Menschenhandel: Gastronomiebranche will mehr Überwachung

Der Geschäftsführer des Gastronomieverbandes verlangt, dass die Arbeitsplatzkontrolle verstärkt wird. Restaurantbetreiber hätten sich nach den umfangreichen Polizeimassnahmen im Zusammenhang mit einem möglichen Menschenhandel in den Lokalen des Davíð Víðarsson (Quang Lé) in der vergangenen Woche schockiert gezeigt.

25 Opfer von Menschenhandel
Bei der Razzia waren acht Personen festgenommen worden, gestern kam ein neunter hinzu. Sechs von ihnen sitzen seit Donnerstag in Untersuchungshaft.
Elín Agnes Kristínarsdóttir, die stellvertretende Kommissarin der Ermittlungsabteilung, gab Vísir gegenüber an, es gebe rund 25 Opfer, Männer wie Frauen. Im Verlauf der Razzia waren Restaurants, Gästehäuser und Hotels langfristig geschlossen worden. Es liegt der Verdacht organisierter Kriminalität vor.

„Das ist natürlich alarmierend, und die Tatsache dass organisierte Kriminalität ein solches Ausmass erreicht hat, wiegt schwer,“ sagte Aðalgeir Ástvaldsson, der Geschäftsführer des Gastronomieverbandes. Man habe sich gewünscht, dass da früher eingegriffen worden sei.

Kontrolle ohne Uniform
Zur Zeit wird die Arbeitsplatzkontrolle von Polizisten und Steuerprüfern in Uniform durchgeführt, und zwar immer dann wenn am meisten zu tun ist. In der Branche war schon länger gefordert worden, diese Kontrollen zu weniger betriebsamen Zeiten und ohne Uniform durchzuführen.
Aðalgeir ist ebenfalls dieser Ansicht. „Man denke da auch an das Erlebnis der Gäste, denn diese müssen ja Vertrauen haben, und wir müssen die Atmosphäre in den Restaurants schützen. Wir sind durchaus bereit, uns an der Überwachung zu beteiligen, wenn es um Menschenhandel und illegale Geschäftsaktivitäten geht, aber man sollte die Methoden überdenken,“ sagt Aðalgeir.
Auch die vom Verbraucherverband vorgeschlagene Kennzeichnung von Lokalen mittels Emojis findet Aðalgeir eine gute Sache. In London etwa sehe man Daumen, in Dänemark die Smileys, an so etwas wolle man sich gerne beteiligen.

Mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt dank neuer Realität

Suspect

Eine neue Realität präsentiert sich in den Verbrechen, mit denen die Polizei zu tun hat. Damit ist die gleiche Situation enstanden wie in anderen Ländern schon seit längerem, sagt der Leiter der isländischen Landespolizei, Karl Steinar Valsson, Vísir gegenüber.

Nach dem schweren Überfall auf ein Nachtlokal in der vergangenen Woche, bei dem 30 maskierte Männer auf Gäste eingestochen hatten, war die Polizei rigoros vorgegangen, Angaben zufolge waren noch niemals zuvor soviele Personen gleichzeitig verhaftet worden. Immer noch sitzen zehn Personen in Untersuchungshaft, der jüngste von ihnen ist 17 Jahre alt, der älteste um die 40. Vor ein paar Tagen hatte es dann einen weiteren Überfall auf ein Privathaus gegeben, bei dem ein Brandsatz geworfen wurde.

Sowohl die britische als auch die amerikanische Botschaft hatten ihre Landsleute vor einer möglichen Zuspitzung der Lage in Downtown Reykjavík gewarnt, wo offenbar eine Art Bandenkrieg zwischen zwei Gruppen tobt, und zu Vorsicht und Besonnenheit aufgerufen, . Karl Steinar betont, dass der Allgemeinheit keine Gefahr durch diese Kämpfe drohe. Aber auch die isländische Polizei habe die Bevölkerung gut über die Entwicklung aufgeklärt und sei involviert.
Organisierte Kriminalität stelle dennoch eine Bedrohung für Gesellschaft und Einzelpersonen dar, auch wenn sie sich zunächst gezielt gegen einzelne Personen richte.
Die Polizei hatte angekündigt, an diesem Wochenende deutliche Präsenz in der Innenstadt zu zeigen und auf alles vorbereitet zu sein.

„Das ist nun exakt die gleiche Lage wie in den anderen nordischen Ländern,“ sagte Karl Steinar. „Wir sehen leider immer mehr Vorfälle, wo Waffen im Spiel sind, auch ernsthafte Vorfälle.“ In dieser neuen Realität gelte es, vorsichtig und aufmerksam zu sein.
Bei Hausdurchsuchungen hatte die Polizei eine Vielzahl an Waffen beschlagnahmt, darunter nicht nur Messer, sondern auch Schusswaffen.
Vorgestern war dann ein Videoclip von dem bewaffneten Überfall an die Öffentlichkeit geraten. Es handelte sich um einen Mitschnitt aus den Aufnahmen der Überwachungskamera. Auch hier ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft, ob und wie das Video aus der Amtsstube in die sozialen Medien hatte geraten können.

Drei Verletzte nach Überfall auf Reykjavíker Nachtclub

death in Reykjavík investigated

Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Nachtclub in der Reykjavíker Bankastræti sind gestern Abend drei Personen durch Messerstiche verletzt worden, vier Personen wurde festgenommen. Um die 25 maskierte Personen waren in den Nachtclub eingedrungen, die meisten von ihnen werden noch polizeilich gesucht. Die Verletzten befinden sich nicht in Lebensgefahr.

Margeir Sveinsson, der stellvertretende Leiter der Hauptstadtpolizei sagte RÚV gegenüber, auch wenn die Anzahl der Messerattacken generell zugenommen habe, so sei ein Angriff in dieser Grössenordnung beispiellos.
“Wir haben bislang nicht so eine organisierte Aktion erlebt, oder so eine Gruppe, die sich dahingehend organisiert, dass sie dort hingeht, um jemanden anzugreifen, der sich im Haus befindet,” erklärte Margeir. Die Männer, die in den Club eindrangen, trugen alle Gesichtsmasken. Nicht alle hatten das Gebäude betreten.
Die Polizei war bewaffnet und unterstützt von der schwerbewaffneten Spezialeinheit ausgerückt.

Vier aus der Gruppe wurden gefasst und von der Polizei verhört, weitere Informationen liegen nicht vor. Für die Bevölkerung bestehe jedoch keine Gefahr, für Angriffe dieser Art gebe es in der Regel einen bestimmten Grund. Die Polizei prüft derzeit, ob es sich um eine Rachaktion handelt oder um eine Tat im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität.