Þorlákshöfn: Lachszucht gegen Sandmühle

In der südisländischen Küstenstadt Þorlákshöfn, wo zur Zeit ein beispielloses industrielles Wachstum stattfindet, zeichnet sich ein Machtkampf zwischen Interessenvertretern der Industrie, Gemeindeverwaltung und Behörden ab, berichtet Heimildin.

Brief mit neuen Fakten

Am 17. Mai hatte eine Abstimmung der Einwohner darüber stattfinden sollen, ob der deutsche Zementhersteller Heidelberg Cement seine umstrittene Sandmühle in Þorlákshöfn bauen darf. Der Gemeinderat entschied überraschend kurzfristig, die Abstimmung zu verschieben, ein in Island nie dagewesener Vorgang.
Vísir berichtet, bei Bürgermeister Elliði Vignisson sei am Vortag ein Brief des Landfischzuchtunternehmens First Water eingegangen, in welchem dieser seiner Besorgnis Ausdruck verleihe, dass Sandmühlenbetrieb und Lebensmittelproduktion nicht nebeneinander existieren könnten. Ausserdem sei eine Hafenanlage genau dort geplant, wo First Water geothermales Meerwasser für seine Fische an Land pumpe.

Der Brief war an den Bürgermeister und die Gemeinderatsmitglieder persönlich verschickt, dann aber angeblich an die Medien “geleakt” worden. Aus der Opposition verlautete, es habe sich nicht um ein Geheimdokument gehandelt, vielmehr zeige die Diskussion um den Brief klar, dass die Mehrheit im Gemeinderat offenbar doch Geheimhaltung praktiziere, um Bürgern wichtige Daten vorzuenthalten und eine demokratische Debatte zu verhindern.
Möglicherweise ist die Abstimmung verschoben worden, weil der Brief die Haltung der Einwohner in Bezug auf die Sandmühle negativ hätte beeinflussen können.

Sandige Pläne
Das Projekt der Heidelberg Cement hat eine lange Vorgeschichte. Vulkansand kann als Ersatz für Flugasche in der Zementproduktion verwendet werden. Die Heidelberg hat die Genehmigung, einen Berg westlich des Þrengsli-Passes zu Exportzwecken abzubaggern, ausserdem sollen vom Meeresgrund der Strandlinie zwischen Landeyjar und Eyjafjöll, direkt gegenüber von den Westmännerinseln, 75 Millionen Tonnen Sand ausgegraben und per Pumpschiff nach Þorlákshöfn gebracht werden. Dort soll der Sand in der Sandmühle gemahlen und anschliessend exportiert werden.

Einwohner einseitig informiert
Informationen über negative Auswirkungen auf das Leben und die Lebensqualität in Þorlákshöfn selbst seien den Einwohnern hingegen niemals so wirklich präsentiert worden, wirft das oppositionelle Gemeinderatsmitglied Ása Berglind Hjálmarsdóttir dem Bürgermeister vor. Vielmehr habe der dem antragstellenden Unternehmen die Projektdarstellung einseitig überlassen, wie etwa bei einer offenen Bürgerversammlung am 15. Mai.

Nun kommt der oben genannte Brief ins Spiel: Bürgermeister Elliði wirft dem Lachszuchtunternehmen First Water vor, kurz vor Toresschluss mit Bedenken über Staubbelastung und negative Auswirkungen auf die Fische aufzuwarten. Ása Berglind wirft der Gemeinde Ölfus hingegen Fahrlässigkeit vor, weil diese die Umweltauswirkungen der Sandmühle nicht angemessen berücksichtigt habe, die offenbar mit diesem Brief aufgetaucht sind. Mit anderen Worten: eigentlich hätte die Gemeinde diese Informationen beibringen müssen, damit der Bürger umfänglich informiert zur Abstimmung schreiten kann.

