Reykjanes: Vulkanausbruch offiziell beendet, Warten auf den nächsten Ausbruch

Geldingadalir Reykjanes eruption

Die Eruption in der Kraterreihe Sundhnúkagígarröð nördlich von Grindavík gilt seit heute offiziell als beendet. Gestern Abend hatten Fachleute des isländischen Zivilschutzes das Eruptionsgebeit überflogen und keinerlei Hinweise auf vulkanische Aktivität in dem zuletzt nur noch schwach aktiven Krater gefunden. Auch der vulkanische Tremor war gestern zurückgegangen. In der Nacht konnte kein Glühen von frischer Lava entdeckt werden. Die isländische Wetterbehörde sieht den Ausbruch daher als beendet an.

Drittlängster Ausbruch des 21. Jh.
Der Ausbruch hatte am 16. März begonnen und 54 Tage angedauert. Er war damit der drittlängste Ausbruch in diesem Jahrhundert, nur die Eruptionen in den Geldingadalir im Jahr 2021 und in der nordisländischen Holuhraun im Jahr 2014-15 hatten länger angedauert.
Allerdings sind die Fachleute sich auch einig, dass ein neuer Ausbruch der Reykjanesserie unmittelbar bevorsteht. Die Magmasammlung unter Svartsengi wächst nämlich weiter, und die 13 Millionen Kubikmeter Magma, die sich bereits in der unterirdischen Kammer angesammelt haben, übersteigen die Magmamenge vor den letzten drei Ausbrüchen. Auch das Land hebt sich stetig weiter, und Bebenschwärme weisen auf steigende Spannung hin, die sich nun nicht mehr an die Oberfläche entladen kann.

Neuer Ausbruch wahrscheinlich
Am wahrscheinlichsten halten Experten eine erneute Magmaintrusion in die alte Kraterreihe Sundhnúkagígaröð sowie eine Eruption entlang dieser Spalte, auch wenn die Magma theoretisch an jedem anderen Ort hervorbrechen kann.
Die Behörden warnen davor, dass sich ein solcher Ausbruch mit entsprechender Gasentwicklung jederzeit und ohne Vorwarnung ereignen kann. Beim letzten Ausbruch war der Lavastrom so schnell unterwegs, dass für Lavatouristen ein Entkommen unmöglich gewesen wäre.

Alle Besucher sind daher aufgefordert, sich mit äusserster Vorsicht in der Region zu bewegen. Für den Küstenort Grindavík und das umliegende Gelände gilt weiterhin die derzeit aktuelle Risikobewertung.

 

Reykjanes: Polizei warnt vor Kraterwanderungen, Lage ungewiss

crater

Die Polizeidirektion in Suðurnes bittet inständig darum, nicht zum Ausbruchsgebiet an den Sundhnúksgígar zu wandern. Jederzeit können sich dort neue lavafördernde Spalten öffnen, oder mehr Lava aus dem aktiven Krater strömen.
Seit letztem November hat sich jedesmal dann ein Ausbruch ereignet, wenn die Magmamenge in der Kammer unter Svartsengi acht bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht hatte. Gemessen daran ist die derzeitige Magmamenge mit 10 Millionen Kubikmetern an der Grenze zu einem neuen Ausbruch angelangt.

Lage ist ungewiss
Benedikt Ófeigsson, der Fachleiter für Verwerfungsmessungen beim isländischen Wetterdienst, sagte gestern in den Abendnachrichten, die Lage sei ausgesprochen ungewiss.
„Wir haben das bislang noch nicht erlebt, dass es einen Ausbruch und eine Landhebung zur gleichen Zeit gibt. Daher herrscht nun grosse Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Am meisten bereitet uns wohl Sorge dass aus dem bestehenden Ausbruch ein weiterer so entsteht wie es begonnen hat,“ erklärte Benedikt. „Dass sich also mit geringer Vorwarnzeit eine zwei bis drei Kilometer lange Spalte öffnet, die erheblich Gefahr mit sich bringt.“ Vor solch einem Geschehen könne man nicht rechtzeitig warnen.
Auch der Professor für Geophysik, Páll Einarsson, äusserte sich besorgt. “Wenn der Druck in der magmagespeisten Kammer zunimmt, würde man erwarten, dass die Eruption nach und nach zunimmt, aber das ist nicht der Fall.“ Weder bei den Vulkangeschehen auf der Halbinsel Reykjanes noch an der Krafla in den Achtzigerjahren habe man dergleichen beobachtet. Auch Páll warnt davor, dass hier ohne Vorwarnung eine gefährliche Situation entstehen kann. „Dann besteht die Möglichkeit einer neuen Spalteneruption, und der Beginn von Spalteneruptionen ist am gefährlichsten, wenn in kurzer Zeit eine große Menge Magma entsteht, die sich über ein großes Gebiet ausbreitet und mit hoher Geschwindigkeit fliessen kann.”

