Flugverkehr in Keflavík: Tarifeinigung erzielt, Streiks abgewendet

Die angekündigten Streiks am Flughafen in Keflavík sind in letzter Minute mit einem Tarifabkommen zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften der Flughafenmitarbeiter und Sameyki abgewendet worden. Ende Mai soll über den Tarifvertrag abgestimmt werden

Die Verhandlungen liefen bereits seit letztem September, am 8. April war der staatliche Schlichter dann eingeschaltet worden. Ástráður Haraldsson drückte seine Zufriedenheit über die Einigung aus. Über die Verhandlungsergebnisse bei den Gehältern seien die Tarifparteien nicht sonderlich erfreut gewesen, aber er hoffe, jedermann sei jetzt „vernünftig unzufrieden“. Als nächste Hürde ist die Abstimmung der Gewerkschaftsmitglieder zu nehmen.

In einem Interview mit Vísir sagte der Sameyki-Vorsitzende Þórarinn Eyfjörð, man habe das gewünschte Gleichgewicht der Interessen erreicht. Die Gewerkschaften seien mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, obwohl „man nie zufrieden ist, wenn man Tarifverträge unterzeichnet“. Der Tag gestern sei ein „harter Arbeitstag“ gewesen, mit vielen positiven Entwicklungen, selbst wenn man seine Ziele doch niemals ganz erreiche.

Þórarinn legt seinen Gewerkschaftsmitgliedern den Tarifvertrag dennoch mit Zuversicht vor. Man wolle sogleich eine Informationskampagne starten, damit die Leute bis zum Abstimmungstag am 20. Mai alle Fakten beisammen haben. Er schaut optimistisch auf die Abstimmung, auch wenn es, wie er sagt, für nichts eine Garantie gebe.

Arbeitskampf: Weitere Streiks auf dem Programm

efling strike Reykjavík

Im isländischen Arbeitskampf spitzt sich die Lage derzeit zu. Um die 650 Mitarbeiter von Reinigungsfirmen, 400 Mitarbeiter von Securityunternehmen und 600 Hotelmitarbeiter, die nach dem Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft Efling und dem Arbeitnehmerverband arbeiten, haben Streik beschlossen. Sollte bis zum 28. Februar kein Verhandungsergebnis vorliegen, wollen sie unbefristet in Streik treten. Eine Urabstimmung dazu findet am 16. Februar statt, sie gilt nur für die betroffenen Arbeitnehmer.

Am Mittwoch den 16. Februar beginnt der bereits beschlossene Streik der 70 Tankwagenfahrer der Mineralölfirmen, sowie 500 Hotelbeschäftigten in Reykjavík. Bereits seit letzter Woche streiken 300 Mitarbeiter der Hotelketten Íslandshótel und Fosshótel. Vor den Hotels war es zu Demonstrationen gekommen, nachdem die Gewerkschaft Efling den Hotels Streikbruch vorgeworfen hatte. Gewerkschafsführerin Sólveig Anna Jónsdóttir kündigte eine Klage vor dem Arbeitsgericht an.

Gestern hatte das Berufungsgericht geurteilt, dass die Gewerkschaft nicht verpflichtet ist, dem staatlichen Vermittler ihr Wählerverzeichnis auszuhändigen. Daraufhin hatte Aðalsteinn Leifsson den Minister für Arbeit und Soziales gebeten, von seinem Posten zurücktreten zu dürfen. Beim Arbeitgeberverband bedauerte man diese Entscheidung.

Icelandair entlässt alle Flugbegleiter nach Scheitern der Tarifverhandlungen

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Die isländische Fluglinie Icelandair hat alle Tarifgespräche mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter beendet und strebt nun einen Deal “mit einem anderen Beteiligten auf dem isländischen Arbeitsmarkt über eine zukünftige Ausgeestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für die Sicherheits- und Servicemitarbeiter des Unternehmens” an, wie einer Pressemitteilung der Fluglinie zu entnehmen ist.
Alle derzeit beschäftigten Flugbegleiter wurden entlassen.

Für die Übergangszeit will Icelandair Piloten bitten, die Flugsicherheitsaufgaben des Kabinenpersonals zu übernehmen. Die Airline ist dazu in der Lage, weil Serviceleistungen wie Duty free Verkäufe oder die Ausgabe von Getränken und Snacks COVID-bedingt noch nicht wieder angeboten werden.
Gewerkschaftsmitglieder hatten gerade erst einen neuausgehandelten Tarifvertrag per Abstimmung abgelehnt. Gerüchten zufolge soll Icelandir bereits Gespräche mit einer anderen Gewerkschaft begonnen haben, doch die Airline stritt dies ab.

