Flüchtlinge: Regierung konnte 72 Palästinenser aus Gaza holen

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Gestern Abend sind 72 Palästinenser mit einer Aufenthaltsgenehmigung für Island über die Grenze nach Ägypten gebracht worden, diesmal nach politischer Intervention durch die isländische Regierung, berichtet Heimildin. Die Geretteten können auf der Grundlage einer Familienzusammenführung nach Island einreisen.

Fünf Frauen holten Flüchtlinge über die Grenze
Die israelische Regierung hatte am Wochenende einer von der isländischen Regierung vorgelegten Namensliste zugestimmt, auf denen Personen verzeichnet waren, die das Recht haben, in Island zu leben, heisst es in einer Mitteilung des Aussenministeriums.
Islands Regierung hatte sich zuvor erhebliche Kritik dafür gefallen lassen müssen, wie lange es gedauert hatte, die Visainhaber aus dem Gazastreifen zu holen. Dort war ihre Lage wegen der kriegerischen Handlungen der israelischen Armee mit jedem Tag gefährlicher geworden.
Isländische Freiwillige hatten sich Anfang Februar auf den Weg nach Kairo gemacht, um auf eigene Faust Leute über die Grenze zu holen. Die fünf Frauen schafften es, 12 Personen von der Visa-Liste nach Kairo zu bringen. Den Flug der geretteten Kinder und Mütter nach Island zahlte das internationale Büro für Flüchtlingstransporte. In Kairo fällige Amtsgebühren konnten durch den Erlös einer Spendenaktion in Island beglichen werden.

Keine Verpflichtung der Regierung
Mitte Februar waren dann drei Vertreter des Aussenministeriums nach Kairo gereist, ohne jedoch zunächst etwa bewirkt zu haben. In einer Mitteilung des Aussenministeriums heißt es, Aussenminister Bjarni Benediktsson habe am 27. Februar ein Gespräch mit seinem israelischen Amtskollegen Israel Katz über die Ausreise der Personen auf der Liste geführt.
Die ganze Angelegenheit sei vom Bearbeitungstempo und von der Haltung der israelischen Regierung abhängig gewesen. Die isländische Delegation habe nur nach den rechtlichen und diplomatischen Verfahren arbeiten können, die die israelischen und ägyptischen Regierungen für die Umsetzung solcher Fälle eingerichtet hätten, heisst in der Erklärung.
Weiter heißt es ausdrücklich, dass die Regierung nicht verpflichtet sei, die Freizügigkeit von Inhabern einer Aufenthaltserlaubnis zu erleichtern, in diesem Fall sei dies jedoch geschehen. Der Aussenminister setzte sodann die Angelegenheit in den Kontext zur Einwanderungssituation in Island. „Die Gesamtvision der Regierung in Einwanderungsfragen war kürzlich präsentiert worden, die Änderungen sind nicht zuletzt wichtig, um sicherzustellen, dass diese beispiellose Maßnahme keinen übermäßigen Druck auf das isländische System ausübt.“

Freiwillige wollen 13 Verbliebene auch noch holen
Dreizehn Personen von der Visa-Liste waren nicht mitgekommen. Die fünf Frauen, die seit Wochen auf freiwilliger Basis Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet holen, haben angekündigt, auch diese 13 noch über die Grenze zu bringen. Die Gelder aus der Spendenaktion würde die noch entstehenden Kosten decken.
Nab erwartet, dass die Flüchtlinge in den kommenden Tagen Island erreichen. Die isländische Regierung, so schreibt Vísir, habe der ägyptischen Regierung versprochen, dass die isländischen Visainhaber Ägypten innerhalb von 72 Stunden verlassen würden.
In einer Ankündigung des Arbeits- und Sozialministeriums heisst es, das Arbeitsamt bereite sich gemeinsam mit den Kommunen auf den Empfang der Flüchtlinge vor.

Grindavík: Färöerinseln sammeln Spenden für Betroffene

Das Rote Kreuz der Färöerinseln hat eine Sammlung zur Unterstützung der Grindavíker gestartet, die durch den Vulkanausbruch ihr Zuhause verloren haben. Der Pressesprecher des isländischen Roten Kreuzes sagte, die Färinger hätten ihn kontaktiert und ihren Wunsch ausgedrückt, helfen zu wollen. Die Spendensammelaktion des isländischen Roten Kreuzes verläuft sehr gut.

“Wie kannst du helfen?”
Auf der Nachrichtenplattform in.fo war von der Spendenaktion in Island berichtet worden, daraufhin hätten sich „Unternehmen und Einzelpersonen“ zusammengetan und beschlossen, ihren Nachbarn in Island ebenfalls zu helfen.
Wie kannst du helfen?“ heisst die Spendenaktion der Färinger.
Oddur Freyr Þorsteinnsson vom isländischen Roten Kreuz ist gerührt. “Die haben uns kontaktiert und fragten, wie sie helfen können. Sie kamen selbst mit der Idee, eine eigene Sammlung zu veranstalten.” Die Inselnachbarn seien so unglaublich warmherzig und hilfsbereit. Es sei wunderbar, solche Nachrichten zu bekommen und zu hören, dass andere Länder einen unterstützen, sagt Oddur. Isländer und die Leute von den Färöerinseln seien Brüder, so Oddur, und man kümmere sich um den anderen. „Wir sind so dankbar.“

Spenden direkt an Betroffene
Auch die seit November laufende Spendenaktion in Island sei gut unterwegs, sagt Oddur. „Wir waren überrascht, wie stark und gut die Unterstützung ist.“
Zunächst war anlässlich der ersten Evakuierung am 10. November für die Arbeit des Roten Kreuzes in Auffanglagern und Noteinsätzen gesammelt worden. Weil die Sammlung so erfolgreich verlaufen war, entschied man, das Geld direkt weiterzuleiten. Bislang konnten fünf Millionen Kronen ausgezahlt werden, und so soll es auch weitergehen. Ein speziell eingesetzter Ausschuss kümmere sich darum, wofür das Geld verwendet wird. Einziger Zweck ist die Unterstützung der Grindavíker, beispielsweise für psychologische Behandlung oder als Beihilfe für Wohnraumfinanzierung, denn viele zahlen ja jetzt Miete und zusätzlich den Kredit für ihr unbewohnbares Haus. Manche Banken haben die Zahlungen eingefroren, doch längst nicht alle Geldgeber sind dazu bereit.

