Grindavík: Färöerinseln sammeln Spenden für Betroffene

Das Rote Kreuz der Färöerinseln hat eine Sammlung zur Unterstützung der Grindavíker gestartet, die durch den Vulkanausbruch ihr Zuhause verloren haben. Der Pressesprecher des isländischen Roten Kreuzes sagte, die Färinger hätten ihn kontaktiert und ihren Wunsch ausgedrückt, helfen zu wollen. Die Spendensammelaktion des isländischen Roten Kreuzes verläuft sehr gut.

“Wie kannst du helfen?”
Auf der Nachrichtenplattform in.fo war von der Spendenaktion in Island berichtet worden, daraufhin hätten sich „Unternehmen und Einzelpersonen“ zusammengetan und beschlossen, ihren Nachbarn in Island ebenfalls zu helfen.
Wie kannst du helfen?“ heisst die Spendenaktion der Färinger.
Oddur Freyr Þorsteinnsson vom isländischen Roten Kreuz ist gerührt. “Die haben uns kontaktiert und fragten, wie sie helfen können. Sie kamen selbst mit der Idee, eine eigene Sammlung zu veranstalten.” Die Inselnachbarn seien so unglaublich warmherzig und hilfsbereit. Es sei wunderbar, solche Nachrichten zu bekommen und zu hören, dass andere Länder einen unterstützen, sagt Oddur. Isländer und die Leute von den Färöerinseln seien Brüder, so Oddur, und man kümmere sich um den anderen. „Wir sind so dankbar.“

Spenden direkt an Betroffene
Auch die seit November laufende Spendenaktion in Island sei gut unterwegs, sagt Oddur. „Wir waren überrascht, wie stark und gut die Unterstützung ist.“
Zunächst war anlässlich der ersten Evakuierung am 10. November für die Arbeit des Roten Kreuzes in Auffanglagern und Noteinsätzen gesammelt worden. Weil die Sammlung so erfolgreich verlaufen war, entschied man, das Geld direkt weiterzuleiten. Bislang konnten fünf Millionen Kronen ausgezahlt werden, und so soll es auch weitergehen. Ein speziell eingesetzter Ausschuss kümmere sich darum, wofür das Geld verwendet wird. Einziger Zweck ist die Unterstützung der Grindavíker, beispielsweise für psychologische Behandlung oder als Beihilfe für Wohnraumfinanzierung, denn viele zahlen ja jetzt Miete und zusätzlich den Kredit für ihr unbewohnbares Haus. Manche Banken haben die Zahlungen eingefroren, doch längst nicht alle Geldgeber sind dazu bereit.

Noch keine Hilfslösung in Sicht
In den vergangenen Tagen hatte es von Regierungsseite allerhand Absichtsbekundungen gegeben, wie man den Betroffenen helfen wolle, echte Fakten wurden allerdings noch nicht geschaffen. Ein Bewohner kritisierte nach einem Treffen der Bürger mit Regierungsvertretern gestern Abend, der Ausbruch sei zwar erst vor drei Tagen passiert, die Leute befänden sich aber schon seit dem 10. November durch die Evakuierung im Ausnahmezustand. Immer mehr Bewohner wollen gar nicht mehr nach Grindavík zurückkehren und fordern, dass die Regierung die Leute aus dem Ort herauskauft.

Heimaey: Katastrophenfonds und Spenden
Beim Vulkanausbruch auf den Westmännerinseln im Jahr 1973 hatte die isländische Regierung einen Katastrophenfonds geschaffen, der einzig den Interessen der Bewohner von Heimaey dienen sollte. Er sollte Schutz und Wiederaufbau des Ortes finanzieren, die Kosten von Rettungsaktionen, Umzügen und Schäden decken, Einkommensverluste und Sachschäden decken, und die Auswirkungen auf das Alltags- und Arbeitsleben mindern. Eins der wohl wichtigsten Projekte war der Wiederaufbau des Hafens. Ausserdem wurden von dem Geld Häuser für die Bewohner gekauft und in Heimaey und auf dem Festland aufgestellt.

Zusätzlich zu dem Fonds waren grosszügige Spenden aus dem In- und Ausland eingegangen, die erste Spende war schon damals von den Färöerinseln gekommen, aber auch aus Japan, Norwegen und Kanada trafen Schecks ein. Gelder kamen von alten Seeleuten, von reichen Schwestern, schwedischen Falknern und einer Kirchengemeinde. Auch Staaten schickten Unterstützung, nicht nur die nordischen Länder, sondern sogar Nord- und Südkorea schickten Geld zum Wiederaufbau der Insel.

