Seyðisfjörður: Evakuierung der Norræna geübt

Seyðisfjörður Norræna ferry

Anfang der Woche hat im ostisländischen Fährhafen Seyðisfjörður eine der grössten Rettungsübungen im Ostland stattgefunden, als die Evakuierung der Fähre Norræna durchgeführt wurde, berichtet Austurfrett. Rund 100 Personen und 90 Besatzungsmitglieder der Fähre nahmen an der Übung teil. Die Passagiere wurden von Schülern der örtlichen Schule gespielt, bei der Rollenverteilung gab es auch verletzte Passagiere, die gerettet werden mussten.

Grösste Übung seit Jahren
Die Übung hatte ein umfangreiches Aussmass, immerhin nahmen auch die Küstenwache, die Reederei Smyril Line, das isländische Rote Kreuz, die örtliche Rettungseinheit, die Gesundheitsbehörden Ostisland, die Feuerwehr der Kommune Múlaþing und die Polizeidirektion Ostisland daran teil.
Sie begann um 13 Uhr mit der Mitteilung, dass es einen Hackerangriff auf das Computersystem der Fähre gegeben habe, dazu lag eine Drohung vor, die Fähre zu versenken, wenn kein Lösegeld gezahlt werde. Eine halbe Stunde später, als die Forderungen „erfüllt“ worden waren, brach ein Feuer im Maschinenraum des Schiffes aus.
Gegen 15.30 Uhr hatte der letzte Passagier von Bord gebracht werden können und die Übung war offiziell beendet.

Evakuierung auf offener See
Polizeileiter Kristján Ólafur Guðnason gab an, die Übung sei erfolgreich verlaufen, und es sei gut gewesen, sie mal mit anderen Leuten durchzuführen, denn die Einsatzkräfte hätten in der Vergangenheit eher wenig Gelegenheit dazu gehabt, weil sie mit anderen Projekten im Dienste der Allgemeinheit beschäftigt waren.
Diesmal habe man auch mit neuen Einsatzkräften und unter anderen Umständen geübt. Auch wenn die Norræna gestern am Pier lag, fand die Schiffräumung auf offener See statt, denn dort übte man, die Passagiere von Bord auf Boote auf dem Meer zu bringen. Eigentlich hätte ein Hubschrauber der Küstenwache dazustossen sollen, doch der war kurzfristig anderweitig unterwegs.
Schliesslich musste geübt werden, wie man auf Vorfälle auf der Norræna reagiert. Solche Übungen finden auf den Färöer-Inseln alle zwei Jahre statt, in Island hatte eine vergleichbare Übung im Jahr 2005 stattgefunden.

Osterschnee: Seyðisfjörður wieder zugänglich

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Heute ist es der Strassenmeisterei endlich gelungen, den Bergpass Fjarðarheiði zwischen dem Fährhafen Seyðisfjörður und der Ringstrasse zu öffnen. Seit Karfreitag war diese wichtige Verbindungsstrasse schneebedingt gesperrt, die Einwohner des Hafenortes von der Aussenwelt abgeschnitten gewesen. Die Krankenschwester der örtlichen Ambulanz ist froh dass sich über Ostern kein schwerer Unfall oder Krankheit ereignet hat.

Nadelöhr Fjarðarheiði
Die Fjarðarheiði liegt auf einer Höhe von 600 Metern über NN, von Seyðisfjörður bis zum Gipfel sind es zehn Kilometer. Oft ist diese Strasse wegen Schneesturms gesperrt, aber fünf Tage, das kommt eher selten vor. Gestern Abend hatten die örtlichen Rettungsleute es geschafft, 95 Autos im Convoi über den Pass zu geleiten, dann musste die Strasse wieder gesperrt werden.
Heute nach Mittag gelang es dann endlich, die Passstrasse zu öffnen, nachdem sich auch das Wetter beruhigt hatte. Statt spektakulärem Ausblick schauen Autofahrer allerdings jetzt auf hohe Schneewände, die sich beidseits der Strasse auftürmen.
Zu allem Überfluss legte auch die Norræna am Vormittag an und entliess 400 Passagiere, samt Fahrzeugen. Vor allem Reisebusse können die Passstrasse erst befahren, wenn sie vollständig geräumt und eisfrei ist. Für die Reisenden hiess es also abwarten und Tee trinken, und sich derweil Seyðisfjörður anschauen.