Noch keine Hilfslösung in Sicht
In den vergangenen Tagen hatte es von Regierungsseite allerhand Absichtsbekundungen gegeben, wie man den Betroffenen helfen wolle, echte Fakten wurden allerdings noch nicht geschaffen. Ein Bewohner kritisierte nach einem Treffen der Bürger mit Regierungsvertretern gestern Abend, der Ausbruch sei zwar erst vor drei Tagen passiert, die Leute befänden sich aber schon seit dem 10. November durch die Evakuierung im Ausnahmezustand. Immer mehr Bewohner wollen gar nicht mehr nach Grindavík zurückkehren und fordern, dass die Regierung die Leute aus dem Ort herauskauft.

Heimaey: Katastrophenfonds und Spenden
Beim Vulkanausbruch auf den Westmännerinseln im Jahr 1973 hatte die isländische Regierung einen Katastrophenfonds geschaffen, der einzig den Interessen der Bewohner von Heimaey dienen sollte. Er sollte Schutz und Wiederaufbau des Ortes finanzieren, die Kosten von Rettungsaktionen, Umzügen und Schäden decken, Einkommensverluste und Sachschäden decken, und die Auswirkungen auf das Alltags- und Arbeitsleben mindern. Eins der wohl wichtigsten Projekte war der Wiederaufbau des Hafens. Ausserdem wurden von dem Geld Häuser für die Bewohner gekauft und in Heimaey und auf dem Festland aufgestellt.

Zusätzlich zu dem Fonds waren grosszügige Spenden aus dem In- und Ausland eingegangen, die erste Spende war schon damals von den Färöerinseln gekommen, aber auch aus Japan, Norwegen und Kanada trafen Schecks ein. Gelder kamen von alten Seeleuten, von reichen Schwestern, schwedischen Falknern und einer Kirchengemeinde. Auch Staaten schickten Unterstützung, nicht nur die nordischen Länder, sondern sogar Nord- und Südkorea schickten Geld zum Wiederaufbau der Insel.

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, kann das unter dieser Kontonummer tun:
IBAN: IS460342260000125302692649
SWIFT: ESJAISRE

 

Spendenaktion auf altem Landpostweg übers Hochland

Hiker Einar Skúlason

Am Freitagabend ist der Wanderer Einar Skúlason aus Seyðisfjörður nach 280 Kilometern und elf Tagen zu Fuss über das östliche Hochland in Akureyri eingetroffen. Er hatte einen alten Postbotenweg benutzt und Weihnachtskarten ausgeliefert, eine vorweihnachtliche Spendenaktion für die isländische Krebshilfe.

Mit Zelt, Schlafsack und Winterausrüstung im Rucksack war der erfahrene Wanderer in Seyðisfjörður losgelaufen, so wie die Landpostboten es über Jahrzehnte gehalten hatten. Der Postweg von Seyðisfjörður nach Akureyri, den er vor sich hatte, war über einen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren benutzt worden, so mbl.is, zu der Zeit ein eigener Postweg, denn damals wurde die Post über Land von Reykjavík nach Akureyri, von dort nach Seyðisfjörður und zurück geliefert. Im Süden hatte es vor dem Brückenbau über die grossen Gletscherflüsse nur berittene Postboten gegeben, die mehrmals im Jahr mit Pferdekarawanen durch die Flüsse schwommen.

An manchen Tagen schaffte Einar 30 Kilometer, an anderen, wie etwa über die Fellaheiði, ging es wegen Tiefschnee nicht so gut voran und er musste seine Schneeschuhe auspacken. An der Schlucht Stuðlagil wurde er eingeladen, im Hotel zu übernachten, was ihn freute, denn Zelten im Winter sei doch ein ziemliches Theater.

Eine weitere Nacht durfte er im Museumshof Sænautasel auf der Jökuldalsheiði verbringen, denn der Landpostbote, so Hüttenbetreiberin Lílja Óladóttir, müsse drinnen schlafen. Von Sænautasel ging es bei teilweise -17 Grad übers eisige Hochland nach Möðrudalur, wo ihm ebenfalls Unterkunft angeboten wurde. Am Mývatn übernachtete er bei -10 Grad im Zelt und erzählt auf seiner Facebookseite, dass die Landpostboten früher sich in den Schnee eingegraben hätten, wenn sie draussen schliefen. Entspannung gab es im heissen Pool am Mývatn, und auch ein Hotelbett für die Nacht, sodass er ausgeruht den Weg über die Fljótsheiði in Richtung Akureyri in Angriff nehmen konnte. Am Freitagabend nach weiteren Nächten im Zelt erreichte Einar Akureyri, mit leichterem Rucksack, denn auf seinem Weg hatte er ja allerhand Weihnachtskarten abgeliefert.

Einars Fotos und Eindrücke findet man auf der Facebookseite. Die Spendenaktion hatte über eine Million ISK (6600 EUR) für die isländische Krebshilfe eingebracht.