Ausgrabung: Im Stöðvarfjörður lebten Saisonjäger und Siedler Tür an Tür

Bei den Ausgrabungen in Stöð im Stöðvarfjörður mehren sich Hinweise darauf, dass das ältere der beiden Gebäude nicht etwa ein Wohnhaus von Siedlern gewesen ist, sondern ein Saisonstützpunkt. berichtet austurfrett. Sollte sich das bestätigen, würde es beweisen, dass solche Saisonstützpunkte noch betrieben wurden, als die Besiedlung Islands längst im Gange war. Anders gesagt – Saisonstützpunkte und dauerhafte Niederlassungen haben zu Beginn der Besiedlung eine ganze Weile nebeneinander existiert.

Jäger lebten neben Siedlern
Aus dem Grabungsbericht des Archäologen Dr. Bjarni F. Einarsson geht hervor, dass das jüngere Gebäude C14 Untersuchungen zufolge um das Jahr 950 entstanden ist und bis nach 1000 gestanden hat, das ältere ist zu Beginn der Besiedlung um 870 herum entstanden. Unter den Fundamenten fanden sich jedoch Spuren, die älter als 870 sind.
Gefundene Artefakte weisen auf eine unterschiedliche Nutzung der Gebäude hin. Das jüngere Gebäude sei demnach das typische Wohnhaus eines niedergelassenen Anführers gewesen. Die Gegenstände, die man in dem älteren Gebäude fand, dienten anderen Zwecken als für eine bäuerliche Siedlung mit ihren typischen Tätigkeiten typisch sind. Das lässt darauf schliessen, dass das ältere Gebäude weiter als Saisonstützpunkt genutzt und dann als Wohngebäude umgenutzt wurde.

Expats der alten Welt
Die Saisonstützpunkte sind ein in der nordischen Kultur bekanntes Phänomen. König, Anführer und Grossbauern schickten ihre Leute an solche Stützpunkte, weit von der Heimat entfernt, um dort die an dem jeweiligen Ort vorhandenen Tiere zu jagen und zu verarbeiten. Im Osten Islands waren das Fisch, Seehund, Vögel, möglicherweise Wale und Haie. Fleisch und Speck wurden vor Ort verarbeitet und etwa Öl aus dem Speck gewonnen. Die Erzeugnisse sind dann zum Herbst hin nach Hause verschifft und dort genutzt oder vermarktet worden.

Keine Nutztiere am Stützpunkt
Einer der Haupthinweise auf die nicht-bäuerliche Nutzung des älteren Gebäudes ist das völlige Fehlen von Nutztieren und Wollverarbeitung. Letztere findet sich in dem jüngeren Gebäude, wo sie wie auf allen bäuerlichen Höfen der Siedler ein wichtiger Teil der landwirtschaftlichen und häuslichen Arbeit war.
Eine grosse Menge an Funden im jüngeren Gebäude hingegen kann andere Gründe haben. Dort wurden nämlich mehr Gegenstände gefunden als in vielen anderen Anführerhallen in Island. „Man kommt nicht um den Gedanken herum, dass die Anzahl der Artefakte in Stöð nicht nur auf den Reichtum des Hofes zurückzuführen ist, sondern auch darauf, dass die Gegenstände eine Art endgültige Opferung des Gebäudes darstellen, als es verlassen wurde und man neue Wohnhäuser auf dem Hügel errichtete, wo seitdem der Bauernhof steht.“ heisst es im Grabungsbericht.
Dieser Schritt könnte auch mit der Übernahme des Christentums zusammenhängen, das sich langsam im Land durchsetzte und von Anführern als erstes übernommen wurde.

Stein mit eingeritztem Schiff älteste bildliche Darstellung in Island

Viking ship carving stone Stöð archaeology

Archäologen in Island haben einen Sandstein gefunden, in den ein Wikingerschiff eingeritzt ist. Dieser Stein könnte die älteste bildliche Darstellung sein, die je in Island gefunden wurde. Der Stein wurde am Ausgrabungsort Stöð im Stöðvarfjörður in einem Langhaus gefunden, das möglicherweise noch vor der Besiedelung errichtet worden sein könnte, berichtet RÚV.

Reich bestücktes Langhaus
Die ersten Erkundungsgrabungen in Stöð waren im Jahr 2015 unternommen worden. Seitdem sind Archäologen jeden Sommer an den Ort zurückgekehrt, um an der Freilegung eines Langhauses aus der Besiedlungszeit zu arbeiten. “Das Langhaus gehört zu den grössten, die je in Island gefunden wurden, es misst 31,4 Meter. In Skandinavien waren nur die Häuser der Anführer länger als 28 Meter. Es ist auch das am reichsten bestückte Langhaus, das in Island je ausgegraben wurde. Wir haben 92 Perlen und 29 Silbergegenstände gefunden, darunter römische Münzen und Münzen aus dem Mittleren Osten.” hatte der Archäologe Bjarni F. Einarsson Iceland Review im Jahr 2020 erklärt.

Ältestes Gebäude von vor der Besiedlung
Doch die Geschichte von Stöð geht noch weiter, denn unter dem Langhaus aus der Siedlerzeit fanden Archäologen dann ein noch älteres Langhaus, welches auf das Jahr 800 n.Chr. zurückdatiert wird, also 75 Jahre vor der offiziellen Besiedelung des Landes. Hier fehlten interessanterweise jegliche Hinweise auf Tierknochen. Doch nicht etwa weil die Bewohner frühe Vegetarier waren, sondern ganz im Gegenteil: “Meine Theorie ist dass das ältere Langhaus ein saisonales Jagdcamp war, betrieben durch einen norwegischen Häuptling, der Reisen nach Island ausstattete, um Werte zu sammeln und sie übers Meer nach Norwegen zu bringen.” erklärte Bjarni. Einer dieser Werte könnte Elfenbein von Walrössern gewesen sein: im Jahr 2019 konnten Untersuchungen und C14-Datierungen bestätigen, dass es in Island einmal eine heute ausgestorbene nordatlantische Walrossart gegeben hat.

