“Volaða land” auf dem Weg zum Oskar

Der Spielfilm Volaða land von Hlynur Pálmasson ist als isländischer Beitrag auf die Auswahlliste in der Kategorie Bester ausländischer Film zur Oskar-Verleihung 2024 gesetzt worden, berichtet RÚV.
Auf der Liste befinden sich Vorschläge aus 88 Ländern, doch nur 15 Kandidaten werden es auf die Nominierungsliste schaffen. Am 23. Januar wird dann die endgültige Liste mit fünf Filmtiteln veröffentlicht.

Volaða land (dt. das elende Land) ist eine Geschichte vom Kampf des Menschen mit der Natur, mit seinem Glauben und seiner tierischen Natur. Gegen Ende des 19. Jahrhundert reist ein junger dänischer Priester nach Island, um dort eine Kirche zu errichten und die Inselbewohner zu fotografieren. Ein eigenwilliger Reiseleiter führt den Priester zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf dem Pferderücken durch das Land. Im Verlauf der Reise verliert der Priester den Bezug zur Wirklichkeit, seinen Plan und auch seine eigene Moral.
Hier gibt es den Trailer.

“Unterwegs mit Mama” für den Preis des Nordischen Rates nominiert

Þröstur Leó Gunnarsson

Der isländische Spielfilm Á ferð með mömmu (Unterwegs mit Mama) ist für den diesjährigen Preis des Nordischen Rates nominiert worden. Der Gewinner wird am 31. Oktober in Oslo bekanntgegeben.
Der Preis des Nordischen Rates wird seit 2002 vergeben und ehrt herausragende Spielfilme, die ihre Wurzeln in der nordischen Kultur haben. Für den Wettbewerb sind alle Spielfilme zugelassen, die zwischen dem 1. Juli 2022 und dem 30. Juni 2023 produziert wurden. Jedes der fünf nordischen Länder kann einen künstlerisch bedeutsamen Spielfilm nominieren, der bereits im Kino gezeigt wurde.
Dem Gewinner winken 300.000 dänische Kronen, umgerechnet etwa 40.000 Euro, wobei das Preisgeld zu gleichen Teilen zwischen Drehbuchautor, Regisseur und Produzent aufgeteilt werden muss. Bei der Preisverleihungszeremonie am 31. Oktober werden die Gewinner verkündet.

Zum ersten Mal ist mit Alanngutt Killinganni auch ein grönländischer Beitrag dabei, eine Regiearbeit von Malik Kleist.
Island schickt in diesem Jahr den Film Á ferð með mömmu (Unterwegs mit Mama) ins Rennen, eine Regiearbeit von Hilmar Oddson. Die schwarze, surreale Komödie spielt im Jahr 1980 und begleitet Jón, der sich nach dem Tod seiner Mutter mit ihren sterblichen Überresten und ihrem Hund Breschnjew auf den Weg nach Eyrarbakki macht, um dort ihrem Begräbniswunsch nachzukommen. In der Produktion von Hlín Jóhannesdóttir und Marianne Ostra sind Þröstur Leó Gunnarsson, Kristbjörg Kjeld, Hera Hilmarsdóttir, und Tómas Lemarquis zu sehen.

Schon ein paar Mal ist der Preis des Nordischen Rates an einen isländischen Spielfilm gegangen, darunter an Lambið von Valdimar Jóhannsson, Hross í oss und Konan fer í stríð von Benedikt Erlingsson, sowie Fúsi von Dagur Kári.
Die Nominierungen findet man hier.

Reykjavík wird Kulisse für Spionagethriller

Reykjavík pond

Island erfreut sich auch weiterhin grosser Beliebtheit bei der internationalen Filmindustrie. Kürzlich etwa drehte ein Filmteam Szenen für einen Arnaldur Indriðason-Krimi in der Secret Lagoon in Flúðir, Ende März wird die Strasse zum Kleifarvatn für drei Tage wegen Dreharbeiten gesperrt, und Anfang April dreht das TrueNorth Team dann in Downtown Reykjavík Szenen für den Spionagethriller Heart of Stone, einer Regiearbeit von Tom Harper, der dann beim Streaminganbieter Netflix zu sehen sein wird.

