Isländische Polizistinnen lassen bei Arbeitstrip in Polen für sich strippen

Metropolitan Police

Drei Polizistinnen der Reykjavíker Hauptstadtwache haben während eines Arbeitsaufenthaltes in Polen die Dienste eines männlichen Strippers gegen Bezahlung in Anspruch genommen, berichtet RÚV. Die Damen hatten an einem Kurs über Hasskriminalität und Extremismus teilgenommen, ausserdem war ein Besuch in Auschwitz Teil der Veranstaltung. Reykjavíks Polizeichefin Halla Bergþóra Björnsdóttir weigerte sich, der Öffentlichkeit mitzuteilen, ob sich die drei Damen noch im Polizeidienst befinden.

Quellen von RÚV zufolge hatte sich der Vorfall kurz nach Ende der Veranstaltung zugetragen. Die Polizistinnen wechselten das Hotel, und der männliche Stripper sass bei ihnen im Taxi. Sein anschliessender Strip wurde bildlich festgehalten und an Arbeitskollegen geschickt.
An dem Kurs hatten rund 100 isländische Polizisten teilgenommen, etwa 15% der gesamten Belegschaft, sowie einige Anwälte.

Polizeichefin Halla Bergþóra Björnsdóttir gab an, das Verhalten der Polizistinnen werde geprüft, man behandle es als ernsten Vorfall. Sie weigerte sich allerdings, Angaben dazu zu machen, ob sich die drei Frauen noch im Polizeidienst befinden, oder bereits suspendiert wurden und begründete das mit Regeln zum Persönlichkeitsschutz.
In einem Interview mit Rás 1 betonte die Anwältin und ehemalige Parlamentsabgeordnete Helga Vala Helgadóttir, wie wichtig es sei, den Vorfall zu untersuchen. “Wer war die Person, die gekauft wurde? Was ist der Hintergrund dieser Person? Wir wissen, wer solche Jobs draussen in der Welt übernimmt, das sind häufig Opfer von Menschenhandel.”

Waffen für Europagipfel werden nicht verkauft, sagt Minister

Jón Gunnarsson Alþingi

Justizminister Jón Gunnarsson zufolge werden die Handfeuerwaffen, die anlässlich des gerade vergangenen Europagipfels angeschafft worden waren, nicht wieder veräussert. Sowohl Bewaffnung als auch Trainingsstand der isländischen Polizei waren für den Gipfel besonders ausgebaut worden.
In einem Interview mit RÚV sagte Jón Gunnarsson gestern, er sehe keinen Grund, die Handfeuerwaffen wieder zu verkaufen: die Polizei sei nun besser gerüstet, falls ein weiteres Gipfeltreffen dieser Grössenordnung in Island stattfinden sollte.

Die Parlamentarierin für die Piratenpartei, Arndís Anna Kristínardóttir Gunnarsdóttir, hatte auf die Angelegenheit zuerst hingewiesen. Sie fragte den Minister, was denn mit den Waffen geschehe, nun da das Gipfeltreffen vorüber sei. Jón antwortete, die Behörden hätten keine Absicht, die Waffen zu veräussern.
“Ich habe den Vergleich angestellt, dass das ist wie Neulinge in der Nationalmanschaft viel Erfahrung sammeln lassen, indem sie an wichtigen Länderspielen teilnehmen. Das da war unser grosses nationales Spiel auf dieser Bühne,” erklärte der Minister gestern vor dem Parlament.

RÚV gegenüber sagte er, er glaube nicht dass es irgendeinen Grund gebe, die Waffen zu verkaufen. “Nach diesem Treffen hat die Polizei sehr an Kapazität hinzugewonnen, was Ausbildung, Training und Ausrüstung angeht,” sagte er. “Ich glaube, wir haben sogar drei bis fünf Motorräder dazubekommen. Wir haben auch eine Menge Kleidung und Schutzwesten gekauft.”
Bei den Kosten für die neue Ausrüstung blieb der Minister vage und verwies auf die Polizei, die über exakte Zahlen verfüge.
Auch auf die Frage, wo die Waffen denn jetzt gelagert würde, wich er aus. “Auch da müssen Sie die Polizei fragen. Ich glaube nicht, dass die einen Spreicher haben, aber sicherlich einen Verwahrungsraum im Keller, wo eine Menge Ausrüstungsgegenstände gelagert wird.”
RÚV berichtet, genaue Zahlen zu den Gesamtkosten des Gipfels lägen noch nicht vor.

