Jökulsá á Fjöllum verliert Naturschutzstatus

Jökulsá á Fjöllum

Gestern hat der Oberste Gerichtshof die Entscheidung des damaligen Umweltministers Guðmundur Ingi Guðbrandsson aufgehoben, das Wassereinzugsgebiet der Jökulsá á Fjöllum vor der Nutzung zur Energieerzeugung zu schützen. Damit hat das Gericht eine Entscheidung des Bezirksgerichts Ostislands aufgehoben, welches den Schutzstatus zuvor bestätigt hatte. Der Fall war direkt beim Obersten Gerichtshof angefochten worden, was eine gewisse Vorstellung davon vermittelt, welche Bedeutung das Ergebnis hat.

Naturperle am Nationalpark
Das betroffene Gebiet umfasste das Wassereinzugsgebiet und den Fluss südlich der Brücke bei Ásbyrgi, der Schutzstatus erfolgte im Einklang mit dem Rahmenplan zu Schutz und Energienutzung von Regionen und war vor fünf Jahren im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Ásbyrgi unterzeichnet worden. Das Umweltministerium hatte seinerzeit verkündet, dass dies das erste Gebiet sei, welches vor der Nutzung zur Energieerzeugung geschützt werde.
Am gleichen Tag hatte Guðmundur Ingi auch eine Verordnung unterzeichnet, mit der der Nationalpark Vatnajökull um Ásbyrgi erweitert wurde. Im Juni des Jahres waren die Herðubreið und Herðubreiðarlindir dem Nationalpark hinzugefügt worden.
Der Fluss Jökulsá á Fjöllum, so hiess es in einer Mitteilung, sei bedeutsam dafür, wie seine Wasserkraft die Schlucht Jökulsárgljúfur geformt habe, wo sich gleich mehrere isländische Naturperlen befinden.

Naturschutz verletzt Eigentumsrechte
Die Landeigentümer der Höfe Brú 1 und Brú 2 im Múlaþing hatten Berufung gegen die gerichtliche Entscheidung Einspruch erhoben und forderten eine Aufhebung des Naturschutzstatus. Die beiden in der Region geplanten Wasserkraftwerke Arnardalsvirkjun und Helmingsvirkjun befanden sich seit dem Jahr 2013 in der Schutzkategorie des Rahmenenergieplanes. Mit dem Naturschutzstatus für die Jökulsá á Fjöllum waren beiden Kraftwerksprojekte vom Tisch.

Der Oberste Gerichtshof ist nun der Ansicht, dass der Naturschutz einer Rechtsgrundlage entbehre, vielmehr stellte es eine Verletzung der gesetzlich geschützten Interessen jener Parteien fest, die Wasserrechte am Fluss halten. Allerdings war es nicht der Ansicht, dass der damalige Umweltminister aufgrund seiner Tätigkeit für die Naturschutzorganisation Landvernd befangen gewesen ist. Zwei Richter im Gremium hatten dahingehend votiert, dass das Verfahren weder angemessen gewesen sei noch dass es an einer Rechtsgrundlage für den Schutz des Gebiets fehle, sodass die richterliche Entscheidung nicht einstimmig gefallen ist.

Bessastaðanes unter Naturschutz gestellt

Die Halbinsel Bessastaðanes im Skerjafjörður ist gestern offiziell unter Naturschutz gestellt worden, auf Wunsch des Präsidentenamtes und des Stadtrates von Garðabær. Islands Staatspräsident Guðni Th. Jóhannesson begrüsste es, dass Naturschutz- und Naherholungsaspekte bei der Entscheidungsfindung federführend gewesen sind. Die Leiterin der isländischen Umweltbehörde bezeichnete den neuen Schutzstatus als bedeutungsvoll für die Biodiversität.

“Wir schützen hier zum Wohle des menschlichen Lebens, der Naturdenkmäler und der Natur. Bessasaðanes ist sehr beliebt und die Menschen gehen hier gerne spazieren, joggen, fahren Rad und reiten, und wir möchten sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen diese Landqualitäten hier genießen können. Abgesehen davon, was nicht weniger wichtig ist, gibt es hier eine vielfältige Vogelwelt, und wir wollen dafür sorgen, dass dies auch weiterhin so bleibt,“ sagte Guðni Th. Jóhannesson.  Auch die Moore in Bessastaðanes werden in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. “Wenn also im Frühjahr die Ringelgans nach Island kommt, dann findet sie dort weiterhin einen sicheren Ort, und auch im Herbst, wenn sie von hieraus nach Norden weiterzieht.”