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, kann das unter dieser Kontonummer tun:
IBAN: IS460342260000125302692649
SWIFT: ESJAISRE

 

Grindavík: Sirenen, Räumung wegen Schwefelgas, und neuer Versuch morgen

Grindavík earthquakes Reykjanes

Auch heute erhielten die Bewohner von Grindavík zwischen 12 und 16 Uhr Gelegenheit, Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Ähnlich wie gestern verlief die Aktion strassenzugweise, war auf fünf Minuten pro Haus begrenzt und galt für alle, die es gestern nicht in den Ort geschafft hatten. Ein Stadtviertel galt als so gefährdet, dass die Bewohner nur in Fahrzeugen der Rettungsteams an ihre Häuser gebracht werden konnten.

Um 15 Uhr heulten dann die Sirenen der Einsatzkräfte und die Polizei organisierte eine sofortige Räumung des Ortes. Neue Messgeräte des isländischen Wetterdienstes auf dem Berg Húsafjall östlich der Stadt hatten erhöhte Schwefeldioxidwerte angezeigt. Nach Angaben des diensthabenden Vulkanologen kann sich ein solches Gas lösen, wenn die Magma dicht unter der Oberfläche liegt. Vom Zivilschutz hiess es, die Räumung habe aus Sicherheitsgründen stattgefunden, und nicht, weil unmittelbare Gefahr drohte. Morgen früh soll die Lage erneut geprüft werden, und alle, die heute nicht in den Ort kamen, sollen zu ihren Häusern gebracht werden. Die Polizei von Suðurnes liess wissen, dass der Ort nach nur 95 Sekunden geräumt war, eine erfreulich kurze Zeit.

Graben verbreitert sich zusehends
Schäden an Gebäuden und im Boden sind immens und werden immer mehr. Kristín Jónsdóttir, die Bereichsleiterin für Erdbebenüberwachung beim Wetterdienst, warnte die Leute vor unsichtbaren Spalten. „Wir sehen immer noch Bewegung und ein Auseinanderdriften in diesem Graben.“ sagte sie und bekräftigte, ein Ausbruch sei auch weiterhin wahrscheinlich. Oberhalb des Magmaintrusionsganges habe sich der Graben gebildet, ein breiter Streifen, in dem selbst sich wieder zahlreiche Spalten geöffnet haben, die sich ebenfalls stetig verbreitern. Das ganze Gebiet sei hochgefährlich.Zivilschutzleiter Víðir Reynisson verglich die Lage mit dem Gang über eine Gletscherzunge, wo sich unter dem Eis überall Spalten verbergen. Der Zivilschutz hatte heute davor gewarnt, sich der Region generell zu nähern. Der Experte für Plattentektonik beim Wetterdienst, Benedikt Gunnar Ófeigsson, bezeichnete die Vorgänge als viel grösser als alles was man in den vergangenen Jahren auf der Halbinsel erlebt habe.

Erdbeben am Magmagang
Seit Mitternacht sind am Magmagang 700 Erdbeben aufgezeichnet worden, das stärkste am Hagafell lag bei M3,1. Die meisten Beben ereignen sich am Magmagang, in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern. Vom Wetterdienst hiess es, Messungen zeigten eine anhaltende Verformung des Gebietes. Das decke sich mit der Tatsache dass weiterhin Magma in den Intrusionsgang fließe. Auch weiterhin wird er in einer Tiefe von 800 Metern vermutet, der Zufluss beträgt etwa 75 Kubikmeter pro Sekunde.
Eine Menge neuer Spalten ist auch auf dem Berg Þorbjörn entdeckt worden. Dort befindet sich ein wichtiger Telekommunikationssendemast. Das danebenstehende Servicegebäude hat schwere Schäden erlitten, die Geräte sind jedoch unversehrt.

