10 Schneelawinen durch Outdoorfreunde ausgelöst

Avalanche in Iceland February 2014.

Seit der Karwoche und Ostern sind rund 10 Schneelawinen durch Menschenhand vom Berg abgegangen, berichtet RÚV. Bei der Hälfte der Fälle sind Menschen vor oder unter der Lawine gelandet. Schwer verletzt wurde niemand. Der isländische Wetterdienst fordert alle Schneefreunde auf, jede Lawine zu melden, vor allem solche, die sich durch äussere Einwirkung lösen.
Acht Lawinen meldete die Wetterbehörde, inzwischen sind zwei weitere hinzugekommen. Der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson bezeichnete die hohe Zahl der Lawinen in einem Facebookbeitrag als “Spiel mit dem Feuer”.

Äusserste Vorsicht vonnöten
Seit Mitte März hatte vor allem im Nordteil des Landes starker Wind aus Nordost geherrscht und in den Bergen sammelte sich der Schnee. Schneebretter bauten sich auf, die zum Teil noch während des Unwetters abgingen, aber auch danach rutschten die Massen – letztere bezeichnet der Wetterdienst als ungewöhnlich. Er weist in einem Artikel darauf hin, dass Skifahrer, Bergwanderer und Motorschlittenfahrer unter solchen Bedingungen äusserste Vorsicht walten lassen müssten und steile Hänge, Schluchten und Klippen meiden sollten.
Auch weiterhin besteht grosse Lawinengefahr im Nor- und Ostland., zumal für dieses Wochenende wieder Unwetter mit Schnee und Schneesturm für den Nordteil des Landes angekündigt ist.

Motorschlitten und Skifahrer
Der Wetterdienst hat folgende Liste zusammengestellt, die deutlich macht, dass menschliche Einwirkung bei Lawinenabgang durchaus eine Rolle spielt:
26. März: Lawine durch Motorschlitten im Héðinsfjörður
28. März: Lawine durch Motorschlitten nahe Húsavík, bei gutem Wetter. Ein Mann wurde unter dem Schnee begraben, konnte aber gerettet werden.
30. März: Lawine durch Skifahrer im Skigebiet Hlíðarfjall, Akureyri ausgelöst (M1,5)
31. März: Skifahrergruppe landet in einer Lawine in Dalsmynni. Eine Frau wurde erheblich verletzt, nachdem die Schneemassen sie durchs Gebüsch mitgezogen hatten. Mehr als 100 freiwillige Retter samt Gerätschaften waren im Einsatz.
1. April: Lawine durch Skifahrer oberhalb des Skigebiets am Böggistaðafjall (M1,5)
2. April: Lawine durch Skigruppe unterhalb von Kaldbak, (M2-2,5)
2. April: grosse Lawine durch Motorschlittengruppe im Dýjadalur bei Dalvik ausgelöst. Grosse Rettungsaktion, am Ende stellte sich heraus, dass entgegen erster Meldungen niemand vom Schnee begraben wurde.
2. April: Lawine durch Motorschlittengruppe im Fljótum ausgelöst, (M2)
3. April: Lawine durch Motorschlitten an einem kurzen Hang des Höskuldarvatnshnjúkur bei Húsavík ausgelöst. Ein Mann am Fuss des Berges wurde im Schnee begraben, konnte gerettet werden.
3. April: Lawine durch Skifahrer im Ólafsfjörður ausgelöst, drei wurden teilweise im Schnee begraben.

Der Wetterdienst fordert alle auf, Lawinen sofort zu melden, entweder mit diesem Meldeformular oder per Email: [email protected].
Eine neue Karte der Wetterbehörde zeigt das Gefälle in der Landschaft an und gibt vor allem Motorschlittenfahrern und Skifahrern wichtige Informationen.