Kein Flugplatz, kein Wohnblock
Guðni sagte, der Mensch habe Umgebung und Natur von Bessastaðir durchaus seinen Stempel aufgedrückt. Damit es möglich ist, so harmonisch wie nur möglich mit der Natur zu leben, habe man das Gebiet nun unter Schutz gestellt. “Hier wird es keinen Flugplatz geben, und hier wird es keine Wohnblocks geben, und hier wird im Großen und Ganzen alles so bleiben, wie es jetzt ist.” bekräftigte Guðni.
Tatsächlich hatte es im 20. Jahrhundert Überlegungen gegeben, in Bessastaðanes einen Inlandsflughafen zu bauen. Doch gerade weil die Gegend so ein wunderbares Naherholungsgebiet sei, hätte er es, so der Präsident, als grosse Sünde empfunden, wenn andere Aspekte als Naturschutz und Naherholung die Oberhand gewonnen hätten. Guðni selbst ist begeisterter Läufer und oft mit anderen Läufern in Bessastaðarnes anzutreffen.
Durch den Natrschutzstatus soll es zu keinen Einschränkungen kommen.“Was wir brauchen, um diese Natur genießen zu können, ist, dass sie da ist. Der Schutz erfolgt also keineswegs so, dass wir dieses Gebiet irgendwie abzäunen und unberührt lassen, ganz und gar nicht, wir wollen, dass die Menschen diese Naturperle nutzen,“ sagt Guðni.

Weitere Strände sollen folgen
Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarson hatte den Naturschutzstatus gestern Morgen unterzeichnet. “Das ist ein grosser Freudentag und sehr wichtig, dass wir auch in den Städten an Naturschutz und Umweltschutz denken,” sagte der Minister. “Hier gibt es viel Leben und viel Natur, und hier ist ein Lebensraum der Vögel, und hier gibt es unberührte Strandabschnitte.” Er bezeichnete es als vorbildhaft, dass Präsidentenamt und Stadtrat sich ans Werk gemacht und dafür gesorgt hätten, dass das Gelände das auch weiterhin als Naherholungsgebiet genutzt werden könne. Er hoffe dass andere Gemeinden im Hauptstadtbereich dem Beispiel folgten.
Die Direktorin der Umweltbehörde, Sigrún Ágústsdóttir, betonte die grosse Bedeutung des Naturschutzes für die Biodiversität, nicht nur für die Natur selbst, und etwa die Ringelgans, sondern auch als Naturlehrpfad für die Hauptstadtbewohner.
Der Naturschutzstatus für Bessastaðanes war seit 2004 in Bearbeitung gewesen.

Lundey im Kollafjörður unter Naturschutz gestellt

Lundey island puffins Reykjavík

Die Insel Lundey im Kollafjörður vor den Toren von Reykjavík ist gestern unter Naturschutz gestellt worden, berichtet Vísir. Auf der kleinen Insel brüten Seevögel, die auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen, unter anderem der Papageitaucher, von dem die Insel ihren Namen hat.
Damit soll dieses Brutgebiet für die Zukunft geschützt werden, immerhin suchen um die 10.000 Papageitaucherpaare die Insel während der Brutzeit auf. Der Papageitaucher steht auf der isländischen Liste der stark gefährdeten Arten. Auch die auf Lundey brütende Gryllteiste und Eiderente sind auf dieser Liste zu eingetragen.
In der Vegetation finden sich Vogelmiere, Wiesenrispe, Sauerampfer, Schwingelgras und Butterblume, es gibt jedoch auch breite Flecken der seltenen Mischung aus Segge und Vogelmiere.

