Küstenwache mit zwei grösseren Rettungseinsätzen

The Icelandic Coast Guard defended Iceland during the Cod Wars

Die isländische Küstenwache holt des öfteren kranke Seeleute von Fangschiffen, doch diesmal hat sie gleich zwei aufwendige Rettungseinsätze auf einmal hinter sich gebracht.
Vorgestern strandete das Forschungsschiff Bjarni Sæmundsson bei Lambeyri im Tálknafjörður. Die Hubschrauberflotte der Küstenwache und das Bergungsschiff der isländischen Seenotrettung sowie weitere Schiffe rückten aus. An Bord des gestrandeten Schiffs befanden sich 20 Personen, von denen aus Sicherheitsgründen acht von Bord gebracht wurden. Gegen Mitternacht konnte die Bjarni Sæmundsson von drei Schiffen im Schlepp mit der Flut wieder flottgemacht werden und aus eigener Kraft in den Hafen von Tálknafjörður gelangen. Der Unfallhergang wird behördlich untersucht.

Mit französischem Kreuzfahrtschiff aus Grönland im Schlepp
Das Küstenwachschiff Þór schleppt derzeit ein französisches Passagierschiff aus dem Fönfjörður im Scoresbysund, nachdem die Polarfront dort mehrere Tage mit Maschinenschaden gelegen hatte, bevor sie Islands Küstenwache um Hilfe bat. Die Þór hatte sich in Seyðisfjörður befunden, als der Notruf einging, und war zwei Tage unterwegs, bis sie die Polafront erreichte. Auf den Fotos bei RÚV sieht man, wie das Abschlepptau per Harpune zur Polarfront geschossen wird.
Beide Schiffe werden am Montag im Reykjavíker Hafen erwartet.
Der Fönfjörður liegt weit im Inneren des Scoresbysund, eines der grössten Fjordsysteme der Welt. Der einzige bewohnte Ort, Ittoqorttoormitt, liegt am Ausgang des Fjords, er wird von kleineren Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Weiter auf dem Festland liegt die Hubschrauberstation Nerlerit Inaat (Constable Point), über den die einzige Flugverbindung der Region zur Aussenwelt läuft.

 

Walross Thor legte Pause in Breiðdalsvík ein

Das Walross, das sich gestern auf einer Schwimmbrücke in Breiðdalsvík niedergelassen hatte, ist offenbar berühmt. Er heisst Thor und war unter anderem in Grossbritannien mehrfach an Land gegangen. Heute morgen hat Thor seine Reise fortgesetzt, berichtet RÚV.
Ein Follower der Birding Iceland Seite, der Brite Dan Jervis, hatte das Walross an seinen Flossen identifiziert. Um den Jahreswechsel herum hatte Thor sich in Scarborough aufgehalten und nicht mal vom Silvesterfeuerwerk stören lassen. Im November 2022 war er in Holland gesehen worden, und auch an der französischen Küste hatte man Thor beobachtet.
Nach Dan Jervis’ Identifizierung bestätigten auch der britische Taucherverband und der Tierschutzverband, dass es sich um das gleiche Walross handelt. Zuletzt war er in Grossbritannien am 3. Januar in Blyth gesehen worden. Nun seien die Briten überaus erfreut, von Thor in Island zu wissen, hiess es bei der BBC.

Thor hatte sich gestern morgen nach neun Uhr in Breiðdalsvík auf einer Schwimmbrücke niedergelassen. Der Hafenmeister hatte ihm einige Fische hingeworfen, doch zeigte das Walross keinen Appetit. Es wirkte vielmehr müde, was nach dem langen Schwimmweg von England nach Breiðdalsvík nicht verwunderlich ist, von Blyth sind das nämlich 1360 Kilometer.
Aufgrund seiner Runzeln hielten viele das Tier für uralt, aber die BBC bestätigte, dass Thor zwischen drei und fünf Jahre alt sei, also noch ein Jungspund. Walrösser können bis zu 40 Jahre alt werden.