 

Scharfschützen und bewaffnete Polizei in Zilvil bei Europagipfel im Mai

Der Europagipfel, der am 16. und 17. Mai in Reykjavík stattfindet, wird nicht nur Politiker und Staatslenker auf die Insel bringen, sondern auch hunderte bewaffneter Polizisten und Scharfschützen. RÚV berichtet, dass in Vorbereitung auf die Veranstaltung um die 300 Polizisten ein Spezialtraining im Waffengebrauch erhalten haben. Etwa 250 Herrenanzüge wurden angeschafft, damit die Polizisten ihrem Dienst in Zivil nachkommen können.

Bewaffnete Polizei ist ein eher seltener Anblick in Island, da normale Strassenpolizisten keine Waffe am Mann tragen. Eine Waffe befindet sich jedoch in den Polizeifahrzeugen, ausserdem gibt es eine bewaffnete Spezialeinheit, die bei gewaltsamen Auseinandersetzungen hinzugerufen werden kann. Eine derartige breite Bewaffnung von Ordnungshütern hat es auf der Insel noch nie zuvor gegeben.

Rund um das Konferenzzentrum Harpa werden sämtliche Strassen abgesperrt, die Wege für Fussgänger und Radfahrer bleiben zugänglich. Autofahrer müssen mit Verkehrsbehinderungen rechnen, weil die Gipfelteilnehmer mit Polizeieskorte unterwegs sein werden. Insgesamt haben 44 Staatsoberhäupter ihr Kommen zugesagt.
Island hat 850 aktive Polizisten. Die meisten von ihnen werden bei der Veranstaltung auf die ein oder andere Art im Dienst sein. Nach Angaben des Justizministers kostet der Grosseinsatz um die 1,4 Milliarden ISK (9,3 Mio EUR). Island hatte im vergangenen Jahr den Vorsitz im Europarat übernommen.

Immer mehr Gewalt in Downtown Reykjavík

capital area police, police

In einem Interview mit dem Abendmagazin Kastljós hat gestern Abend ein leitender Polizeibeamter der Hauptstadtdirektion seiner wachsenden Besorgnis über die zunehmende Gewalt in Reykjavík Ausdruck verliehen. Die Schwelle für den Gebrauch von scharfen Waffen sei bei jungen Männern offenbar immer niedriger, hat er beobachtet.
Ásgeir Þór Ásgeirsson bestätigte Berichte, nach denen einige der Vorfälle, unter anderem eine Schiesserei in der Bar Dubliner in Reykjavík, auf gewisse Weise mit einem Messerangriff im Nachtclub Bankastræti Club im letzten Jahr zusammenhingen.
Auf die Frage, ob es sich bei diesen Vorfällen um eine Art von Bandenkrieg handle, sagte Ásgeir: “Bei einigen der Fälle stehen wir erst am Anfang der Ermittlungen … aber es gibt, wir wir gesehen haben, Gruppen in Downtown Reykjavík und über das Gebiet hinaus, die miteinander kämpfen.” Diese Gruppen seien relativ gross, so der Polizist.

Die meisten Beteiligten der jüngsten Attacken seien junge Männer, ein Umstand, der Besorgnis wecke. “Junge Leute, vor allem junge Männer, kämpfen immer häufiger in grossen Gruppen, und die Schwelle für den Gebrauch von scharfen Waffen ist ziemlich niedrig geworden,” gab Ásgeir an. Die Gewalt habe in den letzten Jahren zugenommen und sei extremer geworden.

Auch das Konzept von Gewalt habe sich bei den jungen Leuten verändert. “Wir hatten Umfragen, wo die Leute gefragt wurden, ob sie jemals Gewalt erfahren hätten, und die Antwort war ‘nein’. Auf die Frage, ob sie denn schon mal jemanden geschlagen oder gewürgt hätten, antworteten die selben Personen mit ‘ja’.”
Die Polizei sei immer häufiger gezwungen, grössere Einheiten ausrücken zu lassen, wenn Vorfälle mit scharfen Waffen gemeldet werden. “Es gibt mehr Training, um diesen neuen Umständen begegnen zu können, die um 2014 oder 2015 begannen … aber das sind Werkzeuge die wir gar nicht einsetzen wollen. Wir wollen Frieden in der Stadt. Wir müssen da eine Lösung finden. Und der einzige Weg, das zu erreichen, liegt darin, mit der Jugend zu arbeiten.”

