Blutstute: Landwirtschaft oder Versuchstier?

Isländische Behörden sind der Ansicht, dass die Blutgewinnung aus tragenden Stuten als landwirtschaftliche Produktion gilt und daher nicht unter die Richtlinie zur Verwendung von Tieren für wissenschaftliche Zwecke fällt, berichtet das Bændablaðið.
Zu Monatsbeginn war im Ministerium für Landwirtschaft ein förmliches Mahnschreiben der EFTA-Regulierungsbehörde ESA zum Thema Blutgewinnung aus tragenden Stuten eingegangen.Die Regulierungsbehörde begründet ihre Argumentation damit, dass die Tätigkeit unter die Richtlinie zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere fällt. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel vertritt die isländische Regierung jedoch den Standpunkt, dass die Blutgewinnung eine landwirtschaftliche Tätigkeit ist.

In dem Mahnschreiben der ESA wird kritisiert, dass Island seinen Verpflichtungen gemäss Bestimmung 2010/63/ESB zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere nicht nachkomme. Die isländische Regierung vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Blutstuten keine Versuchstiere sind, weil das aus ihnen gewonnene Blut ein landwirtschaftliches Produkt darstelle, daher falle die Blutstutenhaltung auch nicht unter die genannte Bestimmung.
Die Sichtweise der ESA werde derzeit jedoch ebenso wie der nächste Schritt geprüft, vor allem gehe es um eine Auslegung des Geltungsbereichs der oben genannten Bestimmung.

Klage von 17 Verbänden bei der ESA
Das Mahnschreiben der ESA ging ein, nachdem bei der EFTA im April letzten Jahres eine von 17 isländischen Verbänden formulierte Klage eingegangen war. Die Verbände sehen in der Blutgewinnung aus tragenden Stuten zur Produktion des PMSG-Hormons einen Verstoss gegen Bestimmungen im EWR-Vertrag.
Der Brief ist der Beginn einer möglichen Klage der ESA gegen die isländische Regierung wegen Verstoß gegen die Bestimmungen der Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. In Absatz 5 des 1. Artikels der Richtlinie heißt es, dass diese nicht für landwirtschaftliche Tätigkeiten gilt.
Island Regierung hat nun zwei Monate Zeit, ihren Standpunkt zu übermitteln, bevor die Regulierungsbehörde entscheidet, ob sie Klage erhebt. In einer schriftlichen Antwort des Ministeriums heisst es, dass im August 2022 eine Verordnung erlassen worden sei, die das Wohlergehen und die Gesundheit aller zur Blutgewinnung benutzten Stuten gewährleisten soll. Die Verordnung gelte für drei Jahre und solle der Überwachung dienen, sowie eine mögliche Zukunft der Tätigkeit beurteilen.

Die Regulierungsbehörde ESA kontrolliert, ob Verpflichtungen nach dem EWR-Abkommen von den EFTA-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen erfüllt werden. Die Kontrolle betrifft sowohl die Umsetzung der EWR-Vorschriften in isländisches Recht, als auch deren Durchsetzung durch die Regierung. Die Regulierungsbehörde kann einen Fall aus eigener Initiative oder aufgrund einer Beschwerde eines EWR-Landes, einer EU-Institution oder einer Privatpartei eröffnen.
Im vergangenen Jahr hatte die Regulierungsbehörde sieben Mahnschreiben an die isländische Regierung geschickt.
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Blutstuten: Isländisches Fohlenfleisch in deutschem Tierfutter, Monopolstellung der Ísteka

