E-Autos: Aufladen an Steckdose der Unterkunft ist nicht gestattet

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Nachdem sich der Betreiber eines Gästehauses heute morgen im Internet beschwerte, dass Touristen die Steckdosen ihrer Unterkunft benutzten, um per Notladekabel ihr E-Auto aufzuladen, gibt es nun eine offizielle Mitteilung der isländischen Baubehörde zu dem Thema.

Bei Fahrten aufs Land, so heisst es in der Mitteilung, sei es nicht immer leicht, eine Ladestation dort zu finden, wo es am besten in den Reiseplan passt. Die Verlockung sei da gross, das Notladegerät zu nutzen und einfach die nächstbeste Steckdose anzuzapfen – auf dem Campingplatz, der Unterkunft oder dem Sommerhaus.
Diese Anschlüsse sollten jedoch niemals zum Laden von elektrischen Fahrzeugen verwendet werden, es sei denn, sie sind speziell für diesen Zweck vorgesehen. Bei der Nutzung von nicht dafür ausgelegten Stromanschlüssen kann es zu Unfällen und Bränden kommen.

Jeder einzelne Anschluss zum Laden von Elektrofahrzeugen muss durch eine Überstromschutzeinrichtung und einen Fehlerstromschalter des jeweils korrekten Typs geschützt werden, der nur diesen spezifischen Anschlusspunkt schützt, und nicht etwa alle Anschlüsse im Gebäude.
In den meisten Fällen eignen sich die normalen Hausstromanschlüsse daher nicht, um Elektrofahrzeuge aufzuladen, es sei denn sie sind wie erwähnt gesondert geschützt, und es ist gewährleistet dass der Strom nicht über 8A bis 10A geht.
Für die Aufladung von Elektroautos sowie die Sicherheit dieser Fahrzeuge sind spezielle Richtlinien veröffentlicht worden. Es ist daher wichtig, dass Betreiber von Gästehäusern ihre Gäste entsprechend informieren, ob es vor Ort eine zugelassene Aufladevorrichtung gibt, und wie sie benutzt wird.

 

Stromverteiler Landsnet wird verstaatlicht

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Der Stromversorger Landsnet hf. wird zum grossen Teil verstaatlicht. Das isländische Finanzministerium und die Energiekonzerne Landsvirkjun, RARIK und Orkubú Vestfjarða haben sich per Vertrag darauf verständigt, dass 93,22 Prozent ihrer Anteile an Landsnet an den Staat gehen. Die verbleibenden 6,78 Prozent hält weiterhin Orkuveitur Reykjavíkur. In einer Mitteilung der Regierung heisst es, dass der Staat für die erworbenen Anteile 63 Mrd ISK zahlt.

Landsnets Anteilseignerschaft hatte sich nach der Gründung auf 64,73 Prozent im Besitz von Landsvirkjun, 22,51 Prozent im Besitz von RARIK, 5,98 Prozent im Besitz von Orkubú Vestfjarða verteilt, sowie die bestehenbleibenden 6,78 Prozent im Besitz von Orkuveitur Reykjavíkur, berichtet Vísir.

Landsnet war im Jahr 2004 auf Gesetzesgrundlage geschaffen worden, und hatte ein Jahr später seinen Betrieb aufgenommen. Der Stromversorger ist als Franchise konzipiert. Er spielt eine wichtige Rolle auf dem Energiemarkt und zeichnet verantwortlich für die Stromverteilung und Verwaltung des Stromnetzes.
Aus dem 2020 veröffentlichten Energieplan bis 2050 geht hervor, dass eine unabhängige Eignerschaft die Grundlage für Transparenz und Gleichheit auf dem Strommarkt sei, daher sei es wichtig, die Eigentumstrennung des Stromverteilers abzuschließen und es in öffentliches Eigentum zu überführen. Die Verstaatlichung von Landsnet entspricht den neuen Änderungen der Energiegesetze und den Gesetzen nach denen Landsnet gegründet worden war.