Auffanglager konnten schliessen
Am Abend berichtet mbl.is, dass alle Auffangstationen des Roten Kreuzes geschlossen und abgebaut worden sind. Das bedeutet dass alle Evakuierten irgendwo untergekommen sind. Beim Roten Kreuz hatte es gehiessen, dass dies einer der grössten Einsätze der letzten Jahre gewesen sei. Die Hilfsbereitsschaft im ganzen Land darf als überwältigend bezeichnet werden. Haus- und Wohnungsbesitzer hatten sich beim Roten Kreuz und in Facebookgruppen melden können, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Viele boten ihn kostenlos an, um Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Haustiere konnten erfolgreich vermittelt werden, wenn es nicht möglich war, sie in die neue Behausung mitzunehmen. Ausserdem hatte das Reykjavíker Katzenhaus zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Erstes Auffanglager des Roten Kreuzes für Asylbewerber

Das isländische Rote Kreuz hat zum ersten Mal eine Auffangstation für Asylbewerber eröffnet. Die Einrichtung befindet sich in den Räumlichkeiten eines Bürohauses in der Reykjavíker Borgartún, berichtet Vísir. Der Bereichsleiter für internationale Angelegenheiten beim Roten Kreuz bekräftigte, dass es sich um eine vorübergehende Lösung handle und verlangte eine verstärkte Beteiligung der Gemeinden.
Die Auffangstation war auf Bitten der Regierung geschaffen worden, nachdem die Zahl der Asylbewerber zuletzt immer weiter gestiegen war und es keine Unterbringungsmöglichkeiten mehr gibt.

Wohnraum fehlt an allen Ecken
“Das waren zwei starke Monate, dieser und der letzte, und das ist nun so, dass die Regierung einfach keinen Wohnraum im Rahmen der üblichen Lösungen finden konnte, die die Bewerber um internationalen Schutz normalerweise aufsuchen.” erklärte Atli Viðar Thorstensen.
Im vergangenen Monat hatte die Polizei die Bereitschaftsstufe an den Landesgrenzen angehoben, weil dort so viel zu tun war. Man geht davon aus, dass die Anzahl der Asylbewerber proportional in den letzten Monaten des Jahres ansteigt. Die Kurzfristunterbringungen waren bereits so gut wie voll, und auch die längerfristigen Unterbringungsmöglichkeiten, die vom multikulturellem Zentrum und den Gemeinden betrieben wurden, hatten kaum noch Platz für Neuzugänge.

Drei Tage Auffanglager, bevor es weitergeht
In dem neugeschaffenen Auffanglager finden bis zu 150 Personen Platz. Geplant ist, dass jede Person bis zu drei Tage die Leistungen in Anspruch nehmen kann. Dann ist die Regierung am Zug, das Auffanglager sieht sich nur als Brücke ins Land.
Auch wenn es ein solches Auffanglager noch nie zuvor gegeben hat, so verfügt das Rote Kreuz doch über viel Erfahrung mit ähnlichen Lagern. Meist werden sie nach schweren Unfällen auf dem Land eröffnet, bei Unwetter oder anderen Unglücken, wo Leute aus den unterschiedlichsten Gründen festsitzen und nicht nach Hause können. Für Atli ist die derzeitige Lage eine ähnliche Notlage, die nach einer Notlösung verlangt.

Steigende Zahl an Flüchtlingen aus aller Welt
Mehr als 60 Prozent aller Flüchtlinge, die in diesen Tagen nach Island kommen, stammen aus der Ukraine, viele kommen auch aus Venezuela, Syrien, Palästina, und Afghanistan. Insgesamt sind in diesem Jahr 3.003 Asylbewerber nach Island gekommen, davon 1,797 aus der Ukraine. Im September waren 400 Asylbewerber gekommen, und allein in den vergangenen zwei Wochen hatten 219 Personen um internationalen Schutz ersucht, die Hälfte von ihnen aus anderen Ländern als die Ukraine.
Atli lobt die Regierung für ihre Einsatzbereitschaft, nun aber müssten die Gemeinden sich noch mehr einsetzen, damit die Last nicht an einigen wenigen hängenbleibe.

 

Secondhandladen des Roten Kreuzes wird zur Kleiderausgabe für Flüchtlinge

red cross iceland

Der Secondhandladen des Roten Kreuzes am Hlemmur wird zeitlich befristet in eine Kleidungsausgabestation für Asylbewerber und Flüchtlinge umgewandelt. Damit soll der grossen Not von Leuten begegnet werden, die ihr Zuhause und sämtliches Eigentum zurücklassen mussten, berichtet RÚV.
Die Spendenannahme und der Verkauf von Kleidung gehen in der Filiale bei Mjódd weiter.

