Arbeitskampf: Arbeitgeber stimmen für Aussperrung von 20.000 Gewerkschaftsmitgliedern

efling strike iceland

Die überwiegende Mehrheit der Verbandsmitglieder des Arbeitgeberverbandes (SA) hat sich heute für die Aussperrung der Efling-Gewerkschaftsmitglieder ausgesprochen. Um die 2000 Unternehmen waren stimmberechtigt, die Stimmen der grossen Unternehmen zählen mehr als die der kleinen.
Unter dem Dach des Arbeitgeberverbandes befinden sich die Verbände von Industrie, Finanzwesen, Fischerei, Handel und Dienstleistung, Energieversorgung sowie der isländische Tourismusverband.
Die Aussperrung beginnt am 2.März. SA-Vorsitzender Halldór Benjamín Þorbergsson sagte, es handle sich um eine Schutzmassnahme gegen die Streiks, berichtet RÚV.
Fast 94 Prozent der stimmberechtigten Arbeitgeber stimmten für die Aussperrung, die Wahlbeteiligung lag bei 88 Prozent. Man sei davon unterichtet worden, dass es demnächst noch mehr Streiks geben werde. Sein Verband sehe diese Massnahme als letzte Lösung, um eine Tarifeinigung mit Efling herbeizuführen, so Halldór Benjamín.

Nächste Streikwelle wegen Aussperrung ausgesetzt
Die Aussperrung hat zur Folge, dass sämtliche 20.000 Efling-Mitglieder, die nach geltendem Tarifvertrag zwischen Efling und dem SA beschäftigt sind, ab dem 2. März um 12 Uhr nicht zur Arbeit erscheinen, keinen Lohn erhalten, keinen Urlaub und auch keine Rentenbeiträge gezahlt bekommen. Halldór zufolge sei dies eine Notfallmassnahme, manchmal müsse man eben mit dem Fuss aufstampfen.
Efling hatte heute Mittag angekündigt, die dritte für den 28. Februar geplante Streikwelle auszusetzen und erst das Abstimmungsergebnis des SA abzuwarten. Auf den derzeit laufenden, unbefristeten Streik hat diese Entscheidung keine Auswirkung.

Suche nach Lösungen ohne Erfolg
Vermittler Ástráður Haraldsson hatte noch am Sonntag gesagt, es bestehe kein Anlass, die Tarifparteien gleich wieder an den Tisch zu bitten. Heute entschied er, die Entscheidung des Landesgerichtes zur Nichtaushändigung der Efling-Wählerdaten nicht beim Obersten Gerichtshof anzufechten.
Das Wählerregister der Gewerkschaft war zuvor ein Stein des Anstosses gewesen, und Ástráðurs Vorgänger hatte seinen Vermittlerplatz unter anderem deswegen aufgegeben. Ástráður gab ebenfalls an, mit beiden Parteien permanent in Kontakt zu stehen und nach Lösungen oder einem neuen Kompromiss zu suchen, doch bislang ohne Erfolg.

Gewerkschaftsführerin Sólveig Anna Jónsdóttir sagte heute auf die Frage, ob sie eine Lösung am Verhandlungstisch überhaupt noch für möglich halte: “Ich glaube, dass diese Auseinandersetzung, so wie es jetzt um sie steht, möglicherweise auf andere Weise gelöst wird als mit Vertragsverhandlungen, die zu einem Tarifvertrag führen. Ich glaube, dass der Verband der Arbeitgeber den Weg gar nicht gehen will.”

Am Abend kündigte Halldór Benjamín an, man werde Efling wegen des nicht vorgelegten Wählerverzeichnisses voraussichtlich morgen früh vor dem Arbeitsgericht verklagen.

 

Arbeitskampf: Tarifverhandlungen abgebrochen, Streikbeginn um Mitternacht

hotel workers strike Reykjavík

Die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Efling und dem Arbeitgeberverband sind am Abend ergebnislos abgebrochen worden. Damit beginnt um Mitternacht der am Donnerstag unterbrochene Streik beim Servicepersonal in mehreren grossen Reykjaviker Hotels und den 70 LKW-Fahrern der Mineralölindustrie.