Die beiden anderen Lachszuchtkonzerne vor Ort hatten bislang keine mögliche Umweltbelastungen befürchtet. Der Brief von First Water allerdings hat sie aufgescheucht, nun macht sich auch dort Sorge breit, der Heidelbergstaub aus der unmittelbaren Nachbarschaft könnte sich negativ auf den Produktionsbetrieb auswirken.
Bürgermeister Elliði war selbst wegen seiner engen Verbindungen zu Heidelberg und angeblicher Vergünstigungen schon mehrfach Gegenstand der öffentlichen Kritik gewesen.

Sandabbau nicht nachhaltig
Sämtliche Einschätzungen der beteiligten Kommunen, der Fischereibehörde, sowie Meeresforschungsinstitut, Naturkundeinstitute, Gesundheitsbehörden, Wasser- und Stromversorger, Küstenwache, Verkehrsbehörde, Umweltbehörde, Strassenverwaltung und Kommunikationsunternehmen etc zu dem Sandprojekt waren negativ ausgefallen. Unter anderem wurde kritisiert, dass in dem Küstenabschnitt alle Versorgungsleitungen für die Westmännerinseln liegen, die durch das Abgraben gefährdet werden. Ausserdem befindet sich südlich von Island das grösste Ablaichgebiet isländischer Nutzfischarten, eine massive Abgrabung von Meeresboden verursacht Wassertrübung und spült mit dem Sand alles marine Leben in die Pumpschiffe. Das Marineforschungsinstitut (Hafró) hatte das Sandprojekt gar als „beispiellos“ bezeichnet.
Es könne schon allein deshalb nicht als nachhaltig gelten, weil Heidelberg 10-27 mal mehr Sand entnehme als der grösste Gletscher Südislands über den Markarfljót nachliefere. Man könne überdies nicht ausschliessen, dass die Abgrabung am Ende zu einer Stranderosion an der Südküste führen werde.

Einflussnahme per Anwalt
Heimildin berichtet, dass die Heidelberg versucht habe, per Anwalt die Teilnahme eines Hafró-Mitarbeiters an der Bürgerversammlung zu verhindern. Dabei handelte es sich um den Mitarbeiter, der die Auswirkungen der Sandabgrabung bei Landeyjar untersucht hatte und zu dem Ergebnis gekommen war, dass dies den Nutzfischbestand und die Küstenlinie gefährde. Er hatte in seinem Bericht auch festgehalten, dass mit den Ressourcen des Landes vorsorglich und nachhaltig umgegangen werden solle.
Das Marineforschungsinstitut habe die Email des Anwalts ignoriert, den Mitarbeiter zur Versammlung geschickt, und dem Anwalt später erklärt, dass eine staatliche Institution gesetzlich verpflichtet sei, über ihre Forschungsergebnisse zu informieren. Bei Hafró hiess es, es komme nicht jeden Tag vor, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen auf diese Weise versuche, Druck auf eine staatliche Insttution auszuüben.

Kindergartenplätze: Þorlákshöfn baut für die Zukunft

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Die Einwohnerzahl von Þorlákshöfn im Süden Islands ist in den vergangenen Jahren derart stark angestiegen, dass der dortige Kindergarten aus allen Nähten platzt. Nun soll Abhilfe durch einen Neubau geschaffen werden, berichtet RÚV. Am 1. Januar 2024 waren 2631 Einwohner in der Gemeinde registriert.

Der neue Kindergarten soll im Herbst 2025 fertiggestellt werden. Stadtratsvorsitzender Gestur Þór Kristjánsson erklärt: „Zur Zeit befinden sich 143 Kinder im Kindergarten. Und wir nehmen Kinder im Alter von 18 Monaten an. Allein in den vergangenen vier Jahren sind hier sicher 40 oder 50 Kinder in den Kindergarten angemeldet worden.“ Das ist eine hohe Zahl in kurzer Zeit. Vor rund 25 Jahren waren um die 70 Kinder im Kindergarten von Þorlákshöfn gewesen.

