Hubschrauber der Küstenwache kann wegen Ruhezeit nicht im Dauerensatz sein

Gestern morgen hatte der Hubschrauber der Küstenwache nicht abheben können, um Verletzte aus einem Busunfall im Öræfi abzutransportieren, weil keine Besatzung zur Verfügung stand, berichtet mbl.is. Die Besatzung befand sich in der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeit und wollte nicht einspringen.
Seit vier Jahren verhandeln Islands Berufspiloten mit dem Staat um einen neuen Tarifvertrag, und es wird immer schwieriger, Leute aus der Ruhezeit zum Dienst zu rufen.

Ásgeir Erlendsson, der Pressesprecher der Küstenwache, gab mbl.is gegenüber an, der Hubschrauber sei für den Busunfall angefordert worden, weil es sich um einen langen Transportweg für die Verletzten gehandelt habe, nicht etwa weil die Verletzungen so schwer gewesen seien. Drei Insassen seien mit dem Krankenwagen nach Höfn gefahren worden und von dort per Krankenflugzeug nach Reykjavík geflogen. Keiner von ihnen hatte schwere Verletzungen davongetragen.

Langer Dienst im Lawinengebiet
Die Hubschrauberbesatzung hatte in den vergangenen Tagen wegen der Lawinensituation in den Ostfjorden lange Dienste verrichtet und war von acht Uhr morgens bis zum nächsten Morgen beinahe dauerhaft im Einsatz gewesen, unter anderem um eine Schwangere aus dem von Lawinen eingeschlossenen Neskaupstaðir ins Krankenhaus zu fliegen. In der gleichen Nacht hatte der Hubschrauber einen Einsatz am Eyjafjallajökull fliegen müssen, wo zwei Touristen aus einer Felswand abgestürzt waren.
Nach Angaben der Küstenwache stand nur ein Hubschrauber bereit, und statt zwei Besatzungen gab es nur eine. Die beiden anderen Hubschrauber befinden sich in Reparatur. In der Vergangenheit sei es immer gelungen, so Ásgeir, den Hubschrauber aus Gutmütigkeit zu besetzen, also Leute aus der vorgeschriebenen Erholungspause zu rufen. Das sei diesmal nicht gelungen und gestalte sich wegen des andauernden Tarifstreites auch immer schwieriger.

Mehr Einsätze als Mannschaft
Dabei werden die Unfälle ja nicht weniger. Gestern Abend ereignete sich im Lawinengebiet der Ostfjorde ein Verkehrsunfall, bei dem zwei Fahrzeuge frontal zusammengeprallt waren. Die Touristen, die in dem einen Fahrzeug sassen, blieben unverletzt, die Insassen des anderen Fahrzeugs, Einheimische, trugen kleinere Verletzungen davon und wollten sich heute selbst ins Krankenhaus begeben. Ein Kranwagen hatte die beiden verkeilten Fahrzeuge auseinanderziehen müssen.

Am vergangenen Wochenende ereigneten sich gleich drei Unfälle mit Motorschlitten, einer auf dem Langjökull, einer an den Jarlshettur, und einer im Norden des Landes. Der Hubschrauber hatte den Unfall im Norden nicht bedienen können, weil er im Süden unterwegs war. Zum Glück war der Verunfallte im Svarfaðardalur nicht allzu schwer verletzt und konnte im Krankenwagen transportiert werden.

Schlammlawine am Öræfajökull

Eine Schlammlawine ist gestern abend auf den Hof “Hof” im Bezirk Öræfi gefallen und kurz vor dem Strommast und dem Wohnhaus zum Halten gekommen, berichtet mbl.is. In der Lawine befanden sich auch Geröll, sowie entwurzelte Birken aus dem Wäldchen oberhalb des Hofes.

Die Bewohner des Hofes sagten mbl.is, die Lawine habe sich aus dem Hofsfjall oberhalb der Länderei gelöst und sei den Hang Litlahvammur heruntergerutscht. Nicht zum ersten Mal: zwischen den Jahren 1940 und 1950 sei eine riesige Schlammlawine dort heruntergekommen und kurz vor den als Schaf- und Pferdestall genutzten alten Torfhäusern zum Stehen gekommen. Kleinere Lawinen seien danach immer mal wieder abgegangen. Daher hatten die Bewohner ein Bett für Wasser- und Schlammmassen, sowie einen Damm angelegt, doch all das Lawinenbett muss sich mit Wasser, Schlamm und Schneematsch gefüllt haben, mit dem Effekt dass die Massen über die Kante geschossen sind, glaubt Örn Bergsson von Hof. Er schätzt die Lawine auf eine Breite von 10 Metern.

“Wir kennen ja die Geschichte, daher sind wir immer in Habachtstellung, wenn es viel geschneit hat und danach stark taut,” meint er. Nun müsse man das Lawinenbett neu ausgraben, um den Hof zu schützen. Für diesmal glaubt er, dass die Gefahr vorüber sei.

Seine Frau Brynja Kristjánsdóttir berichtet, die Schlammmassen seien gestern abend gegen 18 Uhr niedergegangen und kurz vor dem Strommast zum Halten gekommen. Aus Furcht vor weiteren Lawinen hätten sie die Nacht nicht in ihrem Haus verbracht. Nicht nur Geröll habe sich im Schlamm befunden, sondern auch entwurzelte Birken, die vor Jahren oberhalb des Hofes in einem Wäldchen als Lawinenschutz angepflanzt worden waren. Brynjas Fotos von den Schäden kann man im Nachrichtenlink anschauen.