Der staatliche Vermittler Ástráður Haraldsson sagte RÚV gegenüber, die Verhandlungsparteien hätten sich über die vorliegenden Gehaltstabellen nicht einigen können.
“Das Ergebnis ist nun so, dass die Verhandlungsparteien sich nicht einigen können und dass zuviele Unterschiede vorliegen, als dass es einen Grund geben könnte, die Gespräche fortzusetzen. Die Verhandlungssitzung ist zuende, und im Moment sehe ich keinen Grund, eine neue Sitzung einzuberufen,” sagte Ástráður. Er stehe aber bereit, sofort an den Verhandlungstisch zu bitten, wenn er entsprechende Entwicklungen sehe.
Efling hatte betont, dass andere bereits geschlossene Tarifvereinbarungen für die Gewerkschaft nicht geeignet seien. Es war nicht gelungen, auf dem Gebiet einen Kompromiss zu finden. Auch ein neuer Vorschlag steht derzeit nicht zur Debatte.

Von Seiten der Arbeitgeber hiess es, man habe sich nicht auf die Forderungen der Gewerkschaft zubewegen können, weil man nicht mit einer Gewerkschaft höhere Löhne als mit anderen vereinbaren könne, das schade der Glaubwürdigkeit des Arbeitgeberverbandes. Das Ergebnis sei sehr enttäuschend, so der Verhandlungsführer des Arbeitgebervebrandes, Halldór Benjamín Þorbergsson. Er schliesse Massnahme von Seiten des Verbandes nicht aus.

Tag drei verlief unerfreulich
Efling veröffentlichte eine Erklärung, wonach der Arbeitgeberverband nicht willens gewesen sei, der Gewerkschaft entgegen zu kommen. In den ersten beiden Verhandlungstagen habe es Bewegung gegeben, doch heute habe sich das Blatt gewendet.
“Wir haben uns in den vergangenen drei Tagen für die Eflingmitglieder eingesetzt, einen Kompromiss mit den Arbeitgebern zu finden, wir haben lange Tage dort gesessen und jeden Stein umgedreht. Wir haben Lösungsvorschläge vorgelegt, die so weit wie nur möglich reichten. Wir haben unzählige Möglichkeiten aufgezeigt, die geltenden Tarifverträge an unsere Situation und Zusammensetzung anzupassen. Dies wurde alles zurückgewiesen oder mit Vorhaben beantwortet, die bewusst beleidigend waren, um diesen Versuch an die Wand zu fahren. In diesem Sinne endete der heutige Tag, an dem wir eine stark veränderte und schlechtere Atmosphäre seitens des Arbeitgeberverbandes als gestern und vorgestern gespürt haben.” heisst es in der Mitteilung des Verhandlungsteams von Efling.

Die Gewerkschaftsmitglieder waren schon am Mittag aufgefordert worden, sich bereitzuhalten.  Vom Streik betroffen sind mehrere grosse Hotels in der Hauptstadt, sowie die Tankstellen des Landes, die nicht mehr mit Kraftstoff versorgt werden. Bei Streikbeginn hatte Efling 70 Parteien Ausnahmegenehmigungen erteilt, darunter Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Einsatzkräfte, Institutionen im Gesundheitswesen und der Milchindustrie.

Arbeitskampf: Streik bis Sonntag für Verhandlungen unterbrochen

Der Streik der Gewerkschaft Efling, bei dem mehrere hundert Reykjavíker Hotelangestellte, grösstenteils Zimmermädchen und Servicepersonal im Niedriglohnbereich, sowie 70 Tanklastwagenfahrer seit letzter Woche bzw gestern die Arbeit niedergelegt hatten, ist am Abend unterbrochen worden, und zwar bis Sonntag um Mitternacht, berichtet Vísir. Ab morgen früh gilt auch ein Pressebann, während die Tarifverhandlungen zwischen Efling und dem Arbeitgeberverband weiterlaufen. Vertretern beider Verhandlungsparteien ist es gelungen, eine gemeinsame Plattform zu finden, um die Gespräche am Laufen zu halten, hatte der neue staatliche Vermittler, Ástráður Haraldsson, am Abend bekanntgegeben.

Der Streik ist mit sofortiger Wirkung unterbrochen. Der Pressebann soll einen Arbeitsfrieden zwischen den Verhandlungsparteien gewährleisten.
In einer Mitteilung der Gewerkschaft hiess es, die Gewerkschaftsmitglieder sollten nach den geltenden Tarifbestimmungen zur Arbeit erscheinen, bzw sich mit ihrem Arbeitgeber absprechen, wann sie zum Dienst erscheinen sollen.

