Scrapie: Neue ARR-Linie beschleunigt Verbreitung des schützenden Gens

Bei Schafen in den Dalir in Westisland ist ein neuer Bestand mit dem schützenden Genotyp gegen Scrapie gefunden worden, wobei keins der Tiere mit zuvor entdeckten Zuchttieren, die diese Genvariante in sich tragen, verwandt ist. Ein Schafzuchtberater bezeichnete dies als Glücksfall, weil es die Verbreitung der schützenden Genvariante im isländischen Schafbestand beschleunige.

Zufallsfund aus anderem Anlass
Auf dem Hof Vífilsdalur in den Dalir war kürzlich bei einem Mutterschaf und ihrem Lammbock der gegen Scrapie schützende Genotyp ARR gefunden worden. Der Widder mit Namen Vörður ist nicht mit den Schafen vom Hof Þernunes verwandt, wo der Genotyp zuvor gefunden worden war, berichtet RÚV.
Hörður Hjartarson hatte die Linie per Zufall entdeckt. Auf seinem Hof hatte es mehrere Schafe aus nicht-reinerbigen ARR-Böcken gegeben, und Hörður hatte seine Schafe testen lassen, um zu schauen, ob sie das Allel weitergeben. Dabei stellte sich heraus, dass ein ganz anderer, nicht mit ihnen verwandter Widder in der Herde ARR-Träger war. „Zuerst dachte ich, dass da ein Fehler vorliegt und die Proben vertauscht worden seien, aber wir haben das dann mit einer weiteren Probe bestätigt.“ erzählt Hörður. Auch die Mutter des Widders ist ARR-Trägerin, was beweist, dass es sich hier um eine neue, unabhängige Linie handelt.

Eyþór Einarsson, ein Zuchtberater beim landwirtschaftlichen Beratungszentrum, hält die Entdeckung für einen Glücksfall. „Das erleichtert die Zuchtarbeit und die nächsten Schritte erheblich.“ Derzeit wird in Island hart daran gearbeitet, schützende und potenziell schützende Genotypen in den isländischen Schafbestand hineinzuzüchten.

Þernunes galt als alleiniger ARR-Ursprung
RR ist der Genotyp, der in Europa verwendet wird und am meisten untersucht wurde, aber bei isländischen Schafen wurden auch andere Varianten gefunden, die möglicherweise vor der tödlichen Scrapie-Krankheit schützen: T137, N138 und C151.
Bislang hatte die gesamte Zucht mit vor Scrapie schützenden Genen auf den ARR-Trägern des Hofes Þernunes basiert. Bei einer so kleinen Vererbergruppe besteht immer die Gefahr, die genetische Vielfalt des Gesamtbestandes zu riskieren. Mit dem Fund von Vífilsdalur könnten Züchter nun viel früher reinerbige Widder züchten, was in den vergangenen zwei Jahren nicht möglich gewesen war. “Die sind alle mischerbig gewesen,” sagt Eyþór, “was bedeutet, dass es nur eine 50%ige Chance dafür gibt, dass sie das Gen weitervererben.”

Zucht mit hohem Tempo
Die neue Zuchtlinie von Vífilsdalur weckt auch wieder die Hoffnung, dass man vielleicht doch noch weitere Schafe mit dem ARR-Gen findet. Zwei Jahre ist es her, dass die ARR-Schafe auf Þernunes gefunden worden waren, und so langsam hatte niemand mehr so recht daran geglaubt, dass sich diese Variante noch anderswo im Land würde finden lassen.
So hatte die Marschroute gelautet, die Zucht mit dem vorhandenen Genmaterial so schnell wie möglich voranzutreiben und mit Fokus auf die besonders gefährdeten Gebiete, wo Scrapie immer wieder auftritt. Damit hätten dann nach 20 Jahre mindestens 75% des Gesamtbestandes die schützende Genvariante getragen.

Genvarianten schützen auch vor Keulung
Nun also könnte es doch noch schneller gehen. Bis vor kurzem war ein Landwirt, bei dem Scrapie diagnostiziert wurde, gezwungen gewesen, seinen gesamten Bestand zu keulen, ausserdem hätte er umfangreiche Reinigungsarbeiten durchführen müssen und hätte dann erst nach zwei Jahren wieder Schafe halten dürfen. Die Landwirtschaftsministerin hatte die Bestimmungen kürzlich dahingehend geändert, dass alle Schafe mit schützenden und möglicherweise schützenden Genvarianten von der Keulung ausgenommen werden können.

 

Scrapie: 100 Schafe mit schützendem Gengut bleiben am Leben

Auf dem Hof Stórhóll in der Vestur-Húnavatnssýsla war im Oktober bei einem zweijährigen Schaf die tödliche Krankheit Scrapie gefunden worden. Der Diagnose folgte wochenlanges Bangen, ob wie bisher üblich der gesamte Schafbestand gekeult werden muss, oder ob die Schafe, bei denen gegen Scrapie schützende Genotypen gefunden worden waren, am Leben bleiben dürfen. Nun wurde bekanntgegeben, dass 100 Schafe von der Keulung ausgenommen werden, berichtet RÚV.