Weiteres Wachstum erwartet
Gestur sagt, in den letzten vier bis sechs Jahren sei die Bevölkerungszahl der Kommune Ölfus um sieben bis acht Prozent angewachsen, die meisten Zuzüge seien Familien mit Kindern im Kindergarten- und Schulalter. Noch gibt es keine Warteliste für Kindergartenplätze, weil kurzfristig zwei Gebäude hinzugekommen waren. Mit dem neuen Kindergarten arbeite man für die Zukunft, dort soll es dann immer freie Plätze geben.

Der Küstenort Þorlákshöfn hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Boomtown entwickelt, immer mehr Industrie siedelt sich dort an, oder verfolgt entsprechende Pläne, wie etwa die des deutschen Unternehmens Heidelberg, das Vulkansand abbauen und über den Hafen exportieren will. Da ist jedoch noch nichts entschieden, und eine Abstimmung der Einwohner zu dem Megaprojekt steht noch aus.

Grindavíker Ansiedlung
Die Vulkanausbrüche auf der Halbinsel Reykjanes hatten zuletzt zahlreiche Bewohner des benachbarten Grindavík obdachlos gemacht, und Þorlákshöhn hatte sich auf die Fahnen geschrieben, den Nachbarn Priorität bei der Grundstücksvergabe in einem neuen Wohnviertel zu erteilen. „Die haben den gleichen Zugang zu den Dienstleistungen von Ölfus wie andere,“ versichert Gestur. „Ob das Grundschule, Kindergarten oder Seniorendienstleistungen betrifft.“
Auch im heute nicht mehr bewohnbaren Grindavík hatten viele junge Familien gelebt, deren Kinder derzeit auf Dutzende von Schulen und Kindergärten im Südwesten verteilt sind.

Þorlákshöfn könnte neuen Hafen für Sandexporte erhalten

Die südisländische Gemeinde Ölfus hat ihr Interesse an einem neuen Hafen westlich des Küstenortes Þorlákshöf bekundet, der entstehen könnte, damit das deutsche Unternehmen Heidelberg Zement dort vulkanisches Material zermahlen und nach Europa transportieren kann, berichtete Heimildin. Die Finanzierung eines solchen Hafens könnte nach dem Vorbild des Tunnels Hvalfjarðargöng vor sich gehen, wonach am Ende die Gemeinde Eigentümer des Hafens sein wird, ohne sich an den Baukosten beteiligt zu haben.

Dem Zementriesen war zuvor ein Grundstück im der Nähe des bestehenden Hafens von Þorlákshöfn in Aussicht gestellt worden, die neue Option liegt westlich der Stadt und müsste von Grund auf neu gebaut werden. Zur Zeit wird zwischen Gemeinde und Heildelberg verhandelt, und Bürgermeister Elliði Vignisson ist jetzt schon von der Aussicht angetan, am Ende den Hafen zum Gemeindeeigentum erklären zu können.
Nach Angaben von Heildelberg-Sprecher Þorsteinn Víglundsson handelt es sich um Investitionen in Höhe von geschätzten 8-12 Milliarden ISK.
In einem gerade erschienen Umweltgutachten heisst es dass die neue Hafenanlage Anlegekais von 450 Meter Länge und 250 Metern Breite erhalten soll und bis auf eine Tiefe von 9,5 Metern ausgebaggert werden muss. Hinzu kommt ein Wendekreis von etwa 250 Metern für die Lastschiffe. Das Baumaterial könne zum grössten Teil aus der Baustelle selbst kommen. Auch andere Parteien könnten diesen neuen Hafen nutzen könnten. Finanziert werden könnte das Grossprojekt nach einem Modell, wo das nutzende Unternehmen für alle Baukosten aufkommt und die Gemeinde den Hafen am Ende besitzt, so wie es beim Tunnel durch den Hvalfjörður der Fall gewesen sei, heisst es seitens der Gemeinde. Einen Zeitrahmen für den Besitzerwechsel gibt es jedoch noch nicht.
Bürgermeister Elliði Vignisson gab an, man stehe auch mit isländischen Investoren im Gespräch, wie etwa den Rentenfonds. Weit hat man es bei der Gemeinde ohnehin nicht in Bezug auf Verhandlungen denn Heimildin zufolge steht der Gemeinderatsvorsitzende auch in Lohn und Brot bei einem Investor mit Abbaulizenz, und Bürgermeister Elliði Vignisson wohnt in einem Haus des Investors.

