EFTA-Regulierungsbehörde untersucht Walfang in Island

pollution, whaling, whale, whaling ships, Hvalfjörður

Die EFTA-Regulierungsbehörde (ESA), die überwacht, ob Bestimmungen aus dem europäischen Wirtschaftsraum in den EFTA-Staaten Island, Norwegen und Liechtenstein eingehalten werden, will den Walfang vor der isländischen Küste näher untersuchen. Der isländische Naturschutzbund verlangt von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, die Jagdlizenz des Walfangunternehmens einzuziehen und hat das Unternehmen bei der Polizei angezeigt, berichtet RÚV.

Im Jahr 2021 hatte MAST dem Unternehmen eine unbefristete Genehmigung für die Zerteilung, Tiefgefrierung und Lagerung der Walprodukte erteilt. Diese Genehmigung ist abhängig davon, ob das Unternehmen die rechtlichen Erfordernisse erfüllt. Der isländische Naturschutzbund verlangt, dass diese Genehmigung widerrufen wird. Katrín Oddsdóttir, die Anwältin des Naturschutzbundes, sagte RÚV, der geforderte Widerruf basiere auf der Überzeugung, dass Hvalur hf. während der Verarbeitung der erlegten Wale eben nicht die Gesetze und Bestimmungen befolgt.
“Wir haben Berichte von verschiedenen Quellen verlangt, und es stellt sich heraus, dass die Dinge in vieler Hinsicht nicht laufen wie sie sollten, sowohl was die Jagd angeht als auch die Verarbeitung der Produkte etwa.”

Walfleischproben bakteriell belastet
RÚV zufolge hatte die westisländische Gesundheitsbehörde bereits im letzten Jahr eine unzureichende Verschmutzungsprävention in der Walschlachtungsanlage angemahnt. Dabei ging es um einen fehlerhaft aufgestellten Öltank und eine ungeschützte Frischwasserquelle.
“Auch die Hygiene in der Anlage selbst scheint nicht gerade vom besten zu sein, wie einem Report von MAST zu entnehmen ist,” gab Katrín an. Die erlegten Wale werden mit Behördenerlaubnis unter freiem Himmel zerteilt. Bei von MAST genommenen Fleischproben wurde eine den Grenzwert überschreitende Bakterienbelastung gefunden. “Was natürlich sehr ernst ist, hier geht es um Lebensmittelsicherheit …. und das ist der Grund, warum wir den Fall an die EFTA-Regulierungsbehörde gemeldet haben.”

ESA untersucht isländischen Walfang
Von der ESA verlautete heute, dass man die Tätigkeit des Walfangunterehmens unter die Lupe nehmen werde. Katrín sagte RÚV, sie hoffe, dass es noch vor Beginn der Jagdsaison Mitte Juni ein Ergebnis gebe. “Wir hoffen natürlich, dass wir da Hilfe von ausserhalb bekommen, um auf die Absurdität des Walfangs in der Moderne hinzuweisen.”
Katrín zufolge habe eine “administrative Coabhängigkeit” in Island bislang einen Widerruf der Jagdlizenz verhindert. “Es gibt da eine Tendenz bei den Behörden, über Verstösse und Dinge, die nicht nach den Bestimmungen laufen, einfach mal hinwegzusehen. Bei Bestimmungen zu Trinkwasser oder Verschmutzungsprävention wird die Sache aber richtig ernst.” RÚV zufolge hat der Naturschutzbund das Walfangunternehmen Hvalur hf bei der Polizei angezeigt.

Am morgigen Samstag fndet in Reykjavík eine Antiwalfangveranstaltung statt, bei der unter anderem die Sängerin Björk auf der Bühne zu sehen sein wird. Die Initiatoren verlangen von der Regierung, den Walfang sofort zu verbieten.

 

Walfang: Isländischer Naturschutzbund meldet Jagdlizenz an EFTA

whale, hvalur, hvalaskoðun, whale watching

Der isländische Naturschutzbund hat die Jagdlizenz für das Walfangunternehmen Hvalur hf an die Aufsichtsbehörde der EFTA gemeldet. Die Anwältin des Naturschutzbundes ist der Ansicht, dass diese Lizenz gegen geltende Bestimmungen in Europa verstösst und hofft auf eine schnelle Reaktion.
Hvalur hf hält für diese Saison noch eine gültige Jagdlizenz. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte geäussert, es müsse schon viel passieren, damit diese Lizenz nach der Saison erneuert werde. Die derzeitige Jagdlizenz war im Jahr 2019 vom damaligen Minister Kristján Þór Júlíusson ausgestellt worden. Nachdem vor zwei Wochen brisante Fakten aus den Jagden im letzten Sommer veröffentlicht worden waren, hatte die Ministerin angegeben, ein sofortiger Lizenzentzug sei nicht möglich.

Klage wegen Tatenlosigkeit der Regierung
Nun also soll die EFTA prüfen, ob diese Jagdlizenz europäischen Bestimmungen entspricht. Mit der Meldung protestiert der Naturschutzbund gegen die Tatenlosigkeit der Regierung, die diese Jagd weiter erlaubt, obwohl Daten für eine Verletzung des Tierschutzgesetzes vorliegen, gab die Anwältin des Naturschutzbundes, Védís Eva Guðmundsdóttir, Vísir gegenüber an. Man gehe davon aus, dass die Lizenzerteilung nicht den europäischen Bestimmungen zu Tierwohl und Lebensmittelsicherheit entspreche.
“Ausserdem kommt Island seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und der EES-Gesetzgebung zur Kohlenstoffemission nicht nach. Wir halten es für offensichtlich, dass mit dieser Jagderlaubnis sowohl Tierwohl als auch Lebensmittelsicherheit und Klimaverpflichtungen gefährdet sind.” Man habe bei der ESA um eine beschleunigte Bearbeitung gebeten, da die Waljagd in wenigen Wochen beginnen soll. “Wenn die Ministerin nicht reagiert, hoffen wir dass die Aufsichtsbehörde der EFTA, die auch Aufsicht über Island führt, schnell reagiert,” so Védís.

Die Walfanglizenz ist damit die zweite der ESA vorliegenden Tierschutzklagen aus Island. Erst in der vergangenen Woche war im Ministerium ein Schreiben eingegangen, wonach die isländische Regierung mit ihrem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten gegen die Richtlinie der EFTA zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere verstösst. Im Fall der Blutstuten hat Island zwei Monate Zeit, um auf den Brief zu reagieren.

Irischer Premier spricht Walfang an
Der Walfang war auch beim gerade vergangenen Europagipfel in Reykjavík in einem Gespräch zwischen dem irischen Premierminister Leo Vardakar und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir thematisiert worden. Vardakar hatte auf die kürzlich veröffentlichte Studie zum langen Todeskampf von Walen hingewiesen, und dass die Ergebnisse Aufsehen und Entsetzen hervorgerufen hätten. Er habe die Waljagd nicht kritisiert, sondern nur angesprochen. Katrín Jakobsdóttir habe ihm gesagt, es sei noch unklar, ob es für die kommenden Jahre eine neue Jagdlizenz geben werden, doch sollte das der Fall sein, dann könnte die Lizenz strengere Voraussetzungen in Bezug auf das Tierwohl enthalten als bisher.
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte kürzlich wissen lassen, dass sein Unternehmen an neuen Tötungsmethoden arbeite, mit denen die Jagd effizienter werde. Unter anderem teste man eine zusätzlich mit Strom geladene Harpune.

Vardakar zufolge sei die Irische See eine Art Schutzzone für Wale, und dort sei die Zahl der Wale und Delphine in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies sei wichtig für den Tourismus und die Biodiversität. Man wolle anderen Ländern nicht vorschreiben, wie sich sich zu verhalten hätten, so Vardakar, man wolle über Zusammenarbeit reden, immerhin teile man das Meer miteinander, damit sei die Biodiversität ein Diskussionsthema für alle.