Den alten Bestimmungen nach hätten alle 600 Schafe des Bestandes gekeult werden müssen. Zwei Höfe im Nordwesten, die das gleiche Schicksal im September ereilte, hatten noch den gesamten Bestand vernichten müssen, obwohl sich nachweislich Dutzende von Jungeschafen mit schützendem Erbgut im Bestand befanden. Die Vorgehensweise der Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit scharf kritisiert worden. In der Folge hatte Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir die Regelung dahingehend geändert, dass Schafe mit nachgewiesenen schützenden Genotypen von der Keulung ausgenommen werden.

100 Schafe als Neubeginn
Bei einer Reihenuntersuchung auf Stórhóll stellte sich heraus, dass um die 100 Schafe in der Herde mit mehr oder weniger schützendem Genotyp ausgestattet waren. Diese 100 Schafe sind die ersten in Island, die nach der neuen Bestimmung trotz einer Scrapie-Infektion im Zuchtbetrieb am Leben bleiben dürfen. Sie stellen die Grundlage für einen neuen Bestand, der mit einem Schutz gegen die Krankheit ausgestattet ist.

Für die 100 jungen Auen gelten allerdings scharfe Bestimmungen. Unter anderem ist der gesamte Bestand für sieben Jahre in Isolation zu halten. Nur reinerbige ARR-Schafe dürfen nach zwei Jahren auf die Sommerweide ins Hochland. Es besteht ausserdem die Verpflichtung, sich züchterisch ausschliesslich auf den Scrapieschutz zu konzentrieren.

Erster Schritt zu scrapiefreiem Bestand
Stórhóll ist damit der erste Schafzuchtbetrieb in Island, für den es nach der Scrapie-Diagnose weitergeht.
Bislang waren Keulung, Desinfektion und Brachliegen die einzigen Waffen gegen die ansteckende Nervenerkrankung gewesen, gegen die es kein Mittel gibt. Über Jahrzehnte waren der Scrapie abertausende von Schafen – erkrankte wie gesunde, zum Opfer gefallen, ein hilfloser Versuch, die Seuche auszurotten. Doch der Prion hielt sich hartnäckig und tauchte in bestimmten Gebieten immer wieder auf.
Im vergangenen Jahr hatte dann auf Initiative der Schafzüchterin Karólína Elísabetardóttir und des isländischen Zuchtbüros eine grossangelegte Diagnostikaktion begonnen, um vor Scrapie schützende Genvarianten zu finden, die bei ausländischen Schafrassen durchaus vorhanden sind. Dazu wurden auf allen Höfen des Landes Zuchtlämmern Hautstanzen aus dem Ohr entnommen und genetisch untersucht. Auf dem Hof Þernunes wurde man schliesslich fündig, dort gab es einen alten Bestand mit der schützenden ARR-Variante. Inzwischen konnten mehr Höfe mit solchen Beständen und weitere Genvarianten ausgemacht werden, die ähnlich bis gleichwertig vor der Krankheit schützen.
Mit der neuen Bestimmung, nach der Jungschafe mit schützendem Erbgut von der Keulung ausgenommen sind, kann nun das Projekt in Angriff genommen werden, in Island einen scrapiefreien Schafbestand aufzubauen.

 

16 Schafe mit Anti-Scrapie-Genotyp T137 gekeult

Von den 669 Schafen auf dem Hof Bergstaðir im Miðfjörður, die unmittelbar vor dem Lammen gekeult worden waren, weil bei einigen Tieren Scrapie-Symptome aufgetreten waren, trugen 16 Schafe das gegen Scrapie schützende Gen T137, berichtet das Bændablaðið. Die Landwirtin Elín Anna Skúladóttir bezeichnete es als schmerzvoll, dass soviele Schafe mit dem kostbaren Genotyp getötet worden sind.

16 Schafe auf zwei Höfen mit T137
Alle 669 Schafe sind auf ihr Erbgut untersucht worden, am 2. September kam das Ergebnis der Erbgutuntersuchung. Demnach hatte sich bei 139 Tieren eine genetische Variante gefunden, die möglicherweise Immunität gegen die tödliche Krankheit gewährt. Von diesen 139 Schafen trugen neun Schafe den Genotyp T137, der als wertvollste Waffe im Kampf gegen die Scrapie-Krankheit betrachtet wird.
Auf dem Hof Urriðaá, wo ebenfalls wenige Tage vor dem Lammen sämtliche Schafe gekeult worden waren, ist bei sieben Tieren der T137 Genotyp gefunden worden, sowie Dutzende mit andere möglicherweise schützende Genvarianten.

Elín sagt, es sei furchtbar zu sehen, wieviele wertvolle Tiere da getötet wurden seien. Das Ergebnis sei ein Schock. Auf dem Hof Bergstaðir hatte man sich bis zuletzt dafür eingesetzt, wenigstens die Bocklämmer und weiblichen Lämmer, sowie die zugekauften Schafe behalten zu können, doch die Veterinäraufsichtsbehörde hatte sich hart gezeigt und den gesamten Bestand keulen lassen. Behördenvertreter hatten den Bauern erklärt, dass man die Schafe so schnell wie möglich töten müsse, weil die Lammsaison vor der Tür stand.  Man habe sich dem Druck der Fachleute gebeugt, doch Elín sagt, dass sie das jetzt bereut.
Das Argument, dass alle Tiere noch vor dem Lammen getötet werden müssten, hätte ja nun nicht für die Böcke gegolten. Die Krankheit wird vor allem durch Geburtsflüssigkeiten, Plazentagewebe und Milch übertragen. Man hätte die Böcke also draussen halten können, wo die Ansteckungsgefahr gering ist. Auch die einjährigen nichttragenden Auen hätte man retten können, sagt Elín. Die DNA-Untersuchung habe gezeigt, dass ein Fünftel des Bestandes gegen Scrapie immun gewesen ist, die Keulung sei vollkommen überstürzt durchgeführt worden. “Man hätte durchaus erst mal ein- und ausatmen können,” findet Elín.

Hoher Anteil an T137-Trägern wurde gekeult
Bei näherer Betrachtung der DNA-Ergebnisse stellte sich heraus, dass die mögliche Immunität quer durch den Bestand verteilt war, also nicht nur in einer bestimmten Linie. Die Schafzüchter auf Bergstaðir haben in den vergangenen Jahren viele Zuchtböcke verkauft, nun sucht man die DNA-Ergebnisse aus den Nachkommen dieser Böcle zusammen, um zu schauen, ob sie die schützenden Genvarianten vererbt haben. Zwei Böcke, die Elín erst kürzlich verkauft hatte, und die ebenfalls gekeult wurden, trugen schützendes Genmaterial, einer von ihnen sogar die kostbare Genvariante T137.

Karólina Elisabetardóttir, die Forschung und Suche nach dem schützenden Genotyp in Island angestossen und in Zusammenarbeit mit ausländischen Experten und dem isländischen Zuchtbüro in den vergangenen Jahren massgeblich mit betreut hatte, sagt, der Schafbestand auf Bergstaðir habe im Landesvergleich mit 1,4 Prozent einen besonders hohen Anteil an T137-Trägern gehabt. Im restlichen Land liegt der Anteil unter ferner liefen.
Das Zuchtbüro RML hatte DNA-Analysen aus 30.000 Schafen aus ganz Island ausgewertet, demnach fand sich die schützende Genvariante T137 bei 83 Tieren. Bekannt ist diese Genvariante in nicht mehr als acht Beständen. Zwei davon sind jetzt ausgelöscht worden.

Wertvoller Bestand vernichtet
Trotz es hohen Infektionsdrucks, der möglicherweise auf Bergstaðir geherrscht habe, sei bei den gekeulten Tieren keines mit Scrapie gefunden worden, wo eine Mutation des Priongens aufgetreten war.
Alle 52 Auen auf Bergstaðir, die erkrankten, trugen die ARQ/ARQ-Variante, die Karólina zufolge empfindlich für eine Ansteckung macht. Dies untermauert zusätzlich die Tatsache, dass einige Genotypen im Kampf gegen Scrapie von Vorteil sind. Die Ergebnisse stünden im Einklang mit den Forschungsergebnissen des französischen Wissenschaftlers Vincent Béringue, der seit letztem Winter die Erbgutverteilung erforscht.
“Ich möchte unterstreichen, dass Bergstaðir auf jeden Fall ein sehr wertvoller Bestand gewesen ist, und es ist unglaublich traurig, dass diese Schafe gekeult wurden.” sagt Karólína. Verordnungen seien menschengemacht, und daher hätte man durchaus die geltenden Regeln im Lichte der neuen Erkenntnisse ändern können. Das Auftreten der Scrapie so kurz vor dem Lammen sei unglücklich gewesen, und MAST habe Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen.

MAST sieht keinen Fehler
Die leitende Veterinärin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir, gab an, beim Bauernverband, Abteilung Schafzucht, um Vorschläge für eine verbesserte Reaktion im Fall eines erneuten Auftretens von Scrapie gebeten, zumal man jetzt ja züchterisch gegen Scrapie vorgehe. Entsprechende Vorschläge seien eingegangen, und MAST prüfe sie derzeit zusammen mit Experten, die das Landwirtschaftsministerium abgestellt habe. Diese Arbeitsgruppe muss ihre Vorschläge vor dem 1. November der Ministerin unterbreiten, die dann Gesetze ändern oder ergänzen kann.

Zwei Massnahmen seien möglich: entweder die Krankheit durch Keulung des Gesamtbestandes auszurotten, oder einen Bestand zu züchten, der schützende oder möglicherweise schützende Genotypen trägt. Allerdings hatte MAST einen solchen – im Bestand mit dem höchsten Anteil an T137-Trägern in ganz Island – mitgekeult.
Sigurborg sieht nicht, dass mit der Keulung des Bergstaðir-Bestandes ein Fehler unterlaufen sei. Man habe dort Scrapie diagnostiziert, und das Lammen stand unmittelbar bevor. Das infektiöse Material sei vor allem in Flüssigkeiten und Gewebe rund um die Geburt zu finden, und zwar in zehntausendfacher Höhe, daher galt es, eine Ausbreitung zu verhindern. Sie begrüsst aber den Fortschritt in der Angelegenheit und sieht optimistisch in die Zukunft.