Keine Rettung vor Lavastrom
Schon in der vergangenen Woche war davor gewarnt worden, sich auf den Weg zum Krater zu machen, weil ein möglicher Lavastrom so schnell unterwegs sein kann, dass es keine Rettung gibt. Auch die Wand des aktiven Kraters kann unter verstärktem Lavastrom jederzeit brechen und Lavafluten unter hohem Tempo in alle Richtungen entlassen. Hinzu kommt die Gefahr durch plötzlich ansteigende Gasentwicklung. Bislang hat die Gasverschmutzung durch den Vulkanausbruch nicht abgenommen, und empfindliche Personen sind angehalten, sich unter loftgaedi.is zur Luftqualität auf dem Laufenden zu halten.

Reykjanes: Sechs Quadratkilometer Lava und kein Ende in Sicht

Auch wenn die Kraft des Lavaausbruchs an der Kraterreihe Sundhnúksgígarröð nachgelassen hat, gibt es Vísir zufolge keine Hinweise darauf, dass die Gesamtmenge des Magmaflusses aus der Tiefe weniger wird. Damit ist die unter Svartsengi angesammelte Magma gemeint, sowie die Magma, die aus dem Krater an die Oberfläche gelangt.

Vorgang könnte sich wiederholen
In einer Mitteilung des Wetterdienstes heisst es, das Land hebe sich bei Svartsengi erneut, und seit letzter Woche sogar mehr, zeitgleich zum Rückgang des Ausbruchs. Es sei schwierig, Angaben zu einem Ende des Ausbruchs zu machen, dieser könne auch längere Zeit mit stetigem Fluss andauern, oder bald zu Ende gehen.
„Da sich unter Svartsengi weiterhin Magma ansammelt und der Druck dort zunimmt, besteht auch die Möglichkeit, dass die Kraft der Eruption wieder zunimmt, wie es beim Ausbruch am Fagradalsfjall im Jahr 2021 geschehen ist. Wenn die Eruption in naher Zukunft aufhört, ist es am wahrscheinlichsten, dass die Magmaansammlung unter Svartsengi weitergehen wird und sich ein Szenario wiederholt, wie es in den letzten Monaten beobachtet wurde,“ heisst es in der Mitteilung. Die seismische Aktivität am Magmatunnel bei Grindavík sei auch weiterhin sehr gering. Allenfalls beobachte man Aktivität zwischen den Bergen Sýlingarfell und Stóra-Skógfell und westlich von Grindavík. Am Fagradalsfjall werde seismische Aktivität in einer Tiefe von sechs bis sieben Kilometern Tiefe aufgezeichnet.

3D-Karte der Lavadecke
Das Naturkundinstitut hat heute eine 3D-Karte der Lavadecke veröffentlicht. Neusten Messungen zufolge besteht die Decke aus 31 Millionen Kubikmeter Lava, was ein Fünftel der Lava ist, die 2021 in den Geldingadalir geflossen ist. Sie bedeckt eine Fläche von rund sechs Quadratkilometern. Zwischen dem 27. März und dem 3. April lag der durchschnittliche Lavafluss bei rund 6,6 Kubikmeter pro Sekunde, danach hat er sich erheblich verringert.

Risikogutachten: weiter “grosse” Gefahr durch Gas
Das aktuelle Risikogutachten des Wetterdienstes gilt bis zum 16. April. Für die gesamte Region besteht “grosse” Gefahr durch Gasverschmutzung, im Gebiet rund um den Krater ist die Gefahr “sehr gross”. Für die Gebiete 4 und 6, Grindavík und die Region östlich des Lavafeldes, besteht “grosse” Gefahr durch Spalten, Erdrutsche in Spalten, Spaltenbewegungen, Lavafluss und Gasverschmutzung. Die Lava aus dem letzten noch aktiven Krater fliesst wieder nach Süden.

