Neues Buch zum Samherji Korrputionsfall in Namibia auf englisch erschienen

Wer sich für den Namibia-Skandal des Fischereikonzerns Samherji interessiert, für den gibt es jetzt ein Sachbuch in englischer Sprache, herausgegeben von der Tageszeitung The Namibian, die in der Angelegenheit auch investigativ berichtet hatte. Das Buch trägt den Titel Fishrot: Fisheries and Corruption in Namibia und ist am vergangenen Mittwoch erschienen.
Die Autoren, Roman Grynberg, der investigative Journalist Shinovene Immanuel und The Namibian Chefredakteur Tangeni Amupadhi, “haben intensiv recherchiert, um die Korruption in der namibischen Fischerei aufzudecken. Unter anderem mit Interviews mit Insidern und Experten,” heisst es in der Verlagsmitteilung. Man könne lesen, wie der isländische Fischereimulti Samherji und namibische Amtsträger auf Kosten der namibischen Allgemeinheit reich geworden seien.

“Im Buch gibt es eine umfangreiche Analyse zu diesem Skandal und wie er entstand. Es ist für die Allgemeinheit wichtig, dieses Buch als Blaupause für Korruptionsfälle zu benutzen, die in Zukunft auftauchen könnten,” sagte Amupadhi bei der Buchvorstellung. Grynberg verwies darauf, dass die 14 Milliarden namibischen Dollar (140 Mrd ISK) im Gegenwert von Bastardmakrelen, die bei dem Korruptionsfall verschwanden, hätten genutzt werden können, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme des Landes in den Griff zu bekommen und armen Namibiern zu helfen.
“Meiner Ansicht nach zeigte die Regierung nicht genug Willen, die Armut und das Erbe aus Kolonisierung und separatistischen Bestrebungen in den Griff zu bekommen.” sagte Grynberg.
Immanuel forderte die Allgemeinheit auf, Korruptionsfälle zu melden und Transparenz und Verantwortung zu verlangen, wenn es um nationale Ressourcen gehe.

Das Buch ist nicht das erste zu dem Samherji-Korruptionsfall, im Jahr 2019 war eine Spurensuche aus der Feder der isländischen Journalisten Helgi Seljan, Aðalsteinn Kjartansson und Stefán Drengsson herausgekommen (Ekkert að fela: Á slóðum Samherja í Afríku). Diese drei hatten für das investigative RÚV-Magazin Kveikur zusammen mit Stundin und Al Jazeera in der Angelegenheit recherciert (in englischer Sprache).

Landgestützte Lachszucht am Reykjanes-Kraftwerk

Das Fischzuchtunternehmen Samherji plant in Reykjanes eine landgestützte Zuchtanlage, in der pro Jahr 40.000 Tonnen Lachs produziert werden, berichtet RÚV. Die Gebäude sollen auf einer Fläche von 250 Quadratmetern entstehen, mehr als 100 Arbeitsplätze stehen in Aussicht. Ansiedeln will man die Grossanlage auf dem Betriebsgelände Auðlindagarður der HS Orku, gleich neben dem Erdwärmekraftwerk Reykjanesvirkjun. Dieser Standort eignet sich wegen des geothermalen Meerwassers, sowie eines guten Zugangs zu Meer und lokaler Infrastruktur.

“Wir werden hier 400 Quadratmeter Aufzuchtkapazität bauen, in 250 Quadratmetern Gebäude, und wir nutzen grosse Mengen an Meerwasser,” erklärte Jón Kjartan Jónsson, der Geschäftsführer der Samherja Fischzucht.
Landgestützte Fischzucht benötigt grosse Wassermengen. Das zur Nutzung geplante geothermale Meerwasser besteht aus 70% Salzwasser und 30% Frischwasser und ist silikat- mineralstoff und algenreich. In der Blauen Lagune wird dieses Wasser im Schwimmbadbereich genutzt. Insgesamt sollen 30.000 Liter pro Sekunde in die Anlage gepumpt werden, dazu 200 Liter pro Sekunde warmes Abfallwasser aus dem Kraftwerk.
Verträge über eine Zusammenarbeit mit der HS Orka über Wasser- und Stromnutzung waren bereits 2021 unterzeichnet worden.

