Besuch auf der Insel Eldey: Plastik als Nistmaterial

Seagull

Eine Exkursion zur Insel Eldey zeigt ein neues Bild der Verschmutzung der Meere. Am 6. Dezember hatten sich fünf Naturforscher an Bord eines Hubschraubers der Küstenwache zu der kleinen Insel aufgemacht, um ihren Zustand zu dokumentieren. Mit dabei waren Svenja Aug­hage vom Naturwissenschaftlichen Institut, Svein­björn Steinþórs­son von der Universität, Ju­lie Kermarec und Dag­ur Jóns­son von der Umweltbehörde und Sindri Gísla­son, der Leiter des Naturkundeinstituts Südwestisland, berichtet mbl.is.
Sindri zufolge habe man über die Jahre versucht, Eldey regelmässig zu besuchen, doch in den Jahren der Pandemie hätten die Exkursionen nicht stattfinden können. Unter anderem dokumentiere man das Ausmass der Plastikverschmutzung, und habe viele Nylonseile und anderen Plastikmüll gefunden, den Möwen zum Nestbau zweckentfremden.
“Da gibt es viel Plastik auf der Insel, und das zeigt gut, wie leicht die Möwen an Plastik kommen. Offenbar das beliebteste Nistbaumaterial.” meint Sindri.

Grosse Plastikmengen in Vogelmägen
Bei mehr als 70 Prozent aller Seevögel an den Stränden der Insel findet sich einer neuen europäischen Studie zufolge Plastik im Mageninhalt. In einem Vogel wurden 70 Plastikstückchen oder 2,5 Gramm Plastik gefunden,  berichtet RÚV.
Die Vögel hatten sich in Fischernetzen verfangen und waren zur Untersuchung nach Holland geschickt worden. Dort hatte man Seevögel aus allen Regionen Europas obduziert, und das Ergebnis fiel fast überall gleich aus: Plastik in den Vogelmägen.
Die grösste Menge sei jedoch nicht mehr länger Industrieplastik, sondern Verbrauchermüll, so Aðalsteinn Örn Snæþórsson, ein Biologe vom Naturkundeinstitut Ostislands.

 

Isländischer Plastikmüll wartet seit 2016 in Schweden auf Recycling

Viele Tonnen von isländischem Plastikmüll, der im Jahr 2016 zum Recycling exportiert worden waren, befinden sich immer noch in einem Lagerhaus in Schweden, berichtet Stundin. Der isländische Recycling Fonds will von der schwedischen Recyclingfirma Swerec verlangen, seinen Verpflichtungen nachzukommen und das Plastik der Wiederverwertung zuzuführen, berichtet Vísir. Der Fondsvorsitzende gab an, die isländischen Recyclingunternehmen würden in dem Glauben operieren, dass sie mit einem respektablem Unternehmen in Schweden kooperierten.

Vor einem Jahr hatte Stundin berichtet, dass, obwohl Plastik aus Island bereits zum Recycling exportiert wurde, der Prozentsatz an Plastik, der tatsächlich der Wiederverwertung zugeführt werde, weitaus geringer sei als erwartet. Heute berichtet das Magazin, dass mehr als die Hälfte des im Jahr 2016 aus Island nach Schweden exportierten Plastikmülls, oder 1500 Tonnen, immer noch in einem schrottreifen Lagerhaus in Päryd in Südschweden lagert. Journalisten und Fotografen von Stundin reisten nach Schweden und standen sprachlos vor einer Lagerhalle voller isländischen Plastikmülls, der eigentlich schon vor einigen Jahren hätte recycled werden sollen.

Von offizieller Seite hatte es in Island geheissen, das Plastik sei längst recycled, und isländische Müllfirmen waren für ihre umweltfreundliche Entsorgung entlohnt worden. Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarson sagte Vísir, es sei wichtig dass die Leute dem System trauen könnten, wenn es um Recycling gehe. Das Ministerium habe den Recycling Fonds sofort kontaktiert, als die Nachricht publik wurde. “Wir warten auf weitere Erklärungen dazu, was da geschieht und was wir machen können,” erklärte Guðlaugur. “Wir machen dieses ganze [Recycling] des Plastiks natürlich nicht, damit es dort endet wo es jetzt liegt, soviel ist mal klar.”