Lundey befindet sich in Staatsbesitz, vorher hatte die Insel dem dänischen König gehört. Sie liegt im inneren Bereich des Kollafjörður zwischen Geldinganes und Brimness in Kjalarnes. Das unter Naturschutz gestellte Gebiet hat eine Fläche von 1,74 Quadratkilometern, dazu gehören die Insel selbst, die Strände, das Flachwasser und der Meeresboden um die Insel herum. Die Nachbarinseln von Lundey, Þerney und Engey, befinden sich schon lange auf der Liste der Naturdenkmäler, die Insel Akurey war im Jahr 2019 unter Schutz gestellt worden.

Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hatte den Naturschutzstatus gestern bei einem offiziellen Akt auf der Insel Viðey unterzeichnet.
“Akurey im Kollafjörður war das erste Gebiet, welches in einer Naturschutzaktion, die ich im Jahr 2018 lanciert habe, unter Schutz gestellt wurde, und nun ist die Reihe an die Schwesterinsel Lundey gekommen. Sie trägt ihren Namen mit Recht, denn die Insel ist ein wichtiges Lebens- und Brutgebiet des Papageitauchers, der zu den bedrohten Arten gehört, und der Naturschutzstatus führt dazu, dass die Art hier in Island bewahrt wird.” heisst es in einer Erklärung des Ministers.
Die Entscheidung, Lundey unter Schutz zu stellen, geschehe mit Seitenblick auf die Berner Konvention zum Schutz bedrohter Arten in Europa, auf Verträge zu Biodiversität und den Ramsar-Verträgen, die auch für das Vogelleben internationale Gültigkeit haben.

 

Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt

Der isländische Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hat gestern mit seiner Unterschrift den Felsen Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt. Látrabjarg ist einer der grössten Vogelfelsen in Europa. Ziel des neuen Schutzstatus für den Felsen ist es, die besondere und vielseitige Fauna des Gebietes und den Lebensraum der Vögel zu schützen, berichtet Vísir.

Im Jahr 2004 hatte das Parlament den Naturschutzplan 2004 bis 2008 beschlossen, seitdem war der Schutzstatus von Látrabjarg in Arbeit gewesen. Guðmundur Ingi unterzeichnete das Dokument zusammen mit den Vertretern von Bjargtangi, einem Verein der Land und Sommerhausbesitzer von Hvallátra in der Nähe des Felsens.

In einer Mitteilung des Umweltministeriums hiess es, dass sich am Látrabjarg ein breites Spektrum an Vögeln findet, welches unter anderem an dem vielseitigen Nahrungsangebot liegt. In dem Gebiet befindet sich das grösste Seevogelbrutgebiet des Landes und das grösste Brutgebiet der Tordalken weltweit. Sehr viele Arten brüten am und um den Felsen herum, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, wie der Papageitaucher und der Tordalk. Ausserdem befinden sich am Látrabjarg schützenswerte Siedlungsreste und Kulturdenkmäler. Auch die geologische Geschichte der Westfjorde spiegle sich in dem Felsen.

Minister und Vertreter von Bjargtangi unterschrieben ebenfalls eine Absichtserklärung zu Sachfragen rund um den neuen Naturschutzstatus und zur Zukunftsentwicklung der Region.

 

Kerlingarfjöll unter Naturschutz gestellt

Kerlingarfjöll mountains.

Die Gebirgskette Kerlingarfjöll und das umliegende Gebiet sind heute unter Naturschutz gesetzt worden, berichtet mbl.is. Eine entsprechende Urkunde wurde von der heute ausnahmsweise amtierenden Umweltministerin Svandís Svavarsdóttir unterzeichnet.

Die Kerlingarfjöll gehören zu den schönsten Regionen des Landes und stellen ein beliebtes Ausflugsgebiet dar. Im Jahr 2016 war eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Gemeinden Hrunamannahreppur und Skeiða-og Gnúpverjahreppur, sowie der Freunde der Kerlingarfjöll gegründet worden, die den Schutzstatus der Region vorbereitet hatte.