Das Pharmaunternehmen Ísteka ist mit 600 lebenden Pferden Islands grösster Pferdebesitzer, schreibt das Bændablaðið. Weil das Unternehmen diese Pferde für seine Blutgewinnungszwecke benutzt und aus dem Blut Produkte herstellt, handelt es sich dabei um eine vertikale Unternehmenskonzentration, die durch aufeinanderfolgende Verarbeitungs- und Handelsstufen gekennzeichnet ist. Bændablaðið zufolge nimmt Ísteka damit eine marktbeherrschende Position ein, nicht zuletzt weil es keinerlei Wettbewerb auf dem isländischen Blutmarkt gibt.
Eine marktbeherrschende Position liegt nach dem 4. Paragraphen (44/2005) des isländischen Wettbewerbsgesetzes vor, wenn ein Unternehmen die wirtschaftliche Macht hat, einen Wettbewerb auf dem Markt zu behindern und tätig zu sein, ohne Rücksicht auf andere Unternehmen, Kunden und Konsumenten nehmen zu müssen. Paragraph 11 des Wettbewerbsgesetzes verbietet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Position. Missbrauch liegt unter anderem vor, wenn direkt oder indirekt unfaire Preise oder Geschäftsbedingungen geboten werden.

Geheimniskrämerei um Blutwerte
Vor zwei Jahren hatte ein Landwirt im Blutstutengeschäft einen Beschwerdebrief an die Wettbewerbsbehörde geschickt und über Betriebspraktiken des Blutaufkäufers geklagt. Unter anderem beschwerte sich Kristján Þorbjörnsson von Gilsstaðir darüber, dass die Landwirte keinerlei Informationen über den Hormonertrag pro Stute und Blutgewinnungstag erhalten, also nicht wissen, welchen an der Hormonmenge gemessenen Wert die jeweilige Stute für den Hof hat. Ísteka verfüge über diese Informationen, gebe sie aber an die Stutenbesitzer nicht heraus.
Des weiteren beklagte der Landwirt, dass das Unternehmen selbst mehrere Höfe besitze und Land gepachtet habe und dort auf Betriebskosten Pferdezucht betreibe, die darauf abziele, besonders hochwertige “Blut”-Stuten zu züchten. Doch erfolge auch diese Arbeit hinter verschlossenen Türen. Weder gebe es einen Forschungsplan für die Zuchtexperimente, noch werde ein anerkannter Experte genannt, der diese Experimente fachlich begleite und verantworte. Der Landwirt zitierte in seinem Brief eine Bemerkung der Unternehmensleitung, man produziere bei Ísteka das “teuerste Blut” für die PMSG-Herstellung.
Als Kristján im August 2019 die neue Preisliste der Ísteka übersandt wurde, hatte er nicht unterschreiben wollen. Das Unternehmen habe ihm daraufhin zur Wahl gestellt, wenn er nicht unterschreiben wolle, den Vertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen oder aber das Blut selbst zu verarbeiten.
Die Wettbewerbsbehörde antwortete dem Landwirt etwa drei Monate später. Man betrachte den Brief als Hinweis, prüfe den Fall jedoch nicht, da andere Angelegenheiten Vorgang hätten.

Keine Stutenblutpräparate in Island
Ísteka extrahiert aus dem Blut der 5400 tragenden und laktierenden Blutstuten das Hormon PMSG, welches Verwendung in Fruchtbarkeitsmedikamenten für die Nutztierzucht findet. Einer der Hauptabnehmer ist die deutsche Schweinezucht. In Island selbst, so zitiert das Bændablaðið den Tierarzt Gísli Sverrir Halldórsson, der seit sieben Jahren in der Blutgewinnung arbeitet, kommen für die hormonelle Besamungvorbereitung nur künstlich hergestellte Präparate zur Anwendung. Das Stutenblutpulver gehe ausschliesslich in den Export, und im Ausland sei die Nachfrage danach sehr hoch. Weltweit gibt es nur vier Länder, die PMSG produzieren, neben Island sind das Argentinien, Uruguay und China.
Ístekas Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson hatte angekündigt, die Blutausbeute in den kommenden Jahren von 170 Tonnen auf 600 Tonnen aufzustocken. Ein entsprechender Antrag liegt zur Bearbeitung bei der isländischen Umweltbehörde. Bis einschliesslich zum 22.12. 2021 kann man dort noch schriftlich Einwände erheben. Für die Aufstockung wären Berechnungen zufolge dann etwa 20.000 Stuten notwendig, statt bislang 5400. Der Gesamtpferdebestand in Island wird auf etwa 70.000 Tiere geschätzt, und würde sich dann auf ca. 90.000 erhöhen, die Fohlen nicht mitgerechnet.

