Rechenzentrum in Akureyri will weiter wachsen

Akureyri

Das Rechenzentrum am Fuße des Hlíðarfjall in Akureyri könnte seine Größe mehr als verdoppeln, wenn die Pläne des Betreibers AtNorth umgesetzt werden. Anfang Januar wird sich der Stadtrat mit dem Ansinnen befassen, berichtet RÚV.

Grösster Datenverarbeiter in den nordischen Ländern
Der Datenverarbeiter AtNorth will die Kapazität seines erst im letzten Jahr errichtetes Rechenzentrum am liebsten gleich im neuen Jahr verdoppeln. Der Datenriese hatte erst im letzten Sommer sein drittes Rechenzentrum in Akureyri in Betrieb genommen. Mit 2500 Quadratmetern und einem Strombedarf von sechs Megawatt im Vollbetrieb gehört das Rechenzentrum zu den grösseren seiner Sorte. Nun wird am Hlíðarfjall mehr Platz benötigt, und das Unternehmen hat bei der Planungsbehörde um ein angrenzendes Grundstück ersucht.
Die verwies den Antrag an den Stadtrat, mit der Begründung, dass ihr die Grundlage fehle, um eine fundierte Entscheidung über das Projekt zu treffen, nicht zuletzt, weil ja nicht bekannt sei, wie energieintensiv der Betrieb des erweiterten Rechenzentrums sein würde und welche Auswirkungen er auf andere Stromgrossverbraucher in der Region haben könnte. Die Baukosten der zusätzlichen drei Gebäude liegen bei geschätzten 12 Milliarden ISK, der Energiebedarf wird sich damit dann von sechs Megawatt auf 14 Megawatt erhöhen.
Nach Angaben des Unternehmens werden 30% der Kapazität von Unternehmen im Inland genutzt, 70% demnach von ausländischen Unternehmen. Island ist bei den grossen Datenverarbeitern beliebt, das kalte Klima hält die Supercomputer kühl, und die für den Betrieb benötigte Energie ist grün und günstig.

Steigende Nachfrage nach Strom
Allerdings scheint der Strom nicht unbegrenzt vorhanden zu sein. Gestern berichtete RÚV, dass auf dem Markt der Haushalte und kleineren Unternehmen eine steigende Nachfrage nach Strom zu verzeichnen sei. Dieser “kleine” Markt macht allerdings nur 20% des gesamt Stromverbrauchs aus, 80% gehen an Grossverbraucher mit Langzeitverträgen.
Woher also dieser plötzliche Anstieg? Landsvirkjun-Chef Hörður Arnason kann sich die Nachfrage nicht erklären. Er findet, dass der Gesetzgeber gefragt ist, denn bislang hindere keine gesetzliche Regelung Grossverbraucher daran, Strom über den Grosshändler zu kaufen, also dem kleinen Markt wegzukaufen.

Unbekannte Grossbesteller
Für das kommende Jahr sind bei Islands Landesstromerzeuger 25% mehr Bestellungen für Energie eingegangen. Bei den privaten Haushalten stieg die Nachfrage nur um zwei Prozent. Die für kleinere Nutzer bestimmte Energie fliesst also offenbar ungeplant irgendwoanders hin. Wer hinter diesen Grossbestellungen steckt, weiss auch Hörður RÚV zufolge nicht. Die Stromprognose der isländischen Energiebehörde bis 2050 führe allerdings eine potentiell erhöhte Nachfrage auf den Betrieb von Rechenzentren zurück, so Hörður.
Einstweilen bekräftigen Politik und Energiebranche, dass die Lieferung bereits vorhandener Energie an Haushalte, und Kleinunternehmen, aber auch Grossverbraucher mit Langzeitverträgen unbedingte Priorität habe. Verträge mit neuen Grossabnehmern müssten mit grosser Vorsicht abgeschlossen werden, so Landsvirkjun-Chef Hörður Arnason.

 

Häfen tragen Verantwortung für Kreuzfahrtverschmutzung

cruiseship, skemmtiferðaskip

Der isländische Hafenverband hat die Geldervergabe des isländischen Energiefonds scharf kritisiert. Der Energiefonds hatte angegeben, Projekte, die die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe reduzieren, finanziell eher nicht zu unterstützen, da diese nicht in die direkte Verantwortung Islands fallen berichtet RÚV.

Der Energiefonds befindet sich im Besitz des isländischen Staates. Per Geldvergabe hält er zu einer Reduzierung des fossilen Brennstoffverbrauchs an. Gerade erst sind 58 Projekte mit 914 Mio ISK aus dem Staatssäckel unterstützt worden. Vom Hafenverband kam am Vormittag harsche Kritik und die Forderung, die Vergaberegeln zu überprüfen. Vier Häfen war nämlich die finanzielle Unterstützung für eine Stromversorgung von Kreuzfahrtschiffen vom Land aus versagt worden.