Neuer Hafen könnte Infrastruktur beleben
Heidelberg Zement ist in 3000 Orten weltweit mit 63.000 Beschäftigten vertreten. In Island hält die Heidelberg 53% an Hornsteinn, unter dessen Dach sich Bauriesen wie B.M. Vallar, Björgun und die Sementsverksmiðja versammeln. Þorsteinn Víglundsson ist nicht nur Sprecher der Heidelberg sondern auch Direktor von Hornsteinn. Er erwähnt, dass der neue Hafen den Bau neuer Industriegebiete nach sich ziehen könnte, und dass nicht nur die Fischzucht sondern auch andere Industrien diesen Hafen bevorzugen könnten.

Sandabbau und Schwerlastverkehr
Das Heidelberg-Projekt ist in der Region ziemlich umstritten, nicht zuletzt, weil es den Ort optisch sehr verändern würde und die geplanten Industriehallen nahe dem Wohnort und allen Freizeitanlagen zu liegen käme. Den Bewohnern waren die Pläne erst im Sommer 2022 zu Ohren gekommen.
Der Zementriese will den Meeresboden nahe dem Hafen Landeyjarhöfn, sowie die beiden Tuffberge Lítlu-Sandfell und Lambafell am Þrengsli-Pass abgraben und das Sandmaterial nach Þorlákshöfn schaffen. Von dort aus soll es per Schiff nach Europa transportiert werden, wo es anstatt der bislang verwendeten Flugasche bei der Zementherstellung eingesetzt wird.
An fünf bis sechs Tagen die Woche sollen 10-12 Stunden lang LKWs Material zurAnlage fahren, das sind 112 Fahrten pro Tag, die die Verkehrsbelastung der Zufahrtsstrasse um 4,2 Prozent erhöhen würden. Pro Woche sollen 21 Schiffe in den Hafen einlaufen und jährlich 1,3 Mio Tonnen gemahlenen Sand und 700.000 Tonnen ungemahlenes Material abtransportieren.
Noch nicht gelöst ist das Problem des Schwerlasttransport im dicht befahrenen Südland.

STEAG-Projekt im Mýrdalssandur
An diesem Problem ist möglicherweise auch die deutsche STEAG Power Minerals vorläufig gestrandet, die aus ihrer Länderei am Mýrdalssandur 146 Millionen Kubikmeter Vulkansand abbaggern und per LKW quer durch den Süden nach Þorlákshöfn zur Ausschiffung transportieren wollte. Das Unternehmen ist inzwischen an einen tschechischen Energiekonzern verkauft worden. Für das Vorhaben war ein neues Umweltgutachten nötig geworden, und zwischenzeitlich war auch der Bau eines neuen Hafens in der Nähe von Vík im Gespräch gewesen.

Im Fall von Heidelberg und Þorlákshöfn sind die Planungsarbeiten so weit vorangeschritten, dass Mitte des Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. Der Bürgermeister von Ölfus hatte seinen Bürgern im Jahr 2022 versprochen, eine Volksabstimmung abhalten zu wollen, bevor man sich daran mache, den Flächennutzungsplan zu ändern. Fast die Hälfte der Bevölkerung hatte sich bei Meinungsumfragen gegen die Industrieprojekte ausgesprochen.

 

Lachs aus Landzucht in Þorlákshöfn geplant

Die Produktion von Zuchtlachs in der südisländischen Gemeinde Ölfus könnte auf 100.000 Tonnen pro Jahr an wachsen, wenn die Pläne dreier Unternehmen in die Tat umgesetzt werden. Der Fisch soll in Zuchtbecken an Land produziert werden. Hierbei stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ausreichend Frischwasser für den Betrieb sicherzustellen, berichtet RÚV.