In Bezug auf die neuerdings im Polizeieinsatz zugelassenen Taserwaffen meinte Ásgeir, die schärfste Waffe am Gürtel eines Polizisten sei neben der Feuerwaffe der Schlagstock. Weshalb die Taserwaffen nützlich seien. “Elektroschocker sind in der gleichen Kategorie wie Schlagstöcke eingeordnet.”

 

Taser-Waffen: Gesetzesänderung hätte mehr Konsultation bedurft

Dómsmálaráðherra Ríkisstjórn Alþingi Jón Gunarsson

Die im Alleingang durchgezogene Entscheidung des isländischen Innenministers Jón Gunnarsson, Islands Polizisten per Gesetzesänderung mit Taser-Waffen auszustatten, hat erneut Kritik hervorgerufen. Der Bürgerbeauftragte im Parlament, Skúli Magnússon, hatte in einem Brief an Premierministerin Katrín Jakobsdóttir die Ansicht vertreten, dass der Innenminister sich eines Mangels an Konsultation schuldig gemacht habe, als er die Vorschriften änderte, mit denen die Polizei das Recht erhielt, Taserwaffen zu tragen. Der Vorgang sei mit Anforderungen an eine gute politische Verwaltungsarbeit nicht vereinbar.

Die Premierministerin hat sich auf den Brief schriftlich zu Wort gemeldet und auf die wichtige Arbeit entsprechender Ausschüsse verwiesen. Gestern sagte sie in einem Interview, dass die Angelegenheit trotz der Anschuldigung um schlechte Verwaltungsarbeit Jón Gunnarssons Stellung innerhalb der Regierung nicht beeinträchtige. Sie sei jedoch auch weiterhin der Ansicht, dass die Sache innerhalb der Regierung besser hätte geprüft werden müssen, berichtet RÚV.
“Ich stelle fest, dass dies eine angemessene Vorgehensweise gewesen wäre, vor allem weil es sich um einen politischen Kurswechsel handelt,” sagte Katrín.

Kleine Änderung oder politischer Kurswechsel?
Innenminister Jón Gunnarsson hingegen kritisierte den Brief des Bürgerbeauftragten. Seiner Ansicht nach handle es sich nicht um eine substantielle Änderung beim Waffengebrauch innerhalb der Polizei. Ausserdem, versicherte der Minister, sei die Regelung bei einer Kabinettssitzung zwei Wochen vor Unterzeichnung des Gesetzes besprochen worden.

“Die Angelegenheit unterliegt der Zuständigkeit des Justizministers,” so Katrín in einem Interview mit RÚV, “und er ist befugt, die Vorschriften in diesem Bereich zu ändern.” Allerdings sei sie der Meinung, dass die Angelegenheit der Regierung hätte vorgelegt werden müssen.
Der Premierministerin liegen Vorschläge des Bürgerbeauftragten vor, klarere Regeln für die Amtsführung aufzustellen und den Verhaltenskodex zu überarbeiten, um solche Vorfälle zu verhindern. Der Fall habe jedoch keine Auswirkungen auf die Stellung des Justizministers oder ihr Vertrauen in ihn, so Katrín.
Islands Strassenpolizei trägt traditionell keine Waffe am Mann, im Fahrzeug befindet sich jedoch eine Waffe unter Verschluss. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Polizisten jedoch eine Waffe tragen. Schwerbewaffnet hingegen ist die Spezialeinheit der Polizeit, die im Bedarfsfall hinzugerufen wird.

Justizminister genehmigt Taserwaffen im Alleingang

Dómsmálaráðherra Ríkisstjórn Alþingi Jón Gunarsson

Islands Polizei darf nun Elektroschockpistolen, sogenannte Taser, bei ihren Einsätzen mitführen. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat Justizminister Jón Gunnarsson unterzeichnet, die Regelung tritt in den kommenden Tagen in Kraft.
Am 30. Dezember 2022 waren die Pläne des Ministers in den Nachrichten aufgetaucht, berichtet RÚV. Noch am gleichen Tag hatte Premierministerin Katrín Jakobsdóttir angegeben, es sei wichtig, die Angelegenheit zuerst in Kabinett und Parlament zu besprechen.

