Zehn Papageitaucher auf dem Weg in britischen Robbenschutzpark

Zehn Papageitaucher von den Westmännerinseln sind per Flugzeug ausser Landes gebracht worden und leben jetzt zusammen mit Seehunden in einem britischen Tierpark. Damit sind zum ersten Mal Exemplare der bunten Vögel regelrecht exportiert worden, berichtet Vísir.

Auswilderung verletzter Vögel nicht möglich
Auf den Westmännerinseln kümmert sich der Seetierpark Sea Life Trust unter anderem um verletzte Papageitaucher. Allerdings war das Gehege zuletzt so voll gewesen, dass eine Lösung her musste, zumal die Jungvogelsaison vor der Tür steht, wo immer wieder verletzte Vögel abgegeben werden. Zehn Papageitaucher aus dem Bestand wurden für den Transport nach Cornwall ausgewählt.
Tiergartenleiterin Þóra Gísladóttir bestätigt, dass der Transport keine kleine Angelegenheit gewesen ist. „Die werden von Island, den Westmännerinseln nach England in ein kleines Dorf im Süden gebracht. Wir hatten zuletzt 15 Papageitaucher, aber alle, die bei uns leben, können nicht auswildert werden. Die sind alle irgendwie krank und viele haben Augenverletzungen,“ erklärt Þóra. Wegen der bevorstehenden Jungvogelsaison musste Platz geschaffen werden.
„Der Robbenschutzpark, mit dem wir viel zusammenarbeiten, hat sich bereit erklärt, die Vögel aufzunehmen.“ Þóra zeigt sich zufrieden mit der Wahl, denn den Vögel gehe es ganz offenbar sehr gut in dem Tierpark in Cornwall.

Jagd auf gefährdete Vögel
Auf den Westmännerinseln werden Papageitaucher einer alten Tradition folgend immer noch gejagt. Die Jagdsaison erstreckt sich dem Gesetz nach vom 1. Jujli bis 15. August, im letzten Jahr war die Jagd allerdings nur vom 1. bis 15. August gestattet worden. Jäger waren angehalten worden, Rücksicht auf den Bestand zu nehmen, ausschliesslich für sich selbst zu fangen und keinesfalls mehr als 100 Vögel zu töten.
Das Naturbüro Südisland hatte im vergangenen Jahr empfohlen die Vogeljagd auszusetzen. In einem Schreiben hatte es gehiessen, der Umwert- und Planungsausschuss haben die Jagd jeodch beschränkt erlaubt. Das Naturbüro wies auf den Bestandsrückgang von 70% seit 1995 hin und bezeichnete die Papageitaucherjagd als nicht nachhaltig. Bei der IUCN ist der Papageitaucher in der roten Rubrik als “vulnerable” (gefährdet) zu finden.
In früheren Zeiten waren Seevögel wie der Papageitaucher oder Alkenvögel eine willkommene Abwechslung der oftmals eintönigen und kargen Kost. Heute gelten Papageitaucher in Restaurants als Delikatesse.

Erste Papageitaucher auf Grímsey gelandet

Die ersten Papageitaucher sind in Island an Land gegangen. Sie wurden in Hafnarhólmi im Borgerfjörður eystri und auf der Insel Grímsey gesichtet, berichtet RÚV.
Halla Ingólfsdóttir, die auf Grímsey ein Tourismusunternehmen betreibt, sagt, sie warte jedes Jahr gespannt auf die bunten Vögel. In diesem Jahr habe sie sich Sorgen gemacht, dass die Papageitaucher später kämen, weil das Wetter so schlecht gewesen sei, doch die Vögel hätten sich pünktlich am Abend des 10. April eingestellt. Im vergangenen Jahr war der Vogel einen Tag zu spät gekommen, weil es am 10. april zu windig zum Landen gewesen war.

Tagebucheinträge zur Vogellandung
Wie pünktlich der Papageitaucher war, weiss man, weil die Leute auf Grímsey über Jahrzehnte Tagebuch geführt hatten, und dort kann man nachlesen dass der Papageitaucher stets am 10. April auf die Insel kommt.
Seit sie vor 20 Jahren auf die Insel zog, habe sich der Bestand der Papageitaucher stark vermehrt, und die Felsen seien so voll, dass die Vögel inzwischen immer weiter auf die Insel hochwandern, um ihre Nester zu bauen. Halla sagt, es gebe jetzt eine Papageitaucherkolonie, die einmal um die ganze Insel reiche.
Der Papageitaucher und der arktische Zirkel sind es, was die Touristen zur Insel lockt. Und im Sommer, so Halla, sei das Vogelleben fast wie im Hitchcockfilm Die Vögel, da seien einfach überall Vögel. Es gebe sogar Papageitauchernester bei ihr unter der Veranda.

