Fjaðrárgljúfur wegen Matsch gesperrt, Reykjadalur könnte folgen

Die isländische Umweltbehörde hat in der vergangenen Woche beschlossen, das Gebiet an der Schlucht Fjaðrárgljúfur im Skaftárhrepur für einen begrenzten Zeitraum zu sperren. Von der Sperrung sind alle Wanderwege sowie der Parkplatz betroffen.
Der Wanderweg hatte durch starken Besucherandrang im Tauwetter extrem gelitten und sich in eine Matschlandschaft verwandelt. Auch in den kommenden Tagen ist mit vielen Regenfällen zu rechnen. Die Sperrung war am 6. April vorgenommen worden, zwei Wochen danach wird der Zustand des Geländes erneut begutachtet.

Auch für das Reykjadalur in Hveragerði müssen Besucher mit einer Sperrung rechnen. Die Stadtverwaltung hatte vor den Feiertagen Kontakt zu Umweltbehörde und Polizeidirektion im Südland aufgenommen und um eine Sperrung des Wanderweges ins Reykjadalur ersucht. Der Weg zum heissen Fluss, ein beliebter Badeplatz, hatte sich ebenfalls durch Andrang und Tauwetter in eine Matschlandschaft verwandelt. An einigen Stellen löst sich der Matsch vom Fels und kann Wanderern regelrecht gefährlich werden.

Der April ist in Island bekannt als Matschsaison. Mit steigenden Temperaturen taut der Frost im Boden. Zusätzlich zum hohen Wassergehalt im Boden selbst regnet es oft ergiebig, sodass jegliches Betreten von Naturboden sofortige Schäden nach sich zieht. Auch mit Schotter befestigte Wege werden gerne matschig und können Fahrzeuge oft kaum tragen. Wer jetzt im Land unterwegs ist, sollte Pisten und Feldwege auch ausserhalb höher gelegenerer Gebiete von der Liste streichen. Das Frühjahr ist auch keine Jahreszeit zum Wandern, selbst befestigte Wanderwege können das Gewicht oft kaum tragen. Hinzu kommt die Gefahr von Schlammlawinen und Bergrutsch in bergigen Regionen.
Sperrungen von Wandergebieten nimmt die Umweltbehörde auf Grundlage des Naturschutzgesetzes vor. Sie müssen vor Inkrafttreten angekündigt werden.

 

Schlammlawine zwischen Grenivík und Akureyri reisst zwei Fahrzeuge mit

landslide iceland

Gestern Morgen ist kurz nach 6 Uhr eine Schlammlawine auf die Strasse zwischen Grenivík nach Akureyri im Eyjafjörður gerutscht. Zwei Fahrzeuge landeten in den Schlammmassen. Einer der beiden Fahrer meint, sie hätten unglaubliches Glück gehabt, dass niemand verletzt wurde, als die Fahrzeuge vom Schlamm davongetragen wurden, berichtet RÚV.
Die Lawine hatte sich aus dem Bergkamm am Kræðufjall gelöst, nördlich der Abzweigung zum Vikurskarð. Sie liegt auf einer Länge von ca 70 Metern etwa ein Meter hoch über der Strasse. Fotos der Polizei gibt es hier.
Nach der grossen Lawine haben sich offenbar noch kleinere Schlammmassen gelöst, so der Hochwasserexperte Sveinn Brynjólfsson vom isländischen Wetterdienst, denn man könne erkennen, dass sich die im Schlamm feststeckenden Fahrzeuge immer noch bewegten. Der Schlamm sei mit hohem Tempo vom Berg heruntergerutscht.

In einem der Autos befand sich Ægir Jóhannsson auf dem Weg zur Arbeit. Er sagt, es sei schwer gewesen, zu begreifen, was da eigentlich los war, als er im Stockfinsteren in den Schlamm hineinfuhr. Er habe noch versucht, zurückzusetzen, doch da sei eine zweite Lawine gekommen und habe das Auto mitgetragen und gedreht, sodass er von der Strasse rutschte. Dann habe er das andere Fahrzeug gesehen, und den Fahrer, dem es gelungen war, auszusteigen.“Er balancierte dort über den Schlamm. Das ist nicht leicht und gar nicht lustig gewesen, in dem anderen Auto zu sitzen, muss schrecklich gewesen sein,” meint Ægir.