Im ganzen Land wird Kleidung gesammelt, zur Zeit fehlt aber ganz besonders warme Winterkleidung, sagt die Pressesprecherin beim Roten Kreuz, Brynhildur Bolladóttir. “Wir haben einen Container hier in der Hauptstadt nur dafür aufgestellt und suchen explizit Jacken, Winterkleidung und warme Schuhe. Der Container steht am Skútuvogur, wo auch unsere Sortierstation untergebracht ist.”
Die Kleidung aus den Spendencontainern wird sortiert und in den Secondhandläden des Roten Kreuzes verkauft. Alles was nicht genutzt werden kann, geht nach Deutschland und Holland in die Wiederverwertung.

Viele wollen mithelfen
In der vergangenen Woche hatte die Organisation 70 Millionen Kronen aus einer Spendensammlung an humanitäre Dienste des internationalen Roten Kreuzes in der Ukraine überwiesen. Ab heute umspannt die Spendenaktion auch die Hilfsdienste des Roten Kreuzes für die ukrainischen Flüchtlinge, die nach Island kommen.
Viele haben Brynhildur zufolge ihre Hilfe angeboten. “Wir freuen uns über das Interesse der Leute. Sie bieten Unterstützung an, aber die Leute nehmen sich das auch ganz unterschiedlich zu Herzen, das sehen wir an den Anrufen bei der Notrufhotline. Die Leute fühlen sich wegen des Konflikts schlecht, ohne in irgendeiner Weise damit verbunden zu sein. Es ist unangenehm, wenn es da einen Konflikt gibt, der näher an einem dran ist als je zuvor.“

Wer aktiv beim Roten Kreuz mithelfen will, hat drei Möglichkeiten: „Geld spenden, Kleidung spenden, und sich um Leute kümmern, die hierher kommen. Das ist unsere Rolle dabei.“

 

“Alle verlieren” in neuem Plan zum Rechtsbeistand für Asylsuchende

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Die neuen Pläne von Justizministerium und Amt für Einwanderung (ÚTL) zur juristischen Unterstützung von Asylsuchenden wird höhere Kosten und eine längere Bearbeitungsdauer verursachen, sowie in schlechterer Betreuung enden, kritisierte ein Rechtsanwalt des Isländischen Roten Kreuzes. Im vergangenen Monat hatte das Justizministerium entschieden, den Vertrag mit dem Roten Kreuz nicht zu verlängern. Die Hilfsorganisation hatte sieben Jahre lang Asylsuchenden Rechtsbeistand geleistet. Nach Angaben von Guðríður Lára Þrastardóttir, einer Anwältin beim Roten Kreuz, wird sich das vom Amt für Einwanderung entworfene neue Schema negativ auf Asybewerber, Regierung und Juristen auswirken, berichtet Vísir.

Das Amt für Einwanderung hatte in der vergangenen Woche eine Ausschreibung veröffentlicht, in der nach Bewerbern gesucht wurde, die Asylsuchenden Rechtsbeistand leisten wollen. In einem Beitrag auf Facebook schreibt Guðríður, der Plan in der Ausschreibung sei genau der gleiche wie vor der Betreuung durch das Rote Kreuz, und damals sei er als nicht gut angesehen worden.
Der Stundenlohn für Anwälte sei seit 2014 nur um 1000 ISK (6,88 EUR) angehoben worden und damit auch weiterhin der niedrigste Tarif, den der Staat für juristische Leistungen aufbringe.
Auch die vorgeschlagene maximale Stundenzahl in dem Plan reflektiere in keinster Weise die Realität, und das Rote Kreuz, welches auf sieben Jahre Erfahrung zurückblicken kann, sei nicht einmal kontaktiert worden, als die geplante maximale Betreuungszeit kalkuliert wurde. Und die Kosten für Dolmetscher tauchten ebenfalls nirgendwo auf.

“Das ist ein trauriger Wendepunkt,” schreibt Guðríður. “Meiner Ansicht nach wird dieses Schema zu schlechterer Qualität, viel höheren Kosten und schlechterem Service führen, und auch zu längeren Bearbeitungszeiten. Alle verlieren hier.”
Die Änderungen treten in Kraft just als die Zahl der Asylsuchenden in Island so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr ist. Justizminister Jón Gunnarsson hatte angegeben, dass weitere Änderungen des Einwanderungsgesetzes in Arbeit seien.
Das isländische Rote Kreuz und andere Menschenrechtsorganisationen haben die geplante Änderung des Einwanderungsgesetzes scharf kritisiert.