Leifur B. Dagfinnsson, der Produzent von TrueNorth, meint, Heart of Stone werde zu einer riesige Werbekampagne für Reykjavík und Island.
Wegen komplizierter Aufnahmen müssen einer Mitteilung der Stadtverwaltung zufolge Frakkastígur, Sæbraut und das Gebiet um die Konzerthalle Harpa für mehrere Stunden für den Verkehr gesperrt werden. Das Drehteam besteht aus 600 Mann, hinzu kommen über 300 Schauspieler und Nebendarsteller.
Leifur sagte Vísir, der Umfang der Dreharbeiten sei vergleichbar mit denen für Flags of our Fathers von Clint Eastwood, der seinerzeit in Sandgerði aufgenommen worden war. Dieser Film war nur einer von vielen, die teilweise zur gleichen Zeit in Island gedreht wurden, wie etwa Tomb Raider, Batman Begins und der James Bond-Film Die Another Day.

Auch Einer Hansen Tómasson von der Marketingabteilung der Tourismusbehörde sieht in Spielfilmen eine hervorragende Werbung für das Land als Reiseziel. „Das ist natürlich eine gute PR für Stadt und Land. Diese Projekte haben gezeigt, dass sie Touristen ins Land ziehen,“ erklärte er. Dabei sei es wichtig dass die Dreharbeiten nicht nur in der Natur stattfänden, sondern auch in den Städten und Orten, und das gebe es nun immer öfter.
Nicht nur Netflixzuschauer haben am Ende etwas von den Dreharbeiten, sondern auch Hotels und Restaurants, denn das 1000 Mann starke Drehteam von TrueNorth muss ja angemessen übernachten und mindestens einmal am Tag mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden.

Grösstes Filmstudio Europas könnte in Reykjavík stehen

Netflix/Lilja Jónsdóttir

Das Spielfilmunternehmen Reykjavík Studios hat eine 4000 Quadratmeter grosse Werkshalle im Stadtteil Gufunes erworben, um dort zwei Produktionsstudios für Kinofilme einzurichten. Regisseur und Produzent Baltasar Kormákur sagte RÚV gegenüber, wenn die Studios in Betrieb genommen seien, könne man dort Spielfilme wie Harry Potter aufnehmen.

Momentan ist das Gebäude noch unansehnlich, doch schon bald sollen dort gleich zwei Studios untergebracht werden. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr einem Verkauf des Grundstücks am Gufunesvegur 21 zugestimmt, wo zuvor eine alte Düngemittelfabrik untergebracht gewesen war. Reykjavík Studios und True North boten beiden, erstere erhielten den Zuschlag gegen Zahlung von rund 320 Mio ISK und können nun ihr bereits bestehendes Studio im Nachbargebäude ergänzen.

Damit entsteht dort eins der grössten Filmstudios in ganz Europa, Baltasar Kormákur zufolge möglicherweise auch ein bisschen zu gross, weswegen man plane, die Räumlichkeiten mit schallisolierten Wänden zu unterteilen und zwei kleinere Studios daraus zu machen, die besser für den isländischen Film geeignet seien. Während der Produktion der Serie Katla etwa seien vier Projekte zur gleichen Zeit im gleichen Haus gelaufen. Das neue Gebäude stehe später möglicherweise auch offen für Konzerte und andere Veranstaltungen.

Zum Herbst hin, so hofft Baltasar, könnten die Arbeiten am neuen Studio beendet sein. Dann sei es auch möglich, richtig grosse Spielfilmprojekte in der Grössenordnung von Harry Potter in Angriff zu nehmen – vorausgesetzt, die Regierung halte ihr Versprechen, die Filmindustrie auch weiter finanziell zu unterstützen, denn die Umbaukosten werden auf etwa eine Mrd Kronen geschätzt.

Zweifachnominierung in Cannes für den isländischen Film Dýrið (Lamm)

lamb dýrið noomi rapace

Das isländische Drama Dýrið (Lamm), eine Regiarbeit von Valdimar Jóhannsson, hatte gestern Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes. Der Film ist für die Goldene Kamera und für den Preis Un Certain Regard nominiert worden. Dýrið ist Valdimars Debüt als Regisseur, und wie er RÚV erzählt, ist es nicht nur eine grosse Ehre sondern auch ein Traum für ihn wahrgeworden, dass der Film für das Festival ausgewählt wurde.

Dýrið erzählt die Geschichte eines kinderlosen Ehepaares, María und Ingvar, die “ein mysteriöses Neugeborenes auf ihrem Hof in Island entdecken. Die unerwartete Aussicht auf ein Familienleben schafft viel Freude, bevor sie die beiden am Ende zerstört.” heisst es in der Inhaltsangabe bei IMDb. Valdimar führte Regie, das Drehbuch hatte er zusammen mit dem isländischen Autor Sjón verfasst.

Die beiden Hauptrollen sind mit der Schwedin Noomi Rapace und dem Isländer Hilmir Snær Guðnason besetzt. Noomi hat als Kind in Island gelebt, dies ist ihre erste Rolle in isländischer Sprache. Die Schauspielerin erzählt dass sie für die Rolle lernte, einem Lamm bei der Geburt zu helfen. “Ein isländischer Farmer hat mir das gezeigt, aber dann ging alles ganz schnell,” berichtet sie in einem Interview mit France24. “Ich bekam einen Tritt und er rief, da kommt ein Lamm! Und ich musste zum Stall rennen und meine Hände in das Schaf stecken und ein Lamm herausziehen.” Sie nannte die Erfahrung “Wahnsinn. Ich sah wie Leben beginnt und wie diese unglaublich schöne Kreatur zum ersten Mal aufstand und nach zwei oder drei Minuten zu trinken begann.”

“Wir kommen grad wieder zu uns nach dieser wunderbaren Premiere,” sagte Produzentin Sara Nassim nach dem Abend. “Der Saal war voll, es gab Standing Ovations am Ende der Vorführung. Wir hoffen dass die Leute den Film mochten. Bislang sind alle Reaktionen sehr gut gewesen, und es wurde viel über den Film gesprochen.”
Dýrið wird in Island voraussichtlich im Herbst Premiere haben. Hier gibts den Trailer.

Filmstrategie der Regierung soll der Branche den Weg ebnen

Golli. Filming of the 2019 Áramótaskaup, an annual comedy revue program screened on New Year's Eve in Iceland

Die isländische Kultusministerin hat eine erste umfassende Richtlinie der Regierung für die Filmindustrie des Landes veröffentlicht. Die Initiative “Filmstrategie bis 2030 – Eine Kunstform am Kreuzweg” ist Teil einer Strategie, die darauf abzielt, Islands Wirtschaft im Hinblick auf kreative Produktion breiter auszugestalten. Island ist eins der wenigen Länder, wo die Filmproduktion auch während der COVID-19 Pandemie weiterläuft.
“Die isländische Filmindustrie hat sich rasch entwickelt und ist von höchster Qualität,” schreibt Kultusministerin Lilja Alfreðsdóttir in einer Pressemitteilung ihres Ministeriums. “Als Kunstform ist das Filmemachen für die Öffentlichkeit erreichbar und besonders wichtig bei der Bemühung, die Sprache zu stärken und zu erhalten, die Gegenwart zu reflektieren und Geschichte und kulturelles Erbe verständlich zu machen.”

Das Filmemachen ist ein zukunftsorientierter internationaler Wirtschaftszweig, heisst es in der Pressemitteilung, aber auch eine nachhaltiger. “Es schafft Werte für die Staatskasse, schafft fast 4000 direkte und indirekte Arbeitsplätze, es zieht ausländische Investitionen an und weckt international immer mehr Respekt.”

Island ist eines der wenigen Länder, wo die Filmproduktion auch während der Pandemie fortgeführt werden konnte, einmal weil es den Behörden gelungen ist, das Virus weitgehend im Zaum zu halten, aber auch, weil es ein dezidiertes Seuchenschutzprotokoll gibt, um die Drehorte sicher zu halten. In Nordisland etwa hat das Filmorchester SinfoniaNord Filmmusik live aufgenommen, und dabei online mit Kunden auf der ganzen Welt zusammengearbeitet.