In der heutigen Pressemitteilung heisst es, dass Icelandair keine Möglichkeit sehe, einen beiderseitig akzeptablen Deal mit dem Kabinenpersonal zu erzielen, daher würden die Verhandlungen beendet.
“Die Piloten des Unternehmens werden vom 20. Juli an übergangsweise als Sicherheitsbeauftragte an Bord tätig sein. Das Serviceangebot an Bord der Icelandair Flugzeuge wird sich auch weiterhin an Prozeduren rund um COVID-19 anlehnen, und daher nur auf einem Minimum erhältlich sein. Das Unternehmen erwartet, Verhandlungen mit einem weiteren Anbieter auf dem isländischen Arbeitsmarkt über die zukünftige Ausgestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für Sicherheits und Servicebeauftragte des Unternehmens beginnen zu können.”

Jón Þór Þorvaldsson, der Vorsitzende der isländischen Pilotenvereinigung sagte RÚV, die Piloten der Airline seien heute morgen zu einem Treffen mit der Unternehmensleitung gerufen und darüber informiert worden, dass sie möglicherweise anstatt des Kabinenpersonals an Bord der Maschinen beordert würden. Er sagt, dem Gesetz nach seien Piloten ohnehin für die Sicherheit an Bord zuständig. Er hoffe inständig, dass Icelandair und die Gewerkschaft der Flugbegleiter sich noch einmal treffen, Verantwortung zeigen und ein Abkommen überzeichnen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft der Flugbegleiter, Guðlaug Líney Jóhannsdóttir, sagte RÚV gegenüber, ihre Gewerkschaft sehe sich nun gezwungen, einen Streik vorzubereiten. “Wir sind Mitglied im isländischen Gewerkschaftsbund und auch in internationalen Gewerkschaftsverbänden. Wir geniessen die volle Unterstützung dort und werden um Unterstützung bitten, wenn es soweit ist.” Das harte Vorgehen des Unternehmens gegen die Flugbegleiter in Island sei beschämend. Das Unternehmen habe direkte finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, und sie gehe davon aus, dass die Sache zugunsten der Gehaltsempfänger auf dem Tisch der Regierung lande. Guðlaug bezeichnete die Entlassungsaktion der Airline als sittenlos. Unter normalen Umständen würden die Tarifverhandlungen nach einer negativen Abstimmung weitergeführt.

Wie RÚV schreibt, ist die Abstimmung über einen Generalstreik der Flugbegleiter ab dem 4.8.2020 bereits in Vorbereitung.

Airlinechef Bogi Nils Bogason schrieb heute in einem Brief an das Kabinenpersonal: “Ich kenne viele von Ihnen gut, und viele von Ihnen waren schon jahrelang für das Unternehmen tätig, noch bevor ich angefangen habe, hier zu arbeiten. Alle haben ihren Mann gestanden in den Diensten auf der ganzen Welt. Aber die Zeit abgelaufen, und wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Dies ist eine schmerzhafte Entscheidung, aber auch eine notwendige, um zu versuchen, das Unternehmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren.”

 

Krankenschwestern stimmten für Generalstreik ab dem 22. Juni

Emergency room

Bis heute Mittag hatten sie ihre Stimmen abgeben können, nun hat die Auszählung ergeben, dass die 2600 stimmberechtigten Krankenschwestern in Islands öffentlichen Kliniken und medizinischen Einrichtungen sich für einen Generalstreik entschieden haben. In zwei Wochen geht es los, nachdem sie 15 Monate lang ohne gültigen Tarifvertrag gearbeitet hatten. Die Aussichten für die medizinische Versorgung im Land sieht schlecht aus, der Verhandler auf staatlicher Seite zeigte sich enttäuscht.

Der Streik war mit 85 Prozent aller abgegebenen Stimmen beschlossen worden, 13 Prozent sprachen sich dagegen aus, ein Prozent enthielt sich der Stimme. Die Teilnahme lag bei 82 Prozent. Im Vorfeld hatte es grosse Unterstützung für die Streikmassnahme gegeben.