Die Strasse nach Grenivík ist immer noch gesperrt, weil auch weiterhin dort Lawinengefahr herrscht. Eine Umleitung besteht über Dalsmynni.

 

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Lawinengefahr im Osten, Seyðisfjörður unter Beobachtung

Seyðisfjörður

Im Osten Islands regnet es seit gestern ergiebig und ohne Unterbrechung. „Das fing gegen vier Uhr an, und es regnet eigentlich immer noch,“ sagt Ester Hlíðar Jensen, eine Hochwasserexpertin beim isländischen Wetterdienst, RÚV gegenüber. Die Behörde hatte vor den Regenfällen der kommenden Tage im Südosten und südlichen Teil der Ostfjorde gewarnt, weil Gefahr von Schlamm- und Gerölllawinen und an Flüssen Hochwassergefahr besteht.

Doch trotz des relativ nassen Wetters der letzten Wochen war der Wasserstand in den Bohrlöchern in den Hängen oberhalb von Seyðisfjörður sogar gesunken, sobald der Regen aufhörte. „Das ist sehr positiv. Wir haben bislang keinen Anlass gesehen, Massnahmen zu ergreifen, wir beobachten das derzeit nur,“ sagte Esther im Morgenradio.
Die Hänge der Hafenstadt werden vom Wetterdienst überwacht, dort sind Spiegel, GPS- und Radarsensoren und andere Messinstrumente angebracht, die über jegliche Bewegung am Hang Daten liefern.

Gestern hatte in Seyðisfjörður eine Einwohnerversammlung stattgefunden. „Um noch einmal klarzustellen, dass der Evakuierungsplan weiterhin steht und dass sich daran gehalten wird. Es wurde auch dargelegt, dass die Niederschläge im Dezember 2020 weitaus kräftiger gewesen sind.“ Damals hatte eine riesige Schlammlawine Teile des Ortes unter sich begraben. Wie durch ein Wunder hatte es keine Verletzten gegeben, aber viele alte Häuser waren durch die Schlammassen zerstört worden.
Man nähere sich nun der selben Jahreszeit, aber diesmal verzeichne man nur ein Drittel der Niederschläge von 2020.
An der Lawinenbruchstelle am Búðarhryggur waren am Freitag fünf bis 15 Millimeter Bewegung gemessen worden, seither herrscht dort wieder Ruhe. Massnahmen seien daher derzeit nicht notwendig.

 

Sechs Höfe im Þingeyjarsveit wegen Schlammlawinen geräumt

In der vergangenen Nacht sind nach dem Abgang von Schlammlawinen fünf Höfe im Þingeyjarsveit geräumt worden, heute folgte dann der Hof Nípá in Útkinn, berichtet RÚV. In der Region hatte es seit gestern stark geregnet, das Erdreich in den Berghängen ist nass und schwer.
Ein Hubschrauber der Küstenwache hat heute das Gebiet überflogen und ein Video aufgenommen, welches man im Nachrichtenlink findet.

In einer Mitteilung der Polizeidirektion von Nordostisland heisst es, der Hubschrauber habe Experten des Zivilschutzes an Bord gehabt, welche den Zustand in dem betroffenen Gebiet begutachteten. Hofbewohner, die durch die Lawinen von der Aussenwelt abgeschlossen waren, sind von dem Hubschrauber evakuiert worden.
Mitglieder der regionalen Rettungsteams hatten die Landwirte zum Füttern und Melken in die Ställe begleitet.
Die Räumung des Gebietes soll mindestens bis morgen Mittag beibehalten werden, das war auf einer Krisensitzung von Zivilschutz und Wetterdienst beschlossen worden. Ausserdem gilt die Ungewissheitsstufe für das Gebiet, denn immer noch regnet es ergiebig in der Region.

Der Ort Ólafsfjörður meldete nach starken Regenfällen eindringendes Wasser in 18 Wohnhäusern, um die 70 Einsatzkräfte befinden sich vor Ort, unter anderem um Keller leerzupumpen.