Auf Nachfrage von RÚV hiess es vom Energiefonds, da die Schiffe zumeist unter ausländischer Flagge unterwegs seien und damit nicht in die direkte Verantwortung Islands fielen, hätten sie keine Priorität. Sollte mehr Geld vom Staat zur Verfügung gestellt werden, könnte es möglicherweise Spielraum dafür geben, die Stromversorgung von Kreuzfahrtschiffen vom Land aus finanziell zu unterstützen. In erster Linie liege es aber am Mangel an Kapital, der die Priorisierung von Projekten bestimme, da die Nachfrage nach dem zur Verfügung stehenden begrenzten Kapital mehr als achtmal höher sei.

Die Energiewendeprojekte der Häfen seien bewundernswert und ganz im Geiste dessen, was der Energiefonds unterstütze. Man kümmere sich da um die Umweltverschmutzung, vor allem der Kreuzfahrtschiffe, die sich negativ auf Umwelt und Luftqualität der Hafenstädte auswirke.
Allerdings seien diese Schiffe zumeist im Ausland registriert, und ihr Kraftstoffverbrauch liege daher nicht in direkter Verantwortung Islands, aber ganz klar in der Verantwortung der Häfen.

Stromverteiler Landsnet wird verstaatlicht

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Der Stromversorger Landsnet hf. wird zum grossen Teil verstaatlicht. Das isländische Finanzministerium und die Energiekonzerne Landsvirkjun, RARIK und Orkubú Vestfjarða haben sich per Vertrag darauf verständigt, dass 93,22 Prozent ihrer Anteile an Landsnet an den Staat gehen. Die verbleibenden 6,78 Prozent hält weiterhin Orkuveitur Reykjavíkur. In einer Mitteilung der Regierung heisst es, dass der Staat für die erworbenen Anteile 63 Mrd ISK zahlt.

Landsnets Anteilseignerschaft hatte sich nach der Gründung auf 64,73 Prozent im Besitz von Landsvirkjun, 22,51 Prozent im Besitz von RARIK, 5,98 Prozent im Besitz von Orkubú Vestfjarða verteilt, sowie die bestehenbleibenden 6,78 Prozent im Besitz von Orkuveitur Reykjavíkur, berichtet Vísir.

Landsnet war im Jahr 2004 auf Gesetzesgrundlage geschaffen worden, und hatte ein Jahr später seinen Betrieb aufgenommen. Der Stromversorger ist als Franchise konzipiert. Er spielt eine wichtige Rolle auf dem Energiemarkt und zeichnet verantwortlich für die Stromverteilung und Verwaltung des Stromnetzes.
Aus dem 2020 veröffentlichten Energieplan bis 2050 geht hervor, dass eine unabhängige Eignerschaft die Grundlage für Transparenz und Gleichheit auf dem Strommarkt sei, daher sei es wichtig, die Eigentumstrennung des Stromverteilers abzuschließen und es in öffentliches Eigentum zu überführen. Die Verstaatlichung von Landsnet entspricht den neuen Änderungen der Energiegesetze und den Gesetzen nach denen Landsnet gegründet worden war.

Landsvirkjun-Chef Hörður Arnason bezeichnete es als unglücklich, dass ein Unternehmen mit Monopolstellung in der Stromverteilung sich im Besitz der Energiekonzerne befunden habe. Das bisherige Eigentumsverhältnis habe nicht zu der Vorstellung gepasst, dass wettbewerbsorientierte Betriebe und Grundversorgungsbetriebe auf dem Energiemarkt getrennt gehörten.
Für RARIK werden die Rollen auf dem Strommarkt mit dem Verkauf nun klarer. Landsnets neue Unabhängigkeit trage zur Gleichberechtigung und zu einer normalen Entwicklung des Energiemarktes in Island bei, hiess es in einem Kommentar.

 

Reykjavíker Hafen stellt auf Strom für Schiffe um

Im Reykjavíker Faxaflói-Hafen ist die Energiewende bereits voll im Gange, denn dort plant man die Bereitstellung von Strom sowohl für anlegende Schiffe während ihres Aufenthaltes, als auch für Schiffe, die Strom auf hoher See nutzen. Nach Angaben von Hafenmeister Gunnar Tryggvasson steht seine Direktion mit drei ausländischen Unternehmen in Verhandlungen für den Bau einer Elektrotreibstofffabrik in Grundartangi, welcher in der Schifffahrt zum Einsatz kommen soll.

