16 Schafe mit Anti-Scrapie-Genotyp T137 gekeult

Von den 669 Schafen auf dem Hof Bergstaðir im Miðfjörður, die unmittelbar vor dem Lammen gekeult worden waren, weil bei einigen Tieren Scrapie-Symptome aufgetreten waren, trugen 16 Schafe das gegen Scrapie schützende Gen T137, berichtet das Bændablaðið. Die Landwirtin Elín Anna Skúladóttir bezeichnete es als schmerzvoll, dass soviele Schafe mit dem kostbaren Genotyp getötet worden sind.

16 Schafe auf zwei Höfen mit T137
Alle 669 Schafe sind auf ihr Erbgut untersucht worden, am 2. September kam das Ergebnis der Erbgutuntersuchung. Demnach hatte sich bei 139 Tieren eine genetische Variante gefunden, die möglicherweise Immunität gegen die tödliche Krankheit gewährt. Von diesen 139 Schafen trugen neun Schafe den Genotyp T137, der als wertvollste Waffe im Kampf gegen die Scrapie-Krankheit betrachtet wird.
Auf dem Hof Urriðaá, wo ebenfalls wenige Tage vor dem Lammen sämtliche Schafe gekeult worden waren, ist bei sieben Tieren der T137 Genotyp gefunden worden, sowie Dutzende mit andere möglicherweise schützende Genvarianten.

Elín sagt, es sei furchtbar zu sehen, wieviele wertvolle Tiere da getötet wurden seien. Das Ergebnis sei ein Schock. Auf dem Hof Bergstaðir hatte man sich bis zuletzt dafür eingesetzt, wenigstens die Bocklämmer und weiblichen Lämmer, sowie die zugekauften Schafe behalten zu können, doch die Veterinäraufsichtsbehörde hatte sich hart gezeigt und den gesamten Bestand keulen lassen. Behördenvertreter hatten den Bauern erklärt, dass man die Schafe so schnell wie möglich töten müsse, weil die Lammsaison vor der Tür stand.  Man habe sich dem Druck der Fachleute gebeugt, doch Elín sagt, dass sie das jetzt bereut.
Das Argument, dass alle Tiere noch vor dem Lammen getötet werden müssten, hätte ja nun nicht für die Böcke gegolten. Die Krankheit wird vor allem durch Geburtsflüssigkeiten, Plazentagewebe und Milch übertragen. Man hätte die Böcke also draussen halten können, wo die Ansteckungsgefahr gering ist. Auch die einjährigen nichttragenden Auen hätte man retten können, sagt Elín. Die DNA-Untersuchung habe gezeigt, dass ein Fünftel des Bestandes gegen Scrapie immun gewesen ist, die Keulung sei vollkommen überstürzt durchgeführt worden. “Man hätte durchaus erst mal ein- und ausatmen können,” findet Elín.

Hoher Anteil an T137-Trägern wurde gekeult
Bei näherer Betrachtung der DNA-Ergebnisse stellte sich heraus, dass die mögliche Immunität quer durch den Bestand verteilt war, also nicht nur in einer bestimmten Linie. Die Schafzüchter auf Bergstaðir haben in den vergangenen Jahren viele Zuchtböcke verkauft, nun sucht man die DNA-Ergebnisse aus den Nachkommen dieser Böcle zusammen, um zu schauen, ob sie die schützenden Genvarianten vererbt haben. Zwei Böcke, die Elín erst kürzlich verkauft hatte, und die ebenfalls gekeult wurden, trugen schützendes Genmaterial, einer von ihnen sogar die kostbare Genvariante T137.