Landsvirkjun-Chef Hörður Arnason bezeichnete es als unglücklich, dass ein Unternehmen mit Monopolstellung in der Stromverteilung sich im Besitz der Energiekonzerne befunden habe. Das bisherige Eigentumsverhältnis habe nicht zu der Vorstellung gepasst, dass wettbewerbsorientierte Betriebe und Grundversorgungsbetriebe auf dem Energiemarkt getrennt gehörten.
Für RARIK werden die Rollen auf dem Strommarkt mit dem Verkauf nun klarer. Landsnets neue Unabhängigkeit trage zur Gleichberechtigung und zu einer normalen Entwicklung des Energiemarktes in Island bei, hiess es in einem Kommentar.

 

Reykjavíker Hafen stellt auf Strom für Schiffe um

Im Reykjavíker Faxaflói-Hafen ist die Energiewende bereits voll im Gange, denn dort plant man die Bereitstellung von Strom sowohl für anlegende Schiffe während ihres Aufenthaltes, als auch für Schiffe, die Strom auf hoher See nutzen. Nach Angaben von Hafenmeister Gunnar Tryggvasson steht seine Direktion mit drei ausländischen Unternehmen in Verhandlungen für den Bau einer Elektrotreibstofffabrik in Grundartangi, welcher in der Schifffahrt zum Einsatz kommen soll.

Auch stärkere Stromanschlüsse in den Häfen werden erwogen. Im kommenden Monat gehe der grösste Anschluss im Hafenbereich Sundabakki ans Netz, der für das grösste Containerschiff des Landes gedacht sei. Der Landanschluss für kleinere Kreuzfahrtschiffe soll dann im kommenden Sommer im alten Hafen in Betrieb genommen werden.
„Danach prüfen wir Anschlüsse für die grössten Schiffe, aber da sprechen wir von Investitionen in einer Grössenordnung von einer Milliarde Kronen samt ausgedehnter Bauarbeiten. Da muss der Strom zum Hafen gebracht werden. Das sind riesige Schiffe, und da steht dann quasi ein ganzes Dorf an der Kaimauer, was fünf bis zehn Megawatt an Strom benötigt.“

Und noch mehr sei in Vorbereitung. Unter anderem will man die Gebührenliste für ankommnde Schiffe ändern, sodass umweltfreundliche Schiffe weniger zahlen als schwarze Schlote.
Angedacht sei auch, den Hauptkai in Akranes zu verlängern, damit kleinere Kreuzfahrtschiffe die Stadt in Westisland als attraktives Ziel nutzten, denn das würde auch die Belastung durch die vielen Kreuzfahrtschiffe während der Saison besser verteilen.

Energieeffizienz Islands vergleichbar mit Mosambique

Im Jahr 2020 ist etwa 37 Prozent mehr Strom an Datenverarbeitungszentren als an alle isländischen Haushalte verkauft worden, zitiert das Fréttablaðið Zahlen der Energiebehörde. Von diesem an die Datenverarbeitungszentren gelieferten Strom ging ein grosser Teil in die Bitcoingewinnung.
Das bedeutet mit anderen Worten, dass mehr Strom an die Datenverarbeitungsanlagen geht als an sämtliche Haushalte, Krankenhäuser, Altenheime, Kirchen, Kindergärten, Schulen und Universitäten und alle Schiffe in den Häfen des Landes.

Nach der Debatte um den vorhersehbaren Strommangel in Island und die daraus folgende Notwendigkeit für den Bau von mehr Kraftwerken sagte die Vorsitzende der Umweltschutzorganisation Landvernd, Auður Önnu Magnúsdóttir, ganz offensichtlich werde die in Island produzierte Energie schlecht genutzt.
„Dies zeigt, dass es in Island keine Prioritäten beim Energieverkauf gibt. Energie ist eine sehr begrenzte Resource und wir müssen sie sinnvoll und gewinnbringend einsetzen. Es ist inakzeptabel, Islands Naturperlen zu opfern, die weltweit einzigartig sind, nur um nach elektronischen Münzen zu graben.”

