Reykjanes: Polizei warnt vor Kraterwanderungen, Lage ungewiss

crater

Die Polizeidirektion in Suðurnes bittet inständig darum, nicht zum Ausbruchsgebiet an den Sundhnúksgígar zu wandern. Jederzeit können sich dort neue lavafördernde Spalten öffnen, oder mehr Lava aus dem aktiven Krater strömen.
Seit letztem November hat sich jedesmal dann ein Ausbruch ereignet, wenn die Magmamenge in der Kammer unter Svartsengi acht bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht hatte. Gemessen daran ist die derzeitige Magmamenge mit 10 Millionen Kubikmetern an der Grenze zu einem neuen Ausbruch angelangt.

Lage ist ungewiss
Benedikt Ófeigsson, der Fachleiter für Verwerfungsmessungen beim isländischen Wetterdienst, sagte gestern in den Abendnachrichten, die Lage sei ausgesprochen ungewiss.
„Wir haben das bislang noch nicht erlebt, dass es einen Ausbruch und eine Landhebung zur gleichen Zeit gibt. Daher herrscht nun grosse Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Am meisten bereitet uns wohl Sorge dass aus dem bestehenden Ausbruch ein weiterer so entsteht wie es begonnen hat,“ erklärte Benedikt. „Dass sich also mit geringer Vorwarnzeit eine zwei bis drei Kilometer lange Spalte öffnet, die erheblich Gefahr mit sich bringt.“ Vor solch einem Geschehen könne man nicht rechtzeitig warnen.
Auch der Professor für Geophysik, Páll Einarsson, äusserte sich besorgt. “Wenn der Druck in der magmagespeisten Kammer zunimmt, würde man erwarten, dass die Eruption nach und nach zunimmt, aber das ist nicht der Fall.“ Weder bei den Vulkangeschehen auf der Halbinsel Reykjanes noch an der Krafla in den Achtzigerjahren habe man dergleichen beobachtet. Auch Páll warnt davor, dass hier ohne Vorwarnung eine gefährliche Situation entstehen kann. „Dann besteht die Möglichkeit einer neuen Spalteneruption, und der Beginn von Spalteneruptionen ist am gefährlichsten, wenn in kurzer Zeit eine große Menge Magma entsteht, die sich über ein großes Gebiet ausbreitet und mit hoher Geschwindigkeit fliessen kann.”

Keine Rettung vor Lavastrom
Schon in der vergangenen Woche war davor gewarnt worden, sich auf den Weg zum Krater zu machen, weil ein möglicher Lavastrom so schnell unterwegs sein kann, dass es keine Rettung gibt. Auch die Wand des aktiven Kraters kann unter verstärktem Lavastrom jederzeit brechen und Lavafluten unter hohem Tempo in alle Richtungen entlassen. Hinzu kommt die Gefahr durch plötzlich ansteigende Gasentwicklung. Bislang hat die Gasverschmutzung durch den Vulkanausbruch nicht abgenommen, und empfindliche Personen sind angehalten, sich unter loftgaedi.is zur Luftqualität auf dem Laufenden zu halten.

Reykjanes: Flussbett für potentiellen Lavastrom gesprengt

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Gestern haben Bauarbeiter in Grindavík einen Felszug in der Nähe des Sendemastes am nach Westen führenden Nesvegur gesprengt und damit begonnen, auch von Westen her einen Schutzwall an dem Ort entlang aufzuschütten, berichtet Víkurfréttir. Bislang gibt es durchgehende Schutzwälle nur im Norden und an der Ostflanke des Ortes.

Zunächst hatte man Löcher in den Felszug gebohrt, der als Hindernis für einen möglichen Lavastrom hinunter zum Meer betrachtet wurde. Dann sind Teile des Felsens gesprengt worden. Vor den Ostertagen sollen in dem Gebiet weitere Sprengungen stattfinden und rund 5000 Kubikmeter Fels aus einem potentiellen Flussbett entfernt werden. Bei den Massnahmen sind bislang tonnenweise Sprengstoff zum Einsatz gekommen.

Die Umweltbehörde verzeichnet für heute eine starke Gasverschmutzung in Svartsengi und der Blauen Lagune. Das Schwimmbad bleibt bis auf weiteres geschlossen. Personen mit schweren Herz- und Lungenerkrankungen sollten sich möglichst gar nicht in betroffenen Gebieten aufhalten, schwere körperliche Arbeit und sportliche Betätigung sollten vermieden werden.