Bunter Touristenliebling
Papageitaucher gehören zur Familie der Alkvögel und sind auf der Liste der IUCN als gefährdet aufgeführt. Der bunte Vogel kommt ausschliesslich zur Brut an Land, er legt seine Eier in selbst gegrabene Höhlen auf exponierten Felsen ab, wo er in riesigen Kolonien brütet. Den Rest des Jahres verbringt er auf dem Meer, wobei trotz Beringung und Besenderung nicht ganz geklärt ist, wo sich eigentlich sein Winterquarter befindet.
Die Brut zieht er hauptsächlich mit Sandaal auf, und diese spezialisierte Mahlzeit ist den Küken in manchen Jahren beinahe zum Verhängnis geworden, weil der Sandaal in Island auf dem Rückzug war und tausende von Jungvögeln verhungerten. In den vergangenen Jahren konnte die Papageitaucherpopulation sich jedoch wieder erholen – eine sehr positive Entwicklung, auch weil der Vogel im isländischen Tourismus eine grosse Rolle als Besuchermagnet spielt.

Rückgang von 70% seit 1995
Im letzten Jahr hatte sich der Biologe und Vogelexperte Erpur Snær Hansen recht besorgt über den Zustand der Gesamtpopulation geäussert. Daten aus 2023 hatten auf einen Rückgang von etwa 70% seit 1995 hingewiesen. Zuvor war man von einem Rückgang von nur 40% ausgegangen. Verantwortlich dafür sei eine kontinuierliche Verzögerung beim Nisten und die schlechten Jahre für Jungvögel, die es in den 140 untersuchten Jahren so nicht gegeben habe. Dahinter stehe sei vor allem der Nahrungmangel, der auf die Meereserwärmung zurückzuführen sei. Die Jagd auf Papageitaucher, die immer noch erlaubt ist – der Vogel gilt als Delikatesse in teuren Restaurants – mache rund 10% beim Bestandsrückgang aus.
Man darf gespannt sein, wie Erpur Snær in diesem Jahr die Situation des Papageitaucherbestandes beurteilt.

Jagdverbot für Papageietaucher vorgeschlagen

Die südisländische Naturbehörde schlägt in einem neuen Bericht, einmal mehr, ein völliges Verbot der Jagd auf Papageitaucher vor. Der Bestand liegt schon lange unter der Grenze, wo eine Jagd noch nachhaltig bezeichnet werden kann, und die Aussichten seien schlecht.
Im Bericht der Naturbehörde heisst es, dass das durchschnittliche Wachstum des Bestandes schon seit 1995 aller Wahrscheinlichkeit nach unter der Nachhaltigkeitsgrenze gelegen habe. Prognosen gehen davon aus, dass der Gesamtbestand auch mit einem Jagdverbot im nächsten Jahrzehnt um 10% zurückgehen werde. Bei unveränderter Jagd wird hingegen mit einem Rückgang um 30% gerechnet. Wenn die Jagd auf Papageitaucher doppelt so hoch ausfällt wie bisher, ist damit zu rechnen, dass der Bestand in den kommnden zehn Jahren um die Hälfte zurückgehen wird. Die Behörde schlägt daher vor, die Jagd auf die bunten Vögel solange einzustellen, bis der Bestand über die Zahl der Vögel hinausgewachsen ist, die eines natürlichen Todes sterben.

Futtermangel und Temperaturschwankungen
Wahrscheinlicher Hauptgrund für den Rückgang ist der Futtermangel: Man geht davon aus, dass das Nahrungsangebot in den Überwinterungsgebieten der Papageitaucher um bis zu 50% geschrumpft ist. Im Süden und Westen des Landes gab es kaum noch Sandaal, Hauptnahrungsquelle der Papageitaucher, und ausschliessliches Futter für die Jungen in der Aufzucht. Hinzu kam die Jagd auf die Vögel.
Zählungen zufolge liegt der Bestand bei etwa drei Millionen Paaren. Der Direktor der Naturbehörde und promovierte Biologe Erpur Snær Hansen sagte RÚV gegenüber, man müsse jetzt nicht zwingend alle Vögel zählen, die Zahlen seien nicht exakt, aber in etwa stimmig. Obwohl die Zahl der Papageitaucher in Island in den Jahren 2020 bis 2022 vermutlich zum ersten Mal seitdem Jahr 2000 gestiegen seien, ändere das nichts an der Tatsache, dass das durchschnittliche Wachstum des Bestandes unter dem Grenzwert liege.

