Handwerksschlachthaus Seglbúðir fällt Brand zum Opfer

Das kleine Handwerksschlachthaus Seglbuðir im Landbrot in der Skaftafellssýsla ist am 1. April bis auf die Grundmauern abgebrannt, berichtet Bændablaðið. Das Schlachthaus war im Herbst 2014 in Betrieb genommen worden.

Kleinschlachthaus mit Vision
Die Betreiber, Þórunn Júlíusdóttir und Erlendur Björnsson, hielten eine Lizenz für die Schlachtung von maximal 100 Schafen pro Tag. Sie hatten nach Schliessung des Schlachthofes in Kirkjubæjarklaustur die Einrichtung mit der Vision von Nachhaltigkeit gegründet, dass Schafe ihren Heimatbezirk nicht verlassen müssen und ohne Stress verursachende Langstreckenransporte geschlachtet werden können.
Nach Angaben der südisländischen Polizei wird in dem Brand ermittelt. Die Spurensicherung ist vor Ort gewesen, aber bislang gibt es keinen Hinweis auf die Brandursache. Es handelt sich um einen Totalschaden.

Im vergangenen Herbst hatten Erlendur und Þórunn mitgeteilt, ihren Schlachtbetrieb einstellen zu müssen, nachdem die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST angekündigt hatte, die Gebühren für die Fleischbeschau durch Veterinäre der Behörde kräftig anzuheben. Obwohl die Behörde später von der Gebührenanhebung abliess, wurde bei Seglbúðir nicht mehr geschlachtet. Nach Angaben von Seglbúðir sei die Gebührenanhebung zu spät abgeblasen worden. Landwirte müssen überdies den Schlachttransport ihrer Tiere im Voraus buchen und bekommen einen Abholtag zugeteilt.
Nun sollte im kommenden Herbst der Betrieb bei Seglbúðir möglicherweise wieder aufgenommen werden, zumindest stand alles für eine Öffnung bereit, als das Feuer ausbrach.

Monopolisierung im Schlachtgeschäft
Die Verdichtung der Schlachthöfe in Island hat in den letzten Jahren stark zugenommen, inzwischen sind nur noch zwei grosse Schlachtbetriebe während der Schafsaison aktiv, Selfoss und Húsavík. Grossvieh, Schweine und Geflügel werden auch ausserhalb der Schafsaison geschlachtet.
Fast alle anderen kleineren Schlachthöfe im Land sind aus Kostengründen geschlossen worden, und Schlachtvieh muss bis zu 500 Kilometer über Bergstrassen und bei winterlichen Strassenbedingungen transportiert werden. Vor zwei Jahren gestattete das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel die Errichtung von Minischlachthöfen, allerdings ist das Regelwerk streng und die Kosten sind erheblich. Mobile Schlachtanlagen und Weidetötung sind nicht gestattet.

Hausschlachtung für kommerzielle Zwecke ist streng verboten, allenfalls darf für den eigenen Bedarf auf dem eigenen Hof Fleisch produziert werden. Wer Fleisch von eigenen Tieren ‘ab Hof’ vermarkten will, muss seine Tiere im Schlachthof töten lassen und das Fleisch gegen eine erhebliche Gebühr abholen, entweder zur eigenen Verarbeitung in lizenzierten Räumlichkeiten, oder bereits fertig abgepackt. Daher ist dieses Fleisch oft sehr viel teurer als im Supermarkt.
Icelandreview berichtete, dass es inzwischen immer mehr private Initiativen gibt, um das Problem zu lösen.

Schlachthöfe auf der Suche nach Personal für die Saison

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen stehen die Schlachthöfe im Land vor dem Problem, ihre Schichten für die kommende Schlachtsaison zu besetzen, berichtet RÚV. Das Personal der Schlachthöfe war in den vergangenen Jahren vor allem aus dem Ausland gekommen, doch wird dies in COVID-Zeiten zu einem Problem.

Die Schlachtsaison in Island beginnt meist Anfang September, und die Stellengesuche findet man im Sommer in den Zeitungen. Sláturfélag Suðurlands, der das grösste Schlachthaus im ganzen Land betreibt, rechnet jetzt schon damit, dass es seinen Betrieb verlängern muss. Normalerweise wurde die Schlachtsaison mit einer grossen Gruppe von professionellen Schlachtmeistern und Metzgern aus Neuseeland bemannt, doch können diese Leute in diesem Jahr nicht nach Island kommen. Steinþór Skúlason, der Geschäftsführer des Schlachthofes, sagte, es stelle sich als äusserst schwierig heraus, Isländer für diesen Job zu finden.

Ágúst Torfi Hauksson, der Betriebsleiter des Schlachthofes in Húsavík in Nordisland, berichtet von ähnlichen Schwierigkeiten. In seinem Schlachthof werden immer noch 35 Leute im Team benötigt. Er habe gehofft, dass sich Leute melden, die erst kürzlich ihren Job im Silikonwerk Bakki verloren haben, und in der Tat, alle neun Personen, die in Bakki entlassen worden waren und sich in Húsavík bewarben, haben im Schlachthof sofort einen Job bekommen. Doch das waren nur neun von 80 Entlassenen.

Auch Fjallalamb in Kópasker im Nordosten sucht immer noch 20 Mitarbeiter. “Das geht wegen dieser COVID-Situation viel langsamer als in den vergangenen Jahren,” sagt Betriebsleiter Víkingur Björnsson. “Was ich nun versuche, so gut ich kann, ist Isländer zu finden, oder Leute, die im Land wohnen.” Doch damit hatte er bisher nicht viel Glück.
“Ich bin doch ein bisschen erstaunt. Es gibt ja nun doch ziemlich viel Arbeitslosigkeit im Lande. Das ist natürlich keine längere Beschäftigung, nur sechs Wochen, aber immerhin.”