Osterwochenende ohne Unfall
Den Einwohnern bereitete nicht etwa der Mangel an Milchprodukten in den sich leerenden Ladenregalen Sorge. Viel riskanter sind Unfälle und Krankheit, wenn man von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Halla Dröfn Þorsteinsdóttir, die Krankenschwester der örtlichen Ambulanz, ist froh dass das diesjährige Osterwochenende unfallfrei und ohne schwere Notfälle verlaufen ist.
Es gebe in Seyðisfjörður zwar einen Krankenwagen, aber der Schneepflug komme immer von der anderen Seite. Auch der Hubschrauber sei einige Stunden unterwegs. Ein Tunnel sei für die Hafenstadt einfach unumgänglich, findet Halla Dröfn.
Die Schneetunnel auf der Heiði stehen nun erst mal und werden Meter für Meter verbreitert. Aber es brauche nur ein wenig Wind, um den Schnee wieder in Bewegung zu setzen, und die Passstrasse einmal mehr unbefahrbar zu machen.

“Páskahret” – Osterschnee nach Plan
Im gesamten Norden hatte der Osterschnee Urlaubern – Touristen wie Einheimischen im Osterurlaub – übel mitgespielt. Das Wetter hielt sich genau an die Prognosen, und ab Sonntag mussten Strassen und Pässe in Richtung Norden und Osten gesperrt werden. Auch gestern blieb die Öxnadalsheiði gesperrt. Die Alternative, der Weg um die Halbinsel Tröllaskagi herum, erwies sich als trügerisch, und wer dort nicht festsass, geriet spätestens auf dem Weg nach Blönduós in Schwierigkeiten. Zeitweise war auch der Weg nach Akureyri von Osten her wegen einer Schneelawine auf der Ringstrasse versperrt. Bei einem Lawinenunglück im Fnjóskadalur war auch ein Skifahrer verletzt worden.
Heute sind die Strassen wieder frei befahrbar.

LungA Festival verabschiedet sich diesen Sommer

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Das Kulturfestival LungA, ein Festival für junge Künstler im Ostland, wird in diesem Sommer zum letzten Mal seine Tore öffnen, berichtet Austurfrett. Die Geschäftsführerin des Festivals macht vor allem äussere Umstände dafür verantwortlich.

Alles hat seine Zeit im Leben
Das Festival findet seit dem Jahr 2000 jeden Sommer in der Hafenstadt Seyðisfjörður statt. Neben tausenden von Besuchern über die Jahre ist LungA auch Sprungbrett für so manchen jungen Künstler gewesen. Darunter Þórhildur Tinna Sigurðardóttir, die das Festival mit anderen zusammen als Geschäftsführerin leitet. Die Entscheidung sei nach reiflicher Überlegung gefällt worden.
“Es liegt eine gewisse Schönheit in der Erkenntnis, dass alles eine Zeit im Leben hat und dass es wichtig ist, Raum für zukünftige Generationen zu schaffen, die dann mit etwas Neuem kommen.“ sagt Þórhildur.
Es sei eine natürliche Entwicklung, immerhin feiere das Festival in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. „Das LungA Festival ist nicht nur das Festival oder der Name. Das ist auch eine bestimmte Atmosphäre, die nicht verschwindet, selbst wenn es das Festval nicht mehr gibt.“

Grösser ist nicht besser
In den vergangenen Jahren hatten immer mehr Menschen das Festival besucht. Grösser sei nicht immer besser, und es sei weitaus schwieriger, ein grosses Festival zu organisieren, zumal sich die Bedingungen für solche Grossveranstaltungen überall verschlechterten. Ein Beispiel dafür sei der Grosse Fischtag (Fiskidagur mikli) in Dalvík, der im vergangenen Sommer ebenfalls zum letzten Mal stattgefunden hatte, weil den ehrenamtlichen Veranstalter die hohe Besucherzahl und die damit verbundenen behördlichen Auflagen über den Kopf gewachsen waren.

Hinzu komme, so Þorhildur, dass der Echtwert finanzieller Zuwendung in Zeiten von Inflation abnehme. Sie sieht die Zeit gekommen, das gesamte Zuschusssystem für kulturelle Veranstaltungen neu zu organisieren.
LungA selbst hat sich finanziell stets tragen können, allerdings auch nur, weil die Helfer ehrenamtlich tätig waren. Einzig die Hauptveranstalter hätten ein kleines Entgelt erhalten, welches jedoch nicht als Lohn durchgehe, so Þórhildur.
“Gleichzeitig wachsen die Anforderungen für solche Festivals, und damit die Kosten. Das gesamte Umfeld ist damit zu einer riesigen Herausforderung geworden. Vielleicht weil das Festival zu gross geworden ist.”

Natürlicher Prozess mit Zukunft
Die Entscheidung, die Bühnen in diesem Jahr zum letzten Mal zu öffnen, sei von allen sehr bedauert worden, dennoch sehe man dies eher als natürlichen Prozess. “Es liegt eine Schönheit darin, sich verabschieden zu können und dadurch andere zum Weitermachen zu motivieren.” sagt Þorhildur. Sie ist optimistisch, dass die Zukunft neue Veranstaltungen bringen wird.

Das LungA Festival findet in diesem Sommer zwischen dem 15. und 21 Juli statt. Noch ist das Veranstaltungsprogramm in Arbeit, Informationen findet man dann hier.

 

Supermärkte auf dem Land im Sommer oft ausverkauft

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Die Unternehmensleitung der Supermarktkette Samkaup arbeitet an Lösungen, um die Lebensmittelversorgung im Osten Islands sicherzustellen, nachdem sich in der Vergangenheit dort immer wieder Regale schon am Morgen geleert hatten, berichtet austurfrett.

Brot schon morgens ausverkauft
Im gerade vergangenen Sommer hatten sich viele Einwohner mit der Tatsache vertraut machen müssen, dass es an grossen touristischen Tagen nicht mehr alles zu kaufen gab. Vor allem in den Ferien, wenn viele Landsleute unterwegs sind, bei grossen Veranstaltungen, aber auch wenn die Zahl der ausländischen Touristen stieg, hatten sich die Regale der Lebensmittelabteilungen rasant geleert.
Manche solcher Tage sind vorhersehbar, andere kommen unerwartet. Alle haben sie jedoch Auswirkungen auf die Versorgungskette, denn die Waren müssen in der Regel aus den Grosslagern in Reykjavík per LKW herangeschafft werden. Vor allem die Bewohner von Seyðisfjörður bekamen die Verknappung letzten Sommer zu spüren, als es teilweise schon morgens kein Brot mehr zu kaufen gab. Dabei waren die Tage, an denen grosse Kreuzfahrtschiffe im Hafen ankerten, am heftigsten.