Dalatangi im Mjóifjörður: Bauer befreit seine Nachbarn aus dem Schnee

Bauer Sigfús auf Brekka im Mjóifjörður hat sich in den vergangenen Tagen mit seinem Bagger durch die Schneemassen herabgegangener Lawinen in Richtung Dalatangi gegraben und hofft, die Strecke bis morgen freilegen zu können. Dann würde eine lange Isolation des östlichsten Bauernhofs in Island zuende gehen, berichtet Vísir.

Sigfús Vilhjálmsson schaufelt seit Tagen an den Schneemassen mehrerer Lawinen. Die grösste von ihnen war 300 Meter lang und auf einem Abschnitt von 200 Metern bis zu zwei Meter hoch. Seit Februar war die Strasse zwischen den Höfen Brekka und Dalatangi verschüttet gewesen.
Der fast 80-Jährige und sein 33 Jahre alter Bagger sind ein starkes Team. “Ich glaube, der ist aus den 90ger Jahren,” grinst Sigfús. “Der ist so alt, dass er gar nicht kaputtgehen kann.” Um die Heiði kümmern sich die Schneefräsen der Strassenverwaltung, die “Dorfstrassen” hingegen sind Sache der Einwohner.

Mehr dazu: Die Bäuerinnen auf Dalatangi

In Dalatangi leben Mutter und Tochter, Marsibil Erlendsdóttir und Aðalheiður Elfríð Heiðarsdóttir, mit ihren Schafen, und einem jugendlichen Wintergast. An dem abgelegenen Ort betreiben sie traditionelle Schafzucht und eine der wichtigsten Wetterstationen des Landes. Eigentlich war die Familie bereits seit kurz vor Weihnachten von der Aussenwelt abgeschnitten gewesen. Im Februar hatte Sigfús sich einmal durch den Schnee baggern können, um die fahrende Lämmerzählerin zum Hof zu bringen, die per Ultraschalluntersuchung die zu erwartenden Lämmer dokumentiert.
Am 23. Januar hatte die Fähre im Mjóifjörður Lebensmittel zum Hof bringen können, am 3. April war ein Boot des Küstenwachschiffs mit Vorräten an den Strand gekommen. Die beiden Frauen haben genug Essen in den Gefriertruhen, sagen sie.  Aber man freue sich ja doch immer über frisches Gemüse, Obst und Sahne.

Zwei Tage hat Sigfús für die grösste der Lawinen gebraucht. Jetzt, so sagt er, seien noch drei kleinere übrig, und dann kann die Piste nach Dalatangi hoffentlich morgen geöffnet werden.
Die Isolierung der Bewohner von Dalatangi ist dann jedoch nicht zuende, denn aus dem Tal kommen sie erst raus, wenn auch die Mjóafjarðarheiði geräumt ist. Damit ist vor Mai nicht zu rechnen, und die Räumung der Strasse ist jedes Jahr eine Tagesnachricht wert. Die Bergstrasse war seit November unbefahrbar.

Lawinengebiet: Heute Verschnaufpause, ab morgen wieder Schneefall und Wind

avalanche neskaupstaður

Im Städtchen Neskaupstaðir herrscht nach den gestrigen Lawinenabgängen immer noch eine Art Ausnahmezustand. Drei Lawinen waren auf Wohnhäuser abgegangen, eine von ihnen an der gleichen Stelle wie 1974, als 12 Menschen ums Leben kamen. Diesmal hatte es zum Glück nur geringfügige Verletzungen durch Glassplitter gegeben. Alle Zufahrtswege sind seit gestern durch Schneemassen versperrt, der Tunnel war am Morgen geschlossen worden.
Im Auffangzentrum des Roten Kreuzes hatten sich 300 Menschen versammelt, die aus ihren Häusern evakuiert worden waren.