Reykjanes: Neue Strasse zur Lagune kurz vor Fertigstellung

Die isländische Strassenverwaltung arbeitet derzeit daran, eine neue Strasse zum Kraftwerk Svartsengi zu bauen. Das Kraftwerk und die benachbarte Blaue Lagune sind von einem Schutzwall umringt, die Zufahrt, die in das geschützte Gebiet führte, war allerdings in der letzten Woche bei einem kurzen Lavaausbruch teilweise zerstört worden. Auch die Strasse, die den Küstenwort Grindavík mit der nördlichen Schnellstrasse verbindet, hatte schwere Schäden erlitten.

Über frischer Lava verlegt
Der Strassenbau ist wichtig, weil die Blaue Lagune für Touristen wieder geöffnet ist. Auch wenn es derzeit kaum seismische Aktivität in der Region gibt, deuten Messungen darauf hin dass sich das Land bei Svartsengi erneut hebt. Mit weiteren Lavaausbrüchen ist daher zu rechnen, Experten gehen von Ende Februar oder Anfang März aus. Man hofft, die neue Strasse in der kommenden Woche fertigstellen zu können.

Da die neue Strasse über frischer Lava zu liegen kommt, wird sie entsprechend mit Randmarkierungen, Warnsignalen und Blinklichtern ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 Kilometer pro Stunde. Autofahrer sind angehalten, vorsichtig zu fahren und nicht auszusteigen, weil die Strasse heiss sein könnte. Hitzesensoren zeigten gestern eine Untergrundtemperatur von 50 bis 80 Grad an, der Asphalt ist jedoch kühler.

Lavaströme unvorhersehbar
Die neue Strasse könnte im Fall eines weiteren Ausbruchs den Verkehr sowohl nach Grindavík als auch in die Lagune ermöglichen, sodass das beliebte Touristenbad nicht schliessen muss. Der letzte Ausbruch hatte sich am frühen Morgen und glücklicherweise in einiger Entfernung der Lagune ereignet und rund 150 Touristen hatten evakuiert werden müssen. Der Lavastrom hatte dann gegen Mittag unerwartet seine Richtung geändert und war auf die ungeschützte Lagunenzufahrt hingeflossen, damit war der Fluchtweg abgeschnitten.
Unvorhersehbarkeit hatte sich auch beim vorletzten Ausbruch gezeigt, als sich nicht nur ausserhalb sondern auch innerhalb des Schutzwalls Erdspalten öffneten, und in Grindavík Lava über drei Häuser geströmt war. Die Erdspalten und ein möglicher Hohlraum unter der Ortschaft Grindavík werden derzeit untersucht und mit einer speziellen Drohne kartiert.

 

Reykjanes: Neue Pipeline fertiggestellt, heisses Wasser in Sicht

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Die Einwohner der Halbinsel Reykjanes könnten, wenn alles nach Plan läuft, schon heute Abend wieder heiss duschen, berichtet RÚV. Die Bevölkerung in den Gemeinden zwischen Sandgerði und Vogar hatte tagelang in kalten Häusern und ohne heisses Wasser dagesessen, nachdem am letzten Donnerstag ein kurzer, aber heftiger Lavaausbruch die Hauptwasserleitung aus dem Kraftwerk Svartsengi zerstört hatte. Eine rasch verlegte Ersatzleitung wurde ebenfalls beschädigt, worauf Tag und Nacht daran gearbeitet wurde, eine neue Leitung quer über die noch heisse Lava zu verlegen. Dazu hatte frische Lava bewegt und Schotter darüber verteilt werden müssen. In der Nacht hatten Tanklaster dann rund 1800 Tonnen heisses Wasser an ausgewählten Stellen ins Leitungssystem eingefüllt, um gleichmässigen Druck aufbauen zu können.

Behörden verteilten Heizöfchen
Die meisten Häuer in Reykjanes werden mit heissem Geothermalwasser aus dem Kraftwerk Svartsengi beheizt. Seit dem Ausfall der Leitung am Donnerstag hatte eine Art Ausnahmezustand geherrscht, Heizöfchen und Gasöfen standen hoch im Kurs, und für alle, die keine Möglichkeit hatten, sich Heizgeräte zu beschaffen, stellten die Behörden Leihgeräte zur Verfügung. Da das Stromnetz der Halbinsel nicht auf die Beheizung von Häusern ausgelegt war, fiel gleich mehrfach der Strom aus, als die Leute abends ihre Elektroautos luden und warmes Essen zubereiteten.
Mehrere Schulen schlossen ihre Türen, und so mancher Einwohner zog es vor, der Kälte zu entfliehen und sich für ein paar Tage anderswo einzumieten.