Erster in Island gefundener geritzter Stein
Der kleine, aber bemerkenswerte Sandstein mit dem eingeritzten Wikingerschiff unter vollen Segeln war in den Wänden des älteren Langhaus gefunden worden. Solche in Knochen, Holz und Stein eingeritzten Schiffszeichnungen sind recht häufige Funde in den nordischen Ländern, doch dies war der erste Fund in Island und sehr wahrscheinlich die älteste bildliche Darstellung, die je auf der Insel aufgetaucht ist.
In diesem Frühjahr hatten die Archäologen ein grösseres Gebiet in Stöð per Geoskop untersucht und Hinweise auf noch mehr bauliche Strukturen und Bootsgräber gefunden. Viel ist nicht bekannt über die frühe Besiedelung des Landes, aber die Anzahl von in Stöð gefundenen Perlen, Münzen und Silber weisen auf einen bemerkenswerten Reichtum und Handel hin.

Lachszucht im Mjóifjörður: Ausschreibung auf Eis und Warten auf ein neues Gesetz

Auch der stille Mjóifjörður im Osten Islands ist vor den grossen Lachszuchtkonzernen nicht mehr sicher: zwar wird vorerst nichts aus einer Ausschreibung für neue Lizenzen, bevor der Gesetzgeber nicht ein Gesamtziel für die Branche formuliert und auf die Kritik des isländischen Rechnungshofes reagiert hat. Bereits vorliegenden Anträge auf Zuchtgebiete, die von der Ausschreibung nicht betroffen sind, werden allerdings dennoch bearbeitet, berichtet RÚV.

Die Ausschreibungen für Lachszuchtgenehmigungen im Mjóifjörður liegen solange auf Eis, wie die Überprüfung des Rahmenwerk für die meeresgestützte Fischzucht dauert. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat für die Parlamentssaison 2024 einen Gesetzentwurf in Aussicht gestellt, der die industrielle Fischzucht in Island in eine klare Bahn bringen soll.

Lachszucht auf Ausschreibung?
Der Mjóifjörður in den Ostfjorden, der “enge Fjord”, könnte der erste Fjord des Landes werden, wo die meeresgestützte Fischzucht auf gesetzlicher Basis ausgeschrieben wird. Das funktioniert jedoch nicht rückwirkend, daher gehen die Standorte etwa in Seyðisfjörður und Stöðvarfjörður an die Parteien, die sie zuerst beantragt hatten.
Mit 75% hat sich in Seyðisfjörður ein grosser Teil der Bevölkerung gegen diese Industrie ausgesprochen, wie die Abgeordnete der Linksgrünen, Jódís Skúladóttir, gestern in einer Rede vor dem Parlament darlegte.
Sie sei gekommen um von dem “Horror” zu sprechen, der in ihrem Wahlkreis daheim gerade geschehe, und es sei beispiellos, dass weder Regierung noch Kommune oder sonst wer auf 75% der Einwohner hören könne, die dagegen seien. Es könne nicht sein, dass die industrielle Fischzucht auf Verlangen ausländischer Investoren einfach durchgedrückt werde.

Belastungsempfehlung für Mjóifjörður steht aus
Für den Mjóifjörður hatte das Marineforschungsinstitut auf Bitten des damaligen Ministers Kristján Þór Júlíusson ein Belastungsgutachten angefertigt.
Ein solches Gutachten über die Belastungsfähigkeit eines Standortes ist der erste Schritt in der Vorbereitung einer Region für die meergestützte Fischzucht: es wird beurteilt, wie der Fjord mit wieviel Lebendmasse in den Gehegen fertig wird. Eine in Tonnen angegeben Belastungsempfehlung liegt für den Mjóifjörður jedoch noch nicht vor, obwohl sowohl Fischkonzerne als auch Einheimische darauf drängen.

Ministerium arbeitet auf Hochtouren an Rahmengesetz
In einer Antwort des Ministeriums an RÚV heisst es, man arbeite daran, auf den Bericht des Finanzhofes zu reagieren, der unlängst auf erhebliche Mängel bei Verwaltung und Aufsicht über die Lachszucht hingewiesen hatte. Ausserdem liegt ein Bericht der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zu Lage und Zukunft der industriellen Fischzucht in Island vor. Eine ministerielle Arbeitsgruppe, die sich mit Seuchenschutz in meeresgestützten Gehegen befasst hat, hat ihre Ergebnisse bereits abgeliefert, im Frühjahr soll eine weitere Arbeitsgruppe ihren Bericht zum Entkommen von Zuchtfisch aus den Meeresgehegen einreichen. Aus all diesen Ergebnissen soll dann innerhalb des Ministeriums ein neues Ziel erarbeitet werden, welches im Frühjahr 2024 dem Parlament als Gesetzentwurf vorgelegt wird.
Während also Politik und Ziele in der Fischzucht auf dem Prüfstand stehen, habe man entschieden, die Ausgabe neuer Lizenzen zu drosseln. Die Ausschreibung für den Mjóifjörður sitzt damit in der Warteschleife. Bereits vorliegende Anträge werden jedoch trotz der Formulierung neuer Ziele bearbeitet.