Aus allen Landesteilen waren freiwillige Helfer und Experten nach Egilsstaðr geflogen worden, darunter auch Suchhunde und ein Anästhesist für das Krankenhaus in Neskaupstaðir, doch sassen sie alle in Egilsstaðir fest, weil es selbst für schwere Fahrzeuge nicht möglich war, in die Stadt vorzudringen. Sie sollen vorerst in Egilstaðir bleiben, solange die Lage es erfordert.
Von Akureyri aus hatte sich das Küstenwachschiff Þór auf den Weg nach Süden gemacht und war gegen Abend am Kai von Neskaupstaðir angekommen. An Bord befanden sich Helfer, Gerät und Lebensmittelvorräte, und 20 Helfer fanden dort auch einen Schlafplatz für die Nacht. Am Abend hatte der Hubschrauber eine Schwangere mit Arzt und zwei Rotkreuzmitarbeitern von Neskaupstaðir nach Egilsstaðir gebracht, die Mannschaft übernachtete dort, am Morgen flog der Hubschrauber dann zurück in die eingeschlossene Stadt.

Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes, der den Einsatz vom Hauptquartier in Reykjavík aus koordiniert, sagte gestern Abend, dies sei mit insgesamt um die 500 Personen die mit Abstand grösste Evakuierung der letzten Jahre.
In Seyðisfjörður hatten 40 Häuser evakuiert werden müssen. Hier hatte man auch die Maschinen der Heringsfabrik heruntergefahren, weil das Gebäude im Evakuierungsgebiet liegt. Es ist soviel Schnee gefallen, dass die Einwohner der Stadt in ihren Häuern festsitzen. Auch in Eskifjörður waren wegen unsicherer Schneelage 16 Wohnhäuser geräumt worden.
Für heute
rechnet man mit eher ruhigem Wetter und einer Normalisierung der Lage, aber ab Morgen stehen wieder Wind und Schneefall bevor und die Situation in den Ostfjorden könnte sich verschlechtern.

Schneelawinen fallen auf Neskaupstaðir

Avalanche in Iceland February 2014.

Das Städtchen Neskaupstaðir im Norðfjörður ist am Morgen von zwei Schneelawinen getroffen worden, Die eine Lawine ging in der Nesgil ab, die erste Schlucht ausserhalb des Lawinenschutzes, und fiel auf ein Mehrfamilienhaus im Wohngebiet, die zweite Lawine ging im Einflussbereich des Lawinenschutzes oberhalb von Urðarteigur ab und rutschte über die Strasse und ins Meer, berichtet Austurfrétt.
Teile der Stadt mussten evakuiert werden, unter anderem das Bezirkskrankenhaus.

Durch geborstene Fensterschreiben ist es zu geringfügigen Verletzungen gekommen, schwer verletzt wurde nach letzten Angaben jedoch niemand. Die regionale Rettungsgruppe hat Kontakt zu allen in dem Haus gemeldeten Personen. Das Rote Kreuz hat im Gemeindehaus Egilsbúð für die Evakuierten eine Auffangstation eröffnet. Für die Ostfjorde gilt die Notfallstufe des Zivilschutzes.

Auch in Seyðisfjörður mussten Häuser geräumt werden, nachdem von der Wetterbehörde eine Lawinenwarnung ausgegeben worden war. Dort ist noch kein Abgang zu verzeichnen, die Evakuierung erfolgt prophylaktisch.
In weiten Teilen der Ostfjorde herrscht Schneesturm, die Leute waren aufgefordert worden, zuhause zu bleiben. Auch die Schule fällt heute aus. Der Tunnel Norðfjarðargöng ist wegen Lawinengefahr gesperrt.
Bürgermeister Jón Björn Hákonarsson gab RÚV gegenüber an, es sei klar dass der Lawinenschutz oberhalb der Stadt noch weiter ausgebaut werden müsse.

update 11.00 Uhr
RÚV berichtet dass sich eine fünfköpfige Familie in dem Mehrfamilienhaus befunden hatte, als die Lawine auf das Haus niederging und von den Einsatzkräften aus schneegefüllten Räumen geholt werden musste. Die Schneemasen hatten Tür und Fenster regelrecht gesprengt. Nach Angaben des Zivilschutzes war die Lawine nicht schneereich gewesen, aber hatte sich mit hohem Tempo den Berg hinunterbewegt.
Das Küstenwachschiff Þór ist von Akureyri aus losgefahren und wird gegen Abend in Vopnafjörður eintreffen. Ausserdem ist ein Hubschrauber der Küstenwache mit Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg und Suchhunden auf dem Weg nach Osten. Zivilschutzleiter Víðir Reynisson hatte angegeben, man wolle die Hilfskräfte jeweils nach Bedarf in die betroffene Stadt holen, weil die Lage in der gesamten Region brenzlig sei.