Zunahme durch Tourismus spürbar
In Seyðisfjörður gibt es nur den Supermarkt Kjörbúð. Bis zur nächstgrösseren Stadt, Egilsstaðir, mit einem grösseren Supermarktangebot, sind es um die 70 Kilometer. Samkaup-Geschäftsführerin Gunnur Líf Gunnarsdóttir gab an, man spüre die grosse Touristenzahl in bestimmten Filialen auf dem Land sehr deutlich, wie etwa in Seyðisfjörður. Die Einnahmen durch die Touristen hätten vielerorts alle Erwartungen übertroffen. Man sei von den Filialleitern informiert worden, wenn die Belastung durch Kreuzfahrtschiffe gestiegen sei. Ihr seien nicht allzuviele Klagen zu Ohren gekommen. Dennoch arbeite man an der Verstärkung von Verkaufsteams und der Möglichkeit, öfter Grossbestellungen zu tätigen, und hoffe, damit der gestiegen Nachfrage durch Saisontouristen und Einheimische im kommenden Sommer besser gerecht zu werden.

Síldarvinnslan schliesst Fischbetrieb in Seyðisfjörður

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Der Fischereikonzern Síldarvinnslan hat gestern angekündigt, seinen Betrieb im ostisländischen Seyðisfjörður zu schliessen. Die Gemeindeverwaltung bezeichnete den Schritt als schwere Enttäuschung und will das Unternehmen bitten, die Schliessung zu verschieben, damit auf den Verlust von 30 Arbeitsplätzen reagiert werden kann, berichtet RÚV.

Vor neun Jahren hatte Síldarvinnslan die Quote samt Fischfang und Fischverarbeitung in Seyðisfjörður gekauft. Jetzt ist alles zu klein geworden, als dass sich notwendige Investitionen amortisieren würden, daher will man den Fisch zukünftig in der modern ausgestatteten Fischfabrik in Grindavík verarbeiten. In Seyðisfjörður werden dadurch 30 Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Síldarvinnslan will sich jedoch an Gegenmassnahmen beteiligen und auch in den Aufbau von Arbeitsplätzen in Seyisfjörður investieren. Trotz Gesprächen mit Gemeindevertretern schliesst das Unternehmen am 30. November seine Tore.

Bürgermeister Björn Ingimarsson ist mehr als unzufrieden mit der Entscheidung. “Das ist eine kurze Zeit für die Leute, um vernünftig darauf reagieren zu können.” findet er.
Eine Lösung steht bereits im Raum, allerdings schmeckt sie den wenigsten: sollte es die gewünschte Genehmigung für eine Lachszucht im Seyðisfjörður geben, dann hätte man da 14 Arbeitsplätze im Angebot. Die Mehrheit der Anwohner hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Fischzucht in Fjord ausgesprochen, zudem gab es Sicherheitsbedenken, weil die Zuchtbecken die ohnehin schmale Schiffahrtsrinne zusätzlich verschmälern würde. Auch in Seyðisfjörður legen immer mehr grosse Kreuzfahrtschiffe an.

In Frage komme, dass die Gemeinde Múlaþing eine besondere Regionalquote fordert, um die Fischverarbeitung und den Fischfang aufrechtzuerhalten.
„Es wird auf jeden Fall eine der Optionen sein, die geprüft werden.“ so Björn. Man wolle betonen, dass der Ort mehr Vielfalt im Arbeitsleben brauche. Es gebe noch mehr Möglichkeiten, auch Optionen rund um den Tourismus seien im Gespräch.

Protest gegen Fischzucht: 75% in Seyðisfjörður sind dagegen

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Mehr als 100 Menschen haben sich vorgestern im Stadtzentrum von Seyðisfjörður versammelt, um gegen die Lachszuchtpläne im Fjord zu demonstrieren, berichtet Austurfrétt. Auf dem Hotelparkplatz bildeten sie ein “Nein” und eine “75%”, um ihrem Protest mehr Symbolik zu verleihen.
“Die Haltung der Leute aus dem Seyðisfjörður ist klar: wir sagen nein!” sagte Benedikta Guðrún Svavarsdóttir, eine der Sprecherinnen von VÁ – der Verein zum Schutz des Fjordes hatte zu der Demonstration aufgerufen.