Mehr Investitionen als für Islands grösstes Kraftwerk
Die drei Unternehmen Landeldi hf., Geo Salmo und Fiskeldi Ölfus sind bereits mit dem Aufbau ihrer Betriebe westlich von Þorlákshöfn beschäftigt, jedes Unternehmen für sich plant die Produktion von 20.000 Tonnen pro Jahr. Damit könnte die Gesamtproduktion einer Rechnung von Bürgermeister Elliði Vignisson zufolge auf über 100.000 Tonnen jährlich steigen – mehr als die zweifache Menge der gesamtisländischen Lachsproduktion in 2021. Die Investitionen belaufen sich auf 160 bis 180 Milliarden ISK über fünf bis sieben Jahre. Das Kraftwerk Kárahnjúkarvirkjun habe zum Vergleich, so Elliði um die 149 Mrd ISK gekostet.

Der Fisch würde 500 bis 700 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen und einen Exportwert von 120 bis 130 Mrd ISK bringen. Wenn denn genügend Frischwasser aufgetrieben werden kann. Man rechne mit einem Wasserbedarf von 66.000 Sekundenliter für die Betriebe in voller Auslastung.
Der Fisch würde nicht nur in Þorlákshöfn gezüchtet, sondern auch vom dortigen Hafen exportiert werden. Ein Ausbau des Hafens ist ab dem kommenden Jahr ohnehin geplant, damit auch 200 Meter lange Schiffe dort anlegen können. Schon jetzt sei klar, dass auch das nach Fertigstellung nicht mehr ausreiche, meint der Bürgermeister.

Grosses Wachstum für kleine Stadt
Þorlákshöfn hat sich in kürzester Zeit zu einer Art Boomtown im Süden der Insel gemausert. Vor allem die Schiffsverbindung nach Europa macht den Hafen so attraktiv, sie spart Containerschiffen viele Stunden Fahrt durch oft unruhige See um die Halbinsel Reykjanes herum. Mindestens zwei Konzerne wollen Þorlákshöfn als Exporthafen für Sand und Tuff nutzen, den sie in Island abbauen: der eine Konzern besitzt im Mýrdalssandur Ländereien und will dort Sand abbaggern, der andere plant einen ganzen Berg auf dem Þrengslipass abzutragen. Auch im Grímsnes steht das Abbaggern eines Berges zur Debatte. Nun ist ein drittes Vorhaben hinzugekommen, wo am Strand vor Hjörleifshöfði Sand abgebaggert und über Þorlákshöfn nach Europa exportiert werden soll. Die  Mýrdalssandgräber wollen alle 15 Minuten einen LKW auf die Reise durchs Südland schicken, vom Hjörleifshöfði sind nur sechs LKW pro Tag geplant.
Mit Anwachsen des einst kaum bekannten Fischerortes kommt auch der Tourismus ins Spiel, ein Investor plant in Þorlákshöfn ein 180-Betten Hotel mit Spa direkt am Meer.

Þorlákshöfn wächst dank seines Frachthafens

Dank seines Hafens hat sich der Ort Þorlákshöfn im Süden Islands zu einer Art boomtown entwickelt, und der Bürgermeister sieht für die kommenden 15 Jahre ein Bevölkerungswachstum von auf bis zu 10.000 Einwohner, berichtet Vísir. Dabei spielt der Frachthafen eine entscheidende Rolle.