Heisses Wasser in Sicht
Nun also sind alle Rohrteile der neuen Leitung an Ort und Stelle miteinander verschweisst, und das heisse Wasser könnte schon heute abend die Haushalte erreichen. Bis alle Heizungssysteme gefüllt sind, könnten allerdings ein paar Tage ins Land gehen, daher bitten die Behörden, auch weiterhin sparsam mit dem Strom umzugehen.
Der Ausbruch vom letzten Donnerstag war der dritte in der Region in nur drei Monaten. Kaum war er vorüber, konnte bereits die nächste Landhebung am Kraftwerk Svartsengi festgestellt werden. Alles deutet darauf hin, dass sich dort wieder Magma ansammelt. Ein nächster Ausbruch ist also nur eine Frage von Tagen oder Wochen.

 

Reykjanesausbruch: Wasserleitung zerstört, kein heisses Wasser für die Halbinsel

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Die Lava, die seit dem frühen Morgen aus einer Spalte der Kraterreihe Sundhnjúkagígjarröð strömt, hat am Mittag die Strasse zwischen dem Nordteil der Halbinsel und Grindavík überquert. Um 12.23 Uhr zerstörte der Lavastrom dann eine Heisswasserhauptleitung, wie hier im Video zu sehen ist. In der Folge hat der Zivilschutz die Gefahrenstufe von “Gefahr” auf “Notstand” erhöht. Menschen befinden sich nicht in Gefahr, und auch der Flugverkehr ist vom Vulkanausbruch nicht direkt betroffen, aber da sämtliche Gebäude der Gemeinden Reykjanesbær, Suðurnesjabær, Grindavík und Vogar mit heissem Wasser beheizt werden, und auch der Flughafen heisses Wasser für den Betrieb benötigt, ist das entstandene Problem nicht gerade klein.

Lösung des Heisswasserproblems unterwegs
In riesigen Heisswassertanks befindet sich zwar ein gewisser Vorrat, dennoch sind alle Bewohner der Halbinsel aufgefordert worden, ihre Heizung herunterzudrehen, den Heisswasserverbrauch auf ein Minimum zu beschränken und auf Bad, Dusche und heissen Pott zu verzichten. Auch elektrische Heizgeräte sollen sparsam genutzt werden, um das lokale Stromnetz nicht zu überlasten, welches nicht auf die Beheizung von Gebäuden ausgelegt ist. Des weiteren werden Einwohner gebeten, den Einsatzkräften für ihre Aufgaben freie Bahn zu machen.
Die Behörden hatten ein solches Szenario bereits eingeplant und damit begonnen, eine unterirdische Wasserleitung durch das Eruptionsgebiet zu verlegen. Ein Teil davon liegt schon im Boden, ist aber noch nicht angeschlossen. Das Versorgungsunternehmen hofft, Reykjanesbær schon morgen wieder mit heissem Wasser beliefern zu können.

Lava strandet am Erdwall vor der Lagune
Der Lavastrom hatte sich unterdessen buchstäblich auf den Weg zur Blauen Lagune gemacht, auf beeindruckenden Dronenbildern ist zu sehen, wie er die Kreuzung zur Lagune überquert und dann die Strasse herunterfliesst, denn dort kam er am schnellsten voran. Die Lagune und das Kraftwerk sind jedoch geschützt durch den Erdwall, der im Januar dort aufgeschüttet worden war. In diesem Video von Heimildin sieht man, wie Bagger im Wettlauf mit der Zeit die Lücke im Schutzwall füllen, die für die Zufahrtstrasse Norðurljósavegur zur Lagune gelassen worden war.
Alle Gäste, die sich im Hotel befunden hatten, waren noch in der Nacht evakuiert worden.