An Besuchern störte er sich nur, wenn sie ihm zu nahe kamen, auch eine Drohne über seinem Kopf ärgerte ihn, und es war offensichtlich, dass er seine Ruhe haben und einfach nur ein bisschen schlafen wollte.
Heute am frühen Morgen hat Thor seinen Pausenplatz auf der Schwimmbrücke aufgegeben und ist möglicherweise auf dem Weg zu einen Artgenossen, die sich weiter nördlich in polaren Breitengraden aufhalten.

Siglufjörður wird Heimathafen für das neue Küstenwachschiff Freyja

Islands Küstenwache hat mit staatlicher Finanzierung ein neues Küstenschutzschiff erworben. Der Kauf der Freyja war zu Jahresbeginn initiiert worden, aus fünf Angeboten ist nun eines gewählt worden, berichtet mbl.is.
“Mit dem Kauf des Küstenschutzschiffes Freyja steigt die Rettungskapazität der Küstenwache draussen auf dem Meer um ein Bedeutendes, denn das Schiff ist besonders gut für Rettungseinsätze und juristische Einsätze in den Hoheitsgewässern ausgerüstet. Das Schiff war im Jahr 2010 gebaut worden und ist in den vergangenen Jahren in der Ölindustrie im Einsatz gewesen,” heisst es in einer Mitteilung der Küstenwache. Die isländische Justizministerin hatte das Schiff im Frühjahr auf den Namen Freyja getauft.

Mit der Freyja verfügt die Küstenwache nun über zwei hervorragend ausgerüstete Schiffe für den herausfordernden Einsatz in den isländischen Küstenmeeren. Die Freyja ist in Grösse und Ausstattung dem Küstenschutzschiff Þór nicht unähnlich, zusätzlich hat sie mehr Zugkraft und kann bei noch schwierigeren Rettungsaktionen eingesetzt werden. Sie ist 86 Meter lang und 20 Meter breit. Der Kaufpreis beträgt etwa 1,7 Mio ISK, gibt die Küstenwache an. Ausgeliefert wird das neue Schutzschiff in den Farben der Küstenwache im Oktober.

Ihren Heimathafen soll die Freyja nicht etwa in Reykjavík, sondern im nordisländischen Siglufjörður erhalten, von wo aus sie ihre Einsätze fahren wird.
“Das Küstenschutzschiff Þór wird weiterhin von Reykjavík aus operieren. Diese Einsatzplanung dient dazu, die Sicherheit von Seefahrern, Landsleuten und natürlichen Resourcen im Meer auf beste Art und Weise zu gewährleisten. Mit erhöhtem Schiffsverkehrsaufkommen im Nordmeer steigt auch die Zahl der grossen Transportschiffe und Öltanker entlang der Ost- und Nordküsten des Landes. Des weiteren besteht die Aussicht, dass immer mehr Kreuzfahrtschiffe unterwegs sind, und man muss nicht weiter ausführen, welche Gefahren für die Natur lauern, wenn von diesen Schiffen aus etwas passiert. Da zählt jede einzelne Stunde. Mit der Þór in Reykjavík und der Freyja in Siglufjörður ist die Einsatzkapazität der Küstenwache gestiegen, und es wird einfacher, die Sicherheit von Seefahrern, Landsleuten und Resourcen zu gewährleisten.” heisst es im Schreiben der Küstenwache.

Beim schweren Schneesturm im Dezember vor zwei Jahren war die Þór in den Norden gebracht worden, um mit ihrem Dieselmotor Strom für die Region um Dalvík zu liefern, nachdem Vereisungen die Überlandstromleitungen im ganzen Norden beschädigt hatten und es tagelang keine Stromversorgung für die Bevölkerung gab.

Stromausfall legt weite Teile des Nordens lahm

Snow in Akureyri.

Der grosse Sturm ebbt langsam ab, doch an vielen Orten im Norden des Landes gibt es immer noch keinen Strom und damit auch keine Mobilfunkverbindung, berichtet RÚV.  Vielerorts sind Strommasten gebrochen, und die Oberlandleitungen hängen voller Eis.