 

Scrapie: Alle Proben vom 2. Hof negativ

Keine Scrapie ist in den Proben gefunden worden, die aus dem Gehirn von Schafen vom Hof Syðri-Urriðaá im nordisländischen Miðfjörður genommen worden waren, berichtet RÚV. Dort hatten im April alle Schafe gekeult werden müssen, nachdem bei einem im Jahr 2020 zugekauften Schaf die durch Prionen ausgelöste unheilbare Nervenkrankheit Scrapie festgestellt worden war.
Das Schaf stammte vom Hof Bergstaðir, wo nach der Diagnose bereits alle Schafe gekeult worden waren. Da es Jahre dauern kann, bis Scrapie sich nach aussen hin zeigt und die Krankheit nicht einmal in jeder Probe gleich sichtbar ist, zeigen die Ergebnisse MAST zufolge nur, dass kein Prion festgestellt wurde, was aber nicht heisst, dass die untersuchten Schafe scrapie-frei waren. Die Prionen kann man nur im Hirngewebe gekeulter Tiere suchen.

Keulung kurz vor der Lammzeit
Auf Syðra-Urriðaá waren am 18. April 720 Schafe gekeult worden. Bereits Anfang April waren auf Bergstaðir alle 700 Schafe gekeult worden.
Die Schafbäuerin Dagbjört Diljá Einþórsdóttir auf Urriðaá sagt, sie sei wütend und traurig zugleich über diese Nachricht. Man habe alles versucht, um die Tötung der Schafe so kurz vor der Lammsaison zu verhindern, doch ohne Erfolg. Die allermeisten Auen standen kurz vor der Geburt. Das einzig Gute daran sei, dass sich keine Scrapie von ihren Schafen auf andere Höfe übertragen habe, das sei eine Erleichterung.

Das Ergebnis bedeutet auch dass die etwa 50 Schafe aus der Zucht von Syðri-Urriðaá, die Bauern im Miðfjörður hätten töten sollen, sich aber geweigert hatten, nun doch nicht alle gekeult werden müssen. Um diese Schafe hatte mitten in der Lammsaison eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen MAST und den Bauern getobt, unter anderem war damit gedroht worden, die staatlichen Zahlungen einzustellen und die Schafe per richterlichen Beschluss von den Höfen zu holen.
Þórarinn Óli Rafnsson, der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Húnaþing vestra, sagte RÚV gegenüber, Schafe aus dem Jahr 2020 und älter dürften nun leben, jüngere müssten allerdings getötet werden.

 

Scrapie: Ministerin plant Methodikwechsel und Erbgutanalysen

Die Ministerin für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Svandís Svavarsdóttir ist auf den Vorschlag der leitenden Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde eingegangen, demnach soll die Methodik zur Ausrottung der Scrapie-Erkrankung bei Schafen geändert werden. Man will nun noch zielgerichteter und schneller einen scrapieresistenten Schafbestand in den Zuchtregionen heranziehen, die als Risikogebiete eingeordnet sind. Der Vorschlag liegt der Regierung vor.

Einer Untersuchung der Landwirtschaftshochschule nach lässt sich die Züchtung auf resistente Genotypen durch gezielte Genotypanalysen stark beschleunigen. Durch diese Arbeit wird die Wahrscheinlichkeit einer Scrapieinfektion verringert, mit allen damit verbundenen Kosten für den Einzelnen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Des weiteren sieht der Vorschlag vor, dass das Ministerium Schafe, die nachweisbar das schützende Gen in sich tragen, von einer Keulung ausschliessen kann. Diese Schafe sollen stattdessen auf dem betroffenen Hof isoliert gehalten werden. So kann ein Bestand mit schützendem Erbgut in Scrapiegebieten herangezüchtet und gleichzeitig Krankheitsprävention betrieben werden, heisst es auf der Seite des Ministeriums.

„Die Regierung wird alles Notwendige tun, um die Landwirte darin zu unterstützen, einen Bestand mit schützendem Erbgut heranzuzüchten. Dem Vorschlag nach werden über 80 % der zur Zucht genutzten Schafe in den riskantesten Bereichen nach fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an Scrapie erkranken, damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Keulung,“ gab die Ministerin an. „Um diesen unheilbringenden Gast zu vertreiben, bedarf es der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten, Finanzierung und Kapazitäten zur Erbgutanalyse. Wir streben an, jedes Jahr 15.000 bis 40.000 Schafe auf Erbgut zu untersuchen, und mit diesen Maßnahmen wird die Wahrscheinlichkeit von groß angelegten Keulungen schnell abnehmen.”
Nach dem Bericht der Landwirtschaftshochschule belaufen sich die Kosten für die genannten Massnahmen auf 576 Mio ISK in den kommenden sieben Jahren. Die Finanzierung ist gesichert.