Der Bestand folge natürlichen langfristigen Temperaturschwankungen im Ozean: ein 70-jähriger Wechsel mit Kalt- und Warmperioden von etwa 35 Jahren. „Die letzte Warmperiode begann im Jahr 1995, sie dauert immer noch an und dürfte bis etwa 2030 laufen. In Kaltperioden nimmt der Bestand zu, in Warmperioden nimmt er ab.“ erklärt Erpur Snær. Der Futtermangel hingegen ist ein neues Phänomen, das die Situation in der aktuellen warmen Jahreszeit deutlich verschlimmert.

Jagdverbot und fehlender politischer Wille
Erpur Snær erwartet, dass das Naturwissenschaftliche Institut ein Jagdverbot vorschlägt. „Es ist eine Frage von Zukunftssicht und ganz normalem Jagdmanagement. Wie man gerade beim Fischfang sehen können: Die Leute zerstören Bestände ja nicht nur aus Spaß an der Freud.“
Ein Jagdverbot durchzusetzen ist nicht so einfach wie es klingt, weil die Jagd auf Papageitaucher eine Art Naturaleinkommen aus eigenem Land ist, ähnlich wie Angelrechte, da geht es also um Geld und Rechte für den Landbesitzer, beides in Island eine heilige Kuh. Der Umweltminister müsste nicht nur eine Verordnung, sondern gleich das ganze Gesetz ändern, um die Jagd auf Papageitaucher per Naturalbefugnis zu beenden – eine Änderung, die grossen Mut erfordert, und vielleicht, so mutmasst Erpur Snær, sei bislang der politische Wille nicht stark genug gewesen, oder der Druck seitens der Jagdlobby war grösser. „Das ist so als ob sie sich nicht trauen, das Gesetz zu ändern. Das endet ja ganz klar in Ärger und Krach.“

Man weise auch nicht zum ersten Mal auf die ernste Lage hin. Selbst ein Sonderausschuss für nachhaltige Jagd hat den Papageitaucher schon auf der Tagesordnung gehabt, doch ohne Erfolg. „Die haben ihren Job einfach nicht gemacht,“ meint Erpur. Das müsse sich ändern.

Zweifel zugunsten der Tiere
Immerhin wird das Jagdkartensystem überarbeitet. Das Naturwissenschaftliche Institut leitet diese Arbeit, mit neuen Schwerpunkten, sowie Jagd- und Schutzplänen für die Arten, die gejagt werden. Bei der Papageitaucherjagd sei allerdings vielerorts der Topf bereits zerbrochen.
„Das ist keine nachhaltige Jagd. Das Wildtiergesetz besagt aber eindeutig, dass dies der Fall sein muss.“ Da könnten sich die Leute auf den Kopf stellen, Erpur findet, sie müssten den Tatsachen ins Auge sehen.
Allein den Westmännerinseln seien in diesem Jahr 50% mehr Papageitaucher gefangen worden als im Südland angegeben waren. Erpur bezeichnet dies als Mindestzahl, und wenn man sie auf das ganze Land beziehe, sehe die Lage noch viel düsterer aus, nicht zuletzt, weil bei den Jagdkarten ein ziemliches Durcheinander herrsche.

Ganz gleich wie die Bestandszahlen nun wirklich aussehen, der Zweifel sollte Erpurs Ansicht zufolge immer zugunsten der Tiere ausfallen und nicht der Interessensvertretern.
Papageitaucher gelten in der feinen Küche und bei Touristen als Delikatesse, wobei in der Regel nur die Vogelbrust verwendet wird. Für einen Abend im vollbesetzten Restaurant benötigt der Koch also mehr als nur ein paar Vögel.

 

Grímsey-Fähre geht ab 7. Juni in Betrieb

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Die Sommertrips zur Insel Grímsey scheinen gerettet: nachdem Touristen ihre Unterkunft hatten canceln müssen, weil sich die Fähre Sæfari auf dem Trockendock befand, soll der Fährverkehr nun ab dem 7. Juni losgehen, berichtet RÚV.

