Alleinstehende vom Þorrablót in Bolungarvík ausgeschlossen

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Bewohner im Fáskrúðsfjörður in diesem Jahr mit einer 125 Jahre alten Tradition brachen, als das Festkomitee Alleinstehende und Geschiedene zum jährlichen Eheleuteball zuliess. Am anderen Ende der Insel ist man an diesem Punkt offenbar noch lange nicht angekommen: in Bolungarvík in den Westfjorden dürfen Alleinstehende nicht zum jährlichen (79.) Þorrablót erscheinen, berichtet RÚV.

Nach Angaben der Komiteevorsitzenden sei darüber debattiert worden, man habe den Vorschlag jedoch nicht umgesetzt. Das aus elf Frauen bestehende Festkomitee erklärte, man halte sich da eher an alte Traditionen. Die Gäste erschienen auch in der isländischen Volkstracht, seit man sich im Jahr 1944 zum ersten Mal zum Þorrablót traf.
Die Zeiten änderten sich zwar, und homosexuelle Paare seien beim Fest inzwischen willkommen. Man schliesse auch nicht aus, dass eines Tages Alleinstehende teilnehmen dürften. Aber in diesem Jahr sei das Þorrablót in Bolungarvík ausschliesslich für Ehepaare, eheähnliche Lebensemeinschaften, sowie Witwen und Witwer gedacht.

Þorrablót findet auch 2022 zuhause statt

Auch in diesem Jahr sieht es pandemiebedingt ganz danach aus, dass das isländische Winterfest nicht im gewohnten Umfang stattfinden kann, und dass die Leute das traditonelle Þorri-Fest zuhause miteinander feiern. Schon im vergangenen Jahr hatten die Feste samt Bühnenshow und Tanzvergnügen aufgrund der Personenzahlbeschränkungen abgesagt werden müssen.
Die Hersteller der traditionellen Þorri-Speisen stellen sich nun darauf ein, dass statt der gewohnten Grossbestellungen für Büffets familienfreundliche Packungen in die Läden kommen, berichtet RÚV.

“Wir werden diese grossen Þorrablóts, die in den Gemeinden und Sportvereinen stattfinden, nun nicht bekommen, da wird sich einiges ändern,” sagt Andrés Vilhjálmsson, der Marketingleiter der Grossmetzgerei Kjarnafæði Norðlenska ehf. Er geht jedoch davon aus, dass die Gesamtmenge der verkauften Þorri-Speisen ähnlich hoch wie in normalen Jahren sein wird, weil die Leute ihr Þorri-Essen trotzdem haben möchten. “Das hat sich im letzten Jahr gut verkauft. Wir rechnen daher damit, dass es auch in diesem Jahr gut laufen wird, aber wie schon gesagt, mit einem veränderten Angebot.”
“Wir wollen fertige Tabletts anbieten,” kündigte auch Heimir Geirdal Jónasson, der Metzgereileiter bei Nettó am Glérártorg in Akureyri an. “Fertige Tabletts in zwei Grössen, damit es einfacher wird, das Fest daheim abzuhalten. Dazu soll es dann in saurer Molke eingelegte Speisen im Eimer geben, den die Leute kaufen können.” Im vergangenen Jahr war die Rechnung für die Supermärkte aufgegangen.

Altes Winterfest in modernem Gewand
Þorrablót ist ein traditionelles Winterfest in Island, welches nach dem altisländischen Kalender im Monat Þorri, zwischen dem 19. Januar und dem 17. Februar, abgehalten wird. Die Wurzeln des Festes gehen bis in die Wikingerzeit zurück. Mit der Christianisierung verschwand das Fest und wurde im 19. Jahrhundert im Rahmen des isländischen Nationalismus wiederbelebt. Die heutige Form des Þorrablót mit Büffet, Bühnenspass und Tanzvernügen ist vergleichsweise jung, sie stammt aus den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Þorrablót-Speisen spiegeln die Konservierungsmethoden vergangener Zeiten wieder, als nur gesäuerte Molke und Salz zur Verfügung standen, um Speisen über den Winter haltbar zu machen. Traditionelle Þorri-Speisen sind der von Touristen gefürchtete hákarl (fermentierter Hai), sowie sauer eingelegte Hammelhoden, abgesengte halbe Schafsköpfe und Sülzen aller Art, aber auch Blutwurst, Leberwurst, sauer eingelegtes Walfleisch, sowie Räucherfleisch vom Lamm und gesalzenes Pferdefleisch. Dazu gibt es süsses Rübenmus und in heissen Quellen gebackenes, süsses Schwarzbrot. Traditionellerweise werden diese Speisen in handlicher Zubereitungsform auf Holztabletts (bakki) in die Tischmitte gestellt.

Zoll wirft Þorri-Essen in den Müll

Die Vorsitzende des isländischen Heimatvereins in Gran Canaria findet es enttäuschend, dass man den Vereinsmitgliedern heute Abend beim ersten Þorrablót auf den kanarischen Inseln kein traditionelles Þorri-Essen vorsetzen könne. Das war nämlich am Flughafen von den Zollbehörden weggeworfen worden, berichtet Visir. Statt der sauer eingelegten Köstlichkeiten wie Gammelhai, Schafshoden und sauren Wal im Wert von mehreren hunderttauend Kronen gibt es nun einfach nur Fleischsuppe beim Fest.

Der Islandverein war zu Beginn des Jahres gegründet worden. Vorsitzende Jóhanna Kristín Júlíusdóttir sagt, die Vereinsmitglieder hätten schon lange davon geträumt, einen Heimatverein zu gründen und das Winterfest Þorrablót gemeinsam zu feiern. Viele Isländer verbringen einen grossen Teil des Winters auf den Kanaren.
“Wir haben das ganze Essen in Island bestellt,” sagt sie. Die Grossfleischerei Kjarnafæði hatte geliefert, und alles bei dem Geschäft sei, so sagt sie, vorbildhaft verlaufen. Ausser beim Transportunternehmen DHL.
“Da ist dann wohl was schiefgelaufen.”

Oder wohl doch eher beim Zoll, denn die Zollbeamten auf dem Flughafen in Gran Canaria entschieden nämlich kurzerhand, die übelriechenden Lebensmittel zu entsorgen, wie der DHL Marketingleiter Björn Viðar Ásbjörnsson Vísir gegenüber erläutert, und zwar in der Tat wegen des Gestanks, der dem Paket entwichen war. Jóhanna kann sich das nicht erklären, aber sie hat nun auch alle Hände voll zu tun, für heute Abend ein Essen auf den Tisch zu zaubern, nachdem sie die schlechte Nachricht um die Mittagszeit erhalten hatte.
“Das Essen war auf der Insel gelandet. Dann haben sie es weggeschmissen.”

Nun war guter Rat teuer, denn 240 Personen hatten Eintrittskarten gekauft und erwarteten traditionelles, isländisches Essen. Da war nichts anderes übriggeblieben, als den Tatsachen ins Auge zu sehen – heute Abend gibt es also Fleischuppe und eingelegten Hering mit Brot.

Zumindest der humoristische Jahresrückblick aber findet unverändert statt. Man darf jedoch sicher erwarten, dass beim Þorrablót im nächsten Jahr die Essensepisode aus 2020 ordentlich aufs Korn genommen wird.