Karólina Elisabetardóttir, die Forschung und Suche nach dem schützenden Genotyp in Island angestossen und in Zusammenarbeit mit ausländischen Experten und dem isländischen Zuchtbüro in den vergangenen Jahren massgeblich mit betreut hatte, sagt, der Schafbestand auf Bergstaðir habe im Landesvergleich mit 1,4 Prozent einen besonders hohen Anteil an T137-Trägern gehabt. Im restlichen Land liegt der Anteil unter ferner liefen.
Das Zuchtbüro RML hatte DNA-Analysen aus 30.000 Schafen aus ganz Island ausgewertet, demnach fand sich die schützende Genvariante T137 bei 83 Tieren. Bekannt ist diese Genvariante in nicht mehr als acht Beständen. Zwei davon sind jetzt ausgelöscht worden.

Wertvoller Bestand vernichtet
Trotz es hohen Infektionsdrucks, der möglicherweise auf Bergstaðir geherrscht habe, sei bei den gekeulten Tieren keines mit Scrapie gefunden worden, wo eine Mutation des Priongens aufgetreten war.
Alle 52 Auen auf Bergstaðir, die erkrankten, trugen die ARQ/ARQ-Variante, die Karólina zufolge empfindlich für eine Ansteckung macht. Dies untermauert zusätzlich die Tatsache, dass einige Genotypen im Kampf gegen Scrapie von Vorteil sind. Die Ergebnisse stünden im Einklang mit den Forschungsergebnissen des französischen Wissenschaftlers Vincent Béringue, der seit letztem Winter die Erbgutverteilung erforscht.
“Ich möchte unterstreichen, dass Bergstaðir auf jeden Fall ein sehr wertvoller Bestand gewesen ist, und es ist unglaublich traurig, dass diese Schafe gekeult wurden.” sagt Karólína. Verordnungen seien menschengemacht, und daher hätte man durchaus die geltenden Regeln im Lichte der neuen Erkenntnisse ändern können. Das Auftreten der Scrapie so kurz vor dem Lammen sei unglücklich gewesen, und MAST habe Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen.

MAST sieht keinen Fehler
Die leitende Veterinärin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir, gab an, beim Bauernverband, Abteilung Schafzucht, um Vorschläge für eine verbesserte Reaktion im Fall eines erneuten Auftretens von Scrapie gebeten, zumal man jetzt ja züchterisch gegen Scrapie vorgehe. Entsprechende Vorschläge seien eingegangen, und MAST prüfe sie derzeit zusammen mit Experten, die das Landwirtschaftsministerium abgestellt habe. Diese Arbeitsgruppe muss ihre Vorschläge vor dem 1. November der Ministerin unterbreiten, die dann Gesetze ändern oder ergänzen kann.

Zwei Massnahmen seien möglich: entweder die Krankheit durch Keulung des Gesamtbestandes auszurotten, oder einen Bestand zu züchten, der schützende oder möglicherweise schützende Genotypen trägt. Allerdings hatte MAST einen solchen – im Bestand mit dem höchsten Anteil an T137-Trägern in ganz Island – mitgekeult.
Sigurborg sieht nicht, dass mit der Keulung des Bergstaðir-Bestandes ein Fehler unterlaufen sei. Man habe dort Scrapie diagnostiziert, und das Lammen stand unmittelbar bevor. Das infektiöse Material sei vor allem in Flüssigkeiten und Gewebe rund um die Geburt zu finden, und zwar in zehntausendfacher Höhe, daher galt es, eine Ausbreitung zu verhindern. Sie begrüsst aber den Fortschritt in der Angelegenheit und sieht optimistisch in die Zukunft.

 

Scrapie: Auch Schafe mit schützendem Genotyp müssen gekeult werden

Das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel hat einen Antrag der Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST auf Ausnahmegenehmigung im Rahmen des Tierseuchengesetzes positiv beschieden, demnach dürfen nun Lämmer und Zuchttiere mit dem vor Scrapie schützenden Genotyp auch über die Seuchenschutzgrenzen in andere Gebiete verkauft und transportiert werden, berichtet das Bændablaðið.
Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Scrapie, wenn also ein Tier positiv getestet wird, bleiben jedoch unverändert: erkrankt ein einziges Schaf oder eine Ziege an Scrapie, muss die gesamte Herde gekeult werden, ganz gleich ob Tiere in der Herde das schützende Gen tragen oder nicht.