 

Schneelawine reisst 15 Pferde in den Tod

Im Skagafjörður ist heute gegen 13 Uhr zwischen den Höfen Stekkjaból und Hólkot im Unadalur westlich von Hofsós eine Schneelawine abgegangen. Das Team “Grettir” der örtlichen freiwilligen Retter rückte aus, denn in dem Gebiet, wo die Lawine ins Tal traf, hatten sich 15 Pferde befunden, doch leider kamen sie zu spät..
Die Pferde sind bei dem Unglück alle ums Leben gekommen. Bewohner des Unadalur gaben an, beide Höfe seien nicht in Gefahr gewesen, auch Gebäude wurden nicht beschädigt, berichtet Vísir.

Lawinenabgang auf der Öxnadalsheiði, niemand verletzt

Driving in the snow in Iceland

Gestern Abend sind zwei Schneelawinen auf der Öxnadalsheiði zwischen Bakkaselsbrekka und Grjótár niedergegangen, der Bergabschnitt der Ringstrasse musste daraufhin gesperrt werden. Verletzt wurde niemand, es bedurfte jedoch eines Grossaufgebots an freiwilligen Rettern, um Autofahrern aus dem Schnee zu helfen, berichtet RÚV.

Die erste Lawine ging gegen 21 Uhr ab, zum Glück als niemand dort unterwegs war, und versperrte die Strasse. Auf beiden Seiten stauten sich etwa 15 Fahrzeuge. Polizei und Rettungseinheiten aus dem Eyjafjörður und Skagafjörður machten sich auf den Weg, Fahrzeuge aus dem Schnee zu ziehen und die Leute in die Orte zu bringen.

Als gegen Mitternacht nur noch drei Fahrzeuge feststeckten, ging ganz in der Nähe die zweite Lawine ab. Sie traf vier Verkehrsteilnehmer, die gerade dabei waren, ein Auto mit einer Familie an Bord aus dem Schnee zu graben. Niemand wurde verletzt, aber Hannes Rúnarsson, einer der betroffenen Helfer und selbst Berufsfahrer, der mit dem Leben davon gekommen ist, wirft Vísir zufolge der Strassenverwaltung nun vor, Öxnadalsheiði zu spät für den Verkehr gesperrt zu haben und die Gefahrenkennzeichnung im Internet nicht angepasst zu haben. So hätte verhindert werden können, dass sich soviele Fahrzeuge dort oben ansammelten, meint Hannes.

Nach Angaben von Smári Sigurðsson, dem Einsatzleiter der Rettungsmannschaft des Eyjafjörður, habe man nach der zweiten Lawine die Leute einfach ins Auto von Landsbjörg umgeladen und den Berg verlassen, weil Gefahr weiterer Lawinenabgänge bestand. Das Wetter dort oben sei gut gewesen, aber es habe zuvor viel geschneit. Im Öxnadalur selber war das Wetter schlechter. Smári sagt, Schneelawinen seien durchaus ein bekanntes Phänomen auf der Öxnadalsheiði, allerdings würden sie nur selten auf die Ringstrasse abgehen.

Insgesamt nahmen 40 Retter an dem Einsatz teil, der gegen zwei Uhr in der Nacht vorläufig beendet wurde. Gestern hatte im gesamten Norden und Nordwesten sehr schlechtes Wetter geherrscht, die meisten Bergstrassen waren unbefahrbar. Schneestürme aus Nord brachten an die 20 Einsätze für die freiwilligen Retter, die meisten betrafen Autofahrer auf der Holtavörðuheiði, auf der Halbinsel Tröllaskagi und auf der Öxnadalsheiði. Ausserdem halfen die Retter einem Bauern im Ólafsfjörður, Futter per Motorschlitten zu seinen Tieren zu bringen.

