Baubeginn für Schutzwall rund um Grindavík

Reykjanes peninsula

Gestern ist mit dem Bau eines Schutzwalls um den von der Lava eines möglichen Vulkanausbruchs bedrohte Küstenort Grindavík begonnen worden. Die Bauarbeiten finden rund um die Uhr statt, bei Fertigstellung wird der Wall dann eine Länge von zwei Kilometern haben.

Schutzwall für 6 Mrd ISK
Am 29. Dezember hatten die Behörden angekündigt, dass Grindavík mit einem Schutzwall ausgerüstet werden soll, um vor Lavaströmen aus möglichen Vulkanausbrüchen in der Region geschützt zu sein. Kaum lag die Genehmigung aus dem Justizministerium vor, begannen auch schon die Bauarbeiten. Dabei halfen Erfahrungen aus dem noch nicht fertiggestellten Bau eines Schutzwalls um das Erdwärmekraftwerk Svartsengi, und diesmal kommen riesige Bagger zum Einsatz, um die enormen Mengen an Material zu fördern. Auch einer aus naheliegenden Grube wird Material herangeschafft.
Der erste Teil des Schutzwalls soll nach drei Wochen stehen, das Gesamtprojekt kostet um die sechs Mrd. ISK (40 Mio EUR)

Der Leiter des isländischen Zivilschutzes, Víðir Reynisson, sagte RÚV gestern, an dem Projekt seien zahlreiche Bauunternehmen beteiligt, die alle rund um die Uhr im Einsatz seien. Auf einen Vulkanausbruch seien alle jederzeit vorbereitet. Die Unternehmen fahren in ihren eigenen Fahrzeugen auf die Baustelle, stehen jedoch in engem Kontakt zu den Einsatzkräften und können im Ernstfall sofort evakuiert werden.
Die Landhebung am Erdwärmekraftwerk hat sich verlangsamt, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass ein neuer Vulkanausbruch bevorsteht. Zumindest war es so bei dem Ausbruch vom Dezember der Fall gewesen.

Besser nicht in Grindavík schlafen
Víðir gab an, die Behörden hätten den Bewohnern von Grindavík dringend angeraten, nicht in der Stadt zu übernachten, auch wenn sie das Recht dazu hätten, und immerhin gibt es auch einige Einwohner, die bis jetzt keine neue Wohnung hatten finden können. Gerade ihnen ist angeraten, sich einer Eruption in Ortsnähe sehr bewusst zu sein. Um sicherzustellen, dass übernachtende Bewohner vor allem Nachts sofort gewarnt werden können, haben die Behörden ein SMS-Warnsystem installiert, ausserdem befinden sich zwei Polizeifahrzeuge in Bereitschaft, um Leute im Ernstfall zu benachrichtigen.

Seit gestern hat sich seismisch in der Region wenig verändert. Um die 60 Erdbeben sind seit Mitternacht aufgezeichnet worden, die Landhebung bleibt unverändert. Heute Vormittag ereignete sich ein heftiges Beben der Stärke 4,5 in der Nähe des Berges Keilir. Experten des isländische Wetterdienstes brachten dieses Beben mit tektonischen Spannungsveränderungen in Zusammenhang.
Ein vulkanischer Ausbruch in der Region gilt weiterhin als hochwahrscheinlich.

Schutzwall für Grindavík beschlossen

grindavík evacuation

Islands Regierung hat den Bau eines Schutzwalls um den Küstenort Grindavík genehmigt. Erste Vorbereitungen für den Wall nördlich des Ortes haben bereits begonnen, zum Jahrenbeginn sollen die Bauarbeiten dann richtig losgehen.
Die Kosten für den ersten Teil des Bauwerks werden zunächst auf eine halbe Milliarde ISK geschätzt, der gesamte Schutzwall dürfte am Ende sechs Milliarden ISK kosten.

