EFTA-Beschwerde wegen Landmannalaugar-Plänen

Landmannalaugar tourist

Wohl kein Grossprojekt erregt die Gemüter von Besuchern und Isländern derzeit wie das des geplanten Touristikzentrums in Landmannalaugar.
In dem bislang unberührten Lavabereich Námshraun will die Gemeinde Rangárþing ytra eine künstliche Badelagune, Restaurant, Geschäft und mehrere Gästehäuser mit Unterkunft für um die 120 Gäste, sowie Parkplätze für PKW und Reisebusse bauen. Nach Angaben von Gemeindevorstand Eggert Valur Guðmundsson geht man nicht davon aus, dass dadurch die Besucherzahl des sensiblen Gebietes ansteigen wird. Derzeit reisen pro Jahr um die 130.000 Touristen in das Gebiet.  Natürlich wolle man behutsam zu Werke schreiten, so Eggert in einem Interview. Die Umweltschutzorganisation Náttúrugrið hat sich nun bei der EFTA beschwert.

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EFTA soll Aufbau im Hochland verhindern
Der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation Náttúrugrið, Snæbjörn Guðmundsson, hat gestern eine förmliche Beschwerde an die EFTA Regulierungsbehörde beschickt, in der Hoffnung, dass die Bauvorhaben noch rechtzeitig gestoppt werden können. Begründet wurde die Beschwerde mit dem Argument, die Gemeinde verstosse mit ihrem Verhalten gegen die Richtlinie zur Umweltverträglichkeitsprüfung, immerhin sind Projekte und Bauvorhaben dieser Art nicht rückgängig zu machen. Man prüfe alle Möglichkeiten, um dieses Juwel des isländischen Hochlandes zu schützen.

“Hier will man ein unberührtes Gebiet bebauen, den Eingang nach Landmannalaugar. Das ist Teil des unter Naturschutz stehenden Gebietes der Fjallabak-Region, die auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Dieses Gebiet ist eine der Juwelen des Hochlandes,” erklärte Snæbjörn RÚV gegenüber.
„Wir glauben, dass das weder zum Wohl der Natur noch des Tourismus sein wird. Ich bezweifle stark, dass Touristen das wollen. Das Gebiet ist unberührt und eigentlich eine der Perlen des Hochlandes. Aus unserer Sicht darf solch ein massiver Ausbau des Tourismus nicht betrieben werden, wie es vielerorts bereits geschehen ist.”

Die Planungsbehörde hatte vor Erteilung der Baugenehmigung eine erneute Befragung von Besuchern und Touristikunternehmen zur Bebauung des Geländes empfohlen, die Gemeinde hält eine solche Umfrage für unnötig. Empfehlungen der Planungsbehörde in Bezug auf Umweltgutachten sind nicht bindend, hier muss die Gemeinde argumentativ in Vorlage treten, bevor sie Baugenehmigungen erteilt.

Touristen mit Touristenzahlen unzufrieden
Eine Besucherumfrage aus dem Jahr 2019 hatte gezeigt, dass Touristen mit dem geplanten Bauprojekt sehr unzufrieden sind. Auch früheren Befragungen aus den Jahren 2000 und 2009 ergaben, dass die Besucher von Landmannalaugar ein Restaurant in dem Gelände als negativ beurteilten, nur 28% der Befragten fanden die Idee gut. Noch weniger wollten dort ein Gästehaus sehen, und diese Zahl nahm mit den Jahren weiter ab. Inzwischen wollen nur noch 20% der Befragten ein Gästehaus in dem Gelände.
Einig waren sich hingegen die meisten der Befragten darin, dass es in Landmannalaugar viel zuviele Touristen gebe – im Jahr 2000 fanden das noch 22%, im Jahr 2009 schon 32% und im Jahr 2019 fanden 48 Prozent der vor Ort Befragten, es befänden sich zuviele Besucher vort Ort.

Die Planungsbehörde hatte angemahnt, dass die geplanten Bauvorhaben noch mehr Touristen anlocken würden und die Belastung für das sensible Gebiet weiter steige. Daher sollte vor Baubeginn eine weitere Umfrage durchgeführt werden.
Der Gemeindevorsteher hatte in den Abendnachrichten bei RÚV angegeben, eine solche Umfrage stehe nicht zur Debatte.

