Mehr standesamtliche als kirchliche Trauungen in 2023

Hallgrímskirkja lutheran church in Iceland

Im vergangenen Jahr, 2023, sind Daten des Statistischen Amtes zufolge mehr Isländer auf dem Standesamt der Präfektur getraut worden (43%) als von einem Priester der isländischen Staatskirche (33,9%). Damit haben die standesamtlichen Trauungen zum ersten Mal die kirchlichen Trauungen zahlenmässig übertroffen, berichtet Vísir.

Ostisland mit den meisten Trauungen
Von den 4870 Personen, die im Jahr 2023 in den Stand der Ehe getreten sind, wurden 2095 vom sýslumaður (Präfekt) getraut, 1650 Personen wurden von einem Priester der Staatskirche getraut. 12% der Eheschliessungen sind durch andere religiöse Gruppierungen vorgenommen worden, 11% haben sich im Ausland trauen lassen. Interessanterweise hat es per 1000 Einwohner die meisten Trauungen im Osten des Landes gegeben, gefolgt vom Nordwesten und Nordosten.
Die Zahlen beziehen sich nur auf Personen mit einem gemeldeten Wohnsitz in Island und einer Personenkennziffer, nicht auf Besucher, die nach Island kommen um sich trauen zu lassen.

Isländische Trauregeln in Kürze
In Island darf der Präfekt (sýslumaður) Trauungen vornehmen, sowie Priester der Nationalkirche, Oberhäupter von offiziell registrierten Glaubensgemeinschaften, sowie säkulare philosophische Organisationen. Für eine Trauung in der Präfektur sind 11.000 ISK (73 EUR) an Gebühren fällig, das jeweilige Standesamt entscheidet, wo die Gebühr entrichtet wird.

Bei Trauungen durch den Präfekten muss kein Ringtausch vorgenommen werden. Gäste können natürlich mitgebracht werden, jenachdem wieviel Platz am gewählten Trauungsort vorhanden ist. Auf Wunsch kann das Standesamt auch Trauzeugen einbestellen.

Ehewillige müssen nach isländischem Gesetz mindestens 18 Jahre alt und mündig sein. Ausserdem müssen alle finanziellen Vergleiche, Scheidungen oder Nachlassangelegenheiten abgeschlossen sein, wenn sie zuvor verheiratet waren. Darüber hinaus darf ein zukünftiger Ehegatte kein Nachkomme des anderen sein, auch Geschwisterehe ist verboten. Das Gleiche gilt für Stiefeltern und Stiefkinder, sofern die Adoption nicht rechtskräftig aufgehoben wurde
In der App Íslendingabók können Isländer nachschlagen, in wieweit sie mit einer Person verwandt sind, auf die ihr Auge gefallen ist.

COVID19: Kirchen geschlossen, Neujahrsmessen im Radio zu hören

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Staatskirchen werden an diesem Jahreswechsel leer bleiben. Das hat Bischöfin Agnes M. Sigurðardóttir angesichts der neuen Coronawelle mit der Omikronvariante angekündigt.
Die religiösen Zeremonien der evanglisch-lutherischen Staatskirche werden zwar stattfinden, doch allesamt hinter verschlossenen Türen. Gläubige können den Zeremonien im Radio bei Rás 1 beiwohnen.
Am Silvesterabend findet um 18 Uhr eine Andacht in der Hallgrímskirche statt. Pastor Sigurður Árni Þórðarson liest die Messe, dazu gibt es Musik vom Chor der Hallgrímskirche unter der Leitung von Steinar Logi Helgason.
Am Neujahrstag um 11 Uhr wird eine Messe in der Reykjavíker Domkirche gefeiert. Die Feierlichkeiten werden von Bischöfin Agnes M. Sigurðardóttir, Pastor Sveinn Valgeirsson und Pastorin Elínborg Sturludóttir gehalten. Organist: Kári Þormar. Es singt der Chor der Domkirche.
Am 2. Januar um 11 Uhr findet eine Messe in der Áskirche im Laugardalur statt. Die Messe hält Pastor Sigurður Jónsson. Organist: Bjartur Logi Guðnason. Es singt der Chor der Áskirche.

Die evanglisch-lutherische Staatskirche ist die grösste religiöse Institution in Island, 62 Prozent der Einwohner sind Kirchenmitglieder. Zweitgrösste religiöse Instititution mit 4 Prozent ist die katholische Kirche. Etwa 7,6 Prozent der Isländer gehören keiner Glaubensgemeinschaft an.

Der aktuellen Coronawelle ist es zu verdanken, dass die Kirchen geschlossen bleiben. An den Weihnachtstagen waren 1600 Personen positiv getestet worden, alleine am 26. Dezember hatte es 664 Infektionen gegeben. Obwohl es aus anderen Ländern Hinweise darauf gibt, dass die Omikron Variante weniger Krankenhauseinweisungen verursacht, waren die Seuchenschutzmassnahmen am 2. Dezember strenger gestaltet worden, weil Infektionen dennoch zu Krankheitsfällen führen und den Betrieb der Universitätsklinik belasten.

 

Bischöfin Agnes bittet LBGT-Gemeinschaft um Vergebung

LGBTQIA

Die isländische Staatskirche und der LGBT-Verband Samtökin 78 haben gestern ein Projekt der Zusammenarbeit gestartet, welches den Namen Ein saga – eitt skref (Eine Geschichte – ein Schritt) trägt. Darin sollen persönliche Erfahrungsberichte über Vorurteile und Widerstand der Kirche gegen die Rechte von Menschen mit anderen sexuellen Ausrichtungen gesammelt werden. Im kommenden Frühjahr will man diese Geschichten dann der Öffentlichkeit zugänglich machen.

“Im nächsten Frühjahr werden diese Geschichten in den Kirchen des Landes aufgehängt. Dort so verteilt, dass sie allen offenbar sind. Sodass wir alle wissen, was die Leute haben durchmachen müssen,” sagte Islands Bischöfin Agnes M Sigurðardóttur bei einer Ansprache am gestrigen Tag des Freudenmarsches (gleðigöngur), der COVID-bedingt nicht abgehalten werden konnte, und daher gestreamt wurde.
Der Tag war den Initiatoren als passend für die Ankündigung erschienen.

Wunden heilen nicht
Um 13 Uhr hatte gestern eine Veranstaltung stattgefunden, bei der die isländische Bischöfin die LGBT-Gemeinschaft förmlich um Vergebung bat.
“Ich bitte die LGBT-Gemeinschaft im Ganzen und alle die, die Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Staatskirche erlebt haben, um Vergebung.”
Jeder müsse diese Entschuldigung für sich selber bemessen, doch sei klar, dass nicht alle Wunden verheilt seien.

“Nein, die Wunden sind nicht verheilt. Manche Wunden heilen niemals, aber es bildet sich Schorf darüber,” sagte Agnes, und die Vorsitzende der Samtökin 78, Þorbjörg Þorvaldsdóttir, pflichtete ihr bei. Die Entschuldigung der Bischöfin habe grosse Bedeutung.

An vielen Kirchen des Landes wurden gestern passend zum Anlass auch Flaggen in den Regenbogenfarben gehisst.