Vor etwa fünf Jahren hatte die färöische Reederei Smyril Line damit begonnen, den Hafen einmal pro Woche von Rotterdam aus anzulaufen, inzwischen kommen drei Frachtschiffe pro Woche. Dabei ist der Standort attraktiver als der Hafen von Reykjavík, denn der Seeweg um die Halbinsel Reykjanes herum kostet hin und zurück 24 Stunden. Nach Þorlákshöfn sind die Schiffe von Europa aus zweieinhalb Tage unterwegs, erklärt Hákon Hjartarson, Bereichsleiter bei Smyril Line.
Um den steigenden Schiffsverkehr bedienen zu können, werden derzeit die Hafenanlage vergrössert und das Hafenbecken vertieft, ausserdem entstehen neue Kais. Statt den bisher 130 Meter langen Schiffen soll sich der neue Hafen dann für 200 Meter lange Schiffe eignen. Die Umbaukosten belaufen sich auf vier bis fünf Mrd ISK.

Exporthafen für Vulkansand
Für Hafenleiter Benjamín Ómar Þorvaldsson hat Þorlákshöfn definitiv Potential. “Hier gibt es genug Platz, und wir können in alle Richtungen wachsen.” meint er.
Das sehen auch ausländische Konzerne so, die den Ort nutzen wollen, um in grossem Stil Sand in Island abzubauen und nach Europa zu verschiffen. Die deutsche Heidelberg Cement will einen ganzen Berg auf dem Þrengsli-Plateau abbaggern und über Þorlákshöfn exportieren, und die (ebenfalls deutsche) STEAG Power Minerals plant Sandtransporte vom Mýrdalssandur nach Þorlákshöfn. Nicht nur der zu erwartende Schwerlastverkehr quer durchs Südland, auch die mit dem Sandexport entstehende Industrieanlage zwischen Hafen und Wohngebiet ist manchen Einwohnern schon jetzt ein Dorn im Auge. Führende Lokalpolitiker der Unabhängigkeitspartei sprachen sich dafür aus, die Einwohner über die geplante Industrie abstimmen zu lassen.

Wohnraum für Zuzügler
Überall in der Stadt wird emsig gebaut, nicht nur für die Fischzuchtindustrie auf dem Land, auch hunderte von Wohnungen befinden sich im Bau. Inzwischen leben um die 2000 Einwohner in der Hafenstadt, und pro Jahr kommen sechs bis neun Prozent hinzu.
Immer mehr junge Familien mit Kindern ziehen in die Stadt im Süden der Insel, sagt Bürgermeister Elliði Vignisson. “Und wenn die Bevölkerung so schnell wächst, wie das hier passiert, dann muss man am Ball sein, um Bildung und Soziales gewährleisten zu können.” Unter anderem wird zur Zeit ein neuer Kindergarten gebaut, und die Grundschule soll vergrössert werden. In fünf Jahren sieht der Bürgermeister 3500 Einwohner in Þorlákshöfn. Und in 10 bis 15 Jahren dürfte die Bevölkerung auf sieben bis 10.000 Einwohner angewachsen sein.

Deutscher Zementriese plant Grossindustrie in Þorlákshöfn

Die deutsche HeidelbergCement-Werke beabsichtigen, in der südisländischen Hafenstadt Þorlákshöfn jährlich mindestens eine Million Tonnen Zumischmaterial für die Zementherstellung zu produzieren und haben dafür 12 Gewerbegebiete in einer Grössenordnung von 49.000 Quadratmetern in Aussicht gestellt bekommen, berichtet Kjarninn.
Das Planungsbüro der Gemeinde Ölfus hatte das Ersuchen wohlwollend entgegengenommen. Die ein bis 1,5 Millionen Tonnen sollen für den Export verarbeitet werden und einen Jahresumsatz von 10 bis 15 Mrd ISK erwirtschaften. In der Region enstehen 60 bis 80 Arbeitsplätze, bei Vergrösserung des Industriekomplexes auch mehr.
Der Energiebedarf für das Projekt wird als “ähnlich wie bei einer kleinen Schwerindustrie” bezeichnet.