Fjallabak-Route als Hauptstrasse im Hochland
Der Flächennutzungsplan der südisländischen Gemeinden sieht vor, die Routen Kaldidalur, Kjölur und Sprengisandur, aber auch die nach Landmannalaugar führende Piste Fjallabak nýrðri (Landmannaleið) zu Hauptstrassen im Hochland zu machen. Solche Verkehrsadern sollen laut Flächennutzungsplan mindestens sechs Monate im Jahr problemlos befahrbar sein und wenig Instandhaltungsarbeiten benötigen. Dazu wird im Flächennutzungsplan eine Asphaltierung dieser Verkehrsadern empfohlen. Einem fast ganzjährigen Besucherverkehr nach Landmannalaugar steht dann nichts mehr im Weg.

Mýrdalssandur: Ein Gutachten und ein Tycoon mit russischem Hintergrund

Mýrdalssandur

Die isländische Planungsbehörde hat den Sandtransport vom Mýrdalssandur in ihrem gerade erschienen Gutachten als “sehr negativ” beurteilt. Die Besitzverhältnisse des Antragstellers und seine Verbindungen zu Russland, sowie sein Ruf als Umweltverschmutzer sind im Gemeinderat des Mýrdalshreppur jedoch nicht zur Sprache gekommen, berichtet Vísir.
In der vergangenen Woche war das Gutachten veröffentlicht worden. Bislang, so Bürgermeister Einar Freyr Elínarsson, sei von dem Unternehmen noch keine Betriebserlaubnis beantragt worden. „Einwände und Gutachten der Planungsbehörde werden behandelt, wenn die Angelegenheit wieder auf dem Tisch des Gemeindesrates liegt.“ Ob das noch in diesem Sommer passiere, wisse man nicht.

Deutsches Unternehmen ist eigentlich tschechisch
Das Gutachten vom 6. Juni gesellt sich zur grossen Anzahl ausgesprochen negativer Einwände zu dem Projekt, dass das Unternehmen EP Power Minerals an der Hafalda im Mýrdalssandur plant. Dort soll eine gigantische Menge vulkanischen Sandes abgebaut und im Viertelstundentakt ganzjährig durch sieben Gemeinden nach Þorlákshöfn im Westen der Insel zur Verschiffung transportiert werden. Der Sand wird zur Zementherstellung exportiert.

Zu den Gegnern, die sich per offiziellen Einwand zu Wort gemeldet hatten, gehören die sieben betroffenen Gemeinden im Südland, die Umweltbehörde und die Strassenverwaltung. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass der Sandabbau seine negativen Auswirkungen über 100 bis 200 Jahre nach sich ziehen werde. Nicht nur führe er zu massiver Luftverschmutzung, auch die Kosten der durch den Schwertransport zerstörten Strassen würden auf den Schultern Islands landen.  “Bei einer Umsetzung der Planungen werden viele Menschen über Generationen hinweg mit diesem Betrieb leben“, heißt es in der Stellungnahme der Planungsbehörde. „In Anbetracht der Größe des Einflussbereichs des Projekts, der Anzahl der betroffenen Personen und der Dauer der Auswirkungen geht die Planungsbehörde davon aus, dass die Gesamtwirkung des Projekts erheblich negativ sein wird.“
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Möchten Hafen am Mýrdalssandur
Der Gemeinderat des Mýrdalshreppur hat sich nicht gegen den Sandabbau selbst ausgesprochen, hält aber die Auswirkungen des Schwerlastverkehrs nach Þorlákshöfn für schlecht. Man stehe jedoch sofort für Gespräche um den Bau einer Hafenanlage südlich des Mýrdalssandur bereit. Indem man den Sand auf kürzestem Wege durch Tunnel unter der Ringstrasse transportiere, könne die negative Auswirkung auf den Verkehr, auf Lärmübertragung und den Tourismus verhindert werden, heisst es in einem Protokoll des Gemeinderats. Damit stelle man auch sicher, dass in der Gemeinde ein Arbeitsmarkt aufgebaut werde, sowie Wertschöpfung im Grubengebiet entstehe. Und das ganze Projekt wäre gleich noch viel umweltfreundlicher.