Umweltgutachten und Düngemittelfabrik
Ein Umweltgutachten beurteilt die Auswirkungen auf Landschaft und geologische Formationen als unwesentlich bis ziemlich negativ, vor allem wegen der Gebäude, die in einer Region entstehen, wo es bislang keine Bauwerke gibt. Für den Bau der Zuchtanlage muss eine gesetzlich geschützte Lava zerstört werden.
Jón Kjartan zufolge will man mit den Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen, ab 2032 soll der Betrieb dann vollumfänglich laufen. Die Kosten sind auf mehr als 60 Milliarden Kronen veranschlagt.
Das Abwasser der Zuchtanlage soll in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen der Branche zu Düngemittel verarbeitet werden. Geplant ist eine Düngemittelfabrik, in der landwirtschaftliche Gülle mit der Fischgülle vermischt wird.

Arbeitsgruppe nimmt Fischerei und Quotenwirtschaft unter die Lupe

Svandís Svavarsdóttir

Die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat vier Arbeitsgruppen eingesetzt, um die Herausforderungen und Möglichkeiten im isländischen Fischereisektor auszuloten. Dabei soll es auch um die makroökonomischen Auswirkungen des bestehenden Managementsystems der Branche gehen. Die vier Gruppen sollen neue Vorschriften vorlegen und möglicherweise das gesamte System überarbeiten, heisst es in einer Mitteilung des Ministeriums.
“Im Hinblick auf die Fischereiindustrie gibt es in der Bevölkerung ein tiefes Gefühl von Ungerechtigkeit,” hatte Svandís in einer Kolumne im Morgunblaðið geschrieben. “Ich denke, dieses Gefühl entspringt vor allem aus zwei Umständen: die Konsolidierung der Fischquote, und dem Eindruck, dass die Profite der von allen genutzten Ressource nicht fair aufgeteilt werden. Ziel dieser Arbeit ist es daher, eine effiziente und nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft zu schaffen.”

Neue Rechtsvorschriften für ein ganzes System
Die vier Arbeitsgruppen haben Zeit bis Ende 2023, ihre Vorschläge auszuarbeiten. Am Ende soll dann eine neue und umfassende Rechtsvorschrift zum Fischereimanagement oder sogar zu den marinen Ressourcen generell vorgestellt werden. Weitere Ziele sind Projekte auf dem Gebiet der Energiewende, Innovation und Marineforschung, aber auch Transparenz und der Kartierung von Besitzverteilung im Fischereisektor.

Die Fischindustrie hatte in den vergangenen Jahren riesige Umsätze erwirtschaftet, was zu einer Debatte über die möglicherweise zu niedrigen Quotengebühren oder Steuern führte, die eine gleichmässigere Gewinnverteilung verhindern.
In Island halten vier Unternehmen 60 Prozent der gesamten Fischereiquote: Samherji, Brim, KS und Ísfélagið.

 

Investigativer Journalist gewinnt vor Gericht gegen nordostisländische Polizei

Cover of Stundin after an injunction was filed against them for their reporting based on the leaked Glitnir documents.

Das Bezirksgericht Nordostisland hat der Berufung von Stundin-Journalist Aðalsteinn Kjartansson stattgegeben, nach der die Rechtmäßigkeit einer Ermittlung zu einer angeblichen Verbreitung von persönlich sensiblem Material durch ihn und anderen Journalisten aus dem gestohlenen Telefon eines Kapitäns der Reederei Samherji festgestellt werden sollte. Der Richter befand, dass die Polizeichefin des Bezirks Nordostisland, Páley Borgþórsdóttir, Aðalsteinn in dieser Angelegenheit zu Unrecht den Status eines Angeklagten verliehen hat, berichtet Vísir.

Gegen vier Journalisten war in Bezug auf Daten aus einem gestohlenen Telefon polizeilich ermittelt worden. Zunächst hatte es danach ausgesehen, dass die Ermittlung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über durchgesickerte Kommunikation zwischen Mitarbeitern von Samherji stand, die sich selbst die „Guerilla-Division“ des Unternehmens nannten. Dann jedoch wurden die Journalisten angeklagt, gegen die Artikel 228 und 229 des Strafgesetzbuches verstossen zu haben, einer Gesetzgebung, die geschaffen worden war, um Opfer von sexueller Gewalt zu schützen. In der Folge erhielten die vier Journalisten den Status von Angeklagten.

