Rentierjagd: Quote sinkt, Lizenz wird teurer

A reindeer in East Iceland

Für die kommende Rentierjagdsaison ist die Abschussquote veröffentlicht worden. Es gibt weniger Abschussgenehmungen, und die Einzelgenehmigung ist deutlich teurer geworden, berichtet Vísir.

In der kommenden Saison dürfen insgesamt 901 Rentiere geschossen werden, darunter 475 Kühe und 426 Bullen. Auf der Webseite der Umweltbehörde heisst es, die Zahlen kämen mit Vorbehalt, falls sich bei den Bestandszahlen etwas gravierend ändern sollte. Die Jagdsaison läuft vom 15. Juli bis 15.September. Ab dem 1. August dürfen Bullen nur geschossen werden wenn sie nicht in Begleitung von Kühen mit Kälbern sind, letztere dürfen auch nicht auf den Sommerweiden gestört werden. Kühe dürfen dann zwischen dem 1. August und 20. September geschossen werden.
Tierschützer hatten mehrfach kritisiert, dass Kälber nach Abschuss der Mutter übrigbleiben und verhungern, und eine Verlagerung der Jagdsaison um mindestens einen Monat verlangt.

Jäger ärgern sich über teure Lizenzen
Jóhann G. Gunnarsson kümmert sich um alle Angelegenheiten rund um die Rentierjagd und hat sein Büro in Egilsstaðir. Er sagt, die Reduzierung der Quote von 1220 Tiere in 2021 auf 1021 Tiere in 2020 auf jetzt 901 Tiere basiere auf Zählungen des Naturbüros im Ostland. Schon im vergangenen Jahr habe man die ausgegebene Quote in einem Sektor mangels Tieren gar nicht erreichen können.

Die Jäger sind über die Preiserhöhungen bei den Genehmigungen schwer verärgert. Inzwischen kostet die Lizenz für einen Bullen 180.000 ISK (1,170 EUR), statt wie bisher 150.000 ISK (974 EUR). Für eine Rentierkuh muss man 102.000 ISK (662 EUR) statt bisher 86.000 ISK (558 EUR) auf den Tisch legen.
Mit den Gebühren wird aber nicht nur der Aufsichtsbetrieb sondern auch Forschung und Zählung bezahlt. Wenn die Quote sinke, komme weniger Geld rein, der Arbeitsaufwand bleibe jedoch die gleiche, so Teamleiter Bjarni Jónasson.

Mit den 180.000 ISK liegt man inzwischen gleichauf mit dem Lachsangeln an teureren Standorten. Hauptstadtjäger klagen, die Lizenz sei das Billigste an der ganzen Sache, hinzu kämen ja noch Reise, Unterkunft, Benzin für Fahrzeug und ATV, das Geld für den Rentierreiseleiter, der bei der Jagd dabei sein muss, ausserdem das fachännische Ausweiden der Beute, und eine gesonderte Jagdprüfung muss man für die Rentierjagd auch absolvieren. Am Ende kostet das Vergnügen schnell mal eine halbe Million Kronen.
Doch unverdrossen beantragen sie Abschussgenehmigungen, allein gestern sind 900 eingegangen, womit die Quote eigentlich schon ausgeschöpft ist, obwohl man bis zum 28. Februar noch beantragen kann.
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Rentiere vor dem Schlitten in Ostisland

Der Rentierpark Vinland í Fellum nicht weit von Egilsstaðir war im Sommer schon bei Besuchern beliebt. Auch jetzt im Winter können die beiden zahmen Rentierbullen Garpur und Mosi gestreichelt werden. Und bald sollen es mehr Tiere werden: der Rentierpark hat eine der höchsten Summen aus dem Förderfonds des Ostlandes zugesprochen bekommen, berichtet RÚV.