Der erste Teil des Walls soll dort errichtet werden, wo nördlich des Ortes die meiste Gefahr für einen Lavafluss aus dem Norden besteht. Weitere Schritte werden dann nach möglichen Fliessrichtungen entschieden. Mit einer Fertigstellung wird im Frühjahr gerechnet.
„Das ist ein großer Wall und er wird Auswirkungen haben.“ sagte Justizministerin Guðrún Hafsteinsdóttir RÚV gegenüber. „Er wird das Gesicht von Grindavík verändern. Aber wir glauben, dass dies die beste Option ist, um mit aller Kraft zu versuchen, die Werte in Grindavík zu schützen.“

Auch weiterhin bleibt der Ort weitestgehend evakuiert. Nach dem Aufkommen von Diebstählen dürfen jetzt nur noch Einwohner durch die Sperrposten in den Ort, die sich mit ihrer Personenkennziffer ausweisen können, ausserdem werden alle Autokennzeichen aufgenommen, um zu verhindern, dass Gaffer oder Diebe nach Grindavík gelangen.

Reykjanesausbruch: Schutzwall geplant, um Lava vom Suðurstrandavegur wegzulenken

Der Vulkanausbruch in den Geldingadalir, dessen Lavafeld in der vergangenen Woche den Namen Fagradalshraun erhalten hatte, ist inzwischen zweimal so kräftig wie zuvor. Das hatten letzte Messungen des geologischen Institutes ergeben. Der Zivilschutz befindet sich in Alarmbereitschaft, um einen Schutzwall aufzuschütten, damit die Lava nicht in das Tal Nátthagi läuft und von dort aus auf den Suðurstrandavegur, berichtet Vísir.
Mit dem veränderten Rhythmus und der hochschiessenden Fontäne hat sich auch die Fördermenge der Lava erhöht. Inzwischen können 13 Kubikmeter pro Sekunde gemessen werden, zuvor waren es acht Kubikmeter gewesen.

Auf einem 3D Modell des Naturkundeinstitutes ist zu erkennen, dass die Lava sowohl die Geldingadalir gefüllt hat, als auch in ein namenloses Seitental der Meradalir gelaufen ist. Dorthin und hinab in die Meraldalir läuft zur Zeit auch die meiste Lava. Nátthagi ist nur einen Abhang davon entfernt, doch dort will niemand die Lava haben.
“Dann läuft sie auf den Suðurstrandavegur, und dann hat das ernsthafte Auswirkungen auf die Infrastruktur, also auf die Strasse und den Verkehr,” erklärte Rögnvaldur Ólafsson,der stellvertretende Leiter des isländischen Zivilschutzes der Polizei.

(Screenshot Vísir)

Einen Schutzwall hat man bereits entworfen. Rögnvaldur schätzt, dass die beidseits des namenlosen Tals vorgesehenen Wälle an die vier Meter hoch ausfallen. Man könne schweres Gerät ohne lange Vorwarnzeit in das Tal bringen und die Wälle aufschütten.
“Am Freitag war es fast soweit gewesen. Da strömte erneut Lava in das namenlose Tal und wir sassen in den Startlöchern, um damit zu beginnen.” Doch dann stellte sich die Lavamenge als geringer heraus, ausserdem floss sie in eine andere Richtung, sodass das Vorhaben erst mal gestoppt wurde.

Lavabomben und Gasgefahr
Heute hatte sich auch der wissenschaftliche Beirat des Zivilschutzes getroffen. In einer Mitteilung des Rates hiess es, die Gesamtfläche der Lava betrage inzwischen 1,78 Quadratkilometer, mit einem Gesamtvolumen von 30,7 Millionen Kubikmetern. Mit dem vermehrten Lavafluss steige auch die ausströmende Gasmenge.

In den vergangenen Tagen war die Lavafontäne bis zu 300 Meter in die Höhe geschossen. Bei einer Windstärke von 15 m/s können da Lavabomben bis zu 600 Meter weit fliegen. Die glühenden Brocken haben an einigen Stellen bereits Moos und Vegetation in Brand gesetzt. Der entstehende Qualm ist stark kohlenmonoxidhaltig. Feuerwehrleute würden Atemmasken benutzen, wenn sie sich in das Gebiet begeben müssten, hiess es in der Mitteilung.

Für alle, die das Spektakel aus der Ferne beobachten, gibt es eine neue Webcam von Vísir, die auf die Fontäne ausgerichtet ist, und die nach Bedarf gedreht werden kann. Betrachter in Island werden gleichzeitig mit Musik versorgt.