Antrag auf 10.000 Tonnen Lachs in Arbeit
Der Fischzuchtkonzern Fiskeldi Austfjarða hatte eine Produktionsgenehmigung für 10.000 Tonnen Zuchtlachs beantragt. So ein Vorgang ist ziemlich kompliziert, denn mehrere Behörden müssen ihre Zustimung geben, was Flächennutzung, Umwelt, Tragkraft des Fjordes in Bezug auf die beantragte Menge, Schifffahrt und andere Faktoren angeht. Alle Gutachten gehen dann zum Ministerium für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel und zur Umweltbehörde, die am Ende eine Genehmigung erteilen.
Die Kommunen können ebenfalls ihre Meinung dazu äussern, allerdings erstreckt sich ihre Planungsbefugnis nicht auf die Meeresgebiete innerhalb von Fjorden. Dort gilt die sogenannte Küstenzonenplanung. Die Kommune Múlaþing hat daher nicht direkt mit der Genehmigung zu tun. Doch kritisieren die Initiatoren des Protestes, dass von Gemeindeseite auch nicht viel unternommen wurde, um die Fischzucht im Fjord zu verhindern.

Moralisch falsch, gegen Bevölkerungswillen zu agieren
“Wir wollen nicht, dass unser schöner Fjord durch die Fischzucht zerstört wird,” sagte Rednerin Ásrún Mjöll Stefánsdóttir. Bei der Veranstaltung gab es auch Redebeiträge von Umweltverbänden und ein kulturelles Rahmenprogramm.
Gemeinsam bildeten die Demonstranten ein “Nei” und eine “75%” auf dem Parkplatz – 75 Prozent aller Bewohner von Seyðisfjörður hatte sich in einer Umfrage nämlich gegen die Fischzuchtpläne ausgeprochen. Andere Redner erinnerten daran, dass sich im Fjord nicht nur das Seekabel befinde, sondern auch eine recht enge Schifffahrtsrinne, für die Fischzuchtbecken sei gar kein Platz. Ausserdem wolle man diese umweltverschmutzende Industrie nicht im Fjord haben, sondern suche nach anderen innovativen Möglichkeiten, die im Einklang mit Mensch und Natur stünden.

Benedikta sagte RÚV gegenüber, es sei moralisch falsch, ein derart grosses Industrieprojekt in einen Fjord zu packen, dessen Bewohner es gar nicht haben wollten. Es sei auch nicht wünschenswert für ein Unternehmen, in eine Gemeinschaft hineinzukommen, die gegen das Gewerbe sei.
Aus der Bevölkerung waren zuvor viele Einwände gegen das Projekt gekommen, dazu hatte es Treffen und Gespräche mit staatlichen Institutionen gegeben.
Beim Bürgerbeauftragten des isländischen Parlamentes ist sogar eine Klage wegen der staatlichen Arbeitsweise eingegangen, im Zusammenhang mit der Erstellung des neuen Küstenzonenplans, der zu Jahresanfang Gültigkeit erhielt. Benedikta sagt, es sei völlig klar, dass diese Flächenplanung der Küstenzone für die Fischzuchtkonzerne erfolgt sei, und für niemanden sonst. Angeblich sei die Planungsarbeit im Einklang mit allen erfolgt, doch “das ist nicht passiert”, so Benedikta.
Aber noch ist nicht alles verloren, denn die Themen Schiffahrtsrouten und Hochwassergefahr liegen weiter auf dem Tisch, und Benedikta zeigt sich kämpferisch und optimistisch, dass es am Ende doch noch gelingt, das Projekt abzuwenden.