Umweltausschuss fordert Verbesserungen
Haupteigentümer der HeidelbergCement ist der Deutsche Ludwig Merckle, der in der Forbes-Liste der Reichsten mit einem Vermögen von 5,1 Mrd US-Dollar auf Platz 504 sitzt. Das Unternehmen ist in über 60 Ländern aktiv und beschäftigte im Jahr 2020 weltweit 53.000 Mitarbeiter. Auch in Island ist die HeidelbergCement in die Baubranche eingebunden, sie verfügt über die Aktienmehrheit bei Hornsteinn ehf. welches die Bauunternehmen BM Vallá, Björgun und Sem­ents­verk­smiðj­an betreibt.

Der Umweltauschuss pocht auf Umweltschutzaspekte, unter anderem komme es überhaupt nicht in Frage, dass da riesige Haufen von losem Material unter freiem Himmel gelagert würden. Auch die bevorstehende Verschmutzung durch Staub, Lärm und andere Unannehmlichkeiten steht zur Debatte.
Wichtig sei es zudem, die Kapazitäten der Infrastruktur von Þorlákshöfn und Umgebung im Auge zu behalten, welche die Industrie benutzen will. Vor allem in Bezug auf den Strassenverkehr müsse die Gemeinde sich erst einmal mit der Strassenverwaltung treffen und Strassenverbreiterungen und neue Kreuzungen besprechen, die für den durch die Fabrik entstehenden Schwerlastverkehr notwendig werden.

Lítla-Sandfell wird für Zement verschwinden
Entnommen wird das Material durch die Eden Mining ehf. aus dem Berg Lítla-Sandfell auf dem Þrengsli-Pass oberhalb von Þorlákshöfn. Im Laufe des Abbaus von 15 Millionen Kubikmetern über einen Zeitraum von 30 Jahren wird der Berg dann am Ende vollständig verschwunden sein.
Im Februar berichtete Kjarninn, dass das oben bereits genannte Unternehmen Hornsteinn ehf. sich verpflichtet habe, das abgebaute Material aufzukaufen. Damals war offensichtlich noch nicht bekannt, dass die HeidelbergCement hinter der geplanten Industrieanlage in Þorlákshöfn steht.

 

Kokainschmuggler mit Trick überführt

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ehepaar um die 40 wegen grossangelegten Rauschgiftschmuggels angeklagt, berichtet RÚV. Den beiden wird zur Last gelegt, im vergangenen September fast vier Kilogramm Kokain nach Island geschmuggelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Rauschgift in Island verkauft werden sollte.

In der Anklage heisst es, das Paar habe sich am 17. September per Schiff einen schwarzen VW Touran von Dänemark nach Island schicken lassen.
Drei Tage später kam das Fahrzeug an Bord des Containerschiffes Mistral in Þorlákshöfn an. Bei der Zollkontrolle fanden die Beamten das Kokain in vier Paketen in einem Geheimfach unter dem Fahrzeugboden.
Die Polizei wurde benachrichtigt, sie tauschte das Kokain gegen weisses Pulver aus und setzte sich auf die Spur des Ehepaares, welches den Touran im Zollbereich der Smyrill Line in Þorlákshöfn abholte. Am nächsten Tag machte der Mann sich daran, das Geheimfach zu öffnen und die Pakete herauszunehmen, die er für Kokain hielt.
Laut Anklagschrift sei er mit zwei Paketen des weissen Pulvers im Rucksack festgenommen worden. Seine Frau wurde im gemeinsamen Zuhause der beiden in Reykjavík verhaftet.

Dem Ehepaar wird ausserdem der Besitz von 270 Gramm Kokain und fast 1500 Tabletten MDMA an einem nicht genannten Ort in Reykjavík zur Last gelegt, beide Rauschgifte wurden bei Hausdurchsuchungen gefunden.
Die Staatsanwaltschaft verlangt Mitschnitte aus Mobiltelefonen und Smartuhren sowie das Verschiffungsdokument mit dem Namen des Absenders.
Der Schmuggel steht in Verbindung mit organisierter Bandenkriminalität im Ausland, an den Ermittlungen hatten sich Europol und ausländische Polizeidirektionen beteiligt.