“Das ist natürlich eine grosse Sache, und auch wenn es auf dem Tisch des Justizministers liegt und die Gesetzgebung ihm unterliegt, so finde ich es doch normal, wenn das erst mal innerhalb der Regierung besprochen wird,” hatte Katrín am 30. Dezember kommentiert, “ich zitiere den Vorbehalt meiner Partei zum Gesetzentwurf für das Polizeigesetz, der dem Parlament vorliegt, und da finde ich es normal, dass solche Veränderungen im Parlament besprochen werden, auch wenn sie die Zustimmung des Parlaments nicht bedürfen, aber das ist natürlich eine Änderung.”

Im Kabinett war die Angelegenheit am vergangenen Freitag dann zur Sprache gekommen. Im Parlament hatte es jedoch keine Gelegenheit gegeben, darüber zu sprechen. Nach Angaben des Justizministereriums war die Gesetzesänderung schon am 30. Dezember unterzeichnet und noch im selben Tag in den Regierungnachrichten veröffentlicht worden – einen halben Monat bevor die Angelegenheit formell innerhalb der Regierung zur Sprache kam.

Taser-Paragraph eingefügt
Im neuen Gesetz wurde ein Paragraph eingefügt, in dem es um den Gebrauch von Tasern geht. Diese sind als nicht-tödliche Waffen definiert, welche die Muskelkontrolle eines vom Schuss Getroffenen zeitlich begrenzt beeinträchtigen. Diese Taser sollen der Polizei eine Festnahme erleichtern, ohne Leben oder Gesundheit der festzunehmenden Person zu gefährden. Die Waffe darf nur dann verwendet werden, wenn der Polizist der Ansicht ist, dass eine mildere Massnahme nicht ausreicht. Die Waffe darf nicht gegen Personen angewendet werden, die sich in schlechtem körperlichem Zustand befinden, und nicht gegen offensichtlich schwangere Frauen, heisst es in dem Gesetzestext. Nur Polizisten, die im Gebrauch mit der Waffe ausgebildet sind, dürfen eine solche führen. Detaillierte Verfahren für den Einsatz der Waffen müssen vom nationalen Polizeikommissar noch festgelegt werden.
Weder Justizminister Jón Gunnarsson noch Premiermnisterin Katrín Jakobsdóttir waren heute für ein Interview zu sprechen.

Bis dato war Islands Strassenpolizei im täglichen Dienst unbewaffnet unterwegs gewesen. Im Polizeifahrzeug hatte sich aber eine unter Verschluss befindliche Schusswaffe befunden, die bei Bedarf geholt werden konnte. Schwerbewaffnet hingegen ist die Spezialeinheit Viking Squad, die für entsprechende Einsätze eigens angefordert werden muss.

Entlassen wegen Veröffentlichung von Beweismaterial

Metropolitan Police

Die Person, die in der vergangenen Woche das Video eines Überfalls in einem Reykjavíker Nachtclub an die Öffentlichkeit hatte durchsickern lassen, ist von ihrem Posten bei der Polizei entfernt worden, berichtet RÚV.
Staatsanwalt Ólafur Þór Hauksson bestätigte dies in einer Erklärung an RÚV und sagte, man glaube nicht dass die Person das Video auf diese Weise öffentlich machen wollen. Es hatte sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien verbreitet.
Dabei handelt es sich um den Mitschnitt eines Videos aus den Überwachungskameras, und er zeigt, wie maskierte Männer den Nachtclub in Reykjavík betraten und drei Personen angriffen und niederstachen.
Die Polizei hatte befürchtet, das Durchsickern der Aufnahmen könne die Ermittlungen behindern. Dem war jedoch nicht so, und inzwischen gilt der Fall als abgeschlossen.

Nach Bekanntwerden des Videos hatte Grímur Grímsson von der Reykjavíker Polizei gesagt, es sei offenbar mit einem Smartphone vom Bildschirm abgefilmt worden, und zwar in einer Polizeiwache. “Ich denke, wir können sagen, dass sowas noch nie zuvor vorgekommen ist, dass Informationen zu laufenden Ermittlungen auf diese Weise an die Öffentlichkeit gedrungen sind.”
Der Videomitschnitt hatte bis in die Wache zurückverfolgt werden können, und der Schuldige wurde gefunden. Mit seiner Entlassung war der Fall abgeschlossen.

Mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt dank neuer Realität

Suspect

Eine neue Realität präsentiert sich in den Verbrechen, mit denen die Polizei zu tun hat. Damit ist die gleiche Situation enstanden wie in anderen Ländern schon seit längerem, sagt der Leiter der isländischen Landespolizei, Karl Steinar Valsson, Vísir gegenüber.