Die Tatsache, dass Schafe, bei denen das schützende Erbgut gefunden wurde, nun nicht mehr automatisch mitgekeult werden, wenn sie sich in einer mit Scrapie infizierten Herde befinden, war einer der grossen Streitpunkte in der Auseinandersetzung um die harten Ausrottungsmassnahmen gewesen. Nach einer Massenuntersuchung waren einige Tiere im Osten des Landes mit dem schützenden ARR-Genotyp gefunden und gleich der Zucht zugeführt worden, wobei man die Scrapie-Risikogebiete bevorzugt bediente. Eine Keulung ihrer Nachkommen im Ernstfall hätte die Verbreitung des schützenden Erbgutes langfristig stark verzögert.

 

Scrapie: Beseitigung der Kadaver offenbar ein Riesenproblem

Auch nach Keulung der ca 700 Scrapie-verdächtigen Schafe im nordisländischen Miðfjörður ist keine Ruhe in die Bauernschaft eingekehrt. Jetzt dreht sich nämlich alles darum, einen Ort zu finden, wo die Kadaver beseitigt werden können. Denn die Verbrennungsanstalt Kalka in Suðurnes, die normalerweise auch Kadaver entgegennimmt, ist wegen Wartungsarbeiten zur Zeit ausser Betrieb, und einen Ersatz gibt es nicht.
Die Bauern auf Lækjamót im Viðidalur hatten angeboten, die Kadaver auf einer Parzelle ihres Landes vergraben zu lassen, doch war ihnen aus der Bauernschaft lauter Protest entgegengeschlagen. Sonja Lindal Þórisdóttir hatte sich in einem Facebookbeitrag gewehrt, sie hätten sich die Idee sehr gut überlegt, nicht nur sei sie selber Tierärztin und wisse um was es da gehe, ihr Hof sei auch schaffrei und solle es bleiben, immerhin liege er in einem Scrapiegebiet. Die vorgeschlagene Parzelle sei für wanderndes Vieh auch nicht erreichbar. Doch der Vorschlag ist vom Tisch und nun sucht man weiter nach einem Vernichtungsort.

Amtstierärztin Sigurborg Daðadóttir sagt, die Beseitigung sei sehr dringend. Die Kadaver befinden sich am Schlachthof von Hvammstangi in wasserdichten Containern. Vor Jahren waren infizierte Kadaver in undichten Containern zur Tierkörperbeseitigungsanstalt transportiert worden.

Warten auf Laborergebnisse
In den Labors laufen derweil die Geräte auf Hochtouren. Zwanzig Schafe, die der Hof Syðri- Urriðaá verkauft hatte, waren gefunden und ebenfalls gekeult worden. Proben aus dem Liquor dieser Tiere sowie aller 1400 gekeulten Schafe werden derzeit an der Universität auf Prione untersucht. Mit Ergebnisse – ob Schafe in diesen Herden infiziert waren – ist erst in ein paar Wochen zu rechnen.

Ab jetzt wird es dann erst mal keine Keulung mehr geben, so die Amtstierärztin, selbst wenn auf einem Hof Scrapie gefunden wird. Die Schafe haben nämlich jetzt 90% ihrer Trächtigkeit hinter sich, um den Monatswechsel beginnt die Lammsaison. Ein Transport zum Schlachthof ist nicht mehr zumutbar.
Für den Fall, dass in naher Zukunft Scrapie in dem Bezirk gefunden wird, gibt es noch keine endgültige Marschroute, so Sigurborg. Die jetztigen Bestimmungen zwingen die Keulung sämtlicher Tiere, ganz gleich ob sich schützendes Erbgut in Tieren findet (weil gezielt darauf gezüchtet wurde) oder nicht. Genau diese Bestimmung war zuletzt von Bauern immer wieder kritisiert worden. Allerdings müssten diese Schafe dann isoliert von allen anderen gehalten werden.

Verbrennungsanlage ausser Betrieb
Eine Verbrennung der gestern gekeulten Schafe wäre wünschenswert gewesen, immerhin können Prione ausschliesslich durch Feuer vernichtet werden. Der Geschäftsführer der Müllverbrennungsanlage, Steindór Þórðarson, gab an, man haben die Wartungsarbeiten nicht noch weiter verschieben können – man habe bereits für die Verbrennung der Kadaver des ersten Hofes eine Ausnahme gemacht. Ingenieure und Maschinenbauer hätten dringend von einer Verschiebung abgeraten, weil die Gefahr eines Ausfalls oder sogar grösseren Schadens bestehe.
Das Unternehmen schlug stattdessen vor, die Kadaver in Gefriercontainern aufzubewahren, doch das, so Sigurborg, sei nicht möglich gewesen, weil die Kadaver vorher hätten schockgefrostet werden müssen. Ihr sei kein Unternehmen in Island bekannt, welches 70 Tonnen einfrieren könne, ausser Lebensmittelherstellern, bei denen infizierte Kadaver aber natürlich nichts verloren hätten.
Eine Verbrennung wird inzwischen aber auch immer unwahrscheinlicher, weil verrottende Kadaver nicht später als drei Tage nach der Keulung verbrannt werden dürfen. Guter Rat ist also weiterhin teuer.