Energie-Tycoon mit Verbindungen nach Russland
Neuigkeiten zu den Besitzverhältnissen des potentiellen Sandgräbers gibt es allerdings auch. Im letzten Sommer hatte es gehiessen, die EP Power Minerals sei ein deutsches Unternehmen. Das ist zwar richtig, aber das Unternehmen befindet sich im Besitz des tschechischen Konzerns EPH, der international tätig ist und zu 94% dem tschechischen Milliardär und Energie-Tycoon Daniel Kretinsky gehört. Kretinsky war vor allem über den Handel mit russischem Gas reich geworden, und damit will er auch nicht aufhören.  Unter anderem ist er in Deutschland Hauptaktionär der Metro, die auch nach dem Angriff auf die Ukraine ihren Handel mit Russland nicht einstellen will.

Vor allem aber ist Kretinsky bekannt als internationaler Umweltverschmutzer: sein Konzern EPH entlässt die europaweit grösste Menge an klimaschädlichen Gasen in die Atmosphäre. Der Konzern des „Kohlebarons“ ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das auch nach dem Jahr 2030 noch Kohle verbrennen will. Auch Kretinskys Müllkonzern AVE CZ ist für Umweltskandale berüchtigt.

„Mir ist nicht bekannt, wer Daniel Kretinsky ist, oder wie seine Besitzverhältnisse aussehen,“ kommentierte Bürgermeister Einar Freyr die Frage, ob Kretinskis Eignerschaft, sein Ruf als Umweltverschmutzer und seine Verbindungen zu Russland irgendeinen Einfluss auf die Entwicklung von Mýrdalssandur hätten.

Rangáþing ytri: Touristisches Grossprojekt gefährdet Grundwasser

Der Berufungsausschuss für Umwelt und natürliche Ressourcen hat eine Entscheidung der isländischen Planungsbehörde aufgehoben, wonach der umstrittene Aufbau eines grossen Tourismuszentrums im südisländischen Rangárþing ytri kein Umweltverträglichkeitsgutachten benötigt. Die Anwohner befürchten dort eine Umweltkatastrophe, berichtet RÚV.

Auf zwei Grundstücken in der Kommune Rangáþing ytra in Südisland will ein malaysisches Unternehmen den Campinplatz vergrössern und ein 200 Quadratmeter grosses Servicezentrum errichten. Ausserdem sollen auf 800 Quadratmetern Restaurants, Geschäfte, eine Rezeption sowie Räumlichkeiten für die Mitarbeiter entstehen. Schliesslich sind 45 einstöckige Gästehäuser geplant, wobei vor jedem Haus ein 30 Quadratmeter grosses Kugelhaus stehen soll.

Kläranlage schafft kein solches Grossprojekt
Sommerhausbesitzer und Landeigentümer befürchten Schlimmes. In einem Anwaltsbrief an die Gemeindeverwaltung hiess es, die geplanten Bauvorhaben könnten die Gefahr einer Grundwasserverschmutzung mit sich bringen, und derartige Verschmutzungen hätten schwerwiegende und gesundheitsschädigende Auswirkungen. Die Planungsbehörde hingegen teilte diese Besorgnis nicht. Sie kam letzten Sommer zu dem Ergebnis, dass das Bauvorhaben keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden müsse.
Damit waren die Anwohner nicht einverstanden und klagten vor dem Berufungsausschuss für Umwelt und natürliche Resourcen. Der Ausschuss hat die Entscheidung der Behörde nun in der vergangenen Woche aufgehoben.

In ihrer Klage hatten die Landbesitzer auf die grossen wirtschaftlichen Interessen hinter dem Projekt hingewiesen, und dass man aufgrund des unzureichenden Abwassersystems der Gemeinde in eine Umweltkatastrophe steuere. Von Seiten des Bauherrn hiess es, die Umsetzung werde mehrfach kontrolliert. Es handle sich um ein umweltfreundliches Projekt, welches Gewinn für Staat und Region bringen werde.

Der Berufungsausschuss sah die Angelegenheit in anderem Licht, demnach bestehe Zweifel daran, ob der Planungsbehörde ausreichende Informationen vorlagen, als sie ein Umweltverträglichkeitsgutachten für unnötig befand.
Die Ausgestaltung des Abwassersystems im Rangárþing ytra impliziere, dass es bei der Grössenordnung des Projektes zwangsläufig zu einer erheblichen Einleitung in Boden und Grundwasser kommen werde. Grundwasser, welches wegen unzureichender Kanalsation verschmutzt wird, sei verdorben, hiess es in der Begründung des Umweltausschusses.