Reykjanes: Kraterrand eingestürzt, Lava strömt nach Norden

crater

Die Kraterwand des letzten Kraters zwischen dem Hagafell und dem Stóra-Skógfell ist gestern Abend am Nordrand eingestürzt, seitdem quillt Lava aus dem Krater.
Nach Angaben des wachthabenden Experten beim isländischen Wetterdienst, Böðvar Sveinsson, stürzte die Kraterwand gegen 21.30 Uhr ein. Die Lava strömt seitdem in nördliche Richtung.

Gestern war die Magma im Krater stärker hochgestiegen als zuvor, und es hatte sich ein breiter Lavafall über den Kraterrand hinweg in südliche Richtung gebildet.
Der Lavastrom bedroht derzeit keine Strassen oder ähnliches, könnte aber, wenn er es weit schafft, den Grindavíkurvegur erreichen.
Hier sieht man gestrige Aufnahmen des Dronenpiloten Björn Steinbekk.

Hier gibt es die Webcam vom Hagafell aus, die den Krater in Echtzeit und Nahaufnahme zeigt.

 

Reykjanes: ein aktiver Krater, neue Entwicklungen im Gange

Svartsengi, crater, eruption

Von den vormals drei Kratern am Sundhnúkur ist noch ein Krater aktiv, der inzwischen 25 Meter über der Lavadecke in die Höhe gewachsen und weithin auszumachen ist. Die Vulkangruppe Südisland hatte in einem Facebookbeitrag angemerkt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Lava nicht mehr nach Süden, sondern nach Norden fliesse.
Aus dem Krater ergiesst sich ein Lavastrom nach Süden und bildet einen See. Aus diesem Lavasee fliessen kleinere Ströme in alle Richtungen, aber es scheint auch unterirdische Kanäle zu geben.
„Die Lavadecke südlich des Kraters ist inzwischen höher als das Land nördlich des Kraters. Die Lavadecke hat die Senke zwischen den Bergen Hagafell und Vatnsheiði ausgefüllt,“ schreibt die Vulkangruppe. Wenn die Lava ihre Flussrichtung nach Norden ändere, würde sie über die grosse Lavadecke aus dem Winter fliessen. Die Vulkangruppe schätzt, dass es da ein Gefälle von zehn bis 15 Metern gibt, über das Lava dann einen leichten Weg nach Norden hätte.

Neue Ausbruchsphase mit stetigem Lavafluss
Der Geologe Ari Trausti Guðmundsson schrieb gestern auf seiner Facebookseite, die wachsende Landhebung bei Svartsengi könne dazu führen, dass sich neue Magmakanäle im Spaltensystem öffneten. Er hält es für möglich, dass das Gebiet in eine neue Ausbruchsphase eingetreten ist, berichtet Vikurfréttir.
„Das Zusammenspiel von Magmakammer und einem weitaus grösseren Magmareservoir in 10 bis 20 Kilometern Tiefe unter dem Vulkansystem von Svartsengi ist jetzt sichtbar. Nach wiederholten Lavausbrüchen nordöstlich von Grindavík gibt es nun einen offenen Magmagang zwischen den Überresten der Lavaspalte vom 16. März und dem Zufluss aus dem Reservoir in die Kammer.“ schreibt Ari Trausti. Der Ablauf habe sich geändert. Jetzt fliesse die Magma stetig, wie beim Ausbruch in den Geldingadalir. „Der Druck von unten wird stärker, weil sich das Land über der Magmakammer wieder hebt.“ Das könne die Aktivität des Kraters verstärken, der im übrigen 2000 Jahre alt sei.

Dronenvideo zeigt Krater
Heimildin veröffentlichte heute ein Dronenvideo, welches den aktiven Krater aus der Sicht von Grindavík und dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi zeigt.
Die benachbarte Blaue Lagune, die ihr heisses Wasser aus dem Kraftwerk erhält, hatte heute Mittag nach dreiwöchiger Zwangspause wieder ihre Türen für Badegäste geöffnet. Auf dem Lagunengelände sind eine Vielzahl von Gasmessgeräten und eine Wetterstation installiert, liess die Polizeidirektion von Suðurnes wissen. Auch eine Sirene befindet sich auf dem Gelände.

