Reykjanesausbruch: Lava glich einem orangefarbenem Dettifoss

Die Lavabesucher, die das Glück besassen, am frühen Donnerstagmorgen auf dem Fagradalsfjall zu sitzen, wurden für ihre Mühen mit einem Naturschauspiel belohnt: sie erlebten mit, wie sich ein glühender Schwall frischer Lava über einen Berg in die Tiefe ergoss. Zum Glück für die Daheimgebliebenen nahm der Geologe Daníel Páll Jónasson den Anblick auf Video auf:

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“Das war als ob man neben einem orangefarbenen Dettifoss stehen würden,” beschrieb Daníel sein Erlebnis. Dettifoss ist der mächtigste Wasserfall Europas.
Daníel ist seit Beginn des Ausbruchs regelmässig in den Geldingadalir gewesen. Das Video entstand bei seinem 27. Besuch, und immer noch empfindet er den Anblick des Vulkanausbruchs berührend. “Unglaublich, danebenzustehen. Total wild.”

Die Lava ergoss sich über eine Anhöhe in die Syðri-Meradalir, von dort aus fliesst sie nach Nátthagi. Der Professor für Vulkanologie, Þorvaldur Þórðarsson, erklärt, nun sei Nátthagi wieder aktiv, und man warte darauf, dass die Lava den Schutzwall am Ende des Tales überwinde. Bei der jetztigen Geschwindigkeit rechne man mit zwei Wochen bis zu dem Ereignis. Vom Schutzwall aus ist es nur noch ein kurzes Stück zum Suðurstrandavegur, und zum Meer. Auf diese möglichen Ereignisse hatten sich Behörden und Einsatzkräfte schon vor einigen Wochen intensiv vorbereitet.

Mbl.is veröffentlichte heute auch ein neues Drohnenvideo des Fotographen Björn Steinbekk, welches Eindrücke über die Grösse des Ausbruchsgebietes vermittelt.

 

Reykjanesausbruch: Lava überwindet Wälle und läuft nach Nátthagi

Nachdem am Vormittag Besucher davor gewarnt wurden, sich im Tal Nátthagi aufzuhalten, war es dann gegen 13 Uhr soweit und es trat ein, was die Einsatzkräfte seit gestern erwartet hatten: die Lava aus dem Fontänenkrater in den Geldingadalir hatte die Schutzwälle im Namenlosen Tal überwunden und sich auf den Weg in das nächste Tal, Nátthagi, gemacht, berichtet Vísir. Von hier aus ist es noch eine gute Strecke bis zum Suðurlandsvegur, sagt Bogi Adolfsson, der Leiter des Grindavíker Rettungsteams. Aber die Lava ströme und sie mache Strecke.

Die Ingenieurin Hörn Hrafnsdóttir, die mit den Konstruktionsarbeiten am Schutzwall betraut gewesen war, meint, es könne ein paar Wochen dauern, bis Nátthagi sich gefüllt habe und die Lava den Suðurstrandavegur erreiche. Allerdings hätten Vulkanologen angemerkt, dass Lava meist keine weite Strecke laufe, wenn sie unterwegs abkühle, sodass es eine Chance gebe dass sie sich irgendann von selber aufstaue. Es könne auch durch sich gegenseitig speisende Lavaseen ein neues Gleichgewicht entstehen, aber es sei schwer, solche Vorhersagen zu treffen.

Elías Halldór Ólafsson hat den kritischen Moment, als die Lava das Hindernis überwindet, mit seiner Kamera aufgezeichnet und bei Facebook veröffentlicht.

Gestern hatten die Einsatzkräfte Lava versuchsweise über eine Strecke Glasfaserkabel laufen lassen, welches nur etwa 70 Zentimeter tief im Boden lag, um zu schauen, ob das Kabel Schäden davonträgt. Doch die Sendequalität blieb unverändert erhalten, berichtet Vísir.

Hörn bezeichnete das Ausbruchsgebiet als eine Art Versuchsgeländen wo Wissenschaftler und Einsatzkräfte für die Zukunft lernen könnten, falls das Eruptionskapitel auf der Halbinsel Reykjanes weitergehe.

 

Reykjanesausbruch: Schutzwall geplant, um Lava vom Suðurstrandavegur wegzulenken

Der Vulkanausbruch in den Geldingadalir, dessen Lavafeld in der vergangenen Woche den Namen Fagradalshraun erhalten hatte, ist inzwischen zweimal so kräftig wie zuvor. Das hatten letzte Messungen des geologischen Institutes ergeben. Der Zivilschutz befindet sich in Alarmbereitschaft, um einen Schutzwall aufzuschütten, damit die Lava nicht in das Tal Nátthagi läuft und von dort aus auf den Suðurstrandavegur, berichtet Vísir.
Mit dem veränderten Rhythmus und der hochschiessenden Fontäne hat sich auch die Fördermenge der Lava erhöht. Inzwischen können 13 Kubikmeter pro Sekunde gemessen werden, zuvor waren es acht Kubikmeter gewesen.

Auf einem 3D Modell des Naturkundeinstitutes ist zu erkennen, dass die Lava sowohl die Geldingadalir gefüllt hat, als auch in ein namenloses Seitental der Meradalir gelaufen ist. Dorthin und hinab in die Meraldalir läuft zur Zeit auch die meiste Lava. Nátthagi ist nur einen Abhang davon entfernt, doch dort will niemand die Lava haben.
“Dann läuft sie auf den Suðurstrandavegur, und dann hat das ernsthafte Auswirkungen auf die Infrastruktur, also auf die Strasse und den Verkehr,” erklärte Rögnvaldur Ólafsson,der stellvertretende Leiter des isländischen Zivilschutzes der Polizei.

(Screenshot Vísir)

Einen Schutzwall hat man bereits entworfen. Rögnvaldur schätzt, dass die beidseits des namenlosen Tals vorgesehenen Wälle an die vier Meter hoch ausfallen. Man könne schweres Gerät ohne lange Vorwarnzeit in das Tal bringen und die Wälle aufschütten.
“Am Freitag war es fast soweit gewesen. Da strömte erneut Lava in das namenlose Tal und wir sassen in den Startlöchern, um damit zu beginnen.” Doch dann stellte sich die Lavamenge als geringer heraus, ausserdem floss sie in eine andere Richtung, sodass das Vorhaben erst mal gestoppt wurde.

Lavabomben und Gasgefahr
Heute hatte sich auch der wissenschaftliche Beirat des Zivilschutzes getroffen. In einer Mitteilung des Rates hiess es, die Gesamtfläche der Lava betrage inzwischen 1,78 Quadratkilometer, mit einem Gesamtvolumen von 30,7 Millionen Kubikmetern. Mit dem vermehrten Lavafluss steige auch die ausströmende Gasmenge.

In den vergangenen Tagen war die Lavafontäne bis zu 300 Meter in die Höhe geschossen. Bei einer Windstärke von 15 m/s können da Lavabomben bis zu 600 Meter weit fliegen. Die glühenden Brocken haben an einigen Stellen bereits Moos und Vegetation in Brand gesetzt. Der entstehende Qualm ist stark kohlenmonoxidhaltig. Feuerwehrleute würden Atemmasken benutzen, wenn sie sich in das Gebiet begeben müssten, hiess es in der Mitteilung.

Für alle, die das Spektakel aus der Ferne beobachten, gibt es eine neue Webcam von Vísir, die auf die Fontäne ausgerichtet ist, und die nach Bedarf gedreht werden kann. Betrachter in Island werden gleichzeitig mit Musik versorgt.