Die Stromleitung vom Kraftwerk Svartsengi war für einige Stunden abgeschaltet worden, um Schäden zu vermeiden. Einwohner waren währenddessen von der Suðurnesleitung mit Strom versorgt. Am späten Nachmittag stellte sich heraus, dass die Masten im Lavastrom stehengeblieben waren und ihre Funktion weiter erfüllen können, worauf man entschied, Svartsengi wieder ans Netz zu nehmen.
Gegen 14.30 stieg dann kurzzeitig grauschwarzer Qualm über der Lava auf, nach Expertenmeinung ein Zeichen dafür, dass die Lava mit Grundwasser in Kontakt gekommen war. Da die Kraft des Ausbruchs zum Abend hin aber stark abgenommen hat, ist nicht damit zu rechnen, dass Asche weit vom Ausbruchsgebiet niedergehen wird.

Intensität des Ausbruchs nimmt ab
Am Abend meldete die Vulkanabteilung beim isländischen Wetterdienst, dass der explosive Teil des Ausbruchs, der gegen 13 Uhr eingesetzt hatte, beendet sei. Lava ströme jetzt nur noch aus zwei oder drei Schloten. Die seismische Aktivität habe sich beruhigt und auch die Verwerfung im Magmatunnel habe abgenommen, was dazu führe, dass Magma nicht mehr mit dem gleichen Druck wie am Morgen unterwegs sei.

 

Reykjanes: Neue Eruption am Sundhnjúkur

Ein Vulkanausbruch hat um drei Minuten vor sechs Uhr heute morgen an den Sundhnjúkargígjar stattgefunden, berichtet RÚV. Dort hatte es am 18. Dezember 2023 eine Eruption gegeben. Erste Videos aus einem Hubschrauber der Küstenwache zeigen, dass die Spalte aus der Lava quillt, derzeit um die drei Kilometer lang ist. Die Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, sagte RÚV gegenüber, der Ort des Ausbruchs sei Glück im Unglück, weil er weit von Grindavík entfernt liegt.

Erste Beben hatten sich kurz vor halb sechs gezeigt, dann war von den Bohrlöchern des Erdwärmekraftwerks Svartsengi eine Ausdehnungsmeldung eingetroffen. Kurz darauf brach die Erde auf. Hier gibt es erste Fotos.

Seit November hatten sich vier unterirdische Magmaeinschüsse bei Svartsengi ereignet, drei davon endeten mit einer Eruption. Kristín erklärte im MOrgenradio, dies sei eine höhere Eruptionsrate als an der Krafla in Nordisland, wo es während der zehn Jahre andauernden Ausbruchsserie in den Siebzigerjahren mehr Einschüsse als Eruptionen gegeben hatte.
Mit dem Ausbruch war seit Wochen gerechnet worden, zumal sich ähnlich viel Magma angesammelt hatte wie beim letzten Ausbruch am 14. Januar. Am Montag hatte die Vulkanabteilung des Wetterdienstes ausgerechnet, dass sich um die neun Millionen Magma angesammelt hatten.
Das Kraftwerk Svartsengi und die benachbarte Blaue Lagune waren noch in der Nacht evakuiert worden, nachdem die Bebentätigkeit stetig zugenommen hatte.

 

Reykjanes kann jederzeit erneut ausbrechen

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Ein erneuter Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes könnte sich schon in der kommenden Woche ereignen, berichtet RÚV. Die Landhebung bei Svartsengi geht rascher voran als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar. Kristín Jónsdóttir, die Leiterin der Abteilung für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt, sagt, ein Ausbruch oder ein ähnliches vulkanisches Ereignis könnte sich mit minimaler Vorwarnung ereignen.

Magmakammer unter Svartsengi
Das Land am Erdwärmekraftwerk Svartsengi und an der Touristenlagune Blue Lagoon hat sich an den vergangenen Tagen täglich um bis zu acht Millimeter gehoben, und ist damit rascher unterwegs als vor dem letzten Ausbruch am 14. Januar.
Das weist darauf hin dass die Magmakammer unter dem Svartsengi-Gebiet sich ausdehnt und entweder aufbrechen und einen Vulkanausbruch verursachen, oder einen Magmatunnel bilden, wie jener, der Ende letzten Jahres unter dem Küstenort Grindavík entstanden war.

Minimale Vorwarnung
Kristín glaubt dass solch ein Ereignis nicht weit hergeholt ist. „Sollte der Prozess im gleichen Tempo voranschreiten wie zuvor, dann kann man damit rechnen dass es im Februar, Mitte Februar oder sogar in der kommenden Woche zu einem Ausbruch kommen könnte,“ erklärte sie.
„Die Magma könnte dort losströmen, ohne besondere seismische Aktivität und ohne uns grossartig zu warnen.“ Beim Dezemberausbruch an den Sundhnjúkargígar hatte die Erde eine Stunde vor dem Ausbruch zu beben begonnen.