Verkaufter Strom bringt keine Steuereinnahmen
Die Energienutzung der Isländer erhielt auch ein hartes Urteil in der britischen Zeitschrift The Economist in einer Länderliste zur schlechtesten Energienutzung (least efficient energy use). Für die Listenplätze wird ausgerechnet, wieviel Bruttoinlandsprodukt ein Land für jede produzierte Energieeinheit erhält.
In der Kategorie schlechteste Energienutzung thront der Kongo auf dem ersten Platz, auf Platz zwei sitzt Trinidad und Tobago, auf den Plätzen drei und vier finden sich Island und Mosambique.
Kein traditionelles Vergleichsland in Island kommt an dieses schwache Ergebnis bei der Energienutzung heran, und Auður sagt, das weise darauf hin, dass die Energieunternehmen im Namen der Landsleute geradezu schaurige Verträge mit riesigen internaionalen Unternehmen geschlossen und denen Strom verhökert hätten.
„Der Grossteil der Energieproduktion in Island ist damit an sehr ungünstige Vereinbarungen mit Unternehmen gebunden, die in diesem Land niemals Einkommenssteuer auf Gewinne zahlen mussten und werden. Dadurch wird hierzulande wenig Einkommen pro Energieeinheit erwirtschaftet,“ erklärt Auður. Ihrer Ansicht nach ist die isländische Natur für alle Zukunft zerstört worden, ausschliesslich um die Gewinne grosser internationaler Unternehmen zu mehren.

 

Energiewende benötigt Studie zufolge bis zu 125% mehr Energie

Krafla Mývatnssveit power plant electricity

Island müsste seine Energiegewinnung um 125 Prozent ausweiten, um einen vollständigen Wandel hin zu grüner Energie zu vollziehen, heisst es in einer aktuellen Studie der Regierung. Der isländische Umweltminister sagt, die Studie kann als Basis zur Entscheidungsfindung dienen, es sei jedoch Sache der Behörden, wie sie die Informationen aus der Studie nutzen. Die Vorsitzende der isländischen Umweltschutzorganisation Landvernd kommentierte, mit zusätzlichen Kraftwerke opfere man die isländische Natur und sie seien kein notwendiger Schritt, um die Umweltziele des Landes zu erreichen.

“Klar ist, dass dies nötig ist, wenn wir die Energiewende schaffen wollen,” meint der Minister für Umwelt, Energie und Klima, Guðlaugur Þór Guðlaugsson. “Es gibt jedoch viele Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Und das ist auch kein politisches Programm. Es ist eine Studie und sie erläutert, wie die Lage aussieht. Jetzt müssen Parlament und Regierung daran arbeiten, wie man die Sache am besten angeht.”

Innovation braucht verfügbare Energie
Die Studie legt sechs Zukunftsszenarien für eine Energiegewinnung in Island vor, fünf von ihnen würden zusätzliche Produktion bedeuten. Nur vier Szenarien gehen davon aus, dass das Land die Energiewende im Jahr 2040 vollzogen hat: dazu gehört der vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe innerhalb der kommenden 18 Jahre. Wenn dieses Ziel gelten würde, und gleichzeitig mehr energieintensive Industrie betrieben würde, dann müsste Island 125 Prozent mehr Energie produzieren als heute. Dafür würden dann nicht nur zusätzliche Kraftwerke benötigt, auch die Effizienz der bestehenden Kraftwerke müsste gesteigert werden, ausserdem bräuchte es Energiesparmassnahmen, sowie eine effizientere Energienutzung.

Energiegewinnung ist ein Schlüsselfaktor für Innovation und Arbeitsplatzbeschaffung im ganzen Land, so Sigríður Mogensen vom isländischen Industrieverband und eine der Autorinnen der Studie. “Es hat viele in Entwicklung befindliche Projekte gegeben, wie etwa in der Lebensmittelproduktion, Biotechnologie, Algenzucht, und ich könnte weiter aufzählen, die aufgrund von Strommangel oder der schlechten Stromübertragung leider nicht möglich gewesen sind.“

Natur opfern für mehr Energie?
“Es ist eine Frage davon, welche Entscheidungen wir treffen. Wenn dies Realität wird, dann treffen wir die Entscheidung, die isländische Natur zu opfern,” kommentierte Auður Önnu Magnúsdóttir, die Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation Landvernd, die Studie. Ihrer Ansicht nach braucht es keine Mehrproduktion von 125 Prozent um die Energiewende zu vollziehen.
Schon zuvor hatte Auður für echte Energiesparmassnahmen plädiert, wie “Diversifikation des Tourismus, Küstenschifffahrt, passiven Hausbau, Wärmepumpen, und echte Massnahme für mehr Energieeffizienz wie etwa die Abwärme aus Kraftwerken zu nutzen. Heute gehen 80 Prozent der produzierten Energie direkt in die Schwerindustrie. Das ist keine sinnvolle Priorisierung.”