Auch stärkere Stromanschlüsse in den Häfen werden erwogen. Im kommenden Monat gehe der grösste Anschluss im Hafenbereich Sundabakki ans Netz, der für das grösste Containerschiff des Landes gedacht sei. Der Landanschluss für kleinere Kreuzfahrtschiffe soll dann im kommenden Sommer im alten Hafen in Betrieb genommen werden.
„Danach prüfen wir Anschlüsse für die grössten Schiffe, aber da sprechen wir von Investitionen in einer Grössenordnung von einer Milliarde Kronen samt ausgedehnter Bauarbeiten. Da muss der Strom zum Hafen gebracht werden. Das sind riesige Schiffe, und da steht dann quasi ein ganzes Dorf an der Kaimauer, was fünf bis zehn Megawatt an Strom benötigt.“

Und noch mehr sei in Vorbereitung. Unter anderem will man die Gebührenliste für ankommnde Schiffe ändern, sodass umweltfreundliche Schiffe weniger zahlen als schwarze Schlote.
Angedacht sei auch, den Hauptkai in Akranes zu verlängern, damit kleinere Kreuzfahrtschiffe die Stadt in Westisland als attraktives Ziel nutzten, denn das würde auch die Belastung durch die vielen Kreuzfahrtschiffe während der Saison besser verteilen.

Wasserlosigkeit bereitet Kraftwerksbetreiber Probleme

Die Lage in der Wasserwirtschaft ist für Islands Kraftwerksbetreiber Landsvirkjun zu Zeit extrem schwierig, denn die Talsperren sind noch weniger gefüllt als im Januar prognostiziert. Auch weiterhin wolle man alles tun, um Stromkunden mit Priorität zu beliefern.
In einer Mitteilung von Landsvirkjun heisst es, dass die Drosselungen an Grosskunden aufgrund der derzeitigen Lage bis Ende April andauern werden. Darüber hinaus kümmert sich Landsvirkjun um den Rückkauf von Strom von Großverbrauchern, insofern entsprechende vertragliche Genehmigungen dies zulassen.

„Das aktuelle Wasserjahr ist eines der schwierigsten in der Geschichte von Landsvirkjun. Die Trockenheit im vergangenen Sommer und Herbst führten dazu, dass sich das Þórisvatn nicht gefüllt hat, welche die wichtigste Talsperre im größten Gewinnungsgebiet des Unternehmens ist. Im Februar fegten zwar viele Tiefdruckgebiete über das Land, sie waren jedoch kalt und brachten Schnee, keinen Regen, sodass kein Wasser ins Hochland gelangte.“

Der Schnee lande zwar irgendwann in die Talsperren, doch das helfe in der aktuellen Lage nur wenig. Der Wasserstand im Þórisvatn sinkt pro Woche um einen Meter, was bedeutet, dass sich bis spätestens Mitte April Tauwetter eingestellt haben muss, damit das Reservoir nicht ganz leerläuft. Auch der Zufluss in die Tungnaá misst derzeit weniger als im Jahr 2014, als man zuletzt zu Kürzungen in der Stromzuteilung hatte greifen müssen.
Das schwere Unwetter im Februar habe ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht, als man nach einem grossen Schaden an den Überlandleitungen die Stromweiterleitung zwischen den Landesteilen drosseln musste. Hinzu kommen unwetterbedingt verminderte Leistungen an den Kraftwerken Vatnsfell, Sultartagi und Burfell im oberen Teil der Þjórsá.
Landsvirkjun hofft, im späten Frühling aus der Wasserlosigkeit zu entkommen und wie gewohnt liefern zu können.

Umweltminister lässt Sicherheit der Stromversorgung im Land prüfen

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Der Minister für Umwelt, Energie und Klima hat eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Stromversorgungssicherheit im Lande eingesetzt, berichtet das Bændablaðið. Die Gruppe soll unter anderem die Befugnisse öffentlicher Stellen prüfen, sowie Maßnahmen zusammenstellen, mit denen eine angemessene Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Im Frühjahr 2021 war eine Änderung des Stromgesetzes vorgenommen worden, mit dem Ziel, die Sicherheit der Stromversorgung in Island zu gewährleisten. Unter anderem ging es bei den Änderungen um die Erstellung von Kritierien für eine Stromversorgungssicherheit, und um die Bewertung einer ausreichenden Stromversorgung. Anfang des Jahres hatte Minister Guðlaugur Þór Þórðarsson um Nominierungen gebeten, die nun eingesetzte Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, eine Verordnung zur Stromversorgungssicherheit zu entwerfen.