Noch in der Nacht hatte man versucht, die Kópaskerlinie zu reparieren, doch ohne Erfolg.  Vom Stromausfall waren vor allem Milchbetriebe betroffen, Landwirte die keinen Dieselaggregat am Hof hatten, mussten ihre Kühe von Hand melken, was nicht überall funktionierte, weil die Kühe dies nicht gewohnt sind.

Auch die Krankenstation in Hvammstangi war stundenlang ohne Strom gewesen, 16 Personen befinden sich dort zur Pflege. Einen Dieselaggregator gibt es nicht am Haus. Die Pflegeleitung des Hauses sagte RÚV gegenüber, hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.

In Siglufjörður und Dalvík waren die Häuser durch den Stromausfall ausgekühlt, das Rote Kreuz hatte in Dalvík eine Auffangstation eröffnet, wo mehr als 50 Personen mit heissen Getränken und warmem Essen versorgt wurden. Die meisten Häuser in der Region werden mit Strom beheizt. Auch in Hvammstangi wurde eine solche Station eröffnet.

Die Westfjorde, wo der Schneesturm heftig gewütet hatte, waren über ein Dieselaggregat in Bolungarvík mit Strom versorgt worden. In der Region war nur das abgelegene Strandir vom Stromausfall betroffen gewesen.

Heute Morgen hat sich das Küstenwachschiff Þór von Siglufjörður aus auf den Weg nach Dalvík gemacht, um dort von Bord aus Strom für eine Notversorgung des Ortes zu liefern. In der Nacht hatte das Schiff von Ísafjörður aus kommend einen mobilen Stromaggregat nach Siglufjörður gebracht.  Die Þór ist beim Bau für einen solchen Einsatz konzipiert worden. Sie kann zwei Megawatt Strom an Land liefern, die Menge reicht, um die Notversorgung einer kleinen Gemeinde zu gewährleisten. Experten sind auf dem Weg nach Norden, um die Stromverbindung zum Land hin aufzubauen.

Wie der Leiter des Elektrizitätswerkes RARIK in Nordisland, Steingrímur Jónsson, angab, habe man bislang nur Notfallhilfe leisten können, um weitere Schäden und Stromausfälle zu verhindern. Heute wolle man nach der Wurzel des Übels suchen.

Sverrir Jan Nordfjörð, der technische Leiter bei Landsnet, sieht die betagte Strominfrastruktur im Norden des Landes als Hauptproblem. Viele Strommasten vor allem in den abgelegenen Gegenden seien noch aus Holz und brächen bei starkem Wind. Auch Leitungen würden abreissen, hinzu komme die Vereisung von Stromleitungen und Verbindungsstücken.

Schon kleinste Schäden könten in diesen alten Leitungsstrecken zu weiträumigen Stromausfällen führen. Im Süden und Südwesten sei das Verteilungsnetz moderner, daher gebe es dort viel weniger Stromausfälle.

Sverrir bezeichnete die Anzahl der Stromausfälle als beispiellos, kaum jemand erinnere sich an eine derartig kritische Lage. Hier gibt es ein kurzes Video von Landsbjörg, wo man sehen kann, wie sich die Reparaturarbeiten bei Schneesturm gestalten.

Die Ministerin für Industrie und Innovation, Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir kommentierte gegenüber mbl.is, es sei ganz offensichtlich, dass es sich beim Strom-und Telekommunikationsnetz um eine Sache der nationalen Sicherheit handle. Verbesserungen am Verteilernetz stünden auf der Tagesordnung.

Þórólfur Gíslason, der Leiter des skagfirdischen Handelskontors, kritisierte mbl.is gegenüber, das Stromnetz der Region sei schwer defizitär. Nach Kartierung von Problemen und ehntstandenen Schäden müsse der Aufbau einer funktionierenden Strominfrastruktur oberste Priorität durch die Regierung erhalten. Im Zuge der Stromausfälle hätte die Arbeit in den Schlachthöfen, Kühlhäusern, in der Molkerei und im Steinwollwerk niedergelegt werden müssen.