 

Seltener Textilfund bei Ausgrabung in Seyðisfjörður

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Bei Ausgrabungen in Seyðisfjörður sind Teile einer Frauenkleidung gefunden worden, berichtet RÚV. Einer Archäologin zufolge kommt es äusserst selten vor, dass man Kleidung aus der Wikingerzeit findet, erst recht in Island.
Die Ausgrabung hatte 2021 stattgefunden, bevor dort eine Lawinenschutzanlage unterhalb des Bjólfur errichtet wurde. Man fand Siedlungsreste aus 1000 Jahren, die ersten aus dem 10. Jahrhundert, und bis ins 20. Jh war an diesem Ort gewohnt worden. Gegen Ende der Untersuchung stellte sich dann heraus, dass im Jahr 1100 eine Lawine auf den damaligen Hof abgegangen war. Unter den Erdmassen fanden sich vier Grabhügel mit Menschen- und Tierknochen, Bootsreste und alle möglichen Gegenstände. Eins der Gräber war unberührt, dort lag eine Frau begraben. In ihrem Grab fanden sich unter anderem Bronzenadeln und Perlen, sowie eine Schere, und grosse Textilreste.

Kleidungsreste sind Puzzleteile
„Hier haben wir das bemerkenswerte Grab einer Frau. Diese Reste geben Hinweis darauf, dass sie in drei Kleidungsstücke gewandet war,“ erklärt Marianne Vedeler, eine Archäologin und Textilsachverständige. „Diese kleinen Stücke sind Teil eines Puzzlespiels, um herauszufinden, wie sie gekleidet war.“
Marianne sagt, man könne aus den Textilresten viel erkennen, obwohl sie nicht grösser seien, und das sei nicht zuletzt den Archäologen zu verdanken, die bei der Ausgrabung alle Funde ganz genau vermerkt hatten. Die Nadeln und Klemmen aus der Wikingerzeit fänden sich hin und wieder, aber es sei doch sehr besonders, dass man welche mit Textilresten finde. Die zeigten, wie die Nadeln am Kleid befestigt waren. Man hat Unter- und Oberkleid gefunden, unter anderem ein blauer Umhang mit Verzierung. Zu klären bleibt, wie die blaue Farbe hergestellt wurde.
“Das Grab stammt aus dem 10. Jh, darauf weist das Kleid hin, welches typisch für skandinavische Frauen aus dieser Zeit war. Die Kleidung war in Dänemark ein bisschen früher aus der Mode gekommen, später dann in Norwegen und Island. Das ist eine etwas spätere Ausführung dieses Frauenkleids.“ Marianne hält den Fund für bemerkenswert.

Seltener Fund
„Das ist sehr selten, dass man erhaltene Kleidungsreste aus der Wikingerzeit findet, das gilt für alle Orte der Wikinger. Das hängt davon ab, wie die Erhaltung im Erdreich gewesen ist. Und in Island ist es erst recht selten, dass man Textilreste findet, und wenn wir solche grossen Stücke finden wie hier, und das so gut zuordnen können, dann würde ich das einen ausserodentlichen Fund nennen.“
Auch wenn man nicht weiss, wer die Frau gewesen ist, zeigen die Funde und wie die Tote zu Grabe gelegt worden war, dass sie sehr gut und passend gekleidet war. Die Textilreste befinden sich auf dem Weg in Labore nach Kopenhagen und Brüssel, und Marianne ist schon sehr gespannt auf die Untersuchungsergebnisse vor allem der Wolle, denn die dürfte einiges zu erzählen haben.

Lawinengebiet: Heute Verschnaufpause, ab morgen wieder Schneefall und Wind

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Im Städtchen Neskaupstaðir herrscht nach den gestrigen Lawinenabgängen immer noch eine Art Ausnahmezustand. Drei Lawinen waren auf Wohnhäuser abgegangen, eine von ihnen an der gleichen Stelle wie 1974, als 12 Menschen ums Leben kamen. Diesmal hatte es zum Glück nur geringfügige Verletzungen durch Glassplitter gegeben. Alle Zufahrtswege sind seit gestern durch Schneemassen versperrt, der Tunnel war am Morgen geschlossen worden.
Im Auffangzentrum des Roten Kreuzes hatten sich 300 Menschen versammelt, die aus ihren Häusern evakuiert worden waren.