“So kam es, dass wir die Möglichkeit sahen, uns etwas zu vergrössern.” erzählt Ásdís Sigríður Björnsdóttir auf Vinland í Fellum. “Wir haben uns drauf gestürzt und einen Antrag gestellt, drei Kühe aus dem Bestand zu bekommen. Und natürlich hoffen wir, dass da kleine Rentiere geboren werden und alles toll wird. Das hat ja schon anderswo geklappt. Der Haustierzoo hat Rentierkühe aufnehmen dürfen, Wir machen uns also grosse Hoffnungen.”
Im Rentierpark wird allerhand angeboten, wie etwa ein offenes Haus mit Musik, Kaffee und Kuchen an Þorláksmessa, dem Tag vor Heiligabend, und einen Besuch beim Rentierbullen Mosi, der ins Schlittentraining genommen wurde.

Das Ausbilden der Rentiere sei wie bei Pferden, meint Björn Magnússon, der sich um das Training kümmert, nur viel einfacher. Nachdem er dreimal mit ihnen am Seil gelaufen sei, hätten sie sich wie gute Arbeitspferde führen lassen. Nun müsse man schauen, wie es mit dem Schlitten klappe.
“Der andere hat mehr Vorwärtsdrang beim Ziehen, da muss man ein bisschen mehr trainieren. Aber das ist genau unser Traum, etwas zu bieten und die Kinder auf dem Schlitten sitzen zu lassen. Wir finden, das macht viel Spass, daraus etwas zu machen,” sagt Ásdís Sigriður.

 

Rentiere feste Camping-Gäste im Bakkafjörður

A reindeer in East Iceland

Eine Gruppe von Rentieren findet sich seit etwa einem Monat beinahe täglich auf dem Campingplatz von Bakkafjörður ein, berichtet RÚV. In der Herde wurden zwischen 20 und 100 Tiere gezählt.
Platzwart Þórir Örn Jónsson sagt, die Tiere seien feste Gäste, die früh am Morgen kämen und gegen Mittag auf andere Weiden weiterwanderten. Doch auch wenn die Herde bisweilen gross ist, stört Þórir sich nicht an ihrer Anwesenheit, ganz im Gegenteil: “Die mähen mir ja den Campinplatz für umsonst und lassen auch noch Dünger da,” sagt der Platzwart hochzufrieden.

Die Leute von Bakkafjörður sind ohnehin an die Rentiere gewöhnt, die oft genug durch den Ort ziehen. Þórir meint, sie hätten nicht mal Angst vor Fahrzeugen, und es sei einfach toll, wie nahe man ihnen kommen könne.

Vielleicht fühlen sich die Rentiere auch sicherer, immerhin ist die Abschussquote für das Jahr 2022 um 200 Tiere auf 1021 Tiere gesenkt worden. Als Grund hatte die Regierung im Winter angegeben, die alljährliche Zählung habe wetterbedingt nicht überall stattfinden können. Für Jäger wird es damit noch schwieriger, eine Lizenz für eine bestimmte Anzahl von Rentieren zu erhalten. Noch vor Jahren hatte die Quote je nach Jahresschwankung zwischen 3000 und bis 8000 Tiere gelegen, und immer haben sich mindestens doppelt soviele Jäger für eine Lizenz beworben wie erhältlich waren.

Rentiere mit GPS Sendern ausgerüstet

A reindeer in East Iceland

Das Naturforschungsinstitut in Ostisland hat kürzlich 20 Rentieren im Osten des Landes GPS Sender angelegt, berichtet RÚV. Die Fangaktion war Teil einer Massnahme des Institutes, um den Rentierbestand in der Region zu überwachen. Die Bänder mit den Sendern wurden am Hals der Tiere befestigt und sollen über mehrere Monate getragen werden.

Auch wenn die Halsbänder als sicher gelten, so war es doch eine Herausforderung, die Bänder anzubringen, denn Rentiere können mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h rennen. Die Forscher benuzten daher Schneemobile und spezielle Netzkanonen, mit denen ein Fangnetz über das Tier geschossen wurde. Im Netz gefangen wurde das Tier am Boden gehalten, um Verletzungen zu vermeiden, das Halsband wurde befestigt, dann entfernte man das Netz und das Tier konnte zu seiner Herde laufen. Insgesamt wurden 22 Rentiere in allen Rentiergebieten solcherart markiert

Im Nachrichtenlink gibt es einen Film dazu.