 

Drogenmobil Frú Ragnheiður betreut immer mehr Suchtkranke und Obdachlose

Die Freiwilligen des Roten Kreuzes, die das Drogenmobil Frú Ragnheiður in Reykjavík betreiben, haben in diesem Jahr mindestens 200 neue Hilfesuchende angetroffen, berichtet RÚV. Elísabet Herdís Brynjarsdóttir, Krankenschwester und Projektleiterin des Drogenmobils, sagte in einem Interview auf Rás 1, dass im Jahr 2019 an die 520 Personen etwa 4200 mal bei dem Fahrzeug des Roten Kreuzes vorgesprochen hätten. Für 2020 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor, aber schon jetzt ist klar, dass es viel mehr Leute als im Vorjahr gewesen sind. Sie geht davon aus, dass dies eine Folge der COVID-Pandemie ist.

Nicht mehr nur Obdachlose suchen Hilfe
“Wir sehen Personen, die zu uns kommen und viele Jahre clean und trocken waren und nun einen Rückschlag erlitten, vor allem durch die gesellschaftliche Isolierung. Und dann sind da Personen, die zu uns kommen, die noch nie da waren, und Nachrichten über uns gesehen haben, und möglicherweise seit Jahren Rauschgift spritzen.” erklärt Elísabet.

Allein von Januar bis August waren 200 Personen zu der festen Gruppe gestossen, die die Hilfe von Frú Ragnheiður regelmässig in Anspruch nimmt. Zahlen für die zweite Jahreshälfte liegen noch nicht vor. Elísabet zufolge wachse die Gruppe nicht nur, sie verändere sich auch in der Zusammensetzung. Nun kämen auch Leute, die nicht obdachlos sind, die ein Zuhause hätten, sogar in Ausbildung oder Arbeit seien, aber seit Jahren Rauschgift konsumierten. Sie berichtet von einer Person, die seit 13 Jahren Rauschgift spritze, ohne dass jemand aus ihrem Umfeld davon wisse. “Er hat sich eigentlich nur in sicherer Umgebung geöffnet und jemandem anvertraut, dass er gespritzt hat. Das sind Leute, die man nicht jeden Tag zu sehen bekommt.” Die meisten hätten jedoch eine lange Geschichte.

Wachsende Armut ist besorgniserregend
Etwa 70 Prozent der Abhängigen im Jahr 2019 waren zum Drogenmobil gekommen, um sich sauberes Spritzenbesteck zu holen. Im gerade vergangenen Jahr war die Gruppe derer angewachsen, die sich auch Lebensmittel abholen.
Das Drogenmobil des Roten Kreuzes bietet keine Behandlung von Krankheiten an, vielmehr handelt es sich um ein Freiwilligenprojekt von speziell ausgebildeten Mitarbeitern, die Gespräch und psychischen Beistand anbieten. Sie zeigen Möglichkeiten und Lösungsansätze für Probleme auf, aktiv werden muss der Betroffene im Anschluss dann jedoch selber.

Elísabet sagt, die gesellschaftliche Isolierung sei gross, aber man stelle auch Nahrungsmangel bei denen fest, die mit Armut zu kämpfen hätten. Das sei besorgniserregend. Die Not sei gewachsen, das Drogenangebot gesunken, sodass die Drogen teurer geworden seien. “Das bedeutet, das sie mehr tun müssen, um ihre Sucht zu finanzieren. Mehr tun bedeutet für unsere Randgruppe, mehr Prostitution, mehr Sklavenabeit, mehr Kriminialität, mehr Diebstahl, und dann sehen wir auch, dass sie sich mehr verschulden, und beim Schuldeneintreiben geht es grimmiger zu. Und das kann riesige Auswirkungen haben, mit denen unsere Gruppe lange zu tun hat.”

Die grösste Schadensbegrenzung bestehe zur Zeit darin, allen ein Dach über dem Kopf zu besorgen, ganz gleich in welcher Lage sie sich befänden. Es sei sehr wichtig für die Schützlinge von Frú Ragnheiður, einen sicheren Ort zu haben, jeden Tag duschen zu können, Zugang zu einer Toilette zu haben, zu Kühlschrank, Herd und einem Bett.

