WM-Medaillen und Offener Brief von Prof. Dr. Isenbügel

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Am vergangenen Wochenende ist die Weltmeisterschaft der Islandpferde in den Niederlande zuende gegangen. Die isländische Mannschaft brachte 16 Goldmedaillen, drei Silbermedaillen mit nach Hause.  Fünf Goldmedaillen und eine Silbermedaille hatte es in der Zucht gegeben, 11 mal Gold und zweimal Silber im Sport. Alle Teilnehmer der Jugend schafften es aufs Podest. Der Dachverband der isländischen Reitvereine schreibt, dass diese WM zu den besten gehört, an der isländische Reiter jemals teilgenommen haben.

Offener Brief an alle Reiter
Aus gegebenem Anlass hat der Mitbegründer der FEIF und ehemalige Präsident und Ehrenpräsident Prof. Dr. Ewald Isenbügel einen offenen Brief an die Reitergemeinschaft geschrieben, den Heimildin abgedruckt hat, das deutschsprachige Original ist weiter unten zu lesen. Der emeritierte Professor für Veterinärmedizin der Universität Zürich ist auch Träger des isländischen Falkenordens, einer Ehre, die nur wenigen Ausländern zuteil wird.

“Seit 1968 feiert die Islandpferdegemeinschaft neben dem Landsmot Europa- und Weltmeisterschaften. 2023 wiederum in Holland. Zu deren Ausrichtung wir der Niederländischen Islandpferdevereinigung von Herzen danken.
Wer hätte diese weltumfassende Entwicklung der Islandpferde – des Pilotpferdes der neuen Haltungsformen in der Gruppe, des Freizeitreitens und der Gangarten vorausgesehen, als in den fünfziger Jahren die Islandpferde zu uns aufs europäische Festland kamen. Der weltweite Erfolg der Islandpferde dank der Arbeit der ersten Gründungsländer der FEIF führte in der Heimat der Islandpferde zu einer Renaissance der Reiterei, dem Turnierwesen und der Zucht. Der Export von Pferden und der stetig zunehmende Besucherstrom von Islandpferdeliebhabern auf die Ursprungsinsel wurde für Island zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Dieses Erfolgsgeschehen begleitet seit einiger Zeit der dunkle Schatten der tierquälerischen Ausbeutung trächtiger Stuten auf isländischen Blutstutenfarmen.
Animal welfare steht in den FEIF-Ländern als wichtige Prämisse und ist in Reglementen des Sportes, der Haltung und Zucht klar festgelegt und findet auch in der social license to operate ihre Vorgaben.
Die Missachtung der Tierschutzgesetze in dem Blutstutengeschäft führt zu immer stärkerem Widerstand in der isländischen Bevölkerung.
Nicht eine Verbesserung der Bedingungen zur Blutgewinnung sondern ein klares Verbot dieser Pferdenutzung muss unser aller Anliegen sein, welches mit Vehemenz und allen Mitteln gefordert werden muss. Island steht nicht allein in der Verantwortung, Deutschland ist Islands grösster PMSG-Abnehmer.

Wir sollten bei aller berechtigter Festfreude und Sportgeist daran denken, dass in den stolzen Ehrenrunden der Weltmeister die Schatten von 5000 gequälten Stuten mitlaufen.”

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Islandpferde-WM: Änderungen im isländischen Team kurz vor Abflug

In der isländischen Reiternationalmannschaft hat es kurz vor Abflug nach Holland noch einmal grosse Veränderungen gegeben. Eiðfaxi berichtet, dass der Passreiter Ingibergur Árnason seine Teilnahme an der WM zurückgezogen hat. Seine Stute Sólveig frá Kirkjubæ war noch vor der WM-Aufstellung vom Tierarzt untersucht worden, dabei hatte man eine kleine Schwellung am Hinterbein festgestellt.
„Dem Pferd muss im Zweifel immer Recht gegeben werden,“ so Ingibergur, „daher haben wir entschieden, dass wir sie aus der Mannschaft nehmen.“

An seiner Statt tritt der Passreiter Daníel Gunnarsson auf Eining frá Einhamri an. Eiðfaxi gegenüber erzählte er, vor zwei Tagen habe Nationaltrainer Sigurbjörn Bárðarsson angerufen und ihm 20 Minuten Bedenkzeit für die WM-Teilnahme gegeben. Nun müsse er sich mal schnell um den Verkauf des Pferdes kümmern und habe so grade noch Zeit zum Packen. Am Montag fliegen die isländischen Pferde in die WM-Quarantäne auf den Kontinent.

Páll Bragi Hólmarsson, der mit Vísir frá Kagaðarhóli starten wollte, bleibt ebenfalls zuhause, weil sich für Vísir nicht rechtzeitig ein Käufer gefunden hatte und man keinesfalls mit einem unverkauften Pferd ausreisen will.

Und noch ein weiterer Reiter hat seine Teilnahme zurückgezogen: Guðmundur Björgvinsson, der amtierende Weltmeister im 250 m Rennpass, wird nicht in Oirschot antreten. Vor zwei Jahren hätte er mit Sólon frá Þúfum ein hervorragendes Pferd gehabt, aber COVID änderte alles, es gab keine WM und Sólon wurde schliesslich von seinen Besitzern exportiert. Sein Nachfolger war vielversprechend, doch im vergangenen Winter verletzte Guðmundur sich beim Skifahren und schickte das Pferd nach Hause. „Ich habe auch großen Respekt vor der Weltmeisterschaft und möchte nicht mit irgendeinem Pferd antreten. Da bleibe ich lieber zu Hause.“ sagt Guðmundur.