Die Halsbänder sind seit etwa einen Jahrzehnt in Gebrauch. Vor dieser Zeit mussten die Forscher die Tiere mehrmals im Jahr eigenhändig zählen, per Flugzeug oder per Autofahrt durch die Weidegebiete, erzählt Skarphéðinn G. Þórisson vom Naturforschungsinstitut. “Aber heute, mit diesen Geräten, bekommen wir Informationen vn den Tieren an jedem Tag.

Die Daten sind Tag und Nacht erhältlich, damit ist es viel einfacher, die Verbreitung und den Zustand der Herden zu überwachen, ihr Fressverhalten und vieles mehr. Die Technologie werde auch immer günstiger, sagt Skarphéðinn. “Das ist eine richtige Revolution in der Überwachung von wild lebenden Tieren.”

Screenshot via RÚV

Die gesammelten Daten kann man im Rentier Web finden (in isländischer Sprache), wo gesammelte Informationen rund um Wanderungsmuster und Fressverhalten bis zurück ins Jahr 2010 gespeichert sind. Man hofft, dass die Seite einmal ein nützliches Werkzeug darstellen kann, um Autofahrer vor Rentierherden auf den Strassen zu warnen.

Rentierjagd: was wird aus den mutterlosen Kälbern?

Die isländische Umweltbehörde will sich derzeit nicht dazu äussern, ob sie der Empfehlung des Fachrates für Tierwohl folgt und die Jagdperiode für Rentiere im kommenden Jahr mit Rücksicht auf die Rentierkälber später einläuten wird, berichtet mbl.is.

Am 24. Juni war der Behörde eine Empfehlung des mit dem Tierschutz betrauten Fachrates vorgelegt worden, welche eine Überprüfung von Jagdleitung und Lizenzen nahelegt.

Unter anderem verwies der Fachrat darauf, dass es an wissenschaftlichen Daten über den Verbleib von Rentierkälbern fehle, deren Muttertier erschossen wurde.

Die Behörde liess wissen, dass es bislang noch keine Entscheidungen zur Jagdsaison 2020 gebe.

Wenn der Empfehlung des Fachrates nachgekommen würde, dann würde das nach breitem Konsens zahlreicher Beteiligter und wissenschaftlicher Revision rufen. Wir können uns daher zu einer möglichen Reaktion in der Zukunft nicht äussern, aber wir begrüssen fachliche und wissenschaftliche Fakten, von wo auch immer die herkommen,” hiess es in der Antwort der Behörde.

Die Jagdlizenzen für das kommende Jahr sollen dennoch Ende des Jahres vorliegen.

In der Empfehlung, die der Umweltbehörde vom Fachrat eingegangen war, geht es um Verbleib und Wohl von Rentierkälbern, denen die Mutter bei der Jagd erschossen wurde.

Wie die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, mbl.is gegenüber erklärte, sei der Fachrat zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht genug wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, was aus diesen mutterlosen Kälbern wird. Ihre Behörde wolle daher die Rentierjagd im Hinblick auf die Kälber prüfen.

In Norwegen beginnt die Jagdsaison für Rentiere später als in Island. Der Fachrat empfiehlt dennoch, Entwicklungsstand und Verbleib der isländischen Kälber erst mal wissenschaftlich zu untersuchen.

Bislang sind die Tiere nur gezählt worden, und da der Bestand nicht sinkt, gehe man davon aus dass dem Tierwohl Genüge getan wird. Für Sigurborg sind das jedoch keine ausreichenden Informationen, sie wünscht sich wie in der Empfehlung des Fachrates mehr Daten und geht davon aus, dass diese für die Jagdsaison im kommenden Jahr auch gesammelt werden.