2020 war das Jahr von Einsamkeit und vielen Beerdigungen
Das gerade vergangene Jahr sei für Frú Ragnheiður schwer gewesen. Elísabet und ihre Mitarbeiterinnen hätten viele Schützlinge zu Grabe getragen, sie schätzt, dass mindestens 20 allein ihr bekannte Gesichter nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Die Weihnachtszeit hatte man bei Frú Ragnheiður gut vorbereitet. Über die Feiertage war das Drogenmobil durchgehend im Dienst gewesen, es hatte Weihnachtsessen, Süssigkeiten und Plätzchen gegeben, und stets Zeit für ein Gespräch. Elísabet sagt, gerade über die Feiertage seien diese Leute sehr einsam. Viele Obdachlose hätten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien.

Das Drogenmobil ist an allen Tagen aussser Samstags unterwegs, an dem Rotkreuz-Projekt sind 120 Freiwillige beteiligt.
“Die meisten von uns sind Krankenschwestern, die während der Pandemie Dienst geschoben haben, und nicht eine einzige Schicht ist ausgefallen, das ist eigentlich unglaublich.” berichtet sie. Zusätzlich sind Pflegehelfer, Ärzte, Sozialarbeter, Heilpädagogen, Taxifahrer, Ingenieure und viele andere an dem Projekt beteiligt.

Hoffnung auf bessere Betreuungsmöglichkeiten
Elísabet hofft, dass man im kommenden Jahr zurückblicken und aus den Fehlern des Vorjahres lernen könne. Vor allem die Notfallräume, auf die man seit langem warte, müssten im neuen Jahr endlich geöffnet werden. Aber auch auf ein Schadensbegrenzungszentrum hoffe man, wo Notfallbetreuung und Suchtbetreuung unter einem Dach stattfinden könnten.
“Die Personen, die wir betreuen, sind echte Helden. Sie haben Menschenrechte wie wir alle. Das ist jahrelang an ihnen vorbeigegangen. Ich hoffe, dass das Jahr 2021 das Jahr derer wird, die man bisher übersehen hat.” sagt Elísabet.

 

Anwälte warteten auf gerettete Touristen vom Langjökull

Als eine Gruppe von Schneemobilfahrern die Auffangstation erreichte, nachdem sie im vergangenen Monat aus einem Schneesturm am Langjökull gerettet worden waren, warteten Rechtsanwälte auf sie, berichtet RÚV.

Die Anwälte beabsichtigten, ihre Dienste anzubieten, falls die ausländischen Touristen rechtliche Schritte gegen den Reiseveranstalter unternehmen wollten, der für die Exkursion verantwortlich war. Vertreter von Rotem Kreuz und Rettungsorganisation kritisierten das Vorgehen, es habe unnötigen Stress zu der traumatischen Erfahrung der Gruppe hinzugefügt.

Am 7. Januar waren 39 Touristen in der Nähe der Basisstation von Reiseveranstalter Mountaineers of Iceland mit ihren Schneemobilen im Schneesturm gelandet. Sie hatten sich in den Schnee eingegraben und stundenlang auf Hilfe warten müssen. Der Veranstalter der Schneemobiltour gab nachher zu, dass Fehler gemacht worden seien, und dass die Entscheidung, erst die Eishöhle zu besuchen, dazu geführt habe, dass die Gruppe in dem schlechten Wetter gelandet sei.

Als die Gruppe mit ihren Rettern am Gullfoss-Café eintraf, fanden sie die Anwälte dort wartend vor. Anwälte hatten die Gruppe auch bei ihrer Ankunft in Reykjavík erwartet.

Þór Þorsteinsson, der Leiter der isländischen Rettungsorganisation Landsbjörg, sagte, die Anwälte hätten auch bei seiner Organisation angerufen und nach einer Liste der Opfer aus der Expedition gefragt. “Die wir natürlich nicht herausgegeben haben,” versicherte Þór.

In einem Fernsehinterview waren sich Þór und Brynhildur Bolladóttir, die Pressesprecherin des Roten Kreuzes, einig, dass die Anwesenheit von Anwälten nach derartigen Ereignissen keine wünschenswerte Entwicklung sei.

Brynhildur erklärte, es sei die Pflicht der Rotkreuzhelfer, dafür zu sorgen, dass Personen, die ein Trauma erlitten hätten, nicht noch zusätzlichem Stress ausgesetzt werden. Dazu gehören auch Reporter, die ebenfalls vor Ort waren, um einige der Geretteten zu befragen. Die Bedingungen seien solcherart, dass die Opfer nicht beurteilen könnten, ob sie ein Interview abgeben sollten, oder nicht.

Jede Provokation gegen Personen, die Trauma oder ernsthafte Vorfälle erlebt haben, können Konsequenzen haben,” erklärte Brynhildur.