Papageitaucher: kaltes Meer im Norden bietet mehr Futter

Beim Papageitaucherbestand gibt es im Jahresvergleich kaum Veränderungen, im Süden der Insel ist der bunte Vogel auch weiterhin mehr gefährdet als im Norden. Besonders grosse Sorgen bereitet die steigende Meerestemperatur rund um die Westmännerinseln, berichtet RÚV.

Gute Futterlage im Norden
Im Nordland und im Osten Islands steht der Bestand der Papageitaucher auf sicheren Füssen. Die beliebten Brutplätze am Hafnarhólm im Borgarfjörður eystri und auf der Insel Grímsey sind voll besetzt, und auch in Langanes hat sich eine grosse Kolonie gebildet.
„Ich denke, wir sind einer Meinung, dass es hier noch nie soviel Papageitaucher gegeben hat,“ sagt der Vogelkundler Sæmundur Helgi Einarsson in Þórshöfn. „Hier gab es nie besonders viele Papagetaucher, aber die werden jetzt immer mehr.“
Und offenbar findet der Seevogel, der nur zum Brüten an Land kommt und seinen Jungen längst nicht jedes Futter bringt, im äussersten Norden genug zu fressen: „Die Küstenfischer haben genug Krill und Sandaal hier gesehen. Die Lage scheint doch recht gut zu sein,“ meint Sæmundur.

Warmes Meer, wenig Futter
Erpur Snær Hansen, der Direktor des Naturbüros Südisland und Ornithologe, bezeichnet die Lage in Südisland für den Vogel am schwierigsten, auch wenn sie in den Kolonien auf den Westmännerinseln mit dem Vorjahr vergleichbar seien. Dort habe es seit 2022 einen Rückgang gegeben. In Westisland sehe die Lage besser aus, allerdings hätten die Kolonien im Breiðafjörður im letzten Jahr einen Rückschlag erhalten.

Erpurs Hauptsorge gilt der steigenden Meerestemperatur rund um die Westmännerinseln. Die hatte im ersten Quartal so hoch wie nie zuvor gelegen, was keine guten Nachrichten für den Papageitaucher und sein spezifisches Futter sei. Auch die Jungvögel hätten mit warmem Meerwasser arg zu kämpfen. Nördlich der Insel liegt die Temperatur weitaus niedriger und bietet Vögeln und Fischen bessere Bedingungen.

Rätselhaftes Vogelsterben im Westen Islands

In den vergangenen Tagen sind an den Stränden Westislands hunderte von toten Papageitauchern und anderen Seevögeln angespült worden. Woran die Vögel verendet sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Der Leiter des südisländischen Naturkundeinstituts meint, für Futtermangel oder Vogelgrippe spreche nicht viel, es müsse einen anderen Grund geben. Er schlägt ein Verkaufsverbot für Papageitaucher vor, um den Bestand zu schützen. Der Vogel sei lebendig wertvoller als tot, berichtet mbl.is.

An den Stränden Löngufjara und im Borgarfjörður wurden die toten Vögel zu hunderten, wenn nicht sogar tausenden angespült. Die Gebiete sind nicht gerade bekannt für diese Vögel, die bevorzugt in Felsen und Klippen brüten. Der Vogelexperte Jóhann Óli Hilmarsson hatte schon in der letzten Woche gemahnt, das Vogelsterben sehr ernst zu nehmen. Von der Umweltbehörde war allerdings zu hören, dass man derzeit keine Notfallmassnahmen in Betracht ziehe. Man müsse erst mal mit den Kollegen sprechen, nach dem Wochenende, und schauen, ob es sich um die Vogelgrippe handle. “Wenn es das nicht ist, und es gibt keine direkten Hinweise darauf, dann liegen da sicher natürliche Ursachen vor, die das Naturkundeinstitut dann untersucht”, hatte Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir angegeben.

Vogelsterben zur schlechtesten Zeit
Erp­ur Snær Han­sen, der Leiter des Naturbüros Südislands, sagt, die toten Vögel seien überall zu finden, wenn auch bislang hauptsächlich in der Bucht Faxaflói. Es handle sich um erwachsene Vögel, was er eher ungewöhnlich findet. Inwieweit das Vogelsterben Auswirkungen auf den Gesamtbestand habe, hänge davon ab, wieviele Vögel verendeten und wie verbreitet das Phänomen sei. Er hoffe, dass es sich um ein lokales Ereignis handle. “Das trifft für den Papageitaucher zur schlechtesten Zeit ein, weil es ihm schon seit Jahrzehnten nicht gut gegangen ist,” erklärt der Biologe. Auch Alkvögel und eine grosse Zahl an Dreizehenmöwen sind tot aufgefunden worden. Die kürzlich in Seltjarnarnes gefundenen toten Möwen waren nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Ein anderer Erreger könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, so Erpur.