Flächennutzungsplan für südliches Hochland vorgelegt

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Die isländische Planungsbehörde hat den Flächennutzungsplan für das südliche Hochland veröffentlicht. An der Planung sind neun angrenzende Kommunen beteiligt. Das gesamte Gebiet ist Volksland. Um Volksland nutzen zu können, müssen die Miteigentümer und Verwahrer – Gemeinden und Premierminister – ihre Zustimmung geben, falls die Nutzung für länger als ein Jahr gedacht ist. Falls Wasser oder Erdwärme, Minen und anderes Material genutzt werden sollen, muss der Premierminister seine Zustimmung geben.
Gespräche über einen Flächennutzungsplan für das südliche Hochland werden seit 2019 konkret geführt, mit dem Ziel, Kommunalpolitik zu Infrastruktur, Resourcennutzung und Naturschutz unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Dabei steht ein Erhalt der Landschaft als Ganzes an erster Stelle, aber auch eine nachhaltige Ressoucennutzung.
Die Schaffung eines Strassennetzes im Hochland stellt für die Erschliessung des Hochlandes ebenso eine Herausforderung dar wie der Anstieg der Touristenzahlen und der zunehmende Individualverkehr in dem sensiblen Gebiet. Auch das Wetter spielt eine Rolle, sowie der Kampf gegen den Klimawandel.

Ganzjährige Nutzung angestrebt
Der Flächennutzungsplan sieht das umzeichnete Gebiet in ganzjähriger Nutzung. Die Sonderstellung der “unbebauten Weite” und der zum grossen Teil unter Schutz stehenden Natur soll erhalten bleiben, damit das Naturerlebnis auch weiterhin möglich ist. Resourcen sollen respektvoll genutzt werden, heisst es in dem Plan.
Ein Ausbau der Infrastruktur umfasst den Ausbau eines Wegenetzes, touristische Dienstleistungen und ein Verteilernetz für Strom und Telekomunikation.
Das Strassennetz sieht Fernstrassen und Landstrassen vor. Als Fernstrassen werden asphaltiert und ausgebaut: Kaldidalsvegur, Kjölur, Sprengisandur und die nördliche Fjallabaksleið, ausserdem Skjaldbreiðarvegur, die Strasse in die Kerlingafjöll, wo diesen Sommer ein grosses touristisches Zentrum eröffnet, sowie der Skálpanesvegur zum Geldingafjall und die Emstruleið hinter dem Fljótshlíð.
Diese asphaltierten Hauptstrassen sollen 5-6 Monate pro Jahr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70-90 km/h befahrbar sein. LKW-Verkehr ist nicht geplant. Das Strassenbaumaterial soll aus der jeweiligen Umgebung entnommen werden. Flüsse will man nach Möglichkeit überbrücken.

Die zweite Kategorie zum Ausbau von Strassen umfasst Landstrassen, die nicht asphaltiert werden und daher nur im Sommer befahrbar sind. Es handelt sich um Wege, die derzeit nur für schwere Geländewagen oder beim Schafabtrieb genutzt werden: Der Abtriebsweg westlich der Þjórsá an der Gljúfurleit und Leppistunga zum Weg in die Kerlingafjöll, die Heklubraut und die Fjallabaksleið, der Strommastenweg an der Sultartangalón, und der Abtriebweg östlich der Hvítá.

Servicenetz und regenerative Energie
Damit wird das südliche Hochland den Touristen zur Nutzung zur Verfügung stehen: mit dem Aufbau eines Verkehrswegenetzes und Servicestationen soll ein klarer und sicherer Zugang zu Natur und Kultur des Gebietes gewährleistet werden, welches einen Status als Reiseziel in unbebauter Natur erhält.

Die für die Erschliessung benötigte Energie soll aus Kleinkraftwerken kommen, wie Windrädern, Solarzellen, Wasserkraftwerken und Erdwärme. Stromleitungen sollen unterirdisch verlegt werden. Besonderen Wert legt man auf Verkehr mit Elektrofahrzeugen. Stromproduktion findet an den Rändern des Gebietes statt, wo zusätzliche Bauwerke nicht stören.