Sein Platz bleibt leer, denn als amtierender Weltmeister hatte er einen zusätzlichen Teilnahmeplatz. Das gleiche gilt für WM-Titelträger Jóhann Rúnar Skúlason, der vom isländischen Reiterdachverband LH wegen seiner Vorgeschichte in Bezug auf sexuelle Gewalt unwiderruflich ausgeschlossen wurde.
Auch der Passreiter und seit dem 1. Juli zweifache Islandmeister Konráð Valur Sveinsson war vor einigen Wochen durch den LH wegen einer nicht näher ausgeführten Angelegenheit vom WM-Reiterteam ausgeschlossen worden.
Hier findet sich die WM-Mannschaft, die obengenannten Reiterpaare stehen allerdings noch in der Liste.

 

WM-Reiterausschluss: Reiter im Nationalteam sollen Vorbild sein

Der Ausschluss zweier Teilnehmer aus der isländischen Reiternationalmannschaft, knapp sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft der Islandpferde im niederländischen Oirschot, hat in der Pferdewelt mehr als Verwunderung hervorgerufen, immerhin handelte es sich bei beiden Betroffenen um WM-Titelverteidiger.
Dabei sind die Gründe für den Ausschluss unterschiedlich. Der Reiter Jóhann Rúnar Skúlason war schon zuvor wegen Sexualstraftaten aus der isländischen Mannschaft ausgeschlossen worden, der Passreiter Konráð Valur Sveinsson nun aus Gründen, die auch nach dem Wochenende nicht wirklich bekannt sind.

Reitervertrag mit Pflichten
„Alle Reiter, die unter isländischer Fahne antreten und oder in der Nationalmannschaft sind, unterschreiben einen Reitervertrag, und damit die Ethikregeln des Nationalteamgremiums und die Benimmregeln des isländischen Olympiasportverbandes (ÍSI),“ erklärte der Ausschussvorsitzende Kristinn Hugason in einem Interview mit Eidfaxi. „Das gilt für amtierende Weltmeister wie für andere Nationalreiter. Wenn Reiter diesen Vertrag brechen, werden sie angemahnt oder ausgeschlossen, je nach Schwere des Verstosses. Im Vertrag geht es um ganz unterschiedliche Dinge wie Teilnahme an Veranstaltungen des Nationalteams, Kleiderordnung, sportliches Verhalten, Benutzung von Sicherheitsausrüstung, Tierwohl, Rauschmittelkonsum, Verhalten, Benehmen und Informationsfluss. Das Recht einer Person, ihren WM-Titel zu verteidigen, reicht nicht weiter als seine Pflicht gegenüber diesem Vertrag, den er mit der Nationalmannschaft geschlossen hat. Es geht ganz klar aus den Regeln von FEIF und LH hervor, dass Weltmeister, die formal vom jeweiligen Nationalverband registriert werden, sich der Autorität des Nationaltrainers unterwerfen und die Gesetze und Regeln der Nationalmannschaft im jeweiligen Land befolgen müssen.“

Sexualstraftat bedeutet keine Wiederkehr
Beide Reiter sind wegen Vorstössen gegen die Disziplinar- und Ethikregeln vom Nationalteam ausgeschlossen worden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Im Fall Jóhann Rúnar Skúlason liegen ein älteres und ein neueres Gerichtsurteil wegen sexueller Gewalt vor. „Auf Grundlage des Sportgesetzes sind Personen, die wegen Sexualstraftaten verurteilt wurden, nicht im Sport tätig, und sie können dieses Recht auch niemals zurückerlangen.“
Für Island an einem Turnier teilzunehmen sei weder ein Arbeitsrecht noch ein Menschenrecht, betont Kristinn Hugason.

Einführung von Ethikregeln vor 10 Jahren
Nationaltrainer Sigurjón Bárðarson präzisierte Vísir gegenüber, mit der Vertragsunterzeichnung verzichte ein auserwählter Reiter auf einen bestimmten Lebensstil und werde im Namen der isländischen Nationalmannschaft zum Vorbild im Pferdesport.
Vor gut zehn Jahren habe man innerhalb des Nationalteams eine einheitliche Strategie aufgenommen, um dem Reitsport mehr Bekanntheit und Respekt zu verschaffen und auf eine Stufe mit anderen anerkannten Sportarten zu heben – nicht zuletzt im Hinblick auf geltende Disziplinar- und Ethikregeln. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln habe einige Jahre gedauert, in der man das Team mit fachlicher Hilfe entsprechend geschult habe, schliesslich habe es für alle Reiter, die unter der Flagge des isländischen Olympiasportverbandes antreten, eine Anpassungsphase für die gestiegenen Anforderungen gegeben.
„Heute ist diese Anpassungsphase vorbei, und für die Reiter gelten die gleichen Anforderungen wie für alle anderen Sportler.“ so Sigurjón.

Zu den Verstössen von Konráð Valur Sveinsson, die zu seinem Ausschluss führten, hüllen sich auch am Montagmorgen alle Sprecher weiterhin in vage Andeutungen und Schweigen. Die Entscheidung basiere jedoch  auf mehreren Vorkomnissen und sei von Nationaltrainer und dem Ernennungsgremium gefällt worden, so LH-Vorstand Guðni Halldórsson gegenüber Eidfaxi.