Isländischer Streamingdienst soll Filme ins Haus bringen
Die Filmstrategie hat vier Ziele. Sie soll eine reichhaltige Filmkultur schaffen, welche sowohl die Identität der Nation wie die isländische Sprache stärkt, sie soll eine breitere und ehrgeizigere Ausbildung im Filmbereich anbieten, die Wettbewerbsposition der Branche stärken und Island dabei unterstützen, eine bekannte internationale Marke in der Filmindustrie zu werden.
Zehn lokale und internationale Aktionen sollen dabei helfen, diese Ziele zu erreichen, natürlich gehört staatliche Finanzierung dazu, aber auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Filmemachern und der Regierung, sowie die Schaffung einer Ausbildung in der Filmproduktion auf Universitätsniveau. (die isländische Spielfilmschule bietet derzeit Diplomprogramme an)
Dazu sollen Massnahmen kommen, die die Arbeitsbedingungen verbessern, wie etwa Stipendien für Drehbücher, aber auch die Vermarktung der Insel als Drehort für ausländische Produktionen.

Der isländische Film soll auch für die einheimische Öffentlichkeit erreichbarer gemacht werden.  Während bislang so mancher im Inland produzierte Film nur im Programmkino Bíó Paradís gezeigt wurde und die Bevölkerung auf dem Lande darauf warten musste, dass er vielleicht irgendwann einmal im Fernsehen gesendet wird, soll nun isländischer Streamingdienst dafür sorgen, dass lokale Produktionen von allen angesehen werden können.

Lilja Ósk Snorradóttir, die Vorsitzende des Verbandes der isländischen Filmproduzenten (SÍK), sagte dem Fréttablaðið: “Wir feiern diesen Meilenstein. Das ist die erste umfassende Strategie der Regierung im Bereich des Films, und es wird sowohl die isländische Kultur und Sprache stärken, wie auch die Wirtschaft voranbringen.”

 

Ausländische Filmcrews in B-Quarantäne wären Option für diesen Sommer

Filmdreharbeiten in Island könnten in diesem Sommer durchaus in Betracht kommen. Das Interesse internationaler Produktionsfirmen ist gross, berichtet RÚV.

Auch wenn internatonal gesehen die Filmproduktion bedingt durch die Coronakrise derzeit auf Eis liegt, ist zumindest eine Serienproduktion des Streamingriesen Netflix zur Zeit in Island im Gange. Einar Hansen Tómasson, Projektleiter bei der Íslandsstofa, bestätigt, auch andere Produktionsfirmen hätten Interesse angemeldet. Island gelte in Bezug auf die erfolgreiche Seuchenbekämpfung als gute Option.
“Das ist natürlich eine Gruppe, die man sehr leicht isolieren kann. Die kommt ins Land, geht direkt ins Hotel, und in dem Hotel sind dann keine anderen Leute, und dann fährt sie zum Drehort und arbeitet,” sagt Einar.

Die Einnahmen durch ausländische Spielfilme und Serien, die in Island produziert worden sind, belaufen sich auf hunderte Millionen Kronen. Als Beispiel sei der Spielfilm The secret life of Walter Mitty genannt, der an die drei Milliarden Kronen in Island hinterliess. Die achte Folge von Fast and Furious liess sogar noch mehr Geld im Land. Da geht es also um richtig viel Umsatz.

“Diese Projekte haben natürlich grosse Auswirkung. Sie benutzen Hotels, viele Mietwagen, sie brauchen natürlich Essen und andere Dienstleistungen, und dann ist da die PR unglaublich gross. Das was man Filmtourismus nennt,” erklärt Einar. Etwa 37 Prozent aller Touristen, die auf die Insel gereist sind sind, hatten Island ausgewählt, weil sie das Land in einem Spielfilm oder einer TV-Serie gesehen hätten. Zudem brächten die Produktionsfirmen Devisen ins Land.

Auch Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes der Polizei und Krisenstabsmitglied in der Coronakrise, sieht hier durchaus Möglichkeiten. Es gebe ja Beispiele dafür, dass ausländische Arbeitskräfte ins Land kämen – Leute im Gesundheitswesen, oder beispielsweise Fischzuchtexperten – und ihre Arbeit verrichten. Sie gehen in die sogenante B-Quarantäne, was bedeutet, dass sie ihr Arbeitsprojekt räumlich getrennt von anderen verrichten und danach nach Hause gehen und sich dort aufhalten.

“Das spielt eigentlich keine Rolle, was genau für eine Arbeit das ist, wenn man das jeweilige Projekt so aufziehen kann, wie zum Beispiel in der Fischzucht, oder auch andere Firmen, die sich Fachleute ins Land holen,” meint Víðir. “Und alles, was innerhalb des Quarantänerahmens Platz findet, kommt dann natürlich auch in Frage.”