Versorgungssicherheit in Bezug auf Haushalte auf dem Prüfstand
Die Gruppe soll sich einen Überblick über den Stromgroßhandelsmarkt verschaffen und Sicherheitsgrenzen für eine angemessene Stromversorgung festlegen. Ausserdem soll sie eine Befugnis der Nationalen Energiebehörde festlegen, nach der diese eingreifen kann, um zu gewährleisten dass die Nachfrage nach Strom befriedigt werden kann.
In einer Mitteilung auf der Website des Ministeriums für Umwelt und natürliche Ressourcen schreibt der Minister, dass es sehr wichtig sei, sich einen Überblick über den Strommarkt zu verschaffen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Stromversorgungssicherheit isländischer Haushalte. Dies sei eine seiner ersten Aktivitäten als Minister für Umwelt und Resourcen gewesen.

Der Arbeitsgruppe sitzt die Leiterin der Energiebehörde, Halla Hrund Logadóttir vor. Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Breki Karlsson für den Verbraucherverband, Friðrik Friðriksson für die HS Orka hf., Kristín Linda Árnadóttir für Landsvirkjun, Svandís Hlín Karlsdóttir für Landsnet hf., Tryggvi Felixson für die isländischen Umweltverbände, und Þrándur Sigurjón Ólafsson für Orka náttúrunnar ohf., Hanna Björg Konráðsdóttir von der Nationalen Energiebehörde und Magnús Dige Baldursson vom Ministerium für Umwelt und Ressourcen sollen der Arbeitsgruppe zuarbeiten.
Bis zum 15. März diesen Jahres hat die Gruppe Zeit, dem Minister einen Entwurf vorzulegen.

Erdkabel im Norden verlegt

Im gerade vergangenen Sommer ist der Stromversorger RARIK im Norden Islands fleissig mit Baggern unterwegs gewesen, um Überlandleitungen in den Boden zu verlegen, berichtet das Bændablaðið. Niemals zuvor sind soviele Erdkabelprojekte zeitgleich durchgeführt worden.

Gleich an vier Stellen wurden die Kabel in den Boden verlegt, und in diesen Tagen soll auch das Svarfaðardalur mit dem neuen Erdkabel ans Stromnetz angeschlossen werden.
Ein weiterer Kabelbagger ist im Öxnafjörður unterwegs, sowie Bagger in Raufarhöfn und im Fljótum. Die Arbeiten sollen solange vorangetrieben werden, wie das Wetter es zulässt.
Der letzte Abschnitt zwischen Kópasker und Raufarhöfn ist ebenfalls in Arbeit, mit Fertigstellung wird Raufarhöfn dann direkt mit dem Stromwerk in Kópasker verbunden sein.
Vom Stromwerk in Árskógssandur im Dalvíkurbyggð wird die Überlandleitung zum Hámundastaðaháls mit einem Erdkabel ersetzt, und auch im Fljótum steht das Erdkabel zwischen Skeiðsfossvirkjun und Ketilás kurz vor der Fertigstellung.

Wenn alle geplanten Kabel im Boden liegen, sind im Norden des Landes etwa 50 Kilometer Erdkabel verlegt und 25 Umspannwerke verbunden worden. Damit konnten dann fast alle Überlandleitungen, die bei dem grossen Adventunwetter im Jahr 2019 beschädigt wurden, in den Boden verlegt werden. Einzig auf Verlegung warten müssen dann noch die Stromleitungen nach Ólafsfjörður und im Fnjóskadalur die Verbindung von Þverá nach Skarð.

Bei dem Unwetter im Dezember 2019 waren zahlreiche Hochspannungsmaste umgekippt oder die Leitungen durch Vereisung beschädigt worden. Viele Höfe hatten tagelang ohne Strom und Heizung dagesessen, was besonders bei Milchviehbetrieben zu grossen Problemen geführt hatte.

60 neue Notstromaggregate für einen möglichen grossen Stromausfall aufgestellt

Etwa 60 Notstromaggregate sind in diesem Sommer im ganzen Land aufgestellt worden, berichtet RÚV. Damit soll im Fall eines Stromausfalls die Versorgung der Telekommunikationsanlagen sichergestellt werden. Der Geschäftsführer der Notrufanlage bestätigte, dass die Hotline 112 nun jederzeit, auch bei Stromausfall, erreichbar sei.

