Landmannalaugar: Gemeinde beschliesst Grossparkplatz

landmannalaugur iceland

Der Gemeinderat von Rangárþing ytra in Südisland hat seine Zustimmung für den Bau eines vergrösserten Parkplatzes in Landmannalaugar gegeben, berichtet RÚV. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der isländischen Premierministerin, die den Vorsitz im Ausschuss für Staatsland hat. Bisher liegt eines solche Zustimmung nicht vor.
Wenn das Bauvorhaben umgesetzt wird, dann entsteht am Námukvísl ein 5000 Quadratmeter grosser Parkplatz. Im Sommer war der infrastrukturelle Ausbau von Landmannalaugar ein heisses Medienthema gewesen, weil der Verkehr in das Naturparadies stetig wächst.

Naturzerstörung für einen Parkplatz
Der Ausbau des Parkplatzes wäre ein erster Schritt des geplanten Ausbaus. Allerdings würden die Bauarbeiten ein gehöriges Mass an Naturzerstörung mit sich bringen, unter anderem weil ein Schutzdeich aus Geröll aufgeschüttet werden müsste.
Mit dem neuen Parkplatz könnten dann aber auch grosse Reisebusse die unter Naturschutz stehende Thermaloase mitten im Hochland anfahren. Pro Jahr reisen mehr als 130.000 Touristen nach Landmannalaugar, das sind täglich 2000 bis 3000 Personen in Bussen oder Mietwagen.

Die Umweltbehörde hatte gegen die geplanten Parkplatzpläne nichts einzuwenden gehabt, aber das isländische Planungsbüro wollte eine Umfrage bei Touristen und innerhalb der Tourismusbranche zum Thema touristischer Ausbau durchführen, bevor die Bagger anrücken.
Der Gemeindrat hingegen sagt, dass dies nicht für die Erweiterung des Parkplatzes gelte, der ja nur der erste Schritt von umfassenderen Plänen für das Gelände sei. Daher ist eine solche Umfrage unter Besuchern nicht durchgeführt worden.

Umweltschutzbehörde legt Beschwerde ein
Die Umweltschutzorganisation Náttúrugrið hat gegen die Bauvorhaben beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Beschwerde eingelegt. Náttúrugrið-Vorsitzender Snæbjörn Guðmundsson sagt, dass die Bauvorhaben schockierend grob gegen das unter Naturschutz stehende Gebiet durchgezogen werden, und dabei weder dem Planungsgesetz noch dem Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung von Plänen und Projekten entsprächen.

 

Hvammsvirkjun: Eine von zwei Gemeinden verzögert Unterschrift für Baugenehmigung

Þjórsá, Thjorsá, Hekla, Gaukshöfði

Der geplante Bau des Wasserkraftwerks Hvammsvirkjun am Fluss Þjórsá beschäftigt dieser Tage viele Menschen im Süden des Landes – Kraftwerksgegner, Naturschützer, und Gemeinderäte. Seit 30 Jahren wird um das Kraftwerk an Islands grösstem Fluss gerungen, nicht zuletzt, weil es das erste grosse Wasserkraftwerk ist, welches mitten in einer Siedlung gebaut wird und damit nicht nur Auswirkungen auf die Natur, sondern auch auf die Menschen vor Ort haben wird.

Rangáþing ytra will neue Umweltaspekte prüfen
Zwei Gemeinden oblag es, die Baugenehmigung für das 95 MW schwere Grossprojekt mit vier Quadratkilometer grossem Stausee zu unterzeichnen – Rangáþing ytra südlich des Flusses und Skeiða-og Gnúpverjahreppur am Nordufer.
Von Seiten des Rangárþing ytra hatte es vorgestern gehiessen, dass man Nachricht von isländischen North Atlantic Salmon Fund und vom Angelverein Þjórsá erhalten habe, welche die Gemeindeleitung dazu aufruft, die Baugenehmigung nicht zu erteilen. „Es wurde vorgeschlagen, dass die Angelegenheit bis zur nächsten ausserordentlichen Sitzung verschoben wird, um dem Umweltauschuss der Gemeinde Gelegenheit zu geben, die Sache zu besprechen, in Anbetracht der Tatsache, dass es zu gewissen Umweltaspekten neue Erkenntnisse gibt.“ heisst es im Protokoll der Gemeinderatssitzung.
Nationale und internationale Lachssachverständige hatten bis zuletzt auf den sensiblen Status des isländischen Wildlachses in der Þjórsá hingewiesen, der durch den Kraftwerksbau noch stärker gefährdet wäre. Aussserdem ist das Umweltgutachten für Hvammsvirkjun mehr als 20 Jahre alt und trotz veränderter Bedingungen nie neuaufgelegt worden.

Skeiða-og Gnúpverjahreppur beendet 30 Jahre langen Streit
Am anderen Ufer, im Skeiða-og Gnúpverjahreppur, schritt man hingegen zu Werke und unterzeichnete gestern Abend die Baugenehmigung in einer öffentlichen Sitzung, während sich protestierende Anwohner im Saal befanden. Vier von fünf Ratsmitgliedern unterschrieben die Baugenehmigung, ein fünftes Mitglied stimmte dagegen. Bürgermeister Haraldur Þór Jónsson gab Vísir gestern gegenüber an, kaum ein anderes Projekt habe derart viele Auseinandersetzungen verursacht. Auch jetzt sei keine Eintracht vorhanden, aber „an irgendeinem Zeitpunkt muss die Sache enden und es ist eine gewisse Erleichterung, dass wir diesen Zeitpunkt heute erreicht haben.“ Mbl.is gegenüber sagte er gestern, das Kraftwerk könne ja auch Möglichkeiten schaffen, wenn man etwa an den verminderten Flusspegel der Jökulsá unterhalb des Kárahnjúkarvirkjun denke, wo der Canyon Stuðlagil aus dem Wasser aufgetaucht sei.
Vor vielen Häusern in der Gemeinde ist heute die isländische Flagge auf Halbmast zu sehen.

Energieintensive Industrie schluckt am meisten Strom
Hvammsvirkjun hatte bereits im vergangenen Dezember grünes Licht von der Nationalen Energiebehörde erhalten. Geplant sind 95 MW, im Vergleich dazu bringen Kárahnjúkarvirkjun im zentralen Hochland 690 MW und das kürzlich erst erweiterte Búrfellsvirkjun an der Þjórsá 270 MW, beide sollten ursprünglich der Aluminiumindustrie Strom liefern. Hvammsvirkjun ist damit etwas kleiner, aber als erstes von drei Kraftwerken am Unterlauf der Þjórsá geplant, bald folgen sollen das Holtavirkjun und das Kraftwerk vor dem Urriðafoss, der dann sein Wasser verlieren würde.
Islands grösstes Erdwärmekraftwerk ist das Hellisheiðisvirkjun, es liefert 303 MW.

Hvammsvirkjun als Bitcoin-Energielieferant?
Snæbjörn Guðmundsson von der Naturschutzorganisation Náttúrugrið hatte zuvor seine Besorgnis darüber ausgedrückt, dass das neue Wasserkraftwerk Hvammsvirkjun dafür genutzt würde, Energie an die Bitcoin-mining Unternehmen zu liefern, eine stetig wachsende Industrie, die energieintensiv ist, aber wenig zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Kraftwerksträger Landsvirkjun hatte angegeben, man würde Kraftwerke nicht für den ausdrücklichen Zweck bauen, Bitcoin-mining Unternehmen mit Energie zu beliefern.