Andauernde Schneefälle im Norden haben auch die Gefahr von Lawinenabgängen in Siglufjörður weiter erhöht. Nachdem vor einigen Tagen das Skigebiet von einer Lawine getroffen worden war, sind nun auch innerorts Evakuierungen vorgenommen worden. Gestern Abend waren im Skutulsfjörður mehrere kleinere Lawinen abgegangen. Der Zivilschutz gibt an, dass bis mindestens Morgen noch mit Schneefall zu rechnen ist. Lawinengefahr und Verkehrsbehinderungen werden ebenfalls aus den Westfjorden gemeldet.

 

Schneelawine fällt auf Skigebiet, niemand verletzt

Ski Siglufjörður Skarðsdalur

Heute morgen ist eine Schneelawine auf das Pistengebiet und die Skihütte in Siglufjörður gefallen bislang ist unklar, wie hoch die Sachschäden ausfallen. Menschen hatten sich zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs nicht dort befunden. Mitarbeiter des Pistengebietes im Skarðsdalur hatten die Schneemassen entdeckt, als sie heute Morgen zur Arbeit erschienen, berichtet RÚV.

Die Skihütte wurde getroffen und von ihrem Fundament gerissen, die Container mit Verleihequipment unter Schneemassen begraben, und auch das Pistenräumgerät war von den Schneemassen von seinem Platz bewegt worden.
Gebietsleiter Egill Rögnvaldsson sagt, er und seine Mitarbeiter hätten gleich wieder kehrt gemacht und das Gebiet verlassen, weil unklar sei, ob es weitere Lawinenabgänge geben werde. Man habe sich nur einen kurzen Überblick verschafft und gesehen, dass die Sachschäden beträchtlich seien.

Seit vorgestern Abend ist das Fjallabyggð von der Aussenwelt abgeschlossen, nachdem Ólafsfjarðarmúli und Siglufjarðarvegur wegen Lawinengefahr hatten gesperrt werden müssen.
Informationen der Strassenverwaltung zufolge gräbt man sich zur Zeit mit schwerem Gerät durch die zwei Lawinen in der Múli, danach erst kann beurteilt werden, ob der Weg dort wieder geöffnet werden kann.
Für die Halbinsel Tröllaskagi besteht wegen Lawinengefahr zur Zeit die Ungewissheitsstufe des Zivilschutzes.

Lawinenschutzmassnahmen sollen vorangetrieben werden

Flateyri after avalanche

Die Regierung hat einen Plan vorgelegt, nach dem an zehn Orten in Island Verbesserungsarbeiten an den dortigen Lawinenschutzvorrichtungen vorgenommen werden sollen, berichtet RÚV. Vor allem in dicht besiedelten Risikogebieten soll der Lawinenschutz zügig fertiggestellt werden.

In der vergangenen Woche hatte die Regierung einen neuen Plan veröffentlicht, mit dem die isländische Infrastruktur gestärkt werden soll. Der Plan kommt nach einem unverhältnismässig heftigem Winter mit starken Stürmen und dramatischen Lawinenabgängen und der Erkenntnis, dass es unter anderem im isländischen Energie- und Telekommunikationsnetz, aber eben auch beim Lawinenschutz Lücken gibt, die es zu schliessen gilt.

Nun also sollen die Lawinenschutzverbauungen bis zum Jahr 2030 fertiggestellt werden. Die Lawinen, die im Januar Flateyri und den Súgandafjörður getroffen hatten, hatten auch ans Tageslicht gebracht, dass Gelder aus dem Lawinenfonds jahrelang für andere Zwecke genutzt worden waren, und dass Verbauungsprojekte zum Schutz vor Schneelawinen darunter gelitten hatten.
In den kommenden fünf Jahren sollen die Verbauungen in Patreksfjörður, Hnífsdalur, Flateyri, Siglufjörður, Seyðisfjörður, Neskaupstaður und Eskifjörður ausgebessert werden. Zwischen 2025 und 2030 sollen dann Bauwerke in Flateyri und Siglufjörður fertiggestellt sein, während in den zuvor genannten Orten ebenfalls weiter gebaut werden soll, hinzu kommen dann Verbauungen in Tálknafjörður, Bíldudalur, und Ólafsvík.