Die isländische Strassenverwaltung Vegagerðin fungiert dann auch als Betreiber der Fähre. Eigentlich hatte es Mitte April eine Ausschreibung für den Fährbetrieb geben sollen, nachdem der Vertrag mit Samskip am 31. März ausgelaufen war. Der neue Vertrag hätte bis 1. September gegolten, und es war Wunsch der Strassenverwaltung gewesen, dass die Reederei auch weiterhin die Fähre betreibt. Doch bei Samskip hatte man keine Kapazitäten und für eine Ausschreibung war die Zeit dann zu knapp. Daher wurde sie kurzerhand ausgesetzt, stattdessen betreibt nun die Strassenverwaltung das Fährschiff.
Um die in allen Wettern erfahrene Mannschaft zu halten, wurde sie bis zum Jahresende vertraglich gebunden. Im kommenden Somer soll dann eine reguläre Ausschreibung für den Fährbetrieb stattfinden.

Die Sæfari hatte sich seit Anfang April zur Überholung auf dem Trockendock befunden. Aus den veranschlagten sechs Wochen wurden zehn, weil allerhand unerwartete Reparaturen hatten durchgeführt werden müssen. Am kommenden Wochenende soll die Fähre dann fertiggestellt sein und ab Mittwoch den 7. Juni ihren Betrieb zwischen dem Festland und Grímsey aufnehmen.
Die Inselbewohner wird es freuen. Vor einigen Tagen hörte man von der Insel, das es dem Papageitaucherbestand dort im Vergleich zu anderen Regionen sehr gut gehe und man ihn dieser Tage überall auf der Insel zu sehen bekäme.

 

Rätselhaftes Vogelsterben im Westen Islands

In den vergangenen Tagen sind an den Stränden Westislands hunderte von toten Papageitauchern und anderen Seevögeln angespült worden. Woran die Vögel verendet sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Der Leiter des südisländischen Naturkundeinstituts meint, für Futtermangel oder Vogelgrippe spreche nicht viel, es müsse einen anderen Grund geben. Er schlägt ein Verkaufsverbot für Papageitaucher vor, um den Bestand zu schützen. Der Vogel sei lebendig wertvoller als tot, berichtet mbl.is.

An den Stränden Löngufjara und im Borgarfjörður wurden die toten Vögel zu hunderten, wenn nicht sogar tausenden angespült. Die Gebiete sind nicht gerade bekannt für diese Vögel, die bevorzugt in Felsen und Klippen brüten. Der Vogelexperte Jóhann Óli Hilmarsson hatte schon in der letzten Woche gemahnt, das Vogelsterben sehr ernst zu nehmen. Von der Umweltbehörde war allerdings zu hören, dass man derzeit keine Notfallmassnahmen in Betracht ziehe. Man müsse erst mal mit den Kollegen sprechen, nach dem Wochenende, und schauen, ob es sich um die Vogelgrippe handle. “Wenn es das nicht ist, und es gibt keine direkten Hinweise darauf, dann liegen da sicher natürliche Ursachen vor, die das Naturkundeinstitut dann untersucht”, hatte Behördenleiterin Sigrún Ágústsdóttir angegeben.

Vogelsterben zur schlechtesten Zeit
Erp­ur Snær Han­sen, der Leiter des Naturbüros Südislands, sagt, die toten Vögel seien überall zu finden, wenn auch bislang hauptsächlich in der Bucht Faxaflói. Es handle sich um erwachsene Vögel, was er eher ungewöhnlich findet. Inwieweit das Vogelsterben Auswirkungen auf den Gesamtbestand habe, hänge davon ab, wieviele Vögel verendeten und wie verbreitet das Phänomen sei. Er hoffe, dass es sich um ein lokales Ereignis handle. “Das trifft für den Papageitaucher zur schlechtesten Zeit ein, weil es ihm schon seit Jahrzehnten nicht gut gegangen ist,” erklärt der Biologe. Auch Alkvögel und eine grosse Zahl an Dreizehenmöwen sind tot aufgefunden worden. Die kürzlich in Seltjarnarnes gefundenen toten Möwen waren nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Ein anderer Erreger könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, so Erpur.

