Wale: Radioaktives Material im Ohrenschmalz bestätigt Alter von Bartenwalen

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Bislang hat es Wissenschaftlern Probleme bereitet, das genaue Alter von Bartenwalen festzustellen, und man behalf sich damit den Ohrenschmalz der Wale zur Altersbestimung zu benutzen. Nun konnte festgestellt werden, dass die Methode dennoch korrekte Ergebnisse liefert, und ausgerechnet radioaktives Material aus lange zurückliegenden Atomtests brachte die Bestätigung.

Einer neuen Studie des Meeresbiologen Dr. Guðjón Már Sig­urðsson vom isländischen Marineforschungsinstitut in Zusammenarbeit mit Sigríður Vala Finnsdóttir und Steven E. Campana ist zu entnehmen, dass die Radiokarbondatierung atomaren Materials zur Altersbestimmung von Grosswalen herangezogen werden kann.
„Nicht nur ist es ungewöhnlich, Atombomben für diese Zweck zu nutzen, es ist auch ungewöhnlich, dass der Ohrpfropfen der Wale gemessen wird, denn an ihm wird das Alter der Wale bestätigt.“
Normalerweise wird zur Altersbestimmung von Wirbeltieren das Zahnmaterial herangezogen. Das funktioniert aber beim Bartenwal nicht, denn er hat keine Zähne, und so war es bislang nicht möglich gewesen das Alter von zB Finnwalen ganz genau bestimmen zu können. Ein ungefähres Alter hatte mit der Analyse des sogenannten Ohrpfropfens ermittelt werden können, eine schmalzige Masse, die sich ähnlich wie Jahresringe im Ohrkanal ablagert.

Bis zu 114 Jahre alt
Die Radiokarbondatierung war zuvor schon bei der Altersbestimmung von Korallen und langlebigen Fischen benutzt worden, denn die Menge des radioaktiven Materials war in der Atmosphäre und in den Weltmeeren mit den Atombombentests der siebziger und achziger Jahre angestiegen.
In der Studie ist nun das radioaktive Material in dem Ohrenschmalz dreier in isländischen Gewässern erbeuteter Meeressäuger untersucht worden. Die Analysen zeigten anhand der Menge des Materials, dass die Wale zwischen 65 und 85 Jahren alt waren. Sie sind damit die ältesten Bartenwale, die auf ihr Alter untersucht worden sind. Ältere Ohrenschmalzstudien hatten gezeigt, dass Finnwale bis zu 114 Jahre alt werden können.

Hormone und Schadstoffe sitzen ebenfalls im Ohrenstöpsel
Der Walphysiologe Stephen Trumble hatte schon früher auf dem Gebiet des Ohrenpfropfens geforscht. Ihm war es gelungen, Hormone und Schadstoffe in dem „Datenspeicher“ der Wale zu analysieren, und er konnte nachweisen, in welchem Lebensabschnitt der jeweilige Wal die Schadstoffe, wie etwa Quecksilber, in seinem Körper anreicherte.
Japanische Forscher hatten in Walerzeugnissen Kadmium und Quecksilbermengen gefunden, die um das bis zu 1.600-Fache über dem offiziellen Grenzwert lagen.