Hohe Feinstaubbelastung in Akureyri

Akureyri

Feinstaubbelastung in Akureyri gefährdet die Gesundheit der Einwohner, die Stadtverwaltung widmet dem durchaus bekannten Problem jedoch nicht genügend Aufmerksamkeit, das ist die Ansicht einer Forscherin an der Universität Akureyri.
Sobald der Schnee weggeschmolzen ist und die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen, steigt die Feinstaubbelastung, schon seit Jahren. An den schlimmsten Tagen liegen die Messwerte so hoch, dass Kinder und Personen mit Herz- und Atemwegserkrankungen das Haus nicht verlassen sollten. Selbst gesunden Menschen wird dann von sportlichen Aktivitäten abgeraten.

Höchste Werte im ganzen Land
Untersuchungen in stark belasteten Städten wie Peking oder Mexiko-Stadt hätten gezeigt, dass eine solche Feinstaubbelastung tstächlich die Gesundheit gefährden kann. “Es gibt eine höhere Fallrate an Lungenkrebs in diesen Städten. Es gibt eine höhere Rate an Asthmaerkrankungen bei Kindern und so weiter. Man kann das an Tagen wie heute sehen, dass die Zahl der Klinikeinweisungen steigt,” erklärt die Hochschulprofessorin Yvonne Höller.
Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Luftverschmutzung von den Strassen komme, die benagelten Winterreifen hätten grossen Anteil an der Zerstörung des Asphalts und der Luftverschmutzung, berichtet RÚV.
Zahlen der Umweltbehörde zufolge ist Akureyri sogar die Stadt mit der höchsten Feinstaubbelastung im ganzen Land. Im Jahr 2020, so heisst es in einem neuen Report der Behörde, wurden in der Strandgata am Hafen die höchsten Durchschnittswerte für Feinstaub und die meisten Tage mit hoher Belastung gemessen.

Stadtverwaltung ist am Ball
Von der Stadtverwaltung hiess es, man halte das Problem für sehr ernst und habe fünf weitere Messstationen in der Stadt aufgebaut, um ein besseres Gesamtbild zu erhalten. Ausserdem arbeite man daran die Strassen zu reinigen. Die Bürger seien aufgefordert, ihr Auto stehen zu lassen. Die Benutzung der Busse ist in Akureyri im gesamten Stadtbereich kostenlos.
Bislang gibt es keine Pläne, den Verkehr in besonders belasteten Gebieten einzuschränken.
Die Feinstaubbelastung war auf der letzten Stadtratssitzung aber immerhin Tagesordnungpunkt, und man hat sich darauf verständigt, einen Aktionsplan auszuarbeiten. Die Einschränkung des Individualverkehrs steht auf dieser Liste, Entscheidungen wurden bislang jedoch nicht getroffen.

In Reykjavík bestehen ganz ähnliche Probleme, und immer wieder wird auf die Problematik der Nagelreifen hingewiesen. Aber auch in der Hauptstadt hat es diesbezüglich nur diffuse Pläne und Ideen zu Strafgebühren gegeben, aber keine konkreten Massnahmen, um die Luftverschmutzung einzudämmen.

Benagelte Winterreifen sollen in Reykjavík besteuert werden

Islands Umweltbehörde überarbeitet derzeit ihren Plan zur Verbesserung der Luftqualität. Unter anderem sieht der Plan vor, dass  Gemeinden die Möglichkeit erhalten, Autofahrer mit benagelten Winterreifen zur Kasse zu bitten. Damit dies umgesetzt werden kann, muss zuvor das Verkehrsgesetz geändert werden, berichtet Fréttablaðið.

In Reykjavík ist der politische Wille zur Nagelbesteuerung bereits vorhanden,.Nicht nur weil dies den Feinstaub in der Luft mindere, auch würde es der Fahrbahnzerstörung Einhalt gebieten, so der Experte für Luftqualität bei der Umweltbehörde, Þorsteinn Jóhannsson.
In Norwegen, so Þorsteinn, koste es in manchen Gemeinden 20.000 ISK, ein Fahrzeug mit vier benagelten Reifen den Winter über zu fahren.

Gäste zahlen Tagesgebühr
Kritik war unter anderem laut geworden, dass es sich bei dieser Gebühr um eine zusätzliche Besteuerung der Landbevölkerung handle. Auf dem Land sind benagelte Reifen in vielen Regionen wetterbedingt unumgänglich. Þorsteinn weist den Vorwurf zurück. „Das wäre eine Steuer für alle, die im Hauptstadtgebiet wohnen. Gäste würden dann eine Tagesgebühr zahlen, so wie beim Parkautomaten.“
Þorsteinn findet, dass die eingetriebenen Gebühren dann auch der Strasseninstandhaltung zugute kommen sollten. Der Entwurf zu der neuen Besteuerung müsse daher wohlüberlegt ausgefertigt werden, bevor er zur Anwendung komme.

Benagelte Winterreifen zerstören die Strassendecke um 20 bis 40 mal mehr als unbenagelte Reifen. Auch die Feinstaubentwicklung spielt eine Rolle, sie steigt regelmässig an, sobald die Autofahrer auf benagelte Bereifung wechseln. Gesetzlich erlaubt sind die benagelten Winterreifen erst ab dem 1. November. In diesem Jahr hatte die Polizei nach einem frühen Wintereinbruch zugesagt, keine Strafen für vorzeitige Nagelnutzer zu verhängen.