Vier Kraftwerksprojekte in der Schutzkategorie des Energieplanes liegen im Bereich des neuen Naturschutzgebietes: Hverabotn, Neðra-Hveradalir, Kisubotn und Þverfell. Der Umweltminister hatte zuvor gesagt, man strebe an, noch in diesem Jahr sämtliche Gebiete unter Naturschutz zu stellen, wo sich Kraftwerksprojekte in der Schutzkategorie befinden. Der Naturschutz des 344 Quadratkilometer grossen Gebietes rund um die Kerlingarfjöll war jedoch ein umfangreiches Vorhaben gewesen, sodass man erst mal nur diese vier Kraftwerksprojekte im aktuell gültigen Energieplanes bearbeiten konnte.

“Wir sind sehr glücklich an diesem Tag, denn mit dem Schutzstatus ist eine Zeitenwende eingetreten, zum Wohle von Land und Volk,” sagte Hildur Vésteinsdóttir, die Projektleiterin der Abteilung für Naturschutz und Planung bei der Umweltbehörde.

Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hatte die Unterzeichnung seiner Amtskollegin Svandís überlassen, weil er Vorsitzender der Umweltschutzorganisation Landvernd gewesen war, als die Arbeitsgruppe gebildet wurde. Landvernd hatte unter seinem Vorsitz seinerzeit ein positives Gutachten zum geplanten Schutzstatus eingereicht.

Geplanter neuer Nationalpark im Hochland stösst auf Protest

Energieunternehmen und einige Gemeinden protestieren energisch gegen einen neuen Vorschlag, den Naturschutz im isländischen Hochland auszuweiten, berichtet RÚV.

Das Ministerium für Umwelt und Resourcen hatte vorgeschlagen, dass ein neuer und vergrösserter Nationalpark den bereits bestehenden Nationalpark Vatnajökull (Europas grösster Nationalpark), sowie 85 Prozent des zentralen Hochlands umfassen soll.

Im April vergangenen Jahres hatte das Ministerium einen Ausschuss gebildet, welcher aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie Vertretern des isländischen Gemeindeverbandes besteht. Nach Einschätzung des Ausschusses würde eine Ausweitung der Grenzen des geschützten Gebietes in keinster Form den neuen Status des Vatnajökull Nationalparks als Bestandteil des Wetkulturerbes behindern.

Der Vorschlag auf samráðsgatt.is kann noch bis zum 13. August öffentlich kommentiert werden.

Auch wenn der isländische Gemeindeverband an der Erarbeitung des Vorschlags beteiligt war, sind viele Gemeinden als Grenzanrainer zum Nationalpark der Ansicht, dass sie nicht angemessen konsultiert worden sind.

Ásta Stefánsdóttir, die Gemeindevorsteherin von Bláskógabyggð in Südisland, sagt, es sei Aufgabe der Arbeitsgruppe, Vorschläge zum neuen Nationalpark zu machen, aber nicht die Vor- und Nachteile eines solchen abzuwägen. Ihre Gemeinde findet, diese Arbeit müsse erst noch kommen. Der aktuelle Vorschlag sei ein Eingriff in die Grenzpolitik von Gemeinden.

Es gibt grosse Gebiete im Hochland, die innerhalb des Bláskógabyggð liegen, und Bauern und Einwohner haben eine Menge Arbeit darin investiert, Land urbar zu machen, zum Beispiel, indem sie Reitwege ausgewiesen haben und den Verkehr dort hin lenken etc., und damit sicherstellen, dass die Leute keine empfindlichen Regionen betreten und ähnliches. Die Leute sind besorgt, weil wenn da eine Art zentralisierte Behörde, eine Art Regierungsbehörde, das alles kontrolliert, dass dies in gewisser Weise die freiwillige Arbeit beschneidet, die die Leute geleistet haben.”

Von Landeigentümern Bauern und anderen Landnutzern sind nach Aussage von Ausschussvorsitzendem Óli Harðarsson bereits eine Vielzahl von Anmerkungen und Kritikpunkten eingegangen, schreibt RÚV.

Dem Regionalblatt dfs.is war in der vergangenen Woche in einer Ankündigung der obersten Planungsbehörde zu entnehmen, dass in der Gemeinde Hrunamannahreppur (im Süden des geplanten grossen Nationalparks) 11 alte und bestehende Wander- und Viehtreiberhütten bis hin zum Naturschutzgebiet Þjórsárver unterhalb des Hofsjökull für einen touristischen Ausbau angedacht sind.