Die Badeanlage ist seit letztem November vulkanbedingt fünfmal für insgesamt 106 Tage geschlossen worden, schreibt Heimildin. Beim ersten Mal dauerte die Schliessung vom 9. November bis 17. Dezember. Am 18. Dezember brach der Vulkan an den Sundhnúkagígar aus, und die darauf folgende Schliessung dauerte bis zum 6. Januar.
Acht Tage später, am 14. Januar, gab es einen weiteren Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúkagígaröð, die Lagune wurde evakuiert und war vom 8. bis 16. Februar geschlossen. Zwei Wochen konnte der Badebetrieb aufrecht erhalten werden, am 2. März kam dann die nächste Schliessung. Noch während dieser Schliessung hatte ein Angestellter wegen Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Die Polizeidirektion Suðurnes hatte gestern vermeldet, in der Region Grindavík und Svartsengi seien hohe Schwefeldioxidwerte gemessen worden. Allen Personen in der Region war geraten worden, sich im Haus aufzuhalten, Fenster zu schliessen und die Klimaanlage abzuschalten.
Aktuelle Messungen zur Luftqualität findet man auf loftgaedi.is.

Blaue Lagune öffnet trotz Gasverschmutzung

Blue Lagoon, bláa lónið

Die Blaue Lagune öffnet morgen wieder ihre Tore für Badegäste, berichtet Vísir. Die Polizeidirektion in Suðurnes gab bekannt, diese Entscheidung sei einseitig durch die Unternehmensleitung getroffen worden. Auch weiterhin bestehe die Gefahr von Gasverschmutzung in dem Gebiet.

Schwefeldioxid bedroht Region auch weiterhin
In einer Erklärung der Polizeidirektion heisst es, die 4. Eruption in diesem Jahr sei nicht beendet. Als der Ausbruch am 16. März ohne jede Vorwarnung losging,  sei die Evakuierung der Stadt Grindavík und die der zahlreichen Gäste in der Blauen Lagune gut vonstatten gegangen. Immer noch ströme Lava aus einem Krater, und in Svartsengi gebe es Anzeichen für eine erneute Landhebung. Auch weiterhin werde immer wieder eine hohe Schwefeldioxidbelastung an der Ausbruchstelle und in Ortschaften der Halbinsel Reykjanes gemessen.

„Die Einschätzung der Polizeidirektion bleibt bestehen, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Bedrohung durch Lavaströme und Gasverschmutzung in Grindavík und in Svartsengi entstehen kann. Es besteht das Risiko, dass Luftverschmutzung im gekennzeichneten Gefahrenbereich die menschliche Gesundheit gefährdet,” gab Polizeichef Úlfar Lúðvíksson an.
Er betont, es sei die Entscheidung der Blauen Lagune gewesen, den Betrieb wieder aufzunehmen. Morgen um 12 Uhr werde noch einmal Rücksprache gehalten.
Ein paar Tage nach Beginn des letzten Ausbruchs hatte ein Mitarbeiter der Lagune mit Gasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Für Besucher war die Badeanlage seit dem 16. März gesperrt gewesen.

Dichteres Sicherheitsnetz als zuvor
Im Betriebsgebiet der Blauen Lagune gibt es mittlerweile ein dichtes Netz von Gaszählern. An einem der Gebäude der Blauen Lagune befindet sich auch eine Wetterstation. Die Überwachung und Reaktion auf eine potenzielle Gasverschmutzung erfolgt im Einsatzgebiet der Blauen Lagune nun auf völlig andere Weise als bisher. Ein Sicherheitsbeauftragter des Unternehmens nimmt nun täglich an der morgendlichen Sitzung der Betriebsleitung teil. Ausserdem ist die Blaue Lagune aufgefordert, der Umweltbehörde, der Gesundheitsbehörde, der Arbeitsplatzkontrolle und dem Chefepidemiologen Gegenmaßnahmen vorzulegen.

Besuchern der Blauen Lagune ist es nicht gestattet, vom Parkplatz oder vom Grindavíkurvegur zum Ausbruchsgebiet zu laufen.

Die Luftqualität in der Region wird beständig überwacht, immerhin hat man zum Teil hohe Schwefeldioxidwerte gemessen. Diese Verschmutzung gilt als sehr gesundheitsschädlich, sie verursacht bei den meisten Menschen Atemwegsbeschwerden. Bei einer hohen Belastung empfehlen die Behörden, im Haus zu bleiben, Fenster zu schließen und die Klimaanlage auszuschalten. Bewohnern von Grindavík wird angeraten, sich nicht ohne Grund im Gefahrengebiet aufzuhalten, denn dort können für den Menschen lebensgefährliche Bedingungen entstehen.