Isländisches Fohlenfleisch in deutschem Hundefutter
Die Fohlen aus diesen Stuten landen fast ausschliesslich in der Schlachtung. Auf dem isländischen Markt finden sich insgesamt 68 Prozent des produzierten Pferdefleischs wieder, der Rest wird exportiert, berichtet das Bændablaðið.
Grösster ausländischer Kunde für Pferdefleisch aus Island ist mit 40 bis 45 Prozent der Gesamtexportmenge die Bundesrepublik Deutschland. Allein im Jahr 2021 wurden dort 124 Tonnen isländisches Pferdefleisch importiert. Dabei wandert minderwertiges Fohlenfleisch zusammen mit Pferdeschlachtabfällen in die deutsche Tierfutterindustrie.
Nach Europa gelangen 87 Prozent des isländischen Pferdefleischs (Belgien 13.255 kg, Holland 93,825 kg, Italien 5.675 kg, Schweiz 36.609 kg) der Rest wird nach Russland (39.000 kg), Japan (7.518 kg) und China exportiert.

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Blutstuten: Antrag auf Verbot im Ausschuss, Landwirtschaftsministerin gründet Arbeitsgruppe

Gestern haben es zwei Gesetzesentwürfe aus der Opposition durch das Parlament geschafft und sind nun in die zuständigen Ausschüsse verwiesen worden. Beim einen handelte es sich um eine Vorlage der Sozialdemokratischen Politikerin Oddný Harðardóttir zur Regulierung des isländischen Fischfangs, der andere Gesetzesentwurf zum Tierschutz stammte von drei Parlamentariern der Volkspartei und zwei Linksgrünen, er betrifft ein endgültiges Verbot der Blutstutenwirtschaft in Island.

Wie die Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, Vísir gegenüber angab, komme es eher selten vor, dass ein Vorschlag der Opposition in die parlamentarische Debatte mit anschliessender Abstimmung gelange, doch anders als im März, als der erste Versuch schon im Vorfeld abgeschmettert wurde, seien sich isländische Öffentlichkeit und auch das Ausland diesmal der Angelegenheit sehr bewusst. Nun sei es die isländische Gemeinschaft, die sich darum kümmere, genau diese Angelegenheit durchzubekommen.

In den Abendnachrichten hatte Inga kritisiert, das Blutstutengeschäft arbeite diametral gegen die Bemühungen der Íslandsstofa, welche Unsummen für die Bewerbung des Islandpferdes als Familientier ausgegeben habe. “Gelinde gesagt ist das grauenvoll für unseren Ruf. Über sechs Jahre hinweg haben wir riesige Gelder ausgegeben, um das Islandpferd zu bewerben und in den letzten drei Jahren brachte das Erfolg, und wir haben Rekorde geschlagen beim Export des Islandpferdes, unseres notwendigen Gefährtens, der auf der ganzen Welt geliebt wird. Wir schwärzen damit unser eigenes Ansehen.” Sie rechne damit, dass Lobbygruppen gegen die Vorlage aktiv würden, wolle in der Sache aber keinesfalls nachlassen.