Die Landwirtin Jóna Björg Hlöðversdóttir vom Hof Björg hatte gestern Abend miterlebt, wie die Schlammlawinen neben ihrem Hof niedergingen.
“Das war ein bisschen gewaltig und ein unglaubliches Erlebnis, die Kräfte der Natur zu hören, und den Donner, wie bei schwersten Erdbeben. Das war ein grosses Erlebnis und nicht besonders angenehm. Zum Abend hin, als es dämmerte, da hörten wir das grosse Donnern. Wir hörten wie die Lawinen rings um den Hof niedergingen, und wir wussten nicht wo. Ich war doch ziemlich erleichtert, als die Räumung des Gebietes beschlossen wurde.” berichtet Jóna auf Björg. Sie wurde mit ihrer Familie per Hubschrauber evakuiert und nach Húsavík geflogen.
Heute Morgen fuhr Jónas Schwester dann zum Hof, um sich um das Vieh zu kümmern. Ihr zufolge gab es keine Schäden an den Gebäuden.

 

Schlammlawine in der Þingeyjarsýsla

Nach heftigen Regenfällen im Norden des Landes ist der Weg nach Útkinn in der Þingeyjarsýsla wegen einer Schlammlawine am Hof Björg gesperrt worden, berichtet RÚV. Die Lawine war am Nachmittag abgegangen und hatte das Glasfaserkabel des Hofes beschädigt. Der Landwirt brachte sofort seine Tiere in Sicherheit. Auch am Abend soll es in der Region weiter regnen.

Jóna Björg Hlöðversdóttir auf Björg sagte RÚV gegenüber, man sei sich im Klaren darüber, dass man heute nicht mehr an den Abhängen vorbeifahren könne, weil zum Abend hin mehr Lawinen abgehen könnten.
Auf Björg kennt man sich mit Schlammlawinen aus, aber soviele in so kurzer Zeit hat es Jóna zufolge noch nie dort gegeben.
“Das begann mit viel Regen gestern, und seitdem hat es wie aus Kübeln geschüttet, die Nacht durch und den ganzen Tag. Man sieht förmlich, wie alles anschwillt,” sagt Jóna.

“Ich glaube ich habe seit ich aus dem Kuhstall gekommen bin, vier oder fünf Lawinen gezählt. Es regnete einfach weiter, den ganzen Morgen und den Tag über. Gegen drei oder vier Uhr gingen dann zwei grosse Schlammlawinen ab, über den Weg zum Hof und über zwei oder drei Weiden bei uns.”
Der Hof steht auf einer Anhöhe, daher besteht keine direkte Gefahr, und die Tiere habe man sofort in Sicherheit gebracht, es soll nämlich weiter regnen.
Auch auf dem Siglufjarðarvegur ist Geröll abgegangen, dort muss bis in die Nacht hinein mit weiteren Gerölllawinen gerechnet werden. Die Strassenverwaltung bittet Autofahrer um äusserste Vorsicht.

Blumen aus Búðardalur für den Lawinengarten in Seyðisfjörður

Ein Mann aus dem Búðardalur im Westen Islands fuhr die Tage den ganzen Weg nach Seyðisfjörður im Osten der Insel, im Gepäck zweihundert farbenfrohe Blumen, die er selbst gezogen hatte. Mit den Blumen verschönerte er die Landschaftswunde, die die Schlammlawine vor acht Monaten in das Städtchen gerissen hat, berichtet RÚV.

“Das war eine Katastrophe, nicht nur für die Leute aus Seyðisfjörður, sondern für die ganze Nation, dieses Strassenbild und all die alten Häuser zu verlieren.” sagt Svavar Garðarsson aus Búðardalur. “Das kommt nie mehr zurück, und das gibt es in dieser Form auch nirgendwo anders. Deshalb ist es nur selbstverständlich, dass man tut was man kann. Blumen erfreuen das Herz, und ich hab beschlossen, mit ihnen zum Ende des Sommers hierher zu kommen, damit sie als Sommerverlängerung dienen.”

Svavar hatte die Blumen aus Samen selbst gezogen und mehr als 1000 Pflanzen erhalten. Die meisten zieren jetzt Búðardalur, aber 200 von ihnen sind nach Seyðisfjörður gereist. Um grosse Felsbrocken herum, die mit der Lawine zu Tal gerutscht waren, legte Svavar einen Blumengarten an. Die Brocken hatte man dort liegen gelassen wo sie gelandet waren. Andere Bumen pflanzte er in Gärten von Häusern, die es nicht mehr gibt.
“Da kam eine Frau mit vielen Kindern und hält bei mir an und sagt, ‘danke dass du in meinem Garten Blumen pflanzt. Mein Haus hat genau hier gestanden’,” erzählt der Blumengärtner.