StromGAU während des Adventsturms

Beim grossen Unwetter im Dezember letzten Jahres sassen im Norden hunderte von Haushalten ohne Strom und Telefon da, die Telefonverbindungen waren in weiten Teilen der Westfjorde, des Nordlandes bis in den Osten hin ausgefallen, ein Umstand, der nicht nur private Haushalte und öffentliche Einrichtungen beeinträchtigte, sondern auch die Arbeiten von Einsatzkräften und Rettungsmannschaften über Tage ausbremste. Das Küstenwachschiff Þór etwa diente als Notstromaggregat für die Stadt Dalvík, und die Gemeinde Grindavík lieh ihr eigenes Dieselaggregat in den Norden aus.
In der Folge schuf die Regierung eine Arbeitsgruppe, die die Infrastruktur für Stromverteilung und Telekommunikation voranbringen sollte. Die Gruppe kümmerte sich auch um die Gewährleistung der Notstromversorgung wichtiger Telekommunikationsschaltstellen bei einem grossen Ausfall der Elektrizitätsversorgung.

30 neue Aggregate
Nun sind 60 weitere Notstromaggregate, darunter 30 ganz neue Aggregate aufgestellt worden. Die Lebenserwartung der Ladestationen wurde verlängert, Aggregate vergrössert und Verbindungseinheiten für mobile Aggregate angeschlossen.
Þórhallur Ólafsson, der Geschäftsführer der Notruflinie, der mit der Durchführung des Projekts betraut war, sagt, jetzt könne die Allgemeinheit jederzeit die Notrufnummer anrufen, auch wenn der Strom ausgefallen sei.
Seiner Einschätzung nach könne man es nun mit einem Winter wie dem letzten aufnehmen. “Jetzt kann Weihnachten kommen, und das Unwetter für mich,” sagte er.

Das Stromdrama im Norden – Reparaturen dauern länger als erwartet

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Das kleine Krankenhaus in Hvammstangi in Húnavatnssýsla mit seinen 18 Pflegebetten und ca. 60 Beschäftigten ist während des Adventsturms 48 Stunden lang ohne Strom, Telefon, Mobiltelefon oder Tetranetz gewesen. Das Tetra-Kommunikationsnetz ist ein Notfallnetz, welches von Beteiligten bei Rettungseinsätzen benutzt wird. Nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass es in den zwei Tagen des Unwetters keinen Notfall bei den Patienten gegeben habe, sagte die Bereichsleiterin des westisländischen Gesundheitszentrums, Aldís Ólga Jóhannesdóttir mbl.is gegenüber. Schon vor dem angekündigten Unwetter habe man sich beim örtlichen Stromversorger erkundigt, was im Notfall zur Verfügung stehe, doch der habe gemeint, es würde schon nichts passieren.

Das Krankenhaus verfügt über keinen Notstromaggregat. Das Pflegepersonal leistete seinen Dienst am Patienten mit Stirnlampen. Einen Arzt habe man auch nicht erreichen können, weil es keine Telefonverbindung gab, daher war es Aufgabe der freiwilligen Retter, Patienten im Notfall zu transportieren. Und selbst wenn es einen Dieselaggregat gegeben hätte, hätte man diesen nicht betanken können, weil die meisten Zapfsäulen mit Strom betrieben werden, sagt Aldís. Die Leute seien nach den ernsten Wetterwarnungen durchaus auf alles mögliche vorbereitet gewesen, doch der Zusammenbruch der Infrastruktur habe alle kalt erwischt. Man habe nicht einmal die Nachrichten der öffentlichen Rundfunkanstalt RÚV im Radio verfolgen können.

Auch die Polizei im Norden hatte gestern Sorge, ohne Verbindung nach Reykjavík da zu stehen, wenn die Notstromaggregate am Abend abgeschaltet würden, um Strom zu sparen. “In so einer Lage sind wir noch nie gewesen,” kommentierte der Polizeileiter in Sauðárkrókur, Stefán Vagn Stefánsson. Die Notruflinie 112 funktionierte, hätte aber auch jederzeit ausfallen können.

Lebensgefährliche Lage

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Húnaþing vestra bezeichnete die Lage der vergangenen Tage als lebensgefährlich. “Wir konnten weder Hilfe holen, noch Hilfe leisten,” sagte sie RÚV gegenüber. Durch den Zusammenbruch des Telefonnetzes habe man weder gewusst, was draussen passiere, wie die Lage sei, noch was als nächstes komme. Gestern hatten sich fünf Minister auf den Weg nach Norden gemacht und von Ragnheiður Jóna Ingimarsdóttir einen Lagebericht für ihre Gemeinde erhalten. Sie habe ihnen klargemacht, wie ernst die Lage gewesen sei.