Grindavík: alle auf eigene Gefahr und selbstverantwortlich
Einmal mehr betont die Polizei, dass ein jeder, der sich im Gefahrengebiet befindet, sich dort auf eigene Gefahr aufhält und für sein Verhalten verantwortlich ist. Grindavík ist kein Ort für Kinder, und die Behörden raten rundweg davon ab, sich im Ort aufzuhalten. Vielerorts befinden sich sichtbare und unsichtbare Erdspalten, und jederzeit können sich ohne Vorwarnung neue Spalten öffnen, oder das Erdreich einstürzen. Es kann auch jederzeit zu Lavafluss und Gasentwicklung kommen. Vor allem das unbebaute Land rund um Grindavík ist bislang nicht auf Spalten untersucht worden.
Für alle, die nicht dort leben oder arbeiten, ist Grindavík gesperrtes Gebiet. Einzig Einsatzkräfte und Journalisten haben im Rahmen ihrer Tätigkeitsausübung ein Zutrittsrecht.
Ab morgen wird es vier Sperrposten geben, am Bláalónsvegur, Grindavíkurvegur, Nesvegur und Suðurstrandavegur. Von den drei Fluchtwegen sind nur noch die beiden Strassen entlang der Südküste gangbar. Drei Sirenen befinden sich in Grindavík, eine an der Blauen Lagune und eine am Erdwärmekraftwerk Svartsengi. In Grindavík steht ausserdem ein Rettungsfahrzeug in Tagesbereitschaft.
Diese Regelung gilt bis zum 12. April und wird dann erneut geprüft.

Reykjanes: Alarmstufe gesenkt, Journalisten erhalten mehr Zutritt

Gestern hat die isländische Landespolizei in Abstimmung mit der Polizeidirektion Suðurnes entschieden, die Alarmstufe für die vom Vulkanausbruch betroffene Region herabzustufen. Der Ausbruch zwischen Hagafell und Stóra-Skógfell ist jetzt in der Alarmstufe, und nicht mehr in der Notfallstufe.

Notfallstufe war falsch ausgelegt worden
Die Notfallstufe war am Tag des Ausbruchs, am 16. März, ausgerufen worden. Seither ist die Lage relativ stabil, und nach Angaben von Zivilschutz und den Vulkanexperten beim isländischen Wetterdienst liegen für die Region auch keine nennenswerten seismischen Aktivitäten vor. Am Ausbruchsort selbst besteht weiterhin die Gefahr von Flächenbränden, und zwar dort wo Lavaströme auf trockene Vegetation treffen, und auch die Luftverschmutzung auf der Halbinsel kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen erheblich sein.

Ausländische Medien hatten die „Notfallstufe“ misinterpretiert und ihren Lesern suggeriert, dass in Island der Notstand herrsche, was sich offenbar negativ auf Buchungen im Tourismus auswirkte. Die jeweilige Stufe gilt jedoch stets für eine ausgewählte Region, in diesem Fall das vom Vulkanausbruch betroffene Gebiet. Sie betrifft vor allem die Zusammenarbeit von Behörden und Einsatzkräften und versetzt diese in die Lage, durch Beschränkungen, Sperrungen und Evakuierungen Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen.

Keine Touristen am Krater
Gestern hatte der Polizeichef von Suðurnes allerdings auch angekündigt, dass Touristen in naher Zukunft keinen Zutritt zum Ausbruchsgebiet am Sundhnúkur erhalten werden. Das Interesse ist dennoch gross, und bislang hatten Ausbruchslustige nur Hubschrauberflüge buchen können. Alle anderen, die sich zu Fuss in das gesperrte Gebiet aufgemacht hatten, sind von Einsatzkräften zurückgeschickt worden. Seit 19 Tagen quillt Lava aus immerhin noch zwei Kratern, und wenig deutet darauf hin, dass der Ausbruch zuende gehen könnte.