Im Bláskógabyggð befinden sich sechs solcher Hütten bereits in der Planungsphase. Für den gesamten Bereich würden diese 17 Hütten etwa 500 Übernachtungsplätze samt infrastrukturellem Ausbau im geplanten Nationalpark schaffen.

Kritik und Anmerkungen dazu können noch bis zum 14. August (für die 11 Hütten), sowie bis zum 4. September (für die sechs Hütten) an die zuständige Planungsbehörde eingereicht werden.

Doch nicht nur Einheimische sehen die Ausweitung des Nationalparks kritisch. Auch Energieunternehmen haben ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Samorka, der Verband der Energieversorger in Island, sagt, dass mit neuen Schutzmassnahmen sämtliche neue Generationen an Energieformen und Energietransport in so gut wie dem halben Land untersagt würden. Damit wären derzeitige Gesetze zum Schutz der Energiegewinnung irrelevant.

Der nationale Energiekonzern Landsvirkjun betonte, es sei wichtig dass alle Kraftwerke auserhalb der geschützten Bereiche zu liegen kämen. Die Nutzung der Energieresourcen im Hochland hätten grosse wirtschaftliche Bedeutung für das ganze Land. Im Hochland produzierte erneuerbare Energie stelle nicht nur die Grundlage für die isländische Wirtschaft sondern auch für die heutige Lebensqualität dar.

Einer Befragung aus dem Jahr 2018 nach sprachen sich 63 Prozent aller Isländer für die Schaffung eines ausgeweiteten Nationalparks im zentralen Hochland aus, berichtete RÚV im vergangenen Jahr. 75 Prozent der Befürworter waren der Ansicht, dass ein Nationalpark im zentralen Hochland Orte schützen würde, die bislang keinen Schutz geniessen, 68 Prozent waren der Ansicht, ein solcher Nationalpark würde das Verständnis für den Wert der Region steigern.

Auch 9000 Touristen waren für diese Statistik befragt worden, 300 von ihnen hatten ein Interview gegeben. Aus diesen Daten ging hervor, dass die Touristen bei der Attraktion “Hochland” vor allem die einzigartige und kaum berührte Natur, die Einfachheit, Stille und die Menschenleere schätzten.

 

Fjaðrárgljúfur: Ranger schickt Touristen zurück

Die törichte Strampelei des kanadischen Popsängers Justin Bieber auf den Felsen der Schlucht Fjaðrárgljúfur und die Sperrung des Geländes durch die isländischen Umweltbehörden haben es in massgebliche ausländischen Medien geschafft.

Seit dem Jahr 2015, als Bieber sein Musikvideo veröffentlichte, in welchem er über die Felsen an der Schlucht tanzte, in der Gletscherlagune badet, mit dem Skateboard über das Flugzeugwrak fährt und sich im Moos der Eldhraun wälzte, ist der Touristenstrom in die bis dato kaum bekannte Schlucht nicht abgerissen.

Im britischen Telegraph gibt es ein Interview mit dem Ökologen Daniel Frey Jónsson von der Umweltbehörde zu lesen. Das Tauwetter der letzten Wochen, so sagt er, habe dazu geführt, dass die Pfade und das umliegende Gras sich in ein einziges Schlammfeld verwandelt hätten Natürlich würden Touristen den Matsch vermeiden, und noch weitere Grasflächen betreten und vermatschen. Dies habe Schäden an der Grasnarbe verursacht.

In einem Gespräch mit RÚV sagte Daníel, er sei zuversichtlich, dass die Schlucht Anfang Juni wieder geöffnet werden köne, wenn die Grasnarbe sich zum grössten Teil erholt habe.

Rund um das Gebiet der Fjaðrárgljúfur ist nun ganzjährig ein Ranger unterwegs, er hat, wie RÚV schreibt, alle Hände voll damit zu tun, ausländischen Tiuristen zu erklären, dass es derzeit nicht erlaubt ist, an den Rand der Schlucht zu gehen. Täglich müsse man um die 200 Mietwagen zur Umkehr bringen.

Sie verbringe jeden Morgen damit, die Touristen, die bereits an den Schilderm vorbei in den Canyon gelaufen sind, einzusammeln und zum Auto zurückzubringen.

