COVID-19: Volles Quarantänehaus, Gesundheitsminister arbeitet an Lockerungen

Fosshotel quarantine Reykjavík COVID-19

“Das ist ein anstrengender Monat gewesen,” kommentierte der Leiter der Reykjavíker Rotkreuz-Quarantäneeinrichtung, Gylfi Þór Þorsteinsson die Lage in seinen Häusern. In den vom Staat angemieteten Hotels werden alle Personen untergebracht und von Mitarbeitern des Roten Kreuzes versorgt, die keine Möglichkeit haben, sich daheim zu isolieren.
“Bei uns sind derzeit 317 Gäste, etwas mehr als vergangene Woche. 30 Mann sind hinzugekommen. Die Allermeisten, 290 Personen, befinden sich in Isolierung. Einige auch in Quarantäne, das sind oft Begleitpersonen von Kindern oder Ehepartnern, die Unterstützung benötigen. Seit Anfang Januar haben wir etwa 1200 Gäste bei uns untergebracht, viel mehr als im Dezember.” erklärt Gylfi.

Seinem Gefühl nach steige in den letzten Tagen die Zahl der Kinder an. Mit ausländischen Touristen kämen ebenfalls viele erkrankte Kinder. “Am Wochenende hatten wir eine grosse Familie, die von den USA nach Kanada umzog und in Island zwischenlandete, die sitzen nun hier fest, weil sich das Virus bei ihnen eingenistet hat. Wir mussten also nicht nur diese Leute, sondern auch deren Umzugsgut unterbringen.” Da nicht nur eine Person in der Familie erkrankt sei, hätten die Leute zwischen sieben und 14 Tage Isolierung vor sich.

Und was wird aus den Quarantäneservice, wenn die Regierung die Seuchenpräventionsmassnahmen wie angekündigt lockert?
“Das wird sich herausstellen. Wir wissen ja, dass das Virus nicht einfach verschwindet. Zweifellos wird es dazu kommen, dass noch so einige Touristen und Isländer erkranken, und da ist es die Frage, ob man eine Lösung für die benötigt. Das müssen die Gesundheitsbehörden entscheiden. Aber wir stehen dafür bereit, das Rote Kreuz hat Zugang zu vier Quarantäneeinrichtungen in Reykjavík und einem Gebäude in Akureyri.” erklärt Gylfi. Einige Verträge liefen Ende Februar aus, einer läuft bis April.

Lockerungspläne in Arbeit
Die derzeit gültigen Seuchenpräventionsmassnahmen gelten bis zum 2. Februar, und Gesundheitsminister Willum Þór Þórsson arbeitet Vísir zufolge derzeit an einem Konzept zur Lockerung der Massnahmen. Auch die Massnahmen an den Landesgrenzen stehen zur Debatte.
Schon in der vergangenen Woche waren die Quarantänebedingungen gelockert worden, demnach dürfen vollständig geimpfte Personen in Quarantäne arbeiten gehen, einkaufen gehen und die Schule besuchen, sie müssen allerdings überall eine Maske tragen und Abstand halten. Personen in Isolierung dürfen einen täglichen Spaziergang von 30 Minuten unternehmen und müssen sich am Ende der Isolierung nicht mehr testen lassen, wenn sie symptomlos sind.

Derweil berichtet RÚV dass Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarsson an COVID-19 erkrankt ist, nachdem er an der Grenze positiv getestet worden war. Auch Kultusminister Ásmundur Einar Daðason hat sich bei einem Auslandsaufenthalt angesteckt und wurde an der Grenze positiv getestet. Drei weitere Amtsträger, Finanzminister Bjarni Benediktsson, Aussenministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir, und Wissenschaftsministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir, waren an den Weihnachtstagen an COVID-19 erkrankt.

Gestern wurden 1151 Personen positiv auf COVID-19 getestet, 145 Fälle gab es an der Landesgrenze. In stationärer Behandlung befinden sich 40 Patienten, vier liegen auf der Intensivstation und am Beatmungsgerät.
Im Land befinden sich heute 11.109 Personen in Isolierung und 13.808 in Quarantäne. Auf ihr zweites Testergebnis warten 226 Personen.
Etwa die Hälfte aller gestern Diagnostizierten befand sich bereits in Quarantäne.