Einige Höfe waren tagelang von der Aussenwelt komplett abgeschnitten, nachdem neben dem Strom auch Telefon- und Mobiltelefonverbindung und das Internet, sowie das Tetranetz ausgefallen waren. Ein Bauer aus dem Skíðadalur hatte immerhin sein Funkgerät zur Verfügung, welches beim Schafetreiben benutzt wird. Jón Þórarinsson auf Hnjúki findet, dass die Gesellschaft auf solche Notlagen nicht mehr vorbereitet ist. Es reiche nicht aus, das Zivilschutznetz in Ordnung zu haben, auch der grössere Zusammenhang und die Gemeinschaft im kleinen Kreis müssten besser vorbereitet sein. Der grosse Sturm sei allen eine Lehre gewesen, sagt er.

Grindavík leiht Notstromaggregate nach Norden aus

Das Rettungsteam von Grindavík im äussersten Südwesten des Landes hat drei schwere Dieselaggregate nach Norden geschickt, um im Svarfardalur Strom für einen grossen Kuhstall mit Melkroboter zu liefern. Die beiden anderen Geräte liefern Strom für einen weiteren Hof und den Ort Dalvík. Alle drei Geräte dienen der Stadt Grindavík als Notlösung bei Stromausfall, schreibt das Rettungsteam in einem Beitrag auf Facebook.

Dalvík erhält den Hauptanteil seines Stroms von See aus, wo das Küstenwachschiff Þór einen Notstromaggregat betreibt. Nach Angaben des Stromunternehmens Landsnet soll am kommenden Mittwoch der Strom für die Stadt wieder bereitstehen, da die Leitungen enteist und 50 gebrochene Holzmasten ersetzt werden müssen. Auch die Kópaskerslinie im äussersten Norden ist mehr beschädigt als zunächst angenommen, hier müssen 14 Masten ersetzt werden.

Stromlose Höfe vier Tage nach dem Sturm

Immer noch sind einige Höfe und Gemeinden im Norden ohne Strom. Das Unwetter hatte am Dienstag begonnen. Die Mannschaften der Elektrizitätswerke arbeiten Tag und Nacht, um die Schäden an Leitungen und Masten zu beseitigen, viele Verbindungen sind unsicher und fallen auch nach Reparatur wieder aus.

Man könne es eigentlich kaum glauben, so sagt eine Bewohnerin im Hörgársveit RÚV gegenüber, dass man im Jahr 2019 in die vierte Nacht ohne Strom im Haus gehen müsse, und das keine 24 Kilometer von der Hauptstadt des Nordens entfernt.

Ein Landwirt aus dem gleichen Tal berichtet, dass er den Stromtrupps Hilfe beim Reparieren der Masten angeboten habe, und am Ende seien auch andere Talbewohner dazugestossen. Zusammen hätten sie es geschafft, die Stromversorgung im Tal wieder herzustellen. Die Leitungen seien ein Kind ihrer Zeit, alt und verschlissen, sagt Agnar Þór Magnússon auf Garðshorn í Pelamörk, und es sei beispiellos, dass es heute noch solche Stromleitungen gebe. Er habe erst mal den Stall aufgeheizt, der nach Ausfall der Lüftung klatschnass und eiskalt gewesen sei. Das Aufheizen des ausgekühlten Wohnhauses dauere lange. Darum habe er Frau und Kinder nach Akureyri gebracht, nun gehe es daran, die Strassen vom Schnee zu befreien. Das sei alles kaum zu beschreiben, sagt Agnar. “Ich glaube, das versteht niemand, ausser er ist dabeigewesen.”

Gemeinde inseriert nach Gasöfen

Die Gemeinde Skagafjörður hatte im Internet um gasbetriebene Öfen zur Ausleihe gebeten, damit Bewohner in ausgekühlten Häusern Räume aufheizen konnten. Selbst aus Reykjavík kamen Angebote mit solchen Öfen, Mitglieder der regionalen Freiwilligenteams kümmerten sich darum, die Öfen nach Norden zu transportieren.

Die Leiter der Telekommunikationsunternehmen waren heute zusammen getroffen, um den katastrophalen Totalausfall der letzten Tage zu diskutieren. Bislang ist nicht bekannt, warum neben dem Strom auch die Telefonverbindung so weiträumig ausgefallen ist. Hrafnkell V. Gíslason, der Chef der isländischen Post, sagte mbl.is gegenüber, es sei klar dass das Stromnetz gestärkt werden müsse. Für einen Katastrophenfall benötige man Plan C, wie etwa Funkgeräte, die sich bislang nur in einigen Mietwagen und auf Schiffen befinden.

Derweil wird die Verantwortung für den Totalausfall zwischen Politik, Stromindustrie und Gemeinden bzw Landeigentümern hin- und hergeschoben. Am grünen Tisch kritisiert man, dass allzuoft Genehmigungen für Stromleitungen nicht erteilt werden, oder dass Umweltaktivisten Bauwerke verhindern. Von Bürgerseite aus wird geklagt, dass notwendige Projekte meist jahrelang dauern, und dass man nicht noch weitere Überlandleitungen wolle, sondern sichere Erdkabel, doch höre man da stets, dies sei zu teuer.