“Das war das meiste was wir je erlebt haben, fast 100 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren,” kommentierte die Verbandsvorsitzende Guðbjörg Pálsdóttir.
Wenn es nicht gelingt, vor dem 22. Juni zu einem Ergebnis zu kommen, beginnt der Streik am Montag in zwei Wochen um acht Uhr Morgens. “Das betrifft zwei Drittel aller beschäftigten Krankenschwestern, oder 2600 Mitarbeiter im ganzen Land.” erklärte Guðbjörg.

„Das Ergebnis kommt nicht unerwartet, wenn man die Gespräche der letzten Tage betrachtet, aber wir sind sehr enttäuscht”, kommentierte Sverrir Jónsson, der für den Staat verhandelt hatte.
„Das sind sehr ernste Nachrichten, dass der Streik organisiert wird,” sagt auch Páll Matthíasson, der Leiter der Uniklinik in Reykjavík.

Für den Notdienst und die Ambulanzen soll eine Ausnahmeliste den Betrieb sicherstellen. Páll sagt, man müsse noch prüfen, ob man Abteilungen im Streikfall schliessen müsse. Nicht lebensnotwendige Operationen würden in den Sommermonaten ohnehin nicht durchgeführt.

“Akutpatienten werden mit Streikausnahmen versorgt, wenn das nötig ist, aber sehr viel wird warten müssen, und das wird unseren Betrieb stören. Alles was warten kann, wird warten müssen.”

Die Verhandlungen waren über etwa einen Monat geführt worden, nachdem die Krankenschwestern einen Tarifvorschlag im April abgelehnt hatten. In einer Umfrage des Verbandes hatte die Mehrheit angegeben, der Grund- und Tagdienstlohn sei der Grund für die Ablehnung. Den Krankenschwestern gehe es, so erklärt Guðbjörg, um einen höheren Grundlohn, da seien sie sehr entschlossen.

„Nun haben wir den Lohn diskutiert, und wir haben uns da weit aus dem Fenster gelehnt, oder innerhalb des Rahmens, den die Gesellschaft als akzeptabel betrachtet. Wir werden die Gespräche in den kommenden Tagen fortsetzen und versuchen, eine Grundlage zu finden, aber wir haben uns soweit gedehnt wie wir nur konnten,” erklärt Sverrir. Die verlangte Summe der Gegenseite liege ausserhalb des Rahmens, den man für andere Berufsgruppen verhandelt habe.

Guðbjörg bezeichnet es sehr schwierig, für einen Arbeitgeber tätig zu sein, der eigentlich über Jahre nicht bereit ist, einem höheren Gehalt zuzustimmen. Das haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Personalsituation, und ob Leute überhaupt für das isländische Gesundheitswesen arbeiten wollen.

Am Montag will man sich wieder am Verhandlungstisch treffen.

Isländische Krankenschwestern drohen mit Streik mitten im Sommer

Emergency room

Der Verband der isländischen Krankenschwestern (FÍH) hat alle seine im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigten Mitglieder aufgefordert, über einen Streik abzustimmen. Die Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne Tarifvertrag und hatten im April einen Tarifvorschlag abgelehnt, den der FÍH mit dem Staat ausgehandelt hatte. Weitere Verhandlungen blieben ergebnislos.

Die elektronische Abstimmung hatte gestern begonnen und ist bis Freitagmittag möglich. Etwa 2500 Krankenschwestern in öffentlichen Einrichtungen sind zu Teilnahme berechtigt.
Abgestimmt wird über einen Generalstreik, der am Montag den 22. Juni beginnen würde, falls es bis dahin keinen Vertrag gibt. Der Streik würde alle staatlich betriebenen Krankenhäuser und Einrichtungen, wie etwa die dem Hausarzt vergleichbare Gesundheitszentren in der Stadt und auf dem Land betreffen, wo Krankenschwestern, anders als in Deutschland, eine wichtige Rolle im Tagesbetrieb spielen.

Einer Umfrage vom 7.-10. Mai zufolge sind fast die Hälfte aller Krankenschwestern (49,6 Prozent) zu einem Streik bereit, und 32 Prozent wollen auch länger streiken. Aus der Umfrage ging hervor, dass die Beschäftigten an dem gefällten Tarifvertrag vor allem eine unzureichende Erhöhung ihres Grundgehaltes kritisierten.

