Grindavík: Gefahrenstufe gesenkt, Blaue Lagune öffnet

Grindavík

Der unterirdische Magmatunnel, der sich am 14. Januar gebildet hatte, wird nicht mehr von Magma gespeist. Der Vulkanausbruch ist damit beendet, berichtet Heimildin. Bei Svartsengi hebt sich zwar das Land auch weiterhin, doch die Gefahrenstufe für die Region ist offiziell gesenkt worden.

Gefahrenstufe trotz Landhebung gesenkt
Heute hat die isländische Wetterbehörde ihre neue Risikoanalyse für Grindavík veröffentlicht. Ihrzufolge ist die Gefahrenstufe in allen betroffenen Gebieten auf der Halbinsel Reykjanes gesenkt worden. Im Magmatunnel konnte kein Magmazufluss mehr festgestellt werden, allerdings hebt sich das Land bei Svartsengi auch weiterhin. Der Mitteilung der Wetterbehörde zufolge könne noch nicht bestätigt werden, dass die Geschwindigkeit der Landhebung bei Svartsengi höher ausfalle als vor dem Ausbruch vom 14. Januar.
Auch weiterhin besteht grosse Gefahr durch einstürzenden Untergrund im Ortsbereich von Grindavík. GPS-Messungen haben aber kaum noch Veränderungen gezeigt. Die Wetterbehörde hält es für wichtig, die neuen Spalten zu kartieren und Veränderungen bereits bekannter Spalten zu prüfen. Die neue Risikoanalyse war heute um 15 Uhr in Kraft getreten und gilt bis kommenden Donnerstag, den 25. Januar.

Grünes Licht für Blaue Lagune
Die Blaue Lagune und das Northern Light Inn dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen, allerdings mit der Risikoanalyse im Hinterkopf. Das Betriebsgelände wird nun rund um die Uhr überwacht, und auch der Evakuierungsplan erfährt eine neue Prüfung.

In Grindavík selbst haben Handwerker und Rettungsleute in den vergangenen Tagen hart daran gearbeitet, die Heisswasser- und Stromversorgung des Orts wieder ans Netz zu bekommen. Vor allem die Stromversorgung hat den Beteiligten ziemliche Kopfschmerzen bereitet, so der Leiter der Polizeidirektion Suðurnes, Úlfur Lúðvíksson.  Man will das ganze Wochenende hindurch arbeiten. Ein Transport wertvoller Gegenstände aus der Stadt kann jedoch erst stattfinden, wenn die Gefahrenstufe auf “erheblich” abgesenkt worden ist.

Grindavík ist “nicht bewohnbar”
Der Geophysiker Professor Magnús Tumi Guðmundsson hat RÚV gegenüber und auch beim Bürgertreffen gesagt, er halte Grindavík für einen Ort, den man nicht bewohnen sollte, wenn es andere Wohnmöglichkeiten gibt. Er wies auf die Auffüllung der Erdpalten hin, die in der Tiefe nur Brücken bildeten und bei jeder Erdbewegung wegbrechen könnten. Hier sollten Familien mit Kindern seiner Einschätzung nach auch ohne die ständige Gefahr eines Ausbruchs nicht leben.

Immobilien durch Staat aufkaufen
Islands Kultus- und Wirtschaftsministerin Lilja Alfreðsdóttir hatte am Mittag angegeben, es sei ein riesiges, aber stemmbares Projekt für den Staat, die Immobilien der Grindavíker aufzukaufen, immerhin habe die Stadt zuvor ordentlich Geld ins isländische Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Die isländische Volkswirtschaft könne das stemmen, es sei genügend Geld vorhanden. Doch bevor man entscheidende Schritte unternehme, müsse ausreichend langfristiger Wohnraum für die evakuierten Grindavíker gesichert sein.

 

Grindavík: Risikoanalyse nennt Gasentwicklung und sehr grosse Gefahr

grindavík evacuation

In ihrer heute veröffentlichen Risikoanalyse für Grindavík sieht die isländische Wetterbehörde „sehr grosse Gefahr¨ für den Ort. Die Gefahr ist nicht nur durch Erdbeben, Spalten, Lavaströme, Spaltenbewegung und unvorhersehbare Krateröffnungen gekennzeichnet, sondern jetzt auch durch Gasentwicklung, von der man befürchtet, dass sie in Verbindung zu dicht unter der Erdoberfläche liegenden Magma steht, berichtet Heimildin.
Die Risikoanalyse gilt von heute 17 Uhr bis Freitag um 17 Uhr.

„Bei Arbeiten an Brunnen der Wasserversorgung im Ortsinneren von Grindavík ist gestern Gas gemessen worden. Es bedarf der näheren Prüfung, ob diese Gasentwicklung in Verbindung zu dicht unter der Erdoberfläche liegender Magma steht. Es muss betont werden, dass gefährliche Gasentwicklung einer der Faktoren ist, der in der derzeit gültigen Risikoanalyse für Grindavík genannt werden.“ heisst es in der Analyse. Gefahren können sich auch ausserhalb der genannten Gebiete verbergen.

Auch weiterhin sammelt sich Magma unter dem Svartengi Gebiet, nördlich von Grindavík und nahe der Blauen Lagune. Man geht davon aus, dass diese Akkumulation in den kommenden Wochen zu einer weiteren Eruption führen wird.
Die Bebentätigkeit über dem Magmatunnel ist seit gestern nur gering ausgefallen. Modellen zufolge liegt die Magma am Südende des Tunnels dicht unter der Oberfläche, und gerade dort ist das Land in zahllose Spalten und Risse geborsten. Experten gehen davon aus, dass die Magma hier leichtes Spiel haben wird, an die Erdoberfläche zu kommen. Laut Wetterbehörde gilt es daher als wahrscheinlich, dass sich neue lavafördernde Spalten ohne Vorwarnung öffnen.