Zweiter Scrapie-Fall: Kommt DeCODE mit ins Boot?

deCode Genetics CEO Kári Stefánsson

Das isländische Genforschungsinstitut DeCODE könnte möglicherweise ein Forschungslabor einrichten, um Proben aus isländischen Schafen zu untersuchen und das vor Scrapie schützende Gengut zu finden, berichtet RÚV am Abend. Das Gengut konnte bereits in mehreren Schafen lokalisiert werden, diese befinden sich auch bereits in der Zucht. Um bei der Suche nach dem Gen aber so richtig voranzukommen, müsste der gesamte Bockbestand – 200.000 Tiere – in kürzester Zeit untersucht werden. Bislang sind die Proben von einzelnen Höfen genommen und dann zur Untersuchung nach Deutschland geschickt worden, was sehr aufwendig und teuer war.

Heute hat sich nun die isländische Regierung an DeCODE gewandt, nachdem gestern auf einem zweiten Hof im Miðfjörður die tödliche Schafkrankheit Scrapie gefunden worden war. Dort müssen 720 Schafe gekeult werden. Beide betroffenen Höfe gehörten zu den produktivsten Betrieben des Landes.
“Ich bin heute mehrfach angerufen worden,” sagt DeCODE-Direktor Kári Stefánsson. “Parlamentarier und Minister haben mich angerufen und gefragt, ob wir nicht versuchen können, 200.000 Proben zu untersuchen.” Er finde das “ein wenig seltsam”, angesichts der Tatsache dass das Unternehmen noch niemals zuvor Schafe untersucht habe. Nichts desto trotz verfüge das Unternehmen über viel Wissen und Erfahrung auf dem Gebiet der Genforschung und könne im Kampf gegen die Scrapie vonnutzen sein.
Kári sagt, er rechne damit dass man sich gleich am Montag zusammensetzt und die Möglichkeit bespreche, ein Forschungslabor aufzusetzen. Dazu sei es notwendig, Prozesse, Software und Hilfe beim Monitoring einzurichten. Doch so ganz traut er der Sache wohl nicht.

Wollte bereits 2021 Seucheninstitut gründen
Kári Stefánsson hatte schon zuvor vorgeschlagen, ein isländisches Seucheninstitut auf die Beine zu stellen, damit die Regierung bei Ausbruch einer Seuche sofort reagieren könne.
Anfang 2021, als sein Institut der Regierung zur Diagnostizierung von COVID-Antikörpertests zur Hilfe gekommen war, hatte er schon davon gesprochen, ein Seucheninstitut gründen zu wollen, und dafür technische Ausrüstung, Finanzierung und Wissenschaftler zur Verfügung zu stellen. Immerhin wisse er nicht, wie lange es das Unternehmen vor Ort noch geben werde. DeCODE befindet sich in ausländischem Besitz.

Neuer Scrapie-Fall im Miðfjörður ist Katastrophe
Im Miðfjörður sitzt der Schock indessen tief. Gestern war auf dem Hof Syðri-Urriðaá ein Fall von Scrapie aufgefallen, 720 Schafe müssen gekeult werden. Die Keulung auf dem Hof Bergstaðir ist beendet, allerdings können die Kadaver nicht der Verbrennung zugeführt werden, weil der Ofen in Suðurnes defekt ist. Die Bürgermeisterin des Bezirks, Unnur Valborg Hilmarsdóttir, steht in Verhandlungen mit der Umweltbehörde, um Lösungen zu finden. Die anstehende Keulung ist dringend, immerhin beginnt Ende des Monats die Lammzeit und die meisten zu tötenden Schafe sind hochtragend.

Unnur bezeichnete das als Katastrophe für die Gemeinschaft. “Alle sind natürlich wie erschlagen, und all unsere Gedanken sind vor allem bei den Landwirten, die vor diesem Elend stehen. Man muss auch sagen, dass viele Bauern jetzt tief besorgt darüber sind, wie es weiter geht,” sagte Unnur Vísir gegenüber. Zur Zeit wird fieberhaft danach gesucht, ob die Krankheit sich noch weiter verbreitet hat. Für Dienstag hat sie eine Bürgerversammlung organisiert, wo Vertreter von Bauernverbandes und Veterinäraufsichtsbehörde sprechen werden, ausserdem Karólína Elísabetardóttir, die die landesweite Suche nach dem vor Scrapie schützenden Gen vor zwei Jahren angestossen und vorangetrieben hatte, sowie eine Psychologin, die sich um die seelische Verfassung der Bewohner im Miðfjörður kümmern will.
“Das sind zwei grosse Höfe, da geht es nicht nur um seelischen Schaden und Schock, sondern auch um einen finanziellen Schaden. Das kann viel weitreichendere Folgen haben als bisher erwähnt,” erklärt Unnur.
Wie auch andere vor ihr fordert auch Unnur viel mehr Geld für Infektionsprävention, den Bau von Schutzzäunen und die Suche nach dem schützenden Gen, um die tödliche Krankheit ein für alle Mal aus dem isländischen Bestand wegzuzüchten. “Das ist das grösste Projekt, vor dem wir stehen,” sagt die Bürgermeisterin.