Das Gebiet, in dem die Lawinen abgegangen waren, sieht heute völlig anders aus, nachdem das Flussbett der Búðará mit Steinen befestigt und das umliegende Land mit Dämmen neugestaltet worden ist. Nach der Aussaat von Gras im Erdreich der Lawinen ist es inzwischen auch überall grün geworden.

“Als ich das zuerst sah, war das ein echtes Trauerspiel. Und jetzt sind acht Monate vergangen, seit die Lawine abgegangen ist. Und sieh nur all die Veränderungen, die hier passiert sind. Das glaubt man kaum, man muss das mit eigenen Augen sehen. Dieses Trauerspiel in ein Kunstwerk verwandelt worden. Und die Lawine liegt verborgen hinter einem Bauwerk, das Seinesgleichen sucht. Das ist so eine wunderschöne Arbeitsweise, mit der man hier aufgeräumt hat,” findet Svavar, der Blumengärtner aus dem Búðardalur.

Im Nachrichtenlink gibt es einen Filmclip zu sehen.

Reinigungsarbeiten in Seyðisfjörður gehen voran

Die Reinigungsarbeiten nach den grossen Schlammlawinen, die um Weihnachten herum auf das Städtchen Seyðisfjörður niedergegangen waren, sind gut vorangekommen und können bald abgeschlossen werden, hiess es bei einer Informationsveranstaltung der ostisländischen Polizei in der vergangenen Woche. Björn Ingimarsson, der Gemeindedirektor von Múlaþing, gab an, das Gebiet sehe besser aus als unmittelbar nach den Lawinen, doch immer noch müsse viel getan werden.

“Ich denke, das Gebiet kommt in Ordnung, aber natürlich wird es nicht mehr so werden wie es einmal war. Wir müssen uns bewusst machen, dass ein Teil des Gebietes unter den Schlammmassen liegt und nicht ganz befreit wird. Wenn wir uns das Gebiet anschauen, wo die Lawinen abgegangen sind, da ist das so.” sagte Björn im Gespräch mit RÚV.
Beteiligt an den Arbeiten sind Mitarbeiter der Gemeinde, sowie Experten des Amtes für Denkmalschutz und des Nationalmuseums, die damit befasst sind, Artefakte zu sichern.
Es sei gelungen, sehr viel zu reinigen, trotzdem sei ein grosser Sachschaden an den Häusern zu beklagen, und manche Gebäude könnten nicht wiederaufgebaut werden. In manchen Fällen warte man noch auf ein Gutachten der Versicherung. Zumindest bewegliches Eigentum könne in Sicherheit gebracht werden.

In der vergangenen Woche hatte das isländische Wetteramt Modelle erstellt, um die Gefahr weiterer Schlammlawinen zu berechnen. Ausserdem sollen sechs zusätzliche GPS-Geräte an den Hängen installiert werden, bislang befinden sich dort nur drei. Danach soll sich die Überwachung des Geländes einfacher gestalten, vor allem bei heftigen Niederschlägen und schlechter Sicht.

Der Sozialdienst des Múlaþing bietet den Bewohnern von Seyðisfjörður im Gesundheitszentrum Gespräche und psychologische Betreuung an. Björn zufolge haben viele von ihnen immer noch mit den Folgen der Lawinenkatastrophe zu kämpfen.
“Die Leute nehmen das mit viel Ruhe, aber das ist ein Langzeitprojekt, darüber hinwegzukommen und sich von den Auswirkungen zu erholen. Und wir werden den Leuten auch weiterhin dabei helfen. Man hat ja vollstes Verständnis dafür, dass das eine Katastrophe ist, und es dauert, sich da rauszuarbeiten. Aber ich denke, man kann guten Gewissens sagen, dass die Einwohner von Seyðisfjörður das ganz prima machen.” sagt Björn.

Schlammlawine am Öræfajökull

Eine Schlammlawine ist gestern abend auf den Hof “Hof” im Bezirk Öræfi gefallen und kurz vor dem Strommast und dem Wohnhaus zum Halten gekommen, berichtet mbl.is. In der Lawine befanden sich auch Geröll, sowie entwurzelte Birken aus dem Wäldchen oberhalb des Hofes.