Futtermangel durch Wellengang?
“Es gibt auch eine andere Ursache, die nicht unwahrscheinlicher ist, und das ist der Futtermangel. Die Dreizehenmöwe ist nämlich an die Wasseroberfläche gebunden, während der Papageitaucher natürlich taucht und zwar tief, der ist bis auf etwa 20 Meter Tiefe zu finden. Aber bei einem Wellengang, wie dort vorhergesagt war, mit acht und neun Meter hohen Wellen, da kann der Sandaal sich eingraben und tiefer schwimmen, die Vögel erreichen ihn da nicht mehr. Das ist das, was dieses Vogelsterben auslöst, auf englisch heisst das “wreck”. Das haben wir in den Jahren 1990, 91, 92 und 93 im Norden erlebt, tausende von Alkvögeln, die tot an den Strand gespült wurden. Das ist so ein Ereignis, wenn es schweres Unwetter gibt und die tagelang kein Futter finden,” erklärt Erpur. Der Papageitaucher verbrenne viel Energie in kurzer Zeit, sodass er ohne Futter innerhalb weniger Tage verhungere.
Nicht ins Bild passe allerdings, dass der Sturm gar nicht so lange gedauert habe. Und draussen auf dem Atlantik, wo die Vögel die meiste Zeit des Jahres erbringen, herrsche oft schlechtes Wetter, die Vögel seien daher so einiges gewöhnt. Er fühle sich an die Zeit erinnert als Basstölpel im letzten Jahr an merkwürdigen Orten auftauchten, und dann erkrankten.
Dennoch halte er einen Hungertod für wahrscheinlicher als eine Infektionskrankheit, auch wenn das eine seltsame Zeit für Hunger sei, immerhin sei der Tisch für Seevögel im Faxaflói reich gedeckt. Man könne jetzt nur auf Ergebnisse aus den Proben warten.

Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig
Erpur wundert sich allerdings über die Apathie der Behörden und deren Unlust, an die Strände zu gehen, Proben zu nehmen und herauszufinden, was da im Gange ist. Man rette damit natürlich keinen Vogel, aber es werfe doch Fragen auf, vor allem wenn es sich um möglicherweise infizierte Kadaver handle, und man vielleicht die Bevölkerung warnen müsste.
Er selber befürworte ein Verkaufsverbot für Papageitaucher, um den schrumpfenden Bestand zu schützen. Vielleicht gerade noch denen die Jagd erlauben, die das Recht als Landbesitzer dazu hätten.
“Eine geschäftsmässige Jagd hat bei sowas nichts mehr verloren. Das ist immer noch der grösste Bestand von allen Vogelarten, und er hält es aus, dass man an ihm nagt, obwohl auch das nicht nachhaltig ist. Aber geschäftsmässig jagen, um das Fleisch an Restaurants und food-malls zu verkaufen, das ist ethisch einfach nicht in Ordnung. Die Leute müssen ihre Haltung mal ein bisschen aktualisieren, wie wir mit der Natur umgehen, das ist ja nicht so als ob wir davon leben. Wir leben eigentlich viel eher davon durch den Tourismus, und der Vogel ist lebendig viel mehr wert als tot,” sagt Erpur.

Vor der Jahrtausendwende hatte es in Island noch um die acht Millionen Papageitaucherpaare gegeben, jetzt werde ihre Zahl auf drei Millionen geschätzt. Es sei auch nicht so, dass es um den Bestand besser bestellt sei, jenachdem ob in einem Gebiet gejagt werde oder nicht. Die Jagdzahlen würden den natürlichen Todeszahlen zugerechnet, die bei derzeit sieben Prozent lägen.
“Wir haben 70% des Bestandes verloren, oder wahrscheinlich sogar mehr,” sagt Erpur. “Das ist gruselig, und nicht etwa so als ob es bei denen nicht ohnehin genug Probleme gebe.”

 

Dramatischer Rückgang beim Papageitaucherbestand

puffins iceland

Der isländische Papageitaucherbestand ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um 70% zurückgegangen. Der Leiter der isländischen Tourismusverbände sieht das als schlechte Nachricht für das Ökosystem und für Unternehmen in der Branche, die den bunten Vogel als eine Art nationales Wahrzeichen vermarkten. Ein Biologe ist der Ansicht, dass die Bestimmung zu Jagd und Verkauf von Papageitaucherfleisch auf den Prüfstand gehört.

Experten von starkem Rückgang überrascht
Immerhin 20% des weltweiten Bestandes brüten auf der Insel, vor allem auf den Westmännerinseln. Der isländische Bestand ist zwar gross im Vergleich zu anderen Vogelarten, vom Rückgang aber schwer betroffen.
In einem Interview mit RÚV erklärte der Biologe Erpur Snær Hansen, dass die letzten Daten auf einen Rückgang von etwa 70% seit 1995 hinweisen. Zuvor war man von einem Rückgang von nur 40% ausgegangen.
“Wir haben die Bestandsentwicklung noch nie zuvor untersucht, und es war ein kleiner Schock, als wir feststellten, dass es viel schlimmer ist als erwartet.”
Die Bestände schwankten zwar von Natur aus, aber die neusten Untersuchungen zeigten ein bisher nicht dagewesenes Muster.
“Der aktuelle Rückgang scheint neu zu sein. Diese so kontinuierliche Verzögerung beim Nisten und die schlechten Jahre für Jungvögel hat es in den 140 Jahren, die wir uns angeschaut haben, nicht gegeben.“ Der Grund, sagt Erpur, sei vor allem ein Nahrungmangel, der auf die Meereserwärmung zurückzuführen sei.

Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig
Zusätzlich ist die Jagd auf Papageitaucher für mindestens 10 Prozent des Bestandsrückgangs verantwortlich.
Erpur betont, dass die Jagd auf Papageitaucher nicht nachhaltig ist, auch wenn die Vögel insgesamt immer weniger gejagt würden. “Grundsätzlich ist eine Jagd schrumpfender Bestände keine gute Philosophie.”
“Im Frühjahr wurde in Zusammenhang mit der Umweltbehörde und Wissenschaftlern darüber nachgedacht, die Auswirkung eines Verkaufsverbotes zu prüfen, weil man sich nicht gerade beeilt, die Vogelart unter Schutz zu stellen. Diese an Landbesitz gekoppelte Art der Jagd scheint eine merkwürdige Ausnahme von normalem Menschenverstand zu geniessen.”

Papageitaucher begeistert Vogeltouristen
Auch die Tourismusindustrie ist besorgt über die Entwicklung. Jóhannes Þór Skúlason, der Vorsitzende der isländischen Tourismusverbände, betonte Vísir gegenüber die negativen Auswirkungen des Bestandsrückgangs auf die Tourismusindustrie:
“Das ist natürlich nicht gut für das Ökosystem und erst recht nicht gut für den Tourismus, der sich den Papageitaucher als Wahrzeichen auf die Fahnen geschrieben hat. Dieser Vogel ist so unglaublich schön und besonders. Im Borgarfjörður eystri das Nisten mitzuverfolgen, in der Reynisfjara, im Westen und auf den Westmännerinseln, das schafft so ein unglaubliches Erlebnis für alle, die Island besuchen. Das wäre wirklich eine Schande, wenn sich der Bestand nicht wieder erholen würde.”
Mancher Tourist komme gar ausschliesslich wegen der Papageitaucher nach Island, so Jóhannes. “Vor allem aus Ländern, wo der Papageitaucher unter Naturschutz steht und daher weniger zu sehen ist.”
Die stetigen Veränderungen in der Biospäre können den Tourismus treffen, meint Jóhannes: “Wir haben schon gesehen, wie sich das Nistverhalten der Küstenseeschwalben verändert, wie sie Brutgebiete umziehen, da gibt es allerhand Grund zur Besorgnis.”

 

Erste Papageitaucher auf Grímsey gelandet

Der Papageitaucher ist auf der Insel Grímsey angekommen. Am gestrigen Ostersonntag wurden die ersten Vögel an einem Felsen gesichtet, und man darf davon ausgehen, dass sich die Kolonie in den kommenden Tagen weiter bevölkern wird, wenn die Vögel ihre Bruthöhlen graben und alles für den Sommer vorbereiten, berichtet RÚV.

Halla Ingólfsdóttir von Tourismusunternehmen Arctic Trip sagt, man habe den Papageitaucher eigentlich erst heute erwartet. “Ich war sicher, dass er am 10. April kommt und hatte auf der Webseite einen Countdown gestartet,” meint Halla. “Ich war mir so sicher, dass er dann kommen würde, und war schon ein bisschen aufgeregt, bis dann die Nachricht kam, dass er gesehen worden war, und dann war ich natürlich glücklich, dass er sogar vor dem Zeitplan gelandet ist.”
Die Ankunft der bunten Vögel wird in ganz Island von Einheimischen wie Besuchern sehnlich erwartet. Und in den kommenden Tagen werden dann immer mehr landen.
“Ich bin nach Süden zum Leuchtturm gegangen und auch ans Ufer, und an beiden Stellen war er schon. Gestern ist es so windig gewesen, dass er sich meist im Flug befand, und dann sah man ihn landen und wieder losfliegen. Er lässt sich also jetzt nieder.” freut sich Halla.

Bunter Touristenliebling
Papageitaucher gehören zur Familie der Alkvögel und sind auf der Liste der IUCN als gefährdet aufgeführt. Der bunte Vogel kommt ausschliesslich zur Brutsaison an Land, er legt seine Eier in selbst gegrabene Höhlen auf exponierten Felsen ab, wo er in riesigen Kolonien brütet. Den Rest des Jahres verbringt er auf dem Meer, wobei trotz Beringung und Besenderung nicht ganz geklärt ist, wo sich eigentlich sein Winterquarter befindet.
Die Brut zieht er hauptsächlich mit Sandaal auf, und diese spezialisierte Mahlzeit ist den Küken in manchen Jahren beinahe zum Verhängnis geworden, weil der Sandaal in Island auf dem Rückzug war und tausende von Jungvögeln verhungerten. In den vergangenen Jahrn konnte die Papageitaucherpopulation sich jedoch wieder erholen – eine sehr positive Entwicklung, auch weil der Vogel im isländischen Tourismus eine grosse Rolle als Besuchermagnet spielt.