Touristische Dienstleistungen werden in vier Kategorien ermöglicht: Basisstationen, Hochlandstationen, Hüttengebieten und Wanderhütten. Erstere sind ganzjährig in Betrieb und umfassen einen Hotel- und Gastronomiebetrieb. Die Hochlandstationen umfassen Camping- und Hüttenbetriebe, sind den Sommer über geöffnet und können auch eine Badeanlage haben. Das Hüttengebiet ist ebenfalls gut zu erreichen und soll Gastronomiebetrieb und Gastunterbringung bieten.
Beim Ausbau von Radwegen, Reitwegen und Wanderwegen wird darauf geachtet, dass diese den Strassenverkehr nicht kreuzen. Der Flächennutzungsplan sieht auch sogenannte “stille Gegenden” vor.
Einwände gegen den Flächennutzungsplan können bis 12. Februar bei der Planungsbehörde eingereicht werden.

Kein Umweltgutachten für Badelagune an der Brúará

In Efri-Reykir im Bláskógabyggð soll eine neue Badelagune mit Hotel gebaut werden. Das isländische Planungsbüro entschied nun, dass der Entwurf kein Umweltgutachten benötigt, berichtet Kjarninn.
Der im vorvergangenen Sommer vorgelegte Entwurf sieht auf 30 Hektar Land des Hofes Efri-Reykir am Ufer des Flusses Brúará den Bau eines dreistöckigen Hotels mit 200 Zimmern auf einer Gesamtfläche von 10.000 qm vor, sowie zwei Badelagunen auf einer Fläche von 6000 qm.
Die Bauherren erwarten bei voller Auslastung des Hotels eine durchschnittliche Besucherzahl von 1200 Personen pro Tag.
Ausserdem soll auf einer Fläche von 6000 qm ein zweistöckiges Gästezentrum zwischen Hotel und Lagune errichtet werden, sowie fünf Wohnhäuser für Beschäftigte auf 750 qm, eine asphaltierte Strasse zum Hotel und ein Parkplatz für 200 Fahrzeuge und sieben grosse Reisebusse.

Hotelentwurf am Naturdenkmal

Im ersten Entwurf waren Hotel und Lagune kleiner ausgefallen, und die Lagune sollte gechlort werden. Auch sollte das gesamte Projekt näher am Ufer der Brúará und dem beliebten Wasserfall Brúaráfoss liegen. Im neuen Entwurf wurden Hotel und Lagune dann doppelt so gross wie zuvor geplant, aber etwas weiter vom Flussufer weggeholt, und auch die Abwasserpläne sind überarbeitet worden.

Der Fluss Brúará steht mit jeweils 200 Metern auf beiden Flussufern auf der Liste der Naturdenkmäler, wegen seiner zahlreichen Wasserfälle, seiner artenreichen Flora und Vogelvorkommen und der vielschichten Landschaft in der Quellschlucht Brúaráskörð.

Nach Angaben des Bauherren hätten seit langem Pferde auf dem anliegenden Land geweidet und Wiesen waren trockengelegt worden, daher sei das Gebiet bereits in grossen Teilen komplett zerstört. Das Bauvorhaben würde an einzelnen Stellen durchaus negative Auswirkung auf den Schutzstatus des Flusses haben, obwohl der Schutzstatus eigentlich nur für die Quellschlucht gelte, die weit vom Bauland entfernt liege. Man plane jedoch die Zerstörungen am Flussufer zu beseitigen, den Verkehr zu regeln, das Weideland zu schützen und die Gebiete, die nicht bebaut werden, zu begrünen.

Gemeindeleitung und Umweltbehörde wollten Umweltgutachten

Aus einem Schreiben der Gemeinde Bláskógabyggð geht hervor, dass die Gemeindeleitung der Ansicht ist, das Bauvorhaben müsse vor Baubeginn ein Umweltgutachten durchlaufen, weil es sich hier um ein Gebiet auf der Liste der Naturdenkmäler handle, und zudem ein weitreichendes Quellwassergebiet.