Nach dem schweren Überfall auf ein Nachtlokal in der vergangenen Woche, bei dem 30 maskierte Männer auf Gäste eingestochen hatten, war die Polizei rigoros vorgegangen, Angaben zufolge waren noch niemals zuvor soviele Personen gleichzeitig verhaftet worden. Immer noch sitzen zehn Personen in Untersuchungshaft, der jüngste von ihnen ist 17 Jahre alt, der älteste um die 40. Vor ein paar Tagen hatte es dann einen weiteren Überfall auf ein Privathaus gegeben, bei dem ein Brandsatz geworfen wurde.

Sowohl die britische als auch die amerikanische Botschaft hatten ihre Landsleute vor einer möglichen Zuspitzung der Lage in Downtown Reykjavík gewarnt, wo offenbar eine Art Bandenkrieg zwischen zwei Gruppen tobt, und zu Vorsicht und Besonnenheit aufgerufen, . Karl Steinar betont, dass der Allgemeinheit keine Gefahr durch diese Kämpfe drohe. Aber auch die isländische Polizei habe die Bevölkerung gut über die Entwicklung aufgeklärt und sei involviert.
Organisierte Kriminalität stelle dennoch eine Bedrohung für Gesellschaft und Einzelpersonen dar, auch wenn sie sich zunächst gezielt gegen einzelne Personen richte.
Die Polizei hatte angekündigt, an diesem Wochenende deutliche Präsenz in der Innenstadt zu zeigen und auf alles vorbereitet zu sein.

„Das ist nun exakt die gleiche Lage wie in den anderen nordischen Ländern,“ sagte Karl Steinar. „Wir sehen leider immer mehr Vorfälle, wo Waffen im Spiel sind, auch ernsthafte Vorfälle.“ In dieser neuen Realität gelte es, vorsichtig und aufmerksam zu sein.
Bei Hausdurchsuchungen hatte die Polizei eine Vielzahl an Waffen beschlagnahmt, darunter nicht nur Messer, sondern auch Schusswaffen.
Vorgestern war dann ein Videoclip von dem bewaffneten Überfall an die Öffentlichkeit geraten. Es handelte sich um einen Mitschnitt aus den Aufnahmen der Überwachungskamera. Auch hier ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft, ob und wie das Video aus der Amtsstube in die sozialen Medien hatte geraten können.

Vereiteltes Attentat entzündet Debatte um Polizeigewalt

Die Polizei hat Mitte der Woche vier junge Isländer festgenommen, die unter dem Verdacht stehen, ein Attentat auf staatliche Institutionen, möglicherweise das Parlament und die Polizei, zu verüben. Die Festnahme gelang, bevor die Männer ihren Plan in die Tat umsetzen konnten. Doch in der Öffentlichkeit fragt man sich nun, ob Islands Polizei eigentlich ausreichend vorbereitet ist, um auf derartige Vorkommnisse reagieren zu können, und ob der rechtliche Rahmen ausreicht, innerhalb dessen die Polizei agiert.

Bewaffnung der Polizei steht zur Debatte
Justizminister Jón Gunnarsson gab an, er arbeite mit der Polizei zusammen, um eine Reform innerhalb der Behörde auszuarbeiten. “Wir wollen die Vorschläge im Herbst veröffentlichen,” kündigte Jón gegenüber dem Fréttablaðið an. “Die Lage auf dem Gebiet der organisierten Kriminalität ist weitaus ernster als die Leute sich klar machen.” Auch wenn Jón eine vermehrte Bewaffnung der Polizei nicht ausschliesst, so heisse dies nicht, dass normale Streifenpolizisten ebenfalls mit Feuerwaffen ausgestattet würden. Bislang sind sie waffenlos, jedes Polizeifahrzeug hat aber eine Waffe an Bord. Die schwerbewaffneten Spezialeinheiten werden nur bei Fällen gerufen, wo Schusswaffen beteiligt sind. Diese Einsätze kommen immer häufiger vor.