Landwirtschaftsministerin gründet Arbeitsgruppe zum Thema Blutstuten
Am Abend wurde bekannt, dass Islands neue Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir eine Arbeitsgruppe zum Thema Blutstuten gegründet hat. Die Gruppe soll, so heisst es auf der Webseite der Regierung, die Arbeitsweise der Branche prüfen, sowie Regelwerk und Kontrollmechanismen, ausserdem Gesetzgebung und eine mögliche Durchführung der Blutentnahme im Ausland. Am Tisch der Arbeitsgruppe sitzen Ministeriale, dazu Mitarbeiter der Veterinäraufsichtsbehörde und des Ethikinstitutes der Universität. Man will mit Interessensvertretern zusammentreffen, aber auch die Öffentlichkeit wird Gelegenheit bekommen, sich auf der Seite für Einwände aus der Bevölkerung (samráðsgátt) zum Thema zu äussern.
Die Arbeitsgruppe ist unabhängig von MAST und den behördlichen Untersuchungen der Tierquälerei tätig.

Ísteka kündigt Verträge mit Blutfarmen
Währenddessen hatte der Blutaufkäufer Ísteka ehf. gestern eine Erklärung veröffentlicht, nach der das Unternehmen die Lieferverträge mit mehreren Blutfarmen gekündigt habe. Dabei geht es um die Höfe, die von der Schweizer Tierschutzorganisation AWF/TSB mit versteckter Kamera besucht worden waren. Im Video ist zu sehen, wie Stuten in die Fixierstände geprügelt wurden, wie sie mit überstrecktem Kopf an Pfosten gefesselt und mit einem Rückengurt am Steigen gehindert wurden. Die anwesenden Veterinäre hatten nicht eingegriffen.
Die Stuten werden im Frühjahr gedeckt und im Sommer ihrer Trächtigkeit einmal pro Woche und bis zu zehnmal insgesamt zur Ader gelassen. Jeweils fünf Liter, in manchen Fällen auch mehr, werden der Stute abgezapft. Aus dem Blut extrahiert Ísteka das Gonadotropin PMSG, welches in Europa zu Präparaten für die Brunststimulation bei Schweinen und anderen  Nutztieren verarbeitet wird. Die Fohlen aus den Blutstuten gehen in die Schlachtung. Ísteka ehf. ist das einzige Unternehmen in Island, welches an dem Blut der Stuten verdient.

In Folge der Ereignisse war vor allem Kritik an der Veterinäraufsichtsbehörde MAST laut geworden, die die Blutfarmen über das Jahr verteilt kontrolliert.
Am Blutgewinnungstag selber übernimmt jedoch Ísteka die Überwachung.

Im Schreiben des Unternehmens wurde die “untragbare Behandlung von Pferden bei Kooperationsbauern des Pharmaunternehmens Ísteka” kritisiert. “Diese Behandlung ist ganz klar eine Verletzung des Tierschutzabkommens zwischen dem Unternehmen und dem betreffenden Bauern. Die Verträge sind daher aufgehoben worden.” Nicht klar ist, wieviele Höfe von der Kündigung betroffen sind. Insgesamt gibt es in Island 119 Blutfarmen mit fast 5400 Stuten. Die Veterinäraufsichtsbehörde, die die Tierquälervorfälle zur Zeit untersucht, hatte schon vor einigen Tagen davor gewarnt, übereilte Entscheidungen könnten das Leben der Stuten in Gefahr bringen.
Ísteka will nun die Überwachung der Blutgewinnungen ausbauen. Dazu gehören nach Angaben des Unternehmens Wissensvermittlung und Ausbildung der beteiligten Landwirte, die Anstellung von weiteren Inspektoren, die während aller Blutgewinnungen die ganze Zeit vor Ort sein müssten, und eine Kameraüberwachung sämtlicher Stationen.