Schichtzulage wird nun doch weitergezahlt

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Die Schichtzulage der Krankenschwestern am Universitätskrankenhaus Landspítali, die fristgerecht zum Monatswechsel entfallen war, ist nun für die kommenden Monate verlängert und die Finanzierung der Zahlungen gesichert worden, berichtet RÚV. Dies wurde in einem Brief des Finanzministers an die Klinikleitung bestätigt. Die Zulage war ursprünglich ein zeitlich befristetes Pilotprojekt der Klinik gewesen und im Herbst vergangenen Jahres gestrichen worden.

Die durch den Wegfall der Zulage bedingte Gehaltskürzung bei den Krankenschwestern zum vergangenen Monatswechsel hatte heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit hervorgerufen.

Anlässlich der aktuell besonderen Umstände ist nun entschieden worden, diese Zahlungen innerhalb des Projektes zu verlängern, nach eingehender Prüfung des Krankenhauses bis zum 1. Oktober 2020.

Wenn man die ernste Lage betrachtet, in der sich das Gesundheitswesen durch COVID-19 befindet, wo die Belastung der Pflegeberufe höher ist als sonst, ist es für mich ein klarer Fall, dass Massnahmen die die Gehaltssituation der Krankenschwestern verschlechtern, jetzt absurd sind,” schrieb Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir in einer Regierungserklärung.

Wir werden grundsätzliche Änderungen in den Verträgen einarbeiten, die den Schichtdienstvereinbarungen folgen. Hoffentlich hilft die Fortzahlung für die Schichtdienstbelastung, die Tarifstreitigkeiten zwischen Staat und Krankenschwestern gütlich zu regeln. Ich will das gerne hoffen.” sagte Finanzminister Bjarni Benediktsson.

Der staatliche Vermittler hatte die Vertreter von Krankenpflegegewerkschaft und Staat für kommenden Montag an den Verhandlungstisch gebeten. Zuletzt hatte man sich am 24. März getroffen.

Islands Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne Tarifvertrag.

In der Regierungserklärung heisst es weiter, Zweck der als Pilotprojekt im Jahr 2017 gestarteten Schichtzulage sei es gewesen, die Krankenschwestern zu ermuntern, ihre Dienstpflicht auch ausserhalb der Tagschichtzeiten auszuüben. Das Projekt war im April 2017 angelaufen und eigentlich auf sechs Monate befristet gewesen. Die Uniklinik hatte das Projekt jedoch dreimal verlängert, es war dann zum Jahresende 2019 ausgelaufen. Die Zahlungen setzten dann bei vielen schon länger Beschäftigten fristgerecht zum 1. April diesen Jahres aus.

Bei Krankenschwestern mit langer Berufslaufbahn hat der Wegfall um bis zu 40.000 ISK (257 EUR) ausgemacht.

Krankenschwestern: Schichtzulage fällt mitten in der COVID-Krise weg

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Eine Einsparmassnahme des Universitätskrankenhauses aus dem vergangenen Jahr ist gestern in Kraft getreten und hat dafür gesorgt, dass vielen Krankenschwestern die Schichtzulage gestrichen wurde und sie mehrere tausend Kronen weniger Gehalt als sonst auf ihrem Lohnzettel vorfanden, berichtet RÚV.
Der Zeitpunkt der Massnahme wurde von Finanzminister Bjarni Benediktsson als “unglücklich” bezeichnet.

“Wie kann man die Gehälter dieser Gruppe mitten in der COVID-Pandemie beschneiden? Wie kann man morgens auf wachen und in den Spiegel schauen, wenn man für diese Entscheidung verantwortlich ist?” fragte der Oberarzt der Notaufnahme, Jón Magnús Kristjánsson.

Die Uniklinik hatte im letzten Herbst beschlossen, den Krankenschwestern keine Schichtzulage mehr zu zahlen, diese Kürzungsmassnahme sollte dann drei bzw. sechs Monate später in Kraft treten, jenach Länge der Dienstzugehörigkeit. Das bedeutet, dass einige der ältesten und erfahrensten Pflegekräfte des Hauses in diesem Monat bis zu 40.000 Kronen weniger Gehalt bekommen.
Islands Krankenschwestern arbeiten seit einem Jahr ohne gültigen Tarifvertrag, und die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten sich festgefahren. Aktuell sind keine neuen Verhandlungen anberaumt.
Die Gehaltskürzungen und ihr Zeitpunkt treffen zwar eher zufällig aufeinander, mehren aber nur die öffentliche Unterstützung für die Position der Krankenschwestern.