Neues Regelwerk zu Seuchenschutz und Tiergesundheit in Arbeit
Die leitende MAST-Tierärztin Sigurborg Daðadóttir hatte vor zwei Jahren eine Überprüfung der Bestimmungen zur Scrapiebekämpfung angefertigt. In dem Jahr hatten sich mehrere Scrapiefälle ereignet, tausende Schafe im Norden des Landes waren daraufhin gekeult worden. Im Dezember 2021 wurde der Bericht an das Ministerium übersendet, wo nun an neuen Bestimmungen gearbeitet wird, nachdem sich herausstellte, dass auch in Sachen Tiergesundheit Nachbesserungsbedarf besteht.

Zucht mit schützendem Genotyp kann beginnen
Während die Schafzüchtergemeinschaft auf die Ergebnisse wartet, werden die wertvollen Schafe mit dem schützenden Gen über das Land verteilt, vor allem dort, wo ein Scrapieausbruch am ehesten zu befürchten ist. Diese Regionen geniessen einer Definition von MAST zufolge Priorität beim Verkauf der begehrten Zuchttiere.
Bislang sind 128 Schafe mit entweder dem ARR oder dem T137 Gen in Island gefunden worden. Vier Böcke werden ihren Dienst in der nationalen Zuchtanstalt beginnen, wo man imWinter dann Material für die künstliche Besamung bestellen kann: Gimsteinn, Gullmoli und Hornsteinn vom Hof Þernunes, sowie Austri vom Hof Stóra-Hámundastaðir.

In Europa schützt Genotyp vor Keulung
Züchterische Arbeit in Europa geht schon länger dahin, den Tierbestand mit schützenden Genotypen zu stärken. Im Allgemeinen gilt dort die Regel, dass man im Fall eines Scrapieausbruchs sofort die Genotypen der Tiere in der Herde überprüft, um die Infektionswahrscheinlichkeit einzuschätzen. Üblicherweise verschont man Schafe mit dem ARR-Genotyp, während Schafe ohne den Genotyp gekeult werden.
In Island werden alle Schafe gekeult, gleich ob sie den Genotyp tragen oder nicht. Damit ist es züchterisch nicht möglich, den Einfluss des Genotyps auf Bestand und Krankheit langfristig zu sichern, bzw. einen genetisch geschützten Bestand aufzubauen.

Scrapie ist bis heute unheilbar. Die Erkrankung kam vermutlich im Jahr 1878 durch Import eines englischen Schafbocks über Dänemark in den Skagafjörður, eine der noch heute am schwersten betroffenen Regionen Islands. In den 70ger Jahren war zwei Drittel des isländischen Schafbestandes erkrankt und musste getötet werden, seit 1986 gilt die Keulungsbestimmung, dass bei Auffinden eines einzigen erkrankten Tieres der gesamte Bestand vernichtet wird. Weil der Erreger auch Winter überdauert, müssen Züchter mehrere Jahre warten, bis sie wieder Schafe halten dürfen.

Weiterlesen (auf English): Good Breeding

Zucht mit Scrapie-resistenten Schafen kann bald beginnen

Nach einer Reihenuntersuchung bei isländischen Schafen steht nun fest, dass bislang 128 Tiere entweder Träger des ARR-Gens sind, welches international anerkannt vor der Scrapie-Erkrankung schützt, oder des T137 Prions, das italienischen Erfahrungen zufolge ebenfalls vor der degenerativen und unheilbaren Erkrankung des Nervensystems schützt.
Dem baldigen Aufbau eines Scrapie-immunen Schafbestandes in Island dürfte damit nichts mehr im Wege stehen, berichtet das Bændablaðið