Die isländische Umweltbehörde gab an, es handle sich um umfangreiche Bauvorhaben. Wenn alles nach Plan verläuft, wird sich in dem neuen Lagunenkomplex die grösste Anzahl von Badegästen im ganzen Land befinden. Die Umweltbehörde gab zu bedenken, dass die geplanten Bauwerke am Ufer eines der grössten Quellflüsse des Landes stattfinden sollen, und dass der Fluss einen Schutzstatus nicht nur im Inland geniesse, sondern auch in internationalem Kontext.

Das Amt für Fischerei weist in seinem Schreiben auf die denkbar negativen Auswirkungen auf die Fauna der Brúará hin und hält es für normal, dass das Vorhaben ein Umweltutachten benötigt.

Auch das Naturkundeinstitut hatte sich zu Wort gemeldet. In dem Schreiben heisst es, man habe vorgeschlagen, dass die Achse Laugarvatn – Apavatn und Bruárá in die B-Kategorie der Naturdenkmäler gesetzt wird. Wenn Frischwasser und Vögel geschützt und Erdwärme genutzt würden, sehe das Institut nicht, dass die Bauvorhaben besondere Auswirkungen auf die Umwelt haben würden, solange man grössten Wert auf Verschmutzungsprävention und anderen Naturschutz lege und die Badelagune soweit vom Fluss wie nur möglich entfernt gebaut werde.

Baugebiet sei ohnehin schon zerstört

Das Planungsbüro hatte, wie oben bereits erwähnt, ein Umweltgutachten für nicht nötig erachtet.
Es sei unwahrscheinlich, dass der Bau von Hotel und Badelagune den Schutzstatus des Wasserfalls Brúaráfoss oder die Landschaft an der Brúaráskörð bedrohe, weil beides zu weit entfernt sei.
Das Baugebiet sei ohnehin bereits durch Beweidung, Trockenlegung und Materialentnahme in grossem Stil zerstört.
Ausserdem gebe es im umliegenden Gebiet bereits Tourismus und eine Sommerhaussiedlung, und die Landschaft trage Spuren davon.
Auch gebe die Erdwärmenutzung auf Efri-Reykir der Landschaft mit ihrer Dampfsäule bereits ein entsprechendes Gesicht. Das geplante Baugebiet befinde sich zwischen Laugarvatn und dem Geysir im Haukadalur, und dort sei das Verkehrsaufkommen ohnehin bereits hoch.

Das Planungsbüro verlangt in seinem Gutachten nur eine verbesserte Ausführung der Abwasserlösungen in Zusammenarbeit mit dem südisländischen Gesundheitsamt, sowie eine Untersuchung der Fauna im Nachbarbereich der geplanten Bauarbeiten.
Nach Einschätzung des Planungsbüros ist es unwahrscheinlich, dass das Bauvorhaben besondere irreversible Auswirkungen auf die Umwelt mit sich bringe, die man nicht vermeiden oder mit Gegenmassnahmen mindern kann. Daher wird für das Vorhaben kein Umweltgutachten benötigt.
Die Einspruchsfrist gegen das Vorhaben war am 10. April abgelaufen.

Auch das geplante Hotel mit Badelagune im Þjórsárdalur (500 qm Laune, 50 Hotelzimmer in den Berg hineingebaut, geplante Gästezahl 82.500 im Jahr 2027) benötigte nach Einschätzung des Planungsbüros kein Umweltgutachten.

Geplanter neuer Nationalpark im Hochland stösst auf Protest

Energieunternehmen und einige Gemeinden protestieren energisch gegen einen neuen Vorschlag, den Naturschutz im isländischen Hochland auszuweiten, berichtet RÚV.

Das Ministerium für Umwelt und Resourcen hatte vorgeschlagen, dass ein neuer und vergrösserter Nationalpark den bereits bestehenden Nationalpark Vatnajökull (Europas grösster Nationalpark), sowie 85 Prozent des zentralen Hochlands umfassen soll.

Im April vergangenen Jahres hatte das Ministerium einen Ausschuss gebildet, welcher aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie Vertretern des isländischen Gemeindeverbandes besteht. Nach Einschätzung des Ausschusses würde eine Ausweitung der Grenzen des geschützten Gebietes in keinster Form den neuen Status des Vatnajökull Nationalparks als Bestandteil des Wetkulturerbes behindern.

Der Vorschlag auf samráðsgatt.is kann noch bis zum 13. August öffentlich kommentiert werden.

