Zwei Verdächtige im Mountaineers-Fall vom Langjökull

Zwei Unternehmensangehörige des Reiseunternehmens Mountaineers of Iceland sind von der Polizei im Fall der Schneemobilkatastrophe vom 8. Januar zu offiziell Verdächtigen erklärt worden, berichtet RÚV.
“Einer ist ein leitender Angestellter, der andere ist der Betreiber des Unternehmens,” erklärte der Polizeichef in Südisland, Oddur Árnason.

Damals waren 39 ausländische Touristen bei einer geführten Schneemobiltour auf den Langjökull trotz Wetterwarnung in einen Schneesturm geraten und hatten mit einer aufwendigen Rettungsaktion vom Berg geholt werden müssen.

Die Ermittlungen in dem Fall sind fast abgeschlossen und sollen schon bald an die Staatsanwaltschaft gehen. Die Schneemobiltour war damals veranstaltet worden, obwohl eine offizielle Wetterwarnung für die Region vorgelegen hatte. Einige der betroffenen Touristen haben bereits rechtliche Schritte gegen das Unternehmen eingeleitet.
Oddur Árnason sagt, dass die Polizei gesetzlich verpflichtet sei, Unfälle und andere ähnliche Vorfälle zu untersuchen, ganz gleich ob ein Verbrechen vermutet wird oder nicht. Es sei dahingehend ermittelt worden, ob das Unternehmen Sicherheitsregeln gebrochen habe und ob das Unternehmen strafrechtlich haftbar gemacht werden kann.
Bislang sind 17 Zeugenaussagen aufgenommen worden, die Interessensgruppe auf der Ermittlungsseite umfasst 61 registrierte Personen. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob die Polizei Anklage in dem Fall erheben wird.

Mountaineers of Iceland war erst vor drei Jahren in einen ähnlichen Vorfall gelandet, als ein australisches Ehepaar von der Gruppe getrennt wurde und sich auf dem Gletscher verirrte, die beiden hatten bei Schneesturm sieben Stunden lang auf Rettung warten müssen. Auch damals hatte eine offizielle Wetterwarnung für die Region vorgelegen. Das Ehepaar hatte Schmerzensgeld erhalten.

Anwälte warteten auf gerettete Touristen vom Langjökull

Als eine Gruppe von Schneemobilfahrern die Auffangstation erreichte, nachdem sie im vergangenen Monat aus einem Schneesturm am Langjökull gerettet worden waren, warteten Rechtsanwälte auf sie, berichtet RÚV.

Die Anwälte beabsichtigten, ihre Dienste anzubieten, falls die ausländischen Touristen rechtliche Schritte gegen den Reiseveranstalter unternehmen wollten, der für die Exkursion verantwortlich war. Vertreter von Rotem Kreuz und Rettungsorganisation kritisierten das Vorgehen, es habe unnötigen Stress zu der traumatischen Erfahrung der Gruppe hinzugefügt.

Am 7. Januar waren 39 Touristen in der Nähe der Basisstation von Reiseveranstalter Mountaineers of Iceland mit ihren Schneemobilen im Schneesturm gelandet. Sie hatten sich in den Schnee eingegraben und stundenlang auf Hilfe warten müssen. Der Veranstalter der Schneemobiltour gab nachher zu, dass Fehler gemacht worden seien, und dass die Entscheidung, erst die Eishöhle zu besuchen, dazu geführt habe, dass die Gruppe in dem schlechten Wetter gelandet sei.

Als die Gruppe mit ihren Rettern am Gullfoss-Café eintraf, fanden sie die Anwälte dort wartend vor. Anwälte hatten die Gruppe auch bei ihrer Ankunft in Reykjavík erwartet.

Þór Þorsteinsson, der Leiter der isländischen Rettungsorganisation Landsbjörg, sagte, die Anwälte hätten auch bei seiner Organisation angerufen und nach einer Liste der Opfer aus der Expedition gefragt. “Die wir natürlich nicht herausgegeben haben,” versicherte Þór.

In einem Fernsehinterview waren sich Þór und Brynhildur Bolladóttir, die Pressesprecherin des Roten Kreuzes, einig, dass die Anwesenheit von Anwälten nach derartigen Ereignissen keine wünschenswerte Entwicklung sei.

Brynhildur erklärte, es sei die Pflicht der Rotkreuzhelfer, dafür zu sorgen, dass Personen, die ein Trauma erlitten hätten, nicht noch zusätzlichem Stress ausgesetzt werden. Dazu gehören auch Reporter, die ebenfalls vor Ort waren, um einige der Geretteten zu befragen. Die Bedingungen seien solcherart, dass die Opfer nicht beurteilen könnten, ob sie ein Interview abgeben sollten, oder nicht.

Jede Provokation gegen Personen, die Trauma oder ernsthafte Vorfälle erlebt haben, können Konsequenzen haben,” erklärte Brynhildur.