Die ausländischen Gäste, die die Schlucht sehen wollten, seien in der Regel Fans von Justin Bieber oder von der Serie Game of Thrones.

Bieber habe sich über sämtliche Schilder, Absperrungen und Seile hinweggesetzt. Genau das wollten seine Fans wiederholen. Wie Rangerin Hanna Valdís Jóhannsdóttir RÚV gegenüber sagt, hätte so mancher sogar versucht, sie zu bestechen, um in die Schlucht zu gelangen.

Im vergangenen Jahr haben etwa 300.000 Gäste die Schlucht Fjaðrárglúfur besucht.

Fünf touristische Perlen in grosser Gefahr

Fünf sogenannte Perlen der isländischen Natur befinden sich auf der Roten Liste der Umweltbehörde und damit in echter Gefahr der nachhaltigen Zerstörung. Drei von ihnen stehen nicht unter Naturschutz.

Ólafur A. Jónsson, Bereichsleiter bei der Umweltbehörde, fordert Massnahmen für diese und noch weitere touristische Regionen. “Das sind alles Regionen, wo die Umweltbehörde aktiv ist und darauf hinweist, dass dort Mängel vorliegen und dass man dort über Aufbau und Organisation nachdenken muss,” sagte Ólafur RÚV gegenüber.

Die Behörde hatte gestern ein Gutachten über die Touristenorte vorgestellt. Er sei doch erstaunt gewesen, so Ólafur, wie wenige Orte sich auf der Roten Liste befänden und in grosser Gefahr seien.

Es geht dabei um folgende touristische Highlights:

Dettifoss, Rauðifoss, Geysir, Hverasvæðið in den Kerlingarfjöll und Gjáin im Þjórsárdalur.

Das Gutachten war für 104 touristische Orte in Island erstellt worden. Fünfzehn dieser Orte stehen auf der orangefarbenen Liste und laufen Gefahr, ihre Schutzwürdigkeit zu verlieren. Es bedarf hier Massnahmen, um dem entgegen zu wirken. Dazu gehören der Álafoss, Landmannalaugar und der Laugavegur, das Herðubreiðarfriðland und Grafarlönd, die Skógaheiði am Skógafoss, Hveravellir und die Höhle Rauðhólar.

Ólafur sagt, man müsse sich um diese Orte besser kümmern. An vielen Stellen müsse man die Infrastruktur und das Management der touristischen Schwerpunkte verbessern.

Drei der Orte auf der Roten Liste, die sich in grosser Gefahr befinden, stehen nicht einmal unter Naturschutz.

Das sind Gebiete, die unter einer hohen Besucherbelastung leiden. Sie werden nicht direkt durch jemanden beaufsichtigt und sind bei der Ausschüttung von Finanzmitteln meist unter ferner liefen gelandet,” erklärt Ólafur.

Das ist je nach Art und Geografie des Gebietes unterschiedlich, woran der Blick hängenbleibt. Manche der Gebiete sind ganz neu in der Liste. Die müssen dann das ganze Procedere durchlaufen, Organisation, Schutzwürdigkeit, Aufsichtsplanung, Aufbau und all sowas.”

Strenges Regelwerk für Hornstrandir in Kraft getreten

Am vergangenen Freitag sind neue gesetzliche Regeln zu Naturerhalt und Management der geschützten Region Hornstrandir in Kraft getreten, berichtet RÚV.

Den neuen Regeln zufolge ist Camping ausserhalb gekennzeichneter Gebiete verboten. Die Regeln beschränken auch den Zugang von Kreuzfahrtschiffen aus. Diese und weitere Regeln sollen dafür sorgen, dass die Region für künftige Generationen so unberührt wie möglich erhalten bleibt.

Hornstrandir ist im Jahr 1975 unter Naturschutz gestellt worden. Die neuen Regeln sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Landbesitzern vor Ort, Planungsbehörden und der isländischen Umweltbehörde. Sie überarbeiteten den gesamten Naurschutzplan für die Hornstrandir und legten einen Aktionsplan für drängende Schutzprojekte fest, der nach Prioritäten geordnet bis 2023 abgearbeitet werden soll.