Auch wenn der isländische Gemeindeverband an der Erarbeitung des Vorschlags beteiligt war, sind viele Gemeinden als Grenzanrainer zum Nationalpark der Ansicht, dass sie nicht angemessen konsultiert worden sind.

Ásta Stefánsdóttir, die Gemeindevorsteherin von Bláskógabyggð in Südisland, sagt, es sei Aufgabe der Arbeitsgruppe, Vorschläge zum neuen Nationalpark zu machen, aber nicht die Vor- und Nachteile eines solchen abzuwägen. Ihre Gemeinde findet, diese Arbeit müsse erst noch kommen. Der aktuelle Vorschlag sei ein Eingriff in die Grenzpolitik von Gemeinden.

Es gibt grosse Gebiete im Hochland, die innerhalb des Bláskógabyggð liegen, und Bauern und Einwohner haben eine Menge Arbeit darin investiert, Land urbar zu machen, zum Beispiel, indem sie Reitwege ausgewiesen haben und den Verkehr dort hin lenken etc., und damit sicherstellen, dass die Leute keine empfindlichen Regionen betreten und ähnliches. Die Leute sind besorgt, weil wenn da eine Art zentralisierte Behörde, eine Art Regierungsbehörde, das alles kontrolliert, dass dies in gewisser Weise die freiwillige Arbeit beschneidet, die die Leute geleistet haben.”

Von Landeigentümern Bauern und anderen Landnutzern sind nach Aussage von Ausschussvorsitzendem Óli Harðarsson bereits eine Vielzahl von Anmerkungen und Kritikpunkten eingegangen, schreibt RÚV.

Dem Regionalblatt dfs.is war in der vergangenen Woche in einer Ankündigung der obersten Planungsbehörde zu entnehmen, dass in der Gemeinde Hrunamannahreppur (im Süden des geplanten grossen Nationalparks) 11 alte und bestehende Wander- und Viehtreiberhütten bis hin zum Naturschutzgebiet Þjórsárver unterhalb des Hofsjökull für einen touristischen Ausbau angedacht sind.

Im Bláskógabyggð befinden sich sechs solcher Hütten bereits in der Planungsphase. Für den gesamten Bereich würden diese 17 Hütten etwa 500 Übernachtungsplätze samt infrastrukturellem Ausbau im geplanten Nationalpark schaffen.

Kritik und Anmerkungen dazu können noch bis zum 14. August (für die 11 Hütten), sowie bis zum 4. September (für die sechs Hütten) an die zuständige Planungsbehörde eingereicht werden.

Doch nicht nur Einheimische sehen die Ausweitung des Nationalparks kritisch. Auch Energieunternehmen haben ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Samorka, der Verband der Energieversorger in Island, sagt, dass mit neuen Schutzmassnahmen sämtliche neue Generationen an Energieformen und Energietransport in so gut wie dem halben Land untersagt würden. Damit wären derzeitige Gesetze zum Schutz der Energiegewinnung irrelevant.

Der nationale Energiekonzern Landsvirkjun betonte, es sei wichtig dass alle Kraftwerke auserhalb der geschützten Bereiche zu liegen kämen. Die Nutzung der Energieresourcen im Hochland hätten grosse wirtschaftliche Bedeutung für das ganze Land. Im Hochland produzierte erneuerbare Energie stelle nicht nur die Grundlage für die isländische Wirtschaft sondern auch für die heutige Lebensqualität dar.

Einer Befragung aus dem Jahr 2018 nach sprachen sich 63 Prozent aller Isländer für die Schaffung eines ausgeweiteten Nationalparks im zentralen Hochland aus, berichtete RÚV im vergangenen Jahr. 75 Prozent der Befürworter waren der Ansicht, dass ein Nationalpark im zentralen Hochland Orte schützen würde, die bislang keinen Schutz geniessen, 68 Prozent waren der Ansicht, ein solcher Nationalpark würde das Verständnis für den Wert der Region steigern.

Auch 9000 Touristen waren für diese Statistik befragt worden, 300 von ihnen hatten ein Interview gegeben. Aus diesen Daten ging hervor, dass die Touristen bei der Attraktion “Hochland” vor allem die einzigartige und kaum berührte Natur, die Einfachheit, Stille und die Menschenleere schätzten.