Aus allen Landesteilen waren freiwillige Helfer und Experten nach Egilsstaðr geflogen worden, darunter auch Suchhunde und ein Anästhesist für das Krankenhaus in Neskaupstaðir, doch sassen sie alle in Egilsstaðir fest, weil es selbst für schwere Fahrzeuge nicht möglich war, in die Stadt vorzudringen. Sie sollen vorerst in Egilstaðir bleiben, solange die Lage es erfordert.
Von Akureyri aus hatte sich das Küstenwachschiff Þór auf den Weg nach Süden gemacht und war gegen Abend am Kai von Neskaupstaðir angekommen. An Bord befanden sich Helfer, Gerät und Lebensmittelvorräte, und 20 Helfer fanden dort auch einen Schlafplatz für die Nacht. Am Abend hatte der Hubschrauber eine Schwangere mit Arzt und zwei Rotkreuzmitarbeitern von Neskaupstaðir nach Egilsstaðir gebracht, die Mannschaft übernachtete dort, am Morgen flog der Hubschrauber dann zurück in die eingeschlossene Stadt.

Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes, der den Einsatz vom Hauptquartier in Reykjavík aus koordiniert, sagte gestern Abend, dies sei mit insgesamt um die 500 Personen die mit Abstand grösste Evakuierung der letzten Jahre.
In Seyðisfjörður hatten 40 Häuser evakuiert werden müssen. Hier hatte man auch die Maschinen der Heringsfabrik heruntergefahren, weil das Gebäude im Evakuierungsgebiet liegt. Es ist soviel Schnee gefallen, dass die Einwohner der Stadt in ihren Häuern festsitzen. Auch in Eskifjörður waren wegen unsicherer Schneelage 16 Wohnhäuser geräumt worden.
Für heute
rechnet man mit eher ruhigem Wetter und einer Normalisierung der Lage, aber ab Morgen stehen wieder Wind und Schneefall bevor und die Situation in den Ostfjorden könnte sich verschlechtern.

Schneelawinen fallen auf Neskaupstaðir

Avalanche in Iceland February 2014.

Das Städtchen Neskaupstaðir im Norðfjörður ist am Morgen von zwei Schneelawinen getroffen worden, Die eine Lawine ging in der Nesgil ab, die erste Schlucht ausserhalb des Lawinenschutzes, und fiel auf ein Mehrfamilienhaus im Wohngebiet, die zweite Lawine ging im Einflussbereich des Lawinenschutzes oberhalb von Urðarteigur ab und rutschte über die Strasse und ins Meer, berichtet Austurfrétt.
Teile der Stadt mussten evakuiert werden, unter anderem das Bezirkskrankenhaus.

Durch geborstene Fensterschreiben ist es zu geringfügigen Verletzungen gekommen, schwer verletzt wurde nach letzten Angaben jedoch niemand. Die regionale Rettungsgruppe hat Kontakt zu allen in dem Haus gemeldeten Personen. Das Rote Kreuz hat im Gemeindehaus Egilsbúð für die Evakuierten eine Auffangstation eröffnet. Für die Ostfjorde gilt die Notfallstufe des Zivilschutzes.

Auch in Seyðisfjörður mussten Häuser geräumt werden, nachdem von der Wetterbehörde eine Lawinenwarnung ausgegeben worden war. Dort ist noch kein Abgang zu verzeichnen, die Evakuierung erfolgt prophylaktisch.
In weiten Teilen der Ostfjorde herrscht Schneesturm, die Leute waren aufgefordert worden, zuhause zu bleiben. Auch die Schule fällt heute aus. Der Tunnel Norðfjarðargöng ist wegen Lawinengefahr gesperrt.
Bürgermeister Jón Björn Hákonarsson gab RÚV gegenüber an, es sei klar dass der Lawinenschutz oberhalb der Stadt noch weiter ausgebaut werden müsse.