Schweres Erdbeben in Reykjavík möglich
Auch in Reykjavík sollten Bewohner darauf vorbereitet sein, dass sich dort ein Erdbeben der Stärke M6 und höher ereignen kann. Die Beben, die am letzten Wochenende südöstlich der Heiðmörk aufgezeichnet worden waren, seien auf Plattenverschiebungen an der Hvalhnjúks-Verwerfung zurückzuführen, sagt Kristín. In dem Gebiet ereigneten sich alle 50 Jahre schwere Erdbeben mit einer Stärke um M6. Das letzte Beben dort wurde im Jahr 1968 aufgezeichnet, davor gab es 1929 ein schweres Beben.
Die Hauptstadtfeuerwehr erinnert daran, dass es auf der Seite des isländischen Zivilschutzes Anweisungen gibt, wie man sich bei Erdbeben zu verhalten hat.

 

Reykjanes: Norður PTX will Methanfabrik trotz vulkanischer Bedrohung

Auch nach den schweren Erdbeben vom November und den Vulkanausbrüchen vom 10. und 14. Januar ist das Schweizer Unternehmen Norður PTX Reykjanes fest entschlossen, sein geplantes Flüssigmethanwerk im Resourcenpark neben dem Reykjaneskraftverk zu bauen, berichtet Heimildin.

Flüssigmethan aus Kohlendioxid
In der Fabrik soll aus Kohlendioxid aus den Abgasen des Erdwärmekraftwerks Svartsengi stammt und Wasserstoff, der durch Elektrolyse erzeugt wird, Flüssigmethan für den Export produziert werden. Zunächst soll das Kohlendioxid per LKW von Svartsengi nach Reykjanes transportiert werden. Langfristig geplant ist jedoch die Verlegung von unterirdischen Gasleitungen vom Erdwärmekraftwerk zur Fabrik in Reykjanes.
Die neue Fabrik hat für die Herstellung von Flüssigmethan und Wasserstoff einen Energiebedarf von 56 MW. Diese Energie würde aus dem Kraftwerk nebenan kommen.
Heimildin schreibt, dass damit isländische Verschmutzung (CO2), isländische Energie und isländisches Wasser in Form von Flüssigmethan ins Ausland exportiert würde, um dort den Verschmutzungsgrad zu vermindern.

Erdbeben kein Anlass zur Planänderung
Nachdem die gesamte Region seit Oktober 2023 von schweren Erdbeben heimgesucht wurde und am 10. November Grindavík dann geräumt worden war, hatte das isländische Planungsbüro bei Norður PTX angefragt, ob nicht Anlass bestehe, zu überlegen, ob und wie die Pläne durch die veränderten Bedingungen betroffen seien.
Eine Antwort sei Heimildin zufolge noch am gleichen Tag eingegangen: Man halte an dem Projekt unverändert fest. Wenn sich die Bedingungen später änderten, werde man sich nach der neuen Lage richten. Man beharrte auf einer Fertigstellung des Umweltgutachtens noch vor dem Jahreswechsel.
Kurz vor Weihnachten übersandte die Planungsbehörde ihre Bewertung des Umweltgutachtens, und Norður PTX war seinem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Vulkanausbrüche kein Anlass zur Planänderung
Drei Tage bevor die Behörde ihr Abschlussgutachten schickte, brach an der Sundhnúksgígaröð die Erde auf und spie Lava. Seitdem hebt sich unablässig die Erde bei Svartsengi, dem Ort, der den Hauptrohstoff für die Methanherstellung, das Kohlendioxid, liefern soll, möglichst per unterirdischer Gasleitung quer durch die Halbinsel Reykjanes zur geplanten Fabrik.
“Die Haltung des Betreibers ist unverändert von dem was im Antwortschreiben an die Planungsbehörde zu lesen steht,” hiess es von der Norður PTX am 10. Januar auf Anfrage von Heimildin. “Die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben und Vulkanausbrüchen auf der Halbinsel Reykjanes sind seit Beginn des Projektes bekannt, die Vorbereitungen laufen nach Plan und unter Berücksichtigung der Risiken.”

Es folgte der Bau der Schutzwälle um das Kraftwerk, dann brach am 14. Januar nur drei Kilometer von Svartsengi entfernt die Erde auf und spie Lava.
Auch diesmal lautete die Antwort des Unternehmens, man halte an den Plänen fest.