Wenn der Plan eingehalten wird, dann wären die Lawinenverbauungen in den dicht besiedelten Risikogegenden etwa 25 Jahre früher als ursprünglich angenommen.

Lawinenunglück an der Esja, ein Mann wurde verschüttet

Mehr als einhundert freiwillige Retter, Polizisten, Sonderinsatztruppe und Feuerwehrleute sind gegen 12.30 Uhr heute Mittag ausgerückt, nachdem Augenzeugen eine Schneelawine am Berg Esja vor den Toren Reykjavíks beobachtet und sofort gemeldet hatten.

Drei Personen waren von der Lawine am Móskarðshnúkur östlich des Berges betroffen gewesen, ein Mann wurde unter den Schneemassen begraben, ein zweiter landete im Schnee, der dritte entkam der Lawine, berichtet RÚV.

Der verschüttete Wanderer wurde sofort mit dem Hubschrauber ins Universitätskrankenhaus transportiert. Die beiden anderen wurden mit dem Krankenwagen in die Klinik gebracht.

Wie Lárus Steindór Björnsson im Interview bei RÚV angab, wurde der Verschüttete recht schnell gefunden, weil sein Gefährte die entscheidenen Hinweise gab. Die Suche sei trotzem sehr anstrengend und anspruchsvoll gewesen, es habe grosse Kälte geherrscht, ausserdem hätten die Schneemassen an einem Fluss gelegen, was die Suche zusätzlich erschwert habe.

Insgesamt sei die Lawine eher klein ausgefallen und auf einem begrenzten Gebiet abgegangen. Nach Abschluss des Einsatzes sei im gleichen Gebiet eine weitere kleine Lawine abgegangen. Wie Lárus sagt, müsse man sich auf alles einstellen, wenn so etwas passiere.

An den Bergen Mosfell und Skálafell wurden ebenfalls Schneelawinen gemeldet.

Das isländische Wetteramt hat für den Südwesten des Landes die gelbe Warnstufe für Schneelawinen herausgegeben und bittet Wanderer, äusserste Vorsicht in verschneitem Gelände walten zu lassen. Die Gefahr von Lawinen in der Region sei zur Zeit sehr hoch, bestätigte auch die Polizei am Nachmittag.

Rekordlawine in Flateyri – Verschüttete war guter Hoffnung

Lawinenexperten des isländischen Wetteramtes haben in den vergangenen Tagen die Schneemassen der beiden Lawinen von Flateyri untersucht, berichtet RÚV. Ihren Messungen zufolge war dies eine der grössten Schneelawinen, die weltweit auf eine Verbauung gefallen war. Die Verbauung in Flateyri soll Lawinen nicht aufhalten, sondern in eine andere Richtung lenken.

Nach Angaben des Wetteramtes haben sich die Lawinen oberhalb von Flateyri auf einem langen Abschnitt über die Verbauung geschoben, auch sind enorme Schneemassen am Verbindungsstück der beiden Verbauungsäste oberhalb der Stadt zu finden. Sie waren mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 km/h zu Tal gegangen. Von der Schneemenge her dürfte die Lawine, die in den Hafen abgegangen war, der Lawine vom Jahr 1995 entsprechen. Damals waren 20 Menschen ums Leben gekommen.

Halldór Halldórsson, der Leiter des isländischen Fonds für Verbauungswerke, kritisierte RÚV gegenüber, das Parlament habe die finanziellen Mittel für Verbauungswerke in gefährdeten Gebieten zu knapp bemessen. Im Fonds befänden sich ungenutzte 23 Mio. ISK, und geplante Verbauungsprojekte hätten bis 2010 vollendet sein sollen. Die Projektdauer wurde per Gesetz auf das Jahr 2020 verlängert, doch glaube er nicht an eine Fertigstellung vor dem Jahr 2050.

