Minischlachthof im Ostland will Region bedienen und Tierwohl fördern

sheep, breeding

Der ehemalige Schlachthofdirektor von Vopnafjörður will sich durch die Schliessung der Anlage nicht geschlagen geben, viel mehr will er nun eine Lizenz beantragen und ab dem Herbst sein eigenes Schlachtunternehmen mit Fleischverarbeitung betreiben, berichtet Bændablaðið.
Mit der Schliessung des Schlachthofes Vopnafjörður steht den Landwirten in der gesamten Osthälfte des Landes kein Schlachthof mehr zur Verfügung. Schafe und Grossvieh müssen hunderte von Kilometern bis nach Húsavík oder Selfoss gefahren werden.

Lizenz für regionalen Markt
Skúli Þórðarson, ein Schafzüchter auf Refstaðir in Vopnafjörður, hat seit 1989 die Geschicke der Schlachtkooperative im Ort geleitet. Nach Schliessung der Anlage, die wegen roter Zahlen nicht mehr rentabel war, hegt er nun Zukunftspläne.
„Ich mach jetzt erst mal weiter auf meinem Hof mit 400 Schafen und einigen Pferden,“ sagt Skúli. „Ich möchte aber nebenher auch noch etwas anderes machen. Ich will eine Lizenz für einen kleinen Schlachthof mit Fleischverarbeitung beantragen. Wenn ich die Lizenz bekomme, dann will ich im Herbst 500 bis 600 Schafe aus dem Vopnafjörður schlachten, und das ist dann erst mal vor allem für den regionalen Markt gedacht.“  Erst danach könne man den Verkauf ausdehnen, und in den kommenden Jahren mehr Tiere schlachten. „Ich dachte, dass ich den alten Kuhstall umbauen könnte, der seit fünf Jahren nicht mehr benutzt wird, und habe schon mal angefangen, ihn zu entkernen und einen Schlachtungsraum dort einzurichten.“

Transportwege schlecht fürs Tierwohl
Der Schlachthof in Höfn im Hornafjörður war im Sommer 2019 geschlossen worden, nachdem der Fleischkonzern Norðlenska alle Pachtverträge mit der Schlachtgesellschaft Búi in Höfn gekündigt hatte, die rund 70% der Anteile am Schlachthof hielt. Als Grund wurde angegeben, dass die Preise in Höfn rund 50% höher lagen als im Schlachthof der Norðlenska in Húsavík.
An einen neuen Schlachthof in Höfn glaubt der ehemalige Búi-Vorsitzende jedoch nicht, immerhin ist das gesamte Inventar verkauft und das Gebäude anderweitig in Nutzung. Búi war 2021 aufgelöst worden.

„Meine Ansicht nach ist die Schliessung des Schlachthofes in Höfn sehr schlecht gewesen,“ sagt Eiríkur Egilsson von Seljavellir, „vor allem im Hinblick auf die langen Transportwege und auf das Tierwohl. Persönlich finde ich es nicht zuträglich, dass es bei den Schlachtbetrieben noch mehr Verdichtung gibt, und halte es für richtig, dass die derzeitigen Schlachtbetriebe ums Geschäft mit den Bauern konkurrieren.“

Zwei Frauen planen Minischlachthaus
Aber im Hornafjörður gibt es durchaus Überlegungen, ein kleines Schlachthaus zu eröffnen, auch wenn die Rahmenbedingungen alles andere als rosig sind. Die beiden Landwirtinnen Lovísa R. Bjarnadóttur und Anna Sigurbjörg Sævarsdóttir erklären, die Schlachtvereinigung Austur-Skaftafellssýslu sei ja erst entstanden, nachdem der Betrieb in Höfn geschlossen worden war.

„Das ist eine Gruppe von Leuten mit gemeinsamer Vision, die ein kleines Dienstleistungsschlachthaus aufbauen will,“ erklären die beiden. „Wir möchten den Bauern bessere Leistungen anbieten, indem wir die Schlachtsaison verlängern, damit man öfter frisches Fleisch anbieten kann. Man würde nur wenig auf einmal schlachten, um den Stress zu mindern und die Einrichtung würde dann auch besser für die Tiere werden. Ein Direktverkauf für die Bewohner der Region wäre eine Möglichkeit, sowohl an Unternehmen als auch an Privatpersonen. Wir würden Wert darauf legen, Rinder, Ziegen, Schweine, Schafe und Pferde zu schlachten.“
Aus dem Schlachthof in Höfn hatten sie Einrichtung und Gerätschaften erstanden, dann beantragten sie bei der Gemeinde ein Grundstück für die Errichtung eines neuen Schlachthauses. Das habe sehr lange gedauert, aber am Ende sei es durchgegangen.

Kein Geld für Tierwohl
Das einzige was fehlt, ist Geld. Denn obwohl der Weg der beiden Landwirtinnen – Nähe, Handwerk, Tierwohl – eine Art Innovation darstelle, so sei das Ergebnis – Fleisch – ein bereits bekanntes, daher gab es von Innovationsfonds keine Gelder. Auch eine Kooperation mit dem Handwerksschlachthaus Seglbúðir führte zu nichts, nachdem das Haus schliessen musste, weil die Gebühren für die Fleischbeschau massiv erhöht worden waren.
„Jetzt sieht es so aus dass es von Höfn aus 400 Kilometer oder mehr bis zum nächsten Schlachthof sind, nachdem Vopnafjörður geschlossen hat: Húsavík oder Selfoss. Das waren nicht zuletzt diese langen Strecken für die Tiere, die dazu führten, dass die Idee Fahrt aufnahm. Der Aufbau eines Schlachthauses in Höfn sitzt aber nun in der Warteschleife, weil es schwer ist, an Geld zu kommen und Kredite teuer sind. Die Gebührenerhöhung durch das Landwirtschaftsministerium für kleine Schlachthöfe betrifft uns direkt und kommt erschwerend hinzu, sodass sich unser Businessplan im letzten Jahr komplett geändert hat.“ sagen Lovísa und Anna.

Wegbereiter für Monopol
Das in der vergangenen Woche vom Parlament verabschiedete überarbeitete Gesetz zu landwirtschaftlichen Produkten dürfte Initiativen wie diese noch weiter ausbremsen. Das mit 26 gegen 19 Stimmen verabschiedete Gesetz wird von Kritikern als Wegbereiter für ein Monopol im landwirtschaftlichen Sektor angesehen, an dessen Ende eine einzige Fleischfabrik für die gesamte Insel und steigende Preise für den Verbraucher stehen könnte. Es erlaubt den grossen Fleischkonzernen Wettbewerbsabsprachen, die zuvor ungesetzlich waren. Die Wettbewerbsbehörde hatte sich mehrfach gegen die Novelle ausgesprochen, war aber nicht gehört worden.
Gleichzeitig sind die grossen Konzerne aber auch die grössten Importeure für ausländische Lebensmittel und Fleischerzeugnisse und damit die grössten Konkurrenten der Landwirte.

Schlachthöfe auf der Suche nach Personal für die Saison

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen stehen die Schlachthöfe im Land vor dem Problem, ihre Schichten für die kommende Schlachtsaison zu besetzen, berichtet RÚV. Das Personal der Schlachthöfe war in den vergangenen Jahren vor allem aus dem Ausland gekommen, doch wird dies in COVID-Zeiten zu einem Problem.

Die Schlachtsaison in Island beginnt meist Anfang September, und die Stellengesuche findet man im Sommer in den Zeitungen. Sláturfélag Suðurlands, der das grösste Schlachthaus im ganzen Land betreibt, rechnet jetzt schon damit, dass es seinen Betrieb verlängern muss. Normalerweise wurde die Schlachtsaison mit einer grossen Gruppe von professionellen Schlachtmeistern und Metzgern aus Neuseeland bemannt, doch können diese Leute in diesem Jahr nicht nach Island kommen. Steinþór Skúlason, der Geschäftsführer des Schlachthofes, sagte, es stelle sich als äusserst schwierig heraus, Isländer für diesen Job zu finden.

Ágúst Torfi Hauksson, der Betriebsleiter des Schlachthofes in Húsavík in Nordisland, berichtet von ähnlichen Schwierigkeiten. In seinem Schlachthof werden immer noch 35 Leute im Team benötigt. Er habe gehofft, dass sich Leute melden, die erst kürzlich ihren Job im Silikonwerk Bakki verloren haben, und in der Tat, alle neun Personen, die in Bakki entlassen worden waren und sich in Húsavík bewarben, haben im Schlachthof sofort einen Job bekommen. Doch das waren nur neun von 80 Entlassenen.

Auch Fjallalamb in Kópasker im Nordosten sucht immer noch 20 Mitarbeiter. “Das geht wegen dieser COVID-Situation viel langsamer als in den vergangenen Jahren,” sagt Betriebsleiter Víkingur Björnsson. “Was ich nun versuche, so gut ich kann, ist Isländer zu finden, oder Leute, die im Land wohnen.” Doch damit hatte er bisher nicht viel Glück.
“Ich bin doch ein bisschen erstaunt. Es gibt ja nun doch ziemlich viel Arbeitslosigkeit im Lande. Das ist natürlich keine längere Beschäftigung, nur sechs Wochen, aber immerhin.”