Nebel auf den Färöerinseln verhindert Testung auf der Fähre

Seyðisfjörður Norræna ferry

Ab dem heutigen Tag nutzen viele hundert Urlauber die Fähre Norröna aus Dänemark, um nach Island zu kommen. Wie RÚV Anfang Juni berichtete, wurde grosser Druck auf die Reederei ausgeübt, um zu erfahren, wie die COVID-Testung ablaufen soll. Smyril Line zufolge hatten viele Touristen damit gedroht, ihre Reise abzusagen, wenn das Verfahren zu kompliziert oder zu teuer werde.

Am vergangenen Dienstag waren Vertreter des ostisländischen Zivilschutzes an Bord der Norröna gegangen, um sich vor Ort anzuschauen, ob man die Testung dort durchführen könne. Die erste Fähre, die Touristen nach der neuen Regel nach Island bringt, war am 13. Juni im dänischen Hirtshals in See gestochen. Manche Touristen, die aus Deutschland anreisten, wollten unbedingt vorher wissen, wie die Testung abläuft. Mit der ersten Fähre sollen 200 Touristen kommen, auf der nächsten sind 350 gebucht. Später im Juli sind noch einmal 600 Touristen auf der Fähre gebucht. Dank einer Werbekampagne steigen die Buchungszahlen für diesen Sommer und Spätsommer weiter an.

Der Druck dieser Leute auf die Reederei sei nach Angaben von Geschäftsführerin Linda Björk Gunnlaugsdóttir sehr hoch. Die wenigsten schienen sich Sorgen darüber zu machen, was passiere, falls einer von ihnen positiv getestet würde, schreibt RÚV.
An Bord sind alle Seuchenschutzmassnahmen einzuhalten, ausserdem wird eine Räumlichkeit bereitgehalten für Personen, die mögliche Symptome zeigen. Damit könne man verhindern, dass Touristen später in Quarantäne müssten, weil ein Mitreisender infiziert war.

Zuviel Nebel zum Landen
Für heute war nun geplant gewesen, die Passagiere auf der Überfahrt zwischen dem Fährhafen auf den Färöerinseln und dem isländischen Zielhafen Seyðisfjörður auf COVID zu testen. Dann müssten die Touristen in Island nur noch auf das Ergebnis warten.
Dazu sollte ein Hubschrauber der isländischen Küstenwache drei Krankenschwestern aus Reykjavík und vier weitere aus Egilsstaðir nach Torshavn bringen, die sich dort vor Ablegen der Fähre einschiffen und die Überfahrt zur Testung nutzen.
Bislang ist der Nebel auf den Färöerinseln jedoch zu stark, als dass eine Hubschrauberlandung dort möglich wäre. Die Fähre legt in Torshavn um 12 Uhr Mittags ab.

Ab heute COVID-Testung statt Quarantäne
Ab dem heutigen Montag ist die Einreiseregelung nach Island geändert, statt der bisher obligatorischen 14-tägigen Quarantäne können sich Einreisende nun an den Orten der Einreise per PCR-Test auf das Sars-CoV2 Virus testen lassen. Bis zum 30. Juni ist diese Testung umsonst, da sie als Versuchslauf deklariert ist, danach kostet der Test 15.000 ISK. Kinder unter 16 Jahren müssen nicht getestet werden.

Wie Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason auf der Pressekonferenz am letzten Freitag sagte, müsse der Reisende sich auf ein bis zwei Tage für die Gesamtprozedur einstellen, während der er sich vorsehe und “wie in Quarantäne” verhalte. Er kann sich in seine Unterkunft begeben, solle sich aber “ruhig verhalten.” Das Testergebnis soll nach etwa fünf Stunden an die Rückverfolgungs-App C19 auf das Smartphone übermittelt werden.

Im Fall eines positiven Tests muss der Betreffende zum nächsten medizinischen Zentrum gehen und sich Blut abnehmen lassen. Wie das COVID-Team auf den Informationsveranstaltungen immer wieder betonte, gebe es für die Wiederöffnung eines Landes nach Pandemie keine internationalen Regeln, nach denen man sich richten könne. Premierministerin Katrin Jakobsdóttir hatte darauf hingewiesen, dass Island aufgrund seiner Insellage besonders wachsam sein müsse.

Am gerade vergangenen Wochenende hatte die Polizei mehrere Quarantänebrecher, die in der vergangenen Woche mit einem Flug aus London eingereist waren, in Südwestisland suchen müssen. Zwei der Personen wurden positiv getestet und waren hochinfektiös. Daraufhin hatten sich 16 an der Aktion beteiligte Polizisten in Quarantäne begeben müssen.