Ragnar Árnason, der Verhandler auf Arbeitgeberseite, gab an, eine Unterbrechung der Streiks sei notwendig gewesen, um die Gespräche fortführen zu können. Bislang sei man noch nicht ans Eingemachte gegangen, aber man versuche, eine gemeinsame Grundlage für Verhandlungen zu finden.
“Meine Gedanken sind bei den ausländischen Touristen, die sich schon im Bushäuschen übernachten sahen. Sie haben nun ein Dach überm Kopf,” sagte Ragnar.
Gewerkschaftsführerin Sólveig Anna Jónsdóttir hatte noch am Morgen angekündigt, eine Verschiebung der Streikmassnahmen käme nur in Frage, wenn vom Arbeitgeberverband etwas richtiges geliefert werde. Der Verband hingegen hielt es für normal, dass die Streiks unterbrochen werden.

Benzinhamstern und Panikmache
Der heutige Tag hatte ganz im Zeichen des Benzins gestanden, die Nachrichten überschlugen sich, welche Tankstelle in Reykjavík bereits an Tag 1 des Streiks ihre Zapfsäulen sperrten, weil die Tanks leer waren. Autofahrer füllten sämtliche verfügbaren Behältnisse mit Kraftstoff, obwohl die Feuerwehr dringend davor warnte, Benzin und Diesel zu hamstern. Insgesamt 70 Ausnahmegenehmigungen waren von Efling gewährt worden, darunter für den städtischen Busbetrieb Strætó, Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Beschäftigte im Gesundheitswesen, und auch das Milchauto sollte ungestört weiterfahren können.

Die Tourismusbranche hingegen sah all ihre Felle schwimmen, Verbandsvorsitzender Jóhannes Pór Skúlason hatte am Morgen die kommenden Tage in den düsterten Farben gemalt und tausende Touristen mangels Hotelzimmer obdachlos in den Strassen der Hauptstadt herumirren sehen. Der Vorsitzende des Arbeitnehmerverbandes sah für diesen Fall die Notwendigkeit, Auffangstationen zu eröffnen.

Streik der Flugzeugmechaniker, Küstenwache ohne Hubschrauber

Die isländische Küstenwache hat in der vergangenen Nacht keinen Einsatz gehabt. Seit Mitternacht hätte sie auch gar keinen fliegen können, denn es stand kein Hubschrauber für Notfalleinsätze zur Verfügung. Sollte auf die Gehaltsforderungen der Flugmechaniker nicht eingegangen werden, hat die Küstenwache nach dem 14. Dezember keine einsatzbereiten Hubschrauber mehr.

In den vergangenen Wochen hatte die Küstenwache ihren Dienst nur eingeschränkt versehen können, weil nur der Hubschrauber TF-GRÓ bereit zum Einsatz war. Der andere Hubschrauber, TF-EIR, muss überholt werden. Seit Mitternacht steht nun auch TF-GRÓ zur Überholung im Hangar, wo die Flugmechaniker jedoch streiken, sodass für die kommenden zwei Tage kein Hubschrauber mehr Notfalleinsätze fliegen kann. Falls sich bei der routinemässigen Überholung ein Reparaturbedarf herausstellt, könnte der Zustand noch länger andauern.

Ásgeir Erlendsson, Sprecher der Küstenwache, sagte RÚV, dass die Küstenwache nach dem 14. Dezember gar keinen Hubschrauber mehr hat. Je länger der Streik andauert, desto länger wird es dauern, den Hubschrauber zu reparieren, weil bei stillgelegten Hubschraubern eher Schäden entstehen als bei solchen, die regelmässig fliegen. Selbst wenn der Streik in dieser Woche beigelegt wird, hätte die Küstenwache nur die zwei Hubschrauber, die sie für 10 Tage im Dezember benötigen.

Streikverbot steht im Raum
Quellen des Morgunblaðið zufolge hat das Justizministerium einen Gesetzentwurf fertiggestellt, mit dem ein Streik der Flugmechaniker gestoppt würde, doch nicht alle Mitglieder der Regierung sind damit einverstanden, zu solchen Massnahmen zu greifen, um einen Streik zu beenden. Morgunblaðið berichtet, dass vor allem linksgrüne Minister dagegen sind.

Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, ebenfalls von der Linksgrünen Partei, sagte dem Morgunblaðið, sie habe keinen Gesetzentwurf wie diesen gesehen und betonte, dass wegen der Art der Tätigkeit [der Flugzeugmechaniker] alle Verhandlungsparteien ihr Allerbestes gäben, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Die Tarifverhandler für die Mechaniker der Küstenwache und Vertreter der Regierung haben sich heute morgen mit dem staatlichen Vermittler erneut getroffen, nachdem die Verhandlungen gestern nachmittag ergebnislos abgebrochen worden waren.