Regierung soll Mittel zum Schutz vor Scrapie bereitstellen

Die isländische Regierung muss mehr als 100 Millionen Kronen bereitstellen, um den Schutz vor ansteckenden Schafskrankheiten voranzutreiben und die Ausbreitung der tödlichen Krnkheit Scrapie einzudämmen, fordert die leitende Amtstierärztin bei der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir. Die Zäune im Hochland befänden sich einem zu schlechten Zustand, um das Wechseln von Schafen aus einem Schutzgebiet ins nächste zu verhindern.

Die Keulung der 690 Schafe im Miðfjörður hat begonnen. Auf dem Hof war in der vergangenen Woche Scrapie in einem erkrankten Tier gefunden worden, zum ersten Mal in einem bislang vollkommen krankheitsfreien Gebiet. Eine Diagnostik kann nur aus dem Liquor eines getöteten Tieres erfolgen. Alle gekeulten Schafe werden untersucht, um die Zahl der Infektionen zu ermitteln. Ausserdem waren in den vergangenen fünf Jahren 40 Schafe an andere Höfe verkauft worden. Von diesen 40 Tieren sind 20 noch am Leben und werden ebenfalls zu diagnostischen Zwecken gekeult.
Es kann bis zu 1,5 Jahre dauern, bis sich die Krankheit in einem Tier mit klinischen Symptomen manifestiert, nachgewiesen werden kann das Scrapie verursachende Prion jedoch schon nach acht Monaten. Völlig im Dunkeln hingegen tappt man bislang bei der Suche nach dem Ursprung der Krankheit im Miðfjörður.

Trausti Hjálmarsson, der Vorsitzende der Schafzüchter im Bauernverband, hatte gestern ebenfalls mehr finanzielle Unterstützung durch die Regierung gefordert, vor allem beim Auffinden des ARR Gengutes, welches vor Scrapie schützt. Die Instandhaltung der Zäune müsse gewährleistet werden. Trausti findet zudem, der Besuchsverkehr zwischen Schafhöfen gehöre reduziert.
Die Diagnostik der von den Züchtern entnommenen Gewebeproben stellt einen beträchtlichen Kostenfaktor dar. Auch Zuchttiere, die das Gengut in sich tragen und weitergeben können, werden sehr teuer gehandelt.

Teures Schutzzaunsystem
Gletscher, Berge und breite Flüsse stellen natürliche Begrenzungen für die Schafe dar. Zusätzlich wurden Zäune errichtet, die die Tiere in ihren Gebieten halten sollen. Sie verlaufen entlang der Schutzgebietsgrenzen bis weit ins Hochland hinein.
“Diese Zäune sind insgesamt viele hundert Kilometer lang. Das ist unglaublich teuer, die instandzuhalten und in jedem Jahr dafür zu sorgen, dass die Schafe sie nicht überwinden. Das hat nicht funktioniert. Wenn man das unverändert so weiter betreiben will, braucht es natürlich grosse zusätzliche Mittel, Gelder, um das ganze System aufrechtzuerhalten,” erklärt Sigurborg. Sie schätzt die benötigte Summe auf über 100 Mio. Kronen.

Die Scrapie befindet sich vermutlich seit 1874 im Land. Eingeschleppt worden war sie durch den Import von Karakulschafen aus Deutschland. Vor etwa 40 Jahren begann man den Kampf gegen die Krankheit, die sich stark ausgebreitet hatte und grosse Schäden im Schafbestand verursachte. Sigurborg zufolge habe man mit den durchgreifenden Massnahmen – Bestandskeulung, Desinfektion, Erdaustausch und Zuchtpause – seitdem durchaus Erfolge zu verzeichnen können. Jetzt stünden diese Massnahmen erneut auf dem Prüfstand, und man hege grosse Hoffnungen auf eine Zucht mit dem schützenden Gengut. Möglicherweise gelinge es so, das isländische Schaf zu retten und in den kommenden 15 bis 20 Jahren einen Scrapie-resistenten Bestand aufzubauen.

Scrapie in der Húnavatnssýsla gefunden

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Auf dem Hof Bergstaðir im Húnavatnssýsla im Nordwesten des Landes ist die unheilbare Schafkrankheit Scrapie diagnostiziert worden, berichtet RÚV. Das isländische Gesetz schreibt die Keulung des gesamten Bestandes vor, um eine Ausbreitung der ansteckenden Erkrankung zu verhindern. Deshalb müssen alle 690 Tiere getötet werden.

Scrapie in dieser Region zum ersten Mal aufgetreten, ein grosser Schock für das bislang stets krankheitsfreie Gebiet, wo ab jetzt für zwei Jahrzehnte keine Schafe mehr zwischen den Höfen getauscht oder verkauft werden dürfen. Auch Verkäufe aus dem Bezirk in andere Bezirke ist nun verboten. Die Anzahl der krankheitsfreien Bezirke, in die unter keinen Umständen kleine Ruminanten oder landwirtschaftliches Gerät aus anderen Bezirken hineingebracht werden darf, reduziert sich damit auf vier: Snæfellsnes, östliche Westfjorde, nördliche Þingeyjarsýsla, Öræfi.