Pferde in Schneewehen verendet

Mindestens sechs Pferde sind in den Schneewehen verendet, zahlreiche Pferde schwer krank, darunter ein Fohlen. Der Zustand des Milchviehs in den Kuhställen wird zur Zeit untersucht, viele Kühe hatten wegen des Strommangels nicht gemolken werden können, was zu Euterentzündungen führen kann.

Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir sagte RÚV gegenüber, man könne sich keine Vorstellung von der ganzen Situation machen, wenn man sie nicht am eigenen Leib erfahren hätte.

Auch heute sind mmer noch 250 Freiwillige der nationalen Rettungsorganisation im Norden bei Einsätzen unterwegs, um den Stromtrupps und Leuten in ausgekühlten Häusern zu helfen.

Den neusten Zahlen nach waren von 4000 registrierten Mitgliedern mehr als 1000 zu Einsätzen im Westen und Norden des Landes ausgerückt. Einer der grössten Einsätze in der Geschichte der Organisation, sagt Geschäftsführer Jón Svanberg Hjartarson RÚV gegenüber.

Sehr geholfen habe, dass die Leute den Warnungen gefolgt seien und in ihren Häusern geblieben waren, sodass es kaum Einsätze wegen steckengebliebener Autos gegeben habe.

Regierung  bildet Arbeitsgruppe

Die Regierung hat gestern beschlossen, eine interministerielle Arbeitsgruppe zu gründen, welche Massnahmen prüfen soll, um die Infrastruktur auf dem Land auf Fordermann zu bringen. Die Infrastruktur müsse in einen Zustand gebracht werden, dass sie Unwetter oder Naturkatastrophen überstehe. Neben der Sicherheit von Strom und Telekommunkation soll sich die Gruppe auch mit dem Verkehr, Bauwerken und dem Sendenetz der staatlichen Sendeanstalt RÚV befassen. Die Sicherheit dieser Strukturen sei Teil der nationalen Sicherheit, schreibt RÚV.

Stromversorgung auf dem Kjölur birgt neue Möglichkeiten

In diesem Sommer soll ein 67 Kilometer langes Erdkabel entlang der Hochlandroute Kjölur verlegt werden, berichtet RÚV. Die Erdarbeiten sollen Ende Juli/Anfang August beginnen und bis zum Herbst abgeschlossen sein.

Das 24 Kilowatt-Kabel wird vom Bláfellsháls nördlich des Gullfoss entlang der Strasse zu den Hütten Árbúðir, Gíslaskáli, zu den Kerlingarfjöll und bis nach Hveravellir verlegt. Zusätzlich zum Stromkabel soll auch ein Glasfaserkabel für schnelle Internetverbindung verlegt werden.

Das gesamte Projekt trägt einer Pressemitteilung von RARIK nach den Namen “Orkuskipti á Kili” (Energiewende auf dem Kjölur).

Die Kosten für das Stromkabel betragen 270 Mio. Kronen. Hinzu kommen 25 Mio. Kronen für ein Umspannwerk und Verbindungsausrüstung bei Brúarhvammur östlich des Geysir. Finanziert wird das Projekt durch die Anschlusskosten, welche die Kunden zu tragen haben, sowie durch zu erwartende Gebühren aus der Nutzung, aber auch der Staat hat Geld zugesagt. Hinzu kommen finanzielle Mittel, die die Gemeinden Bláskógarbyggð, Hrunamannahreppur und Húnavatnshreppur bereitstellen wollen.

Die Gemeindeleitungen halten das Unterfangen für ein wichtiges Umweltprojekt, welches grosse Möglichkeiten schaffe für eine Energiewende, für die ganzjährige Erlebnisnutzung des Hochlandes und Beheizung der Hütten. Bislang müssen fossile Brennstoffe aufwändig ins Hochland transportiert werden, damit die Hütten betrieben werden können, per Dieselaggregat wird nicht nur Licht und Wärme in die Häuser gebracht, sondern auch Wasser in die Leitungen gepumpt.

Tryggvi Þór Haraldsson, der Direktor des Energieversorgers RARIK, sagte RÚV gegenüber, die Verlegung eines Stromnetzes ins zentrale Hochland sei ein kostenintensives Projekt, zudem sei die Strommenge begrenzt, die man durch die Leitung schicken könne. Die Energie, die am Ende vorhanden sei, müsse daher gut genutzt werden.

