Windrad in Þykkvibær im 7. Sprengversuch gefällt

Im Örtchen Þykkvibær an der Südküste Islands ist gestern Abend ein defektes Windrad gesprengt worden. Das Windrad hatte in der Neujahrsnacht gebrannt, danach war entschieden worden, die Anlage ganz zu beseitigen, damit sie in den Unwettern, die für die kommenden Tage auf dem Programm stehen, nicht zur Gefahr werden.
Die isländische Küstenwache schickte dazu Sprengstoffexperten, doch so einfach wie das Projekt zunächst aussah, war es am Ende dann nicht.
Und weil so eine Sprengung nicht jeden Tag stattfindet, übertrug Vísir die Aktion live auf seiner Webseite. Bei Twitter wurde fleissig kommentiert und so mancher befand, die Sprengaktion sei spannender als das Fernsehprogramm.
Nach dem fünften Sprengversuch stand die Windmühle aus deutschem Stahl nämlich immer noch ungerührt in der Gegend herum, und neuer Sprengstoff musste aus Reykjavík herangekarrt werden.
Begonnen hatte die Aktion gegen 14 Uhr. Bei eisiger Kälte zündeten die Experten Sprengladung nach Sprengladung, ohne dass der Turm aus Stahl und Eisen sich rührte.

100 Kilo Sprengstoff für deutschen Stahl
Ásgeir Guðjónsson, einer der Sprengstoffexperten der Küstenwache, erklärte gestern abend, die Sprengung sei eins der schwierigsten Projekte gewesen, die sein Team jemals auf den Tisch bekommen habe. Insgesamt seien um die 100 Kilo Sprengstoff benutzt worden.
Berechnungen zufolge habe der Stahlturm vor Anbruch der Dunkelheit fallen sollen. Am Ende wurde es dann ein Wettlauf mit der Zeit, denn das angekündigte Unwetter wartet ja nicht. Eine Woche Vorbereitungszeit hatte es gegeben, für die Sprengung selbst war der Truppe ein Tag Zeit gewährt worden.
“Das war 20 Zentimeter dicker Stahl, und solch einen Stahlring zu stürzen, ist ein richtig schwieriges Unterfangen. Das ist nicht einfach und eigentlich eine komplexe Ingenieurssprengung, was die Leute da machen. Wir sind ja nun Sprengstoffexperten, aber so eine Sprengung veranstalten wir auch nicht jeden Tag. Schwierig und herausfordernd und eine Menge an Berechnungen,” sagte Ásgeir Vísir gegenüber.
Beim siebten Versuch um halb acht gestern Abend fiel der Stahlturm schliesslich endlich um.

Tausende hatten das Spektakel in der Liveübertragung mitverfolgt. “Wir haben nichts zu verbergen, nicht in diesem Projekt,” kommentierte Ásgeir lachend. “Keine Fehler und nichts, was da passiert ist, und wenn das so war, dann war das eben so. Wir haben einen breiten Rücken und nehmen das halt auf uns.” Am Ende des Tages seien doch alle zufrieden. “Wir hoffen, dass das isländische Volk sich heute amüsiert hat und an etwas anderes denken konnte,” meinte der Sprengstoffexperte am Schluss.

Dänische Windräder, die sich kaum drehten
Die aus Dänemark stammenden Windkraftanlagen waren im Jahr 2014 durch das Unternehmen Biokraft in Þykkvibær aufgestellt worden, doch lange drehten die Rotorblätter sich nicht, denn 2017 kam es zu einem Feuer in einem der Windräder, dessen Ursache nie geklärt wurde, danach gab es einen Schaden in dem anderen Rad, und schliesslich standen beide damals 21 Jahre alten Räder still. Das Unternehmen beantragte die Genehmigung zur Aufsetzung zwei neuer Windräder, die jedoch nicht erteilt wurden, zumal von Anwohnern Klagen über Lärmbelästigung gekommen waren. Im Jahr 2019 meldete die Biokraft Insolvenz an und wurde an das Unternehmen Háblæs verkauft, welches am Ende die Sprengung veranlasste.

 

Immer mehr Wanderer entdecken Weltkriegsbomben

WWII explosives Iceland

Die COVID Pandemie hat dazugeführt, dass reisehungrige Isländer nun vermehrt im eigenen Land auf Wanderschaft gehen, wo sie neben der schönen Natur leider auch andere Dinge finden, berichtet RÚV. Eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Minen aus dem Zweiten Weltkrieg ist in diesem Frühling von Wanderern entdeckt worden, und die Sprengstoffexperten der isländischen Küstenwache kommen kaum damit nach, die Sprengsätze zu entschärfen.

Die Soldaten sind weg, die Bomben bleiben
Die Britische Marine war am 10. Mai 1940 in Island gelandet. Später wurden die Briten durch kanadische und amerikanische Truppen ersetzt. Die Truppen sind schon lange abgezogen, ihre Sprengsätze und Minen blieben. Allein in diesem Jahr sind bei den Behörden 15 Meldungen über gefundene Weltkriegsbomben eingegangen – normalerweise erhalten sie um die 50 Meldungen pro Sommer, der hier im Juli beginnt.

“In diesem Frühjahr haben wir viel früher bemerkt, dass Leute militärische Hinterlassenschaften in der Natur finden, was normalerweise nicht vor dem Sommer passiert. Das hat natürlich damit zu tun, dass die Leute eher im eigenen Land reisen.” sagt Ásgeir Guðjónsson, ein Sprengstoffexperte von der isländischen Küstenwache. “Diese Minen und Bomben hier in der Natur sind aus Stahl und liegen seit über 70 Jahren hier, und sie sind gefährlich, weil die Zeit das Material instabil gemacht hat.”

Sprengsätze werden oft gezündet
Ásgeir sagt, man wisse nicht, wieviele solcher Minen in Island noch liegen, aber es könnten durchaus tausende oder sogar abertausende sein. Sie sind nicht nur im Land verteilt, sondern auch im Meer rings um das Land. Manchmal ist die Zündung der Bombe am sichersten, wie es erst vor wenigen Tagen auf der Halbinsel Reykjanes durchgeführt worden war.
Ásgeir bittet Wanderer darum, solche Funde auf keinen Fall zu berühren oder gar zu bewegen, sondern sofort die Polizei zu informieren. “Wir wollen, dass die Leute ein Foto von dem Fundort aufnehmen und direkt die Polizei benachrichtigen,” damit der Sprengsatz entschärft werden kann.