Hartes Vorgehen vonnöten
Scrapie wird oft als die Schafvariante der bovinen BSE-Krankheit bezeichnet. Wenn ein Schaf positiv auf Scrapie getestet wird, muss der gesamte Bestand gekeult werden, der gesamte Heuvorrat vernichtet und das gesamte Land rund um den Hof, sowie Gebäude und Gerätschaften desinfiziert werden, entweder chemisch oder durch Feuer, weil die Krankheit für Jahrzehnte in der Umgebung schlafen kann. Und selbst nach diesen drastischen Massnahmen dürfen die Bauern dann für Jahre kein Vieh auf dem Land halten. Oft betrift Scrapie auch Nachbarhöfe, etwa weil Schafe im Hochland zusammen gegrast haben. Übertragen wird die Krankheit vor allem durch Plazentaflüssgkeiten unter der Geburt, sowie durch die Muttermilch. Auf den Menschen ist die Scrapie nicht übertragbar.

Im vergangenen Jahr hatten Forscher zwei Genotypen im isländischen Schaf entdeckt, die offenbar vor der Scrapie schützen: ARR und T137. Zur grossen Freude der Schafbauern fanden sich mehrere zuchttaugliche Tiere, die eingesetzt werden konnten, und noch im gleichen Jahr wurden züchterische Anstrengungen unternommen, um diese schützenden Genotypen im Land weiterzuverbreiten.

 

Scrapie: Auch Schafe mit schützendem Genotyp müssen gekeult werden

Das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel hat einen Antrag der Lebensmittel-und Veterinäraufsichtsbehörde MAST auf Ausnahmegenehmigung im Rahmen des Tierseuchengesetzes positiv beschieden, demnach dürfen nun Lämmer und Zuchttiere mit dem vor Scrapie schützenden Genotyp auch über die Seuchenschutzgrenzen in andere Gebiete verkauft und transportiert werden, berichtet das Bændablaðið.
Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Scrapie, wenn also ein Tier positiv getestet wird, bleiben jedoch unverändert: erkrankt ein einziges Schaf oder eine Ziege an Scrapie, muss die gesamte Herde gekeult werden, ganz gleich ob Tiere in der Herde das schützende Gen tragen oder nicht.

Neues Regelwerk zu Seuchenschutz und Tiergesundheit in Arbeit
Die leitende MAST-Tierärztin Sigurborg Daðadóttir hatte vor zwei Jahren eine Überprüfung der Bestimmungen zur Scrapiebekämpfung angefertigt. In dem Jahr hatten sich mehrere Scrapiefälle ereignet, tausende Schafe im Norden des Landes waren daraufhin gekeult worden. Im Dezember 2021 wurde der Bericht an das Ministerium übersendet, wo nun an neuen Bestimmungen gearbeitet wird, nachdem sich herausstellte, dass auch in Sachen Tiergesundheit Nachbesserungsbedarf besteht.

Zucht mit schützendem Genotyp kann beginnen
Während die Schafzüchtergemeinschaft auf die Ergebnisse wartet, werden die wertvollen Schafe mit dem schützenden Gen über das Land verteilt, vor allem dort, wo ein Scrapieausbruch am ehesten zu befürchten ist. Diese Regionen geniessen einer Definition von MAST zufolge Priorität beim Verkauf der begehrten Zuchttiere.
Bislang sind 128 Schafe mit entweder dem ARR oder dem T137 Gen in Island gefunden worden. Vier Böcke werden ihren Dienst in der nationalen Zuchtanstalt beginnen, wo man imWinter dann Material für die künstliche Besamung bestellen kann: Gimsteinn, Gullmoli und Hornsteinn vom Hof Þernunes, sowie Austri vom Hof Stóra-Hámundastaðir.

In Europa schützt Genotyp vor Keulung
Züchterische Arbeit in Europa geht schon länger dahin, den Tierbestand mit schützenden Genotypen zu stärken. Im Allgemeinen gilt dort die Regel, dass man im Fall eines Scrapieausbruchs sofort die Genotypen der Tiere in der Herde überprüft, um die Infektionswahrscheinlichkeit einzuschätzen. Üblicherweise verschont man Schafe mit dem ARR-Genotyp, während Schafe ohne den Genotyp gekeult werden.
In Island werden alle Schafe gekeult, gleich ob sie den Genotyp tragen oder nicht. Damit ist es züchterisch nicht möglich, den Einfluss des Genotyps auf Bestand und Krankheit langfristig zu sichern, bzw. einen genetisch geschützten Bestand aufzubauen.

Scrapie ist bis heute unheilbar. Die Erkrankung kam vermutlich im Jahr 1878 durch Import eines englischen Schafbocks über Dänemark in den Skagafjörður, eine der noch heute am schwersten betroffenen Regionen Islands. In den 70ger Jahren war zwei Drittel des isländischen Schafbestandes erkrankt und musste getötet werden, seit 1986 gilt die Keulungsbestimmung, dass bei Auffinden eines einzigen erkrankten Tieres der gesamte Bestand vernichtet wird. Weil der Erreger auch Winter überdauert, müssen Züchter mehrere Jahre warten, bis sie wieder Schafe halten dürfen.

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