Forschungsprojekt auf Privatintiative war erfolgreich
Als im Jahr 2020 nach Scrapie-Funden wieder einmal fast 2600 Schafe rund um den Skagafjörður hatten gekeult werden müssen, hatte ein grosses Forschungsprojekt seinen Anfang genommen. Auf Initiative von Karólína í Hvammshlíð, der Zuchtbehörde RML und ausländischen Experten hatten Landwirte die Möglichkeit erhalten, ihren Schafen Proben aus dem Ohr zu entnehmen, in denen dann die schützenden Genbestandteile gesucht – und tatsächlich gefunden wurden. Der Plan B der RML, sich entsprechendes Genmaterial im Ausland zu besorgen, musste daher gar nicht erst umgesetzt werden. Die Suche nach dem Genmaterial im Land selbst soll jedoch weitergeführt werden, um soviele Genträger wie möglich identifizieren zu können.

Nach EU-Recht sind Genträger bei Keulung tabu
Bis zum heutigen Tag ist die Keulung und Reinigung von Stallgebäuden und Land der einzige Weg, die Scrapie loszuwerden, doch hat er zahllose Landwirten Tränen und grosse wirtschaftliche Schäden beschert. Seit Beginn der Keulungspolitik im Jahr 1980 haben in Island 620 Höfe den schweren Weg gehen müssen, in den vergangenen 12 Jahren sind 8495 Schafe gekeult worden, sowie 53 Ziegen, obwohl es bislang keine Hinweise auf Scrapie in Ziegen gibt.
In Europa hingegen waren schon länger Erfolge mit der Zucht aufgrund des schützenden Genmaterials erzielt worden. Nun besteht auch für die isländischen Schafzüchter Hoffnung, die Scrapie ein für alle Mal loszuwerden.
Die EU-Bestimmung sieht nämlich vor, dass alle Tiere, in denen das schützende Genmaterial vorhanden ist, von Keulungsmassnahmen ausgenommen sind. Bislang hatte Island sich zwar nach den europäischen Bestimmungen in Bezug auf die Scrapie gerichtet, aber eine Ausnahmegenehmigung genutzt, um den ganzen Bestand zu keulen, weil nach dem schützenden Genmaterial auf der Insel nie gesucht worden war – bis jetzt.

Zucht mit ARR und T137 kann beginnen
Die ARR Variante ist international anerkannt als schützend gegen Scrapie, T137 hat diese Anerkennung nicht erhalten, weil kein Bedarf bestand. In Island kommt die Bedeutung von T137 jedoch zum Tragen, weil es den Genpool der Tiere mit schützendem Genmaterial beträchtlich erweitert.
Eine gezielte Zucht soll nach Informationen des Zuchtbüros langsam und erst mal vor allem in den von Scrapie betroffenen Gebieten durchgeführt werden, damit die genetische Vielfalt des isländischen Schafbestandes unter allen Umständen erhalten bleibt.
Im Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel werden derzeit die Bestimmungen zu Massnahmen bei Scrapieaufkommen überarbeitet.

Landwirtschaftspreise für Biomilch, Scrapieprojekt und Nachhaltigkeit verliehen

Heute wurden am Rande des Landwirtschaftskongresses die diesjährigen Landwirtschaftspreise verliehen, berichtet das Bændablaðið, und sie gingen diesmal an Betriebe und Personen, die an einer besseren und ökologischeren Zukunft arbeiten.
Einer der Preisträger ist der Betrieb Bollastaðir der Schafzüchter Borghildur Aðils und Ragnar Ingi Bjarnason, die sich am Projekt klimaneutrale Landwirtschaft beteiligen und ihren Betrieb entsprechend umgestellt haben. So finden sich in der Planung unter anderem verminderter Kunstdüngereinsatz zugunsten organischen Düngers, Leguminosenanbau, aber auch eine Rationalisierung des Maschineneinsatzes, um Öl zu sparen. Auf dem Hof gibt es bereits eine kohlenstoffgebundene Landkonservierung, das Land wird nachhaltig genutzt, unter anderem durch den Aufwuchs von Beweidungswäldern und Waldgürteln, die auch forstwirtschaftlich genutzt weren können.