Gute Brutsaison für Islands Papageitaucher

In der diesjährigen Brutsaison ist eine hohe Zahl von Papageitaucherküken gezählt worden. Am augenfälligsten ist der Brutboom auf den Westmännerinseln, wo die Küken ihr Gewicht haben verdoppeln können. Unter anderem gibt es in diesem Jahr mehr Futter für die bunten Vögel, sagte der Ornithologe Erpur Snær Hansen in einem Gespräch mit Iceland Review.

Fünffach höhere Überlebenschance für schwerere Küken
“Die Brutsaison ist im ganzen Land sehr gut verlaufen, und es ist schön zu sehen, wieviele Küken es gibt,” sagt Erpur. Auf den Westmännerinseln leben fast 40 Prozent aller isländischen Papageitaucher. In den vergangenen 15 Jahren war die Zahl der Vogelart um 44 Prozent zurückgegangen. “Eine starke Brutsaison hat da grosse Auswirkungen, wenn es zuvor viele schwierige Jahre gegeben hat. Auf den Westmännerinseln gibt es dieses Jahr um die 700.000 Papageitaucherküken, von denen die allermeisten überleben werden.”

Besonders erfreut ist er über das Gewicht der Küken. Papageitaucherküken können zu Beginn der Brutsaison 200 bis 250 Gramm wiegen. In diesem Jahr wurde das erste Küken mit 359 Gramm gewogen, das schwerste brachte rekordverdächtige 429 Gramm auf die Waage. Gewicht kann der alles entscheidende Faktor beim Überleben sein, erklart Erpur. Ein 350 Gramm schweres Küken hat viel mehr Chancen, seinen ersten Winter zu überleben als ein 250 Gramm schweres Küken. Diese Küken dürften also ihren ersten Winter fast alle überleben.

Einer der Gründe für den guten Zustand der Jungvögel ist der bessere Zugang zu Futter. “Es gibt Sandaal und auch eine Menge nordischen Krills,” erklärt Erpur. In den Jahren seit 2005 hatte es vor allem entlang der Südküste nur wenig Sandaal gegeben, auch wenn der nordische Krill die Jungvögelzahlen seit 2017 wieder hatte ansteigen lassen.
Krill und Sandaal fressen Plankton, welches aus der Algenblüte im Frühjahr stammt. Vor der Südküste setzt die Algenblüte seit etwa 15 Jahren später als sonst ein. “Um das Jahr 2005 begann die Alge zwei Wochen später mit der Blüte als gewöhnlich. Wir wissen noch nicht, warum das so war, aber in diesem Jahr begann die Blüte früher und zu einer Zeit, die wir als normal bezeichnen würden. Das scheint ausgesprochen positive Auswirkungen auf den Sandaal zu haben.”

Kleine Temperaturunterschiede, grosse Auswirkungen
Auch die Meerestemperatur spielt eine Rolle. Erpur erklärt, dass sie an der Südküste in den vergangenen 35 Jahren zwischen warmen und kalten Perioden gewechselt hat. Zur Zeit befindet sich das Meer in einer Wämeperiode, die 1996 begann. Der Papageitaucherbestand entwickelt sich besser in kälteren Perioden, auch wenn nicht die Temperatur selbst der ausschlaggebende Faktor ist.
“Während der kalten Periode gibt es mehr Meerestiere in isländischen Gewässern, es gibt mehr Nährstoffe im Meer, die Fische werden grösser und insgesamt gibt es mehr Futter. Wir sehen, dass es während dieser Perioden, wo das Meer kälter ist, viel mehr Papageitaucherküken gibt.”

Neuste Forschungen, die diese warmen und kalten Zyklen bis in das Jahr 1880 untersucht haben, zeigen auf, dass selbst kleinste Veränderungen der Meerestemperatur grosse Auswirkungen auf die Brutsaison der Papageitaucher hat. “Wir sehen, dass bei der jährlichen Durchschnittstemperatur von 7 Grad nur ein einziger Grad weniger oder mehr ausreicht, um den Kükenbestand der Papageitaucher um 55 Prozent sinken zu lassen. Und das passiert eigentlich bei allen isländischen Seevögeln.”