Mit der Verlegung des Erdkabels auf den Kjölur erhalten die Tourismusanbieter, die Notfall-Hotline und die Telekommunikationsgesellschaften Zugang zur öffentlichen Stromversorgung, welche ihren Bedarf in der nahen Zukunft absichern sollte. Ausserdem schafft dies nun die Möglichkeit, Tankstellen für Elektroautos aufzustellen. All diese Anbieter können sich dann den Stromlieferanten aussuchen, anstatt fossile Brennstoffe für die Stromversorgung zu verbrennen.” erklärte Tryggvi.

Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir begrüsste das Projekt als Erfolg in der Klimapolitik. “Die Zeit für Massnahmen in der Klimapolitik ist abgelaufen. Regierung und Gesellschaft müssen sich nach dieser Tatsache richten, wenn Entscheidungen gefällt werden, die Auswirkung auf den Ausstoss von Treibhausgasen haben. Damit sichern wir, dass Island die Ziele des Parisvertrags bis zum Jahr 2030 einhalten kann. Die Energiewende auf dem Kjölur hat wirkliche Auswirkung und daher ist es befriedigend, dass dieses Ziel nun erreicht wurde,” sagte die Ministerpräsidentin.

Mit Verlegung des Stromkabels dürfte der Dieseltransport ins Hochland, in die Kerlingarfjöll, nach Hvervellir und in die sieben Hütten entlang des Kjölur endgültig der Vergangenheit angehören. Die Stromversorgung löst die Dieselaggregate ab, die ansonsten gegen stärkere Geräte hätten austauscht werden müssen, weil sie den Strombedarf kaum noch hatten decken können. Aber auch der Notfall-Hotline 112 und den Sendern der Mobilfunkunternehmen kommt die neue Stromversorgung zugute.

Das zum Teil internetlose Hochland, etwa in Hveravellir oder in den Kerlingarfjöll, wird zugänglicher, was auch wichtig für die Sicherheit aller Reisenden in der Region ist.

Die Notfall-Hotline hatte bereits im Jahr 2017 Vorrang gehabt, als in Zusammenarbeit mit dem Stromversorger, dem Bláskógabyggð und zwei Tourismusunternehmen ein Kabel von Brúarhvammur bis zum Bláfellsháls verlegt worden war. Die Fortführung dieses Netzes habe grosse Bedeutung, sagte Hotline-Geschäftsführer Þórhallur Ólafsson.

Die Notfall-Hotline ist an diesem Projekt unter anderem deshalb beteiligt, damit die Energiewende durch die Verwendung von umweltfreundlicher Energie anstatt fossiler Brennstoffe vorangetrieben werden kann. In den vergangenen Jahren konnte der Verbrauch von Diesel in den Verteilerstationen um 90 Prozent reduziert werden, das waren 130.000 Liter pro Jahr. Dann ist das Ziel natürlich, die Telefonverbindung durch Strom sicherer zu gestalten als es mit Dieselaggregat möglich war. Damit gibt es weniger Ausfälle, und mehr Möglichkeiten, die 112 zu jeder Zeit zu erreichen, und die Notfallpartner stehen jederzeit in Kontakt. Zum Dritten geht es darum, die Telefonverbindung durch das Glasfaserkabel, welches neben dem Stromkabel verläuft, noch weiter zu verbessern. Der Langwellenbetrieb kann nun beendet werden, er war vor allem in den hohen Bergen schwierig und störungsanfällig. Das Telekommunikationsnetz zwischen dem Norden und Süden erfährt so eine grosse Verbesserung,” erklärte Þórhallur.

Nicht zuletzt die Hütten Arbúðir, Gíslaskáli, Hveravellir und die Hütten in den Kerlingarfjöll profitieren von dem neuen Kabel. In Zukunft sollen auch Abzweigungen zu den Hütten Hvítárnes, Þverbrekknamúla, Fosslæk, Leppistungur und Svínárnes im weiteren Umfeld des Kjölur hinzukommen. Kalte Füsse gehören auch dort bald der Vergangenheit an.

Vilborg Guðmundsdóttir von Myrkholt betreibt drei Hütten entlang des Kjölur. Für sie bedeutet das Stromkabel eine echte Revolution.

Die Hütten und anderen Gebäude entlang des Kjölur kann man nun das ganze Jahr über beheizen, niemand muss mehr kalt und durchnässt schlafen gehen, wenn er ausserhalb der Sommermonate dort übernachtet. Das schafft ganz neue Möglichkeiten und Gelegenheiten für die Leute, das Hochland zu erleben. Das wird eine Revolution, diese Hütten zu betreiben, wenn sie erst an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen sind,” freut sich Vilborg.