Umweltminister lässt Sicherheit der Stromversorgung im Land prüfen

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Der Minister für Umwelt, Energie und Klima hat eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Stromversorgungssicherheit im Lande eingesetzt, berichtet das Bændablaðið. Die Gruppe soll unter anderem die Befugnisse öffentlicher Stellen prüfen, sowie Maßnahmen zusammenstellen, mit denen eine angemessene Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Im Frühjahr 2021 war eine Änderung des Stromgesetzes vorgenommen worden, mit dem Ziel, die Sicherheit der Stromversorgung in Island zu gewährleisten. Unter anderem ging es bei den Änderungen um die Erstellung von Kritierien für eine Stromversorgungssicherheit, und um die Bewertung einer ausreichenden Stromversorgung. Anfang des Jahres hatte Minister Guðlaugur Þór Þórðarsson um Nominierungen gebeten, die nun eingesetzte Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, eine Verordnung zur Stromversorgungssicherheit zu entwerfen.

Versorgungssicherheit in Bezug auf Haushalte auf dem Prüfstand
Die Gruppe soll sich einen Überblick über den Stromgroßhandelsmarkt verschaffen und Sicherheitsgrenzen für eine angemessene Stromversorgung festlegen. Ausserdem soll sie eine Befugnis der Nationalen Energiebehörde festlegen, nach der diese eingreifen kann, um zu gewährleisten dass die Nachfrage nach Strom befriedigt werden kann.
In einer Mitteilung auf der Website des Ministeriums für Umwelt und natürliche Ressourcen schreibt der Minister, dass es sehr wichtig sei, sich einen Überblick über den Strommarkt zu verschaffen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Stromversorgungssicherheit isländischer Haushalte. Dies sei eine seiner ersten Aktivitäten als Minister für Umwelt und Resourcen gewesen.

Der Arbeitsgruppe sitzt die Leiterin der Energiebehörde, Halla Hrund Logadóttir vor. Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Breki Karlsson für den Verbraucherverband, Friðrik Friðriksson für die HS Orka hf., Kristín Linda Árnadóttir für Landsvirkjun, Svandís Hlín Karlsdóttir für Landsnet hf., Tryggvi Felixson für die isländischen Umweltverbände, und Þrándur Sigurjón Ólafsson für Orka náttúrunnar ohf., Hanna Björg Konráðsdóttir von der Nationalen Energiebehörde und Magnús Dige Baldursson vom Ministerium für Umwelt und Ressourcen sollen der Arbeitsgruppe zuarbeiten.
Bis zum 15. März diesen Jahres hat die Gruppe Zeit, dem Minister einen Entwurf vorzulegen.

Stromverknappung betrifft Industrie und Datenzentren

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Islands nationaler Energieversorger Landsvirkjun hat kurzfristig entschieden, die Stromabgabe an Industrieunternehmen, wie Fischmehlfabriken, Aluminiumschmelzen und Datenzentren zu reduzieren, berichtet RÚV. Die Entscheidung war gefallen, nachdem es einem Stromengpass gegeben hatte, der auf mehrere Ursachen zurückzuführen gewesen war, zusätzlich gab es Probleme an einem Umspannwerk, niedrige Wasserstände in den Talsperren und eine verringerte Übertragungskapazität. Die betroffenen Unternehmen mussten daraufhin entweder ihren Betrieb herunterfahren oder auf andere Energiequellen wie Öl umstellen.