Einzige Biomolkerei Islands geehrt
Ein weiterer Preis geht an die Bio-Molkerei Bíobú in Reykjavík, Islands einzige Molkerei, die ausschliesslich Milch von Biohöfen verarbeitet. Das ist kein einfaches Geschäft, denn es gibt zur Zeit nur drei Höfe auf der Insel, die bio-zertifiziert wirtschaften und Milch abgeben. Dennoch erwartet die Molkerei demnachst 800.000 Liter Biomilch zur Verarbeitung in ihren Hallen, wo neben Milch und Sahne auch Joghurtsorten, Skyr und drei Käsesorten hergestellt werden.
Bíobú-Begründer Dóra Ruf und Kristján Oddsson betreiben den Hof Neðri-Háls im Kjós, wo ab dem kommenden Jahr für das Unternehmen auch Bio-Rindfleisch vermarktet werden soll.

Auszeichnung für Kampf gegen Scrapie
Der dritte Preis der Landwirtschaft geht an die Schäferin Karólína Elísabetardóttir von Hvammshlíð für ihr Engagement im Kampf gegen die Scrapie-Erkrankung in isländischen Schafen. Sie hatte ausländische und isländische Experten an einen Tisch gebracht und ein grosses Forschungsprojekt initiiert, bei dem ganz bestimmte Genotypen im Prionprotein der Schafe gesucht wurden, die bei ausländischen Rassen als Schutz vor der tödlichen Seuche bereits bekannt und anerkannt sind. Dazu mussten tausenden von isländischen und grönländischen Schafen Proben aus dem Ohr entnommen, eingesammelt und ausgewertet werden.
Am Ende konnte der Genabschnitt T137 tatsächlich nicht nur bei zehn weiblichen Schafen, sondern auch bei einem Bock gefunden werden, was bedeutet, dass man nun mit diesen Tieren in die Zucht einsteigen und die Seuche, die in Island die sofortige Keulung des gesamten Bestandes bedeutet, hoffentlich bald ausrotten kann.
Überreicht wurden die Preise von Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir.

Scrapie: Die grosse Suche nach dem schützenden Genabschnitt

Nachdem im gerade vergangenen September ein weiteres Mal die Scrapie-Krankheit im Skagafjörður aufgekommen war und der gesamte Schafbestand des betroffenen Hofes hatte gekeult werden müssen, scheint nun die Hoffnung auf einen Genabschnitt aufgekeimt zu sein, welcher gegen Scrapie schützen könnte, berichtet das Bændablaðið.

Die deutschstämmige Schafhalterin Karólína Elísabetardóttir auf Hvammshlíð im Skagabyggð hatte ein weitreichendes Kooperationsprojekt zwischen deutschen, britischen und italienischen Wissenschaftlern, Scrapie-Experten des Forschungsinstitutes Keldur und Schafzuchtexperten der staatlichen Zuchtanstalt RML angestossen, welches nun tatsächlich einen Erfolg verzeichnete: die Experten fanden nämlich auf einem Hof im Nordwesten in zwei Schafen aus der gleichen Zuchtlinie den schützenden Genabschnitt T137.
“Die beiden Schafe mit T137 fanden sich auf dem Hof Sveinsstaðir im Þing bei Vatnsdalshólar. Þórður Pálsson von der Veterinäraufsichtsbehörde hatte mich im Frühjahr auf diese Herde hingewiesen, die ganz in der Nähe eines alten Scrapiegebietes lebt. Dort ist jedoch niemals Scrapie aufgekommen – was aussergewöhnlich ist.” erklärt Karólína.