Auch wenn der Papageitaucher immer noch gefährdet ist, hat er sich doch in den vergangenen Jahren erholen können. “Das hängt vor allem davon ab, wie es auf den Westmännerinseln läuft, wo der Bestand die grösste Fluktuation gezeigt hat. Wir hatten jetzt ein paar gute Jahre, aber jetzt müssen wir mal abwarten, ob sich das weiter fortsetzt.”

Lundey im Kollafjörður unter Naturschutz gestellt

Lundey island puffins Reykjavík

Die Insel Lundey im Kollafjörður vor den Toren von Reykjavík ist gestern unter Naturschutz gestellt worden, berichtet Vísir. Auf der kleinen Insel brüten Seevögel, die auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen, unter anderem der Papageitaucher, von dem die Insel ihren Namen hat.
Damit soll dieses Brutgebiet für die Zukunft geschützt werden, immerhin suchen um die 10.000 Papageitaucherpaare die Insel während der Brutzeit auf. Der Papageitaucher steht auf der isländischen Liste der stark gefährdeten Arten. Auch die auf Lundey brütende Gryllteiste und Eiderente sind auf dieser Liste zu eingetragen.
In der Vegetation finden sich Vogelmiere, Wiesenrispe, Sauerampfer, Schwingelgras und Butterblume, es gibt jedoch auch breite Flecken der seltenen Mischung aus Segge und Vogelmiere.

Lundey befindet sich in Staatsbesitz, vorher hatte die Insel dem dänischen König gehört. Sie liegt im inneren Bereich des Kollafjörður zwischen Geldinganes und Brimness in Kjalarnes. Das unter Naturschutz gestellte Gebiet hat eine Fläche von 1,74 Quadratkilometern, dazu gehören die Insel selbst, die Strände, das Flachwasser und der Meeresboden um die Insel herum. Die Nachbarinseln von Lundey, Þerney und Engey, befinden sich schon lange auf der Liste der Naturdenkmäler, die Insel Akurey war im Jahr 2019 unter Schutz gestellt worden.

Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hatte den Naturschutzstatus gestern bei einem offiziellen Akt auf der Insel Viðey unterzeichnet.
“Akurey im Kollafjörður war das erste Gebiet, welches in einer Naturschutzaktion, die ich im Jahr 2018 lanciert habe, unter Schutz gestellt wurde, und nun ist die Reihe an die Schwesterinsel Lundey gekommen. Sie trägt ihren Namen mit Recht, denn die Insel ist ein wichtiges Lebens- und Brutgebiet des Papageitauchers, der zu den bedrohten Arten gehört, und der Naturschutzstatus führt dazu, dass die Art hier in Island bewahrt wird.” heisst es in einer Erklärung des Ministers.
Die Entscheidung, Lundey unter Schutz zu stellen, geschehe mit Seitenblick auf die Berner Konvention zum Schutz bedrohter Arten in Europa, auf Verträge zu Biodiversität und den Ramsar-Verträgen, die auch für das Vogelleben internationale Gültigkeit haben.

 

Erste Papageitaucher des Jahres in Island angekommen

puffin

Der Papageitaucher ist in Island angekommen und hat seine ersten Brutgebiete bezogen, berichtet RÚV. Beobachtet wurde er auf der Insel Grímsey und in Hafnarhólmi im Borgarfjörður eystra.
Im Süd- und Westland ist der bunte Vogel etwa zwei Wochen später als sonst unterwegs, und der Ornithologe Erpur Snær Hansen wartet schon gespannt darauf, ihn auf den Westmännerinseln zu beobachten.
Die ersten waren dort gestern Abend gelandet und hatten sich schon mal nach einem Nistplatz umgeschaut.

Der Bestand der Papageitaucher war vor allem im Süden des Landes extrem zurückgegangen, doch in den vergangenen vier bis fünf Jahren habe man eine Erholung beobachtet, sagt der Leiter des isländischen Naturkundeinstitutes. “Es ist nicht insgesamt gut geworden, aber es läuft darauf hinaus. Und die Westmännerinselnhaben vermutlich den grössten Anteil daran,” meint Erpur.

Er hofft, dass Krill, welches das bisherige Futter des Papageitauchers, den Sandaal, ersetzt hat, auch weiterhin in den Gewässern vorhanden sein wird. Dann würde es dem Vogel gutgehen.
“Da hat sich nämlich herausgestellt, dass in der Tat alles hier auf den Inseln und im ganzen Land eigentlich durch das Futterangebot gesteuert wird.” erklärte Erpur.