Datenzentren fahren Betrieb zurück
Der nationale Stromkonzern hatte ursprünglich angekündigt, dass es eine Verknappung im Januar geben werde. Vorgestern wurde die Versorgung jedoch mit sofortiger Wirkung reduziert. Sigríður Mogensen vom isländischen Industrieverband erklärte, die Stromverknappung hätte eine sofortige Wirkung auf die Datenzentren. “Wir wissen von Fällen, wo isländische Datenzentren leider den Kundenservice beenden mussten [gestern]; früh am morgen, nachdem diese Information bekannt wurde. Das bedeutet einen sofortigen Ertragsverlust, und wir dürfen gerne im Kopf behalten, dass die Datenverarbeitungsindustrie pro Jahr mindestens 20 Mrd ISK in ausländischen Devisen für die nationale Wirtschaft einbringt.”

Islands billige erneuerbare Energie und die niedrigen Durchschnittstemperaturen im Land, die die Notwendigkeit von aufwendiger Kühlung verringern, hatten die Insel in den letzten Jahren zu einem attraktiven Standort für Datenzentren und Kryptowährungsindustrie werden lassen Sigríður zufolge könnten die aktuellen Engpässe eine langfristige Auswirkung auf das Gewerbe haben, weil potentielle Kunden nun die Energiesicherheit in Island in Frage stellen würden. “Das wäre dann ein endgültiger Verlust für die Wirtschaft, und wir müssen unsere Lektion daraus lernen, um für die Zukunft zu planen.”

Der Geschäftsführer der Fischmehlfabriken Síldarvinnslan in Ostisland sagte, die Engpässe würden die Produktion selbst nicht tangieren, aber höhere Kosten für das Unternehmen verursachen, weil man jetzt Öl als Energielieferanten nutzen müsse. “Die Ölpreise sind zur Zeit hoch, wohingegen beim Strompreis berücksichtigt werden muss, dass es wie jetzt zu Verknappungen können kann. Von daher wird dies eine Preiserhöhung mit sich bringen.” Die Loddensaison steht vor der Tür, damit ist ein hoher Energiebedarf in den Fischmehlfabriken absehbar.

Strombetriebener Fährverkehr nach Heimaey

Herjólfur ferry

Die Fähre Herjólfur, die die Westmännerinseln mit dem Hafen Landeyjarhöfn auf dem Festland verbindet, ist heute morgen zum ersten Mal nur mit Strom betrieben worden, berichtet RÚV.

Vor einem Jahr hatte die Regierung 830 Mio. ISK bereitgestellt, um leistungsstärkere Batterien und Verbindungsausrüstung für die Ladestation zu finanzieren, damit der Fährverkehr zwischen Heimaey und dem Festland zukünftig ausschliesslich per Strom betrieben werden kann.

Das lief unglaublich gut. Wir sind die anderen drei Fahrten von den Westmännerinseln heute auch nur mit Strom gefahren. Da wir in Landeyjarhöfn nicht laden können, mussten wir für die Rückfahrt den Dieselmotor in Betrieb nehmen. Das verspricht Gutes, und gute Dinge passieren eben langsam,” äusserte sich Kapitän Sigmar Logi Hinriksson begeistert.

Der Wechsel von Diesel auf Strom bringe nur geringe Veränderungen für den Schiffsführer und die Passagiere mit sich.

Das ist natürlich sehr bequem, wenn keine Maschine läuft. Da gab es immer so eine Vibration, wenn auch sehr gering. Mit dem Strom ist auch das verschwunden. Das ist ein Vorteil,” findet der Kapitän.

Fakten aus dem Energie-Ablasshandel

Strandir wilderness

Immer weniger Strom in Island wird durch erneuerbare Energie hergestellt. Daten der isländischen Energiebehörde zufolge liegt der Satz inzwischen bei nur noch 11 Prozent. Hingegen werden 34 Prozent der Energie durch Atomkraft produziert, und 55 Prozent durch Kohle, Öl und Gas.

Zustandegekommen sind diese eigenartigen Zahlen, nachdem Herkunftszertifikate im Rahmen des internationalen Emissionshandels ins Ausland verkauft wurden, berichtet das Bændablaðið in seiner neusten Ausgabe.

Ein grosser Widerspruch ist in diesen Zahlen zu finden, denn gleichzeitig gibt die Energiebehörde an, dass 99,99 Prozent des Stroms in Island aus erneuerbarer Energie hergestellt wird. Erklärt wird der Widerspruch durch den Verkauf von Herkunfts- und Sauberkeitszertifikaten isländischer Energieunternehmen an ausländische Firmen, die “schmutzige” Energie benutzen, um ihre Produkte herzustellen.