Alte Garde hält Codontheorie für unrealistisch
Von den alten Hasen der Branche kommt Gegenwind. Der Tierarzt Sigurður Sigurðarsson argumentiert in einem Kommentar im Bændablaðið, die Suche nach dem schützenden Gen sei zwar löblich, doch halte er es für unrealistisch, dass man mit den jetztigen Bedingungen die Scrapie-Krankheit in 10 Jahren ausrotten könne. Auch Behauptungen, die Keulungen in betroffenen Gebieten hätten nichts gebracht, seien nachweislich falsch.
Der Leiter der Genforschungsabteilung bei Matís, Sæmundur Sveinsson, gab an, mindestens drei Abschnitte im Scrapiegen Prnp seien für eine Sensibilität für Scrapie verantwortlich. Dabei sei Codon T171 trotz umfangreicher Suche in Island nie gefunden worden. Die Genuntersuchungen zu diesem schützenden Codon sollen jedoch bei Matís und Keldur nun wieder aufgenommen werden.

Ergebnisse aus dem Ausland leicht auf Island übertragbar
Karólína sagt, T137 habe sich in umfangreichen Untersuchungen in Italien als ähnlich immunisierend wie andere bereits bekannte Abschnitte erwiesen, etwa T171 R oder ARR, welches in Europa bereits genutzt wird, um einen immunen Schafbestand aufzubauen.
“Ich weiss, zu erklären dass die Lösung gleich um die Ecke liegt, klingt für manche sehr optimistisch. Ich verstehe, dass Leute in Ämtern und Institutionen und Wissenschaftler da eher mit Vorsicht zur Sache gehen,” sagt Karólína. Allerdings weise alles darauf hin, dass das System, mit welchem im Ausland in den vergangenen 20 Jahren ein scrapieimmuner Bestand habe aufgebaut werden können, leicht auf Island zu übertragen sei. Die Sache sei ja eigentlich ganz einfach, wenn man die Methodik in anderen Ländern berücksichtige. Man müsse nur organisiert und offenen Auges das Erbgut suchen und dann eine gezielte Zucht aus den Tieren beginnen, bei denen das schützende Erbgut gefunden wurde.
Um ganz sicher zu gehen, könne man Tiere aus unterschiedlichen isländischen Scrapiebestände paaren und sehen, ob bei den Nachkommen eine Immunität entstehte.
Italienische Untersuchungen wiesen darauf hin, dass der immunisierende Codon T137 auch in gengemischter Form funktioniere. Wenn sich dies bestätige, spare man viel Zeit, weil schon die erste Generation durch den Codon gleich immun sei.

Da der Genabschnitt jedoch ausgesprochen selten vorkommt, besteht die Gefahr von Inzucht. “Am wichtigsten ist natürlich, im Originalgebiet der Scrapie im Skagafjörður und Húnavatnssýsla und in jenen Schutzvbezirken, wo Scrapie aufgekommen ist, einen immunen Bestand aufzubauen.” meint Karólína. Auf lange Sicht muss der schützende Codon jedoch auch in anderen Regionen gezüchtet werden, aus denen Zuchtlämmer in die Scrapiegebiete eingekauft werden

Jetztige Suche baut auf Ergebnissen aus den 80gern auf
Codon T137 war schon einmal im Institut Keldur gefunden worden, als die Scrapieexpertin Stefanía Þorgeirsdóttir in den 80ger Jahren dort forschte.
Die jetztige Suche nach dem Codon baute zum Teil auf den damaligen Informationen auf, T137 fand sich auf Núpsstaðir im Skaftárhreppur und auf Enni im Hofshreppur, sowie auf einigen anderen Scrapiehöfen – obwohl sie nicht mehr länger als Grundlage in Frage kamen.
So war es unter anderem gelungen, auf den Höfen Hvoll und Sandfell Nachkommen der T137-Schafe zu finden. Auf Hvoll ist der Codon offenbar ausgestorben, von Sandfell erwartet man in der kommenden Woche Ergebnisse.

Zur Zeit wird auf Hochtouren nach weiteren Schafen mit dem immunisierenden Codon T137 gesucht. Finanzielle Unterstützung gibt es dabei vom isländischen Schafzucht-Entwicklungsfonds, sowie von den ausländischen Studienteilnehmern, darunter das Justus-Liebig-Institut in Giessen und das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald.
Wenn alles nach Wunsch verläuft, sollten erste Ergebnisse um die Jahreswende 2022/2023 vorliegen.