Polizeichef Úlfur Lúðvíksson gab Vísir gegenüber an: „Wie es im Moment aussieht, können wir keine weiteren Aufgaben übernehmen. Das muss bis zum Frühjahr warten.“ Man sei vollauf damit beschäftigt, Unwillkommene aus Grindavík fernzuhalten. Würde man Besuchern erlauben, den Vulkanausbruch zu besuchen, hätte man die Besucher auch in Grindavík stehen. Dort lauern jedoch gefährliche Erdspalten, und den Anwohnern war dringend abgeraten worden, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Der Ort muss jedoch bewacht werden, unter anderem weil es in den vergangenen Wochen mehrere Diebstähle gegeben hatte.

Úlfur hofft, dass der Vulkanausbruch bald zuende geht. „Das würde uns helfen.“

Journalistenverband erklagt Zutrittsgenehmigung
Islands Journalistenverband hatte sich mit dem Zutrittsverbot nicht zufrieden gegeben und geklagt. Heute nun wurde eine Einigung zwischen dem Verband und dem Justizministerium erzielt. Einer Erklärung zufolge herrsche Konsens darüber, dass Journalisten eine wichtige Überwachungs- und Informationsrolle spielen, und dass für die Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit gute Gründe vorliegen müssten. Aufgrund des Zivilschutzgesetzes verfüge die Regierung über Befugnisse, um im Krisenfall schnell und gezielt reagieren zu können, wie etwa den Zugang zu bestimmten Bereichen einzuschränken. Die Beschränkungen, die die Regierung Journalisten in einer Gefahrensituation möglicherweise auferlegen muss, sollten in der Regel nicht größer sein als die, die anderen Einsatzkräften aus Sicherheitsgründen auferlegt werden.

 

 

Reykjanes: Formschöner Krater erhebt sich 25 Meter aus der Lava

gígur, crater, eruption, eldgos

An der Spalte Sundhnjúksgígarröð, aus der seit fast zwei Wochen Lava quillt, hat sich erstmals ein formschöner Krater gebildet, berichtet Vísir. Zu Beginn des Ausbruchs strömte die Lava auf einer Länge von etwa vier Kilometern an die Erdoberfläche, in den darauffolgenden Tagen war diese Förderstrecke auf einzelne Krater zusammengeschrumpft. Dem Dronenfotograf Ísak Finnbogason gelangen nun Aufnahmen des Kraters. Das Eruptionsgebiet liegt in unzugänglichem Gelände.

Landhebung schwer zu interpretieren
Die Vulkanologin Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir geht davon aus, dass der Ausbruch noch eine Weile erhalten bleibt, berichtete RÚV gestern. Drei Krater sind noch aktiv, und in Svartsengi hebt sich das Land bereits wieder, wenn auch weitaus langsamer als vor dem derzeitigen Magmaeinschuss. Es sei schwer zu sagen, ob die Landhebung den Ausbruch mit Magma füttere, oder ob sich unter Svartsengi wieder Magma ansammle.
Der Lavafluss stehe unter ständiger Beobachtung, erklärt Lovísa Mjöll. Jeden Tag prüfe man die Entwicklung, um entscheiden zu können, wo und wie die Schutzwälle erhöht werden müssen.

Begrenzter Zugang zum Eruptionsgebiet
Das Kratervideo und das obige Foto stammt vom 24. März, und ist eins der besten, die vorliegen. „Solches Bildmaterial ist sehr willkommen, um sich zu orientieren, immerhin gibt es nur sehr begrenzten Zugang zum Eruptionsgebiet, und die Aufnahmen aus den Webcams sind eigentlich die einzigen verfügbaren,“ schrieb die Vulkan- und Naturkatastrophengruppe Südisland gestern auf ihrer Facebookseite. Ísaks Video zeige gut, wie der formschöne grösste Krater enstanden sei. Seine Lage ähnelt bekannten älteren Kratern auf der Halbunsel Reykjanes, wie etwa der im Lavafeld Stampa am Kraftwerk Reykjanesvirkjun.

Der Krater erhebt sich 20 bis 25 Meter hoch über das Lavafeld und rund 40 Meter über dem Land vor dem Ausbruch, heisst es in dem Beitrag.

Hier gibt es das Dronenvideo von Ísak Finnbogason:

 

 

Reykjanes: Flussbett für potentiellen Lavastrom gesprengt

lava, hraun, eruption, eldgos

Gestern haben Bauarbeiter in Grindavík einen Felszug in der Nähe des Sendemastes am nach Westen führenden Nesvegur gesprengt und damit begonnen, auch von Westen her einen Schutzwall an dem Ort entlang aufzuschütten, berichtet Víkurfréttir. Bislang gibt es durchgehende Schutzwälle nur im Norden und an der Ostflanke des Ortes.