Fachliche Einwände kein Anlass zur Planänderung
Das Naturwissenschaftliche Institut weist in seinem Einwand bei der Planungsbehörde darauf hin, dass sich Wissenschaftler einig seien, vor einem neuen vulkanischen Zeitalter zu stehen, damit hätten sich die Voraussetzungen für das Werk geändert. Von Norður PTX kam die Antwort, man halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Lava unter der Fabrik hervorbreche oder dass Lava über die Fabrik ströme.

Der Naturschutzbund Südwestisland schreibt, selbst wenn das Unternehmen Kohlendioxid einfange, welches bislang ungehindert in die Atmosphäre entweiche, so produziere es aber damit Methan, welches ein weitaus problematischeres Treibhausgas sei. Bei einem Leck im Werk oder einem Unfall sei der Schaden schnell grösser als der Gewinn. Vom Unternehmen heisst es darauf, man habe in der Planung berücksichtigt, alles explosive oder schnell entzündliche Material aus der Fabrik zu verbannen, um die Sicherheit der Arbeiter zu gewährleisten.
Die Umweltbehörde schliesslich macht darauf aufmerksam, dass Lava über die Gasleitungen strömen und sie zerstören könnte, doch auch das bereitet den Methanproduzenten keine Sorge, dann könne man auf Kohlendioxid vom Reykjaneskraftwerk zurückgreifen.

Die Planungsbehörde hatte in ihrem Schlussgutachten ebenfalls auf das vulkanische Zeitalter aufmerksam gemacht und dass die Aktivität Norður PTX zwingen könnte, ihre Unternehmung neu zu überdenken. Dann werde auch ein neues Umweltutachten fällig.

 

Baubeginn für Schutzwall rund um Grindavík

Reykjanes peninsula

Gestern ist mit dem Bau eines Schutzwalls um den von der Lava eines möglichen Vulkanausbruchs bedrohte Küstenort Grindavík begonnen worden. Die Bauarbeiten finden rund um die Uhr statt, bei Fertigstellung wird der Wall dann eine Länge von zwei Kilometern haben.

Schutzwall für 6 Mrd ISK
Am 29. Dezember hatten die Behörden angekündigt, dass Grindavík mit einem Schutzwall ausgerüstet werden soll, um vor Lavaströmen aus möglichen Vulkanausbrüchen in der Region geschützt zu sein. Kaum lag die Genehmigung aus dem Justizministerium vor, begannen auch schon die Bauarbeiten. Dabei halfen Erfahrungen aus dem noch nicht fertiggestellten Bau eines Schutzwalls um das Erdwärmekraftwerk Svartsengi, und diesmal kommen riesige Bagger zum Einsatz, um die enormen Mengen an Material zu fördern. Auch einer aus naheliegenden Grube wird Material herangeschafft.
Der erste Teil des Schutzwalls soll nach drei Wochen stehen, das Gesamtprojekt kostet um die sechs Mrd. ISK (40 Mio EUR)

Der Leiter des isländischen Zivilschutzes, Víðir Reynisson, sagte RÚV gestern, an dem Projekt seien zahlreiche Bauunternehmen beteiligt, die alle rund um die Uhr im Einsatz seien. Auf einen Vulkanausbruch seien alle jederzeit vorbereitet. Die Unternehmen fahren in ihren eigenen Fahrzeugen auf die Baustelle, stehen jedoch in engem Kontakt zu den Einsatzkräften und können im Ernstfall sofort evakuiert werden.
Die Landhebung am Erdwärmekraftwerk hat sich verlangsamt, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass ein neuer Vulkanausbruch bevorsteht. Zumindest war es so bei dem Ausbruch vom Dezember der Fall gewesen.

Besser nicht in Grindavík schlafen
Víðir gab an, die Behörden hätten den Bewohnern von Grindavík dringend angeraten, nicht in der Stadt zu übernachten, auch wenn sie das Recht dazu hätten, und immerhin gibt es auch einige Einwohner, die bis jetzt keine neue Wohnung hatten finden können. Gerade ihnen ist angeraten, sich einer Eruption in Ortsnähe sehr bewusst zu sein. Um sicherzustellen, dass übernachtende Bewohner vor allem Nachts sofort gewarnt werden können, haben die Behörden ein SMS-Warnsystem installiert, ausserdem befinden sich zwei Polizeifahrzeuge in Bereitschaft, um Leute im Ernstfall zu benachrichtigen.