Der Vorsitzende des Recycling Fonds, Magnús Jóhannesson, sagte, sein Fonds wolle in Reaktion auf die Neuigkeit, dass das Plastik immer noch nicht wiederverwertet worden sei, in der kommenden Woche Swerec kontaktieren und von denen verlangen, dass das isländische Plastik sofort in die Verarbeitung komme.
Isländische Unternehmen seien in dem Glauben gewesen, dass die Swerec ein respektables Unternehmen sei und dass auch Recycling Fonds aus Norwegen und Schweden mit der Swerec geschäftlichen Kontakt pflegten. Swerec habe einen Teil des isländischen Plastiks an ein anderes Unternehmen verkauft, welches dann aber bankrott ging, weswegen sich das Plastik immer noch in der Lagerhalle stapelt. Magnús gab an, sein Fonds habe geglaubt die Angelegenheit sei längst erledigt gewesen. “Jetzt ist klar, dass dies nicht der Fall war und deshalb antworten wir in dieser Form,” sagte er Vísir.
Magnús glaubt nicht, dass der Plastikmüll noch in der Verantwortung des isländischen Recycling Fonds liege, sondern dass das schwedische Unternehmen dafür verantwortlich zeichne. Er gehe davon aus, dass dieses seine Pflicht auch erfüllen werde.

Plastikfunde in Vögelmägen und Muscheln

Westman Islands Fishing Boat

In 70 Prozent aller Eissturmvögel und 40 bis 55 Prozent aller Miesmuscheln, die im Rahmen einer Studie obduziert wurden, fanden sich Plastikreste, berichtet RÚV.

Die Untersuchungen wurden auf Betreiben der Umweltbehörde durch die Universität in Suðurnes und das Naturkundeinstitut Nordostislands durchgeführt.

Bei 16 Prozent der Eissturmvögel fand man mehr als 0,1 Gramm Plastik im Magen. Untersucht wurden Vögel, die sich in Fischernetzen verfangen hatten und dort verendet waren.

Die gefundene Plastikmenge fällt geringer aus als in früheren Untersuchungen. Dennoch liegt das Ergebnis über der Grenze, die im OSPAR-Abkommen zum Schutz des Nordostatlantiks festgesetzt wurden. Laut diesem Abkommen darf der Anteil der Eissturmvögel mit mehr als 0,1 Gramm Plastik im Verdauungstrakt 10 Prozent nicht überschreiten.

Isländische Eissturmvögel haben insgesamt weniger Plastik im Verdauungstrakt als ihre Artgenossen im Nordatlantik.

In der Studie heisst es, dass man umso weniger Plastik in den Mägen der Vögel findet, je weiter man sich nach Norden begibt und von der Zivilisation entfernt.

Zwei Eissturmvögel hatten 28 Plastikteilchen im Magen. Durchschnittlich wurden 3,65 Teilchen gefunden, das Durchschnittsgewicht der Partikel betrug 0,0452 Gramm. In weiblichen Vögel wurden mehr Plastikpartikel gefunden als in männlichen Vögeln.

Auch Miesmuscheln im Südwesten des Landes, auf der Halbinsel Snæfellsnes und in den Westfjorden wurden untersucht. An allen Orten wurden Plastikpartikel in den Muscheln gefunden, und zwar bis zu vier Partikel pro Muschel.

Insgesamt wurden in 120 untersuchten Muscheln 77 Plastikteilchen gefunden, Offenbar gab es keinen grossen Unterschied in der Anzahl der Partikel in Bezug auf den Fundort.  Zum grössten Teil befanden sich Plastikfäden in den Muscheln.

In der Studie heisst es, selbst wenn sich hierzulande weniger Plastik in Muscheln und Vögelmägen befindet als in anderen Ländern, ändere das nichts daran, dass es auch in Island Plastikverschmutzung im Meer gebe. Island müsse seinen Plastikverbrauch reduzieren und alles Plastik recyceln.

Auch die Säuberung und Klärung von Abwässern und Oberflächenwasser müsse verbessert werden, damit Plastik gar nicht erst in die Meere gerate.