Bei dem Unglück war niemand getötet oder verletzt worden, jedoch war ein Mädchen in ihrem Zimmer verschüttet worden. Iin einem Interview mit RÚV sagt die 14-jährige Alma, sie habe nicht daran gezweifelt, dass sie aus ihrer Notlage gerettet werden würde.

Das war wie Beton,” berichtete sie. “Ich war eigentlich wie in einer Form. Ich konnte mich vielleicht zwei Zentimeter weit bewegen. Ich konnte eine Faust machen und ein bisschen den Kopf heben. Aber ich konnte mich nicht aufrichten oder mich in eine andere Lage bringen.” Die ganze Zeit habe sie daran geglaubt, dass man sie retten würde. Sie habe viel mehr Sorge um ihre Familie gehabt als um sich selber.

Ich glaube, ich habe das Bewusstsein verloren, aber ich glaube dass ich fünf oder sechs Minuten wach gewesen bin. Ich dachte an Mama und meine Geschwister, weil ich glaubte, dass die auch in der Lawine liegen. Ich hoffte, dass mit denen alles in Ordnung war. Ich hab eigentlich erwartet, dass irgendwer kommen würde.” Der Mutter war es gelungen, mit den beiden Geschwistern durch ein Fenster ins Freie zu klettern. Etwa 30 Minuten später hatte man die verschüttete Tochter ausgegraben.

Gestern hatten sich die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, Finanzminister Bjarni Benediktsson und Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannesson per Hubschrauber auf den Weg in die Westfjorde gemacht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Bei dem Lawinenunglück am Dienstag hatte eine der beiden Lawinen ein Wohnhaus verschüttet, ein junges Mädchen hatte gerettet werden müssen. Die grössere Lawine war in den Hafen von Flateyri abgegangen und hatte sechs der sieben Fischerboote des Ortes versenkt. Der Ort war zwei Tage lang nur vom Wasser aus erreichbar gewesen, das Küstenwachschiff Þór hatte den Transport von Rettungspersonal, Ausrüstung und Versorgungsgütern übernommen.

Gestern Abend hatte dann erneut die Ungewissheitsstufe ausgerufen werden müssen, nachdem auf unbewohntem Gebiet in der Nachbarschaft eine kleinere Lawine abgegangen war. Die Strassen nach Flateyri sind aus diesem Grund noch nicht wieder freigegeben worden, und auch die Koordinationsstelle für Katastrophenschutz in Skógarhlíð in Reykjavík bleibt weiterhin aktiv. Rund 20 freiwillige Retter sind in Flateyri im Einsatz, sie räumen Schnee und helfen dabei, Wertgegenstände aus betroffenen Häusern zu bergen. Auch die Auffangstation des Roten Kreuzes ist noch geöffnet, das Team für Traumaersthilfe widmet sich dort Bewohnern, bzw besucht die Leute in Suðureyri, wo nach einem Lawinenabgang am gegenüberliegenden Berg eine Flutwelle das Dorf getroffen hatte. Das Küstenwachschiff Þór konnte gestern endlich im vereisten Hafen anlegen, und erste Reinigungsarbeiten haben begonnen, nachdem etwa 15.000 Tonnen Öl aus einem beschädigten Öltank in den Hafen ausgelaufen waren.

Im Wetterweb blika.is ist zu lesen, dass Lawinenserien wie diese nur alle 10 bis 20 Jahre vorkommen. Die Voraussetzungen für die Lawinen seien gut gewesen, schreibt der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson, es habe soviel in den Bergen geschneit dass alle Spalten und Vertiefungen mit Schnee gefüllt gewesen seien. Die Berghänge seien bis an die Bergkämme glatt gewesen und an vielen dafür bekannten Orten seien Lawinen abgegangen, selbst an Berghängen die nach Südwesten zeigten.