Icelandair entlässt alle Flugbegleiter nach Scheitern der Tarifverhandlungen

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Die isländische Fluglinie Icelandair hat alle Tarifgespräche mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter beendet und strebt nun einen Deal “mit einem anderen Beteiligten auf dem isländischen Arbeitsmarkt über eine zukünftige Ausgeestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für die Sicherheits- und Servicemitarbeiter des Unternehmens” an, wie einer Pressemitteilung der Fluglinie zu entnehmen ist.
Alle derzeit beschäftigten Flugbegleiter wurden entlassen.

Für die Übergangszeit will Icelandair Piloten bitten, die Flugsicherheitsaufgaben des Kabinenpersonals zu übernehmen. Die Airline ist dazu in der Lage, weil Serviceleistungen wie Duty free Verkäufe oder die Ausgabe von Getränken und Snacks COVID-bedingt noch nicht wieder angeboten werden.
Gewerkschaftsmitglieder hatten gerade erst einen neuausgehandelten Tarifvertrag per Abstimmung abgelehnt. Gerüchten zufolge soll Icelandir bereits Gespräche mit einer anderen Gewerkschaft begonnen haben, doch die Airline stritt dies ab.

In der heutigen Pressemitteilung heisst es, dass Icelandair keine Möglichkeit sehe, einen beiderseitig akzeptablen Deal mit dem Kabinenpersonal zu erzielen, daher würden die Verhandlungen beendet.
“Die Piloten des Unternehmens werden vom 20. Juli an übergangsweise als Sicherheitsbeauftragte an Bord tätig sein. Das Serviceangebot an Bord der Icelandair Flugzeuge wird sich auch weiterhin an Prozeduren rund um COVID-19 anlehnen, und daher nur auf einem Minimum erhältlich sein. Das Unternehmen erwartet, Verhandlungen mit einem weiteren Anbieter auf dem isländischen Arbeitsmarkt über die zukünftige Ausgestaltung von Lohn und Arbeitsbedingungen für Sicherheits und Servicebeauftragte des Unternehmens beginnen zu können.”

Jón Þór Þorvaldsson, der Vorsitzende der isländischen Pilotenvereinigung sagte RÚV, die Piloten der Airline seien heute morgen zu einem Treffen mit der Unternehmensleitung gerufen und darüber informiert worden, dass sie möglicherweise anstatt des Kabinenpersonals an Bord der Maschinen beordert würden. Er sagt, dem Gesetz nach seien Piloten ohnehin für die Sicherheit an Bord zuständig. Er hoffe inständig, dass Icelandair und die Gewerkschaft der Flugbegleiter sich noch einmal treffen, Verantwortung zeigen und ein Abkommen überzeichnen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft der Flugbegleiter, Guðlaug Líney Jóhannsdóttir, sagte RÚV gegenüber, ihre Gewerkschaft sehe sich nun gezwungen, einen Streik vorzubereiten. “Wir sind Mitglied im isländischen Gewerkschaftsbund und auch in internationalen Gewerkschaftsverbänden. Wir geniessen die volle Unterstützung dort und werden um Unterstützung bitten, wenn es soweit ist.” Das harte Vorgehen des Unternehmens gegen die Flugbegleiter in Island sei beschämend. Das Unternehmen habe direkte finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, und sie gehe davon aus, dass die Sache zugunsten der Gehaltsempfänger auf dem Tisch der Regierung lande. Guðlaug bezeichnete die Entlassungsaktion der Airline als sittenlos. Unter normalen Umständen würden die Tarifverhandlungen nach einer negativen Abstimmung weitergeführt.

Wie RÚV schreibt, ist die Abstimmung über einen Generalstreik der Flugbegleiter ab dem 4.8.2020 bereits in Vorbereitung.

Airlinechef Bogi Nils Bogason schrieb heute in einem Brief an das Kabinenpersonal: “Ich kenne viele von Ihnen gut, und viele von Ihnen waren schon jahrelang für das Unternehmen tätig, noch bevor ich angefangen habe, hier zu arbeiten. Alle haben ihren Mann gestanden in den Diensten auf der ganzen Welt. Aber die Zeit abgelaufen, und wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Dies ist eine schmerzhafte Entscheidung, aber auch eine notwendige, um zu versuchen, das Unternehmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren.”