update 11.00 Uhr
RÚV berichtet dass sich eine fünfköpfige Familie in dem Mehrfamilienhaus befunden hatte, als die Lawine auf das Haus niederging und von den Einsatzkräften aus schneegefüllten Räumen geholt werden musste. Die Schneemasen hatten Tür und Fenster regelrecht gesprengt. Nach Angaben des Zivilschutzes war die Lawine nicht schneereich gewesen, aber hatte sich mit hohem Tempo den Berg hinunterbewegt.
Das Küstenwachschiff Þór ist von Akureyri aus losgefahren und wird gegen Abend in Vopnafjörður eintreffen. Ausserdem ist ein Hubschrauber der Küstenwache mit Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg und Suchhunden auf dem Weg nach Osten. Zivilschutzleiter Víðir Reynisson hatte angegeben, man wolle die Hilfskräfte jeweils nach Bedarf in die betroffene Stadt holen, weil die Lage in der gesamten Region brenzlig sei.

 

500 Norröna-Reisende sitzen in Seyðisfjörður fest

Um die 300 Besucher von den Färöerinseln, sowie gut 100 Fährgäste der Fähre Norröna sitzen im Hafenstädtchen Seyðisfjörður fest, weil in der Stadt, vor allem aber auf der Bergstrasse Fjarðarheiði, ein Unwetter tobt. Die Fähre verlässt erst morgen abend wieder den Hafen, berichtet Vísir.
Das Schiff hatte heute mit etwa 500 Passagieren angelegt, verteilt auf 5 grosse Reisebusse und 80 Privatfahrzeuge. Als nach Angaben von Hafenmeister Rúnar Gunnarsson alle von Bord gegangen waren, war klar, dass das Unwetter auf der Fjarðarheiði – die Strasse die alle nehmen müssen, egal wohin ihre Reise führt – keinen Verkehr zulassen würde.

Minikreuzfahrt heute: einmal durch Seyðisfjörður
Viele der Passagiere seien Reisende auf sogenannter ‘Minikreuzfahrt’, erzählt Rúnar. “Die gehen bei uns in Dänemark oder auf den Färöerinseln an Bord und dann auf eine Rundfahrt. Das sind diesmal um die 300 von den Färöerinseln und 100 Deutsche.” Die Tagestouristen sind in den Bussen unterwegs. Manche wollten sich Stuðlagil anschauen, andere hatten das Badezeug dabei und wollten in die Vök-Lagune nach Egilsstaðir. Doch aus der Tagestour ist nichts geworden, statt Island konnten die Leute sich Seyðisfjörður anschauen und auf dem Schiff Schutz vor den Sturmböen suchen, berichtet RÚV.

300 Leute von den Färöerinseln klingt jetzt nicht besonders viel. Die Bewohnerzahl der Inselgruppe beträgt allerdings nur 54.000, damit befinden sich ein halbes Prozent der färöischen Bevölkerung heute Nacht in Island. In Seyðisfjörður leben 669 Einwohner. Die 300 Färinger machen damit heute Nacht 28% der Bevölkerung aus, und die Deutschen immer noch neun Prozent.

Man gibt sich alle Mühe, es den Gestrandeten so bequem wie möglich zu machen. Für die Wohnmobile etwa wurde auf dem Campinplatz der Schnee extra geräumt, damit die Touristen an die Steckdosen kommen.
“Die Leute aus Seyðisfjörður sind sehr gastfreundlich, und wir nehmen alle mit offenen Armen auf, ob sie hier wegkommen oder nicht,” meint Rúnar. “Aber das zeigt ja auch den Bedarf für ein Loch im Berg [ein Tunnel]. Das sind vor allem wir, die in Schwierigkeiten geraten. Wenn man hier durch den Berg kommen würde, müsste niemand hier festhängen.”