Seit gestern hat sich seismisch in der Region wenig verändert. Um die 60 Erdbeben sind seit Mitternacht aufgezeichnet worden, die Landhebung bleibt unverändert. Heute Vormittag ereignete sich ein heftiges Beben der Stärke 4,5 in der Nähe des Berges Keilir. Experten des isländische Wetterdienstes brachten dieses Beben mit tektonischen Spannungsveränderungen in Zusammenhang.
Ein vulkanischer Ausbruch in der Region gilt weiterhin als hochwahrscheinlich.

Grindavík: Bau der Lavabarriere zum Schutz von Svartsengi und Blauer Lagune hat begonnen

The Blue Lagoon

Heute ist mit dem Bau von Lavabarrieren rund um das Erdwärmekraftwerk Svartsengi und das vom Kraftwerk gespeiste Touristenbad Blaue Lagune begonnen worden. Die Barrieren sollen wichtige Infrastrukturen auf der Halbinsel schützen, sollte es dort zu einem Vulkanausbruch kommen. In der vergangenen Nacht hat das isländische Parlament eine entsprechende Verordnung genehmigt, wonach die Lavabarrieren durch eine Steuererhöhung finzanziert werden sollen.

Die Bauwerke sollen eine Höhe von 6-8 Metern haben und in etwa einem Monat fertiggestellt sein. Die Baumaterialien, Geröll und Erdreich, werden derzeit im nahegelegenen Berg Stapafell abgebaggert. Gestern hatte Justizministerin Guðrún Hafsteinsdóttir angegeben, die Vorbereitungen für die Bauarbeiten liefen gut. Das Erdwärmekraftwerk Svartsengi versorgt die gesamte Region Suðurnes mit Wasser und Strom und zählt daher zur lebenswichtigen Infrastruktur.

Hilfe für evakuierte Bürger
Guðrún Hafsteinsdóttir und Sozialminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson bekräftigten den Wunsch der Regierung, beim Aufbau des zerstörten Grindavík zu helfen und die evakuierten Bewohner zu unterstützen. Die meisten haben alles verloren, ihre Häuser beschädigt und wertlos geworden, viele sind zudem arbeitslos.
Im evakuierten Ortsgebiet waren 200 Unternehmen mit etwa 2000 Angestellten tätig gewesen. Niemand weiss, ob und wie der Betrieb weiterlaufen kann. Vom Arbeitsamt hiess es, Betroffene könnten rückwirkend ab gestern Arbeitslosengeld beantragen.

Neue Steuer auf Hausbesitz
Die Lavabarrieren sollen nach dem Beschluss von letzter Nacht durch eine zusätzliche Steuer auf Hausbesitz finanziert werden. Geplant ist eine Steuer von 0,08% auf den Versicherungswert. Der Besitzer einer Immobilie im Wert von 100 Mio ISK (650.000 EUR) muss also zusätzliche 8000 ISK (52 EUR) Steuern zahlen.  Die neue Steuer soll über drei Jahre eingezogen werden. Allerdings gibt es Beispiele von ähnlichen Steuern, die nicht mehr weggefallen sind.
Die Abgeordnete der Piratenpartei, Þórhildur Sunna Ævarsdóttir und der Vorsitzende der Zentrumspartei, Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, kritisierten die Entscheidung und schlugen vor, die Lavabarrieren durch bereits vorhandene Steuermittel zu finanzieren.

HS Orka und Lagune zahlen nichts
Bürger verlangten, dass die in Privatbesitz befindlichen Unternehmen Svartsengi und Blaue Lagune, die in den vergangenen Jahren erkleckliche Gewinne eingefahren haben, sich an der Finanzierung der sie schützenden Bauwerke beteiligen sollen.
Die HS Orka, die Svartsengi betreibt, befindet sich zur Hälfte im Besitz des britischen Investmentfonds Ancala Partners LLP. Das Unternehmen hat in den vergangenen sechs Jahren um die 33 Mrd ISK Gewinn an seine Teilhaber ausgeschüttet, bei der Blauen Lagune lag die Gewinnausschüttung bei 12,5 Mrd ISK.
Die Kosten für die Lavabarriere werden auf 2,5 Mrd ISK geschätzt. Weder HS Orka noch die Blaue Lagune müssen sich nach Willen des isländischen Parlaments an diesen Kosten finanziell beteiligen.