Futtermangel durch Wellengang?
“Es gibt auch eine andere Ursache, die nicht unwahrscheinlicher ist, und das ist der Futtermangel. Die Dreizehenmöwe ist nämlich an die Wasseroberfläche gebunden, während der Papageitaucher natürlich taucht und zwar tief, der ist bis auf etwa 20 Meter Tiefe zu finden. Aber bei einem Wellengang, wie dort vorhergesagt war, mit acht und neun Meter hohen Wellen, da kann der Sandaal sich eingraben und tiefer schwimmen, die Vögel erreichen ihn da nicht mehr. Das ist das, was dieses Vogelsterben auslöst, auf englisch heisst das “wreck”. Das haben wir in den Jahren 1990, 91, 92 und 93 im Norden erlebt, tausende von Alkvögeln, die tot an den Strand gespült wurden. Das ist so ein Ereignis, wenn es schweres Unwetter gibt und die tagelang kein Futter finden,” erklärt Erpur. Der Papageitaucher verbrenne viel Energie in kurzer Zeit, sodass er ohne Futter innerhalb weniger Tage verhungere.
Nicht ins Bild passe allerdings, dass der Sturm gar nicht so lange gedauert habe. Und draussen auf dem Atlantik, wo die Vögel die meiste Zeit des Jahres erbringen, herrsche oft schlechtes Wetter, die Vögel seien daher so einiges gewöhnt. Er fühle sich an die Zeit erinnert als Basstölpel im letzten Jahr an merkwürdigen Orten auftauchten, und dann erkrankten.
Dennoch halte er einen Hungertod für wahrscheinlicher als eine Infektionskrankheit, auch wenn das eine seltsame Zeit für Hunger sei, immerhin sei der Tisch für Seevögel im Faxaflói reich gedeckt. Man könne jetzt nur auf Ergebnisse aus den Proben warten.

Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig
Erpur wundert sich allerdings über die Apathie der Behörden und deren Unlust, an die Strände zu gehen, Proben zu nehmen und herauszufinden, was da im Gange ist. Man rette damit natürlich keinen Vogel, aber es werfe doch Fragen auf, vor allem wenn es sich um möglicherweise infizierte Kadaver handle, und man vielleicht die Bevölkerung warnen müsste.
Er selber befürworte ein Verkaufsverbot für Papageitaucher, um den schrumpfenden Bestand zu schützen. Vielleicht gerade noch denen die Jagd erlauben, die das Recht als Landbesitzer dazu hätten.
“Eine geschäftsmässige Jagd hat bei sowas nichts mehr verloren. Das ist immer noch der grösste Bestand von allen Vogelarten, und er hält es aus, dass man an ihm nagt, obwohl auch das nicht nachhaltig ist. Aber geschäftsmässig jagen, um das Fleisch an Restaurants und food-malls zu verkaufen, das ist ethisch einfach nicht in Ordnung. Die Leute müssen ihre Haltung mal ein bisschen aktualisieren, wie wir mit der Natur umgehen, das ist ja nicht so als ob wir davon leben. Wir leben eigentlich viel eher davon durch den Tourismus, und der Vogel ist lebendig viel mehr wert als tot,” sagt Erpur.

Vor der Jahrtausendwende hatte es in Island noch um die acht Millionen Papageitaucherpaare gegeben, jetzt werde ihre Zahl auf drei Millionen geschätzt. Es sei auch nicht so, dass es um den Bestand besser bestellt sei, jenachdem ob in einem Gebiet gejagt werde oder nicht. Die Jagdzahlen würden den natürlichen Todeszahlen zugerechnet, die bei derzeit sieben Prozent lägen.
“Wir haben 70% des Bestandes verloren, oder wahrscheinlich sogar mehr,” sagt Erpur. “Das ist gruselig, und nicht etwa so als ob es bei denen nicht ohnehin genug Probleme gebe.”

 

Erste Papageitaucher des Jahres in Island angekommen

puffin

Der Papageitaucher ist in Island angekommen und hat seine ersten Brutgebiete bezogen, berichtet RÚV. Beobachtet wurde er auf der Insel Grímsey und in Hafnarhólmi im Borgarfjörður eystra.
Im Süd- und Westland ist der bunte Vogel etwa zwei Wochen später als sonst unterwegs, und der Ornithologe Erpur Snær Hansen wartet schon gespannt darauf, ihn auf den Westmännerinseln zu beobachten.
Die ersten waren dort gestern Abend gelandet und hatten sich schon mal nach einem Nistplatz umgeschaut.

Der Bestand der Papageitaucher war vor allem im Süden des Landes extrem zurückgegangen, doch in den vergangenen vier bis fünf Jahren habe man eine Erholung beobachtet, sagt der Leiter des isländischen Naturkundeinstitutes. “Es ist nicht insgesamt gut geworden, aber es läuft darauf hinaus. Und die Westmännerinselnhaben vermutlich den grössten Anteil daran,” meint Erpur.

Er hofft, dass Krill, welches das bisherige Futter des Papageitauchers, den Sandaal, ersetzt hat, auch weiterhin in den Gewässern vorhanden sein wird. Dann würde es dem Vogel gutgehen.
“Da hat sich nämlich herausgestellt, dass in der Tat alles hier auf den Inseln und im ganzen Land eigentlich durch das Futterangebot gesteuert wird.” erklärte Erpur.