Die Reisegewohnheiten haben sich seit der letzten Überprüfung der Regeln sehr verändert, wie Kristín Ósk Jónasdóttir von der Umweltbehörde erklärt. Sie machten eine Überarbeitung dringend notwendig.

Nun ist es Besuchern nicht mehr gestattet, in den Hornstrandir frei zu zelten. Sie müssen für eine Übernachtung extra ausgewiesene Bereiche aufsuchen, wo Sanitäranlagen aufgestellt worden sind.

Auch das Mitbringen eines Fahrrades oder Hundes in die Hornstrandir ist nun verboten. Ausnahmen gelten hier für Anwohner des Schutzgebietes, die einen Hund besitzen, sowie für Rettungs- und Diensthunde.

Auch die Gruppengrösse wird begrenzt: Maximal 30 Personen sind nun im westlichen Teil des Naturschutzgebietes auf einmal erlaubt, im östlichen Teil dürfen nur 15 Personen auf einmal vor Ort sein. Grössere Gruppen benötigen eine explizite Genehmigung durch die Umweltbehörde.

Das Anlanden von Kreuzfahrtschiffen mit mehr als 50 Passagieren ist nicht mehr gestattet.

Die Küstenwache muss Navigationskarten überarbeiten, damit jeglicher Schiffsverkehr mindestens 115 Meter von allen Seevogelkolonien entfernt verläuft. Fotografieren und Filmen ist nur noch mit einer Genehmigung der Umweltbehörde möglich. Beides kann negative Auswirkungen sowohl auf das Erlebnis von Mitreisenden wie auf das Tierleben selbst haben.

Die Stille des Reservates sei wichtig, so Kristín Ósk. Daher sind auch Dronen und Hubschrauber innerhalb der Region verboten.

Das Landen von Kleinflugzeugen ist nur innerhalb ausgewiesener Gebiete erlaubt.

In Wirklichkeit versuchen wir, das Reservat so unberührt wie möglich zu erhalten, und was wir in den vergangenen Jahrzehnten getan haben, sollte auch kommenden Generationen möglich sein.”

 

Walfang liegt nicht im Interesse Islands

Japans Entscheidung, die internationale Walfangkommission IWC zu verlassen und ab dem kommenden Sommer den Walfang wieder kommerziell zu betreiben, wird wahrscheinlich einen Einfluss auf den Export von isländischem Walfleisch nach Japan haben, sagte Árni Finnsson, der Vorsitzende des isländischen Naturschutzverbandes RÚV gegenüber.

Der Schritt der Japaner hatte bereits Kritik in der internaionalen Staatengemeinschaft geerntet, ebenso jedoch Islands Verbleib im Walfanggewerbe, so Árni. Walfleisch aus Island wird auf dem isländischen Markt angeboten, aber auch nach Japan exportiert. Japan kauft auch Walfleischprodukte aus Norwegen.

Am vergangenen Dienstag hatte der britische Guardian über die Ankündigung des japanischen Regierungssprechers Yoshihide Suga berichtet, sein Land werde sich am 30. Juni aus dem IWC verabschieden und nach 30 Jahren den Walfang in eigenen Gewässern wieder aufnehmen.

Seit dem Jahr 1986 ist der kommerzielle Walfang international verboten.

Auch Island wird einen steigenden internationalen Druck verspüren, den Walfang ein für alle Mal zu den Akten zu legen, glaubt Árni. Japans Entscheidung wird es für die isländische Regierung auch erschweren, Fangquoten für Wale auszugeben, deren Fleisch nach Japan verkauft wird.

“Ich denke, die Zeit des Walfangs ist lange vorbei, und es gibt wirklich keine Nachfrage für dieses Produkt in Japan. Island hat jedes Interesse, die Meere zu schützen, und internationale Schutzmassnahmen gegen Übersäuerung der Meere, Klimawandel und Verschmutzung zu unterstützen und zu stärken,” sagte Árni. Um seine Kooperation und Solidarität im Kampf gegen den Kllimawandel sichtbar zu gestalten, müsse Island gute internationale Beziehungen unterhalten.

Der Walfang, so Árni, wende sich direkt gegen die Interessen des Landes.