Im Gegenzug müssen isländische Energieunternehmen die Verschmutzung die aus der Produktion ausländischer Unternehmen in die Atmosphäre geblasen wird, bei sich gutschreiben. Und das alles, ohne dass irgendwelche Energie die Insel verlassen hat und ohne dass ein nennenswerter Import von CO2 oder Atommüll stattgefunden hat, schreibt das Bændablaðið.

Weisses Energiemäntelchen aus Island

Schon im Jahr 2014 hatte der damalige Vorsitzende des isländischen Gartenbauverbandes auf diese eigenartige Seite der Energierechnung hingewiesen. Im Folgejahr waren die Verkäufe von Herkunftszertifikaten deutlich zurückgegangen, nachdem Parlamentarier und Minister angekündigt hatten, sich der Sache anzunehmen. Doch Worten waren keine Taten gefolgt, und das Pendel war wieder zurückgeschwungen.

In einer Erklärung des Energieunternehmens Landsvirkjun zum Thema Sauberkeitszertifikate waren ausländische Kunden darauf hingewiesen worden, dass sie das Zertifikat dazu nutzen können, allerlei Umweltzertifikate zu erhalten und ihre Waren solcherart dekoriert zu einem höheren Preis vermarkten können als zuvor. Und dies, obwohl sie weiterhin schmutzige Energie in ihrer Produktion einsetzen. Dem ahnungslosen Kunden gegenüber wird kein Wort über die Ethik solcher Geschäfte verloren, vielmehr glaubt der Kunde, er zahle den höheren Preis für Produkte eines Unternehmens, welches eine umweltfreundliche Herstellung betreibt.

Ablasshandel schwärzt die grüne Energiewirtschaft

Die Herkunftszertifikate werden im Rahmen des Emissionshandels seit dem Jahr 2011 von isländischen Energieunternehmen verkauft. Den Daten der Energiebehörde ist zu entnehmen, dass in jenem Jahr 89 Prozent des Stroms in Island aus erneuerbaren Energien bestand. Nur fünf Prozent wurden (auf dem Papier) mit Atomenergie hergestellt, und sechs Prozent mit fossilen Brennstoffen.

Im Jahr 2018 war der Anteil des sauberen isländischen Stroms auf 11 Prozent des Gesamtenergieverkaufs gesunken. Weitere 34 Prozent wurden (auf dem Papier) durch radioaktives Uran erzeugt, und 55 Prozent kamen aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas. Vom sauberen Energieland Island bleibt da (auf dem Papier) nicht viel übrig.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Anteil des aus erneuerbarer Energie hergestellten Stroms in diesem Jahr auf dem Papier auf unter 10 Prozent gesunken ist. Hier spielt bedingt durch die grosse Debatte um die Erderwärmung die Nachfrage nach Ablassbriefen auf dem Energiemarkt eine Rolle. Alle wollen demonstrieren, dass sie zumindest auf dem Papier keine Treibhausgase verursachende Energie zur Herstellung nutzen, auch wenn sie das de facto tun.

Island wird zum Umweltverschmutzer auf dem Papier

Im Gegenzug zum Verkauf der Herkunftszertifikate isländischer Stromversorger schreiben Isländer sich auf dem Papier nun die Verantwortung für die Umweltverschmutzung ausländischer Hersteller, die sich mit sauberen Zertifikaten “made in Iceland” eingedeckt haben, in ihre Bücher.

Aus den Daten der Energiebehörde geht hervor, dass durch die 34 Prozent aus Atomenergie hergestellter Energie für Island 0,94 Milligramm radioaktive Müll pro Kilowattstunde “gut”geschrieben werden. Für das Jahr 2018 sind das 19 Tonnen radioaktiver Müll.

Die 55 Prozent Energie, die mithilfe von fossilen Brennstoffen erzeugt wird, hinterlässt 443,13 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde Strom. Unterm Strich hat das grüne Enegieland Island durch diesen modernen Ablasshandel im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen.