Island beteiligt sich am ETIAS Visasystem für Reisende ausserhalb Schengens

Ab dem kommenden Jahr zahlen Touristen aus Ländern ausserhalb von Schengenbereich und EU eine Einreisegebühr von sieben Euro oder 1000 ISK. Damit beteiligt sich Island an dem neuen Visasystem ETIAS, welches die Sicherheit an den Grenzen Europas verbessern und auch Einnahmen bringen soll, berichtet RÚV.
Das System wird in den USA bereits seit 15 Jahren benutzt. Dort muss der Einreisende sich vor der Ankunft im Land im Internet registrieren und dafür eine Gebühr von 15 Dollar bezahlen. Auch Australien und Neuseeland arbeiten mit solchen Systemen, in Grossbritannien ist es in Vorbereitung, und Europa schliesst sich nun an.

Registrierung online
Nach mehrjähriger Vorbereitung soll das System Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen. Dann müssen Touristen aus Ländern ausserhalb der EU und des Schengengebietes vor ihrer Reise online eine Reisegenehmigung einholen. In dem Formular sind persönliche Daten anzugeben, das Ganze kostet dann sieben Euro oder 1000 ISK. Kinder und ältere Personen sind von der Gebühr ausgenommen. Das Genehmigungssystem soll zunächst für drei Jahre betrieben werden und gilt für sämtliche Schengenländer, damit auch für Island

Keine Touristentaxe, sondern Verwaltungsgebühr
Im Jahr 2016 hatte es öffentliche Diskussionen zu einer angedachten Touristentaxe gegeben, als klar wurde, dass der Tourismus sich in Island zu einem wachsenden Beschäftigungszweig mauserte. Damals ging es um eine Einreisegebühr, mit der Naturschutz und Instandhaltung touristischer Orte finanziert werden sollten. Aus den Ideen ist jedoch nie etwas geworden.

Die ETIAS-Gebühren gelangen jedoch nicht in den isländischen Staatshaushalt. Nach Informationen des Innenministeriums werden sie genutzt, um den Verwaltungsapparat zu finanzieren. Sollte am Ende doch ein Erlös übrig bleiben, fliesst der in den EU-Haushalt.

Nach Brexit vorerst keine britischen Touristen mehr in Island

Touristen aus Grossbritannien werden ab dem neuen Jahr nicht mehr nach Island einreisen dürfen, berichtet mbl.is. Mit dem 1. Januar ist die Übergangszeit der Briten beim Austritt aus der EU vorüber, und das Land erhält den Status eines Drittlandes, also eines Staates, der nicht der Europäischen Union angehört.

Die Grenzen der EU und des Schengengebietes sind seit Beginn der COVID-19 Pandemie für fast alle Reisenden von ausserhalb der Mitgliedsstaaten geschlossen, mit einigen wenigen Ausnahmen, das sind Länder, in denen die Pandemielage als unter Kontrolle gilt.
Island folgt bei der Einreise ins Land den Schengenbestimmungen.

Das Einreiseverbot für Briten ist daher auf die Grenzregel des Schengengebietes zurückzuführen und hat nichts mit dem Brexit direkt zu tun. Sobald die Einreisebeschränkungen des Schengengebietes gelockert werden, können Reisende aus Grossbritannien auch wieder in Island einreisen, auch wenn sie sich dann nicht mehr wie bisher einfach ohne Aufenthaltsgenehmigung auf der Insel niederlassen können.

Keine Sonderabkommen geschlossen
Jón Pét­ur Jóns­son, der Leiter der Grenzpolizei, sagte mbl gegenüber, dass ab der Jahreswende keine unnötigen Reisen von Grossbritannien nach Island mehr erlaubt sind. Isländische Staatsbürger und Personen mit Wohnsitz in Island dürften jedoch nach Island einreisen.
“Die Leuten hatten gedacht, dass es da vielleicht Verträge geben werde, aber danach sieht es nicht aus,” meint Jón Pétur.

Die isländische Regierung muss sich nicht zwingend an die Reisebeschränkungen der EU halten, sie hatte im März aber entschieden, diese Beschränkungen ausnahmslos zu übernehmen. Daran wurde auch nichts geändert, nachdem Mitte Juni in Island der zweifache Test mit fünftägiger Quarantäne für alle Einreisenden eingeführt wurde.
Eine Änderung der Einreiseregel für Briten noch vor der Jahreswende liege Jón Pétur zufolge allein in den Händen der Regierung,

EU ist gegen Islands Pläne zur Grenzöffnung

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Die isländische Regierung möchte ihre Grenzen im Juli für weitere Länder öffnen, doch dieser Plan könnte sich durch die Zugehörigkeit zum Schengen-Raum als problematisch herausstellen, berichtet RÚV. Die Regierung wartet nun auf eine von der EU veröffentlichte Liste von Ländern, aus denen Personen in den Schengen-Raum einreisen dürfen.

Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir sagte, Islands Vorhaben, eine liberalere Haltung zur Grenzöffnung einzunehmen, habe keine Unterstützung innerhalb der EU erhalten. Vielmehr gab es den Hinweis, dass Island aus dem Schengen-Raum ausgeschlossen werden könnte, falls es die Entscheidungen der Union nicht umsetze.
Auch wenn Island kein EU-Mitgliedsstaat ist, so gehört es doch zum europäischen Wirtschaftsraum und zum Schengengebiet. Die Grenzen des Schengen-Raumes sind seit Ende März geschlossen, es gibt jedoch Pläne, ab dem 1. Juli Reisende von ausserhalb in den Schengen-Raum einzulassen.

Eher keine Grenzöffnung für die USA
Die EU-Mitgliedsstaaten arbeiten zur Zeit daran, Kriterien aufzusetzen, welches ein Land erfüllen muss, um als sicheres Reiseziel für EU-Bürger durchgehen zu können. Die Kriterien beziehen sich unter anderem auf die Anzahl der COVID-19 Infektionen.

“Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten nicht auf der Liste der sicheren Länder stehen, wenn man die heutige Situation bedenkt,” sagte Áslaug Arna in einem Radiointerview gestern Morgen. Sie drückte ihre Enttäuschung darüber aus, dass die USA ihre Grenzen nicht für die Isländer geöffnet hätten, weil sie gehofft hatte, dass es ab dem 1. Juli möglich sein würde, Islands Grenzen für Reisende aus den USA zu öffnen.

Island in einzigartiger Position
In Gesprächen mit der EU hätten die isländischen Behörden immer wieder auf die einzigartige Position der Insel hingewiesen – es gibt nur wenige Einreisepunkte, und Reisende hätten die Möglichkeit, sich einem COVID-19 Test bei ihrer Ankunft zu unterziehen.

“Wir haben immer wieder darauf hingewiesen dass wir zur Zeit jeden [an der Grenze auf COVID-19] testen.” sagte Áslaug.
Islands Vertreter hatten auch vorgeschlagen, dass Island Grenzkontrollen für Reisende durchführt, die in andere Länder des Schengen-Raumes reisen wollen, und damit an den Reisebeschränkungen festhält, und gleichzeitig davon ausgenommen ist.
Die Europäische Union hat jedoch betont, sie erwarte, dass Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens sich in Bezug auf ihre Reisebschränkungen an die zu erwartende Liste der sicheren Länder halten.

“Es wurde nicht gut aufgenommen, dass wir noch mehr öffnen möchten. Es wurde angedeutet, dass sich die Grenzen in diesem Raum für uns schliessen könnten.”
Eine Entscheidung der Regierung zur Übernahme der EU-Liste steht noch aus.