlegter Wal zweimal geschossen wurde. Das an Land gezogene Tier wies einen Durchschuss unterhalb der Flosse auf, die Sprengladung hatte den Wal offensichtlich nur in die Speckschicht getroffen und war kurz darauf wieder aus dem Körper ausgetreten, ohne zu detonieren.
Für die diesjährige Jagdsaison sind damit innerhalb von drei Wochen drei Wale dokumentiert, die zur Tötung zweifach geschossen werden mussten.

Tierschutzbeauftragter an Bord muss filmen
Im Januar hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, in einem Artikel im Morgeunblaðið geschrieben, unverändert spreche nur wenig dafür, die Waljagd nach dem Jahr 2024 noch zu erlauben. Bis dahin müsse ein wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden, um die Lizenz zu erneuern. Anfang Juni hatte sie die Bestimmungen dahingehend geändert, dass an Bord der Walfänger demnächst ein aus der Mannschaft aufgestellter Tierschutzbeauftragter die Jagd und das Töten der Wale filmisch dokumentieren muss, diese Videos sollen dann an die Veterinäraufsichtsbehörde gehen. Ab der kommenden Saison hat sich auch ein Amtstierarzt an Bord zu befinden.

Sævar Guðmundsson, Abteilungsleiter der Küsteninspektion beim Amt für Fischerei, sagte Kjarninn gegenüber, der Walschütze müsse einen Kursus mit den genannten Waffen absolvieren, um die Wale sachgerecht töten zu dürfen. Die Vorgänge vom 4. Juli kommentierte er dahingehend, dass seine Behörde sämtliche Meldungen überprüfe und bei Verstössen den Kapitän und die Reederei befrage. Solche Verstösse seien jedoch gegenüber der Fischereibehörde nicht meldepflichtig. Die Aufsicht in Bezug auf das Tierwohl führe die Veterinäraufsichtsbehörde.

 

Blutgewinnung seit 2020 ungesetzlich, sagt Kritiker vor dem Wirtschaftsausschuss

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Ein Lektor der Dania-Hochschule im dänischen Jütland ist der Ansicht, dass die Blutstutenwirtschaft in Island seit Auslaufen der letzten Genehmigung des blutnutzenden Unternehmens Ísteka im Jahr 2020 an allen gesetzlichen Bestimmungen vorbei gelaufen ist, berichtet das Fréttablaðið. Björn M. Sgurjónsson von der Dania-Hochschule in Randers wundert sich, dass die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST die Blutstutenhalten nach 2020 überhaupt noch erlaubt hat.
„Es besteht kein Zweifel daran, dass die Blutgewinnung seit dieser Zeit ungesetztlich ist,“ sagte Björn in einem Interview. Er war als einer der Experten heute zu einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses beim Parlament geladen worden, wo auch Mitglieder isländischer Tierschutzverbände zusammen mit Politikern den parlamentarischen Vorschlag von Volkspartei-Vorsitzender Inga Sæland, die Blutstutenhaltung in Island zu verbieten, diskutierten.
Island ist das einzige Land in Europa, wo die Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten erlaubt ist. Aus dem Blut wird ein Hormon extrahiert, welches in der Nutztierzucht Anwendung findet, unter anderem zur Zyklussteuerung bei kleinen Ruminanten und als Fruchtbarkeitsmedikament in der Schweinezucht.

Gesetz von 2013/14 verbietet Tierversuche und nicht-therapeutische Eingriffe
Die neuen gesetzlichen Bestimmungen behandeln die Blutgewinnung in keinem der Paragraphen, damit sei diese Praktik automatisch nicht gesetzeskonform. Es sei dem Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2013 nach verboten, Tierversuche anzustellen oder Medikamente aus dem Material von lebenden Tieren herzustellen. In der Novelle aus dem Jahr 2014 stehe auch klar formuliert, dass Tierärzte an Pferden ausschliesslich therapeutische Eingriffe vornehmen dürfen.
Für die Blutgewinnung wird der gefesselten Stute zunächst ein Betäubungsmittel gespritzt, danach wird die Halsvene mit einer bleistiftdicken Kanüle punktiert, aus der achtmal pro Sommer jedesmal bis zu fünf Liter Blut entnommen werden. Schweizer Pferdefachtierärzte hatten die Blutmenge als viel zu hoch bezeichnet und das Fehlen von wissenschaftlichen Studien und Daten kritisiert.

Wurde etwas übersehen?
Björn sagt, Gesetze und Regeln zum Tierschutz und zur Pferdehaltung hier in Island seien in diesem Jahrhundert oft geändert worden, daher habe die Veterinäraufsichtsbehörde ein wichtiges Detail möglicherweise übersehen.  Begonnen habe die Geschichte im Jahr 2002, als ein Gesetz in Kraft trat, welches MAST das Recht einräumte, Unternehmen die Genehmigung zur Blutgewinnung zu erteilen. Das Unternehmen Ísteka habe damals die Genehmigung für jedesmal vier Jahre erhalten. Die letzte vierjährige Genehmigung sei 2016 erteilt worden und 2020 ausgelaufen. „Mir scheint, die Behörde hat das einfach nicht gemerkt.“ meint Björn.

Ausschuss schafft Blutstuten nicht vor der Sommerpause
Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments hatte Inga Sælands Gesetzesvorlage zum Verbot der Blutstutenhaltung heute auf dem Tisch liegen. Der Ausschussvorsitzende Stefán Vagn Stefánsson gab an, die Angelegenheit sei weit von einer Entscheidung entfernt. Ausserdem nähere sich die Parlamentssaison der Sommerpause und es gebe noch zahllose Themen, die einer Entscheidung harrten. Er halte es für unwahrscheinlich, dass die Blutstutengeschichte abgeschlossen werden könne. Es stehe auch nicht zur Debatte, alle 137 Personen, die die Gesetzesvorlage beim Parlament schriftlich kommentiert hätten, zur Sitzung zu laden. Dennoch gebe es auch innerhalb des Ausschusses ausgesprochen unterschiedliche Ansichten, daher werde die Zeit zu knapp, um das Thema zu bearbeiten und zur Abstimmung ans Parlament weiterzugeben.
Die Ereignisse um den Vorschlag, die lukrative Blutstutenhaltung in Island ein für alle Mal zu verbieten, begannen im Frühjahr 2021.

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