 

 

Einreise nach Island: 14-Tage- Quarantäne muss in staatlicher Einrichtung absolviert werden

COVID-19 Press conference Þórólfur Guðnason Alma Möller V'iðir Reynisson

Islands Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir hat entschieden, dass alle Einreisenden, die sich gegen die Zweifachtestung mit fünftägiger Quarantäne entscheiden, und stattdessen die 14-tägige Quarantäne wählen, ebendiese im Quarantänehaus des Staates absolvieren müssen. Bislang konnte der Einreisende frei entscheiden, wo er diese 14 Tage verbringt. Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hatte in seinem Memo empfohlen, die Testung an der Grenze für alle Reisenden verpflichtend zu handhaben.
Ausserdem müssen nun auch Kinder mit ihren Eltern in Quarantäne gehen. Þórólfur hält diese Änderung für notwendig, um zu verhindern, dass Ansteckungen in die Kindergärten und Schulen eingeschleppt werden.
Die Kontrollen von Personen in Quarantäne werden verschärft.

Ab dem 13. Januar werden einige Beschränkungen im Land selber gelockert, unter anderem wird die zulässige Personenzahlbeschränkung auf 20 angehoben, ausserdem dürfen Theater, Kinos und Sportstätten unter strengen Auflagen wieder öffnen.

Seit dem 3. Januar wurden mehr als 70 Infektionen an der Grenze gefunden, weitaus mehr als im Land innerhalb der Gesellschaft.
Víðir Reynisson hatte am Samstag geäussert, die Zunahme der Fälle sei besorgniseregend. Überall in Europa sehe man den COVID-Notstand, und müsse sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

Es sei eine Herausforderung gewesen, so Víðir, den Leuten verständlich zu machen, wie die Präventionsmassnahmen in Island aussähen. Die Pressekonferenzen etwa werden immer auch in polnische Sprache übersetzt, auf der Webseite covid.is sind Informationen in 11 weiteren Sprachen verfügbar.
“Wir sehen, wieviel der Zusammenhalt in der isländischen Gemeinschaft im Kampf gebracht hat, aber gleichzeitig sehen wir andere Länder, wo das nicht erreicht worden ist. Wir sehen das bei Leuten, die aus diesen Ländern kommen, die glauben, sie könnten sich hier in Island so verhalten wie bei sich zuhause. Wir versuchen, den Leuten zu erklären, dass wir dazu eine andere Kultur hier pflegen,” sagte Víðir.
Am 6. Januar waren von 18 an der Grenze positiv Getesteten 17 Personen aus Polen eingereist, alle waren mit Wohnsitz in Island gemeldet. Gestern wurden 17 Personen an der Grenze positiv getestet, 15 von ihnen sind in Island gemeldet.

Auch Þórólfur bezeichnete diesen Trend heute als besorgniserregend, er spiegele die Lage im Ausland wieder. Das Einschleppen von Infektionen durch Reisende ins Land sei jetzt die grösste Gefahr. Er riet seinen Landsleuten von allen unnötigen Reisen ins Ausland ab.

Bei der heutigen Pressekonferenz kündigte der Leiter des Quarantänehauses in Reykjavík, Gylfi Þór Þorsteinnson an, dass ein weiteres Quarantänehaus geöffnet werde, um die steigende Zahl an positiv Getesteten unterbringen zu können. Er führte kurz aus, dass der Aufenthalt in der Einrichtung kein Vergnügen sei, weil alle Gäste in ihrem Zimmer bleiben müssten, ganz gleich ob sie sich in Quarantäne oder in Isolierung befänden. Mitarbeiter des Roten Kreuzes kümmern sich um die Grundbedürfnisse, und es besteht die Möglichkeit, psychologische Betreuung zu erhalten.

Zum Abschluss der Pressekonferenz warnte Rögnvaldur Ólafsson, der stellvertretende Leiter des Zivilschutzes davor, die bestehenden Präventionsmassnahmen zu interpretieren und individuell auszuweiten, oder nach Wegen zu suchen, wie man sie umgehen könne. Die Lockerungen, die am Mittwoch in Kraft träten, seien kein Signal, dass die Pandemie vorüber sei.