Die Bewohner des Hofes sagten mbl.is, die Lawine habe sich aus dem Hofsfjall oberhalb der Länderei gelöst und sei den Hang Litlahvammur heruntergerutscht. Nicht zum ersten Mal: zwischen den Jahren 1940 und 1950 sei eine riesige Schlammlawine dort heruntergekommen und kurz vor den als Schaf- und Pferdestall genutzten alten Torfhäusern zum Stehen gekommen. Kleinere Lawinen seien danach immer mal wieder abgegangen. Daher hatten die Bewohner ein Bett für Wasser- und Schlammmassen, sowie einen Damm angelegt, doch all das Lawinenbett muss sich mit Wasser, Schlamm und Schneematsch gefüllt haben, mit dem Effekt dass die Massen über die Kante geschossen sind, glaubt Örn Bergsson von Hof. Er schätzt die Lawine auf eine Breite von 10 Metern.

“Wir kennen ja die Geschichte, daher sind wir immer in Habachtstellung, wenn es viel geschneit hat und danach stark taut,” meint er. Nun müsse man das Lawinenbett neu ausgraben, um den Hof zu schützen. Für diesmal glaubt er, dass die Gefahr vorüber sei.

Seine Frau Brynja Kristjánsdóttir berichtet, die Schlammmassen seien gestern abend gegen 18 Uhr niedergegangen und kurz vor dem Strommast zum Halten gekommen. Aus Furcht vor weiteren Lawinen hätten sie die Nacht nicht in ihrem Haus verbracht. Nicht nur Geröll habe sich im Schlamm befunden, sondern auch entwurzelte Birken, die vor Jahren oberhalb des Hofes in einem Wäldchen als Lawinenschutz angepflanzt worden waren. Brynjas Fotos von den Schäden kann man im Nachrichtenlink anschauen.

Seyðisfjörður: Lebenswerk unter Schlammmassen begraben

Etwa zwei Wochen nach Abgang der Schlammlawine in Seyðisfjörður können immer noch um die 15 Familien nicht in ihre Häuser zurückkehren, weil sie entweder vollkommen zerstört sind, oder im Evakuierungsbereich liegen. Einige Personen haben zur Zeit keinen Platz zum Leben, andere können nur ein paar Gegenstände aus zerstörten Häusern bergen, der Rest ist unbrauchbar. In einem Haus steht der Schlamm, eine Mischung aus Erdreich, Sand und Lehm, gut 80 Zentimeter hoch. Drei Wohnhäuser wurden unter den Schlammmassen völlig begraben, zwei sind stark zerstört, berichtet RÚV.

Framhús ist eins von ihnen. Dort lebte Haraldur Björn Halldórsson. Er war kurz vor der Lawine noch zuhause gewesen, um sich rasch umzuziehen, die Strasse war schon evakuiert worden, niemand hatte sich mehr in den Häusern befunden. Als der Schlamm den Berg herunterrutschte, pumpte Haraldur gerade Wasser und Matsch aus einem zuvor von einer Lawine getroffenen Nachbarhaus.

“Das wird in der Erinnerung unwirklich. Das ist mein Haus, ganz egal, ob es auf der Seite liegt oder nicht,” sagt er. “Eigentlich wusste man gar nicht, was da passiert, man hörte einen Krach, und das Haus ist auf einmal völlig zerstört. Das war so gesehen kein Katastrophenfall, aber natürlich schrecklich, das mitzuerleben.” berichtet er.
Der Schaden an dem 100 Jahre alten Gebäude ist gross. Zusammen mit der Familie hatte Haraldur das Haus in den vergangenen acht Jahren renoviert.

So mancher Einwohner von Seyðisfjörður traut sich nicht mehr nach Hause, und die, deren Haus im ausgeschriebenem Gefahrengebiet liegt, dürfen nicht mehr dort hin, weil sich am Berghang Risse gebildet haben. Haraldur ist jedoch entschlossen, sein Haus wieder aufzubauen, koste es was es wolle. Er habe sich dieses Haus und diesen Platz bewusst ausgesucht, und niemand es könne ihm verbieten, auch wenn er jetzt noch nicht weiss, wie die nächsten Schritte aussehen werden. Auf jeden Fall will er in Seyðisfjörður bleiben.

Ältestes Haus am Ort rutscht 50 Meter weit, Lebenswerk zerstört
Auch für Cordula Agnes Schrand sieht die Lage düster aus. Ihr gehörte das älteste Haus am Ort: Breiðablik war im Jahr 1902 errichtet worden. Cordula ist Schreinerin und wohnt in Deutschland, aber in den vergangenen 20 Jahren war sie zwei-bis viermal pro Jahr nach Seyðisfjörður gereist, um das alte Haus renovieren. Die Schlammlawine hatte Breiðablik etwa 50 Meter von seinem ursprünglichen Platz weggeschoben. An einer Strassenkreuzung liegt es nun mit zusammengebrochenem Untergeschoss halb auf der Seite.

“Das war mein Lebenswerk. Ich habe soviel Leidenschaft hineingesteckt. Das ist so, als ob die Geschichte eines Lebens zuende geht, und ich glaube, das ist noch schlimmer für meinen Sohn, und alle hier um uns herum, die uns geholfen haben, das Haus zu dem zu machen, was es am Ende war,” sagt Cordula. “Das bricht einem das Herz.”
Als die Lawine kam, hatte sich niemand im Haus befunden. Cordula war in Deutschland in Heimkehrerquarantäne gewesen und konnte nicht zurück, konnte nichts tun. Sie ist nun froh, nicht im Haus gewesen zu sein.

Das einzige was ihr bleibt, ist, wie viele andere im Ort, mit der Hilfe von Rettungsmannschaft und Feuerwehr persönliche Gegenstände aus dem Haus zu holen, darunter das Sofa ihres Urgrossvaters aus dem 19. Jahrhundert.
Eigentlich hatte sie vorgehabt, nach Seyðisfjörður in ihr Haus zu ziehen, wenn sie in Rente geht. Die Lawine hat alle Pläne auf den Kopf gestellt. “Ich will das Haus nicht an der selben Stelle wiederaufbauen, weil das wieder passieren kann. Ich bin jetzt sechzig, und ich weiss nicht, ob ich Kraft dafür habe.”

Schlammlawinen in Seyðisfjörður zerstörten 13 Häuser

mud and water after Seyðisfjörður mudslide

Insgesamt 13 Häuser sind bei dem Lawinenunglück in Seyðisfjörður in Ostisland zerstört worden, berichtet Vísir. Experten zufolge ist der Sachschaden gewaltig, und es könnte Monate dauern, eine Gesamtsumme zu ermitteln. Nicht nur Wohnhäuser brachen unter den Schlammmassen zusammen, auch kulturell wichtige Orte und Gegenstände sind beschädigt oder zerstört worden. Einige Bereiche der Stadt bleiben weiterhin gesperrt, die betroffenen Einwohner können frühestens nach Silvester in ihre Häuser zurückkehren.

Warnstufen und Evakuierungen auch über die Feiertage
Die starken Regenfälle der vergangenen zwei Wochenhatten die Schlammlawinen verursacht. Obwohl das Wetter sich gebessert hat, müssen einige Ortsbereiche auch weiterhin gesperrt bleiben. Auch der Gefahrenzustand bleibt nach Angaben des isländischen Zivilschutzes vorerst für den Ort bestehen, im Osten gilt wegen Lawinengefahr weiterhin die Ungewissheitsstufe.

Kulturelle Verluste
Die Regierung hat eine Arbeitsgruppe mit der Schadensermittlung beauftragt, was Monate in Anspruch nehmen könnte.
“Es ist zu früh, um eine Aussage über die Schadenshöhe zu treffen, aber es ist klar, dass sie gewaltig ist,” sagte Víðir Reynisson, der Leiter des isländischen Zivilschutzes. “Meiner Erfahrung nach dauert es nach solchen Ereignissen Monate und Jahre, um den Schaden in voller Höhe vollständig zu beziffern. Der Wiederaufbau nach solchen Ereignissen dauert für gewöhnlich fünf Jahre.”

Viele Häuser sind von den Lawinen einfach hinweggefegt worden. Aber auch historische Gebäude in der Stadt wurden getroffen, wie etwa der historische Hafen und die alte Drehbankwerkstatt, in der viele Gegenstände aus der isländischen Geschichte aufbewahrt wurden, sind stark zerstört. Hier setzen Experten alles daran, soviele Museumsstücke wie möglich zu retten.