Zunächst hatte man Löcher in den Felszug gebohrt, der als Hindernis für einen möglichen Lavastrom hinunter zum Meer betrachtet wurde. Dann sind Teile des Felsens gesprengt worden. Vor den Ostertagen sollen in dem Gebiet weitere Sprengungen stattfinden und rund 5000 Kubikmeter Fels aus einem potentiellen Flussbett entfernt werden. Bei den Massnahmen sind bislang tonnenweise Sprengstoff zum Einsatz gekommen.

Die Umweltbehörde verzeichnet für heute eine starke Gasverschmutzung in Svartsengi und der Blauen Lagune. Das Schwimmbad bleibt bis auf weiteres geschlossen. Personen mit schweren Herz- und Lungenerkrankungen sollten sich möglichst gar nicht in betroffenen Gebieten aufhalten, schwere körperliche Arbeit und sportliche Betätigung sollten vermieden werden.

Reykjanes: Ausbruch verliert an Kraft, hohe Gasbelastung in der Region

Blue Lagoon, bláa lónið

Der Vulkanausbruch an den Sundhjúksgígar hat ein wenig an Kraft verloren, berichtet RÚV. Nach Ansicht eines Geologen beim isländischen Wetterdienst könnte sich die Zahl der aktiven Krater verringert haben.

„Da sind jetzt noch einige Schlote aktiv, aber möglicherweise haben ein oder zwei Krater in der vergangenen Nacht aufgehört zu fördern, und vielleicht vier Schlote zeigen noch Aktivität,” erklärte der Geologe Einar Bessi Gestsson. „Nach den ersten 24 Stunden, die viel heftiger verliefen, blieb der Ausbruch recht stabil. Es ist schwierig, solch kleine Veränderungen, die bei der Eruption aufgetreten sein könnten, visuell zu beurteilen, aber heute Abend gibt es ein paar klare Hinweise dafür, dass die Aktivität in den Kratern ein wenig zurückgegangen ist.“
Die weitere Entwicklung sei jedoch schwierig vorherzusehen. Oft sei dies der langsame Anfang vom Ende eines Ausbruchs, man könne da nur abwarten.

Hohe Gasbelastung in der Region
Am Wochenende war in Grindavík und Hafnir eine starke Gasbelastung gemessen worden. Für Einar ist das kein Wunder, weil Grindavík viel näher an der Ausbruchsstelle liegt als seinerzeit beim Fagradalsfjall. Heute ist es relativ windstill, damit verbleibt das Gas in der Region. Am Nachmittag frischt der Wind dann aus östlicher Richtung auf und trägt das Gas vor allem nach Svartsengi und Grindavík.
Die Blaue Lagune hatte in der vergangenen Woche angekündigt, heute möglicherweise wieder öffnen zu wollen. Am Freitag war allerdings ein Mitarbeiter der Badeanlage mit einer Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Badebetrieb nicht vertretbar
Am Samstag hatte die Polizeidirektion Suðurnes bekanntgegeben, es sei kaum vertretbar, den Betrieb in der Blauen Lagune aufrechtzuerhalten. Nach Einschätzung des Polizeileiters bestehe unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Gefahr durch Lavaströme und Gasverschmutzung in Grindavík und in Svartsengi. Man überwache sowohl den Lavastrom, der die Küstenstrasse bedroht, als auch die Gasbelastung, die die Gesundheit von Menschen im gekennzeichneten Gefahrenbereich gefährden kann. Die Blaue Lagune befindet sich gleich neben dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi und wird vom Kraftwerkswasser gespeist.
Der Vorfall in der Blauen Lagune wird inzwischen polizeilich untersucht. Auch die Arbeitsaufsicht ist eingeschaltet worden.

„Bei sich ändernder Windrichtung kann es kaum als vertretbar betrachtet werden, den Betrieb in der Blauen Lagune aufrechtzuerhalten, während der Ausbruch noch andauert, und dies gilt auch für andere Aktivitäten, die sich innerhalb der Risikobewertungskarte des Wetterdienstes befinden,“ heisst es in der Mitteilung der Polizeidirektion. Auch Personen, die in Grindavík zu tun haben, wird angeraten, sich über die Gefahrenzonen zu informieren und sich dort nicht aufzuhalten, weil dies lebensgefährlich sein kann.