600 Tonnen Blut genehmigt, Einwände bis 22.12. möglich
Unlängst hatte die isländische Umweltagentur dem Blutaufkäufer Ísteka ehf. die Genehmigung zur Gewinnung von 600 Tonnen Stutenblut (bisher 170 Tonnen) in Aussicht gestellt. Das Verfahren läuft, bis zum 22. Dezember können Interessierte Einwände an die Behörde einsenden. Die in Aussicht gestellte Betriebsgenehmigung soll dann bis zum Jahr 2038 gelten.
Wie RÚV schrieb, ist die genaue Bestandszahl in Island nicht bekannt, sie liegt wohl zwischen 60.000 und 70.000 Pferden. Die Zahl der Blutstuten müssen sich stark erhöhen, damit Ísteka die angestrebten 600 Tonnen herausholen könne.

 

Vier Parlamentarier wollen Blutstutenhaltung verbieten

Die sogenannte Blutstutenwirtschaft steht im Fokus eines Änderungsantrags zum geltenden Tierschutzgesetz, den vier Abgeordnete von Volkspartei und Piraten dem isländischen Parlament vorgelegt haben. Sollte der Änderung zugestimmt werden, könnte es in Zukunft verboten sein, tragenden Stuten in Island Blut literweise abzuzapfen, um es zu verkaufen oder weiterzuverarbeiten.

Wirtschaftszweig im Wachsen
Im Text zum Änderungsantrag wird ausgeführt, dass es in Island eine Industrie gibt, die aus dem Blut von tragenden Stuten das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) gewinnt. Aus diesem Hormon wird ein Fruchtbarkeitsmedikament für Nutztiere produziert. PMSG ist sehr teuer, daher hat die Blutstutenwirtschaft in der Vergangenheit in Island an Umfang zugenommen. “Im Jahr 2019 wurden 5036 Stuten für diesen Zweck genutzt. Mancherorts ist das eine ausgedehnte Wirtschaft mit bis zu 200 Stuten zur Blutproduktion. Finanzielle Anreize werden in Aussicht gestellt, um die Produktion hochzuhalten. Blutstuten müssen so oft wie nur möglich abfohlen, bis sich kein Hormon mehr in ihrem Blut findet, dann werden sie geschlachtet. Die Fohlen landen alle in der Schlachtung.”

Empfohlene Höchstmenge wird überschritten
Das isländische Tierschutzgesetz schützt Tiere gegen unmenschliche Behandlung. Demnach ist es verboten, die Kraft und Ausdauer eines Tieres zu überfordern, oder Tiere auf andere Art zu verletzen.
“In den Richtlinien für Tierversuche an der Technischen Hochschule in Virgina (USA) wird empfohlen, einer Stute nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtblutmenge im Abstand von vier Wochen abzuzapfen, und nicht mehr als 7,5 Prozent der Gesamtblutmenge, wenn die Blutentnahme wöchentlich stattfindet. Hierzulande geht man viel weiter. Wenn sich das Hormon im Blut der Stuten findet, wird wöchentlich Blut abgezapft, jedesmal fünf Liter, sieben bis achtmal während des Sommers. Das isländische Pferd ist kleiner als ausländische Rassen, daher liegt die Blutmenge bei isländischen Stuten bei 35 bis 37 Litern. Hier wird also wöchentlich über die Dauer von zwei Monaten etwa 14 Prozent der Blutmenge abgezapft.”

Der Text zum Ergänzungsvorschlag kritisiert, dass dieser Betriebszweig bei der Vorlage zum Tierschutzgesetz nicht erwähnt worden sei, er werde weder im Regelwerk zum Pferdewohl noch im Gesetz zum Schutz von Versuchstieren gesondert behandelt. Nirgendwo stehe, wie weit bei der Blutentnahme gegangen werden darf, wie oft einer tragenden Stute wieviel Blut abgezapft werden darf, oder wie die Ausrüstung dafür aussehen muss.
“Das ist absolut unakzeptabel, wenn man bedenkt, wie umfangreich dieser Wirtschaftszweig hierzulande ist.” schreiben die Autoren des Änderungsvorschlags. Die Abgeordnete der Piraten, Olga Margrét Cilia, die den Änderungsvorschlag mit unterstützt, sagte gegenüber Iceland Review, sie habe von dem Business vorher nichts gewusst, aber die Vorgehensweise höre sich “brutal” an und das Tierwohl habe keine Priorität bei der Durchführung.
Initiatorin der Vorlage ist die Vorsitzende der Volkspartei, Inga Sæland, gestützt vom Parteikollegen Guðmundur Ingi Kristinsson, sowie von den beiden Abgeordneten der Piratenpartei, Olga Margrét Cilia und Sara Elísa Þórðardóttir.