Fjölnir Sæmundsson, der Leiter der isländischen Polizeigewerkschaft, sagte, auch wenn der Vorfall Polizisten schockiert habe, so sehe er keinen Anlass, Islands Polizisten grundsätzlich zu bewaffnen. Der Vorfall zeige aber die Notwendigkeit auf, mit Polizeikräften im Ausland zusammenzuarbeiten und vielleicht die rechtliche Grundlage zur Personenüberwachung zu überprüfen.
Die Leiterin der isländischen Polizei, Sigríður Björk Guðjónsdóttir, gab an, man halte das Risiko von Gewaltverbrechen durch rechtsextremistische Gruppen immer noch für relativ niedrig. Die Gefahrenbewertung für terroristische Angriffe werde angesichts des Vorfalls nicht geändert.

Verbrechensprävention statt Reaktion
Alle Vorfälle der letzten Zeit, bei denen Schusswaffen im Spiel waren, hatten eines gemeinsam: die Beteiligten waren isländische junge Männer. Der Kriminologe Helgi Gunnlaugsson sagte Iceland Review gegenüber, er glaube, das müsse näher untersucht werden.
“Es ist wichtig, sich die Ideologie dahinter anzuschauen. Diese jungen isländischen Männer glauben, es sei wichtig, diese Waffen mit sich herumzutragen, und sie sind bereit, diese Waffen zu benutzen. Wir müssen uns anschauen, was da mit den jungen Männer passiert, die sich am Rande der Gesellschaft befinden.”
Helgi findet, dass innerhalb des isländischen Systems mehr Gewicht auf die Reaktion auf Verbrechen gebe als auf Versuche, Verbrechen zu verhindern. “Es gibt die Polizei, aber es wäre durchaus hilfreich, andere Arten von Institutionen zu haben, die sich Jugendlichen in schwieriger Lage auf konstruktive Weise nähern.”

 

Immer mehr Polizeieinsätze, bei denen Stichwaffen konfisziert werden

In den vergangenen Wochen hat die isländische Polizei eine steigende Anzahl an Vorfällen mit Waffenbeteiligung verzeichnet, dabei vor allem Messer. RÚV berichtet, die Waffen seien alle beschlagnahmt worden, und die Polizei erinnert daran, dass das Tragen von Waffen jeder Art dem Waffengesetz nach verboten ist.
Das Waffengesetz gilt für kleine Messer, wie Taschenmesser und für grössere Klingen. Die einzige Ausnahme besteht für Personen, die ein Messer für ihre Arbeit benötigen oder sich auf der Jagd befinden.

Bewaffnete Überfälle zu allen Tageszeiten
Konflikte mit Waffenbeteiligung kommen nach Angaben der Polizei nicht nur nachts oder am Wochenende vor, sondern am hellichten Tag, mitten in der Stadt und in manchen Fällen sogar in privaten Wohnungen.
Umfassende Statistiken zu Polizeieinsätzen, bei denen Stichwaffen zum Einsatz kamen, sind bislang noch nicht erhältlich, gab Rannveig Þórisdóttir, eine Abteilungsleiterin bei der Polizeidirektion, RÚV gegenüber an. Vorläufige Analysen weisen jedoch darauf hin, dass Personen, die Raubüberfälle unternehmen, oft bewaffnet seien, auch wenn die Waffen während des Raubes nicht immer benutzt würden. Die Zahl der bewaffneten Raubüberfälle scheint seit 2016 anzusteigen, was allerdings auch an der verbesserten Dokumentation seit dem Jahr liegen kann.

Drei Julimonate sahen Spitzen von 42 Vorfällen
In den Jahren 2015 und 2016 gab es monatlich im Durchschnitt 15 Vorfälle, bei denen eine Stichwaffe konfisziert wurde. Von 2017 bis 2019 stieg die Zahl auf 23 Vorfälle, bei denen ein Messer sichergestellt wurde. Im Juli 2018 und 2019 gab es Spitzen von jeweils 42 Vorfällen. Nach der COVID-Pandemie fiel die Zahl wieder auf 21 Vorfälle pro Mona,t bei denen Messer beschlagnahmt wurden.
Auch im gerade vergangenen Julimonat hatte es wieder 42 Vorfälle gegeben. Die Polizei weist darauf hin, dass diese Zahl nicht die Anzahl von Einsätzen widerspiegle, wo eine Person bewaffnet war, sondern nur die Zahl der Fälle, bei denen eine Stichwaffe konfisziert wurde.
Insgesamt verweisen die Zahlen jedoch darauf, dass in der Hauptstadt verstärkt Waffen getragen würden. Steigende Einsatzzahlen der bewaffneten Spezialeinheit der Polizei zeigten auf eine ähnliche Entwicklung.