Datenerhalt und Prüfung ist journalistische Arbeit
Wie Stundin schreibt, hat das Bezirksgericht Nordostisland nun entschieden, dass die Journalisten kein Gesetz gebrochen haben, indem sie sensible persönliche Daten erhalten und geprüft haben, da es sich genau dabei um die Arbeit eines Journalisten handelt: Daten und Hinweise zu erhalten, und zu prüfen, ob es im öffentlichen Interesse liegt, dem nachzugehen.
Im Urteil heisst es weiter, dass es sich beim Akt des Erhalts und Öffnens von Daten, die ohne das Einverständnis des Empfängers übersendet wurden, grundsätzlich um keinen Rechtsbruch handelt.
Dem Urteil zufolge kann aus den Polizeidaten nicht geschlussfolgert werden, dass Schiffkapitän Páll Steingrímsson die Polizei wegen der persönlichen Videos in seinem Smartphone kontaktiert habe. Diese persönlichen  Videos hatte die Polizei jedoch als Grund genommen, um Aðalsteinn zum Angeklagten zu erklären.
Aðalsteinns Anwalt Gunnar Ingi Jóhannsson gab Stundin gegenüber an, das Urteil bestätige nur seine Ansicht, dass der Fall gegen die Journalisten auf Sand gebaut sei.

 

Ausbau von landgestützter Lachszucht, Lachssterben im Meer

fish farming iceland

Das Fischereiunternehmen Samherji will seine landgestützte Aquazucht im Öxarfjörður verdoppeln, berichtet RÚV. Die ersten Bauarbeiten sind bereits im Gange, das ganze Projekt soll um die zwei Milliarden Kronen kosten.
Samherji hat grosse Pläne für die landgestützte Fischzucht in Island. In Reykjanes ist die Produktion von 40.000 Tonnen Lachs geplant, im Öxarfjörður gibt es bereits eine Anlage, die nun ausgebaut werden soll. Der momentane Produktionsumfang liegt bei 1600 Tonnen pro Jahr und gehört zu den grössten der Welt, wie Betriebsleiter Freyr Jónsson schätzt. Sobald die Betriebserlaubnis für den Ausbau vorliegt, könnte man 3000 Tonnen pro Jahr herstellen. Ein Spatenstich war im Januar bereits unternommen worden. Die vorhandenen Bassins, fünf an der Zahl, fassen 2000 Kubikmeter Wasser und stammen aus dem Jahr 2017. Nun sind neue Bassins mit 4000 Kubikmeter Fassungsvermögen geplant. Kaum jemand, so Freyr, betreibe so grosse Lachszuchtbassins.
Schon jetzt weiss er, dass dieser neue Betrieb auch Mitarbeiter benötigen wird. Momentan arbeiten 28 Beschäftigte auf der Anlage am Ende der Welt. Die Anwerbung sei gut gelaufen, nun plane man, weitere Arbeiter einzustellen und die Mannschaft zu verdoppeln.

Lachssterben in Meeresbassins
In den Meeresbassins rund um Island sieht die Lage anders aus, beim Unternehmen Arcic Fish im Dýrafjörður waren in den vergangenen Tagen bis zu 2000 Tonnen Lachs verendet, berichtet RÚV. Das Fischschlachtschiff Norwegian Gannet befindet sich bereits auf dem Weg nach Island, um in der kommenden Woche mit der Lachsschlachtung zu beginnen, bevor noch mehr Fische in den Bassins verenden. Sämtliche Lachse haben Schlachtgrösse und Schlachtgewicht erreicht und sind bereit zur Vermarktung.
Einer Mitteilung des Unternehmens zufolge sterben die Fische vor allem durch Stress beim Umgang. Die hohe Todesrate wird sich auf den Umsatz des ersten Quartals und auch auf die angepeilte Jahresproduktion auswirken.

Schlachtung auf norwegischem Schiff
Die begrenzte Schlachtkapazität in den Westfjorden hatte dazu geführt, dass der Lachs nicht früher hatte geschlachtet werden können, eigentlich hätte dies im letzten Jahr stattfinden sollen. Jetzt geht es darum, zu retten was noch zu retten ist, bevor noch mehr Lachse verenden. Die Schlachtung findet auf der Norwegian Gannet an zwei von vier Standorten im Dýrafjörður statt. Geschlachtet werden sollen 2000 Tonnen der insgesamt 10.000 Tonnen Lachs in den Bassins. Verpackt wird der Lachs dann in einer Fischfabrik in Bildudalur im Arnarfjörður, südlich des Dýrarfjörður.

Schnee behindert Fischtransport
Derweil drängen die Gemeinden in den Westfjorden auf rasche Lösungen im Strassenbau, um die Verkehrsinfrastruktur der von Schnee und Lawinen gebeutelten Region zu verbessern. Nicht nur Tunnelbau, sondern vor allem ein besseres Räumdienstangebot brauche es, um dem gestiegenen Verkehrsaufkommen unter anderem durch Schwerlastverkehr begegnen zu können.
Bei einem schweren Schneesturm im Januar hatten mehrere Lastwagen mit gefrorenem Lachs für den Export im Osten des Landes festgehangen und das Containerschiff in Þorlákshöfn im Südland verpasst.