Pressekonferenz zum Thema Einreise und Testung

COVID-19 Iceland

Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte am Mittag zur Pressekonferenz gebeten, wo weitere Informationen zum Thema Testung und Einreise erteilt wurden.
Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason wies darauf hin, dass Einreisenden ab dem 15. Juni nur zwei Möglichkeiten zur Verfügung stehen – eine 14-tägige Quarantäne, oder ein PCR-Test am Ort der Einreise, also am internationalen Flughafen in Keflavík, im Fährhafen Seyðisfjörður und an den kleineren Flughäfen Akureyri und Egilsstaðir, sowie am Inlandsflughafen in Reykjavík, wo die Maschinen aus Grönland landen.
An kleineren Einreiseorten kann es sein, dass der Betreffende zur Probenentnahme an das örtliche Gesundheitszentrum verwiesen wird.

Keine Attests aus dem Heimatland
Ein Attest zu überstandener Krankheit oder Testergebnis aus dem Heimatland wird nicht akzeptiert, wie Þórólfur erklärte, weil es bislang keine international einheitliche Form eines solchen Dokumentes gebe.
Vor der Einreise muss zudem ein Formular zu persönlichen Daten und Aufenthaltsorten ausgefüllt werden, ausserdem werden Reisende aufgefordert, die Rückverfolgungsapp auf ihr smartphone herunterzuladen, um im Fall eines positiven Fundes im Umfeld benachrichtigt werden zu können. Der App kann man auch wichtige Informationen und Adressen zum isländischen Gesundheitswesen entnehmen.

Þórólfur wies darauf hin, dass jeder negativ Getestete durchaus nach einigen Tagen ansteckend sein könne, und dass es sich bei dem Einreiseverfahren um ein Experiment handle, welches einen Weg weise, wie man weiter vorgehen könne. Man könne nur Wissen mehren und lernen, wenn man teste, sagte er. Das Verfahren sei ein Instrument zur Steuerung. Nach einer Weile sei es dann vielleicht möglich, sich auf bestimmte Länder zu konzentrieren und andere aus der Testung zu nehmen.

Gesundheitsamtsleiterin mahnt zu äusserster Vorsicht
Die Leiterin des isländischen Gesundheitsamtes, Alma Möller, mahnte ebenfalls, bei der Öffnung vorsichtig vorzugehen. Das Gesundheitssystem habe zwar in den vergangenen Wochen seine Stärke, was Zusammenhalt und Einsatzkraft angehe, bewiesen, aber die Schwäche des Systems liege in seiner geringen Grösse, daher müsse man die Gefahr einer Neuinfektion durch Einreise gering halten. Alle Massnahmen befänden sich ständig auf dem Prüfstand und würden der Situation angepasst.

Die Bekämpfung der COVID-Krankheit sei in Island vor allem durch Quarantäne, Isolation, Rückverfolgung und Testung gelungen. Sie fordert vor allem isländische Heimkehrer zur Vorsicht auf, da die Gefahr einer Ansteckung innerhalb des gesellschaftlichen Umfeldes grösser sei als die durch Touristen.

Der Leiter des Zivilschutzes der Polizei, Víðir Reynisson, wies darauf hin, dass die Rückverfolgung per App nach der Grenzöffnung besonders wichtig sei, weil diesmal der Tourismus betroffen sei. Alle Mitarbeiter in der Tourismusbranche seien jetzt die Leute in vorderster Reihe, die sich um ihre Gäste kümmern müssen, und es gelte da, mit vielen Beteiligten gemeinsam zu agieren, zum Schutze aller.
Zur Zeit sei man dabei, das grosse Projekt fertigzustellen, die Rückverfolgungsapp zu verbessern, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, Formblätter für die Touristen zu entwerfen und vieles mehr.

Gesamttestvolumen bei 2000 Personen pro Tag
Die Premierministerin sagte, Island als Insel müsse ein solches Projekt anders angehen als andere Länder. Zunächst gelten die Regelungen für sechs Monate ab dem 15. Juni, doch soll die Lage alle 14 Tage überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Am Flughafen in Keflavík sind zehn Entnahmestationen vorgesehen, wo 200 Personen pro Stunde getestet werden können. Das Gesamtvolumen für die Flughafentestung soll nach einem Monat bei 2000 Proben in 24 Stunden liegen. Es werden nur soviele Einreisende akzeptiert wie Tests durchgeführt werden können. Der Test kostet, wie bereits bekannt wurde, 15.000 ISK, in den ersten beiden Juniwochen ist er kostenfrei.

Nach der Testung kann der Einreisende in seine Unterkunft fahren und das Testergebnis abwarten, dort soll er auch weitere Informationen erhalten. Wie RÚV schreibt, geht der Chefepidemiologe davon aus, dass der Einreisende sich bis zum vorliegenden Testergebnis so verhalten soll, als ob er sich in Quarantäne befindet. Die letzten Tests eines Tages werden um 19 Uhr durchgeführt, danach geht es erst am Morgen weiter. Nachts soll es auch keine Laboranalysen geben.

Personen, die sich für eine 14-tägige Quarantäne entscheiden, sollen an ihrem behördlich registrierten Aufenthaltsort stichprobenartig kontrolliert werden.
Am Mittwoch findet eine weitere Pressekonferenz unter Vorsitz der Gesundheitsministerin statt, am Freitag wird sich die Justizministerin zu Wort melden.