Nicht mit dem Tierschutzgesetz konform
Es seien Todesfälle bei der Blutentnahme vorgekommen, allerdings gebe es keine öffentlichen Zahlen zu Todeszahlen von isländischen Blutstuten in den Sommermonaten. “Auch wenn Stuten nicht bei der Blutentnahme verenden, kann der Wirtschaftszweig negative Auswirkungen auf ihr Leben und Wohlbefinden haben. Nach Angaben der Veterinäraufsichtsbehörde sind in den vergangenen drei Jahren bei drei Höfen mit Blutstutenwirtschaft Verwarnungen eingegangen.”
Es gehe nicht mit dem Tierschutzgesetz konform, Pferde zur Blutproduktion zu züchten, um daraus finanziellen Gewinn zu ziehen. Daher solle es verboten werden, tragenden Stuten Blut abzuzapfen, um dieses zu verkaufen oder Produkte daraus herzustellen und zu vermarkten, heisst es in dem Änderungsvorschlag zum Tierschutzgesetz.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Abgeordnete Guðmundur Ingi Kristinsson eine parlamentarische Anfrage zum Thema an den Landwirtschaftsminister gerichtet, die jedoch unbeantwortet geblieben war.
Auch ein Mitglied der Interessensvereinigung Jarðvinir hatte die Blutstutenwirtschaft, bei der aus den etwa 5000 Blutstuten jährlich 170.000 Liter Blut gewonnen wird, in einem Kommentar als nicht mit den Tierschutzgesetz vereinbar bezeichnet und seine Verwunderung darüber geäussert, dass der Fachrat für Tierwohl der Praktik zugestimmt habe. Die Genehmigung Nr. 279/2002 der Veterinäraufsichtsbehörde, die Jarðvinir dem Text zufolge vorliege, beziehe sich jedoch auf “Tierversuche” und nicht auf die wirtschaftliche Produktion von Blut. Die Hormonmenge im Blut werde Jarðvinir zufolge durch eine tägliche Blutprobe aus der Oberlippe der Stute bestimmt, ist die Menge hoch genug, beginnen die wöchentlichen Blutentnahmen aus der Halsvene, die ein Tierarzt durchführt.
Die Informationslage zu dem Business ist sehr mager. Die meisten Medientexte werden vom Geschäftsführer des blutverarbeitenden Unternehmens selbst verfasst, Insiderinformationen sind kaum zu bekommen. Jarðvinir schreibt, laut MAST würden in Island an den Stuten keine Trächtigkeitsabbrüche vorgenommen. Der Tierschutzaktivist Árni Stefán Árnason hingegen behauptet, von auf der Weide getöteten Fohlen und abgetriebenen Leibesfrüchten zu wissen und bezeichnet in seinem Kommentar die Blutstute als “Versuchstier, um die Fleischproduktion zu erhöhen.”

Nach Tierschutzskandalen in Südamerika hatten sich Pharmaunternehmen dem europäischen Blutstutenmarkt zugewandt. PMSG als Hormonpräparat ist in Deutschland ohne medizinischen Behandlungsgrund für Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen zugelassen, es erhöht die Fruchtbarkeit der Nutztiere und ermöglicht, Geburtstermine zu steuern und die Sauen öfter zu belegen. Hauptlieferant für das Hormon aus Stutenblut ist Island, weil dort die Stutenhaltung unter günstigen Voraussetzungen möglich ist.